Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (Journey to the Center of the Earth, USA 1959) #Filmfest 487

Filmfest 487 Cinema

Der Brocken des Anstoßes

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde ist eine Verfilmung aus dem Jahr 1959 des gleichnamigen Romans von Jules Verne.

Im Jahr 1954 wurde der Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne auf sehr fantasievolle und visuell eindringliche Weise verfilmt, es gibt auch eine direkte Verbindung zur fünf Jahre später gefilmten innerterrestrischen Reise; zwei Jahre später war „In 80 Tagen um die Welt“ dran. Dieses Mal sind keine Zahlenangaben im Titel zu finden, wohl aber geht es wieder um eine außergewöhnliche Reise. So, wie man sie sich im 19. Jahrhundert vorgestellt hat, wird sie hundert Jahre später auch gezeigt, im Wesentlichen jedenfalls. Ist das gelungen? Wir klären dies in einer Co-Rezension, wie sie im Jahr 2017 häufiger verfasst wurden.

Handlung (1)

Der frisch geadelte Edinburgher Geologie-Professor Oliver Lindenbrook bekommt von seinem Studenten Alec einen rätselhaften Lava-Brocken geschenkt, der schwerer ist als er eigentlich sein dürfte. Als es bei der Untersuchung des Steines zu einer Explosion kommt, stellt sich heraus, dass sich im Lava-Brocken ein Senkblei mit einer Nachricht von Arne Saknussem befand. Saknussem, der seinerzeit den Mittelpunkt der Erde erreichen wollte, verschwand eines Tages auf mysteriöse Weise.

Da Lindenbrooks Kollege Goetaborg dessen Briefe nicht beantwortet, sondern selbst zum Mittelpunkt der Erde aufbricht, macht sich Lindenbrook sofort mit Alec auf den Weg. Unterwegs finden sie heraus, dass Goetaborg von einem Unbekannten vergiftet wurde und treffen auf den jungen Mann Hans Belker (mit seiner Ente Gertrud) sowie Goetaborgs Witwe Carla. Es stellt sich heraus, dass Goetaborg von Graf Saknussem ermordet wurde, einem Nachfahren jenes verschwundenen Forschers.

Schließlich brechen Lindenbrook, Alec, Hans (in Begleitung von Gertrud) und Carla zu ihrer Expedition zum Mittelpunkt der Erde auf und werden dabei von Graf Saknussem verfolgt. Dieser versucht, eine falsche Fährte zu legen, was jedoch von Carla bemerkt wird. Bei einer Flutwelle, in der die Gruppe fast ertrinkt, verliert man Alec aus den Augen. Dieser jedoch trifft in der Zwischenzeit auf Saknussem. Als Alec von seinen Begleitern wiedergefunden wird, werden sie von Saknussem mit einer Pistole bedroht, können ihn jedoch überwältigen. Bei der Fortsetzung ihrer Expedition entdeckt Saknussem einen großen Ozean, an dem die Gruppe von einer Dimetrodon-Herde bedroht wird, jedoch mit einem Floß flüchten kann. Man erreicht den Mittelpunkt der Erde; Gertrud findet durch die Hand des hungrigen Saknussem ein unrühmliches Ende. Als dieser vom wütenden Hans angegriffen und von Felsbrocken erschlagen wird, entdeckt die Gruppe eine versunkene Stadt, das verlorene Atlantis und die skelettierte Leiche des verschollenen Forschers Saknussem. Als es zu einem Erdbeben kommt, gleitet die Gruppe auf einer riesigen Schüssel durch den Schlot eines Vulkans zur Erdoberfläche.

Vor einer ihn willkommen heißenden Schar seiner Landsleute erklärt Lindenbrook die Expedition für gescheitert, da er keine Beweise für seine Beobachtungen vorlegen kann; jedoch kommen er und Carla sich näher.

Anni und Tom über „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“

Anni: Der Name des Professors im   Roman (in französischer Sprache) war Otto Lidenbrock, ein Deutscher.  In dem Film wurde er in Oliver Lindenbrook, einen Schotten, umgewandelt. Der Name seines Assistenten Axel wurde auf „Alec“ justiert.

Tom: Dies geschah im historischen Rückblick , da die Schotten des 19. Jahrhunderts als die besten Feldgeologen bekannt waren, wobei die Deutschen die laborbetriebene Geologie bevorzugen. Jede andere Erklärung ist absolut unsinnig und wird keinesfalls in Betracht gezogen. Aber dafür hat der Film vor allem zu Beginn einen wirklich bezaubernden Grundton, die Dialoge und wie die Schauspieler geführt werden, das ist schon sehr nett gemacht.

Anni: Stimmt, damit passt der Einstieg, die Identifikation funktioniert aufgrund der Szenen in Schottland bereits. Während der Reise habe ich nur Jenny vermisst – zwischenzeitlich sah es ja mal so aus, als ob sie den anderen hinterherfahren würde.

Tom: Das ist geschickt gemacht, weil man die ganze Zeit überlegt, wie sie denn da noch hinzustoßen könnte. Passiert aber nicht.

Anni: Schade auch, alles ja eine Typfrage ist. Und schlanke Dunkelhaarige und füllige Rothaarige, also zumindest im Film Rothaarige, sind eben zwei Welten. Ich mochte die Art, wie Arlene Dahl die schwedische Professorenfrau Carla Götaborg verkörpert. Sie ist ziemlich modern angelegt und der Zank mit James Mason während des Films soll auch ziemlich dem Verhältnis am Set entsprochen haben, weil sie nach Masons Geschmack zu sehr als Star herausgestellt wurde.

Tom: Mason hatte ja 1954 schon in „20.000 Meilen unter dem Meer“ als Käpt’n Nemo in einer Jules Verne-Verfilmung mitgespielt, allerdings war seine Figur dort viel düsterer angelegt als die des in einen Schotten gewandelten Professors. Der Film war seinerzeit ein großer Erfolg und hat bei Produktionskosten von 3,4 Millionen Dollar etwa 10 Millionen eingespielt.

Anni: Und alles in Cinemascope, wie bei 20th Century Fox üblich. Das Original-Stereo hört man auch, leider nur im Vorspann und in den Songs, denn die deutsche Synchronisation ist leider in Mono. Sehr ägerlich, weil das Flair solcher Filme ja auch in ihrer zeittypischen Technik besteht. Der Film bekam ja auch einen Osar für den besten Sound.

Tom: Gewonnen hat „Ben Hur“, wie fast alle anderen Oscars in dem Jahr, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ war nominiert.

Anni: Nun, Frank Harryhausen gegen echte Rhinozeros-Leguane?

Tom: Frank Harryhausen war damals einer der führenden Techniker für Pappmaché-Figuren, wie sie vor allem in den Fantasy-Abenteuerfilmen der Columbia verwendet wurden, die etwa zur selben Zeit entstanden wie „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“.

Anni: Ich bin da unschlüssig. Auf der einen Seite wirkt echt eben echt, auf der anderen sind die Pappkamerad_innen eben doch auch sehr kreativ und knuffig. Irgendwie fantasymäßiger. Während die echten Echsen schon etwas CGI-Feeling aufweisen, sofern sie nicht mit Menschen im selben Bild sind, in dem Moment fällt es etwas ab.

Tom: Ich gebe den Realviechern den Vorzug, ich war verblüfft, wie groß die im Breitbild wirken, und natürlich sind die Bewegungen viel natürlicher. Was mich aber auch verblüfft hat – der Film hat über 130 Minuten und das meiste findet unter der Erde statt und so viel passiert eigentlich gar nicht, aber ich bin gut mitgegangen und fand den Film nicht langweilig.

Anni: Vielleicht, weil es wie eine Heldenreise aufgebaut ist, und die sind ja immer spannend, ein paar Abenteurer ziehen los und bestehen – naja, eben alle möglichen Abenteuer. Und sie haben diesen Graf Magnussen, oder wie er heißt,als böse Figur eingebaut.

Tom: Saknussem.

Anni: Und die Ente Gertrud natürlich. Die hat sogar einen PATSY-Award bekommen. Im Buch gibt es die auch nicht. Die Ente. Und dann wird sie von Magnussen …

Tom: Sagnussem.

Anni: Genau, von dem verspeist. Alles, was nicht direkt von Jules Verne ist, hat einen echten Logik-Riss, in diesem Film. Also, ich gebe 7/10.

Tom: Ich gebe 7,5.

Anni: Ein Extrapunkt für Jenny, also Diane Baker. Oder für Pat Boone? Eher nicht, oder? Oder doch dafür, dass Frau Gotaborg ihr Korsett ablegen musste, weil’s so warm wurde und ihre Oberbekleidung immer mehr zerfetzt wurde?

Tom: Und erst Pat Boone und der Hans mit ihren Astralleibern, sichtbar ab Hosenbund aufwärts.

Anni: Eigentlich ist am Ende immer alles ganz schön banal.

73/100

© 2021 (Entwurf 2017, Thomas Hocke)

(1) und kursiv: Wikipedia

Regie Henry Levin
Drehbuch Charles Brackett
Walter Reisch
Produktion Charles Brackett
Musik Bernard Herrmann
Kamera Leo Tover
Schnitt Stuart Gilmore
Jack W. Holmes
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s