Die geheimnisvolle Insel (Mysterious Island, USA / GB 1961) #Filmfest 529

Filmfest 529 Cinema

Die geheimnisvolle Insel ist ein Roman des französischen Autors Jules Verne. Der Roman wurde erstmals 1874/75 von dem Verleger Pierre-Jules Hetzel unter dem französischen Titel L’Île mystérieuse in drei Bänden veröffentlicht. Der erste Band trägt den Untertitel Les Naufragés de l’Air (Die Schiffbrüchigen des Luftmeeres), der zweite Band L’Abandonné (Der Verlassene) und der dritte Le Secret de l’Ile (Das Geheimnis). Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1875/76. Der Roman nimmt Bezug auf die zuvor erschienenen Jules-Verne-Werke 20.000 Meilen unter dem Meer und Die Kinder des Kapitän Grant.

Zur Einordnung der Verfilmung haben wir die Beschreibung zur Buchvorlage gepostet, die in der Wikipedia nachzulesen ist, der Film hat erstaunlicherweise keinen deutschen Wiki-Eintrag, deshalb hier die amerikanische Variante:

Mysterious Island (UK: Jules Vernes Mysterious Island ) ist ein Science-Fiction- Abenteuerfilm aus dem Jahr 1961über Gefangene im amerikanischen Bürgerkrieg, die in einem Ballon entkommen und dann auf einer abgelegenen Insel gestrandet sind, die von riesigen, mutierten Tieren bevölkert wird. [1]  Der Film basiert lose auf dem Roman Die mysteriöse Insel (L’Île mystérieuse) von Jules Verne aus dem Jahr 1874 (der die Fortsetzung von zwei anderen Romanen von Verne war, Auf der Suche nach den Schiffbrüchigen von 1867 und Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer von 1870 ). von Charles H. Schneer und unter der Regie von Cy Endfield . [2]

Aufgenommen wurde der Film in Katalonien , Spanien und in den Shepperton Studios, Shepperton, England , dient der Film als Schaufenster für Ray Harryhausens Stop – Motion-Animationseffekte. Wie bei einigen klassischen Produktionen von Harryhausen wurde die Musik von Bernard Herrmann komponiert . 

Es ist immer so eine Sache, wenn man ein bestimmtes Element des Films kennt, ihn außerdem in eine Reihe mit anderen einordnen kann – und dann erst den Film selbst anschaut. So ging es uns mit „Mysterious Island“, wie er auf Deutsch bis auf den zusätzlichen Artikel entsprechend dem Original heißt. Was wir damit meinen und mehr zu „Mysterious Island“ steht in der –> Rezension.

Handlung

Während des amerikanischen Bürgerkrieges fliehen die Unionssoldaten Capt. Cyrus Harding, Herbert Brown, der Kriegsberichterstatter Gideon Spilitt und Cpl. Neb Nugent mit einem Heißluftballon aus der Gefangenschaft. Dabei wird Sgt. Pencroft von der konföderierten Armee ein unfreiwilliger Passagier. Nach einer langen Fahrt reißt der Ballon, nur knapp können sich Herbert, Spilitt, Neb und Pencroft auf eine Insel retten. Kurz darauf entdecken sie auch den tot geglaubten Capt. Harding. Niemand weiß jedoch, wer ihn gerettet hat.

Man beschließt, die Insel zu erkunden. Nachdem sie eine Weile gegangen waren, wird die Truppe von einer Riesenkrabbe angegriffen. Diese schnappt sich Neb, wird jedoch von den anderen getötet, Neb wird befreit.

Nachdem sie eine Weile auf der Insel gelebt haben, stranden zwei weitere Personen auf der Insel. Es handelt sich dabei um Lady Mary Fairchild und ihre Nichte Elena. Die Männer freunden sich bald mit den Damen an. Gemeinsam wollen sie ein Boot bauen, um zu fliehen. Nachdem sie eine Weile mit selbstgebauten Werkzeugen arbeiten, entdeckt Neb eine treibende Kiste mit wertvollen Inhalten, die, wie sich später herausstellt, von der Nautilus stammt. Da aber die Nautilus angeblich schon lange gesunken sei, ist man sich nicht ganz sicher.

Eine Weile später jedoch werden Spilitt und die Damen von einem riesigen Vogel angegriffen. Sie werden zum Glück vom rechtzeitig auftauchenden Herbert gerettet, bevor Elena gefressen werden kann. Es stellt sich dann heraus, dass nicht Herbert den Vogel mit seinen Messer getötet hat, sondern dass ihn ein Fremder von Weitem erschossen hat. (…) 

Rezension 

Wir kannten vorher bereits die Filmmusik von Bernard Herrmann, der für jedes der auftretenden Riesenviecher ein eigenes Thema komponiert hat und die Musik gehört sicher zu den besseren Elementen des Films. Wir wissen, dass dieses Werk aus einer Reihe von Fantasyfilmen stammt, welche die Columbia Ende der 1950er bis Anfang der 1960er produzierte und die aus Kostengründen nicht mit Superstars besetzt wurden, sondern mit weniger bekannten Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe sowie teilweise in England oder anderswo in Europa gedreht wurden, ebenfalls, um Kosten gegenüber dem teuren Hollywood zu sparen. So kommt in „Mysterious Island“ immerhin Spanien mit mehreren Schauplätzen oder Drehorten vor.

Die beiden anderen Filme der Columbia-Reihe sind „The Three Worlds of Gullive“ (1958) und „The 7th Voyage of Sindbad“ (1960). Mit “Mysterious Island” ist ihnen die Filmmusik von Herrmann gemeinsam – und die Tricktechnik von Ray Harryhausen, die in “Mysterious Island” am weitesten entwickelt scheint und sehr gut funktioniert – zumindest, solange zusammen mit den Riesentieren nicht Menschen im selben Bild gezeigt warden, die von ihnen ergriffen werden oder auf ihnen sitzen. Deswegen funktionieren auch die Giant Bees so gut, weil es bei ihnen diese Kombination nicht gibt. Außerdem ist es schon toll anzusehen, wie sie auf böse Insekten machen und eine von ihnen die Wabe zukleistert, in der zwei der getrandeten Neu-Insulaner gefangen sind – das junge Pärchen, das die Situation nicht einmal ausnutzt, um unbeobachtet Sex zu haben. Naja, das ging 1961 nicht, in einem solchen Film, aber küssen hätten sie sich schon dürfen.

Wo doch die beiden Frauen, die es hier gibt, eigens für die Filmadaption eingefügt wurden, damit etwas mehr Erotik reinkommt – und weshalb die eine Frau der anderen ja auch so ein knappes Lederkleidchen nähen muss, während sie selbst die Kleider anbehält, die sie schon auf dem Schiff trug, das vor der Insel unterging. Die jüngere der beiden Frauen bekommt dadurch ein wenig Jane-Appeal, nur ist der junge Mann, der um sie wirbt, eindeutig nicht Tarzan, obwohl er mit freiem Oberkörper herumläuft, im Gegensatz zu den meisten Mitgestrandeten. Außer ihm darf das auch noch der Afroamerikaner Neb, ein Soldat der Union, wie die meisten anderen Männer. Der ist auch nicht mehr Diener des Käptn’s, sondern schon Kamerad, nicht wie in Jules Vernes Romanvorlage von 1874. Die Political Correctness zeigt also im Film von 1961 erste Spuren und in der Tat wird dem dunkelhäutigen Mann eine für einen weißen Film der Zeit vergleichsweise umfangreiche Rolle zugestanden. Es gibt zwar ein Rangverhältnis, aber Nebs Rolle ist mehr als marginal.

Immer wieder wird aber das Personentableau so gestaltet, dass man denkt, jetzt kommt entweder einer der Gefährten gleich um oder sie kriegen sich in die Haare. Besonders zwischen Captain Harding und dem Kriegsberichterstatter Spilitt ist immer mal wieder ein wenig Hahnenkampf zu beobachten. Aber die Sache wird nie ernst und die Gruppe bleibt immer zusammen. Als soziale Versuchsanordnung à la „Paradise Lagoon“ (1957) kann man den Film nicht sehen, auch nicht als echte Robinsonade, wenngleich das Buch Robinson Crusoe im Film vorkommt. Als Teil eines Survival-Packs, das in einer großen  Holzkiste lagert. Ob jemand auf einer einsamen Insel wirklich über jemanden lesen will, der auf einer einsamen Insel lebt, sei dahingestellt, aber immerhin gibt es in Crusoe ja auch eine Menge praktischer Tipps, wie man sich das Leben in so einer Situation schrittweise angenehmer machen kann. Überhaupt werden die Möglichkeiten, es zwischenmenschlich in jeder Hinsicht knistern zu lassen, nur angedeutet, nicht ausgespielt.

Außerdem taucht im letzten Drittel des Films Käpt’n Nemo auf, der nicht mehr so egozentrisch wirkt wie in „20.000 Leagues Under the Sea“ von 1954, dem wunderbaren Disney-Klassiker. Die Ausstattung seiner Nautilus scheint aber von dem früheren Film doch inspiriert. Vielmehr ist Nemo jetzt ein radikaler Menschenfreund, ein Gesinnungsethiker, der Schiffe versenkt, um Kriege zu verhindern – und außerdem auch noch biologische Experimente betreibt, um den Hunger der Welt zu besiegen. Dabei setzt er auf Krabben, prähistorische Vögel und Bienen, die er zu monströsem Wachstum bringt. Vielleicht hätte es da bessere Tierarten gegeben, wie zum Beispiel die Ziegen, die haben wiederum nur Normalformat und dienen als den Abenteurern als Frischgetränke-Lieferanten.

Die großen Tiere gibt es in Jule Vernes Roman auch nicht, sie sind genauso spekulativ wie die Frauen in knappen Dresses, einfach, um mehr Schauwert zu bieten, und im Fall der Monsterkrabben und der Bienen und des Vogels natürlich auch, damit Harryhausen seine Fähigkeiten zeigen können.

Die Figuren haben nicht den Reiz wie teilweise in den anderen Filmen der Serien. Die Frauen kommen nicht genug zur Geltung, um so bezaubernd zu werden wie June Thorburn als Gullivers Verlobte oder Kathryn Grant als Sindbads Prinzessin, und der jungenhafte, sanfte B-Star-Charme von Kervin Mathews, der Sindbad und Gulliver verkörperte, ist hier auch nirgends anzutreffen. Captain Harding ist zu sehr ein Kommisskopp, der immer darauf aus ist, dass alle sich ihm unterordnen, was der Film auch als selbstverständlich darstellt, weil er der militärisch Ranghöchste ist. Das gibt ihm auch das Recht, die Zivilisten zu kommandieren, die sich mit oder ohne Widerspruch ins Gegebene fügen.

Finale

Es fehlt „Mysterious Island“ ein emotionales Zentrum, das die anderen Werke der Reihe haben und ihr atmosphärischer Flair, der ebenso zu ihrer Märchenhaftigkeit beiträgt wie Ray Harryhausens Special Effects. Außerdem drängt sich natürlich immer der Vergleich mit „20.000 Meilen unter dem Meer“ aus den Walt Disney Studios auf, in dem Größen wie Kirk Douglas, Peter Lorre und James Mason ein fantastisches Darsteller-Ensemble bildeten und menschliche Konflikte und Charaktere wesentlich besser ausgearbeitet wurden.

Wegen der mächtigen Viecher, die nach ihrem Tod mit mächtigem Hunger verzehrt wurden, in jener fernen Zeit, als noch nicht die vegane Einstellung über jeden Mordshunger siegte, sozusagen als Bonus:

60/100.

© 2021 (Entwurf 2016) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Directed by Cy Endfield
Produced by Charles H. Schneer
Screenplay by John Prebble
Daniel B. Ullman
Crane Wilbur
Based on the novel L’Île mystérieuse
by Jules Verne
Starring Michael Craig
Joan Greenwood
Michael Callan
Gary Merrill
Dan Jackson
Music by Bernard Herrmann
Cinematography Wilkie Cooper
Edited by Frederick Wilson
Production
company
Ameran Films
Distributed by Columbia Pictures
Release date
December 20, 1961
Running time
101 minutes
Countries United Kingdom
United States
Language English

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s