Der Wilde (The Wild One, USA 1953) #Filmfest 533

Filmfest 533 Cinema

Der Wilde (Originaltitel: The Wild One) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1953 unter der Regie von László Benedek. Die Hauptrolle spielte Marlon Brando, der in der Rolle des Anführers einer Rockerbande zu einem Idol der „Halbstarken“ wurde.[1] Der finanziell erfolgreiche Film hatte großen Einfluss auf die Jugendkultur der 1950er Jahre.[2]

Als Erscheinungsdatum des Films hatte ich vor der Recherche das Jahr 1951 im Kopf und gerne geschrieben, dass Marlon Brando mit diesem Film berühmt geworden war und eine Kultperson und dergleichen, wie James Dean zwei Jahre später mit „Rebel Without a Cause“. Doch Brando war bereits ein arrivierter Star, als „Der Wilde“ herauskam, hatte in dem herausragenden „A Streetcar Named Desire“ die männlichen Hauptrolle und anschließend den – sic! – Rebellen Emiliano Zapata sowie Antonius in „Julius Caesar“ gespielt, historische Persönlichkeiten, für deren Darstellung nur Schauspieler aus der ersten Reihe in Frage kamen.

Von dort aus einen rudimentären Straßenrocker in Motorradkuft und mit süßer Mütze zu spielen, weil wuchtige Helme, hinter denen die Gesichter versteckt werden können, damals noch nicht eingesetzt wurden, um den wilden Eindruck zu steigern, finde ich gar nicht so einfach, auch für das Publikum nicht. Ich hätte sicher nicht so einfach aus dem Kopf bekommen, dass der Darsteller des Typs, den wir hier sehen und der vom Irgendwo ins Nirgendwo knattert und dort, wo er gerade aufkreuzt, gerne etwas Krawall macht, mit seiner Gang, schon so arriviert ist. Anhand einiger Automodelle, die man kurz eingeblendet sieht, kam mir aber schon beim Anschauen der Gedanke, dass der Film etwas später als 1951 herausgekommen sein muss. Mit den damaligen Motorrädern (und mit den heutigen) kenne ich mich nicht gut genug aus, um daran das Erscheinungsjahr eines Films exakt festmachen zu können. Was ich sonst noch gefunden habe, steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

Die Motorradgang BRMC (Black [blau, in der dt. Synchronisation, A. d. Verf.] Rebel Motorcycle Club) besucht in Carbonville ein Motorradrennen. Die Rocker stören den Ablauf, geraten mit dem Veranstaltungspersonal aneinander und stehlen die Trophäe für den zweiten Platz. Von der Polizei weggeschickt, fahren sie weiter in die Kleinstadt Wrightsville, wo ihre Ankunft für Aufsehen sorgt. Eine von ihnen ausgetragene, kurze Motorradwettfahrt führt zu einem Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Bike, worauf der örtliche Polizist Harry Bleeker zwischen dem aufgebrachten, betagten Autofahrer Art Kleiner und den Rockern zu vermitteln versucht. Der BRMC-Anführer Johnny entscheidet, auf den ins Krankenhaus transportierten, leicht verletzten Biker „Crazy“ zu warten. Im örtlichen Café bandelt er mit der Serviererin Kathie an, der Tochter von Harry. Die Gang nimmt das Café und die angegliederte Bar in Beschlag; ihr Alkoholkonsum wird vom Cafébetreiber, Kathies Onkel Frank, zunächst freudig aufgenommen. Harry redet freundschaftlich mit Johnny, der abweisend reagiert. Kathie hält Johnny seine „Ungezogenheit“ vor, dieser antwortet unwirsch: „Ich mag keine Polizisten.“

Als „Crazy“ zurückkehrt und Johnny weiterfahren will, trifft die Gang der Beetles im Städtchen ein. Ihr Anführer Chino nimmt die Trophäe an sich und provoziert eine Schlägerei mit Johnny, der siegreich bleibt. Der Stadtbewohner Charlie Thomas steigt provokativ in sein Auto und will hupend die Räumung der Straße erreichen, streift ein Bike und einen Rocker und wird daraufhin von Chino aus dem Wagen gezerrt. Als die Rocker sein Gefährt zu kippen versuchen, stoppt dies Harry und will Thomas und Chino auf die Wache mitnehmen. Auf Druck anderer Bürger nimmt er nur Chino mit. Johnny hinterfragt dies. Harry bietet an, Chino gehen zu lassen, wenn die Rocker aus der Stadt zögen, worauf Johnny entgegnet, „keine Geschäfte mit Polizisten zu machen.“ Kathie sagt zu Johnny, ihr Vater sei ein Versager wie er auch. Er solle den Preis zu dem bringen, der ihn gewonnen hat. Johnny droht Kathie, ihm keine Vorschriften zu machen.

Inzwischen ist es Nacht geworden. Beide Gangs belagern die Straße. Harry will den Sheriff anrufen, doch die Rocker stürmen die Telefonvermittlung und verjagen die Telefonistin. Sie holen Thomas aus seinem Haus und sperren ihn in die Gefängniszelle zu Chino, der zu betrunken ist, um aufzustehen. Frank vermag angesichts der Übermacht der Rocker Café und Bar nicht zu schließen. Thomas wird von anderen Bürgern aus der Zelle befreit, Chino geht anschließend durch die offenstehende Zellentür. Die Rocker plündern einen Schönheitssalon, verfolgen die vom Onkel zum Vater geschickte Kathie und umfahren sie mit ihren Bikes. Als Johnny dazugelangt und „Steig auf!“ sagt, entkommt sie mit ihm der Szenerie. Johnny hält an einem lauschigen Plätzchen im Park. Unvermittelt, plump und ungeschickt küsst er Kathie. Die beiden beharken sich zunächst mit Worten, dann wird Kathie emotional, erzählt ihm von ihrer Vorstellung, dass ein Mann ins Café käme, einen Kaffee bestelle und sie weit weg mitnähme. Dann erwähnt sie, dass Johnny ihr den Preis schenken wollte, fragt, ob er es jetzt tue, fällt ihm und den Hals, aber Johnny reagiert ohne Verständnis für ihre Sehnsucht. Weinend läuft Kathie davon und ohrfeigt den ihr hinterhergefahrenen Johnny.

In den Straßen der Stadt vergnügen sich ausgelassen die Rocker. Kathie beobachtet, wie eine Bürgerwehr Johnny vom Motorrad zerrt und mit ihm wegfährt. Sie rennt zum Vater und bittet um Hilfe für Frank und Johnny. Doch der meint, er könne nichts ändern: Frank hat sich die Suppe selbst eingebrockt und Johnny wollte nicht auf ihn hören. Letzterer wird von mehreren Entführern geprügelt. Unerwartet kommt der Polizist mit Kathie dazu und gebietet, aufzuhören. Johnny kann entfliehen und zu seinem Motorrad gelangen, wird aber wieder von einer aufgebrachten, mit Knüppeln bewaffneten Menge verfolgt. Ein Montiereisen wirft ihn vom Motorrad, das herrenlos auf Franks alten Tellerwäscher Jimmy prallt, der verstirbt. Die Meute stürzt sich auf Johnny, doch Sheriff Singer trifft mit seinen Männern ein und nimmt ihn fest. Er wird für den Tod von Jimmy verantwortlich gemacht, aber die Zeugenaussagen Franks und Art Kleiners entlasten ihn. Der Sheriff redet ihm ins Gewissen und lässt ihn gehen. Er befiehlt den Rockern, zu verschwinden und nicht mehr wiederzukommen. Johnny legt einen Zwischenhalt im Café ein, trinkt einen Kaffee, stellt die Trophäe ans Ende des Tresen und lächelt Kathie zu. Diese lächelt am anderen Ende zurück; Johnny fährt davon.

Rezension

Eines hatte sich allerdings von 1951 auf 1953 nicht geändert: Die neue, instituationalisierte Jugendkultur, die bis heute unzählige Teenagerfilme und musikalisch zunächst den Rock’n Roll hervorgebracht hatte, die gab es noch nicht. Das merkt man unter anderem an der Musik, die in der Bar gespielt wird, es ist Jazz, wenn auch nicht in seiner smoothesten Form. Die Alternative wären berühmte Songs mit Croonern wie Frank Sinatra oder Perry Como gewesen, aber schon daran sieht man, was gefehlt hat. Es gibt ein deutsches Lied, das dieses Fehlen thematisiert, es stammt aber aus den 1970ern, wenn ich mich richtig erinnere, und da war Brando schon zu alt, um ein Vorbild für die Sehnsucht der Jugend nach Freiheit und Abenteuer zu sein, auch der Satz stammt aus dem Lied. Wir bemühen wieder einmal unsere Lieblingsquelle, weil ich finde, dass die darin verorteten Sätze aus der Brando-Seite nicht bloß eine Meinung, sondern eine sehr treffende Analyse darstellen:

Im September 1952 ging Brando zum zweiten Mal bei Stanley Kramer unter Vertrag: in dem Film Der Wilde sollte er unter der Regie von László Benedek den Anführer einer Motorrad-Gang spielen, die in eine amerikanische Kleinstadt einfällt und dort tagelang die hysterisch reagierende, spießige Einwohnerschaft aufmischt. Die Geschichte war brandaktuell; ihr lag ein authentischer Vorfall zugrunde, der in der öffentlichen Diskussion, die in der Nachkriegszeit über das neue Phänomen der Jugendkriminalität entflammt war, für zusätzlichen Wirbel gesorgt hatte. Brando besaß für Underdogs jeder Art große Sympathien und sah eine Chance, durch eine differenzierte Interpretation seiner Rolle die Ursachen der Rebellion sichtbar zu machen.

Zur Vorbereitung studierte er die Sprache und das Auftreten der Mitglieder einer Motorrad-Gang, die in dem Film als Statisten und Nebendarsteller mitwirken sollten. Brando fuhr, wenngleich mit bescheidenem technischen Geschick, auch selbst Motorrad. Der auf dem Außengelände der Columbia in Burbank gedrehte und im Dezember 1953 uraufgeführte Film krankte daran, dass Brandos und Kramers soziale Analyse einerseits zu kurz griff und dass andererseits auch der Regie von Benedek, dem das ganze Sujet nicht lag, kein überzeugendes Konzept zugrunde lag. Obwohl der Film Brandos Image als „Rebell Hollywoods“ festigte, fand er bei der Kritik wenig Zustimmung, und auch Brando war von dem Ergebnis enttäuscht.[18]

Neben den Statisten sehen wir auch den jungen Lee Marvin in der wohl coolsten Rolle, weil er sich nicht, wie Hauptdarsteller Brando, „differenziert“ verhalten muss. Der Stil des Hollywood-Mainstreams erklomm, als „Der Wilde“ herauskam, immer neue melodramatische Höhen und ich wage die Vermutung, dass man vermeiden wollte, die Rocker zu sympathisch darzustellen, indem man Brandos Figur zum Beispiel einen sozialen Hintergrund gibt, der sein Verhalten entschuldbar wirken lassen könnte. Dadurch liegt der Akzent sehr auf dem Herumrüplen der Bande, die Dramaturgie ist ruckig und man merkt, dass diesem Werk fünfzehn Minuten mehr an Spielzeit fürs Differenzieren gutgetan hätten. Allerdings bestand bei Brando die Gefahr, dass er in einen ähnlichen Duktus gerutscht wäre wie zwei Jahre später James Dean, bei dessen Jugendlichem in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ das alles so genau ausgeleuchtet wurde, dass man sogar versteht, warum Mittelstandskids die Nase von ihren Eltern voll haben können. Aber zum Ende hin, ab dem Moment, in dem er einem Mädchen aus dem Ort näherkommt, weicht Brando seine Figur ohnehin auf und das Lächeln vor dem Abschied, nachdem er ihr den ohnehin geklauten Pokal zugeschoben hat, ist Millionen wert und nicht gerade typisch für Mitglieder von Motorradgangs, die sich einen „Abgang“ verschaffen wollen; zumindest, wenn man der heutigen, gestanzten Ikonografie von Filmen glauben mag, die alle mehr oder weniger in der Tradition von „The Wild One“ stehen.

Anders ausgedrückt, es war schwierig, die Balance für einen solchen Problemfilm zu finden, für den es noch keine Vorbilder gab. Die letzten Sozialfilme, die sich mit Lost Kids in Großstädten befassten, stammten aus den späten 1930ern („Boys Town“) und in ihnen spielten Armut und prekäre Herkunft eine große Rolle, während die Rocker in „Der Wilde“ eben nur Langeweile, angeödet sein, als Beweggrund ihres Lebensstils vorweisen können. Zu einem mehr analytischen und weniger melodramatischen Film als „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ kam es ebenfalls zwei Jahre später mit „Blackboard Jungle„, der von allen Pionierfilmen, die sich mit Jugendgewalt und der Initiation befassen, am realistischsten und ausgewogensten wirkt. Er ist aber aus der Perspektive eines idealistischen Lehrers gefilmt, was auch bedeutet, man blieb auf einem einigermaßen sicheren Weg, der die Medienrezeption von Nicht-Jugendlichen mehr berücksichtigte und daher auch, anders als „The Wild One“ und „Rebel Without a Cause“, dessen Inhalt dem Titel zuwiderläuft, nicht zu einem Kultfilm wurde, den Test der Zeit aber am besten bestanden hat.

Der katholische film-dienst gestand dem Streifen zwar zu, dass vor dem Rowdytum gewarnt würde, fand aber doch bedenklich, dass es von der Jugend nachgeahmt werden könnte.[2]

Noch moralinsaurer ging damals der „Evangelische Filmbeobachter“ an Filme heran. Wir zitieren diese Quellen nicht selten „derivativ“, wenn sie in der Wikipedia ohnehin benannt werden, um uns abzugrenzen, und dieses Mal sieht man auch, warum, denn die Meta-Ebene ist leicht zu erklären: Eben wegen eines Duktus der Erwachsenen, zu dem auch gehörte, dass Filme von Interesse vor allem moralisch und dies sehr rigide bewertete, ebenso wie Entwicklungen in der Musik, bei der Kleidung etc., und außerdem Empfehlungen enthielt oder eben verweigerte, waren Jugendliche kaum noch zu bremsen.

Ge- und verurteilt wurde schnell, aber Verstehen und Hinterfragen war eher nicht Bestandteil dieser Kritiken oder im Repertoire der meisten Eltern vorhanden. Die damals dominierende kirchliche Filmkrietik war außerdem von einem sehr engen, rechtskonservativen Normenkorsett und weniger von christlichen Leitmotiven geprägt. Was man verstand, war die Gefahr, die Role Models wie „Der Wilde“ darstellten, aber warum das so war und die junge Generation das Gehabe der Kleinstadtrocker in solchen Filmen nicht eher distanziert sah oder gar lächerlich fand, wollte man lieber nicht aufschlüsseln.

Mithin zählte diese Seite der Filmkritik zum Establishment, das die 1950er so stickig wirken ließ und gegen das junge Menschen aufbegehrten und konnte nichts dazu beitragen, eine Lanze für sie zu brechen. Der erste deutsche Film, der das aufgriff, war „Die Halbstarken“ (1956), im Mainstream-Kino hingegen wurde das Verhalten der Jugend auf eine ziemlich perfide Art „integriert“ und verharmlost, die ich im hier gegebenen Rahmen nicht beschreiben kann, die aber mit dazu geführt hat, dass es 1967-68 dann zu einem richtiggehenden Ausbruch kam, der zum Glück auch ein Aufbruch war.

Marlon Brandos Darstellung des Johnny Strabler mit schwarzer Motorrad-Lederjacke, Jeans und einem Triumph-Thunderbird-Motorrad erlangte Vorbildcharakter unter den Jugendlichen der 1950er Jahre.[4] Kriminelle Handlungen, Aufruhr und Krawalle wurden auch der Wirkungsweise dieses Films zugeschrieben, und in Großbritannien wurden Aufführungen verboten.[4][2] Das BBFC verlangte mit einem Verweis auf die steigende Jugendkriminalität, vor einem jungen und unreifen Publikum sollten nur Filme mit entsprechenden moralischen Gegengewichten in der Handlung vorgeführt werden.[5]

So ist es, wenn man Ursache und Wirkung miteinander verwechselt, ebenso wie Jahrzehnte später, als man die Video-„Ballerspiele“ und deren Auswirkungen auf Schulmassaker und dergleichen in den Blick nahm. Es wird immer zu kurz gegriffen, denn die soziokulturellen Hintergründe bereiten den Boden für das Entgleisen vom Einzelnen und meist braucht man nicht lange nach den Gründen für Fehlentwicklungen zu suchen, man findet sie im engsten Familienumfeld. Da die Familie aber eine Blackbox ist und Konservative aus guten Gründen diese Blackbox nicht gerne öffnen, ist bis heute ein Mangel an ehrlicher Analyse und Selbstreflexion der „Mehrheitsgesellschaft“ ein Hauptgrund dafür, dass sich viele Zustände nicht bessern. Die allgemein zunehmende Gewaltbereitschaft, die wir in den letzten Jahren sehen, ist in allem, was getan und gesagt wird, angelegt, von der Diskussionskultur in den (nicht-sozialen) Medien bis hin zum realen Handeln in Politik und Wirtschaft. Allerdings ist „Der Wilde“ nicht geeignet, um das ausführlich zu besprechen. Was man sieht, ist, dass die Bewohner der gezeigten Kleinstadt das ihre dazu beitragen, dass die Situation eskaliert und ein Mensch zu Tode kommt. Der Dorfpolizist ist nicht etwa sozialarbeiterisch geschult, sondern aus Angst zu weich, hingegen sind einige der „Bürger“ Nazitypen.

Finale

Wegen dieser Konstellation fällt auch sehr rasch auf, dass der Film einem Western nachgebildet wurde. Die Konflikte mit Gangs, die Städte heimsuchen und terrorisieren, wurde zum Beispiel im Jahr zuvor in „High Noon“ hervorragend ausgearbeitet und war in den 1950ern vielfach eine Handlungs-Grundkonstruktion, die im weniger verfänglicheren Kleid des Period Pictures, das der Western grundsätzlich darstellt, immer wieder damit enden durfte, dass die Zivilisation auf die eine oder andere Weise siegt. Und wie ein typischer Westerner macht sich Marlon Brandos Wilder am Ende vom Acker. Er hätte ja auch sesshaft werden können, im Western gibt es beide Varianten und so gut wie nie eine dritte, wenn aus der Perspektive einer ambivalenten Figur heraus gefilmt wird, die nicht zur Gesellschaft des Ortes zählt, an dem sich alles zuträgt. Auf die Wirkung dieser Dramaturgie hat man sich verlassen und sie funktioniert fast immer. Hinter die besten Western jener Zeit fällt „The Wild One“ aber zurück, weil die Figuren zu schlicht gepinselt werden.

Vor „Der Wilde“ hatte Regisseur László Benedek das Theaterstück „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller verfilmt, das den Generationenkonflikt tatsächlich aus einer Familiensitution heraus entwickelt und viel literarischer abhandelt, das lag ihm offenbar auch mehr, als einen Neuzeitwestern auf offener Straße zu inszenieren, bei dem man in den erzkonservativen frühren 1950ern auch noch leicht ins Fettnäpfchen treten konnte. Was ja auch geschah, wie die obigen Ausführungen belegen. Außerdem greift der Narrator zu Beginn, als man nur die leere Straße sieht, zu einem üblen Trick: Er suggeriert, dass ein Mädchen in dem Film zu Schaden kam und selbstredend glaubt man, es ist nun so weit, als Johnny die junge Kathie aufs Motorrad packt und mit ihr aus der Stadt fährt. Dort aber vollzieht sich etwas plötzlich die Wandlung, in der sie die Initiative übernimmt und seine Ängste offenlegt. Darüber hätte ich gerne mehr gewusst, aber es bleibt dabei, dass der Film wichtig ist, um die Entstehung der späteren „Jugendkultur“ und viele nachfolgende Filme zu verstehen.

71/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1), kursiver Textund Zitate: Wikipedia

Stab
Regie László Benedek
Drehbuch John Paxton
Ben Maddow (ungenannt)
Produktion Stanley Kramer
Musik Leith Stevens
Kamera Hal Mohr
Schnitt Al Clark
Besetzung

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