Corona 12/22: Weiter leichter Inzidenzanstieg + Plant der Berliner Senat eine rasche Schulen-Durchseuchung? + Widersprüche in den Aussagen der Politik bezüglich der Impfpflicht? | Frontpage | Corona Lage | Infoblock, Service, Politik, Hinweise

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Sonntag, 16. Januar 2022. Eine Woche mit ansteigenden Corona-Fallzahlen liegt hinter uns, gestern kam es wieder in vielen Städten zu Protesten gegen Schutzmaßnahmen.

Die Datenlage ist aktuell das eine, ihre Interpretation, verstärkt seit Omikron, das andere. Doch wir sind strikt gegen eine „Durchseuchungsstrategie“ und werden das heute u. a. anhand des Präsenz-Schulbetriebs in Berlin besprechen. Zwei Bezirke Berlins haben derzeit die höchsten Inzidenzen in ganz Deutschland, aber die Vorgaben des Senats werden nicht angepasst.  

Zu unserem vorausgehenden Corona-Artikel 11/22 vom 15.01.2022.[1]

Der Artikel ist unterteilt in den Infoblock, den Service, politische und weitere News zu Corona sowie einem Schwerpunkt Berlin als Hotspot des aktuellen Corona-Geschehens.

Infoblock

  • Weltweit gemeldete Neuinfektionen gestern und an den Tagen zuvor.[2]
    • 2,42 Millionen (15.01.2022 – wegen weniger Testung und Erfassung gehen die Fallzahlen am Wochenende üblicherweise zurück, die korrekte Vergleichszahl sind die 2,24 Millionen Neuinfektionen vor sieben Tagen)
    • 3,23 Millionen (14.01.2022)
    • 3,26* / 3,20* / 2,81* / 2,17 / 1,87 / 2,24 / 2,52 / 2,59 Millionen (13.01. bis 06.01.2022)

Weltweit hatte die Zahl der Neuinfektionen bis vor drei Tagen drei Mal hintereinander ein neues Maximum erreicht. Erste Länder scheinen jedoch den Gipfel der Omikron-Welle überschritten zu haben, insgesamt ließ sich zuletzt eine Abflachung des Anstiegs erkennen.

  • Gemeldete Neuinfektionen in Deutschland vom 14.01. bis 08.01.2022.[3]
    • 52.504 (15.01.2022)
    • 78.022 (14.01.2022)
    • 92.223* / 81.417*/  80.430* / 45.690  / 25.255  / 36.552    

Auch in Deutschland wurde bis vor drei Tagen drei Mal in Folge ein neuer Rekord für den gesamten Zeitraum der Pandemie gemeldet. Hier gilt das Gleiche wie bei den weltweiten Zahlen: Der richtige Vergleich ist der mit der Zahl an Neuinfektionen vor sieben Tagen, die nur halb so hoch war wie die aktuelle. Allerdings könnte in Deutschland auch eine Rolle spielen, dass es damals noch Nacherfassungen von Fällen offen waren, die über die Feiertage entstanden sind. Diese Nacherfassungen sollten mittlerweile vollständig erfolgt sein.

  • Weltweit gemeldete Todesfallzahlen mit / wegen Corona vom 14.01.2022 bis zum 10.01.2022[4]
    • 854 (14.02.2022)
    • 704 / 8.418 / 8.260 / 5.166
  • 7-Tage-Inzidenz in Deutschland (15.01.2022 bis 09.01.2022)[5]

Am 13.01.2022 (Meldung am 14.01.) wurde die bisherige Höchstinzidenz während der gesamten Pandemie übertroffen (452,4), seitdem steigt der Inzidenzwert in Deutschland weiter an. Wir haben unserer Grafik nun auch die tägliche Veränderungsrate beigefügt, die immerhin derzeit eine geringere Steigerung der Inzidenz ausweist als noch vor wenigen Tagen. Regional allerdings sieht es sehr unterschiedlich aus.

  • Länder mit mehr als 5 Millionen Einwohnern und einer Inzidenz von mehr als 1.000  (Stand 13.01.2022 bis 09.01.2022). Der Stand wurde nach dem 14.01.2022 nicht aktualisiert.[6]
    • Irland (3.097 / 3.097 / 3.131 / 2.780 / 3.378)
    • Frankreich (3.066 / 2.957 / 2.872 / 2.774)
    • Australien (2.795 / 2.318 / 2.006)
    • Israel (2.689 / 1.930 / 1.690 / 1.183)
    • Portugal (2.671 / – / – / -)
    • Dänemark (2.352 / 2.424 / 2.512 / -)
    • Spanien (2.140 / 1.713 / 1.798 / 1.847)
    • Schweiz (2.081 / 2.088 / 2.072 / 1.750)
    • Italien (1.959 / 2.005 / 2.043 / 1.840)
    • Griechenland (1.780 / 2.082 / 3.075 / 2.767)
    • USA (1.667 / 1.593 / 1.674 / 1.494)
    • Großbritannien (1.434 / 1.642 / 1.893 / 1.866)
    • Schweden (1.543 / 1.253 / – / -)
    • Argentinien (1.468 / 1.546 / -)
    • Belgien (1.453 / 1.329 / 1.107 / -)
    • Niederlande (1.246 / 1.152 / 1.096 / -)
    • Finnland (1.193 / 1.009 / – / -)

Außer in Großbritannien fällt die Inzidenz bisher nirgends merklich, aber gut möglich also, dass das erste Land in Europa, das massiv von der Omikron-Variante betroffen war, den Gipfel endgültig überschritten hat.

  • Todesfallzahlen in Deutschland vom 15. bis zum 11.01.2022
    • 47 (15.01.2022)
    • 235 (14.01.2022) / 286 (13.01.2022) / 316 (12.01.2022) / 387 (11.01.2022)

Der kurze Betrachtungszeitraum, der in diesen Artikeln ausgewiesen ist, verbietet schnelle Rückschlüsse (wie etwa: steigende Inzidenz, sinkende Todesfallzahlen). Zur Übersterblichkeit haben wir einen Artikel veröffentlicht, der eine differenzierte Betrachtungsweise nahelegt.[7] Auch zu den „Impftoten“gibt es mittlerweile Daten vom Paul-Ehrlich-Institut.[8]  Auch bei den Todesfallzahlen, so erfreulich der aktuelle Rückgang wirkt, ist zu beachten, dass die Meldungen am Wochenende regelmäßig niedriger ausfallen als während der Werktage.

  • Ausgewählte Bundesländer / Kommunen, dargestellt sind die Zahlen vom 16.01.2022 bis zum 09.01.2022[9]
    • Bremen weist, wie dem Beginn der „Omikron-Welle“, die höchste Inzidenz aus
      • 1.401 / 1378 / 1.427 / 1.438 / 1.296 / 1.194 /  1.081 / 1.100 
    • Berlin steht nach wie vor auf Platz 2
      • 965 / 957 / 950 / 919 / 856 / 737 / 694 / 665
      • Auf den folgenden Rängen: Hamburg (831, ein Anstieg gegenüber dem Vortag um fast 100 Punkte) und Schleswig-Holstein (665).

In Bremen scheint der Gipfel vorerst erreicht zu sein, in Berlin kriecht die Inzidenz sozusagen voran, der steile Anstieg in Hamburg wirkt ungewöhnlich, auch in Hessen, Brandenburg und Bayern liegen die Inzidenzen mittlerweile über 600 bzw. über 520 und damit über dem Bundesdurchschnitt.

    • Die drei Stadt- und Landkreise bzw. Stadtbezirke mit der höchsten Inzidenz (16. Und 15.01.2022)
      • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg (1.644 / 1.586)
      • SK Bremen (1499 / 1.481)
      • Berlin-Neukölln (1.419 / 1.488)
      • Berlin-Mitte (1.353 / 1.332)

Der SK Bremen, der eine Zeitlang der am stärksten betroffene war, hat mit Berlin-Neukölln den Platz getauscht, in Friedrichshain-Kreuzberg liegt die Inzidenz so hoch wie in keinem anderen Bezirk / Stadtkreis / Landkreis seit dem Einsetzen der Omikron-Welle.

  • Der wichtige R-Wert in Deutschland (eine infizierte Person steckt wie viele weitere Personen an?). Wir weisen darauf hin, dass die Werte in der Regel Korrekturen erfahren, wir folgen diesbezüglich der verwendeten Quelle.[10]
  • Eine tatsächliche Entspannung der Lage ist erst dann gegeben, wenn der R-Wert unter 1 fällt.
    • 1,19 (15.01.2022)
    • 1,19 (14.01.2022) – korrigiert von 1,23
    • 1,19 (13.01.2022) – korrigiert von 1,21
    • 1,20 (12.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (11.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (10.01.2022) – korrigiert von 1,10
    • 1,19 (09.01.2022) – korrigiert von 1,17
    • 1,23 (08.01.2022) – korrigiert von 1,30

Fokus auf Berlin

Neukölln ist schon länger ein Brennpunkt des Corona-Geschehens in Berlin. Es sei die hohe Bevölkerungsdichte und die sozioökonomische Situation, sagt Bezirksbürgermeister Hikel (SPD).[11] Derweil hat sich der Berliner Tagesspiegel, wie es einem von mutigen Journalist:innen gestalteten Leitmedium zukommt, ins Krisengebiet vorgewagt und man mag es kaum glauben, den Expeditionsteilnehmer:innen ist dabei ein Phänomen namens Impfskepsis begegnet.[12] Die Erkenntnisse waren so erschreckend, dass sie hinter einer Paywall versteckt werden mussten. Zum Glück hat sich auch ein Reporter von T-Online ins epidemische Zentrum begeben: „Was wir hier sehen, gibt es bald in ganz Deutschland“, droht die dortige Regionalpolitik.[13]  

Kein Wunder, angesichts der Tatsache, dass der Berliner Senat sich weigert, endlich die Regeln z. B. für den Schulbetrieb anzupassen. Die Landeselternvertretung und andere Mitspieler sind allerdings daran nicht unschuldig, weil sie sich lange für den vollen Präsenzunterricht ausgesprochen haben. Jetzt, im Grunde viel zu spät, ist die Kehrtwende erfolgt.

„Corona rauscht durch die Klassenzimmer“ heißt es z. B. in diesem ND-Artikel.

Demnach wurden dem Haus von Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) aus den öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen der Hauptstadt bis zum Donnerstag 7583 nachweislich infizierte Schülerinnen und Schüler gemeldet, gut 5200 mehr als in der Vorwoche. Auch beim Personal der öffentlichen Schulen gehen die Zahlen im gleichen Zeitraum von 365 auf 833 durchaus steil nach oben.[14]

Es gibt demnach nicht einmal feste Werte, ab wann Schulen in den Wechselunterricht gehen müssen, geschweige denn für einen Schul-Lockdown. Anders ausgedrückt: Der Senat verfährt nach Gutdünken und die neue Bildungssenatorin macht dort weiter, wo die bisherige (beide SPD) aufgehört hat. Das Bildungsressort gilt schon lange als Schwachstelle der Berliner Stadtregierungen, entsprechend sind nicht nur die Bildungsergebnisse, sondern jetzt auch das Corona-Management. Leider gilt diese Indolenz des Senats nicht nur für die Schulen.

Auch für andere Einrichtungen wie diejenigen sozialer Träger wird an Vorgaben festgehalten, die nichts weiter darstellen als eine Durchseuchungsprämie, und dies betrifft in der Regel besonders vulnerable Personengruppen. Mindestens müsste eine persönliche Entscheidung der Mitarbeitenden und Klient:innen ohne Nachteile für eine der Gruppen möglich sein, ebenso, wie die Linke es bezüglich Schule gerne hätte: Es sollte den Eltern selbst überlassen bleiben, ob sie ihre Kinder in der aktuellen Lage zu Hause behalten möchten.

„Überhaupt sei es »keine Entscheidung zugunsten der Kinder« immer wieder darauf zu verweisen, dass die Schule offen bleiben müssen. »Es ist nur dieses wirtschaftliche Interesse, dass die Eltern an den Arbeitsplätzen zur Verfügung stehen sollen«, so [Landeselternsprecher] Heise weiter“, schließt der Artikel.

Es kommt eben immer darauf an, in welcher Position man selbst betroffen ist. Grundsätzlich stimmt es und war vom Beginn der Pandemie an augenfällig: Dort, wo die „große“, die Konzernwirtschaft betroffen sein könnte, wurde lieber ein hohes Infektionsrisiko in Kauf genommen, als einen Lockdown auch auf diese Betriebe auszudehnen. Besonders in der zweiten und dritten Welle mit ihren Todesfallzahlen hätte man Menschen mit einer gerechten, kurzfristigen, aber so umfassend wie möglich organisierten Kontaktsperre in allen nicht für die Grundversorgng wichtigen Berufen viel Leid ersparen können. Aber: Die Wirtschaft!

 

Service

Was beim Boostern zu beachten ist.[15] Interessanterweise wird die „Kreuzimpfung“ von der Stiko nun ausdrücklich nicht empfohlen. Also doch ein Marketingtrick, um die Moderna-Impfstoffe loszuwerden? Die vierte Impfung hingegen steht noch nicht an, sagte Charité-Virologe Leif Erik Sander dem RBB.[16]  Zu viele Booster könnten demnach schädlich sein, meint auch die EMA.[17]

Grundsätzliche Darstellung unserer Ansicht zum Impfen in den Zeiten von Omikron (Stand 14.01.2022)

Wir müssen jetzt etwas Ordnung schaffen und damit auch den Schlussteil dieser täglichen Darstellung verkürzen, denn die Kakophonie verschiedener Stimmen zum Thema Impfen wird immer gruseliger und deshalb halten wir zu Beginn fest. Wie immer man zu einer Impfpflicht stehen mag, es gibt zwei Hauptlinien der aktuellen Argumentation, die wir bewerten:

  • Impfen, speziell Boostern hilft generell auch gegen die Ansteckung mit Omikron. Dann ergibt eine Impfpflicht auf jeden Fall Sinn.
  • Impfen, speziell Boostern mit noch nicht für Omikron entwickelten Impfstoffen, hilft nicht oder in nur sehr geringem Maße gegen die Ansteckung, wohl aber gegen schwere Verläufe. Dann ergibt eine Impfpflicht auf einer ersten Ebene weniger Sinn, auf einer weiteren muss man sagen: „Es kommt darauf an.“
  • Variante 1.) bedeutet, dass Impfen, wie in den Wellen 2 bis 4, nicht nur Selbstschutz, sondern auch Fremdschutz bedeutet, also einen Akt der Solidarität darstellt bzw. der Nicht-Solidarität, wenn man das Impfen verweigert, und bei fortgesetztem Mangel an Solidarität zu großer Bevölkerungsanteile muss irgendwann eine Regel kommen, welche die Schäden dieses Mangels eingrenzt. Wie eigentlich überall, wenn das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren soll. Unter diesen Umständen wäre eine Impfpflicht u. E. verfassungsrechtlich unbedenklich. Allerding ist derzeit nicht gesichert, dass Variante 1.) zutrifft und die hohen Omikron-Infektionszahlen in Bundesländern und Ländern außerhalb Deutschlands mit hohen Impfquoten sprechen deutlich dagegen.
  • Variante 2.) hingegen betrifft auf der ersten Ebene nur den Selbstschutz: Welche Folgen will ich riskieren, falls ich mich anstecke? Das ist mir selbst überlassen, wie bei allen anderen Aspekten, welche die persönliche Lebensführung betreffen. Okay, nicht bei allen, aber den meisten, insbesondere beim Umgang mit der eigenen Gesundheit. Deswegen kann man, wenn man nur den Selbstschutz im Blick hat, sehr wohl argumentieren, ich stecke mich lieber an, als mich mit diesem mRNA-Zeugs abfüllen zu lassen. Ob diese Abwägung objektivierbar ist, spielt insofern keine Rolle.
  • Es gibt aber einen weiteren Aspekt: Die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-Patient:innen. Wir haben oben gesehen, dass in Berlin die Ungeimpften weitaus häufiger symptomatisch erkranken und auch deren Hospitalisierungsquote dürfte höher liegen.
  • Spätestens dann, wenn Geimpfte und Patient:innen, die nicht wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, darunter leiden, dass zu viele Ungeimpfte eingeliefert werden, die zu viele Betten belegen, dann tritt nach unserer Ansicht wieder dieselbe Maßgabe wie in Variante 1.) in Kraft: Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung steht über der individuellen Entscheidung, sich nicht impfen lassen zu wollen. Es geht exakt darum, wie Menschen, die diese Entscheidung nicht getroffen haben, beeinflusst und dadurch benachteiligt werden, bis hin zum nicht selbst verschuldeten Tod; z. B., falls eine Operation verschoben werden musste, weil zu viele ungeimpfte Covid-Patient:innen die Kapazitäten binden. Deswegen ist die Erfassung des Impfstatus von aufgrund Covid-19-Infektion Hospitalisierten für weitere politische Entscheidungen sehr wichtig.

Politik & weitere Zahlen

In den vier Wochen zwischen dem 14. Dezember und dem 12. Januar waren demnach von 8912 Corona-Intensivpatienten, deren Impfstatus bekannt war, fast zwei Drittel ungeimpft. Das entsprach insgesamt 5521 Fällen oder 62 Prozent der Neuaufnahmen mit erfasstem Impfstatus. Von etwa jedem zehnten Patienten war der Impfstatus nicht bekannt. [18]

Immerhin, das sind Zahlen, mit denen man etwas anfangen kann. Anders als bei bisherigen Darstellungen, die für viel Verwirrung gesorgt haben, ist der Impfstatus nach dieser Darstellung bei 90 Prozent der Intensivpatienten bekannt.

Deswegen ist dieser Artikel, obwohl in einer der Headlines das Gegenteil angedeutet wird, eher als der Stützung der Variante 2 zuzurechnen. („Was macht Deutschland besser?“)[19]

Zweifel an der Wirksamkeit der bisherigen Impfungen gegen die Ansteckung mit Omikron an sich sind hingegen schon in der Welt, seit es Omikron gibt, hier ein Bericht vom 10.12.2021, der sich auf Beobachtungen aus Südafrika bezieht:[20]

Die ersten Befürchtungen, dass die Omikron-Variante einen etablierten Immunschutz effektiv unterlaufen kann, scheinen sich zu bestätigen: Forscher um Constanze Kuhlmann von der Abteilung für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Kollegen verschiedener südafrikanischer Wissenschaftseinrichtungen berichten den aktuell über den Fall einer Gruppe von sieben deutschen Südafrika-Reisenden. Die fünf Frauen und zwei Männer hatten alle drei Dosen eines SARS-CoV-2-Impfstoffs erhalten.

Nichts andere als ein Schutz vor schweren Verläufen durch die bisherigen Impfstoffe lässt sich auch aus diesem Artikel des Spiegels schließen, der vor einigen Tagen seinerseits für Schlagzeilen gesorgt hatte, weil die Überschrift so knallig klingt: „Halb Europa könnte sich [gemäß Aussagen der WHO] bis März mit Coronavirus infizieren“.[21] Im Moment sieht es noch nicht ganz so schlimm aus und wir werden sehen, ob das Beschriebene bis Ende März eingetreten sein wird. Erste Überschreitungen des „Omikron-Kamms“ lassen darauf schließen, dass es nicht ganz so dramatisch sein wird, aber auch ein Viertel der Bevölkerung mit Infektion ist bereits ein viel zu hoher Wert, um die Gesundheitssysteme sicher stabil zu halten. Einzelne Länder haben bereits eine „Durchseuchung“ ihrer Bevölkerung von 20 Prozent zu verzeichnen (z. B. Großbritannien, Vorreiter bei der Omikron-Welle), Deutschland wird in den nächsten Tagen die 10-Prozent-Marke „knacken“.

Berliner Virologen sind immer vorne dabei, wenn es um Ideen für die Bewältigung der Pandemie geht. Ganz aktuell: Sich boostern lassen und trotzdem auch anstecken, die Durchseuchung plus also, ist das Ding, um diese lästige Pandemie endlich loszuwerden. Funktioniert aber nur bei Variante 2, nicht, wenn Boostern auch vor Ansteckung schützt (Variante 1). Also kann man auch diese Aussage so deuten, dass wir wohl eher mit Variante 2 zugange sind.

Die Spitze der institutionellen Fachwelt, voran Gesundheitsminister Karl Lauterbach meint hingegen, eine Durchseuchung sei nicht zu akzeptieren, ebenso äußert sich Christian Drosten.[22] Die Impfpflicht, falls sie kommt, soll hingegen kein Impfzwang sein.“[23]

Das leichtere Überspringen von Omikron lässt allerdings die Frage aufkommen, ob es noch Sinn ergibt, um die Impfpflicht zu kämpfen:   

Je länger die Debatte um die Einführung einer Impfpflicht in Deutschland dauert, desto mehr bröckelt die Front ihrer Befürworter. Noch vor Jahresende sah es so aus, als herrsche in Gesellschaft und Politik breite Einigkeit, dass die Pandemie nur mit einer raschen Gesetzgebung zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht zu stoppen sei.[24]

IN diesem Artikel finden Sie die aktuelle Einschätzung der Lage seitens der Politik und der Expertenkommission der Bundesregierung gut zusammengefasst: Nach einer Impfpflicht klingen diese Statements nicht, eher danach, dass die Durchseuchung so gesteuert werden soll, dass nicht zu viele Einweisungen in Krankenhäuser gleichzeitig erfolgen sollen. Auch die Todesfallzahlen werden demnach wohl wieder ansteigen. Sehr bedauerlich, aber nicht zu ändern, so der Tenor der Politik, wenn man diese Feststellung zu allen anderen Aussagen, die der Artikel wiedergibt, in Bezug setzt. Warum gerade auf Twitter wieder #Lauterbachluegt trendet, haben wir auch noch nachgeschaut.

Es liegt u. a. an diesem Artikel, der wirkt, als ob Lauterbach eine Doppelstrategie fahren würde, die nicht ganz kohärent ist, denn hier wiederum rückt er die Impfpflicht in den Vordergrund.[25] Allerdings gibt der Artikel keinen klaren Aufschluss darüber, ob mit „Schutz“ der Schutz vor Ansteckungen oder derjenige vor schweren Verläufen gemeint ist. Und daran hängt eben vieles, siehe die Darstellung zu unserem aktuellen Corona-Mindset. Dass hingegen eine Impfpflicht (mindestens) drei Dosen umfassen wird, ist klar und könnte auch die Geboosterten noch einmal treffen, falls diese Pflicht doch kommen sollte und mindestens eine vierte Dosis umfasst. Aber infektionsmäßig, so der beibende Stand der Analyse, wird das nicht mehr so viel bewirken, sofern die Impfstoffe nicht an Omikron angepasst wurden. 

Leider muss man  zumindest eines kritisch festhalten: Lauterbach äußert sich dermaßen oft in den sozialen Medien und in Talkshows, dass jede Veränderung seiner Position und jeder Widerspruch akribisch nachverfolgt werden kann und vieles dadurch zu hektisch, alarmistisch und manchmal auch spekulativ wirkt. Jemand, der nun eine in diesen Zeiten so wichtige Regierungsfunktion hat, sollte sich aber vor allem als Steuermann sehen, nicht als jemand, der oft auf Kante genähte Prognosen abgibt. Wir steuern ja nicht, sondern warten demütig auf das, was kommt. Nun ja, nicht ganz, wir haben uns ein gutes Stück weit zurückgehogen, um zur langsamen, nicht zu schnellen Durchseuchung beizutragen.

Wir können also anfangen, es uns mit Corona gemütlich zu machen. Abwarten, bis wir an der Reihe sind, Tee trinken und das Virus auf eine Tasse einladen, wenn es an der Tür klingelt und sich partout durch unseren Standardspruch „Mir habet kein Bedarf“ nicht abweisen lässt. Es ist ja die freundliche Omikron-Variante, nicht der garstige Outlaw Delta, der in wenigen Tagen vollständig von Omikron verdrängt sein wird. Und nach einem Tässchen Tee tut uns gar nichts mehr weh …

TH

[1]  Corona 11/22: Inzidenz 500, in Berlin bis zu 1.600 + Stabilisierung auf hohem Niveau + Umfragen: Wagenknecht, 2G, Radikalisierung der Querdenker:innen | Frontpage | Corona Lage | Infoblock, Service, Politik, Hinweise – DER WAHLBERLINER

[2] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

[3] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[4] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

[5] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[6] Länder mit der höchsten 7-Tage-Coronainzidenz weltweit | Statista

[7] Höchste Sterbeziffer seit 1946 – über eine Million Todesfälle 2021 + Auswirkungen von Corona? | Service Bevölkerungsdaten, Corona-Daten | Todesfälle, Sterbefälle – DER WAHLBERLINER

[8] Paul-Ehrlich-Institut: 73 Todesfälle wahrscheinlich durch Corona-Impfung (berliner-zeitung.de) – Bezahlartikel

[9] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[10] Corona-Zahlen: R-Wert für Deutschland (corona-in-zahlen.de)

[11] Neukölln: So erklärt Hikel die hohe Inzidenz – Berliner Morgenpost

[12] Zwischen Misstrauen und PCR-Test: Ein Ortsbesuch im Virus-Hotspot Neukölln (tagesspiegel.de) – Bezahlartikel

[13] Corona-Hotspot Neukölln: „Was wir hier sehen, gibt es bald in ganz Berlin“ (t-online.de)

[14] Corona und Schulen: Das Wunder von Neukölln (nd-aktuell.de)

[15] Was Sie wissen müssen, bevor Sie zum „Boostern“ gehen | WEB.DE

[16] Charité-Forscher Sander hält vierte Impfung gegen Corona für „aktuell nicht so wichtig“ | rbb24

[17] EMA warnt vor zu häufigem Boostern – ZDFheute

[18] DIESE Zahlen schaffen Klarheit: So viele Ungeimpfte landen mit lebensbedrohlichen Covid-Erkrankungen auf den Intensivstationen (msn.com)

[19] Hohe Boosterquote in Deutschland: Schützt uns die Auffrischung? Was wir besser machen als andere | WEB.DE

[20] Omikron: Ansteckung trotz Booster-Impfung möglich | aponet.de

[21] Coronavirus: WHO – Halb Europa könnte sich bis März mit Omikron infizieren – DER SPIEGEL

[22] Christian Drosten und Karl Lauterbach geben Pressekonferenz zu Omikron | WEB.DE

[23] Nancy Faeser: „Niemand wird zwangsweise geimpft“ – WELT

[24] COVID-19-Impfpflicht – kein klares Bild in Politik und Wissenschaft (msn.com)

[25] Schutz vor allen Varianten: Lauterbach: Für Impfpflicht sind drei Dosen nötig – n-tv.de

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