Corona-Report 14/22: Inzidenz steigt, endemische Lage in Sicht + Hotspot Berlin + Genesenenstatus + Impfpflicht | Corona Lage | Infoblock, Service, Politik

Frontpage | Corona Lage: Infos, Service, Politik, Berlin| Lagestabilisierung weltweit hält weiter an, RKI verkürzt Genesenenstatus von 180 auf 90 Tage, endemische Lage wird diskutiert

Dienstag, 18. Januar 2022. Die Inzidenz in Deutschland steigt wieder schneller, aber noch keine neuen Höchstzahlen bei den täglichen Meldungen von Neuinfektionen.

Wir halten die Vorgabe ein und durch, bei jedem neuen bemerkenswerten Tatbestand des Infektionsgeschehens einen Corona-Report zu veröffentlichen. „Report“ ist seit heute die neue Bezeichnung für diese mittlerweile umfangreichen Berichte. Heute ist die Inzidenz in Deutschland auf einen neuen Höchstwert von 553,7 gestiegen, hingegen gibt es bei den weltweiten Infektionen gestern erstmals seit längerer Zeit einen deutlichen Rückgang im Wochenvergleich.

Zu unserem vorausgehenden vorausgehenden Corona-Artikel vom 17.01.2022

Corona 13/22: Hoffnungszeichen bei Inzidenz + Verkürzung des Genesenen-Status + Berliner Schuldurchseuchung | Frontpage | Corona Lage | Infoblock, Service, Politik – DER WAHLBERLINER

Infoblock

  • Weltweit gemeldete Neuinfektionen gestern und an den Tagen zuvor.[1]
    • 2,07 Millionen (17.01.2022 – vor einer Woche: 2,81 Millionen)
    • 1,94 Millionen (16.01.2022 – vor einer Woche: 2,17 Millionen)
    • 2,45 Millionen (15.01.2022)
    • 3,23 Millionen (14.01.2022)
    • 3,26* / 3,20* / 2,81* / 2,17 / 1,87 / 2,24 / 2,52 / 2,59 Millionen (13.01. bis 06.01.2022)
  • Gemeldete Neuinfektionen in Deutschland vom 16.01. bis 08.01.2022.[2]
    • 74.405 (17.01.2022 – vor einer Woche: 80.430)
    • 34.145 (16.01.2022)
    • 52.504 (15.01.2022)
    • 78.022 / 92.223* / 81.417*/  80.430* / 45.690  / 25.255  / 36.552    

Auch in Deutschland ist im Wochenvergleich trotz des Anstiegs der Inzidenz ein leichter Rückgang der Zahl an Neuinfektionen zu verzeichnen.

  • Weltweit gemeldete Todesfallzahlen mit / wegen Corona vom 17.01.2022 bis zum 10.01.2022[3]
    • 319 (17.01.2022 – vor einer Woche: 8.260)
    • 013 (16.01.2022)
    • 820 / 7.854 / 7.704 / 8.418 / 8.260 / 5.166
  • 7-Tage-Inzidenz in Deutschland (15.01.2022 bis 07.01.2022)[4]

Heute haben wir die Tage 1. bis 6. Januar nacherfasst, um einen besseren Überblick über die Entwicklung „seit Omikron“ zu geben, denn etwa zum Jahreswechsel fing die Inzidenz wieder an zu steigen – vermutlich aber in der ausgewiesenen Form, die den RKI-Meldungen folgt, nicht so stark wie tatsächlich, wegen des Feiertagslochs bei der Erfassung neuer Fälle. Rechnet man dieser Lücke einen deutlichen Einfluss auf die Inzidenz zu, würde dies allerdings auch bedeuten, dass die Steigerung in den folgenden Tagen in Wirklichkeit geringer war, als in der Grafik ausgewiesen. Mittlerweile dürfte die Nacherfassung allerdings keine Rolle mehr spielen.

  • Länder mit mehr als 5 Millionen Einwohnern und einer Inzidenz von mehr als 1.000  (Stand 13.01.2022 bis 09.01.2022). Der Stand wurde nach dem 14.01.2022 (1) erst am 17.01. (2) wieder aktualisiert, daher kommt es nun in der Tabelle zu erheblichen Verschiebungen.[5]
    • Portugal (3,959 / 3.746 (2) / 2.671 (1) / – / – / -)
    • Frankreich (? / 3.072 / 3.066 / 2.957 / 2.872 / 2.774)
    • Dänemark (3.024 / 2.777 / 2.352 / 2.424 / 2.512 / -)
    • Australien (2.869 / 2.920 / 2.795 / 2.318 / 2.006 / – )
    • Irland (2.676 / 2.547/ 3.097 / 3.097 / 3.131 / 2.780 / 3.378)
    • Israel (2.553 / 3.146 / 2.689 / 1.930 / 1.690 / 1.183)
    • Schweiz (2.178 / 2.129 / 2.081 / 2.088 / 2.072 / 1.750)
    • Italien (2.081 / 2.108 / 1.959 / 2.005 / 2.043 / 1.840)
    • Spanien (2.053 / 1.970/ 2.140 / 1.713 / 1.798 / 1.847)
    • Argentinien (1.744 / 1.762 / 1.468 / 1.546 / -)
    • USA (1.565 / 1.691 / 1.667 / 1.593 / 1.674 / 1.494)
    • Belgien (gleichbleibend? / 1.553 / 1.453 / 1.329 / 1.107 / -)
    • Schweden (gleichbleibend? / 1.390 / 1.543 / 1.253 / – / -)
    • Niederlande (1.376 / 1.293 / 1.246 / 1.152 / 1.096 / -)
    • Griechenland (1.345 / 1.780 / 2.082 / 3.075 / 2.767)
    • Norwegen (1.267 / 1.203 / – / – / – / – / -)
    • Österreich (1.225/ 1.170 / – / – / – / – / -)
    • Großbritannien (1.035 / 1.117 / 1.434 / 1.642 / 1.893 / 1.866)

Großbritannien taucht nun erst am Ende der Liste auf, als einziges größeres Land, dessen Inzidenz noch gerade über 1.000 liegt. Mit Sicherheit kann man nun sagen, das Inselreich hat den Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten. Was dort geschieht, gibt einen guten Fingerzeig auf den weiteren Pandemieverlauf. Wie immer, auch ein hier ein „Aber“: Jede neue Mutation kann woanders zuerst auftreten und die Lage komplett verändern.

Portugal, dem vor allem während der vierten, der Delta-Welle ein sehr solides Corona-Management bescheinigt wurde, führt die Liste nun sogar an.  

  • Todesfallzahlen in Deutschland vom 15. bis zum 11.01.2022
    • 193 (17.01.2022)
    • 30 (16.01.2022)
    • 47 (15.01.2022)
    • 235 (14.01.2022) / 286 (13.01.2022) / 316 (12.01.2022) / 387 (11.01.2022)

Der kurze Betrachtungszeitraum, der in unseren Artikeln bisher ausgewiesen ist, verbietet schnelle Rückschlüsse (wie etwa: steigende Inzidenz, sinkende Todesfallzahlen, endemische Lage bereits gegeben). Zur Übersterblichkeit haben wir einen Artikel veröffentlicht, der eine differenzierte Betrachtungsweise nahelegt.[6] Auch zu den „Impftoten“gibt es mittlerweile Daten vom Paul-Ehrlich-Institut.[7]   

  • Ausgewählte Bundesländer / Kommunen, dargestellt sind die Zahlen vom 16.01.2022 bis zum 09.01.2022[8]
    • Bremen weist, wie seit dem Beginn der „Omikron-Welle“, die höchste Inzidenz aus
      • 1.297 / 1.389 / 1.401 / 1.378 / 1.427 / 1.438 / 1.296 / 1.194 /  1.081 / 1.100 
    • Berlin steht nach wie vor auf Platz 2
      • 961 / 948 / 965 / 957 / 950 / 919 / 856 / 737 / 694 / 665
      • Auf den folgenden Rängen: Hamburg (900, nach 805, nach einem Anstieg um fast 100 Punkte auf 831 vogestern, Schleswig-Holstein (716) und Hessen (676).
      • Brandenburg (580), Bayern (576), Baden-Württemberg (550) und  NRW (543).
      • Am Ende der Skala liegt gegenwärtig Thüringen mit einer Inzidenz von 204.

Die Stabilisierung knapp unterhalb von 1.000 in Berlin haben wir registriert, weil die hiesige Inzidenz auf unser persönliches Verhalten Einfluss nimmt, aber wir ändern unsere möglichst konsequente Strategie der Kontaktvermeidung noch nicht, zumal zwei Nachbarbezirke unseres Wohnbezirks auf der folgenden Liste ganz vorne stehen.

    • Die Stadt- und Landkreise bzw. Stadtbezirke mit der höchsten Inzidenz (18. bis 15.01.2022)
      • Berlin-Neukölln (1.541 / 1.374/ 1.419 / 1.488)
      • Berlin-Mitte (1.379 / 1.352 / 1.353 / 1.332)
      • SK Bremen (1.375 / 1.477 / 1.499 / 1.481)
      • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg (1.362 / 1.596 / 1.644 / 1.586)

Mittlerweile liegen drei Berliner Bezirke unter den vier (Teil-) Kommunen mit den höchsten Inzidenzwerten. Auf Rang fünf folgt mit dem SK Delmen erstmals ein nicht großstädtischer Stadtkreis, mit Frankfurt am Main auf dem nächsten Platz eine weitere Großstadt.

  • Der wichtige R-Wert in Deutschland (eine infizierte Person steckt wie viele weitere Personen an?). Wir weisen darauf hin, dass die Werte in der Regel Korrekturen erfahren, wir folgen diesbezüglich der verwendeten Quelle.[9]
    • 1,08 (17.01.2022)
    • 1,14 (16.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,15 (15.01.2022) – korrigiert von 1,19
    • 1,19 (14.01.2022) – korrigiert von 1,23
    • 1,19 (13.01.2022) – korrigiert von 1,21
    • 1,20 (12.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (11.01.2022) – korrigiert von 1,11
    • 1,17 (10.01.2022) – korrigiert von 1,10
    • 1,19 (09.01.2022) – korrigiert von 1,17
    • 1,23 (08.01.2022) – korrigiert von 1,30

Aus diesen Zahlen können trotz gewisser Unsicherheit aufgrund von regelmäßigen Nachkorrekturen positive Rückschlüsse gezogen sein: Der R-Wert während der elf Tagen unserer Erfassung deutlich gesunken.

Fokus auf Berlin

Neukölln ist schon länger ein Brennpunkt des Corona-Geschehens in Berlin. Es sei die hohe Bevölkerungsdichte und die sozioökonomische Situation, sagte Bezirksbürgermeister Hikel (SPD).[10] Ein Bericht aus dem Krisengebiet hat der Tagesspiegel gefertigt.[11] Auch ein T-Online-Reporter hat sich ins Krisengebiet gewagt „Was wir hier sehen, gibt es bald in ganz Deutschland“, droht die Kommunalpolitik.[12] Bisher ist das noch nicht eingetreten, wir harren also der Dinge, die da kommen.

Ein Grund dafür, dass Neukölln so abhebt (mittlerweile höchste Inzidenz in ganz Deutschland) und die Zahlen in Berlin insgesamt hoch sind, dürfte die Tatsache sein, dass der Berliner Senat sich weigert, endlich die Regeln für den Schulbetrieb anzupassen, es gilt weiterhin Präsenz. Die Landeselternvertretung und andere Mitspieler sind allerdings daran nicht unschuldig, weil sie sich lange für den vollen Präsenzunterricht ausgesprochen haben. Jetzt, im Grunde viel zu spät, ist die Kehrtwende erfolgt, nicht aber schon der Wechsel zum Wechselunterricht.

„Corona rauscht durch die Klassenzimmer“ heißt es z. B. hier:

Demnach wurden dem Haus von Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) aus den öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen der Hauptstadt bis zum Donnerstag 7583 nachweislich infizierte Schülerinnen und Schüler gemeldet, gut 5200 mehr als in der Vorwoche. Auch beim Personal der öffentlichen Schulen gehen die Zahlen im gleichen Zeitraum von 365 auf 833 durchaus steil nach oben.[13]

Es gibt demnach nicht einmal feste Werte, ab wann Schulen in den Wechselunterricht gehen müssen, geschweige denn für einen Schul-Lockdown. Es sollte in der aktuellen Lage jedoch den Eltern überlassen bleiben, ob sie ihre Kinder zu Hause behalten möchten, wenn schon keine klaren Vorgaben existieren.

Ein Schlaglicht auf ein weiteres Problem in Berlin, nämlich die Teststrategie, wirft dieser Artikel. [14] Wir sind auch schon mit diesem Problem konfrontiert worden, weil wir nicht unkompliziert an einen PCR-Test herankamen, nachdem unsere Corona-Warn-App eine kritische Begegnung an einem Tag angezeigt hatte, an dem wir nichts anders getan hatten, als unseren Arbeitsplatz aufzusuchen. Der Antigen-Test war dann negativ und dabei haben wir es belassen. Seitdem gab es gemäß Warn-App nichts mehr zum Warnen.

Der Booster-Service

Was beim Boostern zu beachten ist.[15] Interessanterweise wird die „Kreuzimpfung“ von der Stiko nun nicht ausdrücklich empfohlen. Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff verwendet werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung kam. Wenn dieser nicht verfügbar ist, kann bei ≥30-Jährigen der jeweils andere mRNA-Impfstoff verwendet werden. Die STIKO betrachtet in der Altersgruppe ≥30 Jahre die beiden mRNA-Impfstoffe als gleichwertig.[16]

Nachträglich wirkt das plötzliche Promoten der Kreuzimpfung, als zu wenig Comirnaty-Impfstoff zur Verfügung stand, eher an der Verfügbarkeit als an der medizinischen Best Practice orientiert.  

Die vierte Impfung hingegen steht noch nicht an, sagte Charité-Virologe Leif Erik Sander dem RBB.[17]  Zu viele Booster könnten demnach schädlich sein, meint auch die EMA, die zu gegebener Zeit auch die Kreuzimpfungen empfohlen hatte.[18]

Grundsätzliche Darstellung unserer Ansicht zum Impfen in den Zeiten von Omikron (Stand 14.01.2022)

Wir haben vor einigen Tagen ein wenig Ordnung geschaffen, denn die Kakophonie verschiedener Stimmen zum Thema Impfen wird immer gruseliger und deshalb halten wir zu Beginn fest: Wie immer man zu einer Impfpflicht stehen mag, es gibt zwei Hauptlinien der aktuellen Argumentation, die wir darstellen:

  • Impfen, speziell Boostern hilft generell auch gegen die Ansteckung mit Omikron. Dann ergibt eine Impfpflicht auf jeden Fall Sinn.
  • Impfen, speziell Boostern mit noch nicht für Omikron entwickelten Impfstoffen, hilft nicht oder in nur sehr geringem Maße gegen die Ansteckung, wohl aber gegen schwere Verläufe. Dann ergibt eine Impfpflicht auf einer ersten Ebene weniger Sinn, auf einer weiteren muss man sagen: „Es kommt darauf an.“
  • Variante 1.) bedeutet, dass Impfen, wie in den Wellen 2 bis 4, nicht nur Selbstschutz, sondern auch Fremdschutz bedeutet, also einen Akt der Solidarität darstellt bzw. der Nicht-Solidarität, wenn man das Impfen verweigert, und bei fortgesetztem Mangel an Solidarität zu großer Bevölkerungsanteile muss eine Regel kommen, welche die Schäden dieses Mangels eingrenzt. Wie eigentlich überall, wenn das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren soll. Unter diesen Umständen wäre eine Impfpflicht u. E. verfassungsrechtlich unbedenklich. Allerding ist derzeit nicht gesichert, dass Variante 1.) zutrifft und die hohen Omikron-Infektionszahlen in Bundesländern, in noch stärkerem Maße diejenigen von Ländern außerhalb Deutschlands mit hohen Impfquoten sprechen dagegen.
  • Variante 2.) hingegen betrifft auf der ersten Ebene den Selbstschutz: Welche Folgen will ich riskieren, falls ich mich anstecke? Das ist mir selbst überlassen, wie bei allen anderen Aspekten, welche die persönliche Lebensführung betreffen. Das gilt insbesondere beim Umgang mit der eigenen Gesundheit. Deswegen kann man, wenn man nur den Selbstschutz im Blick hat, sehr wohl argumentieren, ich stecke mich lieber an, als mich mit diesem mRNA-Zeugs abfüllen zu lassen. Ob diese Abwägung objektivierbar ist, spielt dabei keine Rolle.
  • Es gibt aber einen weiteren Aspekt: Die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-Patient:innen. Wir haben in unserer Darstellung vom 14.01. gesehen, dass in Berlin die Ungeimpften weitaus häufiger symptomatisch erkranken und auch deren Hospitalisierungsquote dürfte höher liegen.
  • Spätestens dann, wenn Geimpfte und Patient:innen, die nicht wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, darunter leiden, dass zu viele Ungeimpfte eingeliefert werden, die zu viele Betten belegen, dann tritt nach unserer Ansicht wieder dieselbe Maßgabe wie in Variante 1.) in Kraft: Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist höher zu bewerten als die individuelle Entscheidung, sich nicht impfen lassen zu wollen. Es geht exakt darum, wie Menschen, die diese Entscheidung nicht getroffen haben, beeinflusst und dadurch benachteiligt werden, bis hin zum nicht selbst verschuldeten Tod; z. B., falls eine Operation verschoben werden musste, weil zu viele ungeimpfte Covid-Patient:innen die Kapazitäten binden. Deswegen ist die korrekte Erfassung des Impfstatus von aufgrund Covid-19-Infektion Hospitalisierten für weitere politische, rechtssichere Entscheidungen u. E. sehr wichtig.

Politik & weitere Zahlen

In den vier Wochen zwischen dem 14. Dezember und dem 12. Januar waren demnach von 8912 Corona-Intensivpatienten, deren Impfstatus bekannt war, fast zwei Drittel ungeimpft. Das entsprach insgesamt 5521 Fällen oder 62 Prozent der Neuaufnahmen mit erfasstem Impfstatus. Von etwa jedem zehnten Patienten war der Impfstatus nicht bekannt. [19]  

Zweifel an der Wirksamkeit der bisherigen Impfungen gegen die Ansteckung mit Omikron an sich sind hingegen schon in der Welt, seit es Omikron gibt, hier ein Bericht vom 10.12.2021, der sich auf Beobachtungen aus Südafrika bezieht.[20]

Nichts anderes als ein Schutz vor schweren Verläufen durch die bisherigen Impfstoffe lässt sich auch aus diesem Artikel des Spiegels schließen, der vor einigen Tagen seinerseits für Schlagzeilen gesorgt hatte, weil die Überschrift so knallig klingt: „Halb Europa könnte sich [gemäß Aussagen der WHO] bis März mit Coronavirus infizieren“.[21] Im Moment sieht es nicht ganz so schlimm aus, zumal in Deutschland die Inzidenz sich auf einem Niveau von etwas über 500 zu stabilisieren. Einzelne Länder haben bereits eine „Durchseuchung“ ihrer Bevölkerung von 20 Prozent zu verzeichnen (z. B. Großbritannien, Vorreiter bei der Omikron-Welle), Deutschland wird in den nächsten Tagen die 10-Prozent-Marke „knacken“.

Die Spitze der institutionellen Fachwelt, voran Gesundheitsminister Karl Lauterbach, meint hingegen, eine Durchseuchung sei nicht zu akzeptieren, ebenso äußert sich Christian Drosten.[22] Die Impfpflicht, falls sie kommt, soll hingegen kein Impfzwang sein.“[23]

Das leichtere Überspringen von Omikron lässt allerdings die Frage aufkommen, ob es noch Sinn ergibt, um die Impfpflicht zu kämpfen:   

Je länger die Debatte um die Einführung einer Impfpflicht in Deutschland dauert, desto mehr bröckelt die Front ihrer Befürworter. Noch vor Jahresende sah es so aus, als herrsche in Gesellschaft und Politik breite Einigkeit, dass die Pandemie nur mit einer raschen Gesetzgebung zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht zu stoppen sei.[24] Nach einer Impfpflicht klingen diese Statements nicht, eher danach, dass die Durchseuchung so gesteuert werden soll, dass nicht zu viele Einweisungen in Krankenhäuser gleichzeitig erfolgen sollen. In gewisser Weise wirkt es, als ob Gesundheitsminister Lauterbach eine Doppelstrategie fahren würde, die nicht ganz kohärent ist, denn hier wiederum rückt er die Impfpflicht in Form einer 3-Dosen-Pflicht in den Vordergrund.[25]

In diesem Artikel hingegen wird er geradezu einer Kehrtwende bezichtigt, wir meinen aber, da wird ein wenig übertrieben. Dass er keinen eigenen Antrag zur Impfpflicht in den Bundestag einbringen mag, lässt lediglich auf eine gewisse Flexibilität schließen, die man durchaus klug finden kann. Immerhin wissen wir jetzt mehr über Lauterbachs beeindruckenden Werdegang.[26] Am Ende desselben Artikels findet sich eine Umfrage zur Impfpflicht: Als wir den Beitrag nach seinem Erscheinen erstmals gelesen haben, stand es etwa 48/48 für und gegen die Impfpflicht, wenige waren nicht sicher. Mittlerweile ist es auch hier gekippt: 43 für und 53 Prozent gegen die Notwendigkeit dieser Pflicht. Wir finden diese Verschiebung nachvollziehbar, schließlich haben immer mehr valide Daten, die uns mittlerweile zur Omikrion-Welle zur Verfügung stehen, zu einer Ausdifferenzierung auch unserer eigenen Position geführt (siehe oben). Gerade wegen dieser Daten sollte man es mit der Panik auch jetzt nicht übertreiben. Zum Beispiel, wie der Gesundheitsminister es hier gerade wieder getan hat:

Die Zahl von Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung sank (…) innerhalb eines Tages um 58 auf nun 2741. 61 Prozent davon werden invasiv beatmet. Die Situation in den Kliniken werde sich wieder verschärfen, so Lauterbach. Momentan erkrankten vor allem die Jüngeren, die viele Kontakte hätten. Wenn sich die Älteren infizierten, werde die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen. „Da kann es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es droht die Schließung ganzer Abteilungen“, sagte er. „Eine Durchseuchung bedeutet, dass Hunderttausende schwer krank werden und wir wieder viele Tausend Corona-Tote beklagen müssen.“[27]

Deswegen versuchen wir ja auch, die Durchseuchung zu verlangsamen, durch Boosterung (falls das Boostern denn die Ansteckungsraten wirklich bremst), auf jeden Fall aber durch vorsichtiges, solidarisches Verhalten selbst unter Inkaufnahme von Nachteilen. Und danke für den Satz „je nach Entwicklung“, den man bei Aussagen mit prognostischen Bestandteilen immer mitdenken muss und der in den Überschriften und Headlines der Presse regelmäßig entfällt. Gerade deshalb heben wir ihn jetzt hervor: Wenn, dann. Nicht auf jeden Fall. Unter diesem Aspekt ist u. a. die Erweiterung unserer bisher einzigen Grafik in diesen Corona-Berichten auf die Veränderungsrate der Inzidenz zu sehen: Wir wollen etwas genauer sein und unseren Leser:innen vermitteln, wann wirklich die Corona-Post abgeht und wann es nach einer gewissen Entspannung, wenn auch auf hohem Niveau, aussieht. Es gibt keinen Grund, leichtsinnig zu sein, aber mehr als alles tun, was man persönlich tun kann, geht eben auch nicht.

Die Verkürzung des Genesenen-Status durch das RKI

Geht nun aber die just erfolgte Verkürzung des Genesenen-Status von 180 auf 90 Tage durch das RKI auch in die panische Richtung?

Fachliche Vorgaben für Genesenennachweise, mit Wirkung vom 15.01.2022:

Ein Genesenennachweis im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung und der Coronavirus-Einreiseverordnung muss aus fachlicher Sicht folgenden Vorgaben entsprechen:

  1. a) Die Testung zum Nachweis der vorherigen Infektion muss durch eine Labordiagnostik mittels Nukleinsäurenachweis (PCR, PoC-PCR oder weitere Methoden der Nukleinsäureamplifikationstechnik) erfolgt sein

UND b) das Datum der Abnahme des positiven Tests muss mindestens 28 Tage zurückliegen

UND c) das Datum der Abnahme des positiven Tests darf höchstens 90 Tage zurückliegen.


Diese Vorgaben werden regelmäßig überprüft und können sich gemäß Stand der Wissenschaft ändern.[28]

 

Ja, der Stand der Wissenschaft ist wichtig und der ändert sich mit neuen Virusvarianten besonders schnell. Die Idee, die hinter der Verkürzung steckt, ist relativ leicht nachzuvollziehen. Es kann dabei sachlogisch nicht um Feststellungen gehen, die darauf hinauslaufen, dass die Impfstoffe wieder einmal als noch kürzer wirkend als bisher gedacht analysiert werden, sondern es geht darum, dass Omikron auch bereits mit einer früheren Variante Erkrankte befallen kann. Und da Omikron relativ leicht übertragbar ist (wie sieht es eigentlich mit einer Mehrfach-Erkrankung mit Omikron aus, wird es das auch geben?) ergibt die Verkürzung des Genesenen-Status Sinn. Ein rascher Anstieg der Hospitalisierung, die z. B. in Berlin immer noch sehr hoch ist, gemessen am Anteil der Corona-Patient:innen an der Gesamt-Bettenbelegung (nicht an der Belegung der Intensivstationen, die derzeit sinkt). Der Hospitalisierungsteil der Berliner „Senatsampel“ steht immer noch tief im Gelb. Die vielen Informationen auf der Corona-Seite des RBB weisen allerdings ebenfalls aus, dass derzeit nicht einmal halb so viele Menschen wegen Corona Berliner Krankenhausbetten belegen, wie während des Höhepunkts der dritten Welle.[29]

 

Endemische Lage in Sicht?

 

Heute schreiben wir es noch an den Ende des Reports, aber es  könnte bald ganz nach vorne rücke: Über das Ende der pandemischen Lage wird weltweit immer mehr diskutiert.[30] Besonders in den Ländern, in denen die Omikron-Welle bereits abflacht. Sinnigerweise in Großbritannien, aber dass in Spanien oder in der Schweiz bei einer Inzidenz von ca. 2.000 schon in diese Richtung gedacht, hat uns etwas verwundert. Wir haben deshalb noch einmal einen Blick auf die Todesfallzahlen in den Ländern geworfen, aus denen Diskussionen über das Ende der Pandemielage gemeldet wurden. Diese Zahlen sind aktuell relativ niedrig, das stimmt. In der Schweiz wurden z. B. gestern „nur“ vier neue Todesfälle gemeldet.[31]

Hierzulande ist eine solche Diskussion verführt, denn Omikron ist noch in der Ausbreitungsphase und fast 200 Tote an einem Tag sind zu viel, um von einem Normalzustand im Sinne einer Grippewelle zu sprechen. Die relativ strengen Corona-Maßnahmen in Deutschland („Maßnahmen-Weltmeister“)   werden zwar immer wieder kritisiert, das sollte uns aber nicht beirren: Wirklich harte Einschränkungen gibt es nur wenige und es ist richtig, eine Ausbreitung von Omikron hierzulande nicht zu rasch voranschreiten zu lassen. Die jetzt im Vergleich zu anderen Ländern starken Kontaktbeschränkungen wie 2G plus in der Gastronomie sind auch das Resultat großer Versäumnisse der Politik im Umgang mit der Pandemie während der dritten und der vierten Welle, die seinerzeit mit Social-Media-Hashtags wie „Schwere Schuld“ markiert wurden.  

TH

[1] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

[2] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[3] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

[4] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[5] Länder mit der höchsten 7-Tage-Coronainzidenz weltweit | Statista

[6] Höchste Sterbeziffer seit 1946 – über eine Million Todesfälle 2021 + Auswirkungen von Corona? | Service Bevölkerungsdaten, Corona-Daten | Todesfälle, Sterbefälle – DER WAHLBERLINER

[7] Paul-Ehrlich-Institut: 73 Todesfälle wahrscheinlich durch Corona-Impfung (berliner-zeitung.de) – Bezahlartikel

[8] Bundesländer | RKI COVID-19 Germany (arcgis.com)

[9] Corona-Zahlen: R-Wert für Deutschland (corona-in-zahlen.de)

[10] Neukölln: So erklärt Hikel die hohe Inzidenz – Berliner Morgenpost

[11] Zwischen Misstrauen und PCR-Test: Ein Ortsbesuch im Virus-Hotspot Neukölln (tagesspiegel.de) – Bezahlartikel

[12] Corona-Hotspot Neukölln: „Was wir hier sehen, gibt es bald in ganz Berlin“ (t-online.de)

[13] Corona und Schulen: Das Wunder von Neukölln (nd-aktuell.de)

[14] Berlin entwickelt sich zum Corona-Hotspot | Deutschland | DW | 17.01.2022

[15] Was Sie wissen müssen, bevor Sie zum „Boostern“ gehen | WEB.DE

[16] Epidemiologisches Bulletin 48/2021 (rki.de), Tabelle 1 auf Seite 5, Zusammenfassung Seite 8

[17] Charité-Forscher Sander hält vierte Impfung gegen Corona für „aktuell nicht so wichtig“ | rbb24

[18] EMA warnt vor zu häufigem Boostern – ZDFheute

[19] DIESE Zahlen schaffen Klarheit: So viele Ungeimpfte landen mit lebensbedrohlichen Covid-Erkrankungen auf den Intensivstationen (msn.com)

[20] Omikron: Ansteckung trotz Booster-Impfung möglich | aponet.de

[21] Coronavirus: WHO – Halb Europa könnte sich bis März mit Omikron infizieren – DER SPIEGEL

[22] Christian Drosten und Karl Lauterbach geben Pressekonferenz zu Omikron | WEB.DE

[23] Nancy Faeser: „Niemand wird zwangsweise geimpft“ – WELT

[24] COVID-19-Impfpflicht – kein klares Bild in Politik und Wissenschaft (msn.com)

[25] Schutz vor allen Varianten: Lauterbach: Für Impfpflicht sind drei Dosen nötig – n-tv.de

[26] „Morning Briefing“: Lauterbach überrascht mit einer Kehrtwende bei der Impfpflicht | WEB.DE

[27] Gesundheitsminister Lauterbach stimmt die Republik auf schwere Zeit ein | WEB.DE

[28] RKI – Coronavirus SARS-CoV-2 – Fachliche Vorgaben des RKI für COVID-19-Genesenennachweise

[29] Corona-Fallzahlen: Inzidenz in Berlin und Brandenburg steigen | rbb24

[30] Umgang mit Corona: Politiker und Experten bereiten ein Ende der Pandemie vor – wann wird das Coronavirus endemisch? (msn.com)– via Handelsblatt

[31] COVID Live – Coronavirus Statistics – Worldometer (worldometers.info)

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