Corona-Affenpocken-Report 135/22 | Inzidenz steigt erneut auf höchsten Wert seit Beginn der Sommerwelle +++ Affenpockenfälle nehmen weiter zu | Kurzreport

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29.06.2022 (hier zu 134/22 vom Vortag)

Die Corona-7-Tage-Inzidenz (Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist gegenüber gestern weiter gestiegen, von 635,8 auf 646,3. Die Zahl der Neuinfektionen, die gestern gemeldet wurden, beträgt 133.950.

Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten? Zum Beispiel könnte es gut sein, dass die Inzidenz gegenüber gestern nur noch leicht zugelegt hat, der Anstieg ist der geringste an einem Werktag seit zwölf Tagen. Die Zahl der Neuinfektionen, die estern gemeldet wurden, ist gegenüber dem Vortag um ca. 10.000 gesunken, allerdings werden Dienstags auch Zahlen vom Wochenende nachgemeldet. Wichtiger ist daher das Verhältnis zur Zahl vor einer Woche und hier sehen wir eine Zunahme von ca. 14.000 Fällen. Möglich, dass die Sommerwelle ihrem Peak entgegenstrebt. Allerdings war es z. B. gestern auch so heiß, dass sich wohl auch das sehr mobile Omikron-BA.5 schwertut mit der Verbreitung. Eines wiederholen wir seit einigen Tagen in jedem Report: Die Inzidenz ist zu hoch, um den aktuellen Schlendrian so weiterlaufen zu lassen. Auch die heute gemeldeten 175 Todesfälle bestätigten, dass es dafür keinen Grund gibt. Besonders erschreckende Beobachtung von gestern: Dass wir in der Berliner U-Bahn von Menschenumgeben waren, von denen nur noch etwa die Hälfte einen MNS trug. Im hiesigen ÖPNV ist dieser nach wie vor nicht freiwillig, sondern Vorschrift, es wird in U-Bahnhöfen auch alle paar Minuten darauf hingewiesen.

Eine Entwicklung, die man auf unserer Inzidenzgrafik beobachten kann, ist durchaus positiv, unabhängig von allen anderen Daten: Die 14-Tage-Veränderung hat sich von einem starken auf einen leichten Anstieg zurückentwickelt. Innerhalb weniger Tage verminderte sich der durchschnittliche Inzidenzanstieg pro Tag von ca. 5 auf ca. 1 Prozent. Die Frage, ob der Scheitelpunkt der Sommerwelle bald erreicht sein wird, können wir heute noch nicht beantworten, aber die Möglichkeit rückt in den Vordergrund.

„Weil die aktuelle Virusvariante sehr leicht übertragbar ist und weil fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen sind, verpufft in diesem Jahr der Sommereffekt in der Pandemie“, erklärte Lauterbach weiter. Als Gegenmittel hatte er bereits am Dienstag dazu aufgerufen, in Innenräumen wieder Schutzmasken zu tragen. Karl Lauterbach, Q1

Diese Aussage stammt vom 16. Juni, 13 Tage später sind immer noch keine Maßnahmen in Sicht, obwohl es ganz offensichtlich ist, dass viele sich nicht pandemiegemäß verhalten.

Weiter zu den Affenpocken: Wir erwarten bei Fortsetzung des bisherigen Ausbreitungstempos eine Überschreitung der Marke von 1.200 Fällen am 05. Juli, gegenwärtig werden 874 Infektionen verzeichnet, nach 838 gestern:

Wenn man sich das aktuelle Verhalten der Bevölkerung in Sachen Corona anschaut, wundert man sich nicht, dass auch die Affenpockenfälle zunehmen, obwohl das leicht zu verhindern wäre und niemand sich aufgrund des leichtsinnigen Verhaltens anderer auf dem Luftweg anstecken kann. 

TH

28.06.2022 (hier zu 133/22 vom 25.06.2022)

Pünktlich bzw. wie in 133/22 versprochen sind wir wieder zurück und haben die höchste Corona-Inzidenz seit dem Beginn der Sommerwelle in der ersten Juniwoche zu vermelden: 635,8 gibt das RKI heute an, vor einer Woche lag der Wert bei 452.

Der Vergleich mit dem Wert vor 7 Tagen ist deshalb wichtig, weil wocheninterne Schwankungen unter anderem durch die Nichtbekanntgabe von Zahlen des Wochenendes entstehen, sie werden erst ab Dienstag dargestellt. Verglichen mit dem wenig aussagkräftigen gestrigen Wert stieg die Inzidenz hingegen um 44 Punkte, gegenüber dem vergangenen Freitag (Meldetag: Samstag) um lediglich 3 Punkte. Auch in unserer Grafik kommt es zu einem deutlichen Rückgang, und zwar bei der 14-Tage-Steigerungsrate, die wir ausweisen, sie sinkt von ca. 5 Prozent auf etwa die Hälfte. Der Grund ist, dass ein Tag mit besonders hoher Steigerung nun aus der Betrachtung fällt. Wir werden erst in den nächsten Tagen beurteilen können, ob die Welle tatsächlich abflacht. Jedenfalls liegt die Zahl der gemeldeten Fälle von Neuinfektionen mit 143.000 wieder deutlich über der Zahl von vor einer Woche (123.000) und ist die höchste seit dem 21.04.2022, also seit über 2 Monaten (damals 163.000).

Die gemeldeten Todesfälle belaufen sich auf 113 (Dienstag der Vorwoche: 182). Das sieht auf den ersten Blick nach einem deutlichen Rückgang aus, die durchschnittliche Zahl der Menschen, die an / mit Corona verstorben sind, liegt aber schon seit einigen Tagen recht konstant bei etwa 70 (14-Tage-Durchschnitt). Bezüglich der Omikron-BA.5-Welle hier eine kurze Darstellung, die vor einer Woche publiziert wurde, grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Aus Zeitgründen suchen wir heute nicht nach politischen Meldungen zum Thema:

(…) Diese Entwicklung ist im Vergleich zum Infektionsgeschehen in den vergangenen beiden Jahren untypisch. Denn mit den höheren Temperaturen waren die Infektionszahlen sonst gesunken und die Viren hatten sich in den letzten beiden Sommern in Europa weniger verbreitet. Diese Saison ist das anders, dennoch ist die Lage momentan nicht dramatisch, da die neueren Virusvarianten in den meisten Fällen auch weiterhin zu milden Krankheitsverläufen führen. Allerdings können auch viele leichte Infektionen für das ganze System eine Belastung darstellen, beispielsweise wenn es durch viele Infektionen zu Ausfällen im beruflichen Umfeld kommt. (Q1)

Gerade wurden die neuesten Affenpockenzahlen für Deutschland publiziert, wir haben dafür die bereits erstellte Grafik, die bis zum 27.06. reichte, geändert und sehen jetzt wieder einen steileren Anstieg gegenüber den letzten Tagen. Möglicherweise kommt es auch hier zu Nachmeldungen, denn sonst ließe sich nicht erklären, warum an Montagen zu beobachten ist, dass die Zahlen innerhalb von drei Tagen nicht stärker ansteigen als sonst an einem Tag (die Wochenndzahlen interpolieren wir, weil das RKI auch bei den Affenpocken, dann keine Aktualisierung liefert, wir brauchen diese Zahlen aber, um die Prognose erstellen zu können. Sie deutet aktuell auf einen Anstieg von 838 (gestern 765) Fällen auf ca. 1.200 Fälle innerhalb der nächsten 7 Tage.

Der heutige Anstieg von 14 Prozent gegenüber gestern liegt auf der Höhe dessen, was wir am letzten Freitag / Samstag gesehen haben. Weiterhin belegen die Zahlen keinen Anstieg, der zu einer Pandemie führen könnte, aber mehr Vorsicht und Problembewusstsein im Rahmen der für diese Infektion üblichen Übertragungswese kann man aus ihnen auch nicht ableiten.

Mehr besorgt uns allerdings, was wir im öffentlichen Raum bezüglich Corona beobachten. Offenbr haben viele Menschen die Pandemie für sich persönlich als beendet erklärt. Gestern war das für uns besonders unangenehm, weil es wieder einmal Probleme im EDEKA mit dem schlechtesten Kassenmanagement aller Zeiten und Standorte gab, mit einer Viertelstunde Wartezeit trotz ganz normalen Aufkommens an einem Nachmittag. Die Kund:innen, die keine Maske trugen, waren erstmals nach unserer Wahrnehmung deutlich in der Mehrzahl, ebenso die Mitarbeiter:innen, bei den Kund:innen waren deutlich mehr Männer als Frauen nach dem Motto Gesicht zeigen mit Geichtsverlust unterwegs und natürlich hält bei diesen Kassenschlangen auch niemand mehr den Mindestabstand ein. Unsere Warnapp zeigte heute trotzdem „grün“ an, das heißt aber gar nichts, denn gerade diejenigen, die es nicht so mit der Rücksicht und Vorsicht haben, verwenden auch die Corona-App eher selten.

Diese Beobachtung war episodisch, das versteht sich bei unseren Einlassungen aus dem Berliner Alltag sowieso, aber sie entspricht dem, was allgemein vermeldet wird. Sicher, bei den sehr hohen Temperaturen der letzten Zeit (gestern draußen 34 Grad, während des Einkaufs in einem Laden ohne Klimaanlage), ist das Tragen von FFP2-Masken schwitzig, aber man könnte als Zeichen des guten Willens wenigstens die „medizinische“ Version, den OP-MNS, verwenden. Grundsätzlich darf das eigene Verfahren nicht vom Wetter abhängen, denn, wie wir oben gelesen haben, das aktuelle Geschehen ist für eine Sommersituation untypisch.

TH

25.06.2022 (hier zu 132/22 vom Vortag, Update und zu 131/22)

Wir verabschieden uns mit dem heutigen Report von Corona. Für zwei Tage. Denn die Nichterfassung bzw. Nichtweiterleitung von Daten an das RKI an Samstagen und Sonntagen verzerrt die Zahlen so, dass erst am Dienstag wieder realistische Werte vorliegen werden.

Heute gibt es sie aber noch, die realistische(re)n Werte, bei denen man immer die Untererfassung aufgrund zu wenig Testung mitlesen muss. Die Inzidenz steigt von gestern 618 auf heute 632. Das ist ein relativ geringer Anstieg von 2,34 Prozent, aber in den letzten Tagen waren Zuwächse zwischen 9 und 16 Prozent zu vermelden und nun darf auch der Sommerwelle-Express mal ein wenig verschnaufen.

Fakt ist, noch nie war im Sommer die Inzidenz so hoch wie im Moment, der Anstieg zeigt in Punkten etwa das gleiche Bild wie (damals auf höherem Ausgangsniveau) während der 6. Welle (Omikron BA.2), was wiederum zu höheren prozentualen Zuwächsen führt als damals, heute gibt es den fünften in Folge zu melden. Der 14-Tage-Trend bleibt mit einem Plus von ca. 5 Prozent pro Tag auf dem gleichen hohen Niveau wie bisher.

Neues gibt es wieder von wem? Richtig geraten, von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Es klingt konstruktiv, wird aber nicht die Untererfassung beseitigen. Schon gar nicht, wenn die Bürgertests demnächst nicht mehr kostenfrei sein werden. Die Inzidenz ist sowieso unter  Vorbehalt zu lesen, darauf weisen wir immer wieder hin. Die Hospitalisierungsrate ist sicher ein gutes Indiz für die tatsächliche Gefahr, die von Corona ausgeht, obwohl der Untererfassung bei den Fällen möglicherweise auch eine zu geringe Einweistungsquote in Krankenhäuser, auf jeden Fall aber eine zu geringe Verifizierung durch ärztliche Konsultation folgt. Die Überlegung dabei: Menschen, die Symptome zeigen, würden sich vielleicht anders verhalten, wenn sie wüssten, dass es dabei um eine Corona-Infektion handelt, sprich, (mehr und schneller) ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, in der Folge käme es auch zu Hospitalisierung bei Menschen, die sich jetzt so durchschleppen und glauben bzw. glauben möchten, sie hätten eine heftige Sommergrippe.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit einem neuen „Pandemie-Radar“ bessere Vorhersagen über neue Coronavirus-Wellen ermöglichen. Krankenhäuser sollen zum Beispiel mehr aktuelle Angaben zu Bettenbelegungen machen. „Bislang wissen wir nur, wie viele Betten in den Kliniken frei sind – und das mit Verspätung. Das ist zu wenig“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).  Außerdem sollten „stärker als bisher Infektions- und Durchimpfungsraten in Gesundheitseinrichtungen“ erhoben werden, berichtet das RND unter Berufung auf einen Formulierungsvorschlag des Ministeriums für eine Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes. Auch die Abwasserüberwachung solle dort ausgebaut werden. „Daraus lassen sich Rückschlüsse aufs Infektionsgeschehen ziehen“, sagte Lauterbach. Im Abwasser lassen sich Virenkonzentrationen nachweisen. In allen Pflegeheimen soll es zudem künftig einen Impf- und Medikamenten-Beauftragten geben.

Wenn die Testquoten nichts mehr aussagen, muss man das Abwasser befragen. Als letzte Instanz sozusagen. Viel Spaß wünschen wir bei den Ermittlungen. 

Eine zweite Grafik zu den Affenpocken gibt es heute nicht, denn das RKI zeigt immer noch den gestrigen Wert von 676 Fällen.

Nur aus dem persönlichen Bereich gibt es Positives zu vermelden. Seit heute ist unser Erfassungsstatus bei der Corona-App wieder „grün“, obwohl wir gestern Abend eine gute Gelegenheit wahrnahmen, um uns anzustecken. So ist es eben beim Eintauchen in größere Menschenmengen, die Gefahr der Corona-Infizierung besteht grundsätzlich. War trotzdem geil und wir hoffen sehr, ohne schlechtes Bauchgefühl bald häufiger an Live-Events teilnehmen zu können. Immerhin wurde nach Omikron BA.5 noch nichts Neues entdeckt und die BA.5-Welle läuft schon, quasi vorfristig. Wäre ja ein Ding, wenn wir ausgerechnet im Herbst Ruhe vor Corona hätten.

TH

24.06.2022 (hier zu 131/22 vom selben Tag)

Nachdem wir uns vor einigen Stunden schon zu den Grunddaten des Tages geäußert haben, setzen wir jetzt mit zusätzlichen Infos nach. Auch wir müssen uns daran gewöhnen, dass es im Laufe des Tages zu weiteren Nachrichten kommt, weil Corona wieder vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit steht, seit die Sommerwelle immer schneller ansteigt.

Soeben hat Statista eine Grafik veröffentlicht, die sich mit dem Anstieg der Omikrion-BA.5-Variante befasst und die bestätigt, dass die Sommerwelle unter anderem oder sogar hauptsächlich auf diese Zunahme von Neuinfektionen mit einer Variante zurückzuführen ist, die sich nicht viel darum schert, ob jemand sich schon mit älteren Typen des Covid19-Virus angesteckt hat. Auch der Impfschutz, dessen Aufbau bei den meisten jetzt ohnehin schon länger her ist, kann in der gegebenen Lage eher als Vermeidung schwerer Verläufe denn als Verhütung vor Ansteckung mit BA.5 klassifiziert werden.

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

 

Die Omikron-Variante BA.5 des Coronavirus ist auf dem Wege, das Infektionsgeschehen in Deutschland zu beherrschen. Das zeigt die Infografik von Statista auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Diese Daten beziehen sich allerdings auf die Kalenderwoche 23, also auf die vorvergangene Woche. Aktuell ist von höheren Werten auszugehen. Die Variante BA.5 und ihre Sublinien weisen laut RKI eine höhere Übertragbarkeit auf als andere Varianten. Die zuvor verbreitete Variante BA.2 ist dagegen auf dem Rückzug.

Virologe Christian Drosten rechnet einem Medienbericht zufolge nicht damit, dass es durch die Verbreitung der Variante BA.5 zu einer Überfüllung der Intensivstationen kommen werde. Gleichwohl rechnet er bereits ab dem Monat September mit hohen Fallzahlen und einem Anstieg der Hospitalisierungen und Todeszahlen, wenn die Politik keine vorbeugenden Maßnahmen erlassen würde. Zudem würde es laut Drosten sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle am Arbeitsplatz geben.

Um die einzelnen Varianten nachzuweisen, wird das Ergbut des Virus mit Hilfe einer so genannten Genomsequenzierung untersucht. In der Pandemie versuchen Forscher mit dieser Sequenzierung die Weiterentwicklung des Coronavirus zu überwachen. Diese permanente Beobachtung, vergleichbar mit einem Frühwarnsystem, wird auch „Sentinel Screening“ genannt. So können etwa neue Virusvarianten identifiziert werden.

Die Daten stammen aus der Vorvorwoche, mittlerweile dürfte BA.5 noch mehr dominieren. Das ist die aktuellste Meldung dazu, die erhältlich ist, es dauert immer etwa zwei Wochen, bis Analysedaten, die Varianten-Anteile ausweisen, zur Verfügung stehen. Interessant auch die bisher wenig besprochene Variante BA.4, die vor zwei Wochen bereits einen Anteil von 5,8 Prozent an den Infektionen erreicht hatte. Nach bisherigen Informationen scheint BA.4 der im Zentrum der aktuellen Betrachtungen stehenden Variante BA.5 recht ähnlich zu sein. Das gilt auch für die neuen Impfstoffvarianten, die es nun endlich gibt:

„Im August will Moderna seinen neuen Omikron-Impfstoff ausliefern. Das Vakzin ist laut jüngster Studien auch gegen die Untervarianten BA.4 und BA.5 wirksam. Das Unternehmen verspricht einen „Wendepunkt“ im Kampf gegen Sars-CoV-2.

Der an die hochansteckende Omikron-Variante angepasste Covid-19-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna hat Studien zufolge auch gegen Untervarianten von Omikron gut abgeschnitten. Das Vakzin habe auch gegen die sich schnell ausbreitenden Untervarianten BA.4 und BA.5 eine starke Immunreaktion gezeigt, teilte das Unternehmen mit.“ (Q1)

Aber nicht so stark wie gegen Variante BA.1, gegen die das Vakzin entwickelt wurde, die aber schon kaum noch eine Rolle spielen wird, wenn es ab August (in den USA) eingesetzt werden kann. Wie heißt es quasi alternativlos, wenn die Lage beschissen ist? Der Kampf geht weiter. Mit den üblichen Verlusten. Mehr als 140.000 Menschen in Deutschland haben den Kampf gegen das Covid19-Virus innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren verloren.

TH

24.06.2022 (hier zu 130/22 vom Vortag, Update)

Gestern haben wir zwei Reporte geschrieben, um den Ernst der Lage abzubilden, heute steigen die Corona-Zahlen noch schneller. Auch die Affenpockeninfektionszahlen beschleunigen sich.

Die Inzidenz steigt von gestern 532,9 auf heute 618,4, das ist ein Zuwachs von 16,01 Prozent und von 85,5 Punkten, in Punkten der dritthöchste Anstieg bisher, in Prozent der vierthöchste des Jahres, wobei die jeweils höchste Zunahme nicht mitten in der Woche stattfand, sondern das Resultat einer überdurchschnittlich langen Erfassungs- / Übermittlungslücke war (Wochenende + ein Feiertag im Anschluss). Weil noch höhere Anstiege auf Sonderfaktoren zurückzuführen waren, die heute nicht vorliegen, kann man von einem besonders dramatischen Tag während der ansteigenden Sommerwelle sprechen:

Wir müssen auch morgen mit weiter steigender Inzidenz rechnen, bevor das Wochenende wieder für eine Beruhigung bei der Entwicklung der Fallzahlen sorgen wird.  

Die Neuinfektionen liegen nun am vierten Tag hintereinander bei über 100.000. Nach gestern 119.232 wurden heute vom RKI 108.190 neue Infektionen mit Covid19 ausgewiesen. Das ist eine Steigerung gegenüber der Vorwoche um 16,79 Prozent, fast parallel zur Inzidenzsteigerung. Ein Blick auf die Bundesländer zeigt, dass diejenigen, die schon während der Omikrion BA.2-Welle (Welle 6) besonders stark betroffen waren, auch nun wieder an der Spitze der Inzidenzwerte stehen: Schleswig-Holstein mit 883 und Niedersachsen mit 863, Thüringen weist den niedrigsten Wert auf (214,4), Berlin liegt unter dem Durchschnitt (434,6), auch die heutige Steigerungsrate betreffend, kommt aber von 144, die am Tiefpunkt zwischen den Wellen 6 und 7 bereits erreicht waren. Heute wurden auch wieder 90 neue Todesfälle gemeldet und damit eine Zahl über dem 7-Tage-Durchschnitt von ca. 70 Fällen. Dieser Durchschnitt ist, wie auch bei der Inzidenz, davon geprägt, dass an Wochenenden keine Zahlen gemeldet werden, sie liegen während der Werktage daher regelmäßig über dem 7-Tage-Schnitt. 

Nach unserer Auffassung ist die Politik zum dringenden Handeln aufgefordert. Die (Nach-) Lässigkeit in Sachen Corona darf so nicht weitergehen. 

Wir sind hochgradig erstaunt darüber, wie die stetigen Mahner von einst als Regierungsmitglieder zu Bettvorlegern einer Partei namens FDP geworden sind, der Menschenleben weitgehend egal sind, solange die Kapitalströme im Sinne ihrer kleinen Klientel fließen. Ob alle Maßnahmen, die seit März 2020 eingerichtet wurden, in allen Details richtig waren, steht im Moment nicht zur Debatte, unabhängig von der Evaluierung, die wir demnächst sehen werden. Es ist klar, dass erst Erfahrungen mit Covid19 gesammelt werden mussten, um das richtige Maß zwischen zu großer Vorsicht und Ignoranz zu finden. Wir sind nach wie vor der Ansicht, man hätte zu Beginn und während der todesfallträchtigen Delta-Welle noch konsequenter auf Gesundheitsschutz setzen müssen.

Umso mehr ist es angezeigt, wieder einen Mindestschutz einzurichten, der auf jeden Fall eine positive Wirkung im Sinne einer Abschwächung auf das Infektionsgeschehen haben wird, ohne dass deswegen gleich die Wirtschaft stillstehen muss (was  ohnehin nie der Fall war, auch nicht während der „Lockdowns“). Wir sind auch der Meinung, dass man angesichts der zusätzlichen wirtschaftlichen Probleme, die durch den Ukrainekrieg verursacht werden, vorsichtig mit der Vorsicht sein muss, unabhängig davon, wie was wir über diese hausgemachten Zusatzprobleme  denken, aber gar nichts zu tun, sondern auch noch die kostenfreien Bürgertests in einer Woche einzustellen, ist das falsche Zeichen. Maske tragen z. B. kostet nicht viel, schon gar nicht, wenn man es nur für relativ kurze Zeit bei Einkäufen oder im ÖPNV tun muss und die Hygienevorschriften, die derzeit weitgehend auf freiwilliger Basis eingehalten werden oder eben nicht, sollten verpflichtend werden.

Weil wir keinen Tag ohne Karl Lauterbach verbringen möchten und fast sicher sind, dass es Ihnen genauso geht, haben wir heute etwas für Sie „off Topic“, nämlich ein Statement von ihm zur Privatisierung von Pflegeeinrichtungen. „Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagt in einem aktuellen Interview, die Privatisierung von Pflegeeinrichtungen sei ein Fehler gewesen. Eine Möglichkeit, das wieder rückgängig zu machen, sehe er aber nicht“. (Q1)

Pflegeheime sind ja auch ein neuralgischer Punkt, Corona betreffend und die Finanzialisierung für den Kapitalmarkt hat den Schutz der Betreuten sicher nicht verbessert. Das weist auf die allgemeine Tendenz im Gesundheitswesen hin und erinnert uns daran, dass Lauterbach diese grundfalsche Tendenz unterstützt hat und auch ein Fan von Klinikschließungen war. Das widerspricht seiner Haltung zu Corona, als er noch kein Minister war und es wäre eine schöne Aufgabe für investigative Journalist:innen, zu untersuchen, durch was Karl Lauterbach bezüglich seiner schwungvoll wechselnden Meinungen geprägt wurde. Bezüglich des Hände-in-die-Hosentasche-Steckens in der gegenwärtigen Lage ist es die FDP, besonders vor dem Justizminister Buschmann hat Lauterbach offenbar Angst. 

Weiterhin erinnert uns die Entwicklung im Gesundheitsweisen an einen typischen SPD-Fail in Berlin, nämlich das Verscherbeln von unzähligen Wohnungen zu Spottpreisen an Private, was jetzt in starkem Ausmaß die Wohnungskrise in der Stadt mitverursacht.

Sie lernen es einfach nicht, unsere Politiker:innen, wie man den Büger:innen dient, schon gar nicht, wenn sie von Lobbys gepampert werden ohne Ende. Irgendwann wird sich etwas ändern müssen und dann wird es viel härter, als man es einem Karl Lauterbach zumuten kann. Insofern haben wir heute auch so ein #LauterbachRuecktritt-Gefühl, aber nicht aus denselben Gründen wie die Querdenker:innen. Erklärung: Eine von mehreren Wortkombinationen, die den Rücktritt des Gesundheitsministers fordern, trendet beinahe jeden Tag auf Twitter, wird aber zumeist von den Totalgegner:innen jedweder Corona-Schutzmaßnahme verwendet. Zum Ausgleich trendet heute auch #QuerdenkerSindTerroristen.

Fast in gleichem Maße wie die Corona-Inzidenz sind heut die bisher bekannten Affenpockenfälle in Deutschland angestiegen, um mehr als 14 Prozent. Wir haben den Forecast nun auf 8 Tage erweitert und werden in 8 Tagen vermutlich bei etwa 1.000 Fällen in Deutschland angelangt sein, heute sind es 596, nach gestern 521. Die Beschleunigung kann man daran erkennen, dass die Balken der letzten beiden Tage oberhalb der Trendlinie enden, obwohl diese sich automatisch an die Situation anpasst, indem sie neueste Entwicklungen mit abbildet. Insgesamt sind mittlerweile 55 Länder betroffen, in denen Affenpocken nicht endemisch sind, also nicht langfristig zu den ortsüblichen Infektionenskrankheiten zählen. Deutschland steht dabei aktuell an dritter Stelle hinter Spanien und Großbritannien, die Fallzahlen (sowohl bestätigte wie vermutete) betreffend. Die Zahl der bestätigten Fälle hat außerhalb der endemischen Gebiete die 4.000er-Marke überschritten (4.079). Deutschland ist, wie bei Corona, in einem weit über dem Welt-Bevölkerungsanteil von 1,05 Prozent liegenden Maße von den Infektionen (aktuell 14,61 Prozent) betroffen.

TH

23.06.2022 II (hier zu 129/22 vom selben Tagg, hier auch zu den aktuellen Zahlen)

Die Sommerwelle steigt, die Politik diskutiert und nix passiert, so kann man die aktuelle Situation zusammenfassen, wir haben das früher am Tag im Report 129/22 getan. Im Verlauf des Tages hat Civey eine Umfrage aufgesetzt, wir haben mitgemacht und laden Sie ein, ebenfalls Ihre Meinung abzugeben:

Sollten die aktuellen Corona-Maßnahmen Ihrer Meinung nach aufgrund der steigenden Infektionszahlen umgehend verschärft werden?

Hier der Erklärungstext von Civey dazu:

Der deutsche Städtetag (DST) fordert von der Regierung Sofortmaßnahmen gegen die steigenden Coronainfektionszahlen. Der DST-Präsident Markus Lewe schlägt etwa vor, eine Maskenpflicht in Innenräumen und 3G- oder 2G-Regeln für bestimmte Orte wieder einzuführen. Zudem verlangt er laut Funke Mediengruppe, kostenlose Bürgertests auch nach Juni anzubieten, um den Infektionsverlauf beobachten zu können.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und NRW rufen den Bund ebenfalls zu raschem Handeln auf. Sie fordern das Corona-Infektionsschutzgesetz noch vor der parlamentarischen Sommerpause zu ändern, um entsprechend auf eine mögliche Herbst-Welle zu reagieren. „Dazu zählen insbesondere Maskenpflicht in Innenräumen, 3G/2G-Zugangsregeln, Testpflichten, Personenobergrenzen und Kontaktbeschränkungen“, heißt es in dem Vorschlag der vier Bundesländer laut dpa.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält eine vorzeitige Reform des Infektionsschutzgesetzes für unnötig. Dem Handelsblatt zufolge werde man diese rechtzeitig vor dem Auslaufen der aktuellen Maßnahmen am 23. September beschließen. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt sich diesbezüglich optimistisch. Der ARD sagt er vorgestern: „Wir werden also für den Winter viel besser gerüstet sein, als es der ein oder andere jetzt vermutet.“

Dass Karl Lauterbach so krytpisch ist, passt gar nicht zu ihm, finden wir. Überhaupt geht in der Regierung Seltsames vor, das man nur so interpretieren kann, dass die FDP wieder einmal die übrigen Koalitionsparteien mehr oder weniger am Nasenring durch die Manage zieht. Allerdings ist auch reiner Opportunismus im Spiel, der durchaus populär zu sein scheint. Das Meinungsbild zeigt sich gemäß der Umfrage gespalten, keine absolute Mehrheit für eine Position, aber eine relative für „auf keinen Fall“ die Maßnahmen verschärfen. Die Maskenpflicht scheint ein nationaler Alptraum geworden zu sein, ein Symbol für die Diktatur, die, wenn sie kommt, sicher nicht auf diese Weise installiert werden wird.

Okay, wir waren auch froh, am Morgen keine Maske tragen zu müssen, als es zu einer Kennenlern-Gesprächssituation kam. Vor einiger Zeit wäre das im gleichen Setting noch Pflicht gewesen, obwohl nur zwei Personen im Raum waren, aber wenigstens dort, wo es unproblematisch ist und nicht die Kontaktaufnahme oder die Einschätzung anderer erschwert, wie im Einzelhandel, wäre eine Rückkehr zur Maskenpflicht dringend geboten. Wir schrieben es schon im vorherigen Report: Trotz stark steigender Inzidenz nimmt die Zahl der Maskenträger:innen in diesem Bereich stetig ab, die Mitarbeitenden in den Läden inbegriffen. Diese Lässigkeit wirkt sich auch auf die Tragequote dort aus, wo die Pflicht noch besteht, wie etwa im Berliner ÖPNV. Klar, warum hier, wenn nicht dort? 

Ein weiteres Thema hat Statista heute aufbereitet. Erinnern Sie sich noch an den Streit um die PCR-Tests, in dem wir klassistische Elemente ausgemacht und uns ziemlich geärgert hatten, im Rahmen der Langreporte, die wir auf dem Höhepunkt der Delta-Welle verfasst hatten? Die Zeiten ändern sich immer, mittlerweile werden die Kapazitäten nicht einmal genutzt, die für den „Goldstandard“ unter den Tests zur Verfügung stehen, der hilft, Antigen-Testergebnisse abzusichern, wenn man im öffentlichen Testzentrum einen positiven Bescheid erhalten hat. Wie Sie unter der Grafik nachlesen können, hängén die Aufgabe fast sämtlicher Schutzmaßnahmen und die geringe Auslastung der Testkapazitäten miteinander zusammen:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar 

Obwohl Corona-Tests laut einer Erhebung des Instituts für Weltwirtschaft Kiel das drittwirksamste Mittel zur Verringerung der Ausbreitung des Virus darstellen, laufen die kostenlosen Testangebote in Deutschland am 30. Juni aus. Einem Bericht des Spiegel zufolge sollen im Rahmen der „Corona-Herbststrategie“ auch in Zukunft nur bestimmte Personen Anspruch auf Gratis-Tests haben, darunter Menschen mit Symptomen, Kleinkinder oder Schwangere. Kapazitäten für die besonders aussagekräftigen PCR-Tests gäbe es in den Laboren allerdings momentan genug.

Wie unsere Grafik auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts zeigt, betrug die Auslastung der rund 200 an einer freiwilligen Befragung teilnehmenden Labore hinsichtlich der PCR-Testkapazitäten in der 22. Kalenderwoche nur etwa 20 Prozent, während es Anfang April noch rund 50 Prozent waren. Auch aufgrund des Wegfalls aller bis auf die grundlegendsten Corona-Maßnahmen Ende März hat die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests seitdem rapide abgenommen. In der sechsten Kalenderwoche, während welcher die Sieben-Tages-Inzidenz auf über 1.500 anstieg, wurden beispielsweise 2,5 Millionen Tests bei einer Kapazität von 3,1 Millionen durchgeführt.

Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aufgrund der Verbreitung der ansteckenderen Omikron-Subvariante BA.5 vor einer neuen Sommerwelle mit steigenden Inzidenzen gewarnt und zum Tragen von Masken in Innenräumen geraten. Eine rechtliche Grundlage für eine Maskenpflicht gibt es derzeit nicht. Lauterbach hatte ebenfalls Pläne für eine neue Impfkampagne skizziert, die ab September allen Impfwilligen drei auf Omikron angepasste Impfstoffe zur Verfügung stellen soll.

Gestern hatten wir ein Enddatum 29. Juli genannt und uns dazu auf den bisher angenommenen 30.06. bezogen, offenbar gilt dieser aber weiterhin als Schlusspunkt für die kostenfreien Bürgertests. Die PCR-Tests betreffend, wird wohl vor allem die Kostenfrage eine Rolle spielen, sie sind nun einmal um ein Mehrfaches teurer als Schnelltests. Wir fänden es auch okay, wenn sie erst dann zum Einsatz kämen, wenn ein positiver Schnelltest vorliegt, aber die Möglichkeit, rasch, unkompliziert und kostenfrei einen solchen durchführen zu dürfen, müsste unbedingt erhalten bleiben. Wir haben am Arbeitsplatz eine Möglichkeit, aber optimal ist das nicht, weil wir dann trotz roter Warnapp schon unterwegs waren, weil wir gegenwärtig den ÖPNV benutzen, und mit anderen Kontakt hatten, wenn wir dort eintreffen. Das kleine Testzentrum an der nächsten Straßenecke in unserem Kiez hingegen wird unter den gegebenen Umständen wohl in den nächsten Tagen schließen, denn so viele „bestimmte Personen“, sprich, Angehörige kleinerer Risikogruppen, werden hier nicht wohnen, dass sich die Aufrechterhaltung des Angebots lohnt.

Der Dilettantismus der hiesigen Corona-Politik ist wirklich schwer auszuhalten. Ja, dass die Leute so desorientiert sind, hat auch mit der unsäglich miserablen Kommunikation zu tun, ganz klar. Dass nicht strategisch operiert wird, welche Strategie es auch immer sei, vom Zero-Covid-Versuch, wie in China, bis zum Durchseuchungsmodell, wie z. B. in Dänemerk, sie würde von der Mehrheit kaum noch akzeptiert werden, weil man zu deutlich merkt, dass hier nichts zusammenpasst.

Es handelt sich um eine Vertrauenskrise, die sich nahtlos von der alten auf die neue Regierung übertragen hat und die wir zu beklagen haben. Dass auch anlässlich des gegenwärtigen Kriegs in Europa Deutschlands Politik kommunikativ Fehler über Fehler macht, die aus (allerdings nachvollziehbar) mangelnder Überzeugung bezüglich des eigenen Vorgehens resultiert, passt leider in dieses Bild. Dass viele, wie aktuelle Umfragen vermuten lassen, schon vergessen haben, dass die alte Regierung es in Sachen Corona und auch bezüglich der strategischen Energiepolitik nicht besser gemacht hat, obwohl deren Ablösung erst einige Monate her ist, passt wiederum in Bild von der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Bürger:innen eines Landes, die schlicht durch die aktuelle Krisenhäufung überlastet sind.

TH

23.06.2022 (hier zu 128/22 von gestern

„Wir steuern blind in eine neue Corona-Welle“, sagte heute der CDU/CS-Fraktionsvizechef im Bundestag, Sepp Müller, dem Vornamen nach der CSU angehörend. (Q1)

Schon das ist falsch: Er kommt von der CDU und aus Sachsen-Anhalt. Auch falsch ist das Bild mit der Blindheit: Man kann alles sehen, man kann Zahlen lesen und sie interpretieren. Man muss aber auch danach handeln. Es geht noch weiter: „Der Bundesgesundheitsminister erreicht die Menschen nicht mehr, und dadurch verhallen seine Aufrufe.“ Es war Jens Spahn von der CDU, der die Grundlage dafür gelegt hat, dass die Menschen der Corona-Politik der Bundesregierung zu wenig vertrauen. Dass Lauterbach jetzt ein Problem in der eigenen Koalition und mit dem Wechsel zwischen Mahner und Managerposition hat, ist evident und die Querdenker:innen merken, dass sie ihn gut angreifen können, weil er diesen Spagat nicht besonders gut hinbekommt. Beinahe erwartungsgemäß „trendet“ er heute wieder, und zwar mit #Lauterbachmussweg. Gegenüber den bisher üblichen Varianten #LauterbachRuecktrittJetzt und #LauterbachRuecktrittSofort eine beachtliche Mutation, erinnert ein wenig daran, wie das Corona-Virus sich entwickelt.

Die Zahlen sprechen aber für oder gegen sich: Die Inzidenz sprang von gestern auf heute erneut um ca. 9 Prozent auf 532,9 Punkte, die Zahl der Neuinfektionen ist fast identisch mit der gestern gemeldeten und beläuft sich auf 119.232. In den Geschäften hingegen: So viele Menschen wie seit dem Beginn der Pandemie nicht, die ohne Maske herumrennen, als ob die Inzidenz in Berlin nicht innerhalb von wenigen Wochen um 150 Prozent gestiegen wäre. Wenn das Blindheit ist und nicht Hineinrennen sehenden Auges, dann fragen wir uns, was die Blinden dazu sagen, dass sie von der Politik, die das alles zu verantworten hat, mit solchen Sprüchen wie oben diskriminiert werden.

Manchmal sehen die Sehbehinderten sowieso besser, auch wenn wir leider keine barrierefreien Grafiken herstellen können, was wir sehr bedauern. Das Wichtigste vermelden wir auch textlich, sodass man es sich maschinell vorlesen lassen kann.

Der durchschnittliche Anstieg der Inzidenz innerhalb der letzten 14 Tage ist heute sogar gefallen, was aber kein Grund zur erheblichen Freude ist, denn der Anstieg nach dem Pfingst-Erfassungsloch war an manchen Tagen extrem hoch und nun werden Tage mit solcherlei Entwicklung „ausgebucht“ aus der 14-Tage-Tendenz. Uns reicht es schon, um alarmiert zu sein, dass die Inzidenz so locker die 500er-Marke genommen hat. Das hätten wir für diesen Zeitpunk im Frühsommer nicht erwartet. Damit es nicht wirkt, als sei dies wie eine Grippe zu behandeln: Heute wurden wieder 98 Todesfälle gemeldet (gestern 104, vorgestern 182), der Durchschnitt liegt bei über 70 pro Tag innerhalb der letzten 14 Tage. Was sagt die Politik dazu? Wir zitieren wieder den Herrn Müller:

Ich sehe für eine allgemeine Impfpflicht im Bundestag keine Mehrheit. Solange keine tödliche Variante auf uns zurollt, ist sie wahrscheinlich nicht verhältnismäßig. (Q1)

Wir lernen wieder einmal, es muss zu hunderten, wenn nicht tausenden von Toten pro Tag an / mit Corona kommen, damit die Politik eine Verhältnismäßigkeit als gegeben ansieht. Auch das fehlende Impfregister hat Müller angesprochen, das hätte die Union aber längst auf den Weg bringen können, als sie die Bundesregierung angeführt hat. Wenn Sie mögen, lesen Sie gerne das gesamte Interview mit Herrn Müller, der für uns bisher ein unbeschriebenes Blatt war, um sich ein Bild davon zu machen, was in der CDU als eher links gelten dürfte. Darin geht es um weitere Themen. Wir glauben nicht, dass die Union die Quadratur des Kreise hinbekommen wird, schon gar nicht in Zeiten, auf welche die Politik erkennbar nicht vorbereitet ist.

Die Affenpocken-Fallzahl in Deutschland ist von gestern auf heute ebenfalls erheblich gestiegen, um mehr als 13 Prozent, von 521 auf 592. Das Tempo zieht an und vermutlich werden wir nicht erst in 6 Tagen, sondern in 5 Tagen die Fallzahl von 800 erreicht haben. Gleichwohl gilt das gestern Geschriebene: Eine Pandemie oder Epidemie ist das noch lange nicht. 

Wir haben jetzt die Zahlen für den 20. bis 28. Mai nacherfasst, sodass wir ein Bild von dem Tag ab haben, an dem in Deutschland der erste Affenpockenfall bekannt wurde. Man kann daran gut ersehen, dass es einige Tage nach den ersten Fällen eine ruhige Phase gab, aber seitdem steigt die Fallkurve fast stetig an, derzeit steiler als in den Tagen zuvor. Wir erwarten aber nicht, dass die gegenwärtige, hohe prozentuale Zunahme anhalten, sondern, dass sie sich wieder abschwächen wird. Spätestens am Wochenende, wenn Meldepause herrscht.

TH

22.06.2022 (hier z u 127/22 von gestern)

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz (Neuinfektionsfälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) steigt mit 488,7 auf den höchsten Wert seit dem 12.05.2022 (505), nach 458 gestern. Am zweiten Tag hintereinander liegt die Zahl der Neuinfektionen über 100.000 (119.232), nach gestern mehr als 123.000. Auch die Todesfallzahlen bleiben dreistellig, gestern wurden 104 neue Fälle  gemeldet, nach vorgestern 182.

Die starken Anstiege, die das RKI dienstags und mittwochs ausweist, sind auch dadurch begründet, dass am Wochenende nicht mehr tagesaktuell ausgewiesen wird. Nur noch wenige Ämter melden an diesen Tagen, daher verzichtet das RKI teilweise auf eine Darstellung. Das gilt allerdings nicht für die Inzidenz, was dazu führt, dass diese, wie die Neuinfektionszahlen, sich mittlerweile sehr ruckartig bewegt, mit sehr starken Anstiegen zur Wochenmitte hin, wenn alle Nacherfassungen abgearbeitet werden (speziell eben dienstags und mittwochs). Wir haben daher unseren Inzidenztrend von 7-tätig auf 14-tägig umgestellt, um ein aussagekräftigeres Bild zu erhalten. Dieser 14-Tage-Trend zeigt gegenwärtig einen enorm hohen Anstieg von ca. 6 Prozent täglich, so viel, wie seit der steilsten Anstiegsphase der Welle 5 (Omikron BA.1) im Januar nicht mehr. 

Weltweit wurden gestern erstmals seit dem 20.05.2022 wieder mehr als 700.000 Neuinfektionen vermeldet (731.000), einen Rückgang gibt es schon länger nicht mehr, obwohl die Omikron BA.5-Variante die stärker betroffenen Länder der Nordhalbkugel bei hohen Temperaturen erwischt hat. „Sommerwelle“ stimmt mittlerweile auch kalendarisch, gestern war Sommeranfang.

Falls Sie sich wegen der Sommerwelle zum vierten Mal impfen lassen wollen, hier noch einmal nähere Informationen dazu, für wen dies im Moment als sinnvoll erachtet wird.

Und was ist mit der Herbstwelle, die von vielen als ein unausweichlicher Tatbestand angesehen wird? Dafür, dass man mit ihr rechnet, gibt es erstaunlich wenig Konkretes aus der Politik.

Laut Gesundheitsminister Lauterbach befindet sich Deutschland in der „Sommerwelle“ – dennoch laufen die Regeln für Gratis-Tests in wenigen Tagen aus.

Welchen Kurs die Regierung nun genau einschlagen will, ist noch offen – doch Lauterbach sieht keinen Grund für Aufregung. (Q1)

Bei Karl Lauterbach muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass er nicht am lautesten von allen warnt. Unser Eindruck: dieser Veränderung liegt nicht etwa ein Mentalitätswandel zugrunde, sondern er wurde von anderen Kabinettsmitgliedern der Bundesregierung, besonders von gewissen FDP-Ministern, „ruhiggestellt“. Möglicherweise gab es auch Gegenwind aus der eigenen Partei, deren Umfragewerte im Sinkflug begriffen sind. Eine Ausrichtung von Lauterbachs Einlassungen nach innen, auf den Frieden in der Ampelkoalition hin, lässt auch der zweite Satz schließen, den wir folgend zitiert haben:

Dennoch mahnte der Bundesgesundheitsminister, nicht in Panik zu verfallen. Wie er in der ARD erklärte, erwarte er derzeit nicht, dass der weitere Corona-Kurs innerhalb der Ampel-Koalition für Streit sorgen wird.

Der Ukraine-Krieg mit seinen wirtschaftlichen Folgen ist schwierig genug, da muss nicht auch noch Panik wegen der nächsten oder übernächsten Corona-Welle geschürt werden, könnte das Motto sein – abgesehen davon, dass die FDP generell das Verhalten eines bockigen Kindes zeigt, wenn es darum geht, Gemeinschaftsaufgaben zu organisieren.   

Noch bis einschließlich 29. Juli sind die kostenlosen Corona-Bürgertests geregelt. Wie es danach weitergeht? Das ist bislang noch genauso unklar, wie der Corona-Kurs der Bundesregierung für den Herbst und Winter dieses Jahres. Denn auch die Regelungen im Infektionsschutzgesetz laufen nur noch bis zum 23. September.

Aus den Ländern werden deshalb Stimmen laut, die den Bund zur Eile antreiben. Denn die Zeit drängt. Der Bundestag geht laut Sitzungskalender am 8. Juli in die Sommerpause und kommt dann erst in der Woche ab 5. September wieder zusammen.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen fordern deshalb vom Bund, schnell die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen.

Die Ampel müsse noch vor der Sommerpause eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorlegen, heißt es in einem Beschlussentwurf der vier Länder für die am Mittwoch beginnende Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern. (Q1)

Mit etwas Pech läuft es wie mit der Impfpflicht: Die schärferen Maßnahmen liegen nicht einmal abrufbereit in der Schublade, wenn es wieder zu einer bundesweiten Inzidenz von 1.000 und mehr kommen sollte. Unser Eindruck ist nicht, dass sich mit dem Wechsel von Jens Spahn zu Karl Lauterbach als Gesundheitsminister viel am Corona-Management verbessert hat. Vor Kurzem gingen wir allerdings noch davon aus, dass es die kostenlosen Bürgertests nur noch bis zum 30. Juni geben soll. Letzte Woche haben wir aufgrund „doppelt“ roter Anzeige der Corona-Warn-App (zwei „Begegnungen“ innerhalb weniger Tage) wieder einmal einen solchen Test in Anspruch genommen.

Eines der vier Bundesländer (welches?), die sich gegen die  zögerliche Haltung der Bundesregierung wenden, wird von Winfried Kretschmann regiert. Sein Name trendet ebenso wie „Ausgangssperre“. Hören Sie rein.

Die Zahl der registrierten Affenpocken-Fälle in Deutschland ist von gestern auf heute wieder zweistellig gewachsen (von 469 auf 521, + 11,1 Prozent). In einer Woche dürfte gemäß unserer Projektion eine Zahl von 800 Fällen überschritten werden, falls das Tempo der Ausbreitung etwa gleich bleibt. Dennoch kann nicht genug betont werden: Wenn der Weg, auf der die Corona-Varianten ihrer Ausbreitung entgegenrollen, eine Autobahn ist, dann ist sie bei den Affenpocken ein schmaler Pfad, begründet durch die viel höheren Voraussetzungen für eine Ansteckung. 

Außerhalb der endemischen Zone der Affenpocken liegt Deutschland weltweit derzeit auf Rang 3 nach Spanien und Großbritannien, Portugal hat ebenfalls eine höhere Infektionszahl, wenn man sie auf die Bevölkerungsgröße bezieht, ebenso die Niederlande.

TH

21.06.2022 (hier zu 126/22 vom 18.06.)

Heute ist der längste Tag des Jahres und Sommerbeginn. Etwas sagt uns, dass wir heute nicht die höchste Infektionszahl des restlichen Jahres gesehen haben und die Sommerwelle erst beginnt. Warum sie in Deutschland, verglichen mit anderen Ländern, so extrem hoch ansteigt, werden wir in diesem Kurzreport nicht enträtseln, recherchieren aber weiter.

Mit 123.097 neuen Fällen liegt die Zahl der Infektionen heute so hoch wie seit dem 27.04.2022, also seit fast 2 Monaten nicht mehr (damals ca. 130.000). Die Inzidenz ist von gestern auf heute um knapp 9 Prozent, von 416 auf 458,5, gestiegen. Damit liegt sie um knapp 12 Punkte höher als vor einer Woche und wir gehen daon aus, dass sie in den nächsten Tagen noch etwas höher liegen wird. Das ist angesichts der sehr hohen Temperaturen an zwei der letzten Tage, die grundsätzlich die Verbreitung von Covid19 stark erschweren, keine gute Nachricht. Wenn man die Weltzahlen ernst nimmt, wurde in Deutschland gestern ein Drittel aller global erfassten Fälle gemeldet. 

Was uns besonders betroffen macht: Die Zahl der Todesfälle ist mit 182 ebenfalls stark angestiegen, die höchste Zahl seit dem 16.05 (damals 215). Dadurch ist die durchschnittliche Todesfallzahl an / mit Corona für die letzten 7 Tage von ca. 60 auf ca. 78 angestiegen.

Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob die Sommerwelle in den letzten Tagen ins Stocken geraten wäre, aber der 14-Tage-Trend zeigt klar eine Aufwärtsrichtung in Form eines durchschnittlichen Inzidenzanstiegs von ca. 7,5 Prozent. Das ist der höchste 14-Tage-Anstieg seit dem Beginn unserer täglichen Erfassung Ende 2021. Solange die blaue Linie nicht deutlich abfällt, ist von weiteren Steigerungen der Neuinfektionszahlen auszugehen.

Derzeit tagen in Indonesien die Gesundheitsminister der G20-Staaten, von dort wird das Folgende vermeldet:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der Bedrohung durch neue Corona-Varianten eindringlich davor gewarnt, im Kampf gegen das Virus nachzulassen. „Die Wahrnehmung, dass die Pandemie vorbei ist, ist fehl am Platz“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag bei einem Treffen der Gesundheitsminister der G20-Staaten in der indonesischen Stadt Yogyakarta. Die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle ist in den meisten Ländern mittlerweile stark zurückgegangen, was zur Aufhebung zahlreicher Einschränkungen geführt hat.

Seine Behörde sei nach wie vor sehr besorgt, dass „ein Mangel an Corona-Tests und Sequenzierung uns für die Entwicklung des Virus blind macht“, erklärte der Äthiopier. Auch befürchte die WHO, dass die Lektionen aus der Pandemie wieder verlernt würden und sich der „Kreislauf aus Panik und Nachlässigkeit“ wiederhole.

In Deutschland wird sich dieser Kreislauf ganz sicher wiederholen, auch wenn eindeutig ein Abstumpfungseffekt zu beobachten ist., der das Geschehen zusätzlich anheizt: Obwohl die Inzidenz in Berlin sich beispielsweise innerhalb der letzten zwei Wochen wieder verdoppelt hat (niedrigster Wert 143, jetzt 313) tragen so wenige Menschen wie nie zuvor seit dem Ausbruch von Corona beim Einkaufen Masken und auch die Maskenpflicht im ÖPNV wird immer häufiger missachtet. Offenbar spielt dabei auch eine Rolle, dass man davon ausgeht, wegen des 9-Euro-Tickets weniger häufig als bisher Kontrolleure zu sehen, die auch zum MNS etwas sagen könnten und das Fahrgästetprofil hat sich etwas verändert. Wie man an der Nachlässigkeit beim Einkaufen sieht, ist aber nicht nur dieser Sondereffekt relevant. Vielmehr beschleicht uns das Gefühl, es ist den Menschen zunehmend egal, ob sie sich oder andere infizieren. Das sind schlechte Voraussetzungen für eine Herbstwelle, falls sie kommt. Es wäre dann Nummer 8. Da wir aufgrund einer Verletzung derzeit hauptsächlich mit der U-Bahn fahren, bemühen wir uns so gut wie möglich, in einer Ecke unterzukommen, in der die Menschen nicht zu dicht stehen und setzen uns prinzipiell nicht mehr, sondern sind froh, wenn wir die einzigen sind, die sich etwas abseits halten.

Bei den Affenpocken tat sich ebenfalls etwas, seit unserem letzten Report von vor drei Tagen ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten Fälle um knapp 30 Prozent angestiegen (von 362 [durch Interpolierung ermittelt] auf 469). Das klingt ebenfalls viel, ist es in absoluten Zahlen freilich noch nicht. Der Anstieg erfolgt etwas schneller als linear, heute erstmals seit mehreren Tagen wieder mit einer zweistelligen Rate (um knapp 14 Prozent gegenüber gestern). Mit der Situation zu Beginn der Corona-Pandemie ist die Entwicklung nach wie vor nicht zu vergleichen. Außerhalb des endemischen Gebietes der Krankheit weist Deutschland allerdings auch bei dieser Virusinfektion auffallend hohe Zahlen auf und liegt nach Spanien und dem Vereinigten Königreich an dritter Stelle. In Relation zur Bevölkerungsgröße gibt es auch in Portugal (deutlich) und in den Niederlanden (etwas) mehr registrierte Fälle.

TH

18.06.2022 (hier zu 125/22 von gestern)

Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen ist von 427 auf 445 gestiegen, ein Zuwachs von 4 Prozent. Die Sommerwelle ist nicht wegzudiskutieren, aber die hohen Temperaturen bremsen offenbar doch das Geschehen.

Der wirklich heiße Sommer kommt ja erst und Omikron BA.5 wird gegen ihn zu kämpfen haben, auch wenn die Variante ansteckender ist als alle vorherigen. Mit über 80.000 Neuinfektionen, die gestern gemeldet wurden, ist eine deutliche Zunahme innerhalb der letzten Wochen zu verzeichnen, aber wir sind noch weit entfernt von Zahlen über 300.000 pro Tag, wie sie kurzfristig in der „6. Welle“ (Omikron BA.2) zu verzeichnen waren. Die Todesfallzahlen an / mit Corona sind mit einem 14-Tage-Durchschnitt von 60 wieder auf das bisher niedrigste Niveau des Jahres 2022 gesunken. 

Wir haben an unserer Inzidenzgrafik einige kleine Veränderungen vorgenommen: Ab heute weisen wir die „7. Welle“ aus (BA.5) und wir haben bei allen Grafiken die Trenddarstellung von 7 auf 14 Tage geändert, um die sehr großen Schwankungen bei der Erfassung aufgrund von Feiertagen etc., die sich in den letzten Wochen eingestellt haben, etwas mehr zu glätten. Dabei zeigt sich, dass wir vor wenigen Tagen den höchsten Inzidenzanstieg des Jahres zu verzeichnen hatten, gegenwärtig liegt er immer noch auf dem Niveau der Welle 5 (Omikron BA.1) im Januar 2022.

Über die Konsequenzen der einsetzenden Sommerwelle haben wir uns gestern geäußert, aber ganz ohne News wollen wir Sie auch heute nicht lassen. Die vierte Impfung steht gegenwärtig im Mittelpunkt der Betrachtungen, daher hier eine Übersicht über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko):

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine zweite Booster-Impfung bislang vier Personengruppen:

  • Allen ab 70 Jahren
  • Menschen, die von einer Immunschwäche betroffen sind
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen
  • Personal in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen

Gilt die Empfehlung, weil man gesundheitlich gefährdet ist, sollte man die vierte Impfung frühestens drei Monate nach der dritten bekommen. Bei medizinischem Personal sollten laut Stiko mindestens sechs Monate verstrichen sein. (Q)

Bei allen übrigen Menschen gibt es keine klare Antwort, auch wenn Gesundheitminister Karl Lauterbach „das Nachdenken über eine vierte Impfung“ empfiehlt. Ob deshalb heute wieder #LauterbachRuecktrittSofort (Achtung, Variante, üblich war bisher „jetzt“) trendet? Die dritte Impfung jedenfalls soll vor Ansteckung mit BA.5 nur zu 20 Prozent schützen, die vierte aber schwere Verläufe weiterhin stark einschränken.

Und wann kommt der an BA.5 angepasste Impfstoff? Das würde uns stark interessieren. Selbst, wenn es jetzt zu einer 7. Welle käme, die so hoch steigt wie die bisher höchste, die Welle 6 im Frühjahr, würde es vermutlich nicht mehr zu angemessenen Schutzmaßnahmen reichen. Das liegt u. a. daran, dass das FDP-geführte Justizministerium mittlerweile mehr über Gesundheitsmaßnahmen bestimmt als das Gesundheitsministerium von Karl Lauterbach. Dass sich diese Verschiebung in erheblichem Maße negativ auf die Möglichkeit auswirkt, bei Bedarf wieder stärkere Schutzvorkehrungen einzurichten, ist evident.

Zu den Affenpocken haben wir noch keine neuen Zahlen, weil unser Corona-Affenpocken-Report heute früher kommt als in den letzten Tagen, wir verweisen deshalb auf die gestrige Darstellung mit 338 registrierten Fällen in Deutschland.

TH

17.06.2022 (hier zu 124/22 von vorgestern)

Gestern hatten wir auf einen Corona-Report verzichtet, weil wir ein etwas längeres Briefing geschrieben haben und weil die bundesweite Inzidenz sich nur wenig verändert hatte (Anstieg von 472,4 auf 480,0 gegenüber vorgestern). 

Aber heute ein Rückgang um fast 11 Prozent, mitten in der Woche, auf 427,8? Dann fiel uns ein, dass gestern verschiedene überwiegend katholische Bundesländer einen gesetzlichen Feiertag namens Fronleichnam hatten – z. B. unser Heimatbundesland. In Berlin ist dies nicht der Fall.

So schnell vergisst man die alten Zeiten. Die neuen sehen so aus, dass wir an gleich zwei Tagen dieser Woche eine rote Anzeige der Corona-Warn-App hatten und uns wieder testen ließen. Bisher ist offiziell alles okay. Zum Glück können wir uns beim Arbeitgeber weiter kostenlos testen lassen, wenn demnächt der Umsonst-Bürgertest ausläuft. Nach unserer Ansicht in der Sommerweille wieder einmal ein falsches Signal seitens der Politik. Damit es etwas komplizierter wird, ist nun eine Weiterführung mit Einschränkungen angedacht.

Nachdem die Bundesregierung eigentlich ein Ende der kostenlosen Bürgertests für Ende Juni geplant hatte, ist nun offenbar doch eine Weiterfinanzierung geplant. Dies geht aus aus einer gemeinsamen Recherche von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung hervor. Ab ersten Juli sind demnach allerdings neue Einschränkungen sowie Änderungen hinsichtlich der Finanzierung der Corona-Schnelltests geplant. (Q)

Wir melden uns, wenn es eine endgültige Lösung gibt, sind ja noch ewig lange 13 Tage, bis die Politik sich entschieden haben muss. Dass man Regelungen, die so bald gelten sollen, recherchieren muss, spricht sowieso Bände. Wenigstens haben die Journalist:innen zu tun.

Die erratische Entwicklung der Inzidenz setzt sich also fort. Von Juli bis August gibt es keinen gesetzlichen Feiertag, Besserung ist in Sicht. Allerdings sind die Schulferien zu bedenken, die wohl ebenfalls für ein abflachendes Geschehen bei der Erfassung von Neuinfektionen sorgen werden. Die heutige Grafik weist also zur Abwechslung wieder einen blauen Balken für „Rückgang der Inzidenz“ aus:

Derweil häufen sich die Nachrichten zu Corona wieder. Selbst nach dem heutigen Rückgang liegt die Inzidenz immer noch doppelt so hoch wie am Ende der „6. Welle“ (Omikron BA.2).

Der Deutsche Städtetag ist besorgt über die steigenden Corona-Infektionszahlen und fordert rasche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

„Wir brauchen schnelle Entscheidungen und ein neues Bundesinfektionsschutzgesetz noch vor der Sommerpause“, sagte Verbandspräsident Markus Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es zeige sich, dass die zur Verfügung stehenden Instrumente nicht ausreichten. (…) „Die Corona-Pandemie darf uns nicht immer wieder überraschen.“ 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht bereits von einer Sommerwelle. Am Freitag will sich der SPD-Politiker mit dem Vizepräsidenten des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, in Berlin zur Lage äußern. Die jetzigen Regelungen im Infektionsschutzgesetz laufen am 23. September aus. Kostenlose Bürgertests sind vorerst bis einschließlich 29. Juni geregelt.

Bis zum 30. Juni wird das Gutachten eines Sachverständigenausschusses erwartet, das die bisherigen Schutzmaßnahmen bewertet. Der Bundestag geht laut Sitzungskalender am 8. Juli in die Sommerpause und kommt dann erst in der Woche ab 5. September wieder zusammen. (Q)

Es wird uns aber immer wieder überraschen, wenn die Politik sich nicht gegen populistische Elemente in der Bevölkerung durchsetzt. Umso gespannter sind wir darauf, was der Sachverständigenausschuss uns demnächst mitteilen wird.

Bei den Affenpocken gibt es einen Anstieg ziemlich exakt in Höhe des Corona-Inzidenz-Rückgangs von gestern auf heute, nämlich von 305 auf 338 und damit um knapp 11 Prozent. Unsere Grafik haben wir ein wenig erweitert: Sie zeigt nun auch eine Prognose für die kommenden sieben Tage auf Basis der bisherigen Entwicklung:

Und was trendet heute in den sozialen Medien? #LauterbachRuecktrittjetzt schon wieder. Dabei klingt es doch recht normal, was der Gesundheitsminister sich gemäß aktueller Pressekonferenz bisher für den Herbst ausgedacht hat. Winterreifen statt Sommerreifen. (Q)

Auch im Trend: #Maskenpflicht. Wir hatten am Dienstag im Rahmen einer Teambesprechung geäußert, dass es, wenn es nach uns ginge, angesichts der steigenden Infektionszahlen umgehend zu einer Wiedereinführung der Maskenpflicht beim Einkaufen im Einzelhandel käme. Am Arbeitsplatz gilt sie bei uns dann, wenn man aufsteht und sich einer anderen Person auf weniger als 2 Meter annähert oder mit anderem jemandem zusammen an einem Tisch sitzt.

TH

15.06.2022 (hier zu 123/22 von gestern)

  • Nach einem Riesensprung von fast 35 Prozent gestern ist die Corona-Inzidenz heute wieder um 5,6 Prozent angestiegen. Das heißt, wir sind mitten in Sommerwelle. Zwei Bundesländer haben schon wieder eine Inzidenz von mehr als 700.
  • Erstmals stellen wir heute auch die Entwicklung bei den Affenpocken in einer Grafik dar.

Bundesweit beträgt die Corona-Inzidenz heute 472, nach 441 gestern, die Todesfallzahl ist seit zwei Tagen wieder dreistellig (112 wurden heute gemeldet, gestern 107). Das bedeutet auch, dass Omikron BA.5 offensichtlich ansteckender ist als die bisherigen Varianten, weil es sich trotz hoher Temperaturen rasch verbreitet (siehe Report von gestern). Die wieder steigenden Todesfallzahlen geben nun erste Hinweise darauf, dass es nicht zum Ausgleich noch harmloser geworden ist, sondern in etwa die Letalität der Varianten BA.1 und BA.2 haben dürfte. Das kann im Grunde nur eine Konsequenz nach sich ziehen: Die Corona-Regeln müssen dringend wieder verschärft werden, zumal BA.5 offensichtlich den bisherigen Impfschutz umgeht und auch bereits Genesene sich mit BA.5 erneut anstecken können. „Im Grunde“ oder „eigentlich“ deshalb, weil die richtige Reaktion kaum noch durchsetzbar sein dürfte. Selbst an die Maskenpflicht im ÖPNV halten sich nach unseren aktuellen Eindrücken noch etwa 85-90 Prozent, auffällig hoch ist die Zahl der Maskenverweiger:innen unter jüngeren Menschen.  

Die Inzidenz ist zwischen den Bundesländern wieder weit gespreizt: Mit 154 weist Thüringen die niedrigste Ansteckungsrate auf, Schleswig-Holstein mit 733 die höchste. Berlin liegt mit 278 in der besseren Hälfte, die Inzidenz ist sogar seit gestern leicht gesunken (von 292).

Betroffen macht uns vor allem die Zahl der wieder ansteigenden Todesfälle an / mit Corona. Der Tagesdurchschnitt liegt jetzt bei ca. 73, nachdem kürzlich bereits ein Wert von 61 erreicht war. Deutschland hat damit weltweit die vierthöchsten Todesfallzahlen innerhalb der letzten 7 Tage zu verzeichnen, mit einem Anstieg von 27 Prozent gegenüber den 7 Tagen zuvor. Die Fallzahlen stiegen hierzulande sogar um 49 Prozent, während sie weltweit um 3 Prozent zurückgingen. Wir weisen mittlerweile regelmäßig darauf hin, dass die Zahlen verschiedener Länder gerade bei den Neuinfektionen nur bedingt vergleichbar sind, daher geben wir derzeit nur unter Vorbehalt das Gesamtbild wieder und benennen vorerst keine einzelnen Länder außer Deutschland.

Jedoch können Sie heute erstmals bei uns die Affenpocken-Zahlen in Deutschland grafisch dargestellt sehen. Aktuell sind 263 Fälle erfasst, 26 Tage nach dem ersten gemelden Fall in Deutschland:

Damit steht Deutschland aktuell auf Platz 3 der Länder, in denen der „Ausbruch 2022“ registriert wurde und in denen die Affenpocken nicht endemisch sind, nur Spanien (489) und Großbritannien (470) weisen höhere Zahlen aus. Eine mit Corona vergleichbare Entwicklung haben wir nach einhelliger Meinung nicht zu erwarten. Die EU hat nun 110.000 Dosen Impfstoff gegen Affenpocken bestellt. (Q)

TH

14.06.2022 (hier zu 122/22 von vorgestern)

Okay. Wir hatten mit einem Inzidenzanstieg gerechnet. Schon deswegen, weil zwei Tage, an denen das RKI keine Zahlen mehr ausweist, fast zwangsläufig zu einem solchen am ersten Tag danach führen müssen. Aber ein Anstieg der Inzidenz von 331 auf 447 hat uns dann doch schockiert. Das ist eine prozentuale Steigerung von 34,87 Prozent.

Und damit der bei weitem höchste prozentuale Anstieg der Inzidenz innerhalb eines Tages, den wir bisher beobachtet haben. Selbst der Anstieg in Punkten ist einer der höchsten während der gesamten Pandemie. Demgemäß nicht verwunderlich: der steile Anstieg der heute vom RKI gezeigten Neuinfektionen: 105.840. Der Wert von vor einer Woche kann zum Vergleich nicht herangezogen werden, denn es handelte sich bei dem Erfassungstag, auf dem die Dienstagszahlen der letzten Woche aufbauten, um einen Feiertag. Die Sommerwelle ist also da, auch wenn sie nicht wieder eine bundesweite Inzidenz von 1.500 oder mehr nach sich zieht, wie während der Wellen 5 und 6 (Omikron BA.1 und BA.2). Und dieses Mal mussten wir unser Grafikdarstellung anpassen. Die Bewegungen während der erwähnten Wellen wirken dadurch mit einem Mal recht klein.

In Berlin stieg die Inzidenz in ähnlichem Maße wie im Bundesdurchschnitt, von 214 auf 292. Das schmeißt im Grunde alle unser Homeoffice-Beendigungsplanungen über den Haufen, zumal wir wegen mittlerweile zwei relevanten Verletzungen nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren können, sondern derzeit den gut besuchten ÖPNV nutzen. Der Plan war, bei einer Inzidenz von weniger als 150 in Berlin vollständig zurückzukehren, die gab es auch einmal, und zwar am letzten Dienstag. Dann sagten wir: Gut, diese Regelung wurde unter Delta-Bedingungen getroffen, Omikrion BA.5 ist damit nicht vergleichbar, was die möglichen schweren Folgen betrifft. Aber auch voll Geimpfte sind vor BA.5 nicht geschützt, das ist leider die andere Seite der Medialle. Die Tagesschau erläutert dazu:

Die trotz milder Temperaturen zunehmenden Zahlen – die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz machte heute einen Sprung auf 447,3 im Vergleich zu 331,8 am Vortag – haben laut Experten mehrere Gründe. Zum einen ist da der Omikron-Subtyp BA.5, der zuletzt in Deutschland stetig zulegt. „Die Untervariante BA.5 ist noch ansteckungsfähiger als alle Varianten zuvor, kann sich also auch unter den für das Virus widrigen Bedingungen im Sommer verbreiten“, erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin.

Zudem könne BA.5 nach derzeitigem Kenntnisstand dem Immunsystem entwischen, selbst wenn es schon Kontakt zu Omikron-Varianten hatte, sagt Ulrichs. Auch vollständig Geimpfte seien nicht vor einer Infektion gefeit. „Das bedeutet, es kommt eine große Anzahl von Wirten für die Verbreitung in Frage.“

Nicht zu vergessen die Nicht-mehr-Meldung seitens des RKI am Wochenende. Die Zahlen von diesen Tagen müssen nachträglich ausgewiesen werden, das steigert die Sprunghaftigkeit der Inzidenz. Es ist und bleibt ein Geduldsspiel, im dritten Sommer der Pandemie. Wer hatte sich in den ersten Monaten, das war 2020, aus dem Fenster gelehnt und geäußert, eine Pandemie dauert nie länger als 18 Monate? Wird schon ein renommierter Experte gewesen sein.

Affenpocken: Die Fallzahlen steigen weiter moderat an, in Deutschland nähern sie sich dem Wert von 200. Auch die bereits genesenen Personen sind in der Tabelle enthalten.

13.06.2022   189
12.06.2022    
11.06.2022    
10.06.2022   165
09.06.2022   131
08.06.2022   113
07.06.2022   80
06.06.2022    
05.06.2022    
04.06.2022    
03.06.2022   66
02.06.2022   48
01.06.2022   44
31.05.2022   33
30.05.2022   21
29.05.2022   12

TH

12.06.2022 (hier zu 121/22 von vorgestern)

Heute geben wir mal gleich ans RKI weiter, damit die folgenden Ausführungen verständlich werden:

Da am Wochenende nur noch wenige Gesundheitsämter und Landesbehörden Daten an das RKI übermitteln, werden keine Daten am RKI eingelesen, sodass es bei den absoluten Fallzahlen keine Veränderung zum Vortag gibt. Die Änderung der 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag beruht lediglich auf einer Änderung des Bezugszeitraums (jeweils 7 Tage vor dem Tag der Berichterstattung).

Die 7-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist unter diesen Umständen erwartungsgemäß etwas gefallen (von gestern 348,9 auf heute 333,7). 

Was wir schon häufiger erwähnt haben, die  Untererfassung an Wochenenden, führt also jetzt dazu, dass das RKI lediglich die Inzidenz aktualisiert, nicht mehr die Fallzahlen. Wir finden diese Vorgehensweise problematisch, denn was herausfällt, sind nicht die Zahlen vom letzten Sonntag, also von einem Tag, an dem nicht gemeldet wurde, sondern jene vom letzten Samstag (7 Tage werden berücksichtigt), und die liegen ja nicht bei Null, weil sie sich auf den Freitag beziehen, an dem noch reguläre Meldetätigkeit herrschte.

Das heißt, es wird ein Inzidenzrückgang suggeriert, der lediglich auf einer Erfassungslücke basiert. Nicht, dass das bisher nicht so gewesen wäre, aber wenigstens hat das RKI noch die paar Fälle ans Publikum weitergereicht, die ihm gemeldet wurden, sodass sich eine leichte Gegenbewegung hin zu höherer Inzidenz ergab. Wir würden es für besser halten, auch die Inzidenz an Wochenenden nicht zu aktualisieren, damit der Anschlusswert am kommenden Dienstag realistisch ist und nicht solche extremen Veränderungssprünge (von +20 bis -20 Prozent) zwischen einzelnen Tagen zu verzeichnen sind, wie wir sie zuletzt gesehen haben.

Es ist für uns im Grunde obsolet geworden, sonntags und montags einen Report zu veröffentlichen, ebenso nach Feiertagen, zuletzt Pfingsten betreffend. Deswegen gibt es heute auch keine aktualisierte Inzidenzgrafik. Wir führen diese Grafik aber fort und bilden auch die Wochenendtage ab. Damit die Zeitleiste komplett erhalten bleibt, würden wir an Wochenenden die vorherigen Zahlen beibehalten oder interpolieren, wenn das RKI an Wochenenden auch keine Inzidenzzahlen mehr melden würde.

Die 7-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist unter diesen Umständen erwartungsgemäß etwas gefallen (von gestern 348,9 auf heute 333,7).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland liegt weiterhin bei 165 und stammt vom 10.06., gestern und heute wurde auch hier noch kein neuer Stand veröffentlicht.  

TH

11.06.2022 (hier zu 120/22 von vorgestern)

Zu melden hätte es gestern einiges gegeben, aber wir haben mit dem Report aus Zeitgründen aussetzen müssen. Was gab es und gibt es heute? Zum Beispiel einen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz um scharfe 26,3 Prozent innerhalb von nur 2 Tagen (heute 348,9, gestern 318,7, vorgestern 276,1). Nach einem Anstieg von 15,43 Prozent gestern gab es heute noch einmal 9,48 Prozent obenauf.

Ihr werdet mich nicht so einfach los ist also eindeutig das Motto des Corona-Virus. Vielleicht dachte Christian Drosten daran, als er gestern einen vielbachteten Tweet absetzte (auch wir haben ein Like gegeben) und darauf verwies, dass er doch wieder einen Podcast für uns gemacht hat, der die aktuelle Lage erklärt. Interessanterweise trendet Drosten damit heute gar nicht, wohl aber wieder Karl Lauterbach. Sie werden das Hashtag erraten haben: #LauterbachRuecktrittjetzt.

Eines scheint nun jedenfalls sicher: Die Sommerwelle kommt. Die steigende Zahl von Infektionsmeldungen trotz z. B. hoher Außentemperaturen scheint nun einen eindeutigen Trend auszuweisen. Gestern in der prallvollen Ringbahn: Mehrere Gruppen von Jugendlichen / jungen Erwachsenen und jungen Paaren ohne MNS. 

Wie tröstlich daher, dass Christian Drosten die Sommerwelle bezüglich ihrer Folgen für nicht so bedenklich hält wie die Herbstwelle, die sich wohl anschließen wird:

Das RKI warnt vor einem erhöhten Infektionsdruck im Sommer wegen der Verbreitung der Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5. Drosten aber sagte, er habe mit Blick auf den Sommer „im Moment keine allzu großen Bedenken“. Vom frühen Herbst an müsse man aber mit vielen Arbeitsausfällen rechnen. „Wir haben vielleicht nicht mehr so stark das Problem auf der Intensivstation, sondern einfach bei allen Arbeitgebern“, sagte Drosten: „Die werden das merken, und die werden das über quälend lange Zeit merken in dem kommenden Winter.“ (Q)

 

Die gemeldeten Neuinfektionen lagen heute denn auch folgerichtig mit 65.337 um mehr als 50 Prozent höher als vor einer Woche (41.087), auch der zuletzt zu beobachtende Abwärtstrend bei den Todesfallzahlen ist vorerst gestoppt: die gestern gemeldete Zahl beläuft sich auf 77, der Tagesdurchschnitt liegt derzeit bei 61. Weltweit hingegen kaum eine Entwicklung in die eine oder andere Richtung, die Fallzahlen liegen an Werktagen zwischen 500.000 und 600.000, sinken aber, wie am Wochenende, um etwa die Hälfte ab. Dazu trägt Deutschland maßgeblich bei, wo an Wochenenden fast gar nicht gemeldet wird, dessen Anteil an den Neuinfektionen aber heute wieder bei 7,8 Prozent lag.

Es waren schon einmal deutlich mehr Prozente, aber in Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen um 14 Prozent gegenüber den vorausgegangenen 7 Tagen gestiegen, weltweit um 7 Prozent gefallen. Wichtig in dem Zusammenhang: Manche Länder melden derzeit ihre Zahlen mit einiger Verzögerung. Wir verwenden die Daten, wie sie erstmals für einen Tag sichtbar werden, nicht nachträglich angehobene Werte. 

Die Affenpockenfallzahlen in Deutschland nehmen sich aktuell so aus:

10.06.2022   165
09.06.2022   131
08.06.2022   113
07.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
06.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
05.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
04.06.2022   80
03.06.2022   66
02.06.2022   48
01.06.2022   44
31.05.2022   33
30.05.2022   21
29.05.2022   12

TH

09.06.2022 (hier zu 119/22 von gestern)

Gestern schrieben wir „Die 7-Tage-Inzidenz pumpste ins Erfassungsloch und fand selbstständig wieder heraus. Das kann man heute als gesichert ansehen, denn sie steht mit 276,1 (gestern 238) so hoch wie seit dem 25. Mai nicht mehr. Die Ferien-Feiertage-Nacherfassung scheint sich dem Ende zu nähern und wir sehen Zahlen, die auf eine Kehrtwende hindeuten könnten.

Gestern war bei Sandra Maischberger zur Abwechslung auch wieder ein Virologe zu Gast, der allseits bekannte Hendrik Streeck und gab das Folgende zu Protokoll:

Für den Virologen ist es „schwer zu sagen“, ob wir uns schon in einer Sommerwelle befinden, da die wirkliche Höhe der Inzidenzen aufgrund der geringen durchgeführten Tests unklar sei. Unabhängig von der Entwicklung der Fallzahlen sagte Streeck: „Ich würde keinen Lockdown empfehlen.“ Der Grund: Die Schäden durch den Lockdown sind in seinen Augen größer als die durch die Pandemie. Außerdem gebe es in Deutschland nun „weit über 95 Prozent Immunität“, so Streeck, der vorsichtig Kritik an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach übte. „Vielleicht verstehe ich als Virologe unter Killer-Variante was anderes“, sagte er über Warnungen Lauterbachs vor gefährlichen Mutationen des Virus. (Q)

Für 95 Prozent angenommene Immunität sind die aktuell gemeldeten Fallzahlen ziemlich hoch. Vielleicht bezieht sich die Immunität nicht auf die Variante Omikron BA.5, dann wäre der Prozentsatz der Immunisierten gemäß der aktuellen Entwicklung niedriger, denn BA.5 hatte am 30.05. bereits einen Anteil an den Neuinfektionen von mehr als 15 Prozent, mittlerweile dürften es mehr als 20 Prozent sein. Tatsache ist jedenfalls, dass wir vorerst weiterhin mit Corona leben müssen. Daraus folgt, dass wir nicht die allerletzten Schutzmaßnahmen, etwa die Maskenpflicht im ÖPNV, kippen sollten:

Gestern hatte die Inzidenz den Großteil des „Pfingst-Abfalls“ wettgemacht,  durch die den abermaligen Anstieg um fast 16 Prozent am heutigen Tag nun den höchsten Wert seit 16 Tagen erreicht. Ob damit endgültig die befürchtete Sommerwelle eingeleitet wurde, die vor der Herbstwelle kommt, lässt sich in der Tat noch nicht sicher sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering.

Heute trendet ausnahmsweise nicht #LauterbachRuecktrittJetzt sondern #LongLauterbach. Wir finden auch, man muss sich ab und zu etwas Neues einfallen lassen.

Und damit zu den Affenpocken. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Fälle ist auf 131 gestiegen (vorgestern 80 bis 88, je nach Quelle), ein erster Patient wurde als genesen entlassen. Deutschland steht damit außerhalb des üblichen (endemischen) Verbreitungsgebiets des Affenpockenvirus hinter Großbritannien, Spanien und Portugal weltweit auf Rang 4 der betroffenen Länder. Allerdings sind die deutschen Zahlen ganz aktuell, die der anderen Länder von gestern oder älter.

TH

08.06.2022 (hier zu 118/22 vom 04.06.)

Die 7-Tage-Inzidenz plumpste ins Erfassungsloch und fand selbstständig wieder heraus.

Hatten wir nicht über Pfingsten schön stillgehalten? Aus gutem Grund, denn die Inzidenz sank wieder, nach mehrtägigem Anstieg, und das gestern mit einer zuvor nie gesehenen Rate von über 20 Prozent. Heute stieg sie hingegen im Rekordtempo wieder an. Wir haben solche Schwankungen bereits mehrfach theamtisiert, hier aber in den Worten des RKI, die seit gestern zu lesen sind, bevor man das Dashboard freiklicken darf:

Bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen ist zu beachten, dass es aufgrund der Feiertage und Ferien und der damit verbundenen geringeren Test- und Meldeaktivität zu einer erhöhten Untererfassung der Fälle und einem erhöhten Verzug im Meldesystem kommen kann.

Deswegen ist die für aktuelle Verhältnisse enorm hohe Neuinfektionszahl von 84.655 (die höchste seit dem 12.05.) auch kein Drama. Das gilt auch für die heute wieder hohen Todesfallzahl von 145. Vor drei Tagen und vorgestern wurden gar keine Toten an / mit Corona gemeldet, gestern 2. Todesfälle aufgrund Virusinfektion sind immer dramatisch, aber die Zahl hält sich im bisherigen Rahmen, derzeit ist sogar ein weiteres Absinken des Tagesdurchschnitts zu beobachten.

Vorgestern war eben ein Feiertag, also ein zusätzlicher Tag, an dem kaum erfasst wurde. Dass die Ferien eine erwähnenswerte Rolle spielen, überrascht uns jedoch etwas. Werden Schüler:innen als Erfassungshelfer:innen eingesetzt, weil die Gesundheitsämter unter chronischem Personalmangel leiden und stehen in den Ferien nicht zur Verfügung? Dies bei ohnehin schon vorhandenen Corona-Rückständen, dies in Berlin bei einem ohnehin maroden Schulsystem? Jedenfalls gehen nun auch die Pfingstferien zu Ende, sie werden mit einer kleinen Pause von den Sommerferien abgelöst. Vielleicht haben wir deshalb im Sommer immer niedrigere Zahlen und sind vom Ansteigen im August oder September stets überrumpelt, weil: Ferien! Ferienende! Rätselhaftes Corona, nach wie vor.

Und damit zu unserer Standardgrafik, welche über die Inzidenz informiert. Wir haben aus reinem Protest gegen dieses erratische Geschehen keine Erweiterung der rechten Achse vorgenommen, obwohl gestern ein Minus von mehr als 21 Prozent zu verzeichnen war:

Nach einem Abfall der Inzidenz von 253 auf 199 gestern heute wieder ein Anstieg auf 238. Den gestrigen starken Rückgang sieht man auf der Grafik nicht so recht, weil er von der Tageslinie verdeckt wird, der nichts anderes übrig blieb, als ebenfalls einen Kopfstürz in die Tiefe zu machen. Wie ein Korken aus dem Wasser schoss sie aber heute wieder nach oben. Das waren Zeiten, als man sich darauf verlassen konnte, dass die Inzidenz sich von einem auf den anderen Tag in einem +/- 10-Prozent-Korridor bewegte. Wir können uns nicht helfen, irgendwie ist nicht nur das Corona-Management noch indolenter geworden als während der Wellen-Höhepunkte, sondern auch die Erfassung neuer Fälle scheint nicht mehr recht ernstgenommen zu werden. 

Zumindest ist der obige Text des RKI missverständlich: An Feiertagen geht es um die Erfassung, bei den Schulferien natürlich darum, dass keine Infektionen im Schulbereich vorkommen. Dieser Umstand trägt tatsächlich, nicht nur erfassungstechnisch, zu den niedrigeren Sommerzahlen bei.

Auch die Weltzahlen, die im Moment stagnieren (gestern 545.000) Fälle sind schwierig zu bewerten, weil nicht mehr alle Länder jeden Tag melden, gerade wichtige Hochinzidenzländer wie Portugal hängen oft mehrere Tage zurück. Wir können bei dem möglichen Aufwand für die Kurzreporte aber nicht die Nacherfassungen bei den Weltzahlen abbilden. Deswegen unter Vorbehalt: Die deutschen Neuinfektionszahlen sind in den letzten 7 Tagen gegenüber den vorausgegangenen 7 Tagen um 13 Prozent gestiegen, die weltweiten Zahlen um 10 Prozent gefallen. 

Auch bei den Affenpocken tut sich etwas:

Die Zahl der registrierten Affenpocken-Fälle in Berlin ist weiter gestiegen. Mit Stand Dienstagnachmittag waren in der Hauptstadt 72 Infektionen registriert worden, 13 Patienten seien im Krankenhaus (…). Vor dem Pfingstwochenende am Freitagnachmittag waren es (…) 48 bestätigte Fälle gewesen. (…)

Bundesweit wies das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag 80 Nachweise von Affenpocken aus – allerdings vor den gemeldeten Zahlen aus Berlin, wo es besonders viele Fälle gibt. Neun Bundesländer meldeten demnach Fälle der eigentlich seltenen Virus-Erkrankung: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. (Q)

Wir bleiben selbstverständlich am Ball und hoffen, dass wir für Corona demnächst wieder eine realistische Inzidenz ausweisen können. Den starken Move von heute haben wir einigermaßen vorausgesehen und deswegen über Pfingensten keine Reporte geschrieben, aber bekommen wir nun die BA.5-Sommerwelle? Das ist nicht ausgemacht, aber nicht unwahrscheinlich. Wir gehen davon aus, dass sich nach etwas mehr als 15 Prozent Anteil an den Neuinfektionen am 30.05. der BA.5-Anteil mittlerweile auf etwa 20 Prozent erhöht haben dürfte. 

TH

04.06.2022 (hier zu 117/22 von gestern)

  • Mittlerweile ist es sozusagen amtlich, deswegen verfassen wir auch wieder jeden Tag einen Corona-Kurzreport: Die Infektionszahlen steigen, und zwar in hohem Tempo. Die Inzidenz liegt heute bei 270,3 (gestern 261,3), das ist ein Anstieg um 3,44 Prozent, nach dem gestrigen Rekordanstieg von über 18 Prozent (vor zwei Tagen lag die Inzidenz bundesweit bei 221,4).
  • 18 neue Affenpockenfälle in Deutschland mit Meldedatum gestern.

Gestern hatten wir über Erklärungsansätze spekuliert und zumindest zwei davon dürften richtig sein: Weniger Schutz bei mehr Kontakten und die Durchsetzung von Omikron BA.5. Während sich die Varianten BA.3  und BA.4 in Deutschland nie weit verbreitet haben, löst BA.5 nun die bisher dominierende Variante BA.2 mehr und mehr ab. Vor zwei Wochen lag der BA.5-Anteil schon bei 5,2 Prozent und dürfte mittlerweile erheblich gestiegen sein. In unserer Grafik sieht das so aus, dass der durchschnittliche Anstieg der Inzidenz in den letzten 7 Tagen nun über 4 Prozent beträgt:

Während die Wellen 5 und 6 auch als eine große Welle bezeichnet werden können, ist die einsetzende Welle 7 klar nach einem zwischenzeitlichen deutlichen Rückgang eingeleitet worden. Wir haben noch Schwierigkeiten damit, uns schon an den Begriff „Welle 7, Omikron BA.5“ zu gewöhnen, aber im Moment spricht vieles dafür, dass wir erstmals mitten im Sommer in eine neue Hochphase hineinlaufen werden. Ist das deutsche Corona-Managment dafür gerüstet? Nach unserer Ansicht überhaupt nicht, denn gerade erst sind (weitere) Schutzmaßnahmen abgeschafft worden:

Carsten Watzl, Professor für Immunologie an der Universität Dortmund, sieht die jüngsten Lockerungen als Grund: „Die Corona-Arbeitsschutzverordnung ist ausgelaufen, in vielen Betriebe gilt keine Maskenpflicht mehr, es finden Veranstaltungen statt – die Leute haben mehr Kontakte“, sagt er zu ZDFheute. „Und das Virus nutzt jeden Kontakt aus. Über den Sommer werden sich noch viele Leute anstecken, die bisher nicht infiziert waren.“ (Q)

Der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer geht davon aus, dass auch die neue Omikron-Subvariante BA.5 schon zum Anstieg der Corona-Neuinfektionen beiträgt. Nach den neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts liegt ihr Anteil zwar erst bei 5,2 Prozent – doch der Wert bezieht sich auf vorletzte Woche.

Grafik: Anteil von Omikron-Subvariante BA.5 verdoppelt
Quelle: ZDF

„Der BA.5-Anteil hat sich vier Wochen lang jeweils verdoppelt. Wenn man das weiterrechnet, wären wir aktuell bei 20 Prozent“, sagt Stürmer zu ZDFheute. Da die Variante etwas ansteckender zu sein scheine, „müssen wir in Deutschland damit rechnen, dass BA.5 nochmal für einen Schub sorgen wird“. 

Anscheinend gibt es auch schon neuere Zahlen, die für den 30.05.2022 einen BA.5-Wert von mehr als 15 Prozent ausweisen. (Q)

Was folgt nun daraus? Experten rechnen bisher mit Infektionszahlen eher wie im Winter, was bedeuten würde, wir erreichen in Welle 7 nicht die gewaltigen Inzidenzen von Welle 5  und 6, Omikron BA.5 sei außerdem ähnlich letal oder harmlos wie BA.1 und BA.2 und eine vierte Impfung daher im Moment nur für Risikopatient:innen empfehlenswert, heißt es in der oben verwendeten Quelle weiter. Im Herbst sollten wir dann aber alle ran, um uns den zweiten Booster verpassen zu lassen. Wir sagen weiterhin: Ja, mit angepassten Impfstoffen. Warum Gesundheitsminister Karl Lauterbach erst im Herbst mit einer BA.5-Welle rechnet, erschließt sich uns anhand der aktuellen Zahlen trotzdem nicht. Für uns sieht es so aus, dass wir  spätestens im Juli von einer siebten Welle sprechen können, wenn die Zahlen weiterhin ansteigen wie zuletzt. Der Rekordanstieg gestern in Höhe von ca. 18 Prozent dürfte eine Ausnahme gewesen sein, aber er zeigt, wie unberechenbar die Lage wieder geworden ist.

Das war’s dann wohl vorerst, mit demnächst keine Maske mehr beim Einkaufen, zuweilen auch am Arbeitsplatz tragen etc. Die Vorfreude macht Enttäuschung Platz. Zum wievielten Mal nun, seit dem Frühjahr 2020? 

Für Bewegung im Netz sorgt heute die Tatsache, dass der Virologe Klaus Stöhr Christian Drosten im Expertenbeirat für Corona-Fragen ersetzen soll, der die Bundesregierung berät. Das Problem wird in seiner Haltung während des bisherigen Pandemieverlaufs gesehen:

Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr hat 15 Jahre lang für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gearbeitet und unter anderem zu Sars- und Influenzaviren geforscht. Anschließend war er in der Impfstoffentwicklung tätig. Während der Pandemie trat er immer wieder als Kritiker von Maßnahmen auf. Beispielsweise sprach sich Stöhr sehr früh gegen das Schließen von Schulen aus und kritisierte, dass die Sieben-Tage-Inzidenz einen zu großen Einfluss auf politische Entscheidungen habe. (Q)

Die Inzidenz ist immer noch der wichtigste Indikator für das Geschehen, weil sie sehr schnell ermittelt wird und unbeschadet der Tatsache, dass wir mehr Fälle haben, als gemeldet werden. Natürlich sollte z. B. auch die Letalitätsrate einen großen Einfluss auf die politischen Entscheidungen haben, ebenso die Belegung der Klinik-, hier besonders der Intensivbetten mit Corona-Patient:innen. Aber diese Ziffern waren in der Regel hoch, wenn die Inzidenz hoch war. Das gilt auch für die Omikrion-Variante, galt weiterhin, als während der Wellen 5 und 6 nicht mehr exorbitante Todesfallzahlen von über 1.000 pro Tag erreicht wurden, wie auf dem Gipfel der Welle 4 (Delta-Welle), sondern in der Spitze „nur“ noch ca. 350 Fälle pro Tag. Aber die Inzidenz oder auch der ähnlich tendierende R-Wert sind die am schnellsten zur Verfügung stehenden Zahlen, sie wiederum beziehen sich direkt auf die Zahl der Neuinfektionen.

Der R-Wert („Weiterverbreitungswert“) wird allerdings vom RKI immer wieder nachkorrigiert, selbst 14 Tage, nachdem ein Tag erstmals in der betr. Tabelle aufgeführt ist sind noch Veränderungen zu registrieren, was u. a. die Erfassung recht mühsam gestaltet. Deswegen weisen wir den R-Wert nicht mehr aus, seit wir auf die Variante Kurzreport umgestellt haben.

Die Inzidenz ist also exakt dafür ein guter Indikator, was wenige Wochen später in den Kliniken los sein wird und wie viele Menschen dann an / mit Corona werden sterben müssen. Deswegen stellen wir die Inzidenzzahlen weiterhin in den Mittelpunkt unserer Berichterstattung.

Man hat angesichts der steigenden Corona-Zahlen gar keine Lust, sich auch noch mit den Affenpocken zu beschäftigen. Aktuell sieht die Lage in Deutschland so aus (nur bestätigte Fälle):

03.06.2022: 66
02.06.2022: 48
01.06.2022: 44
31.05.2022: 33
30.05.2022: 21
29.05.2022: 12 Fälle von Affenpocken in Deutschland.

TH

03.06.2022 (hier zu 116/22 von gestern)

Mit einem Anstieg von 18 Prozent von einem Tag auf den anderen machte die Corona-Inzidenz heute einen Satz nach oben um den höchsten Wert im Jahr 2022*. Die Zahl der Affenpocken-Fälle steigt leicht.

Wir mussten erst einmal in der Presse nachschauen, ob das, was wir im RKI-Dashboard gesehen haben, keine optische Täuschung ist, aber es stimmt. Wir haben heute mindestens den stärksten Anstieg der Inzidenz seit der Delta-Welle im vergangenen Herbst zu verzeichnen. Korrektur 13:15 Uhr: Der Anstieg von gestern auf heute beträgt nicht 26 Prozent, wie zuächst vermeldet, sondern „nur“ 18 Prozent, wir müssen deshalb auch die rechte Y-Achse unserer Grafik nicht ändern, die Steigerungsraten bis zu 20 Prozent pro Tag abbilden kann.

Wir bitten vielmals um Entschuldigung für diesen Berechnungsfehler.

An der Bewertung der Zahlen und der Überschrift über diesem Beitrag ändert der mittlerweile korrigierte Fehler nichts.

In Punkten gab es, als die Wellen 5 und 6 steil anstiegen, mehrfach größere Zuwächse, aber auf einer weitaus höheren Ausgangsbasis am Vortag als im Moment. Um es vorsichtig auszudrücken: Wir halten diesen heutigen Anstieg für alarmierend. Es ist der vierte in Folge und das kann in diesem Ausmaß nicht mehr mit Nacherfassungen von Fällen des vorausgehenden Donnerstags zu tun haben, als an jenem Feiertag das Zählen der neuen Infektionen, ebenso wie an den Wochenenden üblich, ins Stocken kam bzw. viele Gesundheitsämter nicht tagesaktuell meldeten.

Der Anstieg findet auf breiter Front statt, in keinem Bundesland gibt es derzeit noch rückläufige Zahlen.

Und das an bei wieder schönem, warmem Wetter. Wir können das gegenwärtige Phänomen des rasanten Wiederanstiegs kaum anders deuten, als dass die Omikron-Variante BA.5 jetzt auch Deutschland erreicht hat und eine Rolle bei den Fallzahlen zu spielen beginnt. Dieses Mal erstaunlich früh, normalerweise ist das Geschehen hier ja immer ein paar Wochen hinter dem in Westeuropa zurück. Ein Grund spricht allerdings noch immer gegen diese Deutung, auf ihn kommen wir weiter unten.

Die Weltzahlen lagen gestern bei ca. 546.000 Neuinfektionen und zeigen diesen Anstieg noch nicht, allerdings waren die Felder für Portugal und einige weitere Länder sowohl für gestern als auch für vorgestern noch nicht befüllt, als wir uns die entsprechende Tabelle bei Worldometers vor einigen Minuten angeschaut haben.

Deutschland hingegen rückt wieder vor und lag gestern weltweit auf Platz 5 bei den Neuinfektionen. Außerdem zählt es zu den immerhin 76 Ländern, die in den vergangenen 7 Tagen wieder einen Anstieg der Neuinfektionen gegenüber den vorausgegangenen 7 TAgen zu verzeichnen hatten – wenn auch nur um 2 Prozent. Setzt sich die aktuelle Tendenz fort, wird dieser Anstieg aber in den nächsten Tagen erheblich anwachsen. Auf die Todesfallzahlen wirkt sich die neue Wendung noch nicht aus. Sollte man meinen, denn es dauert normalerweise 2 bis 3 Wochen, bis ihre Zahl einer neuen Welle folgt.

Sie sind aber dennoch gestiegen: gestern gab es 91 Fälle, das bedeutet auch eine Zunahme des 7-Tage-Durchschnitts von 63 auf 79 Fälle. Und genau das ist irritierend, denn es kann noch nicht an BA.5 liegen, zumal diese Variante zwar noch ansteckender, aber noch weniger letal sein soll als die bisherigen Omikron-Varianten BA.1 und BA.2, die in Deutschland starke Verbreitung fanden. Wird also mehr getestet und steigen Inzidenz und Neuinfektionszahlen deshalb oder gibt es tatsächlich immer noch Erfassungslücken? Aber warum? Das muss man sich in beiden möglichen Fällen fragen.

Gestern betrug der BA.5-Anteil der registrierten Fälle in Deutschland erst 5 Prozent, in Portugal verdoppelt er sich von Woche zu Woche. Ein BA.5-Anteil von aktuell 5 Prozent dürfte aber nicht allein für den starken Anstieg der Inzidenz in den letzten Tagen hierzulande verantwortlich sein.

Wir wissen nicht, was genau mit welchen Anteilen hinter den stark steigenden Zahlen steckt, aber ganz sicher wird uns Karl Lauterbach alsbald weiterhelfen. Es wäre ganz falsch, ausnahmsweise gerade in dieser erklärungsbedürftigen Situation zu schweigen. In Deutschland wird derweil weiterentwickelter Impfstoff für den Herbst bestellt, das immerhin ist sicher (Q).

NACHTRAG 13:04 Uhr. Was uns gerade erst eingefallen ist: Sollte auch das 9-Euro-Ticket, das bekanntlich reißenden Absatz findet, für die höheren Zahlen verantwortlich sein? Mehr Ansteckung in Bussen und Bahnen wäre ein äußerst unerfreulicher Nebeneffekt der stärkeren Frequentierung des ÖPNV.

Mancher, der zur Berufsverkehrszeit in Berlin unterwegs ist, wird sich fragen: Wie, noch vollere U- und S-Bahnen? Geht doch nicht. Aber außerhalb der Stoßzeiten sehr wohl. 

Gegen das aktuelle Corona-Geschehen nehmen sich die Affenpocken-Fallzahlen in Deutschland eher mickerig aus, das gilt sogar für die Zunahme von ca. 9 Prozent. Nach 44 Fällen vorgestern wurden gestern insgesamt 48 Fälle als bekannt gemeldet, also lediglich 4 neue registriert.

*Vermutlich handelt es sich um den höchsten Steigerungswert seit wesentlich längerer Zeit, aber wir haben Ende 2021 erst begonnen, die Zahlen auf tagesaktueller Basis selbst zu erfassen.

TH

02.06.2022 (hier zu 115/22 von gestern)

  • Der Anstieg der Corona-7-Tage-Inzidenz von gestern setzt sich fort, mit dem stärksten Anstieg seit mehreren Wochen. fort. 7-Tage-Trend der Infektionszahlen steigt um fast 5 Prozent.
  • Zahl der Affenpocken-Fälle stieg in Deutschland von vorgestern 33 auf gestern 44. Für heute liegen noch keine Zahlen vor.

„Nach unserer Auffassung sollte heute der letzte Tag sein, an dem sich die Nacherfassung vom vergangenen Donnerstag (Feiertag) noch auswirken kann und eine steigende Inzidenz nach sich zieht. Die Steigerung von 201,4 auf 207,0 ist erheblich geringer als gestern, aber immer noch signifikant, außerdem stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von 49.141 am Mittwoch der Vorwoche auf heute 54.957“, schrieben wir gestern. Heute wurden 48.502 neue Fälle gemeldet (vor einer Woche: ca. 39.000), die Inzidenz steigt gegenüber gestern um fast 7 Prozent auf 221,4.

Einen um einiges höheren Anstieg hatten wir nach Ostern gesehen, weil zwei Tage nacherfasst werden mussten. Insofern sind wir immer noch geneigt, zu sagen, dass es sich bei den abermals höheren heutigen Zahlen noch nicht um eine echte Trendwende handelt, sondern um einen offenbar doch etwas länger andauernden Nachholeffekt bei der Erfassung. Sollte doch eine Trendumkehr, müsste erst einmal eruiert werden, ob das kühlere Wetter der letzten Tage, verminderte Vorsicht der Bevölkerung oder schon der Subtyp Omikron BA.5 der hauptsächliche Auslöser dieser Umkehr sind.

Die 7-Tage-Veränderung der Inzidenz strebt rasch der Null zu (blaue Linie) – zwar von unten, trotzdem wäre eine weitere Verzögerung beim Abbau der Inzidenz sehr ungünstig, denn wir müssen durchaus damit rechnen, der Omikron-Subtyp BA.5 sich auch hierzulande ohnehin mit stärkeren Neuinfektionszahlen bemerkbar machen wird. Das würde sich mit etwas Verzögerung auch auf die Todesfallzahlen auswirken, die weiter zurückgehen. Der 7-Tage-Durchschnitt liegt jetzt bei 63. 

Auch weltweit ist aktuell kein Infektionsrückgang zu verzeichnen, gestern wurden ca. 570.000 Fälle gemeldet, nach ca. 544.000 am Vortag. In den vergangenen 7 Tagen kam es allerdings zu einer Abschwächung des Infektionsgeschehens um 23 Prozent, in Deutschland hingegen nur um 13 Prozent. Seit vielen Wochen liegt der deutsche Anteil am Weltinfektiosgeschehen bei überschlägig 15 Prozent. Es muss nicht näher erklärt werden, dass dies angesichts von knapp über 1 Prozent Anteil Deutschlands an der Weltbevölkerung eine viel zu hohe Quote ist.

Bezüglich der Affenpocken haben wir für heute noch keine neuen Infektionszahlen gefunden, gehen aber von weiter ansteigenden Fallzahlen aus. Die Affenpocken seien keine passende „Ersatzbesorgnis“ für Corona, man solle sie aber auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, heißt es in der Presse unter anderem und mögliche Superspreader-Events wie „Rock am Ring werden angesprochen. Hier können Sie ein wenig mehr zu den Hintergründen der hierzulande neuen Krankheit lesen, erklärt von Sandra Cisek, die durch die Corona-Pandemie bekannt wurde, während der sie abwechselnd mit Christian Drosten einen Info-Podcast betrieb.

TH

01.06.2022 (hier zu 114/22 von gestern)

  • Der starke Anstieg der Corona-7-Tage-Inzidenz von gestern setzt sich abgeschwächt fort. Erstmals seit längerer Zeit wurden mehr Infektionen registriert als in der Vorwoche. 
  • Zahl der Affenpocken-Fälle stieg in Deutschland von gestern 33 auf heute 44. Die WHO warnt vor Ausbreitung auf Großevents.

Nach unserer Auffassung sollte heute der letzte Tag sein, an dem sich die Nacherfassung vom vergangenen Donnerstag (Feiertag) noch auswirken kann und eine steigende Inzidenz nach sich zieht. Die Steigerung von 201,4 auf 207,0 ist erheblich geringer als gestern, aber immer noch signifikant, außerdem stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von 49.141 am Mittwoch der Vorwoche auf heute 54.957. Wir gehen im Moment trotzdem davon aus, dass in den nächsten Tagen wieder eine Abwärtstendenz eintreten wird. Ob das kühlere Wetter zum Beispiel eine Rolle spielt, ob weniger Vorsicht zu einer Abschwächung des Infektionsrückgangs führt, können wir nicht feststellen, es gibt auch noch keine Meldung, dass die aktuell wieder etwas höhere Inzidenz einen besonderen Grund haben könnte. 

Wir rechnen aufgrund des vorstehenden Pfingstmontags mit weiteren Unregelmäßigkeiten bei der Erfassung von Neuinfektionen. Außerdem ist nach wie vor zu beachten, dass das Bild aufgrund „verdeckter“ Infektionen, die nicht durch Testung etc. zu Meldungen führen, verzerrt ist, die tatsächlichen Infektionszahlen dürften nach wie vor höher liegen als die vom RKI ausgewiesenen, die wir für unsere Grafiken verwenden.

Weiter rückläufig sind indes die Todesfallzahlen. Erstmals im Jahr 2022 wurden heute an einem normalen Wochentag, dem kein Feiertag vorausging, weniger als 100 neue Fälle gemeldet (91). Wir hoffen, dass gerade diese wichtige Kennziffer weiterhin sinkende Tendenz aufweisen wird. 

Indes breitet sich der Omikron-Subtyp BA.5 in Portugal rasant aus, führt zu höheren Todesfallzahlen insbesondere bei älterem Menschen und erste Stimmen werden laut, die wiederum mehr Schutzmaßnahmen bei uns fordern.

Fast 190.000 Corona-Neuinfektionen zwischen dem 17. und dem 23. Mai trüben die Hoffnung in Portugal auf einen halbwegs normalen Sommer. Laut der Statistik des Zentrums für Krankheitskontrolle der Europäischen Union hat Portugal derzeit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf dem europäischen Kontinent. 

Offenbar ist die Variante BA.5 noch einmal ansteckender als die bisher hierzulande relevanten Omikron-Varianten BA.1 und BA.2, aber auch die Tendenz zur Verursachung weniger schwerer Verläufe scheint sich fortzusetzen. Das würde der Erklärung von Wissenschaftlern entsprechend, die sagen, das Virus sei vor allem auf Fortbestand ausgerichtet, nicht auf maximale Schädigung des Wirts.

Die Affenpocken betreffend, warnt die WHO vor Ansteckungsgefahr auf Sommerfestivals mit „jungen, sexuell aktiven und mobilen Menschen“. 

Kopenhagen (dpa) – Das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht die Gefahr einer weiteren Verbreitung der Affenpocken bei bevorstehenden Festivals und großen Partys.

„Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo im Sommer ist hoch“, heißt es in einer Erklärung des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Henri Kluge.

Festivals und Feiern in den kommenden Monaten böten aber auch die Möglichkeit, um bei jungen, sexuell aktiven und mobilen Menschen das Bewusstsein für die Krankheit zu steigern und das Schutzverhalten zu stärken.

Für Deutschland verzeichnet das Robert Koch-Institut (RKI) nach Angaben vom Mittwoch (1. Juni) bislang 44 Affenpocken-Infektionen (Vortag: 33). Die Meldungen stammen mittlerweile aus acht Bundesländern. (Q)

Daraus können wir mittlerweile eine kleine, noch nicht als Grafik verfügbare Statistik ableiten:

01.06.2022: 44
31.05.2022: 33
30.05.2022: 21
29.05.2022: 12 Fälle von Affenpocken in Deutschland.

Diese Erkrankung ist meldepflichtig, daher dürften, anders als bei Corona, Fallzahlen und tatsächliche Fälle weitgehend übereinstimmen, zumal die Affenpocken auch optische Veränderungen der Haut von Betroffenen hervorrufen.

TH

31.05.2022 (hier zu 113/22 von gestern)

Heute hat sich der Effekt eingestellt, den wir bereits für Samstag oder gestern erwartet hatten: Die Nacherfassung der Fälle vom vergangenen Donnerstag (einem Feiertag) schien gestern zu laufen und ist vermutlich jetzt weitgehend abgeschlossen.  

Daher kam es heute zu einem nur noch geringen Rückgang der Neuinfektionen gegenüber dem Dienstag der Vorwoche (61.889, vor einer Woche waren es 64437 Neuinfektionen). Die Inzidenz stieg sogar von 189,0 auf 201,4 an, das hatten wir schon für das Wochenende erwartet. Es ist ein wenig schade, weil die psychologisch wichtige Marke von 200 wieder überschritten wurde, wir führen aber auch diese Inzidenzsteigerung auf den beschriebenen Effekt zurück, nicht auf einen tatsächlichen Wiederanstieg der Neuinfektionen.

Freilich liegt die 7-Tage-Veränderung der Inzidenz mit einem Durchschnitt von -5 Prozent nicht mehr ganz so günstig wie gestern (-6,8 Prozent), aber immer noch im akzeptablen Bereich, etwa so wie vor Christi Himmelfahrt. An dem Tag hatte es den bisher stärksten Rückgang des Jahres 2022 um fast 20 Prozent gegeben:

Wir haben heute wieder einmal den Weltvergleich in den Blick genommen. Bezüglich der Neuinfektionen stand Deutschland in den verganegnen 7 Tagen auf Platz 5, hinter Nordkorea, Taiwan, den USA und Australien. Der Rückgang in Deutschland betrug 39 Prozent gegenüber dem 7-Tage-Zeitraum zuvor, weltweit war ein Minus von 31 Prozent zu verzeichnen. Deutlicher ist der Unterschied bei den Todesfallzahlen: Einem Minus von 55 Prozent in Deutschland steht weltweit in Minus von19 Prozent gegenüber. Stand Deutschland in der vorvorherigen Woche noch weltweit auf Platz 2 bei den Todesfallzahlen, ist es jetzt auf Platz 9 zu finden. Das ist unzweifelhaft ein Fortschritt, aber einer von einer dramatisch schlechten Position aus. Nach unserer Ansicht sind ca. 80 Tote pro Tag an / mit Corona immer noch zu viele und dass es ein paar Länder gibt, die aktuelle höhere Todesfallzahlen ausweisen, ist per se kein Grund, sich über diese Verbesserung zu freuen. Weltweit kam es in den vergangeen 7 Tagen zu ca. 8.350 Todesfällen mit / an Corona, während des Höhepunktes der Deltawelle waren es bis zu 15.000 täglich. Ob Covid19 nun bald als endemisch eingestuft werden wird? Zuletzt gab es zumindest in Deutschland dazu keine Vorstöße mehr.

Bei den Affenpocken hingegen zeigt sich eine starke Zunahme, auch in Deutschland. Vor zwei Tagen war noch von 12 Fällen die Rede, jetzt sind 33 bestätigt.

Man könnte nun sagen, so hat es bei Corona auch angefangen, aber wir glauben nicht an eine vergleichbare Pandemiegestaltung. Die Wissenschaft geht bisher von viel langsameren, weil engeren Verbreitungswegen aus.

Die Zahl der bestätigten und an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldeten Fälle von Affenpocken in Deutschland ist weiter gestiegen. Das RKI wies am Dienstag auf seiner Internetseite 33 Nachweise aus, nach 21 am Montag. (Q)

Es wird jedoch geraten, Hautausschläge genau zu beobahten. Also, wir kriegen allein bei dem Gedanken Ausschlag, dass demnächst wieder eine Pandemie ins Haus stehen wird, dabei haben wir gerade noch eine Sportverletzung „abzuarbeiten“. Und noch immer Einschränkungen und einen Homeoffice-Tag wegen Corona. Und dann noch dieser Krieg in der Ukraine und die Inflation und überhaupt. Also bitte hinten anstellen, ihr Monkeypox, wir können nicht alles auf einmal verkraften und regeln. Zieht eine Nummer, ihr seid ca. 2025 an der Reihe. Und bitte nicht meckern, uns geht es in Berlin bei erwünschtren Ämterterminen genauso.

TH

30.05.2022 (hier zu 112/22 von gestern)

Im Mittelpunkt unseres heutigen Kurzreports steht eine Umfrage, ausgelöst vermutlich durch Ansagen, Aussagen oder Vorschläge von Gesundheitsminister Karl Lauterbach:

Sollte die Maskenpflicht in Innenräumen Ihrer Ansicht nach im Falle einer neuen Coronawelle wieder eingeführt werden?

Der Civey-Infotext dazu:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will die Maskenpflicht in Innenräumen im Herbst im Falle einer neuen Coronawelle wieder einführen. Man überarbeite derzeit das Infektionsschutzgesetz, welches am 23. September ausläuft. Das verkündete er letzte Woche bei Markus Lanz und fügte hinzu: „Ich halte das auch für unbedingt notwendig, dass wir uns für den Herbst diese Möglichkeit eröffnen“.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) lehnt „vorschnelle” Pläne zur Maskenpflicht ab. „Ich bin dafür, dass wir uns nach Recht und Gesetz richten. Das sieht eine Evaluierung vor“, sagte er den Funke-Zeitungen. Für ​​FDP-Vize Wolfgang Kubicki seien erneute Coronaeinschränkungen im Herbst nur mit ausreichender, wissenschaftlicher Begründung denkbar. Zunächst fordert er allerdings eine parlamentarische Aufarbeitung der Coronapolitik.

Seit April sind die Maskenpflicht für Veranstaltungen oder beim Einkaufen und die 2G- und 3G-Regelungen weggefallen. Derzeit gilt nur ein sogenannter „Basisschutz“, der das Tragen einer Maske im ÖPNV und in medizinischen Einrichtungen vorsieht. Unabhängig vom aktuellen infektionsschutzgesetz gibt es aber vielerorts strengere Regeln mit Maskenpflichten, z.B. in Kultureinrichtungen.

Wir haben uns den Luxus erlaubt, mit „eher ja“ zu stimmen, nicht mit eindeutig ja. Schlicht deshalb, weil eine Welle nicht gleich eine Welle ist und es auf viele Faktoren ankommt: Welche Variante, wie ist deren Verbreitung, wie schnell steigt die Zahl der Neuinfektionen, wie gefährlich ist die Variante, wie wirkt sie sich auf Menschen aus, die schon geimpft oder genesen sind, etc. Die Maskenpflicht würde z. B. auch wieder die Schulen betreffen und nach allem, was wir bisher gesehen haben, sollten Kinder, wenn irgend möglich, von einschränkenden Maßnahmen verschont werden, die sich immer wiederholen. Dann lieber die Schulen wieder schließen, wenn es zu einer sehr hohen Welle kommen sollte.

Der Name Karl Lauterbach fällt auch im Zusammenhang mit den Affenpocken. Dieses Mal sind die Impfungen schneller als das Virus, also vorhanden, bevor es sich zu stark verbreitet, wenn es nach dem Gesundheitsminister geht. Das ist eben auch der Unterschied zu Corona: Es gibt bereits gegen Affenpocken wirksame Vakzine, bevor es richtig losgeht. Falls es das tut, gegenwärtig sind sich alle Expert:innen weitgehend darin einig, dass die Verbreitung nicht mit einer so hohen Geschwindigkeit erfolgen kann wie bei Covid19, weil dazu Hautkontakt mit Infizierten notwendig ist. 

Die Inzidenz ist von gestern auf heute wieder um fast 4 Prozent gesunken. Erstmals seit dem Beginn der Delta-Welle im vergangenen Herbst kam es am Sonntag dazu, dass nur noch eine dreistellige Zahl von Neuinfektionen in ganz Deutschland erfasst wurde (755). Die Inzidenz liegt jetzt bei 189 (gestern 196,2). Unabhängig von der Tatsache, dass Montags generell die wenigsten Fälle der Woche gemeldet werden, ist ein weiterer Rückgang zu verzeichnen, der sich auch in unserer Grafik gut sichtbar zeigt:

Der 7-Tage-Trend der täglichen Veränderung der Inzidenz hat sich heute nur wenig bewegt und liegt bei ca. -6,8 Prozent. Was immer im Herbst auch passieren wird und ob es dann wieder notwendig werden wird, einen „MNS“ zu tragen, es sieht nach Durchschnaufen ohne Maske im Sommer aus. 

Auch weltweit geht das Infektionsgeschehen nach der „Nordkorea-Welle“ wieder deutlich zurück und wird in den nächsten Tagen vermutlich den niedrigsten Stand des Jahres 2022 erreichen (siehe dazu die Grafik im gestrigen Report 112/22). 

TH

29.05.2022 (hier zu 111/22 von gestern)

Der Grund dafür, dass wir heute am zweiten Tag hintereinander einen Corona-Kurzreport veröffentlichen ist, dass die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen (Zahl innerhalb von 7 Tagen pro 100.000 Einwohner) erstmals im Jahr 2022 auf weniger als 200 gesunken ist. Der bundesweite Durchschnitt liegt aktuell bei 196,2 – ein Rückgang gegenüber gestern um mehr als 6 Prozent (209,4).

Damit liegt die Inzidenz auch so niedrig wie seit dem Anstie der Delta-Welle im Herbst 2021 nicht mehr. Wir hatten einen geringeren Rückgang erwartet, weil die Nacherfassung der „Datenlücke“ vom Feiertag dieser Woche (26.05.) vermutlich noch nicht geschlossen ist, aber heute hat sich der sehr günstige Trend der letzten Tage erst einmal fortgesetzt, und zwar ziemlich genau mit dem 7-Tage-Durchschnittswert der Veränderung der täglichen Inzidenz, der aktuell bei etwas mehr als 6 Prozent liegt:

Nach dem stärksten Tagesrückgang des Jahres um fast 20 Prozent am vergangenen Freitag aufgrund der Erfassungslücke vom Donnerstag hatten wir mit einer länger anhaltenden Gegenbewegung gerechnet. Gestern gab es diese zwar, die Inzidenz sank nur noch um ca. 1 Prozent, aber heute scheint diese Gegenbewegung bereits beendet zu sein. Ob nicht doch Nacherfassungen zu einem schwächeren Rückgang führen werden, werden wir in den nächsten Tagen sehen.

Die einzelnen Bundesländer weisen Werte von 69,5 (Thüringen) bis 323,8 (Schleswig-Holstein) auf. Was sich schon länger abzeichnet, markiert eine weitere Trendwende: Berlin liegt mit 201 nun über dem Bundesdurchschnitt, der Rückgang der Inzidenz verläuft hier bereits seit Wochen langsamer als im Bundesdurchschnitt, sodass Berlin von seiner vor einigen Wochen erzielten Spitzenstellung in Sachen niedrige Inzidenz nach hinten durchgereicht wird. Warum das so ist, lässt sich nicht in Kürze wiedergeben, auffällig ist aber, dass die Inzidenz in den Bezirken extrem unterschiedlich ist: Von 73,2 in Neukölln bis zu 684,5 in Marzahn-Hellersdorf reicht die Bandbreite, damit ist sie auf dem Stadtgebiet von Berlin größer als über alle Bundesländer hinweg betrachtet, in denen es selbstverständlich wiederum unterschiedliche Regionalwerte gibt (die Karte zeigt aktuell noch die Werte vom 28.05.). Unser Wohnbezirk lag gestern mit 174 leicht unter dem Berliner und leicht unter dem Bundesdurchschnitt.

Auch weltweit sinken die Neuinfektionszahlen nach dem zwischenzeitlichen Wiederanstieg durch den „Fall Nordkorea“ wieder, wie die folgende Grafik zeigt, die wir heute auch als Titelbild verwendet haben:

Und was machen die Affenpocken?

Sie breiten sich vorsichtig weiter aus. Während Welt-Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, der schon im Verlauf der Corona-Pandemie das Wort ergriffen hatte, auf baldige Entwarnung hofft, wird in Irland nun auch ein erster Fall registriert. Nicht verwunderlich, gilt doch Großbritannien als das am meisten betroffene europäische Land (siehe Report von gestern mit Verweis auf eine entsprechende Kartendarstellung). In Bayern gibt es derzeit schon drei Fälle, zwei davon in München, einer in Ansbach. Bei dieser Zahl an Erkrankten funktioniert immerhin, anders als bei Corona, noch die Kontaktverfolgung:

Die Münchner Patienten befinden sich derzeit im Klinikum Schwabing, wo sie isoliert behandelt werden. Wie das Gesundheitsreferat der Stadt mitteilt, handelt es sich bei den beiden Männern nicht um gegenseitige Kontaktpersonen. Der zweite Infizierte, ein 32-jähriger Münchner, hat sich also nicht bei dem 26-Jährigen angesteckt, bei dem am 20. Mai der erste Affenpocken-Fall festgestellt wurde. (Q).

Der erste Fall von München ist inzwischen gut dokumentiert, wie man ebenfalls nachlesen kann.

Ein Dashboard wie das des RKI für Covid19, das die Entwicklung der Fallzahlen in Deutschland auf täglicher Basis und gesammelt wiedergibt, haben wir bisher nicht gefunden, daher gibt es vorerst keine eigene Grafik von uns zu den Affenpocken. Eine Statista-Grafik auf dem Stand vom 26.05. weist allerdings für Deutschland bereits 12 bestätigte Fälle und einen Verdachtsfall aus. Damit liegt es auf Rang fünf weltweit, allerdings mit wesentlich weniger Fällen als die führenden Länder Spanien, Großbritannien, Kanada und Portugal. Berücksichtigt werden in der Grafik vermutlich nur Staaten, in denen die Affenpocken als „untypische Krankheit“ gelten, in denen sie sich also aktuell verbreiten, obwohl sie zuvor bisher dort kaum oder gar nicht aufgetreten ist.

TH

28.05.2022 (hier zu 110/22 vom 24.05.2022)

Nach vier Tagen Pause ist es wieder an der Zeit für einen Corona-Kurzreport. Nicht überwiegend, weil #IchHabeMitgemacht trendet und damit mal wieder ein Corona-Hashtag, obwohl wir uns dazu auch noch äußern werden. Ein paar Zeilen zu den Affenpocken haben wir mittlerweile in diesen Report integriert. 

Gestern fiel die Corona-7-Tage-Inzidenz um fast 20 Prozent gegenüber vorgestern ab, von 262 auf 211, heute hingegen gibt es nur noch einen leichten Rückgang um etwa 1 Prozent auf 209. Der Effekt ist bekannt: Wir hatten einen Feiertag mitten in der Woche und am Tag darauf, also gestern, wurde wenig gemeldet. Wegen dieses Beinahe-Meldeausfalls kam es zu es einen starken Rückgang der Zahlen innerhalb der letzten sieben Tage, heute hingegen läuft es wieder „normal“ (knapp 40.000 Neuinfektionen am Freitag). In den nächsten Tagen erwarten wir deshalb nur ein geringes Absinken der Inzidenz, möglicherweise kommt es auch zu einem leichten Anstieg. Trotzdem wäre das „im Plan“, wie unsere Grafik zeigt, die einen sehr guten Rückgang von 4 bis 7 Prozent in der 7-Tage-Schau aufweist (Mittelwert der Veränderung in den letzten 7 Tagen):

Einzelne Bundesländer weisen mittlerweile sogar Inzidenzen von unter 100 aus. Mit dem niedrigsten Wert glänzt Tühringen (73), dann folgt Sachsen (93), Sachsen-Anhalt liegt mit 103 nur knapp im dreistelligen Bereich. Die höchsten Werte verzeichnen Schleswig-Holstein (335) und Bremen (286). Berlin liegt mit 206 nur noch knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Vor wenigen Wochen hatte das Hauptstadt-Bundesland noch die Spitzenposition inne, aber schon länger ist hier ein schwächerer Rückgang als bundesweit zu verzeichnen. 

Eine wichtige Entwicklung gilt es auch bei den Todesfallzahlen herauszustellen: In den letzten Tagen sank der 7-Tage-Durchschnitt deutlich unter 100, wir sind uns aber nicht sicher, ob es durch Nachmeldungen nicht noch einmal darüber gehen wird. Jedenfalls gibt es auch hier aufgrund geringerer Neuinfektionszahlen zeitversetzt eine Verminderung, die allerdings nicht so stark ausfällt wie bei der Inzidenz. Da wir nicht davon ausgehen, dass Omikron sukzessive eine höhere Letalität aufweist, liegt die Vermutung nah, dass es derzeit viele ältere und immunsystemgeschwächte Menschen trifft, die eine höhere Anfälligkeit für schwere Verläufe aufweisen.

Nun zum Hashtag des Tages.

Ja, wir haben mitgemacht, das Unsere dazu getan, um die Pandemie so schnell wie möglich zu beenden. Mehr ist dazu im Grunde nicht zu sagen, denn wir hatte bis jetzt keine (erkannte) Infektion. Wir lassen uns für das Vertrauen in die Wirksamkeit der Impfungen und das (weitgehende) Einhalten von Schutzmaßnahmen nicht widerspruchslos beschimpfen, wir tragen diesen Umstand aber auch nicht wie eine Monstranz vor uns her und machen jetzt eine Art religiöses Bekenntnis daraus. Wir haben nichts zu beweisen und die vielen Selbstverständlichkeiten, die in den sozialen Medien zu riesigen Hypes aufgebauscht werden – nebbich. Wir werden sehen, wie es mit Corona weitergeht. Ein Beispiel für einen solchen medialen Hype sind aber die Affenpocken:

The World Health Organization says nearly 200 cases of monkeypox have been reported in more than 20 countries not usually known to have outbreaks of the unusual disease, but described the epidemic as „containable“ and proposed creating a stockpile to equitably share the limited vaccines and drugs available worldwide. Eine Zeitung aus Bangladesch spricht von 226 Fällen, aber für Deutschland ist die Fallzahl offenbar aktuell nicht einmal bekannt, es heißt, es seien „mehrere“, darunter ein paar neue Fälle. Diese Karte von Newsweek weist für Deutschland aktuell 10 bis 20 Fälle aus.

Klar ist jedenfalls, dass die Übertragung der Affenpocken nicht so leicht erfolgen kann wie bei Covid19-Viren, also nicht durch die Luft, sondern nur durch Körperkontakt. Passen Sie also bitte auf, dass Sie sich nichts einfangen, sonst steckt Karl Lauterbach Sie für drei Wochen in Quarantäne – berechtigterweise, oder etwa nicht? Weil Sie so unvorsichtig waren. Denken Sie bitte noch einmal über das nach, was wir zur Übertragung geschrieben haben und lesen Sie es beim RKI genauer nach.

TH

24.05.2022 (hier zu 109/22 von gestern)

Coronamäßig hat sich heute nicht viel getan, die 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter von 312 auf 307, einzelne Bundesländer liegen zwischen 125 (Thüringen) und 465 (Bremen). Die Neuinfektionszahlen haben sich gegenüber dem gleichen Tag der Vorwoche von ca. 83.000 auf ca. 64.000 vermindert.

Eine neue Grafik zeigen wir heute nicht, weil die Inzidenzgrafik sich kaum von der gestrigen unterscheidet, die wir als Titelbild verwenden.

Auch die Todesfallzahlen sinken (auf hohem Niveau, der Durchschnitt der letzten 7 Tage liegt bei etwa 117 pro Tag). Wäre es nur um Corona gegangen, hätte es heute auch keinen Report von uns gegeben, aber wir haben ja eine neue Virusinfektion, die wir hier erstmals ein wenig ausführlicher darstellen. Es handelt sich um die #Affenpocken oder #Monkeypox. Und wir haben nun entschieden, die Meldungen dazu in den Corona-Report zu integrieren.

Zum Eindämmen der ersten Fälle von Affenpocken in Deutschland soll für Infizierte generell eine angeordnete Isolation von mindestens 21 Tagen empfohlen werden. Das sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen. „In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden“, so der Politiker. Die Empfehlung sei zusammen mit dem Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt worden. Auch Kontaktpersonen von Infizierten sollen 21 Tage in Quarantäne. (Q)

Ob sich die ersten Fälle noch eindämmen lassen, ist die Frage, aber wissen schon, was gemeint ist, die weitere Ausbreitung. 

An der Pressekonferenz am Rande des Deutschen Ärztetages nahmen auch RKI-Präsident Lothar Wieler und Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, teil. Durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht könne eine schnelle Ausbreitung eingedämmt werden, sagte Lauterbach bei dem Auftritt. Er betonte zugleich, was man aktuell mit den Affenpocken erlebe, sei „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“. Es handele sich um einen bekannten Erreger, und man wisse, wie man ihn bekämpfen könne. (Q s. o.)

(…) Auch wenn die weltweit erfassten Infektionen derzeit in erster Linie Männer betreffen, die Sex mit anderen Männern hatten: Eine Übertragung ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt – anders als etwa bei Corona – hingegen kaum eine Rolle. Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen worden – Experten zufolge kursierte der Erreger da aber wohl bereits in vielen Ländern.

 

(…) Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Folgen einer überstandenen Infektion können Narbenbildung und selten auch Erblindung sein. 

Etwas ausführlicher berichtet u. a. die „Zeit“, inkludiert die Einschätzung, dass wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einer weiteren Pandemie zu rechnen haben. Gleichwohl soll beim wilden Sommerpartytreiben etwas aufgepasst werden. Immer auf die Partypeople, hört das nie auf?

Dafür ist Impfrettung möglicherweise nah. Eventuell sogar in der Form, dass ein einziger Impfstoff sowohl gegen Affenpocken wie auch als Corona-Booster eingesetzt werden kann. Da sag noch einer etwas gegen die unendlichen Möglichkeiten der modernen Wissenschaft und gegen das Impfen. (Q) Auch insofern ergibt es Sinn, dass wir Corona und die Affenpocken in einem Report zusammenfassen.

Falls es doch zu einer explosionsartigen Ausbreitung der Affenpocken kommt: Wir kriegen das alles sicher genauso souverän in den Griff wie die Corona-Pandemie, die gerade erst lächerliche 27 Monate andauert und durchschnittlich immer noch 117 Tote pro Tag in Deutschland verursache (an / mit Corona).

TH

23.05.2022 (hier zu 108/22 vom 18.05.2022)

AKTUELL: Biontech-Impfstoff könntefür Babies und Kleinkinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren zugelassen werden. Das ist jetzt das dritte Mal, dass wir diesen Artikel überarbeiten, obwohl er eigentlich schon raus ist, weil plötzlich die Nachrichtenlage wieder so dicht wird. Wir kommentieren dazu aber erst morgen, in diesem Format oder im Briefing.

Fünf Tage lang gab es nun keinen neuen Corona-Report von uns, das ist der längste Zeitraum seit dem Beginn der Omikron-Welle und unserer täglichen Erfassung Ende Dezember 2021. Der Grund ist ein positiver: In den letzten Tagen ging die 7-Tage-Inzidenz in angemessenem Tempo zurück, das trifft auch heute wieder zu, der bundesweite Wert liegt bei 312,1, nach 322,4 gestern. 

AKTUELL: Biontech-Impfstoff könntefür Babies und Kleinkinder im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren zugelassen werden. Das ist jetzt das dritte Mal, dass wir diesen Artikel überarbeiten, obwohl er eigentlich schon raus ist, weil plötzlich die Nachrichtenlage wieder so dicht wird. Wir kommentieren dazu aber erst morgen, in diesem Format oder im Briefing.

Das ist zwar ein etwas geringerer Rückgang als in den Tagen zuvor, dieser erklärt sich aber leicht daraus, dass es sich hier um ein typisches Wochenend-Phänomen handelt. Aufgrund der niedrigen Ausgangsbasis, die dadurch entsteht, dass am Wochenende generell viel weniger Neuinfektionen gemeldet werden, kann sich auch die Inzidenz nicht so stark verändern (ein Rückgang von 4.000 auf 2.000 ist zwar prozentual größer, aber wirkt sich auf die wöchentliche Inzidenz nicht so stark aus wie einer von 80.000 auf 70.000 Neuinfektionen pro Tag):

In der obigen Grafiken sehen wir jetzt also einen kontinuierlichen Rückgang, der sich auch in den Zahlen der einzelnen Bundesländer spiegelt: Thüringen hat die niedrigste Inzidenz (gegenwärtig 129), kein Bundesland weist mehr als 500 auf, Schleswig-Holstein ist mit 493 das Schlusslicht. Berlin liegt mit 261 weiterhin besser als der Bundesdurchschnitt, aber hier geht es seit einiger Zeit langsamer voran mit der Absenkung, daher zählt es nicht mehr zu den Spitzenreitern. 

Ein Blick auf die Todesfallzahlen zeigt ebenfalls rückläufige Werte, der 7-Tage-Durchschnitt liegt noch bei knapp 120 Fällen, vorgestern und gestern kam jeweils einer hinzu, während der Werktage wird die Zahl wieder ansteigen. Relativ zu anderen Ländern ist die Zahl immer noch sehr hoch, nur die USA haben in den vergangenen zwei Wochen mehr Tote hinnehmen müssen. Relativ zur Bevölkerungszahl liegt unter den größeren Ländern nur Großbritannien noch schlechter. 

Heute halten wir den Kurzreport besonders kurz, wollten Sie aber nach einer Pause wieder über die grundsätzliche Entwicklung informieren. Dass die Zahl der Maskenträger:innen abnimmt, fügen wir kurz bei, aber ohne Kommentierung. 

Und was ist mit den Affenpocken, der dritten Geisel der Menschheit (nach Corona und Putin) in diesem Jahrzehnt? Da wir sowieso immer beim RKI reinschauen, um Informationen zu sichten, hier das, was das RKI aktuell zur Situation in Deutschland schreibt:

In Deutschland sind im Mai 2022 erste Fälle von Affenpocken identifiziert worden (Stand 23.5.: 4 Fälle, siehe u.a. Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege vom 20.5.2022Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin vom 21.5.2022). Diese Fälle stehen möglicherweise im Zusammenhang mit weiteren Affenpocken-Fällen ohne Reiseanamnese in Endemiegebiete, die im Mai 2022 in verschiedenen Ländern außerhalb Afrikas registriert worden sind. Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer. Weitere Fälle sind auch in Deutschland zu erwarten. Nach derzeitigem Wissen ist für eine Übertragung des Erregers ein enger Kontakt erforderlich, deshalb kann gegenwärtig davon ausgegangen werden, dass der Ausbruch begrenzt bleibt. Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland wird nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt. Das RKI beobachtet die Situation weiter sehr genau und passt seine Einschätzung dem aktuellen Kenntnisstand an.

Da wollen wir doch mal hoffen, dass der Kenntnisstand sich nicht ruckartig in „verflixt, es ist doch eine stärkere Verbreitung zu befürchten“ ändert und speziell die weniger breiten Teile der Bevölkerung, zu denen auch wir uns rechnen, betroffen sind; mithin, dass wir diese Beitragsreihe nicht in Affenpocken-Coronareport umbenennen müssen.

TH

18.05.2022 (hier zu 107/22 vom 17.05.2022)

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ging heute gegenüber gestern um fast 7-Prozent zurück (von 437,6 auf 407,4), das ist der höchste Rückgangs seit dem „Nach-Oster-Bounce-Back“ am 29.04.2022. Weltweit steigen die Zahlen jedoch wegen des Sonderfalls Nordkorea weiter, außerdem hat sich die WHO bei der Berechnung der deutschen Übersterblichkeit geirrt. Warum das offensichtlich war, erklären wir im Folgenden.

Der Inzidenzrückgang ist wieder sozusagen in der Spur, aber die geringen Veränderungen der letzten Tage hinterlassen selbstverständlich ebenfalls Spuren: Die Dynamik des Rückgangs im 7-Tage-Trend ist immer noch mäßig und liegt bei etwa 3 Prozent pro Tag. Den niedrigsten Wert weist aktuell Thüringen auf (171), den höchsten Schleswig-Holstein (582), damit liegt nun kein Bundesland mehr bei einer Inzidenz von über 600. Berlin hatte von gestern auf heute einen Rückgang von 347 auf 321 zu verzeichnen, und liegt bezüglich des Rückgangs etwa im Bundestrend.

Gestern wurden 72.051 Neuinfektionen gemeldet, das sind ca. 25.000 weniger als vor einer Woche. Bewegung kommt auch in die Todesfallzahlen. Sie liegen jetzt bei ca. 135 pro Tag im Durchschnitt der letzten 7 Tage, das ist der niedrigste Wert im Jahr 2022 vom „Oster-Erfassungsloch“ an einem einzigen Tag abgesehen. 

In diesem Zusammenhang auch die Meldung des Tages: Die WHO hatte die Übersterblichkeit in Deutschland während der Pandemie mit 200.000 berechnet und wird sich korrigieren. Das statistische Bundesamt geht von ca. 71.000 Todesfällen aus. Ehrlich geschrieben: Wir kannten die WHO-Zahl gar nicht, hätten sie aber sofort angezweifelt, da in Deutschland insgesamt erst knapp 140.000 Todesfälle mit / an Corona gemeldet wurden, seit die Pandemie im März 2020 startete. Ebenfalls nicht verwunderlich: Die Zahlen verschiedener Länder sind aufgrund verschiedener Erfassungs- und Meldemodalitäten schwer miteinander vergleichbar. Was uns ebenfalls sehr erstaunt: Dass es insgesamt nach verschiedenen Schätzungen zu einer Übersterblichkeit von ca. 15 bis 20 Millionen Menschen weltweit gekommen sein soll. Es wurden doch erst ca. 6,3 Millionen Corona-Tote ausgewiesen. Das „erst“ soll nicht despektierlich klingen gegenüber Menschen, die Menschen verloren haben, aber etwas passt da eindeutig nicht zusammen, sofern die Länderzahlen nur halbwegs der Realität entsprechen. (Q)

Wäre die Übersterblichkeit dreimal höher als die offizielle Zahl von Toten an und auch mit Corona (Corona war nicht ursächlich für den Tod, trotzdem wird eine Person, die auch mit Corona infiziert war und verstarb als Corona-Todesfall klassifizert – so wird in Deutschland gezählt), dann könnte man die Zahlen, die zu Corona aus den Ländern kommen und zu den Weltzahlen der Todesfälle addiert werden, in die Tonne treten, um es schlicht zu formulieren. Die Zahlen gelten übrigens für den Zeitraum bis Ende 2021, damals stand die offizielle Corona-Todesfallzahl erst bei etwas über 5 Millionen. 

Was folgt nun aus alldem? Dass man alle Corona-Zahlen mit Vorsicht behandeln muss, aber das ist ja nichts Neues. Wir schreiben schon länger: Wir orientieren uns an den RKI-Zahlen, die vermutlich zu niedrig bezüglich der Neuinfektionen sind, weil es in Deutschland keine anderen von offizieller Seite gibt. Trotzdem die Weltzahlen: Sie lagen gestern mit ca. 835.000 Neuinfektionen so hoch wie zuletzt am 14.04.2022 (damals 947.000).

Und was hat Karl Lauterbach Schönes vor?

Noch im Mai will Lauterbach auch ein „Pandemiebekämpfungskonzept“ für den Herbst vorstellen. Dann werde man wieder deutlich steigende Fallzahlen erwarten müssen, sagte er. Konkret soll es um die weitere Strategie für mehr Impfungen und den Impfstoff-Einkauf sowie eine Anschlussregelung für Corona-Vorgaben gehen, wenn die jetzigen Regeln des Infektionsschutzgesetzes am 23. September enden. (Q)

Hoffentlich machen die Menschen beim Konzept auch mit, zu einem Infektionsschutzgesetz auf Vorrat hat es ja schon mal nicht gereicht. Aber lesen Sie bitte den ganzen Artikel, denn es kommt noch einiges mehr, unabhängig von Corona. Unser Tipp: Wir werden noch gläserner und die Krankenkassenbeiträge werden wieder einmal steigen, die Leistungen werden ebenfalls gekürzt, anstatt, dass man endlich an die Kostenfalle der in Deutschland viel zu teuren Medikamente herangeht (aber, oh, die Pharmalobby!) und die spektakulär menschenfeindliche und zudem kostenseitig kontraproduktive Fallpauschale abschafft. Bestimmt sollen auch wieder Klinken privatisiert werden, damit es noch teurer wird als bisher, denn der Reibach der Aktionär:innen muss ja auch noch irgendwie erwirtschaftet werden. Das geht am besten mit künstlicher Verknappung. Sie erinnern sich vielleicht: Bevor Karl Lauterbach Corona-Mahner und dann Corona-Manager wurde, trommelte er für Klinikschließungen. Jetzt trendet schon den zweiten Tag in Folge #LauterbachRuecktrittJetzt, andererseits gilt er nach einer Forsa-Umfrage als der drittbeliebteste Politiker der Ampel-Regierung. Die Meinungen zu ihm gehen eben weit auseinander. Was die Bettenkapazität in Deutschland angeht: Komm, Karl, jetzt haste doch schon manchen Irrtum eingeräumt, einer geht noch. Und das ist ein wirklich wichtiger. Außerdem gehört die Gesundheitsvorsorge in öffentliche Hand. Wir wollen als Patienten nicht finanzialisiert und ökonomisiert werden, denn der nächste Schritt ist dann der, den Wert des Lebens eines Menschen nach dessen weiterer ökonomischer Verwertbarkeit zu bemessen. Vor allem die etwas Älteren unter uns sollten gegen alle diese Entwicklungen im Gesundheitswesen viel mehr ihre Stimme erheben, denn es wird sie, wird uns treffen, spätestens in einigen Jahren.

TH

17.05.2022 (hier zu 106/22 vom 14.05.2022)

Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland fällt gegenwärtig nicht mehr, sie sinkt wie eine Feder, ganz langsam, man kann in aller Ruhe dabei zuschauen. Jetzt ist ein Wert von 437,6 erreicht, nach gestern 439,2. Weltweit steigen die Neuinfektionen sogar wieder, aus einem besonderen Grund: Der plötzliche Ausbruch von Corona in Nordkorea wird erfasst, und dort liegen die Fallzahlen aktuell offenbar höher als in jedem anderen Land. 

Ähnliche Probleme erwartet man für China, wenn es seine Zero-Covid-Strategie aufgibt oder nicht mehr durchhalten kann. Höher als in Deutschland sind die Fallzahlen jetzt auch in den USA und in Taiwan (Durchschnitt der letzten 7 Tage). Bei den Todesfallzahlen rangiert Deutschland weiterhin hinter den USA auf Rang 2. 

Die gestern gemeldeten Neuinfektionen liegen hierzulande bei 86.252, das sind ca. 21.000 weniger als vor einer Woche, die weltweiten Neuinfektionen lagen bei ca. 737.000, das ist der höchste Wert seit dem 21.04.2022. Der 7-Tage-Durchschnitt in Deutschland liegt bei ca. 58.000 Fällen, das ist der niedrigste Wert seit dem 12.01.2022. 

Thüringen weist nun als erstes Bundesland eine Inzidenz von weniger als 200 auf (183,8), am höchsten liegt sie in Schleswig-Holstein (615,4). Da in Berlin die Inzidenz in den letzten Tagen bei Werten um 375-380 stagniert war, hat sich das Hauptstadt-Bundesland relativ verschlechtert. Heute allerdings gab es wieder einen erkennbaren Rückgang auf 348 und damit liegt Berlin weiterhin besser als der Durchschnitt der Bundesländer.

Karl Lauterbach findet sich mit seinen Warnungen vor einer Killervariante (Antworten auf Twitter: „Was ist eine Killervariante? Die WHO kennt keine Killervarianten“) ziemlich alleine wieder, was nicht heißt, dass sich in die ohnehin viel zu langsam abflauende 6. Welle nicht eine Herbstwelle hineinschieben wird. Aber schon wieder trendet #LauterbachRuecktrittJetzt. Ach Leute, gibt Wichtigeres.

Aus gegebenem Anlass, weil wir gestern erstmals seit Längerem wieder unseren Berliner ÖPNV benutzt haben:

In den Verkehrsmitteln der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) herrscht Maskenpflicht. Fahrgäste müssen in U-Bahnen, in der Tram und in den Bussen eine FFP2-Maske tragen. Diese Regel gilt auch mit der sogenannten Basisschutzmaßnahmenverordnung, die am 1. April 2022 in Kraft getreten ist. In Bahnhöfen, auf Bahnsteigen und im Haltestellenbereich gilt die Maskenpflicht hingegen nicht mehr. (Q)

Auch in einer vollen U-Bahn waren wieder eine paar *********** ohne Maske unterwegs, mglw. Touristen. Da wir uns sowieso bis in den letzten Winkel digitalisieren, haben wir gestern erstmals BVG-Tickets online (via „Jelbi“) gekauft, ganz gemäß der Empfehlung, die in der obigen Quelle im weiteren Verlauf des Artikels gegeben wird, und freuen uns riesig auf das Neun-Euro-Ticket ab Juni. Warum? Weil wir uns kürzlich bei einem Unfall verletzt haben und vermutlich nicht in dem Maße wie geplant mit dem Rad durch den Sommer sausen können.

Hingegen freuen wir uns nicht auf die häufigen Fahrscheinkontrollen, denn wir haben desöfteren mitbekommen, dass das Erfassen elektronischer Tickets durch die Kontrolleure nicht gerade super funkioniert und man daher schneller in Schwarzfahrverdacht kommt, als wenn man den Herrschaften (bisher war keine Dame dabei) ein gestempeltes Teil oder ein Dauerticket aus Papier unter die Nase hält. Ob unter der 9-Euro-Ägide noch so viel kontrolliert wird, ist eine andere Frage. Ehrlich, man hätte für die drei Monate auch Fahren for free gewähren können. Der bürokratische Aufwand für die Umstellung auf das 9-Euro-Ticket in Relation zu einer Nulllösung für den Sommer übersteigt vermutlich die Einnahmen aus den 9-Euro-Tickets. In Berlin ist eine Vermutung in diese Richtung der Realität zumeist sehr nah.

Durch das Bahnfahren wird auch unser Infektionsrisiko steigen, deswegen hoffen wir darauf, dass der Inzidenzrückgang in Berlin endlich wieder Fahrt aufnehmen wird. Wir würden auch beim Einkaufen gerne nach langer, langer Zeit die Maske abnehmen, aber es bleibt dabei: erst ab einer Inzidenz von weniger als 150.

TH

14.05.2022 (hier zu 105/22 vom 11.05.2022)

Nur noch alle drei Tage ein Corona-Report, das ist doch ein Wort. Oder? Es liegt aber nicht daran, dass die Lage sich so rasant entspannen würde, sondern daran, dass sich nicht sehr viel tut. Es verharrt das Geschehen auf zu hohem Niveau. Allerdings it uns im Weltvergleich eine positive Entwicklung aufgefallen. Aber sie ist eben relativ und beruht darauf, dass andernorts die Zahlen teilweise wieder steigen.

Die bundeseite 7-Tage-Inzidenz hat sich in den letzten drei Tagen so entwickelt: heute 477, gestern 485, vorgestern 502. Wir haben in die Inzidenzgrafik heute eine kleine dunkelgrüne Trendlinie eingezeichnet, die belegt, dass die Dynamik der Inzidenzabnahme, die nach dem Ende der Oster-Nacherfassungen Fahrt aufnahme, deutlich erlahmt ist.

Einzelne Bundesländer, darunter auch Berlin (heute Inzidenz 378), verzeichnen wieder eine steigene Infektionsrate. Angesichts der hohen Temperaturen der letzten Tage ist das kein gutes Zeichen bezüglich des „Corona-Sommer-Bonus“, der besagt, dass das Infektionsgeschehen dann zurückgeht, wenn die Außentemperaturen ansteigen. Dem Virus wird unterstellt, dass es hohe Temperaturen nicht mag und sie seine Verbreitungsfähigkeit einschränken. Wird diese Tatsache durch Lockerungen konterkariert, gilt das für Omikron nicht gleichermaßen wie für die früheren Varianten und wie lange dauert es noch, bis endlich „Herdenimmunität“ erreicht ist?

In unserem gestrigen allgemeinen Briefing haben wir erwähnt, dass nur noch 7 Prozent der Menschen in Deutschland „corona-naiv“ sein sollen. Angesichts dieser Zahl sind die Infektionszahlen aber immer noch sehr hoch: Heute wurden 61.589 Fälle gemeldet, vor 8 Tagen waren es 72.252. Ein langer, steiniger Weg abwärts.

Und dann soll auch noch das böse Delta zurückkehren: Karl Lauterbach warnt davor, also stimmt es. Vielleicht ist es die allerdings bereits bekannte Killervariante, die er kürzlich in Aussicht gestellt hatte:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor einer Rückkehr der Delta-Variante des Coronavirus gewarnt und die Beschaffung unterschiedlicher Impfstoffe angekündigt. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Eine Omikron-Welle im Herbst ist zwar wahrscheinlich. Aber selbst die gefährlichere Delta-Variante könnte zurückkommen“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe) unter Verweis auf eine entsprechende Studie aus Israel. (Q)

Aber es gibt doch bisher gar keinen Omikron-Impfstoff? Die gute Nachricht folgt auf dem Fuß:

Die Bundesregierung rechnet im September mit einem Impfstoff gegen die Omikron-Variante. (Q. a. a. O.)

Wir schrieben mehrfach, mit einem an Omikron angepassten Impfstoff würden wir uns ein viertes Mal impfen lassen.

Nun zu weiteren guten Nachrichten. Die Todesfälle gehen  tatsächlich etwas deutlicher zurück. Wir haben es vorhergesagt: Ihre Zahl müsste dem nachlassenden Infektionsgeschehen folgen, wenn auch mit einem Zeitversatz, sonst wäre die Omikron-Variante ja doch gefährlicher, als die allgemein dargestellt wird. Wir haben wieder eine Durchschnittszahl von ca. 140 Fällen pro Tag erreicht, ähnlich wie zu Beginn der Omikron-Welle (7-Tage-Trend), über längere Zeit danach lag der 7-Tage-Trend bei übr 200. Ein Dauerzustand dürfen auch 140 Tote pro Tag an / mit Corona selbstverständlich nicht sein und deswegen ist es falsch, am Horizont bereits eine endemische Lage ausmachen zu wollen. 

Ob man hingegen die Verbesserung der deutschen Situation relativ zum Weltgeschehen als positiv ansieht, ist in der Tat Ansichtssache, denn zum Ausgleich muss es woanders ja schlechter laufen als zuletzt, weil sich insgesamt nicht viel ändert. Bezüglich der Zahl an Neuinfektionen lagen in den letzten 7 Tagen die USA wieder vorne und damit erstmals seit über einem Monat ein anderes Land als Deutschland. Weltweit stagniert das Geschehen (-0,3 Prozent in den vergangenen 7 Tagen gegenüber den vorausgehenden 7 Tagen), während es in Deutschland um 24 Prozent abgenommen hat. Dass dieser Rükgang seinerseits wieder abflacht, haben wir oben erwähnt. Uns wäre es am liebsten, die Infektionen würden überall zurückgehen, andererseits haben wir immer noch viel Nachholbedarf in Sachen Abbau der Neuinfektionen. In allen Ländern mit mehr Einwohnern liegt die Inzidenz niedriger. 

TH

11.05.2022 (hier zu 104/22 vom 08.05.2022)

Drei Tage zwischen zwei Corona-Reporten, wie konnte das passieren? Nun ja, es tut sich nicht so viel, mal steigt die 7-Tage-Inzidenz ein wenig, wie gestern, mal fällt sie ein wenig, wie heute. Dass dies kein befriedigender Zustand ist, versteht sich von selbst, denn eines ist evident: Der Rückgang der Neuinfektionen nimmt seinerseits ab. Man sieht das an der blauen Linie unserer Inzidenzgrafik, die von unten gegen Null strebt:

Im Moment verharrt also die Inzidenz bei Werten um 500 (bundesweit), heute ind es 507, nach 522 gestern. Die vorgestern erreichten 499 sind zwar der niedrigste Wert seit dem 15.01.2022, aber die Betonung darauf zu legen, wäre eine Art von Beschönigung. Tatsache bleibt nämlich, dass Deutschland weltweit die höchste Zahl an Neuinfektionen aufweist, auch hier schauen Sie bitte auf die blaue Linie der Grafik: kaum noch ein Rückgang im 7-Tage-Trend.

Immerhin, heute wurden 97.010 neue Fälle für gestern gemeldet, nach 107.000 am Tag zuvor, das sind auch rund 10.000 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Wir hatten aber aufgrund der Entwicklung der letzten Woche gehofft, es würde jetzt gar nicht mehr zu Zahlen über 100.000 kommen. Auch die Todesfallzahlen bilden kein sehr entspannendes Bild:

Vorgestern und gestern lagen die Zahlen wieder über 200 (bei 231 bzw. 214), der 7-Tage-Durchschnitt pendelt derzeit um 170, die niedrigeren Meldezahlen am Wochenend senken ihn unter das, was wir während der Werktage sehen. Wir finden 170 Tote an / mit Corona täglich zu viel, dabei bleibt es, zumal der Eindruck sich verfestigt, dass Deutschland offenbar Dauerweltmeister bei den Neuinfektionen sein möchte. In dne vergangenen 7 Tagen fanden hierzulande 14,9 Prozent aller weltweiten Neuinfektionen statt bzw. wurden gemeldet, weiterhin ereigneten sich hier 6,8 Prozent aller weltweit registrierten Corona-Todesfälle. Angesichts eines deutschen Anteils an der Weltbevölkerung von 1,05 Prozent sind beide Ziffern viel zu hoch und es ist keine Besserung in Sicht. Hartnäckig weigert sich das Geschehen hierzulande, sich relativ zur Weltsituation zu verbessern. Deutschland und die USA, die viermal mehr Einwohner haben, sind gegenwärtig die einzigen Länder, in denen es zu mehr als 1.000 Corona-Toten pro Woche kommt (D = 1.039, USA = 1.621, aber mit fallender Tendenz, während die Lage bei uns, siehe oben, stabil unbefriedigend bleibt).

Woher diese schon weit dem Einsetzen der ersten Omikron-Welle extrem hohen deutschen Zahlen kommen, darüber kann man nur spekulieren, zumal alle anderen Länder mit ganz unterschiedlichen Strategien wesentlich mehr zur Ruhe gekommen sind. Bei uns wirkt die Lage zwar auch ruhig, aber nur deswegen, weil sich alle in typisch deutscher Manier voll auf das Ukraine-Thema stürzen. Für mehr als ein Thema ist bei den Menschen in diesem Land kognitiv kein Raum und deswegen fällt nicht auf, dass dringend darüber gesprochen werden müsste, warum die Corona-Situation hierzulande sich nicht deutlicher verbessert.

Die Zahl der freiwillig MNS tragenden Personen geht weiterhin anteilig zurück, so unser Eindruck und beträgt z. B. beim Einkaufen noch knapp über die Hälfte. Wir waren heute zum zweiten Mal ohne unterwegs, weil wir vergessen hatten, wieder eine oder zwei in unsern gestern frisch gewaschenen Rucksack zu tun wir sind nicht zurückgefahren, obwohl der Weg nicht sehr weit gewesen, der Zeitverlust nur 10 Minuten betragen hätte. Alternativ hätten wir in der Apotheke unseres kleinen Einkaufscenters eine FFP2-Maske erstehen können. So teuer sind sie ja nun nicht mehr. Wir haben’s aber nicht getan und das sagt einiges. Es besagt aber nicht, dass wir nicht morgen wieder den Weg weiterverfolgen werden, erst bei Inzidenz 150 offiziell Schluss mit dem MNS zu machen, gegenwärtig liegt sie in Berlin bei 338. Außerdem gelten in unserer Firma die Hygienemaßnahmen einstweilen fort, wie sie für die gefährliche Delta-Variante eingerichtet worden waren. Heißt, Hände desinfizieren bei Eintritt ist Pflicht und immer, wenn wir uns vom Abeitsplatz erheben und umherwandern, wird die Maske aufgesetzt. Bisher gab es bei uns noch keinen offiziellen Corona-Fall.

Und was sagt der Gesundheitsminister, der in den letzten Tagen aufgrund der monothematischen Ausrichtung der Aufmerksamkeitsökonomie vielleicht gar nicht so sehr zurückgehalten hat, wie es wirkt, aber zuletzt auch nicht mehr in jede Talkshow eingeladen wurde? Gestern war das wieder der Fall und hier können Sie nachlesen, wie er dabei gewirkt hat. Überraschende Wende in Corona-Politik: Lauterbach gegen „Einsperrmaßnahmen“ heißt es bei Telepolis zum gestrigen Gespräch bei Sandra Maischberger. 

„Auf das Hü folgte nur das Hott: Lauterbach ging – erneut in einer Talkshow – seinen eigenen Warnungen auf Distanz: Lockdowns, sozusagen die Bazooka der Pandemiemaßnahmen, werde es auch eine (bei einer, A. TH) Zuspitzung nicht geben, sie seien sinnlos. Angesichts von massiver Kritik der Ärzteschaft ist von der Killer-Virus-Warnung indes nichts mehr zu hören.“

Fällt uns nicht erste seit gestern auf, dass etwas Distanz zu Lauterbachs Aussagen nicht schaden kann, um die Contenance zu bewahren, aber historisch betrachtet, bleibt es richtig, dass er im ersten Corona-Jahr der Mahner und Warner Nr. 1 im Land war, als andere Politiker:innen problemlos ein Massensterben akzeptiert hätten, wenn sich Corona nicht so verharmlost hätte, wie wir es mittlerweile sehen. Uns bleibt sehr ungut in Erinnerung, dass einige Freiheit mit Ignoranz und Inkaufnahme unendlich viel Leids gleichgesetzt, Empathie und Vorsicht gegen eine rüde, darwinistische Form von Freiheit ausgespielt haben. Da wir die Parteien, denen diese Apostel der rüden, egoistischen Form von Freiheit üblicherweise angehören, ohnehin nicht mögen und nicht wählen, hat sich für uns nicht dadurch viel geändert, dass Lauterbach in seiner Position als Gesundheitsminister zu volatil wirkt. Dafür handelt Kanzler Scholz, auch SPD, derzeit so besonnen, an den Konsequenzen orientiert und frei von gefährlicher Eitelkeit wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker. Wir hingegen beweisen mit dieser Anmerkung, dass wir zwei Themen im Blick behalten können. Dies, obwohl Lauterbachs gestriger Auftritt nicht einmal dazu geführt hat, dass sein Name bei Twitter trendet. Das sind schon wieder andere Zeiten.

TH

08.05.2022 (hier zu 103/22 von vorgestern)

Es ist Sonntag und die Sonne scheint, in den nächsten Tagen wird es schon richtig sommerlich werden, wenn die Wettervorhersage recht behält. Was macht das Corona-Virus, das sich bei solchen Bedingungen regelmäßig zurückzieht? Es zieht sich zurück. Allerdings auf eine zu gemächliche Art und Weise, wie wir finden.

Der 7-Tage-Trend des täglichen Inzidenz-Rückgangs zeigt eine sinkende Tendenz, die blaue Kurve auf unserer Grafik steigt also an. Nun könnten wir sagen: Bis unser persönlicher Inzidenz-Grenzwert von 150 erreicht ist (heute 514 bundesweit), dauert es doch bei aktuellem Tempo (-3 Prozent pro Tag innerhalb der letzten 7 Tage) nur noch 40 Tage! Auch die Neuinfektionen liegen heute mit nur ca. 8.500 niedriger als an jedem Sonntag (Meldetag) seit dem Beginn unserer täglichen Erfassung am 24.12.2021 und es sind die zweitniedrigsten seit diesem Zeitpunkt insgesamt (am vergangenen Montag war der bisherige Niedrigststand mit nur ca. 4.000 Infektionen erreicht worden, wir erwarten auch morgen wieder niedrige Zahlen). Auch die Todesfallzahl ist mit 10 recht gering, ein typischer Wochenendwert freilich.

Nur noch einen Monat oder etwas mehr bis zum „Tag der Befreiung“? Eigentlich ist er doch schon heute. Jedenfalls ist das nicht viel, wenn man bedenkt, wie lange uns diese Pandemie nun schon beschäftigt. Wir wären demnach an einer Stelle, an der es um den Endspurt geht, noch einmal Augen zu und durch und fertig.

In Berlin liegen wir sogar unter dem Bundesschnitt (heute 338), in weniger als einem Monat ist endlich wieder Normalität angesagt, sofern man das bei einer Indzidenz von 150 behaupten kann und solange man das behaupten kann, wenn die Todesfallzahlen weiterhin so hoch bleiben, wie sie im Moment sind. Aber auch sie sollten natürlich sinken, wenn die Infektionszahlen weiter sinken, mit einer Zeitverzögerung. Da merkt man auch schon, offenbar gab es dabei sogar einen Osterrabatt. Trotzdem muss man festhalten: Die deutschen Neuinfektionszahlen weisen darauf hin, dass wir an der Herdenimmunität arbeiten, nicht an deren Vermeidung.

Wir holen immer noch nach, was in Ländern, die sehr offensiv waren bei der Beendigung der Corona-Maßnahmen, schon „durch“ ist. Wir haben mehrfach geschrieben, dass es einer sehr genauen, zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht möglichen Analyse bedarf, um zu sehen, welche Strategie am Ende die richtige war. Ob gar das deutsche Hin und Her auch nicht schlimmer abgeschnitten hat als Zero Covid oder gezielte Durchseuchung, die beiden Extrempositionen. Außerdem bedürfte es zuverlässiger Zahlen, wenn sie denn mal vorliegen werden, und diesbezüglich sind wir ganz und gar nicht vertrauensvoll. Länder, bei denen jedwedes Super-Management zur Staatsräson gehört, die also auch aus der perfekten Strategie gegen Corona propagandistische Narrative ableiten, werden uns niemals wirklich hinter die Kulissen schauen lassen. Wenn wir bei Propaganda sind: Russland gehört wohl nicht zu den „Versteckern“, die Todeszahlen dort werden als sehr hoch angegeben.

Ob es in Wirklichkeit noch mehr sind, darüber darf man nachdenken, das trifft auf westliche Länder aber auch zu. Wir erinnern auch gerne wieder daran, dass es auch vom Verhalten der Menschen abhängig ist, wie realistisch Infektionszahlen sind: Je weniger getestet wird, desto mehr Infektionen laufen unter dem Radar durch. So gesehen, ist auch die Letalitätsrate geringer, als wenn man nur die offiziellen Zahlen vom RKI heranzieht, wie wir das für unsere Darstellungen tun. Es gibt ja auch keine anderen als diese Zahlen. Einige Publikationen, etwa die Zeit, versuchen, die reale Lage kunstvoll ein wenig besser abzubilden, aber die dort ausgewiesenen höheren Inzidenzwerte sind wohl ebenfalls viel zu niedrig, wenn man die unerkannten Fälle mitzählt.

Wenn man den Zahlen nicht traut, kann man allerdings auch sagen: Alles ist relativ und stimmt es überhaupt? Zum Beispiel unsere häufig ausgedrückte Unzufriedenheit mit den deutschen Zahlen im Weltvergleich. Auch in den vergangenen 7 Tagen war Deutschland wieder das Land mit der höchsten Zahl an Neuinfektionen, sie gingen auch langsamer zurück als im Weltdurchschnitt (-12 Prozent gegenüber -15 Prozent weltweit), ein ähnliches Bild bei den Todsfallzahlen (-24 Prozent weltweit, Deutschland -21 Prozent). Auf Platz 2 bei den Neuinfektionen und Platz 1 bei den Todesfallzahlen jetzt wieder die USA, wo in den letzten 7 Tagen ein leichter Anstieg (+4 Prozent) bei den Neuinfektionen zu verzeichnen war. Nachdem in Südkorea, das eine Zeitlang auf Platz 1 bei den Neuinfektionen, dann auf Platz 2 hinter Deutschland lag, das Gröbste überstanden zu sein scheint (aktuell Platz 6 weltweit), schiebt sich nun ein weiteres Land nach vorne, das bisher durch herausragendes Corona-Management auffiel: Taiwan, das derzeit bezüglich der Neuinfektionen auf Platz 7 der Welttabelle rangiert. Allerdings bisher mit offiziell vergleichsweise sehr wenigen Todesfällen (insgesamt 869, Stand 06.05.2022).

TH

06.05.2022 (hier zu 102/22 von gestern)

Wir schicken Sie und unsere Berichterstattung über Corona ins Wochenende mit weiterhin positiven Zahlen von der Pandemie. Mittlerweile ergibt es in der Tat Sinn, über den endemischen Zustand nachzudenken, aber ist er bereits erreicht? Derweil flammt die Diskussion um Impfnebenwirkungen erneut auf, wir haben vorgestern bereits sozusagen auf persönlicher Ebene darauf hingewiesen.

Dabei hatte unser Gesprächspartner einen Vorgang an der Berliner Charité erwähnt, an der auch Christian Drosten forscht, den wir gestern am Abend nachlesen konnten.

Die Inzidenz fiel von gestern auf heute moderat, von 566,8 auf 553,1 (-2,40 Prozent), die Neuinfektionszahlen, die heute veröffentlicht wurden, im Vergleich zum Freitag der Vorwoche um ca. 16.500, auf jetzt 85.073. Die die gestern gemeldete Zahl der Todesfälle an / mit Corona beträgt 214. Bei allen diesen Ziffern zeigt die Wochentendenz nach unten, aber im Moment nicht sehr deutlich. Wird die zweite Maiwoche die erste seit der 2. Januarwoche werden, in der wir „nur“ noch fünfstellige Neuinfektionszahlen pro Tag sehen werden, am Wochenende sogar vierstellige? Ausgeschlossen ist es nicht, aber die Abschwächung der positiven Tendenz, die seit zwei Tagen zu beobachten ist, lässt keine eindeutige Aussage in diese Richtung zu.

Weil sie das etwas glattere, harmonischere Bild zeigt, zeigen wir wiederum heute die Neuinfektionen-Grafik, nicht die der Inzidenz, die zuletzt so starke Schwankungen aufwies:

Charité-Forscher fordert Ambulanzen für Impfgeschädigte ist ein Artikel des MDR überschrieben, in dem es unter anderem heißt, darüber müsse diskutiert werden, ohne dass man als Impfgegner gilt und in dem es um die Forderung geht, ambulante Angebote für Impfgeschädigte einzurichten.

Der Kern einer großangelegten Studie der Charité mit 40.000 Teilnehmenden: Die tatsächliche Zahl an Impfschäden könnte 40-mal höher sein, als das Paul-Ehrlich-Institut sie bisher ausgewiesen hat. Wir hatten an anderer Stelle negativ vermerkt, dass das Institut seinerseits vor einiger Zeit die Impfschadensdatenbank geschlossen oder dem Blick der Öffentlichkeit entzogen hatte. Dies wiederum würde die Hochrechnung, die seitens einer Krankenkasse vor einiger Zeit erstellt wurde und von ca. 600.000 Impfschäden, auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, mindestens überwiegend rehabilitieren, die bereits vehement in Zweifel und angeblich widerlegt wure. Der Charité trauen wir auf jeden Fall zu, dass das, was von hier aus in die Öffentlichkeit getragen wird, Hand und Fuß hat.

Der Chef der „Provita“, wie die angesprochene Kasse heißt, musste damals wegen seiner These zurücktreten, die auf eine Impfschadensquote von knapp einem Prozent hinauslief. Was damals so viel Wind verursacht hat, sei allerdings, und das ist leider wohl die Normalität und das Risiko, das alle einzugehen haben, die sich durch Impfen schützen wollen: 8 von 1.000 Geimpften müssen mit schweren Nebenwirkungen rechnen. Wie sieht also die Risikoabwägung aus? Ist das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, höher als 8 von 1.000, und zwar nicht auf die Zahl der offiziell Infizierten, sondern auf ca. 77 Prozent der Bevölkerung gerechnet, denn so hoch ist die Zahl der jenigen, die aktuell mindestens zwei Mal geimpft sind. Von diesen schweren Nebenwirkungen klingen 80 Prozent nach drei bis sechs Monaten ab, 20 Prozent führen zu dauerhaften Schäden, das betrifft also 1,6 Promille des mindestens zwei Mal geimpften Teils der Bevölkerung. Diese Zahl müsste man mit derjenigen der Long-Covid-Opfer zuzüglich der Todesfälle an / mit Corona in Bezug setzen, um zu einer fundierten Risikoabwägung zu gelangen. Dummerweise wird bei den Todesfällen niemals festgestellt werden können, wer nun genau wegen Covid oder nur mit Covid verstorben ist.

Damit das möglich ist, müssten alle Covid-Infizierten, die versterben, obduziert werden, was nicht der Fall ist. Also wird uns am Ende als Zahl neben  Long-Covid-Werten nur die Übersterblichkeit als Anhaltspunkt bleiben. Dass es eine Übersterblichkeit während der Pandmie gab, scheint bereits belegt zu sein, erstmals seit vielen Jahren verstarben 2021 in Deutschland mehr als eine Million Menschen. Das ist auch unter Einschluss anderer Faktoren, wie der steigenden Anzahl sehr betagter Personen mit hohem Sterberisiko, eine deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegende Zahl, höher auch als die Sterbeziffer des Jahres 2018, in der sich die Auswirkungen einer heftigen Influenza-Welle spiegelte.

Ergänzung am 07.05.2022: Über „Impftote“ wird in der von uns bezogenen Nachricht keine Aussage getätigt, selbstverständlich wäre es diese Zahl, die mit der Zahl an „Toten wegen, nicht nur mit Corona“ in Abgleich gebracht werden müsste, um das Impfrisiko besser bewerten zu können. Das ist aber nicht möglich, siehe oben, weil „an“ oder „mit“ nicht sicher feststeht und weil in Bezug auf „Impftote“ ebenfalls eine Kausalität sicher nachgewiesen werden müsste. Zuletzt hängt es immer vom Individuum ab, wie es optiert und ob es z. B. Vorerkrankungen aufweist, bei denen die Gefahr eine gefährlichen Verlaufs von Corona erhöht wäre oder ob z. B. schon früher eine nachteilige Reaktion auf Impfungen vorgelegen hat.

Wenn man einen Schritt zurücktritt und kurz nachdenkt, kommt man immer noch zu einer Logik, die eher deswegen zu einer überraschenden Darstellung führt, weil man offenbar mit den geringen Zahlen, die das Paul-Ehrlich-Institut ausgewiesen hat, den Eindruck erwecken wollte, dass die Anti-Corona-Impfstoffe sehr viel seltener Nebenwirkungen als alle anderen Impfstoffe haben. Es ist eben ein Unterschied, ob etwas realistisch ist und auch so kommuniziert wird, oder ob so getan wird, als sei mit einem Mal die beste aller Welten, fast ohne Risiko, ausgebrochen. Psychologisch gesehen, entsteht so der Effekt, dass wir wieder einmal behumpst wurden. Und das fördert das Abdriften in Verschwörungstheorien und eine radikale Impfgegnerschaft, die auch gemäß den nun veröffentlichten Charité-Zahlen nicht gerechtfertigt erscheint.

Ein Tipp für alle, die der Ansicht, dass 8 Promille eindeutig, 1,6 Promille immer noch etwas zu viel sind, zum Beispiel, um sich trotzdem impfen zu lassen oder eine sichere Reise mit dem eigenen SUV, für die haben wir etwas noch Größeres entdeckt: Das 9-Euro-Ticket der DB nach Sylt. Das trendet gerade auf Twitter. Der Klassenkampf geht weiter! Vielleicht ein kleiner Tipp an Menschen, die gerade dabei sind, einen (weiteren) Sylt-Roman zu schreiben und ein paar originelle und echte Ereignisse brauchen, um selbigen anzureichern. Das Datum für die Sause steht auch schon fest, jeder kann günstig dabei sein. Worauf einen Corona alles bringt, nicht wahr?

TH

05.05.2022 (hier zu 101/22 von gestern)

Der heutige Donnerstag zeigt ein weiter erfreuliches Lagebild. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 566,8 (gestern 591,8), seit langer Zeit sinkt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mitten in der Woche unter den Wert von 100.000 (96.167).

Genauer: Dies ist erstmals seit dem 14. Janur 2022 der Fall, als die Omikron-Welle (BA.1) rasch hochstieg. Die Bundesländer weisen Werte von 315 (Thüringen) bis 843 (Schleswig-Holstein) auf, Berlin liegt mit 415 im oberen Mittelfeld und damit deutlich besser als die bundesweite Inzidenz. Trotzdem haben wir heute, zum Ausgleich für den gestrigen Lapsus, wieder schön unseren MNS getragen, als wir in der Mittagspause einkaufen waren.

Allerdings im Kiez, in vertrauter Umgebung. Zuvor hatten wir uns im Wege eines Termins getraut, einem bekennenden Imfpgegner die Hand zu schütteln und sind gespannt, was die Corona-App nun anzeigen wird. Vermutlich gar nichts, weil die Person sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verwendet. Im Grunde war das ein richtiges Ereignis, mehr als zwei Jahre lang haben wir niemanden mehr berührt, der nicht unserem engeren Umfeld angehört. Zu einem der Themen des Gesprächs passt ganz gut der heutige Trend #Impfschaeden. Die einen haben Impfgeschädigte, die andere Corona-Todesfälle im (erweiterten) Kreis. Wir zählen zu Letzteren. Aber auch im Kiez bröckelt es nun. Die Maskenträger:innen bestimmen zwar beim Einkauf im LEH noch das Bild, mit einem Anteil von ca. 65-70 Prozent, Tendenz sinkend.

An der Ansicht, dass wir mittlerweile Herdenimmunität erreicht haben, weil fast alle geimpft oder genesen sind, manche Letzteres, ohne es bemerkt zu haben, dürfte etwas dran sein. Umso mehr nimmt es Wunder, dass Deutschland weiterhin im Weltvergleich die Nr. 1 beim Neuinfektionsgeschehen bleibt. Vielleicht wird woanders noch weniger getestet. Die Parameter sind nicht mehr vergleichbar mit jenen während der ersten Wellen, als viele Länder bezüglich der Testquoten davonzogen.

Eine Zahl hat sich sogar wieder ins Negative gedeht: Weltweit nahmen die Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen gegenüber den vorherigen 7 Tagen um 18 Prozent ab, in Deutschland sind es nur -12 Prozent. Eine mühsamer, sehr mühsamer Weg zurück zur Normalität. Aber, um die Verschwörungsluft ein wenig aus dem Corona-Reifen mit den vielen Spikes drauf zu lassen: Warum sollte ausgerechnet in Deutschland die Regierung mehr als in allen anderen Ländern die Menschen weiterhin in Angst halten wollen? In den USA, dem Land, von dem alle Verschwörungen bekanntlich ausgehen, liegt die Inzidenz nur noch bei 129,3 (sie war allerdings vor ein paar Wochen schon auf einen zweistelligen Wert gesunken).

Bei der Inzidenz liegt Deutschland aktuell auf Rang 23, höhere Werte haben allerdings bis auf ein paar Ausnahmen wie Australien, Neuseeland, Portugal, Italien und weiterhin Südkorea nur kleine Territorien, die man aus der Gesamtrechnung exkludieren sollte. Tut man das, landet Deutschland auf Platz 6 oder 7. Alle Länder mit höherer Inzidenz weisen geringere Einwohnerzahlen auf, sodass dieses Ranking sehr wohl damit übereinstimmen kann, dass Deutschland nominal die weltweit höchste Zahl an Neuinfektionen verzeichnet (im Sinne von meldetechnisch erfasst).

Die Zahl der Todesfälle an / mit  Corona sinkt weiter leicht, heute wurden 183 weitere Opfer gemeldet. Wir müssen es nicht jeden Tag wiederholen, tun es aber heute doch einmal wieder: Das sind zu viele. Deswegen dürfte eine Nicht-Corona-Politik nicht die Lösung sein. So läuft es derzeit aber.

TH

04.05.2022 (hier zu 100/22 vom Montag)

Wir haben es gesagt. Wenn das Geschehen sich beruhigt, lassen wir Sie auch mal für den einen oder anderen Tag mit unseren Corona-Reporten in Ruhe. Gestern war so ein Ruhetag.

Zum Dank haben Sie uns gestern eine der schwächsten Zugriffszahlen des Jahres 2022, wenn nicht sogar die schwächste überhaupt, beschert. Es geht nichts über Gewöhnung, wir verstehen das schon. Außerdem muss man die Corona-Report so ersetzen, dass sie wirklich als Ersatz wahrgenommen werden, und das gelingt uns an Arbeitstagen aus Zeitgründen nicht immer. Aber die Pressefreiheit ist doch auch wichtig, oder? Seufz.

Heute kommt es noch schlimmer, weil persönlich. Erstmals seit März 2022 wieder ohne Maske beim Lebensmittelhändler gewesen. Weil vergessen und der Händler war jwd und die Zeit zu knapp, um noch schnell Ersatz zu besorgen.

Bei dem Händler waren wir zuvor noch nie, es ist zwar derselbe Bezirk, unser sehr langgezogener Wohnbezirk, in dem er angesiedelt ist, aber eben mehr draußen, im Bürgerlichen. Und was stellten wir unserem großen Erstaunen fest? Wir waren bei der Mehrheit. Der Anteil der Maskenträger:innen betrug höchstens noch ein Drittel. So sind sie da draußen, viel mutiger und gefasster und natürlich auch freiheitlicher als wir hysterischen, hypochondrischen Innenstädter:innen, die sich um eines lächerlichen, minimalen Gesundheitsvorteils willen, der nicht eimmal sicher ist, in eine totalitäre Diktatur führen lassen würden. Trotzdem, das mit ohne Maske kaufen wird bis Inzidenz 150 eine Ausnahme bleiben. Zumal wir mittlerweile auch den optischen Vorteil erkannt haben. Der Schrecken der anderen hat deutlich nachgelassen, seit jenem März 2020, wenn wir irgendwo unvermutet, unangemeldet, sozusagen aus dem Nichts, ohne jede Vorwarnung auftauchen, mitm Einkaufskorb oder -wagen.

Nun aber zu den wichtigen Dingen, wie zum Beispiel der Inzidenz. Nachdem sie von vorgestern auf gestern nur um 1,14 Prozent zurückging, waren es heute wieder über 6 Prozent, im Bundesdurchschnitt beträgt sie nun 591,8. Das ist der niedrigste Wert seit 20. Januar 2022, als die Omikron-Welle (BA.1) gerade mächtig am steigen war. 106.631 Neuinfektionen wurden gestern verzeichnet. Für sich genommen, ist das immer noch eine sehr, sehr hohe Zahl, aber doch um ca. 35.000 geringer als am Mittwoch der Vorwoche gemeldet. Die Zahl der Todesfälle liegt mit 241 zwar weiterhin viel zu hoch. Trotzdem bedeutet das ein Abklingen gemäß 7-Tage-Tendenz, denn in der Vorwoche lagen sie mit Meldetag Dienstag und Mittwoch jeweils über 200. Im Durschnitt der letzten Woche inklusive der meldearmen Wochenenden beträgt die Todesfallzahl nun ca. 158. Auf dem Höhepunkt der BA.2-Welle vor etwa 6 Wochen lag sie bei knapp 250. 

Der Weltvergleich zeigt freilich wieder ein wenig erfreuliches Bild. In der vergangenen Woche entfielen auf Deutschland 16,3 aller weltweit registrierten Infektion, aber: Der Rückgang hierzulande betrug 24 Prozent gegenüber der Woche zuvor, weltweit nur 21 Prozent. Dass Deutschland weiterhin die höchsten Infektionswerte auf diesem Globus hat, trotz einer Untererfassung von vermutlich mehr als 100 Prozent, nun ja. Nicht immer so kleinlich sein, alles auseinanderfitzeln, sondern das Positive sehen! Alles wird besser! Mit dieser Aufforderung an Sie und uns alle schließen wir auch diesen kurzen Kurzreport und melden uns bald wieder, denn wir freuen uns doch im Grunde, dass ein exklusiver Leser:innenkreis sich regelmäßig mit diesen Wasserstandsmeldungen von uns befasst. Politisch gibt es heute auch nichts Besonderes, zumindest nicht zu diesem Thema. Bis morgen oder übermorgen!

TH

02.05.2022 (hier zu 99/22 von gestern)

Liebe Leser:innen unseres Kurzreports, heute ist ein denkwürdiger Tag. Erstmals seit dem Beginn der Omikron-Welle, erstmals im Jahr 2022 wurden von gestern auf heute keine Sterbefälle an / mit Corona gemeldet. Beinahe ebenso denkwürdig: das fällt genau mit unserem 100. Report für das Jahr 2022 zusammen.

Es ist sogar viel länger her, dass es an einem Tag nicht zu einem Corona-Todesfall in Deutschland kam, zuletzt geschah dies im September 2020, nach dem Abklingen der ersten und dem Start der zweiten Welle. Sicher wird dies in den nächsten Tagen nicht so bleiben, denn die Meldungen von den Wochenenden her sind nun einmal wesentlich niedriger als „unter der Woche“, aber es ist trotzdem einfach zum Freuen und berührt uns. Auch die Gesamttendenz bleibt positiv, die bundesweite Inzidenz ging von gestern 667 auf heute 636 zurück. Erste Bundesländer kratzen an der 400er-Marke (Thüringen), Berlin liegt bei 503, nur noch ein Bundesland, Schleswig-Holstein, weist eine Inzidenz von  mehr als 900 auf (heute 932). Haben wir Herdenimmunität fast erreicht, wie aufgrund dieser Zahlen bereits vermutet wird? Wenn wir bedenken, dass wir fast jeden Tag vom RKI und anderen darauf gestoßen werden, dass die tatsächliche Infektionszahl wesentlich höher liegen muss als die gemeldeten 24,8 Millionen, dann könnte sich das tatsächlich anbahnen. Zumal doch interessant ist, dass jetzt die Bundesländer mit den hohen Impfquoten und der großen Vorsicht etwas hinterherhinken beim Absenken ihrer Inzidenzen. Das könnte darauf hindeuten, dass dadurch die Omikron-Welle etwas später ihren Höhepunkt erreicht als in Gegenden, in denen die Menschen eine Infektion oftmals geradezu zu provozieren schienen. 

Whatever, bei uns bleibt die Maske beim Einkaufen auf bis Inzidenz 150, auch wenn sich bis dahin das Verhältnis gedreht haben sollte: Gegenwärtig ist unser Eindruck, dass noch etwa 3/4 der Menschen ihren MNS aufbehalten, wenn sie Geschäfte des Alltags erledigen, die übrigen sind vor allem ältere weiße Männer. Wirklich wahr. Nun ja, so überraschend ist das auch wieder nicht. Hier die Inzidenzgrafik, jetzt ohne Trendlinien, um die Optik wieder ein wenig zu bereinigen:

Man sieht auch, dass die 7-Tage-Tendenz bei der Inzidenz wieder ins Minus gedreht hat und etwas sagt uns, dass dies in nächster Zeit auch so bleiben wird. Das ist alles sehr erfreulich, aber: die deutschen Zahlen sind immer noch die weltweit höchsten. Wir können’s nicht ändern, andere Länder sind eben längst durch und die Diskussion wird noch sehr spannend werden, welcher Umgang mit der Pandemie zu welchen Ergebnissen geführt hat. Relaltiv gesehen hat Deutschland sich sogar weiter verschlechtert, denn weltweit gingen die Zahlen in den vergangenen 7 Tagen um 19 Prozent zurück, in Deutschland nur um 10 Prozent. Der deutsche Anteil am Weltinfektionsgeschehen lag in den vergangenen 7 Tagen bei 16,56 Prozent (Weltbevölkerungsanteil 1,05 Prozent).

Grund zum Übermut besteht also bei weitem nicht und am Ende wird auf jeden Fall eine Feststellung zu treffen sein: Wir sind hier verdammt schlecht auf Pandemien vorbereitet, sowohl logistisch wie mental. Niemand sagt, dass das nächste Virus, wenn nicht sogar die nächste Variante von Covid19, die Spielregeln wieder ändern wird. Wir wollen das nicht in Form einer „Killervariante“ für den Herbst prognostizieren, aber undenkbar ist es nicht. Und dann? Dann gibt es zum Beispiel keine Impfpflicht, die sofort in Gang gesetzt werden könnte, wenn die Todesfallzahlen steil ansteigen sollten. Hier noch die Todesfallzahlenstatistik: Man sieht, dass die gestrige Nullnummer noch nicht viel am 7-Tage-Trend (blaue Linie) geändert hat. Warum? Weil auch am vergangenen Wochenende die Meldezahlen bereits recht niedrig waren.

TH

Sonntag, 01.05.2022 (hier zu 98/22 von gestern)

Heute gibt es wirklich Gründe zur Freude. Mit 666,7 hat die Inzidenz in Deutschland den niedrigsten Stand seit dem 20. Januar erreicht und dieses Mal halten wir die Zahl für nachhaltiger als die 669, die an Ostern schon einmal erreicht waren. Mit 11.178 war die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen heue sogar so niedrig wie seit dem 26.12.2021 nicht mehr. 

Richtig ist, dass einige Bundesländer an den Wochenenden nicht melden, trotzdem ist die Zahl aussagekräftig, denn diese Einstellung der Meldetätigkeit an Samstagen und Sonntagen besteht schon länger, dennoch waren die Wochenendzahlen in den letzten Monaten höher.

Daher haben wir in der Inzidenzgrafik, die wir heute als einzige abbilden, um uns beim Kurzreport wieder mehr auf „kurz“ zu besinnen, an die Lage angepasst, einen etwas engeren Trendkanal abgebildet.

Es gab erhöhte Zahlen an Ostern, das scheint festzustehen, ebenso, wie es vom Testverhalten der Menschen abhängt, wie viele Neuinfektionen erfasst werden und wir gehen demgemäß davon aus, dass es wesentlich  mehr sind als die 24,8 Millionen, die bisher registriert wurden. Die Maskentreue dort, wo „Freiheit“ herrscht, nimmt langsam ab, doch wir bleiben nach wie vor dabei, bis eine Inzidenz von etwa 150 in Berlin erreicht sein wird.

Davon sind wir noch ein Stück entfernt, momentan liegt sie bei 506 und damit Berlin auf Rang 4. Thüringen (410), Sachsen und Meckelnburg-Vorpommern mit jeweils 486 sind die Spitzenreiter beim Abbau der Inzidenzwerte, Schleswig-Holstein (950) und Niedersachsen (913) weisen derzeit die höchsten Werte auf. 

TH

Samstag, 30.04.2022 (hier zu 97/22 von gestern)

Ehrlich versuchen wir immer zu sein, aber dazwischen und offensiven Ansagen besteht zuweilen ein Unterschied: Der heutige Report ist nicht nur durch Corona-Ereignisse bedingt, sondern kommt noch einmal direkt am Tag nach dem vorherigen, weil wir uns offenbar bei einem anderen Artikel etwas verfranst haben und jetzt sind die in der Regel guten Leser:innezahlen des Reports gefragt.

Dafür reportieren wir heute wieder etwas ausführlicher. Es gibt zudem wieder Neues aus der Politik, zum Beispiel einen Kommentar dazu, dass es richtig von Christian Drosten sein könnte, dass er sich aus dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung zurückgezogen hat, nachdem er gestern vom FDP-Wirrwisch Wolfgang Kubicki angegriffen wurde. (Q) Dabei ging es um Rat und Tat für die Regierung in Relation zur Evaluierung der Corona-Maßnahmen. Wir hatten uns dazu nicht positioniert, stimmen aber dem heutigen Kommentar insofern zu, dass die Vielfalt an Einflussfaktoren die wissenschaftliche Evidenz von Aussagen zu den Corona-Maßnahmen schwierig machen dürfte, dass aber im Fall einer erneuten Zuspitzung der Krise nicht auf den exakten Beleg der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen gewartet werden kann, bis wieder solche Maßnahmen ergriffen werden. Aus Vergleichszahlen innerhalb Deutschlands und weltweit lässt sich aber sicher einiges ablesen und wir heben uns eine solche Analyse noch ein wenig auf. Vielleicht haben wir auch Glück und jemand, der bessere Quellen hat, kann dabei tiefer ins Detail gehen.

Die Zahlen des Tages hingegen lassen allmählich mehr Klarblick zu, nach dem Oster-Chaos, als das man die Zahlen der letzten Wochen durchaus bezeichnen kann. Die Inzidenz sank von gestern auf heute von 758 auf 717, wieder Ein Rückgang von beinahe 6 Prozent, nach knapp 8 und etwas mehr als 6 Prozent in den Vortagen. Dennoch gibt es etwas wie ein Oster-Moratorium, einen Stillstand, vielleicht sogar einen zwischenzeitlichen Anstieg, der durch viele ungeschützte Kontakte an den Osterfeiertagen verursacht wurde:

Heute hat der 7-Tage-Trend der Inzidenz wieder die Nulllinie unterschritten, das ist selbstverständlich ein positives Zeichen. Aber die steile Abwärtstrendlinie, die sich bis Ostern nach dem Überschreiten des Peaks der 6. Welle ergeben hatte, ist Geschichte, so viel kann man sagen (in Grün in die Grafik eingezeichnet). Vielmehr hat sich durch den „Buckel“ im Wege der Osterfeiertags-Nacherfassung eine flacher Abwärtslinie ergeben, die wir in Braun eingezeichnet haben. Ein ähnliches Bild zeigt die Grafik über die Neuinfektionen. Ostern hat sich auf das Infektionsgeschehen nicht positiv, sondern eher negativ auswirkt, wenn man es in der mittlerweile möglichen Nachbetrachtung sieht. 

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen betrug gestern 87.298, der Durchschnitt der letzten sieben Tage sinkt dadurch auf 93.819. Das ist der niedrigste Stand seit dem 19.04.2022, zuvor wurde ein solcher Wert am 20.0.2022 unterschritten, während des Einsetzens der fünften Welle (Omikron BA.1). 

Auch diese Grafik zeigt deutlich, dass der zunächste steile Abfall der Zahlen an Ostern im Nachgang durch eine Gegenbewegung mehr als ausgeglichen wurde und nun insgesamt zu einer flacheren Abwärtsbewegung seit dem BA.2-Peak am 23.03.2022 geführt hat. Wir hoffen, das wiederholt sich an den nächsten Feieragen (26.05., Pfingstmontag) nicht. Umso interessanter ist es, dass die Todesfallzahlen tatsächlich mit einer Art Osterrabatt in die letzten Wochen zu gegangenen zu sein schein. Wir haben, als das erkennbar wurde, darüber gewitzelt, dass die Auferstandenen vermutlich abgezogen wurden, aber das Phänomen erklärt sich sehr wohl sachlich: Durch die abklingende Infektionstätigkeit in den Wochen zuvor, die mit einem Zeitversatz zu weniger Todesfällen geführt hat. Wenn es nun sehr exakt nach dem bisherigen Muster läuft, müsste noch einmal eine kleine Aufwärtsbewegung zu sehen sein, bevor es weiter nach unten geht. Wir hoffen selbstverständlich, dass dieser für uns immer noch wichtigste von allen Werten schneller sinkt als bisher, damit man wirklich von der Harmlosigkeit der Omikron-Wellen sprechen kann, ohne dabei rot zu werden. Heute wurden 156 Todesfälle gemeldet, das ist für einen normalen Samstag ein relativ niedriger Wert. Der Durchschnitt der letzten 7 Tage liegt bei ca. 185, vor Ostern erreichte er fast die Marke von 250.

Weltweit wurden heute ca. 589.000 Neuinfektionen gemeldet, die Zahlen sinken weiter, wenn auch aktuell recht langsam. Wenn man bedenkt, dass die Spitzenzahlen während der Omikron-Welle bei 3,5 Millionen Neuinfektionen pro Tag lagen, sind das dennoch gute Nachrichten. Noch mehr gilt das für die Todesfallzahlen, sie haben sich weltweit von über 15.000 pro Tag im Februar auf jetzt ca. 2.400 im Schnitt der letzten 7 Tage vermindert. 

Was wir nicht ändern können: Die Meldung, dass Deutschland der Corona-Problemfall Nr. 1 weltweit ist. Es weist die höchste Neuinfektionszahl im Wochenvergleich auf, sogar mit noch leicht steigender Tendenz (+ 5 Prozent), während sich die Zahlen weltweit um 12 Prozent ermäßigt haben, ähnlich sieht es bei den Todesfallzahlen aus: + 14 Prozent gegenüber -7 Prozent weltweit. Wer uns aufmerksam liest, dem geben wir vorsichtshalber den Hinweis, dass diese Zahlen auf einem Woche-zu-Woche-Vergleich fußen, die noch den Anstieg der gemeldeten Zahlen nach Ostern beinhalten, nicht, wie bei unseren Grafiken, nur auf dem aktuellen 7-Tage-Trend, der mittlerweile wieder rückläufige Zahlen zeigt. Hält er an, wird sich das aber auch auf den Woche-zu-Woche-Vergleich bald positiv auswirken. In den letzten 7 Tagen betrug der deutsche Anteil am Welt-Infektionsgeschehen 16,3 Prozent, bei einem Bevölkerungsanteil von 1,05 Prozent.

TH

Freitag, 29.04.2022 (hier zu 96/22 von gestern)

Von gestern auf heute verändert sich die Inzidenz in Deutschland von 826 auf 758, das ist ein Rückgang von 8,17 Prozent, nach einem ebenfalls deutlichen Rückgang von knapp 7 Prozent von vorgestern auf gestern. 

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen betrug gestern 101.610, der 7-Tage-Durchschnitt liegt beinahe auf der gleichen Höhe, bei 100.645 und das Wochenende mit traditionell niedrigeren Meldezahlen, die sonntags und montags ausgewiesen werden, liegt voraus. Damit ist nun auch wieder eine Prognose möglich. Es wird in den nächsten Tagen zumindest nicht zu wesentlichen Steigerungen der Fallzahlen und der Inzidenz kommen. Die Volatilität der erfassten Daten der letzten Tage lässt allerdings viel Spielraum für weitere Entwicklungen, wie der Trendkanal der Inzidengrafik zeigt, innerhalb dessen sich derzeit das Geschehen bewegt:

Die Grafik der Neuinfektionen zeigt indes vor allem, dass sich wieder ein positiver Trend bei den Neuinfektionen im 7-Tage-Trend eingestellt hat.

Ein starker Rückgang über die Osterfeiertage hinweg, dann eine Gegenbewegung, das war im Grunde zu erwarten. Wir konnten allerdings bisher nicht einschätzen, ob es nicht in Wirklichkeit schon wieder einen Aufwärtstrend gibt, etwa wegen der überwiegend nunmehr beendeten Corona-Maßnahmen, dies aber aufgrund von Erfassungslücken noch nicht sichtbar ist. Wir finden es übrigens sehr erfreulich, dass viele Menschen beim Einkaufen immer noch einen Mund-Nasen-Schutz tragen, meist in Form einer FFP2-Maske. Diese Feststellung zählt zu den positiven in einer Zeit, in der es nicht so viel Positives zu berichten gibt. 

Dass dem so ist, zeigt sich an Nachrichten, die nichts mit Corona zu tun haben, aber auch beim Thema selbst, wenn man etwas genauer hinschaut. Es gibt weiterhin Landkreise mit Inzidenzen von mehr als 2.000. 9 der 10 am meisten betroffenen Kommunen liegen derzeit in Niedersachsen, das auch insgesamt eines von nur noch zwei Bundesländern mit einer Inzidenz von über 1.000 ist. Während des bisherigen Pandemieverlaufs war dieses Land im Nordwesten sehr unauffällig, Schleswig-Holstein, das andere Land mit vierstelliger Inzidenz, zählte sogar immer wieder zu den Besten, in denen das Corona-Virus am wenigsten Abnehmer:innen oder Opfer fand, mit Landkreisen, die beinahe corona-frei waren, als andernorts die Intensivbetten knapp wurden.

Am besten steht jetzt nicht mehr Berlin da, hier verharrt die Inzidenz bei etwas über 500, heute sind es 525 Fälle innerhalb von 7 Tagen auf 100.000 Einwohner. Vielmehr steht Thüringen vorne, das schon zu Beginn der Omikron-Welle besonders gute Zahlen hatte (zwischenzeitlich aber auch sehr schlechte, bis hin zu einer negativen Spitzenreiterposition) mit einer Inzidenz von aktuell 473. Demnächst werden wir uns anschauen, wie die Bundesländer insgesamt bisher durch die Pandemie gekommen sind, denn die kurzfristigen Betrachtungen geben zu wenig Aufschluss darüber, wie sich die regionale Pandemie-Politik und wie sich das Verhalten der Bürger:innen, z. B. die Impfquote, ausgewirkt haben könnten. Unsere derzeitige Vermutung: Die sogenannten Querdenker:innen-Stammländer im Süden und Osten werden weiterhin vergleichsweise schlechte Zahlen über die gesamte Pandemiezeit hinweg zeigen.

Die politische Nachricht des Tages: Christian Drosten, den wir in unseren Reporten mehrfach gewürdigt haben, zuletzt, als er seine Podcast-Begleitung zur Pandemie eingestellt hatte, tritt nun auch aus dem Expertenrat zurück, der die Bundesregierung in Sachen Corona berät. Wolfgang Kubicki von der FDP hat diese Entscheidung offenbar angestoßen, Karl Lauterbach spricht von einem schweren Verlust. Hintergrund scheint die Kritik daran zu sein, dass diejenigen, welche die Corona-Maßnahmen mitentwickelt oder die Regierung beratend unterstützt hatten, nun die Evaulierung der Maßnahmen durchführen sollen. (Q)

TH

Donnerstag, 28.04.2022 (hier zu 95/22 von gestern)

Von gestern auf heute sank die Inzidenz in Deutschland von 887 auf 826, das sind fast 7 Prozent. Damit wäre gemäß der zweiten von zwei gestern aufgezeigten Interpretationslinien des aktuellen Geschehens der mittelfristige Abwärtstrend weiterhin intakt, aller erratischen Schwankungen der Tage seit Ostern zum Trotz. Wir haben diesen Trend zur besseren Orientierung heute in unsere Inidenz-Grafik eingezeichnet (braune Linie), der bisher deutlichste Abwärtstrend dieses Jahres, der sich aufgrund der Oster-Untererfassung an diesen Tagen noch verstärkt hatte, ist klar durchbrochen, die Inzidenz geht langsamer zurück als noch vor zwei Wochen (grüne Linie) und das wird sich wohl auch so fortsetzen. Die Rückkehr zum stärkeren Abwärtstrend würde in den nächsten Tagen bereits eine Inzidenz von weniger als 400 erfordern, das sehen wir nicht:

Weiterhin nicht ausgeschlossen: Dass die Zahlen wieder ansteigen. Es wird noch ein paar Tage mit weiter sinkenden Werten brauchen, bis man das für die nächsten Wochen einigermaßen sicher ausschließen kann.

Gestern wurden 130.104 Neuinfektionen gemeldet, 11.500 weniger als gestern und 56.000 weniger als vor einer Woche. Die normalerweise wichtige Vergleichszahl mit dem gleichen Wochentag der Vorwoche wird derzeit aber noch entwertet durch die Nacherfassungen, die in der vorherigen Woche das Bild mitbestimmten. Relevant ist wiederum, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Durchschnitt der vergangenen 7 Tage wieder sinkt, sie liegt jetzt bei ca. 110.000, das ist ein ähnlicher Wert in den Tagen vor Ostern.

Die gemeldete Zahl der Todesfälle betrug gestern 246 (vorgestern 343). Hier scheint es, als habe sich tatsächlich etwas wie ein Oster-Bonus eingestellt, denn der 7-Tage-Schnitt liegt um ca. 50 Fälle niedriger als zuvor. Allerdings müssen wir auch hier noch die nächsten Tage abwarten, um klären zu können, ob der lange erhoffte, bisher nie eingetretene Rückgang in diesem wichtigen Bereich nun endlich einsetzt. 

TH

Mittwoch, 27.02.2022 (hier zu 94/22 von gestern)

Von gestern auf heute sank die Deutschland-7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen um 22 Punkte, von 909 auf 887. Nachdem sie gestern von 790 auf 909 emporgeschnellt war. Die folgende Grafik weist aus, dass es seit dem Beginn der Omikron-Welle Ende 2021 noch nie solche erratischen Ausschläge gab wie in den letzten beiden Wochen. Bedingt teilweise durch eine erhöhte Untererfassung an den Osterfeiertagen, aber auch danach kommt das Geschehen nicht auf eine Weise zur Ruhe, die Aussagen über die Enticklung in den nächsten Tagen zuließe:

Nachdem wir gestern am Ende des Kurzreports mehr ins Allgemeine übergegangen sind und uns gefragt haben, wie es sein kann, dass ein einziges Land auf diesem Planeten es einfach nicht schafft, aus der Corona-Dauerschleife zu kommen, lassen wir derlei Betrachtungen heute weg, Sie können sie im obigen Link zu 94/22 und unterhalb dieses Textes nachlesen. Politisch gibt es in Sachen Pandemie auch nichts Neues, abgesehen davon, dass jetzt gegen diejenigen ermittelt wird, die unseren Gesundheitsminister Karl Lauterbach entführen wollten. Das haben wir so am Rande aufgeschnappt. 

Die Zahl der gestern gemeldeten Neuinfektionen beträgt 144.164 und wir setzen sie nicht in Bezug zum Wert eines anderen Tages, weil sowohl der Vergleich mit dem Wert vor einer Woche (Aufholung der Untererfassung über Ostern war noch im Gange) als auch zu gestern (generell nicht aussagekräftig) nichts zur Klärung der Lage beiträgt. Die durchschnittliche Neuinfektionszahl innerhalb der letzten 7 Tage betrug ca. 117.000 Fälle, ein Minus von etwas mehr als 8.000 Fällen gegenüber gestern. Diese beiden Werte wiederum liegen etwa auf dem Niveau, das zu Beginn der Osterfeiertage herrschte. Das bedeutet auch, dass der Rückgang, der sich in den Wochen zuvor ereignete, mittlerweile gestoppt ist. 

 

Man kann die Grafik selbstverständlich auch so lesen: Vom Peak der zweiten Omikron-Welle aus betrachtet, ist ein mittelfristiger Abwärtstrend noch intakt. Dieser Rückgang ist mittlerweile aber zu dürftig, als dass man zu dem Schluss kommen könnte, die Lage würde sich demnächst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entspannen. 

Auch die Zahl der gestern gemeldeten Todesfälle ist mit 343 zu hoch, als dass man ernsthaft behaupten könnte, die Situation sei im Griff. Das ist sie seit Monaten nicht und wie gleichgültig das nun hingenommen wird, ist kein gutes Zeichen. Nebenbei: Dass in der Ukraine Menschen in einem Krieg sterben, sollte nicht dazu führen, dass außergewöhnliche Todesfälle, etwa in der Folge einer Pandemie, die hierzulande einfach nicht weniger werden wollen, als etwas Normales angesehen werden. Deutschland hatte im Verlauf der letzten 7 Tage weltweit die dritthöchsten Todesfallzahlen und die höchste Zahl an Neuinfektionen zu verzeichnen. Aufgrund der „Osterdelle“ in der Woche zuvor war der Anstieg von 70 Prozent gegenüber den vorausgehenden 7 Tagen überproportional im Vergleich zu Ländern, die nicht diese Beinahe-Einstellung der Erfassungstätigkeit über die Osterzeit hinweg zu verzeichnen hatten.

Es ist gefährlich, wenn immer neue Krisenherde sich entzünden, während alte noch nicht gelöscht sind. Dies wird in Sachen Corona und den neuen Herausforderungen in Europa nicht bedacht, es wird aber zu Schäden führen, die wir noch gar nicht absehen können, weil es dazu noch keine Analyse zu geben scheint. Aber die Erschöpfungsphänome aufgrund des Dauerkrisenmodus nehmen zu und wieder einmal wird nicht genau hingeschaut, wird keine Strategie erarbeitet, wie man damit umgehen und welche Vision für einen besseren Umgang mit Krisen in der Zukunft man aus all dem, was sich zeigt, entwickeln könnte. 

TH

Dienstag, 26.04.2022 (hier zu 93/22 von vorgestern)

Es tut uns leid, aber das Corona-Geschehen in Deutschland kommt nicht zur Ruhe, deswegen gibt es auch weiterhin Reporte von uns. Die deutschlandweite Inzidenz stieg innerhalb eines Tages von 790 auf 909, das ist ein Plus von 14,96 Prozent. 

 

Erst am 23.04. hatten wir den bisher höchsten Anstieg seit dem Beginn unserer Erfassungstätigkeit (24.12.2021, im Hinblick auf die zu erwartende Omikron-Welle) mit über 12 Prozent gemeldet. Jetzt ist es amtlich: Der positive Trend der Zeit vor Ostern, der sich subjektiv durch eine erhebliche Untererfassung an Ostern verstärkt hat, ist durchbrochen. Die Zahl der heute vom RKI gemeldeten Neuinfektionen von 136.798 ist zwar nicht mit dem von letzter Woche vergleichbar, als die Untererfassung noch die Datenlage dominierte, aber die Rasanz des Wiederanstiegs und die erratische Gestaltung der neuesten Zahlen, also auch derjenigen nach der Oster-Abflachung, ist schon erstaunlich – und leider auch bedenklich. 6 von 16 Bundesländern weisen mittlerweile wieder 7-Tage-Inzidenzwerte von über 1.000 auf, die Todesfallzahl überschritt gestern erneut die Marke von 300 (exakt: 304). Noch frappierender ist aber der Weltvergleich: Es gibt auch Länder, in denen es gerade umgekehrt läuft, doch überwiegend ist ein weiterer Rückgang der Neuinfektionszahlen zu erkennen (gestern insgesamt vorläufig 383.000, davon mehr als ein Drittel in Deutschland).

Da die Weltzahlen, auch die Todesfallzahlen, weiter rückläufig sind, in Deutschland jedoch eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist, erhöht sich unweigerlich auch der Anteil des Landes am Weltgeschehen. Der hiesige Anteil am Welt-Infektionsgeschehen liegt innerhalb der letzten 7 Tage bei 16,89 Prozent. Das ist mehr, als wir je zuvor gemessen haben und leider folgerichtig, denn weltweit gehen die Infektions- und Todesfallzahlen nun einmal zurück und in Deutschland steigen sie.

Was ist los mit diesem Land, das nicht aus der Corona-Schleife herauskommt? Eine so durchgängig hohe Zahl von Neuinfektionen über die letzten Monate hinweg gab es in keinem anderen größeren Land. In der Folge verschlechtert sich auch die langfristige Performance Deutschlands immer weiter, verglichen mit anderen Ländern – auch mit solchen, die zu Beginn der Pandemie als horrible Hotspots galten. Weder die Quote der Ungeimpften noch die Aufhebung der Maßnahmen können allein dafür verantwortlich sein, dass in Deutschland keine Entspannung zu erkennen ist. Viele andere Länder weisen ähnliche Impfquoten auf, haben die Maßnahmen sogar früher zurückgefahren, als das bei uns der Fall war und trotzdem schneiden sie derzeit wesentlich besser ab. Eine Erklärung könnte sein, dass die relativ starken Maßnahmen, die bei uns zunächst aus der Deltawelle übernommen wurden, die Ausbreitung der Omikron-Varianten verzögert hat, sodass wir jetzt noch das aushalten müssen, was andere schon lange hinter sich haben.

Das würde aber dafür sprechen, dass die Idee der großen Freiheit richtig war und man bei uns sozusagen eine Art von Angst-Vorsorge-Prokrastination eingerichtet hat. Eine weitere Erklärung: Dass die Daten, die aus anderen Ländern gemeldet werden, noch schlechter im Sinne einer Untererfassung sind als hierzulande, weil es politisch nicht mehr durchhaltbar wäre, wenn das Infektionsgeschehen partout nicht abklingen würde. 

Aufgrund der stark schwanken Werte der letzten Tage können wir keine Aussage darüber treffen, ob die Zahl der Neuinfektionsmeldungen in den nächsten Tagen eher steigen oder abnehmen werden. Bezüglich der tatsächlichen Corona-Bilanz muss man abwarten, wie Long Covid und die Übersterblichkeit sich in Ländern ausnehmen, die bei der Pandemiebekämpfung andere Strategien als Deutschland verfolgt haben. Von Zero Covid bis Zero Humanity war alles dabei, aber nur bei uns konnte man wieder alles auf einmal betrachten. Heraus kam ein ziemliches oder ziemlicher Wirrwar, der oder das dem Virus wohl gesagt hat, hier hat man Spaß, hier ist immer was geboten, viel Theater, großes Politik- und Querdenker:innen-Kino, zur Satire reizende Konfusion allerorten. Hier bleib ich, denn im Chaos fühl ich mich wohl. Vielleicht bleib ich für immer. Schließlich braucht auch ein Virus, das aus den Regionen seines Entstehens konsequent vertrieben wird, eine neue Heimat.

Wir haben nun mal eine sehr freundliche Ansiedlungspolitik, das zumindest kann niemand bestreiten. Und genau deshalb ist hier auch immer so viel los. Bitte nehmen Sie die vorstehenden Sätze als Ausdruck von Ironie, vielleicht auch Sarkasmus, selbstverständlich lässt sich ein Virus nicht mit Menschen gleichsetzen. Aber die Unfähigkeit, das Gute zu sehen, zu fördern und Chancen zu nutzen bei gleichzeitiger Blindheit, mit neuen Entwicklungen verbundene Gefahren konsequent zu erkennen, zu benennen und sogar zu bekämpfen, die ist bei uns schon sehr ausgeprägt. In dieser Sache ist die Begründung auch etwas einfacher: Die Traumen des 20. Jahrhunderts sind schuld. Mit denen sollte man sich mal ernsthaft und, da der Begriff so schön in die aktuelle Weltlage passt, auf breiter Front auseinandersetzen. Freilich kämen dann viele unangenehme Fragen auf, Probleme auf den Tisch, die wir, die unsere Generationen stellvertretend für frühere lösen müssten, die nicht den Mut hatten, sich dieser Aufgabe zu stellen, aber die Zeit lässt sich eben nicht zurückdrehen.

Auch nicht die Zeit, die damit vergeudet wird, dass hier ein beispielloses Kasperltheater bei wirklich jedem neuen Thema inszeniert wird, anstatt dass man zunächst ergebnisoffen und ohne ideologische Scheuklappen analysiert, dann tatkräftig gegen negative Entwicklungen steuert. Anderswo ist nicht alles besser, aber hier gibt es mittlerweile unzählige Tabus und fragwürdige Narrative, die eine realistische Betrachtung, noch mehr eine realistische Einlassung, verunmöglichen. Auch diese Mischung aus vorgetäuschter Fragilität und echter Rigidität am falschen Platz, einhergehend mit Kommunikationsstörungen aller Art, die bewusst inszeniert oder gedankenlos adaptiert werden, ist eine Nachwirkung der Orientierungsprobleme, die sich aus der besonderen Geschichte dieses Landes ergeben haben und weite Teile seiner Bevölkerung unfähig machen, Krisen mit Anstand und Vertrauen in sich und andere zu bewältigen.

Etwas mehr Generelles musste heute mal wieder sein, denn es nervt einfach nur noch, dass die Pandemielage nicht in den Griff kommt und es führt unweigerlich zu Gedanken darüber, warum das gerade in Deutschland so ist. Aber vielleicht haben wir morgen zum Ausgleich einen Inzidenzrückgang von 15 Prozent und alles ist wieder … ja, was? Nicht ganz so blöd? Die drängenden Fragen an unsere Zukunftsfähigkeit bleiben und dass wir nicht einmal Corona loswerden können, lässt bezüglich deren Beantwortung nicht viel Gutes erwarten.

TH

Sonntag, 24.04.2022 (hier zu 92/22 von gestern)

Heute fassen wir uns wieder sehr kurz. Es sieht im Moment aus, als sei der „Normalrhythmus“ bei der Erfassung von Neuinfektionen wieder erreicht, sodass wir nach den erratischen Zahlen der letzten Tage wieder eher eine Aussage darüber treffen können, wie sich das Geschehen der nächsten Tage entwickeln könnte.

Die Inzidenz ging deutschlandweit von gestern 822 auf 807 zurück, die Nacherfassungswelle ist vermutlich jetzt abgeschlossen. 

Berlin hat weiterhin die niedrigste Inzidenz, jetzt liegt sie bei 404, allerdings zeigen drei Bundesländer wieder einen Wert von über 1.000, das war kürzlich nicht mehr der Fall: Schleswig-Holstein (1.159), Niedersachsen (1.122), Bremen (1.053) und das Saarland (1.008). Vor allem die Zahlen in den anderen Stadtstaaten sind erstaunlich hoch, eine Zeitlang liefen sie mit denen in Berlin fast parallel, auch Hamburg zeigt aktuell einen Wert von 909. 

Die heute gemeldeten Todesfälle belaufen sich auf 24, wie immer an Wochenenden eine vergleichsweise niedrige Zahl. Die weltweiten Neuinfektionen sinken weiterhin leicht, heute wurden ca. 544.000 Fälle gemeldet. Vor allem die Zahl der Todesfälle weltweit ist ermutigt. Mit weniger als 2.500 pro Tag im gleitenden 7-Tage-Durchschnitt liegt sie aktuell so niedrig wie seit dem Ansteigen der ersten Welle nicht mehr. Die aktuelle Zahl von ca. 2.490 wurde letztmals am 26. März 2020 unterschritten, am Tag darauf erreichte sie bereits ein Niveau von über 2.500.

25 Monate ist das nun her. In Deutschland wurde gerade der erste Lockdown eingeführt, die Welt war für kurze Zeit beinahe still. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen, in der Corona die Welt verändert hat. Was wird davon in unserem kollektiven Gedächtnis bleiben? Für uns ist es, dass wir nicht krisenfest sind, beispielsweise, und es zu sehr dem  Zufall überlassen blieb, ob wir gut durch diese Zeit kommen und der individuellen Einstellung. Die ist nicht bei allen Menschen sachdienlich und so kam es, dass wir ziemlich geholpert und gestolpert sind und Corona ideologische Grundlinien gut sichtbar gemacht hat.

Darf die Freiheit des Einzelnen zulasten aller gehen und wie sehr. Das ist so eine Grundlinie. Die politischen Lager waren dabei teilweise gespalten, der neue Riss geht quer durch die Gesellschaft, jener Corona-Riss.

Wir glauben aber nicht, dass in zehn Jahren noch Menschen, die einander neu kennenlernen, einander als erstes fragen: „Hast du dich damals impfen lassen?“ und jemanden an seiner Antwort bemessen. Es wird längst andere Herausforderungen geben mit anderen Frontlinien. Die erste davon sehen wir schon, mit dem Russland-Ukraine-Krieg.

Haben Sie auch, wie wir, den Eindruck, dass es eine vergleichsweise große Teilmenge von Menschen gibt, die sowohl bei der Pandemiebekämpfung als auch bei diesem Thema keine solidarische und menschenfreundliche Einstellung finden? Zahlen dazu haben wir freilich nicht, es wirkt aber so, wirkt auch deshalb so, weil es wohl immer dieselben Querschläger, Querdenker und Menschenfeinde sind, die sich besonders hervortun, als sei ihre Einstellung etwas zum besonders offensiv Herzeigen und nicht etwa ein Grund zum Schämen.

Das ist es aber und wenn man sich weiter für andere Menschen einsetzen will, muss man angesichts der Erkenntnisse dieser Tage mit der Idee „und trotzdem!“ herangehen. Dass Menschen enttäuschend sind, ist nicht neu, aber es wäre ja möglich gewesen, dass sich in den letzten Jahren ein bisschen was zum Positiven verändert hat. Leider ist das nicht der Fall, also bleibt das „trotzdem“ elementar für jede Form von Solidarität.

TH

Samstag, 23.04.2022 (hier zu 91/22 von gestern)

Von gestern auf heute kam es zum prozentual stärksten Inzidenzanstieg dieses Jahres, und das auf einem, langfristig betrachtet, keineswegs niedrigen Ausgangsniveau. Auch in den vorausgehenden Tagen war die Inzidenz bereits gestiegen, aber heute hat sie geradezu einen Sprung gemacht. Die zugehörige Grafik weist das deutlich aus.

Während des steilen Anstiegs der ersten Omikron-Welle (W 5) im Januar kam es zu ähnlich hohen Anstiegen zwischen 10 und 11 Prozent pro Tag, aber seit dem Beginn unserer Erfassung noch nicht zu einem solchen wie von gestern auf heute, um 12,71 Prozent. Jetzt wird es schwierig werden, in dem Abwärtskanal zu verbleiben, der sich in den letzten Wochen ergeben hat.

Der 7-Tage-Trend der Inzidenz nähert sich von unten der Nulllinie und könnte sie in den nächsten Tagen erstmals in diesem Monat übersteigen, was auch im aussagekräftigeren Wochenvergleich eine steigende Inzidenz bedeuten würde. Eine Prognose lässt sich aus dem erratischen Geschehen der letzten Tage aber nicht mehr erstellen. Wir behalten außerdem im Hinterkopf, dass das RKI ab Karfreitag und bis vorgestern dem Besuch seines Dashboards eine Warnung vorangestellt hatte, die aus der Politik heraus präzisiert wurde: Die erfassten Zahlen spiegeln möglicherweise nur die Hälfte der tatsächlichen Neuinfektionen.

Die Zahl der Neuinfektionen lag gestern bei ca. 135.000. Die Grafik dazu sieht zwar etwas ruhiger aus als diejenige der Inzidenz in den letzten Tagen, aber die Kehrtwende ist deutlich sichtbar: Im 7-Tage-Durchchnitt haben wir jetzt wieder mehr als 100.000 Neuinfektionen zu verzeichnen:

Wenn man die Trendlinie nicht allzu eng anlegt, kann man auch hier noch von einer intakten positiven Entwicklung über die letzten Wochen hinweg sprechen, aber die Oster-Nacherfassung der letzten Tage dürfte per se nicht dazu führen, dass der Trend sich so deutlich umkehrt, wie er das z. B. von gestern auf heute getan hat. Zum Ausgleich wurden heute nur 5 Todesfälle an / mit Corona gemeldet, das ist der niedrigste Wert seit dem Beginn unserer Erfassung dieser Zahl am 24.12.2021. 

Wie problematisch die deutschen Zahlen in Wahrheit sind, zeigt, wie immer, der Weltvergleich. Mittlerweile hat Deutschland innerhalb der letzten sieben Tagen die höchsten Fallzahlen überhaupt; auch deshalb, weil die südkoreanischen, die mehrere Wochen lang höher lagen, stärker gesunken sind. Weltweit sank die Zahl der Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen um 23 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 7 Tage zuvor, in Deutschland hingegen nur um 21, auf diesem ohnehin auffällig hohen Niveau. Langsam wundert es uns, dass dieses besonders schlechte Abschneiden Deutschlands nicht stärker thematisiert wird und immer nur die landesinterne Betrachtungsweise vorherrscht. Für die Politik sicher gut, denn die Frage, warum wir hier so viel stärker betroffen sind als vergleichbare Länder, und das seit Monaten, steht im Raum und hat Glück, dass sie sich knapp hinter dem Teller verstecken kann, über dessen Rand hierzulande allzu selten hinausgeblickt wird. 

Wir waren heute auch draußen ohne Maske auf einem Markt, beim Einkaufen im Laden behalten wir sie aber weiterhin auf. So, wie die Mehrzahl der Menschen es an den jeweiligen Orten derzeit macht. Aber es macht irgendwie gerade keinen Spaß, in dem Land zu leben, in dem es einfach mit den sinkenden Corona-Zahlen nicht richtig vorangeht, während woanders das Wort „normal“ wenigstens eine Berechtigung hat. Sollen wir mehr oder weniger machen, um die Infektionszahlen endlich in den Griff zu bekommen? Sollen wir also sagen, was soll der Quatsch, bringt doch eh nix? Dazu leiten wir eine Frage von Civey an Sie weiter:

Sollte die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln Ihrer Meinung nach abgeschafft werden?

Wir haben für „eindeutig nein“ gestimmt, ebenso, wie wir das bezüglich einer Maskenpflicht im Einzelhandeln tun würden, wenn es sie denn noch gäbe. Die Freiwilligkeit klappt dort einigermaßen, aber im ÖPNV hatte es auch sehr lange gedauert, bis die Pflicht einigermaßen vollständig beherzigt wurde, als sie im Frühjahr 2020 erstmals kam.  Richtiggehend verwundert hat uns, dass derzeit fast 55 Prozent der Abstimmenden es genau sehen wie wir, nämlich so, dass die Maskenpflicht in den Öffis unbedingt fortgesetzt werden soll. Der Begleittext von Civey:

In Deutschland ist das Maskentragen seit Anfang April nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und medizinischen Einrichtungen verpflichtend. Angesichts der gescheiterten Corona-Impfpflicht sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach jüngst in einer Pressekonferenz, dass es „keinen Spielraum” für weitere Lockerungen gebe. Er gehe vielmehr davon aus, dass es im Herbst zu einer Wiedereinführung der Maskenpflicht in vielen Bereichen kommt.

In den USA muss man in öffentlichen Verkehrsmitteln vorerst keine Masken mehr tragen. Eine Bundesrichterin in Florida hat am Montag die landesweite Corona-Maßnahme für ungültig erklärt. Der Richterin nach habe die nationale Gesundheitsbehörde CDC mit der entsprechenden Verfügung ihre Befugnisse überschritten. Die CDC empfiehlt dennoch weiterhin für die eigene Gesundheit eine Maske im ÖPNV zu tragen.

Die US-Regierung reichte daraufhin einen Beschwerdebescheid ein. Sie hatte die Pflicht gerade erst wegen steigender Infektionszahlen bis Anfang Mai verlängert. Laut DW gab es in den USA zuletzt vermehrt Widerstand gegen die Maßnahme. Indes haben andere Länder wie Spanien und Israel ihre Maskenpflicht-Regeln gelockert. Hierzulande fordert die AfD schon länger die vollständige Abschaffung der Maskenpflicht.

Hier noch einmal die Frage:

Sollte die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln Ihrer Meinung nach abgeschafft werden?

Eine weitere Umfrage hatte sich interessanterweise mit der Impfpflicht ab 60 befasst, als der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung im Parlament bereits gescheitert war, auch hier gab es über 40 Prozent eindeutige Ja-Stimmen. Wir haben uns allerdings unentschieden gestellt, weil wir dieses Altersselektionsmodell für keine schlaue Idee hielten, von Beginn an nicht, als es noch „ab 50“ hieß, und auch nicht, als es mit einer Anhebung um zehn Lebensjahr  immer mehr in den Vordergrund rückte, nachdem klar wurde, dass innerhalb der Bundesregierung die vollständige Impfpflicht ab 18 nicht durchzusetzen sein würde. Sie könne noch abstimmen und der Politik nachträglich einen Tadel mitgeben. Lesen Sie dazu vielleicht erst noch den Begleittext von Civey, denn man vergisst im Weltentrubel ja so schnell, um was es eigentlich ging:

Monatelang diskutierten Regierung und Opposition über eine mögliche Corona-Impfpflicht. Nachdem man sich schließlich auf einen Antrag geeinigt hatte, der eine Impfpflicht ab 60 Jahren vorsieht, erhielt diese am Donnerstag bei der Abstimmung im Bundestag keine Mehrheit. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Befürworter der Impfpflicht ab 18, erklärte danach, dass er keine Möglichkeit eines weiteren Anlaufs sehe.

Die Impfpflicht scheiterte unter anderem an mangelnder Einigkeit innerhalb der Regierung. Während Grüne und SPD für eine Impfpflicht ab 18 warben, sprachen sich Teile der FDP gegen eine Impfpflicht aus, andere für eine Impfpflicht ab 50. Die Union wiederum wollte eine Pflicht von der Lage im Herbst und der Einführung eines Impfregisters abhängig machen. Indes lehnt die AfD eine Impfpflicht gänzlich ab.

Einige Abgeordnete hielten die Impfpflicht aufgrund der milden Omikron-Variante für unnötig. Dem entgegnete Gesundheitsminister Karl Lauterbach, dass die Welle nur deshalb mild verlaufe, weil die Mehrheit geimpft sei. Deshalb wolle er sich weiter für die Impfpflicht einsetzen, um im Herbst unnötige Todesopfer zu verhindern. Ohne die Impfpflicht werde man in der kälteren Jahreszeit wieder strengere Maßnahmen brauchen.

Hier zur Umfrage:

Würden Sie eine allgemeine Corona-Impfpflicht ab 60 Jahren befürworten?

Mehr ist heute nicht zu schreiben, zumal es keine schönen Corona-Aufreger gibt, der steigenden Inzidenz zum Trotz. Vielleicht soll es am Wochenende auch mal so sein. Wann wird es wieder richtig Sommer? Sommer, wie er früher einmal war? Die Älteren werden sich noch erinnern: damals war Corona noch nicht da.

TH

Freitag, 22.04.2022 (hier zu 90/22 von gestern)

Solange die Inzidenz noch steigt, gibt es von uns jeden Tag einen Corona-Kurzreport, aber wir hoffen, das wird sich in den nächsten Tagen wieder ändern. Von gestern auf heute stieg sie um wenige Punkte an und beträgt aktuell 733,4 (gestern 720,6). Die nachfolgende Grafik zeigt deutlich, dass nach dem Wieder-Einpendeln in die üblichen Schwankungsbreiten bei „Normalerfassung“ der Abwärtstrend weiterhin gewahrt ist.

Damit das so bleibt, sollte die Inzidenz in den nächsten Tagen allerdings wieder sinken. Am niedrigsten ist sie weiterhin in Berlin (344), am höchsten jetzt in Schleswig-Holstein (982), kein Bundesland weist mehr als 1.000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen aus. 

In Deutschland wurden ca. 161.000 Neuinfektionen gemeldet, weltweit 805.000. Damit hält Deutschland nach wie vor einen sehr hohen Anteil von 13,7 Prozent auf Wochenbasis, der Rückgang betrug gegenüber dem 7-Tage-Zeitraum zuvor weltweit 28 Prozent, in Deutschland 30 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Todesfallzahlen: weltweit – 23 Prozent, in Deutschland – 24 Prozent. So zäh wie in diesem Land hält sich nirgends sonst die aktuelle Welle und die Frage, was dahintersteckt, sollte endlich gestellt, anstatt nur davon zu reden, dass diese Zahlen gar nur 50 Prozent des tatsächlichen Geschehens spiegeln könnten. Stellen wir uns vor, es kommt nun auf Basis der ohnehin viel zu hohen Zahlen zu einer „Killvariante“? Ist die Warnung davor berechtigt, angesichts der Tatsache, dass schon Omikron nicht in den Griff zu bekommen ist; auch heute beträgt die Zahl der in Deutschland gemeldeten Todesfälle wieder 289. Oder ist es mittlerweile wurscht, weil sowieso klar ist, dass genau die  Fehler wiederholt werden, welche die Politik schon in den vorausgegangenen Wellen gemacht hat? Und weil es sowieso keine Impfpflicht geben wird und man ganz sicher nicht die Wirtschaft herunterfahren wird, egal, was passiert?

Wie bewerten Sie Gesundheitsminister Karl Lauterbachs Warnung vor möglichen „Killervarianten” des Coronavirus?

Hier der Begleittext von Civey zur Umfrage:

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte am Sonntag vor besorgniserregenden Omikron-Untervarianten, die sich gerade entwickeln würden. Er sprach von einer „absoluten Killervariante”, sollte eine Variante ähnlich ansteckend wie Omikron und tödlich wie Delta verlaufen. Angesichts der gescheiterten Impfpflicht blickt er daher besorgt auf den Herbst. Auch deshalb schließt er derzeit weitere Lockerungen aus.

Die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit kritiseren Lauterbachs Wortwahl als „unwissenschaftlich.“ Schmidt-Chanasit sagte im NDR, dass er aufgrund der Grundimmunisierung der Bevölkerung derzeit keine Gefahr für eine derartige Entwicklung sieht. Streeck forderte in der Bild, sich nun intensiv auf den Winter vorzubereiten, anstatt vor unvorhersehbaren Mutationen zu warnen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang April die Varianten BA.4 und BA.5 in ihrer Liste „besorgniserregender” Omikron-Varianten aufgenommen. Entdeckt wurden sie in Botswana und Südafrika. Zudem wurden sie laut DW in Belgien, Dänemark, Deutschland und in Großbritannien gefunden. Die WHO untersucht derzeit, wie infektiös sie sind. Bis dahin gäbe es keinen Grund zur Sorge.

Wir hatten bisher gedacht, es gibt erst dann in einer Sache keinen Grund zur Sorge, wenn nachgewiesen ist, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Insbesondere, wenn aus nach der Einstufung „besorgniserregend“ analysiert wird. Aber seit Corona ist wirklich alles anders, das merkt man jeden Tag. Wir haben mit „weiß nicht“ abgestimmt, weil wir wirklich nicht wissen, ob Karl Lauterbachs Warnung vor der „Killervariante“ nur den Abnutzungseffekt weiter fördern oder ob man sich wieder fürs Homeoffice rüsten muss, das wir gerade schrittweise zurückfahren (gegenwärtig 2/3 Präsenz, 1/3 Ho). Wir merken uns, dass BA.3 unerkannt an uns vorüberging und wir schon bei BA.5 angelangt sind. Dieses Omikron scheint dabei aber langsam müde zu werden, wie die Weltzahlen belegen. Nun soll Karl Lauterbach mal die Füße und Hände still halten, nachdem es mit der Impfpflicht nicht geklappt hat, und nicht in seinem Labor versuchen, eine Variante aus Delta und Omikron zu mixen, nur, um nach längerer Zeit wieder einmal recht zu behalten, denn vorbei ist vorbei.

TH

Donnerstag, 21.04.2022 (hier zu 89/22 von vorgestern)

Der auch von uns erwartete Nachholeffekt bei den Neuinfektionsmeldungen ist in vollem Gange. Nach gestern 198.000 wurden auch heute vom RKI wieder 186.325 Fälle ausgewiesen.

Aktuell ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zum Vortag erneut gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Donnerstagmorgen mit 720,6 an. Da einige Bundesländer an Feiertagen keine oder nur wenige Infektionen melden, kann es in den darauf folgenden Tagen eine erhebliche Zahl an Nachmeldungen geben. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 688,3 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1.015,7 (Vormonat: 1.714,2). (Q)

Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass nach Ostern ein Nachholeffekt entstanden ist, der zusammen mit der „Osterruhe“ zu erratischen Zuckungen der Tages-Veränderungslinie auf unserer Grafik führt. Auch der Rückkehr zu roten Balken (steigende Inzidenz) ist auf dem jetzigen Niveau erst einmal nicht das Problem, denn der Abwärtstrend der letzten Wochen bleibt vorerst intakt.

Vielmehr liegt offebar eine Unterfassung in einem Ausmaß vor, die uns  doch wieder überrascht hat. Wir hatten bisher Aussagen gespeichert, die im Januar oder Februar getätigt wurden. In ihnen war von etwa einem Drittel Untererfassung ausgegangen worden. Nun heißt es, „das Doppelte“ (RKI) oder, lauterbachgemäß, „mehr als das Doppelte“, von Karl Lauterbach natürlich, betrüge das reale Infektionsgeschehen gegenüber den Meldungen.

Experten führen die hohe Dunkelziffer unter anderem darauf zurück, dass viele Gesundheitsämter überlastet sind und längst nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik. (Q)

Tatsächlich hätten wir gegenwärtig also fast 400.000 Fälle täglich? Das würde auch erklären, warum die Todesfallzahlen nicht sinken: Heute waren es wieder 324. Allerdings gibt es hier den „Nachholeffekt“ nicht in dem Maße wie bei den Neuinfektionen – der an Ostern erreichte Trend abwärts hat sich zwar gekehrt, aber auf deutlich niedrigerem Niveau als vor den Feiertagen. Die Zahl der täglichen Todesfälle hat sich im 7-Tage-Trend fast halbiert, von ca. 245 auf ca. 125, gegenwärtig liegt er bei ca. 130. Für uns ist diese plötzliche Entwicklung die am wenigsten nachvollziehbare Kernzahl des Corona-Geschehens. An Ostern erstehen aber bekanntlich auch Menschen wieder auf. Vielleiht hat man diese gegengerechnet.

Nach längerer Zeit zeigen wir auch diese Grafik wieder einmal. Die waagerechte blaue Linie dient der Orientierung darüber, wann der 7-Tage-Trend während der Omikron-Welle seinen Höhepunkt erreichte.

Damit die Zahlen noch weniger verlässlich Anhalt über das Geschehen geben, hat die Union nun vorgeschlagen, dass im Sommer nur noch eine wöchentliche Meldung stattfinden soll. Die Untererfassung wird dadurch natürlich nicht beseitigt, denn es ist letztlich egal, ob die Gesundheitsämter die zu wenigen Infektionen einmal pro Tag oder einmal pro Woche melden. Die Meldungen sind es ja wohl nicht, die den großen Aufwand verursachen, sondern die Registrierung und die Zusammenführung der Zahlen von verschiedenen Teststellen. Erfassen müssen die Gesundheitsämter aber alle Fälle weiterhin, deren sie habhaft werden können, sonst entsteht ein noch schieferes Bild. Aber Politik ist Politik, da machst du nichts dran (Q wie vor). Außerdem:

Schon heute ist es so, dass einzelne Bundesländer nicht an jedem Wochentag Daten melden, am Wochenende zum Beispiel Baden-Württemberg, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen nicht oder nicht vollständig. Das wiederum führt zu Nachmeldungen an Folgetagen. Ein Vergleich von Tageswerten wird damit zunehmend schwierig. (Q wie vor).

Wir bleiben trotzdem bei unseren bisheriger Veröffentlichungen von RKI-Daten, solange das RKI sie wie bisher anbietet. Es ist mit den Corona-Zahlen wie mit den Menschen. Man muss sie nehmen, wie sie sind, es gibt keine anderen. Diese Weisheit stammt auch von jemandem aus der Union. 

TH

Dienstag, 19.04.2022 (hier zu 88/22 vom 15.04.)

Was am letzten Freitag galt, ist weiterhin aktuell: Das RKI schreibt, bei den aktuellen Fallzahlen ist eine Untererfassung möglich, der Feiertage wegen. Wir erinnern uns, dass generell von einer Untererfassung ausgegangen wird, also handelt es sich derzeit um eine besonders hohe Untererfassungsrate.

Trotzdem wollen wir das Ostergeschenk der purzelnden Inzidenz und der stark rückläufigen Fallzahlen nicht als Non-Event abtun und warten, bis die Nacherfassung vollständig ist. Erstens wissen wir nicht, wann das genau der Fall sein wird, zum anderen würden wir uns natürlich freuen, wenn sich der Abwärtstrend der letzten Tage verfestigen würde. 

  • Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ist von Freitag auf heute von 1001 auf 669 zurückgegangen, allein von gestern auf heute um mehr als 17 Prozent. Wir mussten dafür die rechte Y-Achse unserer Grafik ändern, denn einen so starken Tagesrückgang hat es seit dem Beginn unserer tagesaktuellen Erfassungstätigkeit (Jahreswechsel 2021/2022) noch nie gegeben.
  • Nicht viel geändert hat sich beim Bundesländer-Ranking. Nach wie vor ist Berlin das Bundesland mit der niedrigsten Inzidenz (jetzt 357), das Saarland dasjenige mit der höchsten (987).

  • Auch die Neuinfektionen bleiben niedrig, gestern waren es etwas mehr als 20.000 gemeldete Fälle, heute sind es etwas mehr als 22.000. In der Grafik dazu, die wir heute wieder einmal nach längerer Zeit veröffentlichen, sieht man aber auch deutlich den Feiertagseffekt. Normalerweise sind pro Woche zwei Tage mit niedrigen Meldezahlen üblich (Sonntag und Montag), jetzt sind es aufgrund der Feiertage am Freitag und gestern vier (Samstag bis Dienstag). Erst morgen werden wir also einen Anhalt bekommen, wie es wirklich um das Infektionsgeschehen bestellt ist. Außerdem zeigt diese Grafik auch, dass die Infektionszahlen im 7-Tage-Trend immer noch mehr als dreimal so hoch sind wie zum Jahreswechsel, der auch den Eintritt der Omikron-Welle markiert.

  • Einen Hinweis geben auch die Weltzahlen, die ebenfalls in den letzten Tagen stärker rückläufig sind, als das unter „normalen“ Umständen wohl der Fall gewesen wäre. Die meisten Hochinzidenzländer haben nun einmal die christlichen Osterfeiertage, auch wenn die Untererfassung nicht überall so hoch sein dürfte wie in Deutschland (das ist sie in anderen Ländern auch an Standard-Wochenenden nicht, gleichwohl ist sie bemerkbar, denn die globalen Fallzahlen liegen an diesen Tagen regelmäßig etwa ein Drittel unter dem Wochenschnitt). Gestern wurden weltweit nur noch 315.000 Neuinfektionen gemeldet, das ist die mit Abstand niedrigste Zahl seit dem Beginn unserer tagesaktuellen Erfassung (24.12.2021) und etwa die gleiche Zahl, die Deutschland alleine auf dem Peak der BA.2-Welle verzeichnete.
  • Wir freuen uns natürlich auch über die sehr niedrigen Todesfallzahlen. Heute zeigt das RKI 7 neue Verstorbene an und mit Corona, die niedrigste Zahl seit den Weihnachtsfeiertagen. Wir hoffen, das Pendel schlägt nicht in den nächsten Tagen wieder in die andere Richtung aus. Aktuell haben wir den niedrigsten 7-Tage-Trendwert seit Beginn unserer Erfassung, mit durchschnittlich ca. 130 Fällen pro Tag, kürzlich waren es noch ca. 240. 
  • Gleichwohl warnt Karl Lauterbach vor einer „Killervariante“ des Corona-Virus, die eine Ansteckungsgrate wie Omikron und eine Todesfallrate wie Delta mit sich bringen könnte. Ganz neu ist diese Idee nicht, sie wurde in den letzten Monaten schon einmal diskutiert. Fachleute halten dagegen und verweisen u. a. auf die höhere Immunisierung, die mittlerweile erreicht ist (Q). Wir fügen bei: Es kann, muss aber nicht zu einer solchen Variante kommen. Es nützt jetzt nicht viel, darauf zu spekulieren. Eher hätte man dafür sorgen müssen, dass eine Impfpflicht auf Abruf in Kraft treten kann, wenn es tatsächlich zu dramatischen Entwicklungen kommen sollte. Diese Möglichkeit gibt es aber nun nicht und wir werden, höhere Immunisierung hin oder her, in die nächste Welle hineinstolpern wie in die vorherigen. Vor allem, wenn die Immunisierung der Bevölkerung bis dahin allgemein nachgelassen haben sollte.
  • Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die bisherige Immunisierung aus überstandener Infektion oder / und Impfung nicht gegen diese Lauterbach-Horrorvariante wirksam sein muss. Wir schlagen vor, falls diese wirklich kommt, sollte sie Covid Karli benannt werden, damit endlich mal jemand geehrt wird, der alles vorhergesagt hat, bloß nicht, dass die Regierung, welcher er angehört, nicht in der Lage ist, eine Reserve-Impfpflicht auf den Weg zu bringen. Wir machen auch ohne Impfpflicht wieder mit, vorausgesetzt, der zu verabreichende Impfstoff ist an die zum relevanten Zeitpunkt herrschende Variante angepasst. 

TH

Freitag, 15.04.2022 (hier zu 87/22 von vorgestern)

„Bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen ist zu beachten, dass es aufgrund der Feiertage und Ferien und der damit verbundenen geringeren Test-, Melde- und Übermittlungsaktivität kurzfristig zu einer erhöhten Untererfassung der Fälle im Meldesystem kommen kann“, schreibt das RKI auf seiner Corona-Hauptseite. 

Die Neuinfektionszahlen von heute sind aber noch nicht von den Feiertagen beeinflusst, weil sie sich auf gestrige Meldungen beziehen und diese Meldungen sind durchaus nicht befriedigend. Die Dynamik des Inzidenzrückgangs hat deutlich nachgelassen, das weist unsere Grafik aus:

Der Rückgang (7-Tage-Trend) hat sich mittlerweile von ca. 4 auf ca. 2 Prozent halbiert, vor vier Tagen kam es sogar zu einem leichten Inzidenzanstieg. Wir hatten gehofft, dass wir heute eine Inzidenz von weniger als 1.000 melden können, erstmals seit dem 26.01.2022, aber sie verharrt bei 1001,5 (gestern 1015,7). Die Neuinfektionen gingen im Vergleich zum 07.04. um ca. 16.000 zurück, das ist nicht mehr allzu viel. 

Dies alles auf einer enorm hohen Basis, denn Deutschland hat immer noch die zweithöchste Zahl an Neuinfektionen nach Südkorea, das ist seit Wochen so. Die Neuinfektionen in Deutschland gingen im Wochenvergleich um 20 Prozent zurück, um den gleichen Wert auch die weltweiten Neuinfektionen, die im 7-Tage-Trend nun unter 1 Million pro Tag liegen. Die Infektionswerte müssten in Deutschland aber wesentlich stärker sinken, damit die „Überrate“ ebenfalls nachlässt. Ein Land, dessen Anteil an den globalen Neuinfektionen 14,3 Prozent beträgt, das seit vielen Wochen konstant eine Quote in dieser Höhe ausweist, aber nur 1,05 Prozent der Weltbevölkerung beherbergt, ist eine Niete in Sachen Pandemiebekämpfung, darauf weisen wir heute einmal wieder deutlich hin. Bei den Todesfallzahlen sieht die hiesige Bilanz nicht ganz so schlecht aus, aber auch hier liegt die „Überrate“, auf die gesamte Pandemiezeit bezogen, bei einem Faktor von 7. Von vorgestern (310) auf gestern (212) gingen die Todesfallzahlen ungewöhnlich stark zurück, das könnte in der Tat bereits eine Auswirkung der weniger vollständigen Berichterstattung an Feiertagen sein. Auch während der Weihnachtszeit war dieser Effekt zu beobachten. 

Zu unseren heutigen Beobachten passt ganz gut der aktueller Twitter-Trend #CovidIsNotOver. 

Der Aufreger der letzten Tage war aber nicht die nach wie vor viel zu hohe Zahl an Infektionen und Todesfallzahlen an / mit Corona in Deutschland, sondern die Nachricht, dass „eine Gruppe“ vorhatte, Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen. Angesichts der schlechten Noten für sein Krisenmanagement hätte sich diese Maßnahme vermutlich eines nicht geringen Zuspruchs in der Bevölkerung erfreut. 

Eine Chatgruppe namens „Vereinte Patrioten“ hat offenbar Anschläge und Entführungen bekannter Persönlichkeiten wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach geplant (Q). Neben den Entführungen war noch dies auf der Agenda:

Ermittelt wird den Angaben zufolge gegen zwölf Personen aus der Chatgruppe. Sie sollen vorgehabt haben, Einrichtungen der Stromversorgung zu zerstören, um so einen bundesweiten Stromausfall auszulösen. Im Visier sollen Stromleitungen und Umspannwerke gewesen sein.

„Damit sollten nach der Vorstellung der Beschuldigten bürgerkriegsähnliche Zustände verursacht und schließlich das demokratische System in Deutschland gestürzt werden“, hieß es in einer Mitteilung von Generalstaatsanwaltschaft und LKA [Rheinland-Pfalz]. Die Ermittlungen gegen die Gruppe liefen seit Oktober vergangenen Jahres.

Am Ende bleibt, gleich, wie es mit Corona weitergeht, der Kampf gegen die Erosion der Demokratie.

TH

Mittwoch, 13.04.2022 (hier zu 86/22 von vorgestern)

Es war eine gute Entscheidung, gestern keinen Corona-Report zu schreiben. Denn dieser wäre recht alarmistisch ausgefallen, angesichts eines plötzlichen Wiederanstiegs der Inzidenz unter deutlicher Durchbrechung der abwärts gerichteten Trendlinie. Heute sieht es aber wieder besser aus, die Inzidenz geht von 1087 auf 1044 zurück:

Das rasche und deutliche Durchbrechen der 7-Tage-Trendlinie der Inzidenz vorgestern und gestern, das gestern sogar zu einem leichten Wiederanstieg um 7 Punkte geführt hatte, war vielleicht nur ein Ausrutscher. Als es diese Figur zuletzt gab, wurde daraus die sechste Welle, das Abweichen vom bisherigen Trend war in den letzten beiden Tagen sogar noch deutlicher als damals, vergleichbar in 2022 zuletzt mit dem raschen Anstieg der Inzidenz beim Aufbau der 5. Welle. Heute sank die Inzidenz aber wieder um ca. 4 Prozent. Das ist auch nötig, damit im Sommer endlich Ruhe ins Infektionsgeschehen kommt. 

Deutschland liegt bei den täglichen Neuinfektionen nämlich immer noch weltweit auf Platz 2, hinter Südkorea (7-Tage-Trend) und die Infektionen sinken weltweit etwa im selben Tempol wie in Deutschland (21 / 22 Prozent innerhalb der letzten sieben Tage). Dies bedeutet, dass der deutshe Anteil an den Neuinfektionen weiterhin sehr hoch ist. Die gestern gemeldeten 176.000 Neuinfektionen sind zwar 38.000 weniger als eine Woche zuvor, aber das Niveau ist immer noch gigantisch hoch, das kann man nicht oft genug betonen.

Weltweit sind die tägliche Neuinfektionen (Durchschnitt der letzten 7 Tage erstmals in diesem Jahr unter eine Million gesunken. Das ist ein erfreuliches Zeichen und es gibt viele Länder, in dene man jetzt sicher von einer endmischen Lage sprechen kann. Deutschland zählt noch nicht dazu.

Das belegt auch die Zahl der Todesfälle: 361 wurden gestern registriert, das bedeutet einen weiteren Anstieg des 7-Tage-Durchchnitts auf jetzt 243.

Bei den Bundesländern gibt es eine Spreizung von mehr als 160 Prozent zwischen Berlin (Inzidenz 606, niedrigster Wert) und dem Saarland (Inzidenz 1581, höchster Wert). Mit Berlin, Brandenburg, Hamburg, NRW, Sachsen-Anhalt und Sachsen liegen nun sechs Bundesländer unter der Marke von 1.000.

Wichtige politische Nachrichten zu Corona gibt es heute nicht. Die Aufregung um die geplatzte Impfpflicht hat sich gelegt und viele Menschen tragen immer noch freiwillig beim Einkaufen ihren MNS. 

TH

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