Der große Diktator (The Great Dictator, USA 1940) – Filmfest B 5

2018-09-14 Filmfest BFilmfest B 5

Ulrich Behrens rezensiert Charles Chaplins „Der große Diktator“.

Dieses Mal sind wir nach „Charité“ wieder in der Spur und empfehlen eine Kritik zu einem Film, den wir kennen.

Den wir sehr gut kennen. Den wir so gut kennen, dass wir bisher selbst nicht darüber schreiben konnten, denn bei jedem Anschauen, wird er größer und vielfältiger.

Deswegen sind wir froh, dass ein renommierter Kritiker wie Behrens uns erst einmal die Aufgabe abgenommen hat, zu diesem Film etwas Sinnvolles zu verfassen. Seit der Schweizer Autor auf „Neue Debatte“ zu finden ist, bekommen wir seine neuen Publikationen sofort mit, weil wir das kritische Magazin in die Quellenauswahl genommen haben, über deren Veröffentlichungen wir umgehend unterrichtet werden.

Viele sagen, Chaplins letzter unumstrittener Film sei „City Lights“ gewesen, der neun Jahre vor „The Great Dictator“ aufgeführt wurde und im Grunde noch ein Stummfilm war, schon „Moderne Zeiten“ (1936) sei nicht frei von Schwächen und Fragwürdigkeiten. Dies gelte auch für „Der große Diktator“. Mancher Beobachter hat es nicht wohlwollend vermerkt – was auch Ulrich Behrens feststellt: Dass in der Schlussrede Chaplin aus seiner Filmfigur bzw. den beiden Figuren, die er darstellt, heraustritt und als er selbst eine Ansprache hält, die ihm heute vielleicht den Friedensnobelpreis einbrächte. Es heißt, er habe sich dabei doch etwas übernommen und seine Stellung überschätzt. Keine Frage, solch ein Moment ist selten in der Filmgeschichte – genauer gesagt, uns fällt spontan kein weiterer dieser Art ein.

Aber auch die Rede macht diesen Film besonders und besonders wertvoll. 

Chaplin hingegen soll gesagt haben, hätte er aber gewusst, wie grausam das NS-Regime wirklich ist, hätte er „The Great Dictator“ nicht gedreht. Was sehr schade gewesen wäre, denn besonders das, was nach der Wannseekonferenz ab 1942 geschah, konnte Chaplin nicht ahnen, als er sein Werk 1938 begann und den „Anschluss“ Österreichs noch einfließen ließ – nicht aber den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Da war der Film schon fertig und wurde erst einmal zurückgehalten, denn in den USA war man erst einmal auf Neutralität bedacht. Deswegen würde uns interessieren, wann genau Präsident Roosevelt Chaplin ermutigt hat, den Film vorzustellen. 

Er wurde jedenfalls gezeigt, als Hitler nach dem Frankreichfeldzug auf dem  Höhepunkt seiner Macht war.

Wir werden über dieses Werk noch schreiben, das gegenwärtig auf unserem Mediaplayer aufgezeichnet und damit Bestandteil der „Shortlist“ ist – und als Bonus haben wir eine Dokumentation gespeichert, in der das „Making of“ von „Der große Diktator“ beschrieben wird und wie Chaplin sich so in die Rolle des Adenoid Hynkel hineingesteigert hatte, dass seine eigene Persönlichkeit sich beim Dreh zeitweise veränderte. Kleider und Macht, selbst wenn nur erdacht, nur fiktional, verändern eben Menschen und ein großer Schauspieler ist eben immer auch in seiner Rolle und gibt einen Teil von sich in diese Rolle hinein.

Zunächst aber verweisen wir auf den Beitrag von Ulrich Behrens in „Neue Debatte“. Von ihm haben wir bereits die Rezension von „Die Spur des Fremden“ empfohlen und eine Parallele zwischen uns gibt es ganz gewiss: Die Neigung, über die Klassiker des Kinos zu schreiben.

Bisherige Beiträge in der Rubrik „Filmfest B“:

Charité (D 2017, 2018) (Filmfest B 4)
Die Spur des Fremden (USA 1946) (Filmfest B 3)
Tod auf dem Nil (UK 1978) (Filmfest B 2)
Blue Velvet (USA 1986) (Filmfest B 1)

TH

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