2019/117 Morgen, 28.04.2019 um 15 Uhr in der Hobrechtstraße 59: Nö! zum Ausverkauf von Neukölln – offenes Sonntags-Wohnzimmer, Teil 2 // @hobrecht59 @schoeneweider20 @Else75bleibt @derjochen @BSchweiger51 @elbeeckeweigand @Sander11_11a @KiezinAktion @HeimatNeue #Vorkaufsrecht #Abwendungsvereinbarung #Mietenwahnsinn #Neukölln #ReclaimRixdorf #wirbleibenalle #Neukoelln #Verdrängung #Enteignung

2018-11-11 Mieter,kämpft um diese Stadt + zusammen gegen MietenwahnsinnNachde sich vorgestern die Schöneweider Straße 20 in Neukölln wieder der Welt gezeigt hat, laden morgen die Bewohner_innen der Hobrechtstraße 59 zum „offenen Wohnzimmer“.

Teil 2 heißt es deswegen, weil am 14. April schon einmal zu einem Nachmittag mit Kaffee und Kuchen im – zum Wohnzimmer-Café umfunktionierten – Hausflur der Hobrechtstraße 59 eingeladen wurde. Wir hatten damals zusammen mit der IG HAB, der Hausinitiative der Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte, darüber ausführlich berichtet und uns schildern lassen, wie viele nette Menschen auch in diesem Haus wieder von Verdrängung bedroht sind.

Der Schillerkiez und der Reuterkiez in Neukölln, zu dem die Hobrechtstraße gehört, sind Hotspots in einem Berliner Bezirk, der ohnehin heißgelaufen ist, das Interesse der Immobilien-Investoren betreffend. Über diese beiden Quartiere, zu denen wir auch einen persönlichen Bezug haben, schreiben wir besonders häufig. Unser erster Bericht zum Haus mit vielen Details auch zum Namensgeber der Straße, den man auf dem obigen Einladungsplakat abgebildet sieht, ist hier nachzulesen.

Die Initiative der Hobrechtstraße 59 hat zur morgigen Einladung dies verfasst:

Wie so viele Häuser in Berlin, wurde unsere Hausgemeinschaft an einen fetten Investor verkauft. Wie es aussieht, werden wir durch Luxussanierungen verdrängt! Immer mehr Investoren kaufen Berliner Häuser! Unter dem Motto: heute WIR, morgen DU?! Laden wir am Sonntag, 28.04.2019 um 15 Uhr zum gemeinsamen Kampf gegen Spekulation mit Wohnraum und für die Ausweitung des Milieuschutzes ein! Kommt vorbei und unterstützt uns und Berlin gegen Mietenwahnsinn! 

Heute wir, morgen du, das kann in der Tat vielen in der Stadt passieren und nicht alle haben Baustadträte wie Jochen Biedermann an ihrer Seite, der in Neukölln unermüdlich unterwegs und am Verhandeln ist, um die vom Ausverkauf betroffenen Mieter_innen so gut wie möglich zu schützen. Manchmal klappt’s trotzdem nicht und Ratlosigkeit und viele Fragezeichen bleiben im Raum und belasten die Stimmung.

Wir brauchen neue, für jeden nachvollziehbare Richtlinien für die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts in Milieuschutzgebieten, daran führt nichts vorbei.

Die Kreativität von Initiativen wie dem Hobrechtstraßen-Kollektiv ist fantastisch, aber dahinter stehen Überlebenskämpfe, das darf man mitten im Bewundern dieser mutigen Menschen nicht vergessen – und oft hat man den Eindruck, man ist nicht in einer Stadt mit geordneten, nachvollziehbaren und transparenten Verfahren zuhause, sondern befindet sich in einem Casino, in dem es reine Glücksache ist, ob Mieter_innen und deren Häuser den Weg zu einer landeseigenen Wohnungsgesellschaft oder gar in die Selbstbestimmung finden.

Inzwischen haben die Bewohner_innen der Hobrechtstraße auch eine wunderschöne Webseite eingerichtet, auf der sie alles zusammenfassen, was man wissen muss. Dabei finden wir auch etwas, das wir schon in der Schöneweiderstraße 20 und der Elsenstraße 75 super fanden: Menschen, die man sich anschauen und über die man ein paar Sätze lesen kann. Dadurch sind sie für den Beobachter des Häuserkampfes keine Zahlen mehr, keine anonyme Verfügungsmasse im Berliner Immobilienmonoply. Sie geben etwas von sich preis und fordern dafür unsere Aufmerksamkeit und unsere (Be-) Achtung. Sie setzen sich ab von anonymen Investoren, die sich hinter rechtlichen Konstrukten verschanzen, die sich häufig in Steuervermeidungsländern festgesetzt haben  und aus sicherer Entfernung ihre Attacken auf die Menschen in Berlin ausführen.

Diejenigen aber, die in den Häusern wohnen und die wir sehen können, machen uns klar, warum die Kämpfe um die Soziale Stadt notwendig sind. Was diese Stadt ausmacht und attraktiv macht, das sind die, die in ihr leben und von denen jeder eine eigenständige, unverwechselbare Biografie hat und eigene Ziele und Träume – und eine Würde, die über jedem Verwertungsinteresse der Investoren stehen muss. Sie alle sind die Zukunft von Berlin, nicht eine räuberische Klasse von Immobilienaufkäufern, die es nur deshalb hierher zieht, weil komplett falsche wirtschaftliche Rahmenbedingungen gesetzt wurden und wider besseres Wissen der Politik fortbestehen.

Solange das so ist, wird der Kampf Haus um Haus ausgetragen werden müssen – aber nicht still, liebe Mitberliner_innen in der Hobrechtstraße. Kein leises Verdrängen, kein unbeachtetes Sterben unserer Stadt in ihrer bunten Vielfalt, wie wir sie kennen- und lieben gelernt haben. Vielmehr wollen wir den Finger in diese offene Wunde legen und Öffentlichkeit herstellen, jeder nach seinen Kräften.

Deshalb morgen alle wieder zu Kaffee und Kuchen in die Hobrechtstraße 59 – vielleicht hält das Wetter, im Moment sieht’s gerade ganz gut aus.

TH

SMH 352

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