Ein weiterer AUFRUF für Sonntag, 11.08.2019 – ab 17 Uhr bitte zur Schillerpromenade 26 in Neukölln: SAVE SCHILLER’S! // @syndikat44 @derjochen @HeimatNeue @KiezinAktion @u67bleibt u. v. a.

Es ist uns wichtig, aber es ist nie schön, wenn wir so viele Soli-Aufrufe für Häuser und Gewerbe wie in den letzten Tagen schreiben müssen, deren Bewohner*innen und Betreiber*innen in Verdrängungsgefahr sind. Nun soll es Waldemars Kiezkneipe Schiller’s in Neukölln treffen.

Hier zunächst der Aufruf für morgen:

https://www.facebook.com/events/445958256257887/

  • Sonntag, 11. August 2019
  • ab 17 Uhr
  • Schillerpromenade 26, Kiezkneipe „Schiller’s“

Die Kneipe im Schillerkiez, das ein Verdrängungs-Hotspot in Neukölln ist, liegt an der Schillerpromande, die dem Kiez den Namen gegeben hat. Der Wirt heißt Waldemar und sein Gewerbemietvertrag wurde gekündigt, die Rendite reicht dem Hauseigentümer wieder mal nicht aus. Wir kennen das. Schließlich befindet sich das berühmte Syndikat in derselben Ecke (Weisestraße 56) und über das Syndikat haben wir schon viel berichtet. Das Kollektiv besetzt seine Räume und das so lange, bis der Investor = Hausbesitzer Pears Global, der auf Verdrängung setzt, eine weiche Birne bekommt.

So weit ist es bei Waldemar und seiner Eckkneipe noch nicht, aber die Aramis GmbH möchte gerne mehr Rendite haben. Die Firma gehört den Samwer-Brüdern (die u. a. „Zalando“ gegründet haben) und die auch ein Haus in Kreuzberg (Krossener Straße 36) erwerben wollten. In den ersten Augusttagen zeigte sich die Schillerinitiative auf Twitter und informierte über den Stand der Dinge:

Und es gab einen Aufruf zu einer Petition, die wir schon vor über einer Woche unterzeichnet haben:

Wir haben heute nochmal reingeschaut – das ist zu wenig, Leute! Da bitten wir dringend um weitere Unterschriften!

Am 7. August meldete der Tagesspiegel, dass Waldemar bereits am 15. August seine Räume verlassen soll. Das ist jetzt offenbar erst einmal vom Tisch, irgendein Tag im November steht im Moment als Deadline im Raum.

„(…)  bekam Wirt Waldemar Schwienbacher nach zehn Jahren die Kündigung ohne Angabe von Gründen. Eigentümer des Hauses sollen die Samwer-Brüder sein, die unter anderem mit Zalando reich wurden. Später sei Schwienbacher eine Vertragsverlängerung angeboten worden – allerdings zu Mietpreisen, die der Wirt nicht stemmen kann„, heißt es unter anderem im Tagesspiegel Leute.

In Neukölln kann es immer vorkommen, dass wir uns persönlich betroffen fühlen und leider ist das auch bei Waldemar der Fall. Ab und zu sind wir im Kiez und waren auch schon im Schiller’s. Wir kennen also Waldemar, diesen ruhigen und lieben Zeitgenossen, es geht das Gerücht, dass man bei ihm sogar anschreiben kann, wenn man ihn gut kennt – wo gibt’s das heute noch? Wir haben davon keinen Gebrauch gemacht bzw. es nicht getestet, die Preise, die er nimmt, sind ja auch super fair. Etwa 60 Prozent von dem, was in unserem hübsch durchgentrifizierten Wohnkiez angesagt ist. Und das Schiller’s ist eine echte Kiezkneipe, wenn auch erst seit zehn Jahren – ja? Möglicherweise hat Waldemar sie damals übernommen, aber die Einrichtung wirkt in Teilen älter. Und er hat Sarah. Oder hatte.

Wir müssen leider beichten. Wir trafen uns bei Waldemar in erster Linie mit einem politischen Freund, der im Kiez lebt und im Moment führen wir kein gemeinsames Projekt durch. Als das noch der Fall war, fuhren wir etwa einmal monatlich besprechungsweise ins Schillerkiez, wechselweise kam unser Freund zu uns und – ja, die hohen Preise, die haben ihn schon gestört. Wir haben uns zwar in 2019 schon getroffen, aber zuletzt in einem Café in einer Seitenstraße der Schillerpromenade. Bei Waldemar saßen wir am liebsten draußen, mit Blick auf jene Promenade, die in der Mitte einen breiten Grünstreifen hat – hoffentlich ist die Baustelle mal endlich fertig, die letztes Jahr einen Höllenlärm machte. Klar ist sie fertig, sie haben ja nur was an der Straße gebastelt.

Aber: Nein, wir waren dieses Jahr noch nicht bei Waldemar. Deshalb unten zwei Bilder aus dem Jahr 2017. Ohne den Wirt, aber mit Sarah und unter Einhaltung der DSGVO:

Gegenüber gibt es übrigens ein Haus im Besitz von Akelius, mit diesem Investor werden wir uns noch befassen. Weil vielleicht einige Leser*innen noch nicht wissen, warum wir uns auch für kleine Gewerbetreibende einsetzen: Ja, der Schillerkiez hat Milieuschutz. Nein, für angestammtes, inhabergeführtes Kleingewerbe, das ebenso wie die Bewohner*innen das Gepräge eines Viertels ausmacht, gilt der Milieuschutz immer noch nicht.

Waldemar, 72 und Sarah, Alter unbekannt, müssen gehen, wenn ein wildgewordener Investor es so will, und das ziemlich schnell. Wir waren leider nicht so schnell. Wir wollten den Aufruf gestern schon schreiben, aber DIESEeG hielt uns erst einmal in Atem.

Wir haben uns auch Gedanken darüber gemacht, wer dort ein Vielfaches an Miete zahlen soll, denn wie das Syndikat liegt auch das Schiller’s nicht in einer Lauflage und ist schon gar keine Touristenfalle. Zumeist verkehrt dort Stammpublikum aus dem Kiez und davon gibt es nicht unendlich viel. Trotz Gentrifizierungstendenz wird es nicht zu Massen von Besuchern kommen, die hohe Preise zahlen können. Wer oder was soll also in den kleinen Laden an der Ecke Schillerpromenade / Okerstraße rein, wenn Waldemar verdrängt wird?

Nach dem Aufruf fürs Hoffest der Taborstraße 20 in Kreuzberg schicken wir nun an Waldemar, an Sarah, ans Syndikat und den Schillerkiez zum zweiten Mal für heute

einen solidarischen Gruß!

TH

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