#ichbinDIESE – BREAKING 2: AUCH HECKMANNUFER 8 in Kreuzberg kommt per bezirklichem Vorkaufsrecht zu DIESEeG! / @Heckmannufer8 @F_Schmidt-BB @HeimatNeue @krossener36 @u67bleibt @kaddinsky #Mietenwahnsinn #Vorkaufsrecht #Verdrängung #wirbleibenalle #Berlinkaufdichzurück

Vor fünf Tagen haben wir erstmals über das Haus Heckmannufer 8 im Wrangelkiez und am Landwehrkanal berichtet – und den ersten Bericht mit einem Aufruf zum ersten Hoffest verbunden (hier zum Bericht, er ist auch unten angehängt).

Heute Abend erfahren wir bereits, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg schon wieder sein Vorkaufsrecht ausgeübt hat – und wieder, nunmehr zum sechsten Mal, für DIESEeG als erwerbende Dritte.

13. August, 00:50 Uhr: Kleines Update ohne Platzierung eines neuen Artikels: Das Haus hat 18 Wohnungen und der Kaufpreis beträgt 3,3 Millionen Euro. In der Timeline des RBB-Tweets mit der Grundinformation.

Auch der RBB hat davon wohl erst gerade etwas mitbekommen, denn es hat nur noch für einen Tweet gereicht, nicht mehr für eine Eingliederung in den Abendschau-Bericht, in dem vom ebenfalls heute erfolgten Vorkauf der Häuser Gleditschstraße 39-43 in Tempelhof-Schöneberg die Rede war.

Mehr wissen wir im Moment auch nicht, aber auch diese kurze Nachricht ist uns – genau – eine Nachricht wert.

Herzlichen Glückwunsch auch ans Heckmannufer 8! Ein großer Dank an DIESEeG, an den Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt, an den Finanzsenat (bitte immer dabeibleiben, wenn es um die Zuschüsse geht, ja?) und an die finanzierenden Banken. Selbstverständlich ist es nicht nur Glück, sondern auch die Bereitschaft der Bewohner*innen von Häusern, finanziell bis ans Äußerste zu gehen, um ihren Traum vom selbstverwalteten Wohnen Wirklichkeit werden zu lassen, die solche Lösungen ermöglicht. Dafür gehen viele Menschen in die Verantwortung, daran knüpfen sich Schicksale.

Was immer also noch an Schwierigkeiten entsteht und noch mehr seit den irrsinnigen Anfeindungen der letzten Zeit, die unseres Wissens nicht erst mit der Tagesspiegel-Kampagne begonnen haben: Unser Herz schlägt für die Mutigen, die sich dem Raid on Berlin, mit dem das vagabundierende Kapital aus einer vitalen Stadt eine Betonwüste machen will, auf diese Weise entgegenstellen.

Es ist super, wenn Hausgemeinschaften nicht ewig zittern und kämpfen müssen, sondern so rasch wie möglich eine Lösung finden. Denn es tauchen bereits weitere Mieter*innen auf den Rettungs-Wartelisten auf – das hat sich in den letzten Tagen abgezeichnet.

Selbstverständlich, das gilt für alle Ausübungsfälle, muss immer die einmonatige Widerspruchsfrist der ursprünglichen Käufer abgewartet werden, aber in Friedrichshain-Kreuzberg scheinen die Abwendungsvereinbarungen, die einen Vorkauf durch den Bezirk ausschließen, ihrem Namen tatsächlich gerecht zu werden: Sie sind so verfasst, dass sie das Interesse von Spekulanten am Erwerb von Häusern im Milieuschutz abwenden – sodass der bezirkliche Vorkauf eben doch erfolgen kann.

TH

Bunt gemischte langjährige Hausgemeinschaft im Wrangelkiez. Haus wurde verkauft, aber wir kämpfen und halten zusammen!“

So lautet die Selbstbeschreibung der Hausgemeinschaft auf ihrem Twitter-Account. Diese Präsenz ging am 26. Juli online, fast zeitgleich mit mehreren anderen Häusern, die in den Kampf um den Verbleib ihrer Bewohner*innen eingetreten sind. Wir posten zunächst den Aufruf fürs Hoffest am Freitag:

Kommt am Freitag 9. Aug. ab 18 Uhr zu unserem Hoffest! #Heckmannufer8 Wir versuchen verzweifelt, eine Genossenschaftslösung durch das #Vorkaufsrecht des Bezirks zu erreichen, aber es braucht mehr finanzielle Unterstützung durch den Senat!

Viele bekannte und aktive Initiativen haben es ja nicht so weit bis zum Heckmannufer, aber auch Friedrichshain und Neukölln werden sich gewiss zeigen.

Der Wrangelkiez, zu dem das Heckmannufer gehört, ist einer der bekanntesten in Berlin, weit über Kreuzberg hinaus und für diejenigen, die linke Kämpfe verfolgen, auch außerhalb der Stadt der ein Begriff. Das Heckmannufer bildet seine Grenze in Richtung des Landwehrkanals, an dem die Straße liegt.

Verdrängung ist dort nichts Neues. Wir haben beim Recherchieren einen Bericht aus dem Jahr 2015 gefunden, den ein Bewohner des Nachbargebäudes Heckmannufer 6/6a geschrieben hat. Auf lakonische und intensive Art schildert er die Kämpfe der Mieter*innen über die Jahre und dokumentiert Veränderungen im Haus und im Kiez. Das, was dort berichtet wird, lässt sich nicht im Maßstab Eins zu Eins auf das Haus Heckmannufer 8 übertragen, aber sicher wohnen auch viele seiner Mieter*innen schon sehr lange in diesem Gebäude und können einiges gut nachvollziehen, was der frühere Nachbar aufgezeichnet hat.

Wie ging es weiter mit dem Haus Heckmannufer 8? Am 27. Juli, nur einen Tag nach dem Auftreten der Initiative auf Twitter, schrieb sie sie folgendes:

Eine Zwangsversteigerung kann alles bedeuten – das Glück, dass ein Haus zu einem günstigeren Verkaufspreis wechselt, denn eine Versteigerung deutet immer auf eine finanzielle Schieflage beim bisherigen Eigentümer hin, der also gezwungen wird zu verkaufen und dabei spielt der Zeitfaktor eine Rolle. Bei ausgeglichener Marktlage kann man so günstig an eine Wohnung kommen und es gibt Spezialisten, die ausschließlich auf Zwangsversteigerungen zu erwerben versuchen. In den Zeiten des fortgeschrittenen #Mietenwahnsinns kann es aber auch anders herum laufen: Jeder will ins einst so günstige Wrangelkiez und die Interessenten überbieten einander. Hier sind die Mieter*innen davon ausgegangen, dass Letzteres geschehen wäre, wäre es zu einer Zwangsversteigerung gekommen.

Immobilienscout24 weist derzeit stolze 5.600 Euro/m² für den Erwerb einer Eigentumswohnung am Heckmannufer aus. Steigerung gegenüber dem 2. Quartal 2018: 12 Prozent. Dies als Anhaltspunkt.

Was wir oben lesen, ist sicher ein positiver Effekt des gemeinsamen Kampfes, aber Sicherheit wäre das Beste. Ein Baugerüst gibt es auch, es erleichtert das Aufhängen von Transparenten, zeugt jedoch auch von einer Umbruchsituation – sofern es nicht bloß aufgestellt wurde, um die Fassade neu anzustreichen.

Am 3. August kam dieser Tweet ins Netz – zunächst war von einem Vorkauf seitens der Gewobag die Rede, die häufig involviert ist, wenn es um den Erwerb als begünstigte Dritte in Kreuzberg geht – mittlerweile unterstützt DIESEeG, die wir zuletzt in unserem Bericht über das Hoffest der Gleditschstraße 39-43 in Schöneberg erwähnten, den Kampf der Mieter*innen und kann ihnen hoffentlich helfen.

Voraussetzung ist immer, dass der Investor keine Abwendungsvereinbarung unterzeichnet. Kreuzberg, so unser Eindruck, ist aber gut aufgestellt. Baustadtrat Florian Schmidt scheint in der Lage zu sein, Abwendungsvereinbarungen zu entwerfen, die rechtmäßig sind, aber dennoch bei Investoren Bedenken hervorrufen, ob der Ankauf unter der Ägide einer solchen Vereinbarung noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Auch dieses Vorgehen stellt einen Weg dar, selbstbestimmteres Wohnen zu ermöglichen und einen Hausverkauf, der zunächst einen Schock für die Mieter*innen bedeutet, zu einer Chance auf mehr soziale Stadt werden zu lassen.

Kurz vor der Bekanntgabe des Hoffestes postete die Hausgemeinschaft Heckmannufer 8 noch diesen Tweet und wir nutzen die Gelegenheit, ebenfalls noch einmal auf das Vorkaufsvideo der Schöneweider Straße 20 in Neukölln aufmerksam zu machen, das die Essentials dieses Vorgangs super zusammenfasst:

Heute gilt unsere Solidarität den Menschen im Haus Heckmannufer 8!

Einen Vorteil haben sie bereits gegenüber vielen anderen von Verdrängung Bedrohten: Sie leben in dem Berliner Bezirk, in dem zum Schutz von Mieter*innen die meisten kreativen Ideen entwickelt und mit großer Energie umgesetzt werden. Auf diese Kreativität und diese Energie setzen wir einmal mehr!

TH

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