300. @HeimatNeue und alle Gratulant*innen: Dankeschön :-) Kleine Ansprache an alle, die in den sozialen Netzwerken mit uns verbunden sind. @HeimatNeue #Mietenwahnsinn #wirbleibenalle #Mietendeckel #WohnenistMenschenrecht

Liebe Leser*innen,

gestern hatte ein Tweet der @HeimatNeue viele Glückwünsche und einen kleinen Boom ausgelöst, aktuell sehen wir schon 317 Follower*innen bei Twitter.

Wir fühlen uns deshalb aufgerufen, einen Sonderbeitrag der Reihe „In eigener Sache“ schreiben.

Erst einmal ein herzlicher Dank an alle, die jüngst dazugekommen sind und an diejenigen, die uns schon länger folgen und die, die gestern und heute reagiert haben! Ihr alle motiviert uns, denn Anerkennung für den Wahlberliner lässt sich nur anhand solcher Reaktionen messen, nicht kommerziell.

Uns ist sehr klar, dass wir ein sehr kleines Medium sind und wir freuen uns über jeden einzelnen Zugang im Kreis unserer Leser*innen. Wir waren überrascht und gerührt davon, wie unsere Arbeit von einigen, die uns regelmäßig lesen und / oder sich in den sozialen Netzwerken mit uns austauschen, wertgeschätzt wird.

Die Arbeit an diesem Projekt ist ehrenamtlich und kann daher nicht den Perfektionsgrad und die Wirkungsmacht von Lobbyismus haben, der mit Millionen Euro unterstützt wird – und den wir letztlich alle bezahlen müssen, übrigens, auch wenn er gegen uns gerichtet ist.

Umso mehr sind wir der Überzeugung, dass Stimmen gegen die immer noch herrschende Lehre vom unbegrenzten Segen des Gierkapitalismus wichtig sind. Wir wenden uns gegen diese Ansicht, besonders, seit es den „Neuen Wahlberliner“, die zweite Auflage dieses Blogs gibt (daher im Tweet der @HeimatNeue „Wahlberliner 2.0“). Das erste Blog dieses Namens (2011 bis 2016) war weniger stark politisch ausgerichtet.

Aber wir müssen aber einem Missverständnis vorbeugen. Wir schreiben nicht ausschließlich über das Thema Wohnungspolitik. Die Beiträge zu diesem Gegenstand machen aktuell etwa ein Drittel dessen aus, was wir veröffentlichen. In den sozialen Medien ist der Anteil höher, weil wir zusätzlich und hauptsächlich Meldungen anderer zu diesem Thema weiterleiten, liken und kommentieren.

Es ist uns wichtig, immer wieder den größeren Bogen zu spannen und damit zu dokumentieren, dass alles zusammengehört: Sozial- und Wirtschaftspolitik, Umweltpolitik, Außenpolitik usw. Obwohl es einigen Aufwand erfordert, sich regelmäßig mit neuen Aspekten dieses größeren Ganzen zu befassen, immer an der Erweiterung von Kenntnissen und des Horizonts zu arbeiten, versuchen wir, den Wahlberliner an viele Themenfelder anzubinden. Zum Beispiel in Form von Empfehlungen und Kommentaren zu Artikeln anderer Autor*innen.

Außerdem haben wir die Reihen Crimetime und Filmfest im Programm, die uns wichtig sind, die mittlerweile eine Tradition haben, weil sie schon beim „Ersten Wahlberliner“ ein wichtiges Standbein darstellten. Wer uns noch nicht so gut kennt, wird sich vielleicht darüber wundern, dass von uns häufig Rezensionen und Hinweise auf die Tatorte des Tages kommen, wo wir doch von unseren Freunden aus der @HeimatNeue gerade mit unserer Arbeit am Thema #Mietenwahnsinn beworben wurden – wen diese Nicht-Ausschließlichkeit stört, der wird wohl nicht lange mit uns verbunden bleiben. Das fänden wir schade, aber wir verstehen es natürlich auch. Andererseits werden wir uns bemühen, berechtigte Erwartungen zu erfüllen, indem wir weiter an der Verbesserung unseres Angebots arbeiten.

Die wichtigste Erweiterung in diesem Sinn, die in den letzten Wochen stattfand, ist das neue Feature „Mieterpost“, von dem es bisher vier Ausgaben gibt. Die fünfte ist in Arbeit und wird sich mit Stimmen zum Berliner Mietendeckel befassen.

Wir bedanken uns noch einmal herzlich für den oben gezeigten Tweet bei der @HeimatNeue – er war nicht abgesprochen zwischen uns, das stellen wir klar, für den Fall, dass jemand in diese Richtung denken sollte. Wir hatten eine Meldung in Form eines Beitrags in eigener Sache erst für das Erreichen der 500 vorgesehen, also nicht mehr fürs laufende Jahr.

Die @HeimatNeue, die Mieter*innen-Initiative der Haabersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte (IG HAB), hat uns kontaktiert und uns in der Folge an viele konkrete Fälle von Mietenwahnsinn herangeführt, nachdem wir am 29. September 2018 über sie einen Artikel verfasst hatten. Der rege Austausch, den wir seitdem pflegen, hat uns zu Kooperationspartnern gemacht, die ein gemeinsames Ziel verbindet: Kundzutun, wie es ist, im Zeitalter des Mietenwahnsinns zu leben, als Betroffene oder als Teilnehmer an der Diskussion innerhalb der Stadtgesellschaft, die sich ein vielfältiges, lebendiges Berlin wünschen. Dafür möchten wir beide werben und streiten und dafür braucht es politische Veränderungen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Stadt ein Spielball von Kapitalinteressen bleibt und soziale Milieus weiterhin zerstört werden.

Wir sind viele und es bringt der Gegenseite nichts, Demonstrant*innenzahlen kleinzureden, wie wir das im Moment sehen. Außerdem muss man die vielen kleineren Aktionen der Mieter*innenbewegung, die täglich laufen, hinzuaddieren.

Die andere Seite versteckt sich hingegen immer häufiger hinter Social-Media-Accounts, die nicht überprüfbar oder nicht klar zuzuordnen sind, adäquat der grassierenden Briefkastenfirmen-Wirtschaft, die auf jeden, der noch ordentliches, auch ordentlich-konservatives Wirtschaften gelernt hat, surreal wirken muss – und die leider sehr reale negative Auswirkungen auf das Leben von uns Mieter*innen hat. Einige weitere stellen sich auch auf die falsche Seite, weil sie nicht in der Lage sind, die Welt von morgen, in denen diese Art von Hybris keinen Bestand haben kann, mitzudenken. Es ist auch schwierig, sich von der Indoktrinierung der neoliberalen Art zu lösen, die man vielleicht jahrzehntelang erfahren hat.

Dass Menschen, die sich bürgerlich nennen, diese verschachtelten Steueroasenkonstruktionen super finden, von denen aus Mieter*innen ausgequetscht und attackiert werden, ohne auch nur zu wissen, mit wem sie es wirklich zu tun haben, bedeutet für uns jedoch vor allem eines: Wir brauchen uns bei keiner unserer Reaktionen moralisch angreifen zu lassen. Jeder Mieterschutz trägt seine Berechtigung in sich und jedes legale Mittel muss angewendet werden, um den Mietenwahnsinn zu stoppen, jede Rechtsauslegung und -änderung zugunsten der Mieter*innen ist erwünscht und wird von uns unterstützt.

Dies wiederum bedeutet nicht, dass wir nicht einzelne Maßnahmen und die Politik kritisieren, wenn sie nach unserer Ansicht Fehler bei der Ausgestaltung oder der Umsetzung machen. So ist ein Teil der Twitter-Antwort an die @HeimatNeue zu verstehen: Authentizität und Ehrlichkeit sind uns besonders wichtig. Glaubwürdigkeit sehen wir als langfristige Investition. Die Zeiten werden für viele von uns schwieriger werden. Von diesem Prozess sind viele schon längst betroffen, doch für immer mehr Menschen zeichnet er sich deutlich ab. Gerade dann wird aber ein solidarisches, nicht ein renditegetriebenes, egoistisches Denken zur Lösung der Probleme beitragen. Wir werden diese Woche auch gegen einen anderen Bereich der immer brutaleren Finanzialisierung jedweden Lebensaspekts auf die Straße gehen – die Gesundheitsfürsorge.

In diesem Sinne überprüfen und bewerten wir alles, was sich zeigt und freuen uns sehr über jede*n, der damit, dass sie / er uns folgt kundtut, dass er das gut findet oder sich darauf einlassen möchte – gerne auch kritisch. Wer unsere Follower*innenliste anschaut, wird bemerken, dass darunter einige Teilnehmer am Diskurs in den sozialen Netzwerken sind, die sich z. B. gegen den Mieterschutz positionieren. Wir folgen manchmal dennoch zurück, weil wir wissen möchten, was die Gegenseite denkt und schreibt. Wir mussten bisher erst einen Account blockieren, dessen Betreiber sich nicht an einfachste Spielregeln des Austauschs halten wollte. Wir loben uns selten direkt, aber wir finden, das haben wir bisher gut hinbekommen: Immer offen und gesprächsbereit zu bleiben.

Wir lassen uns von denen, die mit uns in den sozialen Netzwerken verbunden sind, nämlich auch gerne inspirieren und nehmen deren Anregungen auf unterschiedliche Weise auf. Eine nicht geringer Anteil von Artikeln, die wir zum Mietenwahnsinn schreiben, resultiert aus diesen Anregungen. Auch dabei hilft uns die @HeimatNeue mit ihrer Presseschau auf besonders intensive Weise.

Viele Grüße an alle, mit denen wir in Kontakt stehen und an alle unsere Leser*innen!

Thomas Hocke, Berlin, 7. Oktober 2019

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