Update: Unser Besuch der Kumi*13 am Tag der öffnen Tür – jetzt mit Fotos – und weitere Infos! / @Kumi13_MHS im MietshäuserSyndikat am 7. Dezember in B.-Schöneberg! @HeimatNeue etc.

Sieben Wochen ist es her, dass wir den Tag der offenen Tür des selbstverwalteten Hausprojekts Kumi*13 in Schöneberg besucht haben. Zeit für ein Roundup.

Die @HeimatNeue, mit der zusammen wir vor Ort waren, hat Fotos gemacht, die wir nun zeigen wollen, um etwas von der Stimmung an jenem Abend zu vermitteln. Wir hatten selbst nicht fotografiert, aber die NH hat die das so geschickt gemacht, dass wir den Datenschutz für gewährleistet halten, wenn wir deren Ergebnisse weiterleiten. Zwei Bilder sind nachbearbeitet. Im Anschluss ergänzen wir die bisherigen Infos zum Projekt ein wenig.

Am 23.12.2019, zwei Wochen nach dem Tag der offenen Tür, schrieb der SPIEGEL einen Artikel über die Kumi 13:

Susanne Kahl sah sich schon am Stadtrand von Berlin. „Heiß und kalt“ wurde es der 68-jährigen Rentnerin, als sie erfuhr, dass das Haus zum Verkauf stand, in dem sie seit 32 Jahren Mieterin ist. Sie hatte Angst, dass Investoren einsteigen und die Preise erhöhen. Kahl schlief schlecht.

So beginnen fast alle Geschichten, die von Hausverkäufen und Mieter*innen handeln und oft mit Verdrängung enden. Nicht so im Fall der Kurmärkischen Straße 13: Im Folgenden erzählt der SPIEGEL-Artikel, wie es dazu kam, dass die Mieter*innen auch finanzstarke Investoren als Interessenten ausstechen konnten.

Sie haben dem Markt die Stirn geboten. Wir kennen mittlerweile mehrerer solcher Fälle. Uns wird dann leicht schwindelig und wir warten darauf, dass endlich Mieterschutzinstrumente reif werden, die verhindern, dass ein destruktiver Kapitalmarkt darüber bestimmt, ob Mieter*innen wohnen bleiben dürfen, ob sie es schaffen, sich selbst zu ermächtigen – oder ob das Potenzial dazu nicht ausreicht. Denn die Preise steigen weiter, das zeichnet sich auch 2020 bereits ab und wird es schwierig machen, Mieter*innen durch die Ausübung bezirklicher Vorkaufsrechte etc. aus den Fängen der Renditejäger zu befreien.

Die Kumi hat einen Verein gegründet und dieser wurde zusammen mit dem Mietshäusersyndikat Träger einer GmbH. Das Haus ist selbstverwaltet, siehe oben, das Syndikat kann aber in Grundsatzfragen mitbestimmen, vor allem, um auszuschließen, dass das Haus jemals wieder verkauft wird.

Wir erfahren, dass es bereits 149 Mietshäuser im Syndikat gibt und 5.000 Menschen darin wohnen. 300 Millionen Euro hat das Syndikat bereits investiert. Das deutet darauf hin, dass die Häuser überwiegend sanierungsbedürftig sind, wie die Kumi 13, und dass private Investoren gute Chancen für „Aufwertungspotenzial“ sahen. Verkürzt: Aufwertung bedeutet Verdrängung der aktuellen Mieter*innen und Ersatz durch hochgradig zahlungskräftiges Klientel – oder Aufteilung und Verkauf einzelner Eigentumswohnungen.

Das Haus hat 4 Millionen Euro gekostet, 1,7 Millionen müssen noch in die Sanierung gesteckt werden. Die Bilder geben einen Eindruck davon, unter anderem ist die Einrüstung deutlich sichtbar. Insgesamt ein Preis von ca. 3.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche (1.600).

Die Kumi 13, das haben wir bereits beschrieben, ist ein Künstler*innenhaus. Die Menschen, die in der Regel schwankende Einkünfte haben – wie haben sie das finanzieren können?

Etwa die Hälfte des Eigenanteils für den Bankkredit übernahm die Stiftung Edith Maryon, 450.000 Euro, eine Zwischenfinanzierung, die Bewohner müssen das Geld zurückzahlen.

Die Mieteinnahmen werden überwiegend zur Kredittilgung verwendet, weitere Anteile gehen ans Syndikat, das damit weitere Projekte finanzieren wird. Derzeit werden die Wohnungen renoviert – im SPIEGEL lesen wir von „künftigen“ Bewohnerinnen. Das bezieht sich auf diejenigen, die zusätzlich Teil der Gemeinschaft werden: Sie werden die derzeit leerstehenden Wohnungen beziehen, davon gibt es mehrere im Haus. Auf diese Weise wird auch wieder ein kleines Stück Leerstand in Berlin beseitigt, neben der „Unverwertbarkeit“ ein weiterer positiver Effekt der neuen Rolle der Kumi 13 als Mitglied des Mietshäuser-Syndikats.

Wir freuen uns auf das nächste Update. Wir sind ein kleines Magazin, aber wir haben uns für 2020 vorgenommen, Projekte, die wir interessant finden, immer ein wenig im Auge zu behalten, zu schauen, was es Neues gibt und darüber zu berichten.

Viel Erfolg beim großen (Ge-) Werk wünschen wir einstweilen den Bewohner*innen der Kurmärkischen Straße 13!

TH

Wir hatten es nach dem Hoffest in der Mariannenstraße 33/34 und der Demo „Wir gehen steil!“ noch geschafft, die Kumi*13 zu besuchen und ein paar Eindrücke von diesem selbstverwalteten Haus mitzunehmen, das Teil des „Mietshäuser-Syndikats“ ist.

Die Kurmärkische Straße 13 ist ein sehr schöner Altbau, wirkt ein wenig wie eine Stadtvilla, obwohl es sicher von Beginn an ein Mehrparteienhaus war und liegt in einem sehr vielgestaltigen Umfeld, in dem kein Gebäude einem anderen zu ähneln scheint. Durch das großzügige Treppenhaus gelangten wir in den ersten Stock, in dem die Gäste bewirtet wurden.

Wir ließen uns lecker verköstigen, machten es uns noch ein wenig gemütlich – und verließen den 1. Tag der offenen Tür gegen 20 Uhr. Die besondere, private und freundschaftliche Atmosphäre in diesem schönen Haus, die Gastgeber und Gäste umschloss, nahmen wir mit, Fotos hingegen gibt es dieses Mal nicht, weil wir sie nicht datenschutzrechtssicher hätten verwenden können. Dies war auch nicht die richtige Situation, um sich auf der Suche nach jemandem zu machen, der uns alles detailliert erklärt hätte.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht und wenn es unsere Zeit erlaubt, schauen wir wieder vorbei – am nächsten Tag der offenen Tür.

Es versteht sich aber von selbst, dass wir keinen Artikel schreiben, wenn es nicht ein paar neue Informationen zu vermelden gäbe. Wie schön, dass die Kumi*13 einen Folder erstellt hat, den wir mitgenommen haben, hier abbilden und damit das eine oder andere zum Projekt und seiner Funktionsweise ergänzen können, was wir im Ausgangsbeitrag (auch unten angehängt) beschrieben hatten:

150 Häuser hat das Mietshäusersyndikat schon der kapitalistischen Verwertung entzogen, 5.000 Menschen gerettet. Seit 27 Jahren, lange, bevor das bezirkliche Vorkaufsrecht Relevanz erhielt, lange, bevor der Begriff Mietenwahnsinn geprägt wurde, hat man aus einer selbstbewussten Kultur der Solidarität und Gemeinschaftlichkeit heraus neue, partizipative Lebensformen entwickelt.

Wäre der Immobilienhype nicht dazwischengekommen, der es immer schwieriger macht, die Finanzierung für solche Projekte zu gestalten, gäbe es sicher schon viel mehr Menschen, die solche attraktiven Formen des Zusammenlebens gestalten könnten. Umso beeindruckender, wenn es trotzdem klappt und gemeinschaftliches Eigentum von Mitgliedern der Stadtgesellschaft an die Stelle von Mieter*innen als Ausbeutungsobjekten in Kapitalanlageobjekten tritt. „Anders als in Genossenschaftsmodellen muss in der Kumi*13 niemand verpflichtend einen Eigenanteil aufbringen“, schreiben die Initiator*innen.

Dafür freuen sie sich umso mehr über jeden solidarischen Kredit, der hilft, die Kumi*13 weiterzuentwickeln. Wer sich vorstellen kann, das Projekt auf diese Weise zu unterstützen, wendet sich bitte an kontakt@kumi13.org.

TH

Ein Syndikat! Der Begriff hat für uns einen besonderen Klang. Zum einen, weil wir den Kampf der Neuköllner Kiezkneipe Syndikat mit großer Sympathie begleiten, zum anderen, weil diese ein ein Investoren-Syndikat aufgedeckt hat und – wegen des Mietshäuser-Syndikats. Wir haben schon oft davon gehört, uns aber bisher diesem partizipativen Wohnmodell nicht angenähert.

Vermutlich, weil wir es merkwürdig fanden, dass Mieter*innen plötzlich, ohne Eigentümer*innen zu werden, einfach so ihr Haus erwerben können. Spätestens aber, seit wir den Werdegang von DIESEeG verfolgt haben, erscheint uns nichts mehr unmöglich.

Selbstverständlich gibt es erhebliche Unterschiede zwischen diesen beiden Modellen.

Das neue Hausprojekt Kumi 13 steht in Schöneberg, das hat für uns eine Bedeutung. „Kumi“ meint die Kurmärkische Straße, sie liegt zwischen der berühmt-berüchtigten Kurfürstenstraße und der Bülowstraße, mit dem „Nolli“, dem Nollendorfplatz nicht so weit weg. Wenn wir morgen nicht vorher noch woanders unterwegs wären, hätten wir von zu Hause aus zu Fuß hingehen können. So viel zur Bedeutung. Was aber gibt es zum Haus zu schreiben? Wir lassen die Webseitenautor*innen zu Wort kommen:

Zu Beginn fällt der Satz „In diesem Haus ist nichts gleich“. Gemeint sind die vier verschiedenen Heizungstypen, die unterschiedlich sanierten Wohnungen, die Grundrisse… Kurz: Dieses Haus ist eine Wundertüte – unsere Wundertüte! Wir haben das Haus in Berlin-Schöneberg gekauft und werden es gemeinsam zu neuem Leben erwecken. Dabei wollen wir die Vielfältigkeit des Hauses genauso wie die Heterogenität unserer Gruppe, Impulse, Vorstellungen erhalten – beides ist für uns sowohl Schatz als auch Herausforderung. Aus der Polyphonie entsteht ein Klang, der manchmal dissonant, mal harmonisch, aber immer wieder neu sein wird. Das ist die Kumi*13. Unser Hausprojekt in der Kurmärkischen Straße 13.

(…)

Die Kumi*13 ist ein denkmalgeschütztes Gründerjahre-Mietshaus von 1875. Über fünf Etagen hat es eine Nutzfläche von gut 1870 m² zum Wohnen und für Gewerbe. Auf dem Grundstück stehen außerdem eine kleine Remise und eine Werkstatt mit Tiefgarage (eine der ersten Berliner Autowerkstätten und Tankstellen, Baujahr ca. 1929!). Alle Gebäude sind – wie schon erwähnt – unterschiedlich stark sanierungsbedürftig.

Nochmal bitte den ersten Absatz der Selbstdarstellung lesen, besonders den vorletzten Satz. Schöneberg ist eindeutig einer der besonders poetischen Bezirke von Berlin. Wir können das bestätigen. Wir wohnen dort. Wir sind deshalb dorthin gezogen. Wir freuen uns sehr, dass es ein Syndikatshaus auch in Schöneberg gibt. Aber die Sprache belegt auch, dass es sich um ein Künstler*innenhaus handelt, dessen Konzeptbeschreibung von einem Spannungsfeld zwischen Gentrifizierung und den bekannten Erscheinungen der Kurfürstenstraße kündet, von einem Zwangskontext, der aber mit großem Einsatz positiv ausgestaltet wird. Das klingt sehr spannend und wir hoffen, wir schaffen es morgen, uns am ersten Tag der offenen Tür einfinden, den das Kumi 13 veranstaltet, seit es im Dezember zum Mietshäusersyndikat gestoßen ist – und uns zu informieren.

Die Hausgemeinschaft ist als Verein organisiert und finanziert sich kooperativ – auch durch Direktkredite seitens solidarischer Kapitalgeber. Die Satzung kann man hier nachlesen und das Ziel ist so formuliert:

Wir, der Hausverein Kumi*13, das sind aktuell 17 Erwachsene und 8 Kinder – eine Gruppe aus Alt-Mieter*innen und zukünftigen Bewohner*innen. Wir streben im Haus ein offenes, solidarisches Miteinander mehrerer Generationen an. Wir wollen der kleinfamiliären Vereinzelung entgegenwirken und durchlässige Strukturen für diverse und sich verändernde Lebensentwürfe entwickeln. Wir planen in dem gutbürgerlichen Gründerjahre-Haus kein separatistisches, privates „Schöner Wohnen“, sondern wollen einen zugänglichen Ort schaffen – gegenseitige Fürsorge und Verantwortung sollen nicht auf den familiären Nahbereich beschränkt bleiben sondern sich hinein in die Gemeinschaft im Haus und im Kiez ausdehnen.

Wir halten diese Art von Zusammenleben in einer Gesellschaft, in der die Zahl der Bewohner*innen pro Wohnung immer mehr zurückgeht und Vereinzelung eines der ganz großen Themen der Zukunft, besonders unserer Generation, sein wird, nicht nur für interessant, sondern für unabdingbar. In diese Richtung, denken wir, sollten sich künftige Wohnstrukturen grundsätzlich entwickeln. Man kann derlei natürlich in jedem Haus zumindest in der Theorie verwirklichen, aber die kapitalistischen Verwertungsanforderungen der konventionellen Wohnungswirtschaft stehen einer solidarischen und offenen Haltung entgegen. Pionierprojekte wie das Kumi 13 sind notwendig, damit wir alle mehr Mut fassen, um die spaltenden Strukturen zu überwinden, die wir zwar nicht geschaffen haben, die wir uns aber bisher gefallen ließen. Jedes Haus, das aus dem Kommerz und dem Renditestreben herausgezogen wird, ist ein großer Gewinn für die gesamte Stadtgesellschaft.

TH

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