Tödliche Flut – Tatort 1154 UPDATE: Superquote, schwache Rezeption #Crimetime Vorschau 24.01.2020 Das Erste 20:15 Uhr #Tatort #Bundespolizei #Falke #Grosz #NDR #Flut #tödlich

Crimetime Vorschau - Titelfoto © NDR, Christine Schroeder

Gegenläufige Tendenzen nach der Premiere

10,96 Millionen Menschen schaltete am Sonntagabend im Ersten den „Tatort: Tödliche Flut“ ein, nie zuvor kam Kommissar Falke auf eine solche Zuschauerzahl. Der Marktanteil lag bei grandiosen 30,4%, natürlich holte der ARD-Krimi damit auch den Tagessieg. Platz 2 geht an die 20-Uhr-„Tagesschau“, die im Ersten zuvor 9,50 Millionen (26,6%) sahen (…). Um 20.15 Uhr erreichte das ZDF gegen den starken „Tatort“ 4,95 Millionen Menschen (13,7%) mit dem Film „Ein Sommer auf Elba“. Stärkstes Programm der Privaten war am Sonntag „RTL aktuell“ mit 4,46 Millionen Sehern und 15,7%. (Meedia)

Ist das Tschiller-Syndrom auf Falke und Grosz übergesprungen? Hohe Quoten, aber schwache Bewertungen seitens der Fans?

Ich glaube, das kann man so nicht sagen, obwohl „Tödliche Flut“ gegenwärtig eine wirklich ernüchternde Platzierung in der Gesamtrangliste des Tatort-Fundus erreicht (Platz 1101 von 1167 Filmen). Denn die hohen Quoten der ersten Tschiller-Hamburg-Fälle waren vor allem der Neugier, man kann auch sagen Sensationsgier, der Zuschauer geschuldet, aber die Meinungen waren deftig negativ. Auch dies ist eine Art von Sensation – eine, die im Grunde abzusehen war, muss man leider sagen, denn Tatort-Fans sind keine Keinohrhasen-Fans. Zumindest nicht überwiegend.

Mittlerweile dominiert eher die Abneigung, die ich bezüglich der Gestaltung dieser Schiene von Beginn an empfand, aber natürlich habe auch ich mir alle Filme mit Off-Duty- und Chill-Out-Tschiller angeschaut, wobei Letzterer endlich eine Wende zum Besseren brachte. Oder, vorsichtiger: einen Lichtblick. Die Quoten für die Tschiller-Fälle sind aber zurückgegangen.

Erstaunlicherweise ist „Tödliche Flut“ nicht der am schlechtesten bewertete Falke-Tatort bisher, „Böser Boden“ wird noch negativer aufgenommen, siehe abgebildete Tabelle aus dem Tatort-Fundus. Bei Falke und Grosz geht es ganz schön rauf und runter, von hohen 7er-Wertungen, etwa für „Alles, was Sie sagen“ bis zu jenen 4,65/10, die „Böser Boden“ erzielt oder die 4,85/10 für „Tödliche Flut“. Erstaunlich sind diese niedrigen Bewertungen aus einem bestimmten Grund: Falke und Grosz werden von den Zuschauern nach dem, was ich bisher registriert habe, nicht „gebasht“, es kommt kein persönlicher Negativ-Faktor hinzu, der die Ergebnisse nach unten treibt, wie das früher beim Team Saalfeld-Keppler in Leipzig der Fall war, bei Stellbrink in Saarbrücken oder eben Tschiller. Der Rückschluss daraus: Einige ihrer Filme sind eben nicht gut.

Es ist nicht immer leicht, dieses Vorwissen auszublenden, wenn man, wie das im Moment der Fall ist, die neuen Tatorte erst einige Zeit nach ihrer Premiere rezensiert, aber das ist ja bei der Textarbeit mit „Altfällen“ immer schon so gewesen.

TH

Vorschau: Die Flut steigt nicht mehr so hoch

Nein, die Flut an neuen Tatorten lässt etwas nach. Es ist eher erstaunlich, dass trotz der Corona-Krise noch so viele Premieren stattfinden, aber in den nächsten Monaten werden sich die Produktionsverzögerungen wohl stärker bemerkbar machen. Sehr wohl wurde z. B. der Sonntagabend schon für andere Produktionen verwendet, wie etwa Ferdinand von Schirachs „Feinde“. Nach meiner Ansicht war das keine Akzentverschiebung bei der ARD, sondern den Problemen bei der Fertigstellung neuer Tatorte geschuldet. Trotzdem kommen Falke und Grosz nun schon zu ihrem achten gemeinsamen Einsatz bei der Bundespolizei.

Der norddeutsche Tatort „Tödliche Flut“ spielt auf der Insel Norderney, wohin es die Hamburger Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) verschlägt. Hinter dem Hilferuf einer früheren Affäre Falkes steckt viel mehr, denn kaum auf der Insel angekommen, stehen die Ermittler plötzlich vor einer Leiche, schreibt die Redaktion von Tatort-Fans einleitend. Das klingt zunächst nicht besonders spektakulär, aber dieses Filmen auf Inseln hat beim NDR eine gewisse Tradition und ist gerade wegen des notabene kleinen Personaltableaus spannend. Zuletzt wurde Nick Tschiller auf einer Insel geerdet („Chill out„) und heraus kam der bisher beste Tatort mit Til Schweiger.

Die Bilder und die von der NDR Radiophilharmonie erstmals für einen Tatort eingespielte Musik erzeugen eine atmosphärische Stimmung, die den Look und den Charme der Insel Norderney in den kalten Wintermonaten unterstreicht. Die Dreharbeiten fanden im Zeitraum vom 7. November bis 9. Dezember 2019 auf der Insel selbst, in der Kreisstadt Winsen und in Hamburg statt, heißt es von obiger Seite weiter und die Musik wird auch in einer der beiden Bewertungen des Films herausgehoben.

Ich bin ein Fan richtiger, gut auf die Handlung / die gewünschte Atmosphäre abgetimmter Scores und auch von deren Kombination mit Klassikern aller Musikstile. Es ist schön, dass sowas geht, obwohl die Etats für die Tatort-Produktionen seit Jahren eingefroren sind. Der HR hat bei seinen Murot-Filmen dabei eine Vorreiter-Stellung eingenommen. Kleiner Gruß an alle, die wegen 86 Cent monatlicher Gebührenerhöhung mal wieder komplett freidrehen: Einerseits beklagen, dass deutsche Filme keine den US-Serien vergleichbare Production Values aufweisen, andererseits nichts zahlen wollen, ts, ts. Ich finde viele hiesige Krimis trotzdem gelungen und konkurrenzfähig, weil sie weniger standardisiert sind und man sich in den Premium-Reihen, besonders dem Tatort, ab und an etwas Neues traut. Einzig die vielen Drehbuchschwächen stören, aber auch die sind zumindest teilweise der Tatsache geschuldet, dass man nicht immer nach dem Baukastenprinzip arbeiten möchte. Was sagen nun die üblichen Verdächtigen zum Tatort Nr. 1154?

Kommissar Falke wird von einer alten Freundin auf Norderney gelockt, weil dort nach und nach die ganze Insel verkauft werden soll. Etwas, was sie öffentlich anprangern will. Doch plötzlich wird ausgerechnet einer von denen ermordet, die da am meisten am Vorhaben verdienen, beginnt der SWR3-Tatortcheck seinen Text zum Film. Das klingt ja verlockend, des Weiteren wird in einer Zwischenüberschrift verraten, dass ein toter Immobilienmakler auf Norderney, sagen wir mal, zu beklagen ist und dass „Tödliche Flut“ mehr ein Spielfilm als ein Krimi sei, da ein Tatort aber vor allem ein Krimi sein soll, kommt es nur zu drei von fünf Elchen. Alle Krimis sind natürlich auch Spielfilme, aber ich denke, ich weiß, was gemeint ist.

Von Tittelbach-TV werden weitere Details verraten: Nasse Füße holt sich Kommissar Falke mit Kollegin Julia Grosz im  „Tatort – Tödliche Flut“ (NDR – Wüste Medien) auf der Insel Nordeney. Dort gibt es eine Leiche im Keller, eine Immobilienkrake, die sich über die Insel ausbreitet und eine ehemalige Affäre von Falke, die sich als intensive, gespaltene und geheimnisvolle Frau entpuppt, die nicht nur den Ermittler gehörig durcheinander bringt. Wie kommt eine bzw. ein Krake in den Keller? Ein Riesenkrake kann es nicht sein, dazu ist die Insel Norderney zu klein. Man kennt andererseits diese Darstellungen, in denen Kraken Schiffe umklammern, als wär’s nix. Gefühlt ist die Zahl der Morde in der Küstenregion in den letzten Jahren enorm gestiegen – zumindest im Fernsehen. Ob „Usedom-Krimi“, „Nord bei Nordwest“ oder „Stralsund“ an der Ostsee, „Friesland“ oder „Nord Nord Mord“ an der Nordsee, TV-Kommissare holen sich immer häufiger feuchte Füße, wird sodann festgestellt. Da hat mein Eindruck doch nicht getäuscht, obwohl ich mich im Wesentlichen auf die beiden Krimireihen Tatort und Polizeiruf beschränke.

Dass die von Tittelbach-TV mehrfach verwendete Formulierung „nasse Füß“ wörtlich zu nehmen und sogar leicht untertrieben ist, belegt das nebenstehende Foto. Ob dies Bildnis bezaubernd schön ist, muss jeder für sich entscheiden, aber es sieht nicht so gefährlich aus wie einer der See-Einsätze von Paul Stoever, in dem er nach einem Bald in der kalten Nordsee auf einer Seeboje oder dergleichen zum Sitzen kommt und auf Rettung wartet. Schließlich vergibt Tittelbach die für jene Publikation durchaus üblichen 4,5/6.

Voodoo in Ostfriesland Schwarzes Meer, blutige Dünen: Kommissar Falke folgt einer befreundeten Reporterin nach Norderney, weil sie dort bedroht wird. Der »Tatort« als Insel-Horror, schreibt Christian Buß im Spiegel. Ist das derselbe Film, über den die vorgenannten Stellen sich geäußert haben? Es ist ein schmaler Grat, an dem entlang die Handlung erzählt wird: Es geht um einen extremen Frauencharakter. Und es geht um eine extreme Reporterinnenpersönlichkeit. Als man den »Tatort« plante (Drehbuch: David Sandreuter, Arne Nolting und Jan Martin Scharf), wurde der Fall Relotius publik, der den SPIEGEL und andere Verlagshäuser unter Druck setzte: Welche Kontrollinstanzen haben versagt, wenn ein manischer Betrüger jahrelang Reportagen fälschen kann? Immerhin habe der Fall Relotius auch die Entwicklung des Films beeinflusst, schreibt Christian Buß, und der muss es als Mitglied der Spiegel-Redaktion wissen. Allerdings: (…) ist man inzwischen der ewig ähnlichen knorrigen Schnack-und-Back-Mischungen an Nord- und Ostseekrimis überdrüssig, mit der ARD und ZDF ihre Primetime vollstellen. Aber das große Publikum liebt es offenbar, wenn bei der Täterjagd beruhigend die Möwen singen und das Meer rauscht. »Nord bei Nordwest« toppt zum Beispiel inzwischen mittlere »Tatort«-Quoten. Die Folge am letzten Donnerstag sahen über zehn Millionen Menschen.

Dieses Ereignis wollten wir doch referieren, weil es eine große Nummer in den Spezialnachrichten für Medienmenschen war. Die Tatort-Durchschnittspremieren liegen im Mittel der letzten Jahre bei etwa 9 Millionen Zuschauern, mit Spitzenwerten bei den Münster-Filmen und Ausreißern nach unten der Ferienzeit, und / oder wenn aus der Schweiz gesendet wird. Werden Falke, Grosz und die als extremer Mensch beschriebene Imke auch die 10-Millionen-Marke knacken? Christian Buß vom Spiegel vergibt 7/10.

In der Süddeutschen wird schließlich verraten, dass beim Anschauen dieses Films abwechselnd echte Kriminaler und echte Journalisten Atemnot bekommen könnten, eine Bewertung wird jedoch nicht vergeben. Ich ergänze aus persönlicher Sicht, dass ich mich auf diesen Film sehr freue – nicht zuletzt wegen des Duos Falke-Grosz, das ich als eines der stimmigsten und unter den gemischten sogar mit Abstand als das beste der aktuellen Teams empfinde – wenn man von Rostock absieht, aber darauf klebt ja die Marke „Polizeiruf“ und auch dort: das Meer! Die nassen Füße!

TH

Handlung

Als die investigative Journalistin Imke Leopold Thorsten Falke um Hilfe bei der Aufklärung eines vermeintlich illegalen Immobiliendeals auf Norderney bittet, reagiert er zunächst skeptisch. Als Imke kurz darauf Opfer eines Anschlags wird, den sie nur durch Glück überlebt, bereut Falke sein Zögern und bittet Julia Grosz, mit ihm auf der Insel zu ermitteln.

Hat der Anschlag etwas mit einem groß angelegten Bauprojekt zu tun, das aufgrund der Zustimmung einiger Lokalpolitiker auf der Insel durchgewunken wurde? Der auf der Insel ansässige Anwalt und Makler, der den Deal eingefädelt und Imke gegenüber entsprechende Andeutungen gemacht hat, fällt als Informant leider aus – Falke und Grosz finden ihn erschlagen in seinem Haus.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Thorsten Falke – Wotan Wilke Möhring
Oberkommissarin Julia Grosz – Franziska Weisz
Journalistin Imke Leopold – Franziska Hartmann
Polizeichef Recker – Christoph Tomanek
Bürgermeister Wilts – Veit Stübner
Herr Lohmann – Jonas Hien
Bauunternehmer Jan Gerdes – Oliver Bröcker
Seine Ehefrau Maike Gerdes – Katharina Behrens
Torben Falke, Thorstens Sohn – Levin Liam
u.a.

Drehbuch – David Sandreuter, nach einer Idee von Arne Nolting u. Jan Martin Scharf
Regie – Lars Henning
Kamera – Carol Burandt von Kameke
Szenenbild – Sabine Dotzauer
Schnitt – Jan von Rimscha
Ton – Matthias Wolf, Tobias Krause
Musik – Stefan Will, Peter Hinderthür

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s