Corona-Affenpocken-Report 175/22 | Korrektur, erheblicher Ärger: Berlin mal wieder | Kurzreport

Frontpage | Corona und Affenpocken Lage | Inzidenz sinkt leicht, ein Bundesland mit erheblichen Zahlenkorrekturen

Report 175/22 vom 25.08.2022 (hier zu 174/22 vom 24.08.)

Nachdem wir gesehen hatten, dass die Inzidenz bundesweit von gest ern auf heute um eher enttäuschende 4 Punkte gefallen war, wollten wir zunächst keinen Report zu veröffentlichen. Der Blick auf die einzelnen Bundesländer aber offenbart Erstaunliches.

Das Überraschendste und auch Negativste: Berlin hatte in den letzten Tagen mit scheinbarer Mühelosigkeit den Spitzenrang bei der Inzidenz erobert. Im positiven Sinne, mit einem Wert von nur noch 161,5 gestern. Heute liegt er plötzlich bei 220 und kein einziger Berliner Bezirk ist mehr unter den Tops der Land- und Stadtkreise. 

„Wenn man sein Verhalten an den hier gemeldeten Inzidenzwerten ausrichtet, ist man im Grunde am A… . Ich weiß nicht mehr, wann es genau war, aber das hatten wir schon mehrfach. Schludrige Erfassung und plötzlich wieder ein steiler Anstieg, weil man sich entschloss, die Fälle doch noch irgendwann zu melden, die zwischenzeitlich aufgelaufen waren. Absolut verständlich, wenn Menschen einer Corona-Politik misstrauen, die es nicht schafft, solche Missstände schon auf Erfassungsebene in den Griff zu bekommen.“ TH, Herausgeber.

Das Problem: Man glaubt nicht, dass so etwas immer wieder passiert, selbst, wenn man die Berliner Verwaltung und ihre berüchtigten Mängel seit vielen Jahren kennt. Trotzdem weht ein Hauch von Verrat durch ein Zahlenwerk, das ein solches Schlaglicht auf die allgemeine administrative Kompetenz in dieser Stadt wirft. Verblüffend sicherlich auch, dass alle Bezirke mehr oder weniger gleichmäßig von diesem plötzlichen Anstieg betroffen sind. Bekanntlich kommt es immer wieder in einzelnen Bezirken zu Erfassungslücken, aber das wirkt sich auf die Gesamtinzidenz natürlich nicht so stark aus wie der seltsame Vorgang, der sich von gestern auf heute abgespielt haben muss. 

Berlin liegt immer noch unter dem Bundesdurchschnitt, aber dass dieser so schwach gesunken ist, hat natürlich auch mit dem Anstieg in der Hauptstadt um mehr als 40 Prozent von einem Tag auf den nächsten zu tun. Man sieht allerdings auch in anderen Regionen eine nicht sehr erfreuliche Tendenz. Lag gestern der beste Landkreis noch bei 100,3, sind es heute bereits 107 und mit dem LK Kassel gibt es wieder eine Erfassungsregion mit einer Inzidenz von mehr als 900. Andere Regionen mit weiter positiver Entwicklung gleichen das wieder ein wenig aus, sodass wir insgesamt noch auf 4 Inzidenzpunkte weniger kommen als gestern. Wegen dieser geringen Änderung der Deutschlandzahlen verzichten wir heute auf eine Inzidenzgrafik.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

271,3 (25.08.) / 275,3 (24.08.) / 288,5 (23.08.) / 302,9 (20.08.) / 312,5 (19.08.) / 314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) /  752,9 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

116 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 109 (-8).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 49.201 (vor einer Woche: 58.685).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 3.387 (gestern 3.350).

Bundesländer mit Inzidenz unter 200:  Thüringen (180), Baden-Württemberg (187), Hamburg (194).
Bundesländer mit Inzidenz über 300: NRW (350), Mecklenburg-Vorpommern (339), Saarland (317), Niedersachsen (316), Brandenburg (305).

Allerdings wurde heute die geringste Todesfallzahl „unter der Woche“ seit dem 21.07. gemeldet (116, damals 113), wodurch der 14-Tage-Durchschnitt stärker sinkt als seit langer Zeit, nämlich von 117 auf 109. Grundsätzlich ist diese Zahl wichtiger als die Inzidenz und wir geben erneut der Hoffnung Ausdruck, dass sie endlich dauerhaft absinkt. Ebenfalls deutlicher rückläufig als die Inzidenz von gestern auf heute ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen von gestern auf den Mittwoch vor einer Woche, sie fiel um knapp 15 Prozent und knapp 10.000 Fälle.

Wir werden in den letzten Tagen getroffene Entscheidungen zum persönlichen Verhalten nicht rürckgängig machen, trotz des plötzlichen Inzidenzanstiegs in Berlin. Es sind nicht unsere Schrullen, die durch solche ekstatischen Zahlensprünge zum Ausdruck kommen. Wir würden uns gerne entschuldigen, aber wofür? Dafür, dass wir uns von den Behörden immer wieder reinlegen lassen? Außerdem müssen wir uns, anders als die Berliner Zahlenaktrobat:innen es für sich reklamieren dürfen, einigermaßen verlässlich verhalten und können nicht jeden Tag eine neue Linie beschließen. Eine andere Situation wäre gegeben, wenn dieser Anstieg der Start in die nächste Welle wäre, aber dagegen sprechen derzeit noch die bundesweiten Zahlen.

Bei den Affenpocken wurden gestern 37 neue Fälle gemeldet, das sind einige mehr als an den Tagen zuvor. Wenn man auf die Grafik schaut, kann man jedoch erkennen, dass dies am insgesamt zur Abflachung neigenden Geschehen noch nichts Wesentliches ändert. 

Die Zahlen in den USA steigen allerdings weiterhin stark an; insgesamt werden nun weltweit, endemische Gebiete eingeschlossen, über 46.000 Fälle, inklusive aller Verdachtsfälle über 53.000 Fälle, registriert.

TH

Report 174/22 vom 24.08.2022 (hier zu 173/22 vom 23.08.)

Von gestern auf heute kam es zum stärksten Rückgang der Corona-7-Tage-Inzidenz seit dem 04.08., also seit 20 Tagen. Das ist erfreulich. Wir hoffen, die Sommerwelle flacht weiter ab, bevor unweigerlich der Herbstwelle kommen wird. Ist das so? Auch, wenn keine neue Mutation auftritt, die das Geschehen beeinflust?

Ebenso, wie die meisten die Sommerwelle nicht vorhergesehen hatten, könnten sie sich ja bei der Herbstwelle mal in die andere Richtung irren. Über 31 Millionen Corona-Fälle wurden bisher in Deutschland verzeichnet und man geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Vermutlich hatte die Hälfte der Bevölkerung bereits eine Infektion, abzüglich einiger Menschen, die sich bereits mehrfach infiziert haben und die in der Statistik bei jeder Infektion erneut registriert werden.

Report 174/22 vom 24.08.2022 (hier zu 173/22 vom 23.08.)

Von gestern auf heute kam es zum stärksten Rückgang der Corona-7-Tage-Inzidenz seit dem 04.08., also seit 20 Tagen. Das ist erfreulich. Wir hoffen, die Sommerwelle flacht weiter ab, bevor unweigerlich der Herbstwelle kommen wird. Ist das so? Auch, wenn keine neue Mutation auftritt, die das Geschehen beeinflust?

Ebenso, wie die meisten die Sommerwelle nicht vorhergesehen hatten, könnten sie sich ja bei der Herbstwelle mal in die andere Richtung irren. Über 31 Millionen Corona-Fälle wurden bisher in Deutschland verzeichnet und man geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Vermutlich hatte die Hälfte der Bevölkerung bereits eine Infektion, abzüglich einiger Menschen, die sich bereits mehrfach infiziert haben und die bei jeder Infektion erneut in die Statistik eingingen. Hingegen gibt es andere, die sich partout nicht anstecken. Zu denen zählen wir bisher, es sei denn, wir hätten bereits eine unentdeckte Infektion überstanden. Auf jeden Fall waren wir immer beim Team Vorsicht. Heute allerdings haben wir erstmals seit dem vergangenen Herbst absichtlich die Maske bei einem kurzen Einkauf weggelassen (ein paar Mal hatten wir vergessen, eine mitzunehmen). Diese Entscheidung hat mit dem allgemeinen Inzidenzrückgang zu tun, aber auch mit einer Veränderung im Ranking der Bundesländer. Dieses zeigt aktuell recht deutlich eine Bewegung, wir werden gleich darauf eingehen:

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

275,3 (24.08.) / 288,5 (23.08.) / 302,9 (20.08.) / 312,5 (19.08.) / 314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) /  752,9 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

147 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 117 (unverändert).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 52.939 (vor einer Woche: 67.390).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 3.350 (gestern 3.329).

Bundesländer mit der niedrigsten Inzidenz: Berlin (162), Thüringen (185), Baden-Württemberg (189).
Bundesländer mit der höchsten Inzidenz: NRW (357), Saarland (349), Mecklenburg-Vorpommern (346).

Wenn das Bundesland mit den meisten Einwohnern die höchste Inzidenz aufweist, sind dem Rückgang insgesamt Grenzen gesetzt, anders als beim kleinen Saarland mit seinen nun schon traditionell hohen Inzidenzwerten. Die regionalen Unterschiede sind weiterhin beachtlich, aber pendeln, auf Länderebene, schon länger um den Wert von 2:1 zwischen den höchsten und den niedrigsten Inzidenzzahlen. Heute liegt der Wert bei 2,22. Auf Keis- oder Stadtbezirksebene nähert sich der LK Greiz als erster der 100er-Marke von oben (100,3), auf den Plätzen folgen u. a. einige Berliner Bezirke mit Inzidenzwerten von 107 bis 150, darunter auch derjenige, in dem wir arbeiten. Unser Wohnbezirk liegt mit 177 leider etwas über dem Berliner Durchschnitt, zeigt sich gegenüer gestern (195) aber um deutliche 10 Prozent verbessert.

Wenig Bewegung gibt es weiterhin bei den Todesfallzahlen, sodass diese in Relation zum Neuinfektionsgeschehen sogar an Brisanz gewinnen. Das bedeutet auch, dass das Gesundheitssystem durch Corona weiterhin deutlich stärker belastet ist, als wenn es die Pandemie nicht gäbe.

Kommen wir noch einmal auf die unbemerkten Infektionen zurück, die natürlich auch uns erwischt haben könnten. Laut einer neuen US-Studie läge die Quote bei 50 Prozent aller Infektionen, man kann also sagen, die Hälfte aller Omikron-BA.5-Infektionen bleibt unentdeckt bzw. wird erst durch leichte Symptome entdeckt, die von Betroffenen zunächst nicht als mit Corona in Verbindung stehend identifiziert werden. Die Empfehlung am Ende: Man soll sich öfters mal testen lassen. Wir haben das immer getan, wenn die Corona-Warnapp auf Rot stand und eine Zeitlang jedes Mal vor Arbeitsantritt, als die Infektionszahlen besonders hoch waren. Aber Sie haben sicher gehört, dass die kostenfreien Bürgertests nicht mehr möglich sind. Wieder einmal eine falsche politische Entscheidung zum falschen Zeitpunkt. 

Die Affenpockenzahlen steigen weiterhin nur langsam an. Gut möglich, dass das Geschehen bereits vor einer Marke von 4.000 Fällen in Deutschland vollständig zum Erliegen kommt. Weltweit haben sich gegenwärtig ca. 48.000 Menschen angesteckt (außerhalb der „endemischen Gebiete“). Auch im Hotspot USA, in dem sich ein Drittel aller Fälle ereignet hat, gehen die Neuansteckungszahlen langsam zurück.

TH

Report 173/22 vom 23.08.2022 (hier zu 172/22 vom 20.08.)

Hatten Sie auch den Eindruck, das dritte Wochenende im August kündigt auf besinnliche Weise den Herbst an? Unterstützt wird der Eindruck bei uns in Berlin leider dadurch, dass viele Bäume sehr frühzeitig Blätter verlieren. Aber auch durch angenehme Temperaturen. 

Jedenfalls hat sich auch das Corona-Virus nicht zu spektakulären Aktionen hinreißen lassen,  wenn man den ab heute wieder tagesaktuellen Zahlen des RKI glauben darf. In Berlin jedoch, sozusagen in aller Stille, kam es zu einem weiteren deutlich Rückgang auf eine Inzidenz von 173,5, in unserem Wohnbezirk sind es 194,8, im benachbarten Kreuzberg sogar nur 132.

Der Berliner Gesamtwert ist der geringste aller Bundesländer und wir haben heute offiziell das Homeoffice-Ende verkünden können, ohne dabei ein schlechtes Bauchgefühl zu haben. Auf Null werden wir vorerst nicht kommen und an einer Stelle muss die Grenze gesetzt wird, deren Überschreiten zurück aufs Terrain der fast vollständigen Normalität führt. Bei uns war das der Inzidenzwert 200. Bundesweit wurde übers Wochenende hinweg egenfalls ein wichtiger Wert unterschritten, der von 300. Schaut man sich einzelne Landkreise an, sind die Unterschiede nach wie vor erheblich. Von 810 (Landkreis Kassel) bis 121 reicht die Spanne (LK Berchtesgadener Land in Bayern).

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

288,5 (23.08.) / 302,9 (20.08.) / 312,5 (19.08.) / 314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) /  752,9 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

146 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 117 (-1).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 60.411 (vor einer Woche: 63.745).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 3.329 (am vergagnenen Freitag 3.266).

In dem Zusammenhang ein Glückwunsch, wenn man das so ausdrücken kann, an Freunde im BGL, ihre Gegend in Südostbayern gehörte während einiger Pandemiephasen zu den Gebieten mit der höchsten Inzidenz, jetzt ist es dort offenbar schon recht entspannt. Kein Landkreis bzw. keine Stadt weist aber derzeit eine Inzidenz von weniger als 100 auf und die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt heute kaum niedriger als vor einer Woche. Die Zahl der Todesfälle stieg sogar von 140 vor einer Woche auf heute 146. Dieser so verdächtig leise gewordene Tod an / mit Corona verstorbener, vorwiegend älterer Menschen ist für uns ein Zeichen dafür, dass eben nicht alles mehr oder weniger in Ordnung ist, ungeachtet der anhaltenden leicht positiven Tendenz. Wir halten es gut für möglich, dass die Pandemie Einfluss auf die Lebenserwartung in Deutschland nehmen und sie senken wird. Die nächsten Statistiken zur Gesamtsterblichkeit werden zeigen, wie groß der Effekt ist, eine Übersterblichkeit ist jedenfalls schon sicher. Auch deshalb finden wir Diskussionen wie „Rente mit 70“ wirklich absurd. Natürilch wird derlei von denselben politischen Akteuren ins Spiel gebracht, die auch den Bevölkerungsschutz gegen Corona nicht ernst nehmen.

Passend dazu ein aktuelles Video, überschrieben mit: „Corona und die Angst: Warum wir in Pandemien immer die gleichen Fehler machen.“ (Q1-220823) Wir fanden es recht amüsant und einges darin ist ziemlich offensichtlich wahr, aber es erklärt leider nicht, warum Politik keine klaren Strategien entwickeln kann, die psychologische Effekte der verschiedenen Pandemiephasen berücksichtigen oder gar antizipieren. Darum geht es ja gerade: interdisziplinäre Expertise für klug vorausschauendes Staatshandeln nutzbar zu machen. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt das in der Regel auch, wenn es vernünftig kommuniziert wird. Sicher wussten Sie bereits, dass intelligente Menschen stärker mit Ängsten konfrontiert sind als solche mit geringerem IQ. Das heißt nicht, dass Intelligente nicht mutig sein können, denn Mut ist Angstüberwindung, nicht riskantes Verhalten aufgrund von Unwissenheit. Im Zusamenhang mit Corona heißt das, Intelligente schützen sich und andere so gut wie möglich, negieren keine Gefahren, aber kaufen nicht tonnenweise Klorollen einerseits (erinnern Sie sich noch?) oder behaupten andererseits wider alle Erkenntnisse, es gebe gar keine Pandemie.

In den Twitter-Trends heute nur #Maskenpflicht. Ja, eben.

Vielleich beginnt bald die Zeit der Aufarbeitung? Nicht, wenn wir dem im Video zu sehenden Neurowissenschaftler glauben. Dann wird erst einmal kräftig verdrängt und bei der nächsten schwierigen Situation geht es so von vorne los, als hätte es nie Situationen gegeben, aus denen man hätte lernen können. Manchmal merkt man auch, wie schwer der Lernprozess in unterschiedlichen Phasen derselben Gesamtsituation ist. Karl Lauterbach teilte uns kürzlich mit, der angepasste, Omikron-bereite Impfstoff, auf den wir auch persönlich spekulieren, sei auf jeden Fall in hinreichender Menge bestellt wrden. Wie bisher, wenn die Impfkampagne zwischen nicht genug Impfstoff und nicht genug ereitschaft zum Impfen hin- und herschleuderte, gibt es bereits Widerspruch gegen diese Einschätzung (Q2-22082319):

„“Es besteht aus unserer Sicht die Gefahr, dass die Politik erneut die Vorbereitungen auf den Herbst nicht rechtzeitig in die Wege leitet“, zitierten das Redaktionsnetzwerk Deutschland aus einem Brief Weigeldts [der Bundesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Anm. TH] an die Landesvorsitzenden des Hausärzteverbands.“

Wir hatten kürzlich in dieser Beitragsreihe über die wichtigen Septembertermine für die Kampagne mit den neuen Impfstoffen berichtet. 

Interessant ist das oben verlinkte Video (Q1) auch im Zusammenhang mit den Affenpocken, die zunächst ein Riesenhype waren, obwohl die Auswirkungen einer Infektion aufgrund der Erfahrungen aus den endemischen Gebieten einigermaßen bekannt waren. Mittlerweile sind die Neuinfektionen in Deutschland so gering, dass wir darüber nachdenken, nicht mehr in jedem Report darauf einzugehen. Die Grafik drückt dies deutlich aus, die Anstiegskurve wird immer flacher und entfernt sich immer weiter vom langfristigen Trend. Dieser flacht zwar ebenfalls ab, aber berücksichtigt auch das anfängliche Geschehen mit steilen prozentualen Anstiegen noch immer.

Selbst in den USA, in denen zuletzt die Mehrzahl der weltweiten Neuinfektionen zu verzeichnen war, gibt es Anzeichen dafür, dass die Lage sich allmählich beruhigt. Aus höherer Geschwindigkeit ist der Bremsweg länger, ebenso geben die Fallzahlen auf hohem Ausgangsniveau weniger schnell nach, nominal betrachtet. Es wird also noch etwas dauern, bis man vom Ende dieses „Ausbruchs 22“ sprechen kann, aber Wellenbewegungen wie bei Corona erwarten wir eher nicht.

TH

Report 172/22 vom 20.08.2022 (hier zu 171/22 vom 19.08.)

Heute spoilern wir besonders kräftig und halten uns ansonsten kurz, dem Namen des Features gemäß. Im Grunde wollen wir nur vermelden, dass die Corona-7-Tage-Inzidenz nun doch wieder etwas sinkt.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

302,9 (20.08.) / 312,5 (19.08.) / 314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 752,9 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

121 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 118 (+1).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 36.295 (vor einer Woche: 45.859).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summierte sich gestern auf 3.266 (vorgestern 3.242), heute wurden keine aktualisierten Zahlen gemeldet.
 

Erstmals seit mehr als zwei Wochen ist der aktuelle Tagesrückgang wieder stärker gewesen als der Tend der letzten 14 Tage, der sich aufgrund des Quasi-Stillstands in der laufenden Woche allerdings deutlich abgeflacht hat. Aber 3 Prozent Rückgang, wie heute, sind 3 Prozent, das verbuchen wir auf der Habenseite oder Corona-Entspannungsseite. Für uns persönlich ist wichtig, dass das Bundesland Berlin nun wieder die Kurve in Richtung Abwärtsbewegung bekommen hat, innerhalb weniger Tage sank der Inzidenzwert hier von ca. 290 auf 212,5. Auf diese Weise können wir ohne inneren und unter Vermeidung von mehr äußerdem Druck den letzten Homeofficetag aufgeben. Wir hatten anlässlich seiner Einrichtung bzw. letzten Verlängerung festgelegt, dass wir das bei einer Inzidenz von weniger als 200 tun werden. Nun wollen wir hoffen, dass es nicht nächste Woche zu einer erneuten Steigerung der Neuinfektionszahlen kommt.

Wir verzichten heute auf weitere Infos zu Corona. Zu den Affenpocken veröffentlichen wir ebenfalls keine Info-Grafik, da traditionell samstags vom RKI keine neuen Zahlen zu dazu gemeldet werden. Aus den Werten der letzten Tage konnte man aber klar ermitteln, dass der Affenpocken-Ausbruch in Deutschland nicht mehr zu explosionsartig ansteigenden Fallzahlen tendiert.

TH

Report 171/22 vom 19.08.2022 (hier zu 170/22 vom 18.08.)

Die Sommerwelle hat einen Entschluss gefasst. Sie hat sich dazu entschieden, bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von über 300 zu behaupten, sie sei keine Welle mehr. Blöd indes, dass es immer noch regelmäßig zu dreistelligen täglichen Todeszahlen an / mit Corona kommt. 

Nachdem gestern erstmals seit mehr als 3 Wochen wieder ein leichter Inzidenzanstieg zu verzeichnen war, geht die die Inzidenz heute minimal zurück. Es gibt viele Stimmen, welche die Inzidenzbasierung als Ausgangspunkt für die Messung der Aktivität von Covid19 für überholt halten. Deswegen berichten wir jedes Mal über die Todesfallzahlen, und diese belegen unzweifelhaft, dass eben nichts in Ordnung oder endemisch ist und man sich wegen Corona keine Sorgen mehr machen muss.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

312,5 (19.08.) / 314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

169 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 117 (-1).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 46.724 (vor einer Woche: 49.839).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 3.266 (gestern 3.242).  

Nach unserer Ansicht sind die Zahlen kein Anlass, alle Maßnahmen gegen Corona einzustellen und es einfach laufen zu lassen. Nachdem wir gestern über die Maskenpflicht im Freien referiert haben und dargestellt, dass gegenwärtig eine große Mehrheit der Bürger:innen dagegen ist, schauen wir heute noch einmal, wie es sich drinnen verhält, insbesondere in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Eine Maskenpflicht im Fern-, Flug- und öffentlichen Nahverkehr stößt immer noch auf große Zustimmung der Bevölkerung. In einer Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 63 Prozent der Befragten an, sie unterstützten eine solche Pflicht im öffentlichen Nahverkehr. Für den Fernverkehr der Bahn und den Flugverkehr waren es 58 Prozent. Nur 24 Prozent erklärten, sie seien grundsätzlich gegen eine Maskenpflicht.

Für andere öffentlich zugängliche Räume wie beispielsweise Geschäfte unterstützten 46 Prozent der Befragten eine Maskenpflicht, für Schulen nur 29 Prozent. Überdurchschnittlich fiel die Zustimmung bei Anhängern der Grünen aus, deutlich kleiner bei denen der FDP, am geringsten bei Menschen, die bei der vergangenen Bundestagswahl AfD gewählt hatten. Von ihnen erklärte eine knappe Mehrheit von 51 Prozent, generell gegen eine Maskenpflicht zu sein. (Q1-22081913)

DIe 24 Prozent Generalmaskengegner:innen spiegeln sich leider derzeit auch im ÖPNV, etwa ein Viertel trägt keine Maske mehr. Dagegen sein, heißt also auch, sich frei zu fühlen, wichtige Schutzregeln zu umgehen. Nicht bei allen Normen ist die Einhaltungsquote direkt anhand der Überzeugung abzulesen, denn bei vielen Tatbeständen tritt eine angstbedingte Hemmschwelle hinzu, aber jede:r weiß mittlerweile, dass im ÖPNV sowieso nicht kontrolliert wird. Nicht in Berlin jedenfalls. Und hat nicht doch fast jeder noch eine Maske in der Tasche, um sie schnell überzustreifen, wenn sich irgendwo in der Bahn der ernsthafte Versuch abzeichnet, die Maskenpflicht durchzusetzen? Ach ja. Menschen. Warum befassen wir uns mit ihnen? Um den Niedergang der Zivilisation anhand einer bis heute nicht vernünftig gemanagten Pandemie-Herausforderung möglichst exakt zu dokumentieren? Im oben zitierten Artikel wird nicht erwähnt, dass das mittlerweile beschlossene Infektionsschutzgesetz auch die Einführung einer Maskenpflicht im Freien möglich machen soll.  

Nicht viel Neues bisher. Vielleicht aber auf einem anderen Gebiet, das mehr und mehr in den Fokus rückt, je länger die Pandemie andauert: Long Covid. Diesbezüglich lassen wir den Bundesgesundheitsminister selbst via Twitter sprechen:

Akiko Iwasaki, die an der renommierten US-amerikanischen Universität Yale Medizin lehrt, forscht bereits seit zwei Jahren an Long COVID. Gemeinsam mit ihrem Team setzte sie sich mit der Frage auseinander, was Menschen, die nach einer Corona-Infektion an Long COVID erkranken, von jenen unterscheidet, die nach der Infektion keine derartigen Symptome entwickeln. Bei der Studie mit 215 Teilnehmenden fiel auf: Menschen mit Long-COVID-Symptomen wiesen einen niedrigeren Cortisol-Spiegel auf, als Teilnehmende der Kontrollgruppe. (Q2-220819)

Wenn sich diese Erkenntnis in einer größeren Studie bestätigt, bedeutet dies, dass die gute alte Cortison-Gabe, die in Form von Spritzen schon den schmerzgeplagten US-Präsidenten John F. Kennedy zum Charismatiker machte, die Lösung für alle Long-Covid-Probleme ist? State of the Art ist das Aufpeppen von Menschen mit Cortison wegen erheblicher Nebenwirkungen heute nicht mehr, aber fast alles erlebt ja in diesen Zeiten ein Revival. Kein Wunder, dass Lauterbach nach dem Tenor des zitierten Artikels „begeistert“ ist. Vielleicht hat er mit sich selbst ein wenig experimentiert. Wir hoffen hingegen, dass eine massive Zuführung von Cortison nicht der letzte Schluss bei der Behandlung von Long-Covid-Symptomen sein wird. In dem Beitrag, der mit dem Tweet verlinkt ist, wird denn auch vorsichtig formuliert bzw. dezidiert gebremst, was den Schlüssel gegen Long Covid aufgrund der neuen Erkenntnisse angeht.

Von der Behandlung zurück zur Vorbeugung. Die Stiko empfiehlt nun die vierte Impfung schon für Menschen ab 60 Jahren, bisher ging die Empfehlung auf „ab 70“. 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt nun offiziell eine zweite Corona-Auffrisch-Impfung auch für Menschen ab 60 Jahren. Menschen in dieser Altersgruppe und im Alter ab fünf Jahren mit einem erhöhten Risiko für schwere Covid-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung sollten einen weiteren Booster erhalten, hieß es in einer Mitteilung des Gremiums vom Donnerstag zur Aktualisierung der Impfempfehlung. Die Stiko erweitere ihre bisherige Empfehlung „mit dem primären Ziel, besonders gefährdete Personen noch besser vor schweren Covid-19-Erkrankungen und Covid-19-bedingten Todesfällen zu schützen“. (Q3-22081918)

Die Ständige Impfkommission nähert sich also Karl Lauterbach an, könnte man das Obige zusammenfassen. Schon seltsam: Je mehr sich die aktuell dominierende Virenvariante von den aktuell erhältlichen Impfstoffen wirkungsmäßig entfernt, desto offensiver werden die Impfempfehlungen. Aber wir müssen ja nicht alles verstehen, wir finden es eben nur seltsam.

Und damit zu den heutigen Grunddaten als Grafik:

Rechts kann man den Stillstand, der aktuell in Sachen Corona-Neuinfektionen herrscht, anhand des Inzidenzwertes deutlich erkennen. Auch der 14-Tage-Trend der Inzidenz (blaue Linie) spiegelt das mittlerweile und nähert sich der Nulllinie von unten an. Das Endemische an Corona scheint vor allem zu sein, dass die Menschen es als normal ansehen, dass daran nach aktuellen Durchschnittswerten, falls sie sich fortsetzen, auch dieses Jahr mehr als 40.000 Menschen an / mit Corona sterben werden. Es ist ein wenig wie mit dem Krebs, gegen den allerdings seit Jahren mit viel Einsatz gekämpft wird. Er ist immer noch da und sterben muss jeder einmal. Leider ist dieser Fatalismus nicht nur an sich schon schlimm, er wirkt auch auf anderen politischen Feldern, wie dem Klimaschutz, toxisch.

Zum Glück lassen sich die Affenpocken nur durch bestimmte Körperkontakte übertragen, sonst hätten wir längst eine zweite Pandemie. Ausnahmsweise kann man aber auch bei einem Problem mehr oder weniger Entwarnung geben: Der durchschnittliche Zuwachs an Infizierten in Deutschland hat sich bei einer Zahl zwischen 20 und 30 eingependelt (heute wurden 24 neue Fälle gemeldet). Anders sieht das in den USA aus, wo allein gestern ca. 500 neue Infektionen registriert wurden. Weltweit wurden 2022 ca. 41.000 sichere Fälle und bisher 7 Todesfälle ermittelt, mit den vermutlichen Fällen summiert sich die Zahl auf knapp unter 50.000. 

Deutschland verzeichnet außerhalb der endemischen Gebiete weiterhin die vierthöchste Infektionszahl weltweit. Das wird wohl vorerst der Rang bleiben, weil sich dahinter keine Länder befinden, in denen der Ausbruch gerade erst richtig Fahrt aufnimmt, sondern überwiegend europäische Staaten angesiedelt sind, in denen sich der Verlauf der Mini-Epidemie ähnlich gestaltet wie in Deutschland. Was neue Affenpockenzahlen angeht, verabschieden wir uns an dieser Stelle bis zum kommenden Dienstag. Je nachdem, was sich bei Corona tut, kommt morgen trotzdem ein Report.

TH

Report 170/22 vom 18.08.2022 (hier zu 169/22 vom 17.08.)

Gestern war noch offen, ob wir heute einen Report für Sie verfassen werden, abr leider gibt es einen Umstand, der einen sochen Artikel immer auslöst: Die Inzidenz geht nicht mehr zurück, sondert steigt wieder leicht an.

Zum ersten Mal seit dem 26.07. war heute wieder eine Zunahme der 7-Tage-Inzidenz zu vermelden. Der Zuwachs ist gering, aber die Rückgänge der letzten Tage wurden ebenfalls immer geringer, sodass diese Trendewende uns nun nicht überraschen konnte. Wo führt es hin?, das ist jetzt die Frage. Hoffentlich nicht geradewegs in die nächste Welle, wo die aktuelle noch gar nicht richtig abgeklungen ist.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

314,2 (18.08.) / 311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 752,7 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022) 

 

184 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 118 (-1).

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 58.685 (vor einer Woche: 59.888).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert auf 3.242 (gestern 3.213).  

Was soll man tun, damit die Corona-Infektion endlich auf ein Maß sinken, das man tatsächlich als endemisch bezeichnen kann? Vor ein paar Tagen hat Karl Lauterbach frohlockt, dass nun die Infektionszahlen und auch die schweren Fälle rückläufig sind. An den Todesfallzahlen lässt sich das noch nicht festmahen, sie liegen immer noch auf Niveau von knapp 120 im Durchschnitt der letzten 14 Tage. 

Wie wär’s denn mit einer Maskenpflicht im Freien, um den Rückgang der Sommerwelle wieder in Gang zu setzen? Civey hat dahingehend eine Umfrage erstellt:

Sollte bei steigenden Corona-Fallzahlen Ihrer Meinung nach eine Maskenpflicht im Freien eingeführt werden?

Hier der Begleittext dazu:

Mehrere FDP-Abgeordnete kritisieren das für den Herbst geplante Corona-Infektionsschutzgesetz. Angeführt von Bundestagsvize Wolfgang Kubicki (FDP) fordern sie eine Überarbeitung des Entwurfes. In der Welt hinterfragte Kubicki etwa die Möglichkeit, eine Maskenpflicht im Freien verhängen zu können. Der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler sieht die landesweite Hotspot-Regelung und Maskenpflichten an Schulen kritisch, die Länder verhängen könnten.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr verteidigte das Gesetz indes als „guten Kompromiss”. Er sagte der Welt, dass es dank der FDP keine tiefgreifenden Grundrechtseingriffe wie Lockdowns, Ausgangssperren, Schulschließungen oder Kontaktbeschränkungen mehr geben werde. Für Stephan Thomae, Parlamentsgeschäftsführer der FDP, sind die Maßnahmen sowohl wirksam als auch zumutbar.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hatten am Mittwoch ihre Corona-Pläne verteidigt. Ihr Entwurf sieht vor, dass die Bundesländer ab Oktober je nach Lage wieder Maskenpflichten in Innenräumen verhängen dürfen. Davon befreit werden können Menschen, wenn ihre Impfung nicht älter als drei Monate alt ist. Je nach Lage seien auch strengere Maßnahmen möglich.

Man glaubt es kaum, die FDP bekommt fast 70 Prozent Zustimmung dafür, dass sie nichts von einer Maskenpflicht im Freien hält. Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als Corona ernstgenommen wurde? Und wohnen Sie zufällig in Berlin? Dann ist Ihnen vielleicht noch erinnerlich, dass es an bestimmten Hotspots mit sehr viel Publikumserkehr tatsächlich eine Maskenpflicht im Freien gab, einige Straßen wurden dafür ausgewiesen. 

Wir haben uns rot im Kalender markiert, dass wir dieses Mal eher mit der FDP gehen, obwohl wir grundsätzlich im Team Vorsicht verortet sind. Wir haben nicht „auf keinen Fall“ sondern „eher nein“ gesagt. Wenn die Fallzahlen explodieren und die ominöse Killervariante auftauchen soll, muss wirklich alles getan werden, was geht, auch das Tragen einer Maske m Freien. Selbst, wenn dadurch die Neuinfektionszahl nur um ein paar tausend Fälle täglich sinkt und es nur ein paar Todesfälle weniger gibt. Im Moment aber wären wir schon froh, wenn in Berlin wenigstens die Maskenpflicht im ÖPNV eingehalten würde. Sprich: Es ist eine Frage der Durchsetzbarkeit, und die dürfte bei einer generellen Maskenpflicht im Freien gering sein. Viel geringer als in den ersten Pandemiemonaten, während des Lockdowns, obwohl sich da schon nicht alle beteiligten, als sie wirklich verpflichtend für jede Person war, die rausgeht in den Park, nicht nur zu einer Veranstaltung, diese waren damals quasi untersagt. 

Im Herbst kann alles passieren, deshalb sind wir nicht dafür, dass die Möglichkeit, eine Maskenpflicht im Freien zu erlassen, ganz ausgeschlossen werden sollte. Wir warn auch nicht dafür, dass eine Impfpflicht als stärkster Eingriff nicht vorgesehen wurde, denn was wird getan werden, wenn die Lage wieder komplett außer Kontrolle gerät. Jetzt ist sie das ja nur ein wenig, nach den Maßstäben, die wir uns mittlerweile angewöhnt haben.

Die Affenpockenzahlen hingegen werden keine Maßnahmen für die gesamte Bevölkerung erfordern, das zeichnet sich schon seit Wochen ab. Trotzdem gibt es zwei wichtige Zahlen, darüber noch etwas nach der Grafik:

Nachdem Deutschland wochenlang auf Platz 3 hnter den USA und Spanien gestanden hatte, ist Brasilien nun „vorbeigezogen“. Außerdem hält die vergleichsweise starke Zunahme in den USA unvermindert an, dort wurden gestern bereits mehr als 13.500 Fälle registriert. Damit haben die USA nun 41 Fälle pro 1 Million Einwohner, Deutschland 39. Wir haben bis jetzt nicht recherchiert, warum das Virus in den USA nach einer zunächst eher langsamen Ausbreitung nun so viele Menschen angreift, während sich in Europa die Lage jetzt eher entspannt zeigt, und ob es überhaupt zu dieser auffälligen Tendenz eine Idee gibt. Wenn dieser steile Anstieg anhält, werden wir versuchen, Sie über die Gründe zu informieren.

TH

Report 169/22 vom 17.08.2022 (hier zu 168/22 vom 16.08.)

Sollte morgen kein Corona-Affenpocken-Report von uns veröffentlicht werden, schreiben wir Ihnen heute schon einmal, warum (nicht): Weil das Geschehen ähnlich ist wie heute. Nämlich ein Geduldsspiel. Die Inzidenz hat sich gegenüber gestern wieder einmal kaum verändert, bundesweit zumindest. Hier die Zahlen:

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

311,8 (17.08.) / 313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 752,7 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022)

Auffällig ist, dass alle Bundesländer sich jetzt innerhalb eines Bereichs von knapp über 200 (Thüringen) bis knapp über 400 (Mecklenburg-Vorpommern) bewegen, die Spreizung zwischen den Bundesländern beträgt also nur etwa 100 Prozent. Während der Wellengipfel 2022 war die Verteilung um einiges ungleichmäßiger. Immerhin hat Berlin endlich mal wieder einen kleinen Schritt nach vorne genacht, die Inzidenz sank von gestern 294 auf heute 277, den geringsten Werte seit dem Höhepunkt der Sommerwelle. Warum wir die Gesamtentwicklung als zu wenig abwärtsgerichtet empfinden, erklärt, wie immer, diese Grafik:

Der Rückgang von gestern auf heute ist nun fast auf Null gesunken, dementsprechend steigt auch die blaue Linie (14-Tage-Tendenz) weiter an, die Abschwächung des Inzidenzrückgangs wird also zunehmend geringer. Gestern haben wir die Art, wie die Grafik gelesen werden muss, wieder einmal erläutert. 

192 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 119 (-1).

 Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 67.390 (vor einer Woche: 72.737).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert auf 3.213, am vorigen Freitag lag die Zahl bei 3.186.

Derweil macht man sich mehr und mehr Gedanken darüber, warum manche Menschen sich einfach nicht infizieren lassen wollen, obwohl immer neue Coronavirus-Varianten sich daran versuchen. Wir hatten es geahnt: Als geübt Erkältungsviren-Kombattanten und auf den ersten Blick erkennbarer Verwandtschaft mit den Neandertalern hat das Virus es bei uns wirklich verdammt schwer, außerdem sind wir fat korrekt geimpft. Nur die Blutgruppe passt nicht, es ist nicht die 0 (Q1-220817). vermutlich werden wir nicht zu dieser Statistikänderung beitragen:

Wiesbaden Insbesondere in den südlichen Ländern Ostdeutschlands hat die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen: Die Lebenserwartung ist deutlich gesunken. Eine derartiger Rückgang ist außerhalb von Kriegszeiten ungewöhnlich. (Q2-220817)

Wir wohnen ja nicht dort. Nach den neuesten Statistiken scheint also belegt zu sein, dass die Hotspots der ersten vier Wellen eine erhebliche Corona-Übersterblichkeit ausweisen. Die Impfquoten sind dort hingegen die niedrigsten innerhalb Deutschlands.

In Indien ist die Corona-Variante „Centaurus“ (BA.2.275) auf dem Vormarsch, deren Ausbreitung man auch in Deutschland erwartet hatte, was isher aber wohl nur in geringem Maße der Fall ist. (Q3-220817) Bisher gab es auf Dauer keine Variante, die in einem Land stark verbreitet war und in allen anderne nicht.

Bei den Affenpocken lässt sich heute nur feststellen, dass die Ausbreitung sich in Deutschland weiterhin verlangsamt, während vor allem in den USA noch keine Beruhigung festzustellen ist. Die hiesigen Zahlen:

TH

Report 168/22 vom 16.08.2022 (hier zu 167/22 vom 13.08.)

Bringt die neue Woche schon neue Erkenntnisse? Immerhin, die Inzidenz geht bundesweit wieder zurück, wenn auch nach unserer Auffassung zu langsam. Verblüffend die Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern. Vor genau einem Monat wurde der bisherige Höchststand der Inzidenz während der Sommerwelle gemessen, seitdem gehen die Werte zurück. In ruhigen, kleinen Schritten. Offenbar ist für Karl Lauterbach zu ruhig, vor allem die eigene Person betreffend. Wir haben heute gleich drei Meldungen von ihm und über ihn. Zunächst, wie immer, die Grundfakten:

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

313,6 (16.08.) / 342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.) / 752,7 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022)

In einzelnen Bundesländern bleibt die Inzidenz nahezu gleich, während sie in anderen stark sinkt, was die allgemeine Absenkung aufrechterhält. Vor allem die Entwicklung Bayerns von einem Hochinzidenz-Bundesland zu einem Musterstaat (Platz 2 hinter Thüringen mit derzeit 215) ist erstaunlich, in allen anderen Bundesländern sind die Werte eher nachvollziehbar, Leider auch in Berlin, wo die Inzidenz seit einiger Zeit bei ca. 290 verharrt (aktuell 294), weshalb unser Wohnstaat nur noch knapp unter dem sinkenden Bundesdurchschnitt liegt. Die mittlerweile eingetretene Sorglosigkeit weiter Teile der hiesigen Bevölkerung ist augenfällig, wohin man auch geh und schaut. Bei uns fällt es dem Virus schwer, günstige Angebote zur Weiterverbreitung auszulassen.

140 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden heute registriert, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei ca. 120.

 Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 63.745 (vor einer Woche: 78.698).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert auf 3.186, am vorigen Freitag lag die Zahl bei 3.102.

Es ist der Gaskrieg, der aktuell die Schlagzeilen beherrscht, aber die Menschen achten nach einer gewissen Zeit der Absorption durch alles, was mit der Ukraine zu tun hat, auch wieder auf die Vorgänge im Rahmen der Pandemie. Das wird daran deutlich, dass in den sozialen Medien wieder jeden Tag Hashtags mit Corona-Bezug trenden. Außer zu dieser Stunde, deswegen nun zu den Grafiken:

Warum wir enttäuscht vom aktuellen Geschehen sind, weist die rechte Seite der Grafik bis zum Rand sehr gut aus: Dem Rückgang der Inzidenz geht sozusagen die Puste aus, die blaue Linie steigt erwartetermaßen an, was bedeutet, die Dynamik nimmt ab. Damit ein gleichbleibender Rückgang in Punkten gegeben wäre, müsste sich hingegen der prozentuale Rückgang beschleunigen. Immerhin kam es nicht zu einem Wiederanstieg der Inzidenz, nicht bundesweit zumindest. Bei den Todesfallzahlen gibt es weiterhin keine Entspannung zu vermelden: Zwar liegt die gemeldete Zahl von gestern um über 30 niedriger als am Dienstag der Vorwoche, aber der 14-Tage-Trend ändert sich dadurch zunächst kaum und wir haben weiterhin 120 Tote täglich an / mit Corona zu beklagen. Vielleicht wenden wir uns deshalb jemandem zu, der früher geklagt und gemahnt hat, heute aber die Chance zum Handen hat, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. 

Dass er nun wegen der Nichteinhaltung einer speziellen Berliner-Corona-Regelung angezeigt wird, finden wir etwas lächerlich, siehe oben, Alltagsbeobachtungen in Berlin. Es geht im Grund enur um ein Detail und wir bedauern es vielmehr, dass Lauterbach sich trotz vier Impfungen angesteckt hat. Ist das bereits ein Beweis der Unwirksamkeit der Impfungen? Nein. Aber klar ist, dass die aktuellen Impfstoffe, die für „Alpha“ entwickelt wurden, eine Infektion mit der vielfach mutierten Variante „Omikron BA.5“ nicht zuverlässig verhindern können. Deswegen ist es wichtig, was Karl Lauterbach bezüglich der angespassten Impfstoffe meint: Wann kommen sie endlich? Und wieso dauert das so auffällig lange? Letzteres ist vorerst nicht zu beantworten, Ersteres scheint aber mittlerweile einigermaßen klar: Impfstoffe gegen BA.1 sollen ab 2. September geliefert werden, gegen BA.5 ab 28. September.  Also, wir nehmen dann gleich den gegen BA.5, denn BA.1 ist ja schon jetzt m. o. w. Geschichte. Ganz genau weiß Lauterbach schon, wann eine flächendeckene Maskenpflicht zu erwarten ist: Ab dem 1. Oktober. Sowohl der Minister auch als seine Gegner haben die besseren Glaskugeln, das müssen wir neidlos oder auch mit etwas Neid anerkennen.

Gar keine Glaskugel hingegen braucht es, um zu erkennen, dass das Affenpockenwirus in Deutschland einigermaßen gemächlich auf dem Pfad der weiteren Verbreitung wandert. Die Bilder von Infizierten sehen schlimm aus und man fragt sich, wie die betroffenen Hautpartien je wieder normal aussehen sollen. Bei den Pocken, wie wir sie von früher kennen, blieben in der Tat Narben zurück, bei den Affenpocken scheint das nicht der Fall zu sein. Weltweit ist das Geschehen aufgrund anhaltend hoher Fallzahlen vor allem in den USA, wo die Affenpocken zum nationalen Gesundseitsnotstand erklärt wurden, noch nicht besiegt. Die Situation in Deutschland hingegen gibt derzeit wenig Anlass zur Sorge, wie unsere Grafik mit weiterhin nachlassendem Anstieg der Neuinfektionen zeigt. Er beträgt mittlerweile nur noch ca. 0,7 Prozent pro Tag:

Da wir heute eine relativ günstige Entwicklung in Deutschland herausstellen wollten, haben wir die neueste Affenpockengrafik auch für das Titelbild verwendet.

Gestern wurden weltweit 36.214 Fälle außerhalb „endemischer Gebiete“ gemeldet, 85 Länder außerhalb dieser Gebiete sind mittlerweile betroffen. Auch wenn die USA die meisten Fälle als einzelner Staat haben, liegt das Gesamtzentrum des nicht-endemischen Ausbruchs weiterhin in Europa mit mehr als 20.000 Fällen. Allein Spanien, Großbritannien und Deutschland, die drei europäischen Länder mit den meisten Fällen, haben mit zusammen ca. 195 Millionen Einwohnern weiterhin eine ähnlich hohe Zahl aufzuweisen wie die USA mit ca. 320 Millionen Einwohnern.

TH

Report 167/22 vom 13.08.2022 (hier zu 166/22 vom 11.08.)

Im Moment ist es relativ leicht, den Turnus für die Corona-Reporte zu strecken: Es passiert nicht mehr viel. Damit ist allerdings gemeint: Es passiert nicht viel auf viel zu hohem Niveau. Uns hat es durchaus negativ berührt, dass der Inzidenzrückgang in den letzten Tagen beinahe zum Erliegen gekommen ist. Wir haben auch nachgeschaut, in welchen Bundesländern die Inzidenz sogar wieder steigt.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

342,2 (13.08.) / 345,9 12.08.) 354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.) / 752,7 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022)

Die Bundesländer mit Inzidenzwerten von unter 300:

  • Thüringen (207, Anstieg von 192 vor zwei Tagen), Hamburg (268, Anstieg von 227 vor zwei Tagen), Sachsen-Anhalt (290, gleichbleibend), Sachsen (292, Rückgang von 296 vor vier Tagen), Berlin (293, Anstieg von 290 vor zwei Tagen).

Die 7-Tage-Inzidenz liegt immer noch über 400 in:

  • Mecklenburg-Vorpommern (408, nach 404 vor zwei Tagen), Hessen (404, nach 433 vor zwei Tagen).

 Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 45.859 (vor einer Woche: 49.609).

137 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 121 Fällen, +2 gegenüber vor zwei Tagen.

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summierte sich am 12.08 auf 3.102, heute wurden keine neuen Zahlen gemeldet.

Wir haben am Beispiel Hamburgs, das einen besonders starken Inzidenzanstieg aufweist, festgestellt: Das Ende der Sommerferien kann es nicht sein, das die Kehrtwende beim Corona-Geschehen ausgelöst hat. Zumindest dann nicht, wenn man mangels Veränderung bei anderen Faktoren eine hauptsächliche Möglichkeit im wieder aufgenommenen Schulbetrieb sieht. In Hamburg enden die großen Ferien erst am 17.08. Natürlich gibt es längst Urlaubsrückkehrer und vielleicht ein paar Menschen am Arbeitsplatz als zur Ferienmitte, trotzdem ist dieser Anstieg verblüffend und höchst unerfreulich.

Selbst in derzeitigen Hochinzidenzländern wie Mecklenburg-Vorpommern verhielt der Wert bei etwa 400 und steigt wieder. Auch in Berlin ist der Rückgang gestoppt, liegt aber immer noch ca. 50 Punkte unter dem Bundesdurchschnitt, der heute nur noch um knapp 4 Punkte gesunken ist. Auch die Todesfallzahlen geben nicht nach, im Gegenteil, wir haben den höchsten Stand seit dem Beginn der Sommerwelle im 14-Tage-Durchschnitt erreicht. Um höhere Werte zu finden, muss man zurückblicken bis in den Mai, als die Omikron-BA.2-Welle abklang. Auf unserer Grafik sieht man deutlich die negative Veränderung der letzten Tage bei der Inzidenz:

Die Grafik ist so zu lesen. Steigt die rote Linie (Veränderung gegenüber Vortag) über die blaue Linie (14-Tage-Durchschnitt der Veränderung) und liegt die blaue Linie unter Null, dann liegt eine Abschwächung des Rückgangs vor und auch die blaue Linie wird, wenn sich dies fortsetzt, wieder ansteigen. Meist ist das ein Warnzeichen und deutet auf das Entstehen einer neuen Welle hin. Problem: Ein Turnaround zu wieder steigenden Inzidenzen hätte dann noch nie auf einem so hohen Niveau stattgefunden wie jetzt (wenn man vom Übergang zwischen der BA.1-Welle und der BA.2-Welle absieht, der von manchen auch als eine einzige Welle mit Doppelkamm angesehen wird).

Es gibt also keinerlei Entwarnung. Hingegen frohlocken die Interessenverbände über die „neue Corona-Politik“:

Der ZIA begrüßt die geplanten Änderungen des Infektionsschutzgesetzes. Gemeinsam mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) hatte der ZIA das Strategiepapier „Corona vor dem nächsten Herbst: Was jetzt zu tun ist“ vorgelegt und die Forderungen des Handels sowie der Betreiber von Handelsimmobilien festgehalten. Zu den Forderungen zählten der Ausschluss von Zugangsbeschränkungen und Lockdowns sowie eine Verstärkung der Impfkampagne. (Q1-220813)

Wer uns schon länger liest, weiß, dass wir uns mit der Immobilienbranche recht eingehend befassen, wenn auch derzeit stillschweigend, wegen der übergeordneten Weltprobleme. Der ZIA ist sozusagen der Sammel-Interessenverband der Baulöwen, Makler und Hausverwalter. Der ZIA weiß so gut wie jeder von uns, dass die Impfkampagne ausgereizt ist, weil in diesem Land nicht mehr Menschen erreicht werden können, als bereits erreicht wurden. Zumindest nicht auf freiwilliger Basis. Aber die neue Corona-Politik, die in der Bundesregierung von der FDP bestimmt wird, wer lobt sich dafür, sie durchgesetzt zu haben? 

Und wer versucht dabei wieder, ein Framing zu setzen, das keiner näheren Betragung standhält? Es gab bisher weder eine Pleitewelle noch stiegen die Arbeitslosenzahlen im Immobilienbereich besondes stark an. Es geht um die jederzeitige Verfügbarkeit von Arbeitnehmer:innen und deren totale Kontrolle durch die Unternehmen, sie steht weit über dem Gesundheitsschutz. Klar, dass auch der gesamte Handel frohlockt. Anders als in der Immobilienbranche hat es in diesem größeren Cluster einige kleine Händler leider erwischt, das ist nicht zu leugnen.

Aber dass diejenigen, die durch die Krisen sogar profitieren, indem die Preise immer weiter ansteigen, z. B. die für Immobilien, den gesetzlichen Lockdown-Ausschluss, der in das neue Infektionsschutzgesetz hineininterpretiert wird, weil Lockdowns nicht ausdrücklich vorgesehen sind, toll finden, ist klar. Das Kapital findet es immer toll, wenn die Arbeitnehmer:innen nicht geschützt, sondern noch mehr rangenommen werden können als ohnehin. Bestimmt wird auch aus der Ecke bald eine Forderung nach längeren Arbeitszeiten kommen, andere sind diesbezüglich schon vorprescht.

Nicht zuletzt werden durch viele Corona-Tote auch viele Wohnungen, deren überwiegend ältere Bewohner:innen noch halbwegs günstig wohnten, die man jetzt aber zu aktuellen Überpreisen weitervermieten kann. Sie glauben, das ist zu krass gedacht? Täuschen Sie sich nicht über die Mentalität in der Immobilienbranche.

Corona ist nach wie vor ebensowenig nur eine Gesundheitsangelegenheit, wie Nord Stream 2 nur ein wirtschaftliches Projekt ist: Beides ist hochpolitisch und man am Umgang damit ablesen, für wen die Bundesregierung tatsächlich arbeitet. In beiden Fällen sind Versäumnisse bzw. die Übergewichtung von Minderheiteninteressen zu beklagen.

Im selben Newsletter freut sich der ZIA übrigens über höheres Wohngeld. Nun könnte man auf die Idee kommen: Das ist aber doch sozial gedacht! Falsch. Diese Subjektförderung, wie man die Unterstützung einzelner Personen nennt, wird die Mieten weiter nach oben treiben, anstatt die dringende Deckelungswirkung zu erzeugen, und damit den Vermieter:innen noch mehr Geld in die Tasche spülen. Zahlen tun es alle Steuerzahler:innen und per Saldo hilft es wieder wem? Den Reichen natürlich. Und was für diese erneute Bevorzugung der besonders Wohlhabenden wieder dicke Bretter gebohrt werden mussten! Man kann sich richtig vorstellen, wie sich die Lobbyisten nun den Schweiß abwischen.

Quatsch! Bei einer Bundesregierung mit FDP-Beteiligung ist immer dann haufenweise Geld da, wenn es letztlich in den Taschen der besonders Gutgestellten landet. Wie man auch an Ch. Lindners neuesten Steuerplänen wieder sehr schön feststellen kann. Lindner ist außerdem ein ausgewiesener Freund des ZIA und spricht gerne Grußworte auf dessen Versammlungen. Wenn man in Berlin lebt, kann man diese „Vernetzung“ gut bebachten. Wenn man sich ein wenig für wirtschaftlich-politische Zusammehänge interessiert, versteht sich.

Der vorherige Absatz war nicht dem Thema Corona gewidmet, aber alles, was Corona betrifft, muss auch anhand von Nützlichkeitserwägungen im Sinne des Kapitals betrachtet werden. Dadurch erklärt sich manche Seltsamkeit. Zum Beispiel, dass der früherer Generalwarner Karl Lauterbach plötzlich so kleinlaut daherkommt oder sich nie durchsetzen kann. Aus der persönlichen Opposition heraus, die Lauterbach auch in der letzten Regierung Merkel häufig zeigte, ist alles klarer und leichter, als wenn man Gesundheitsminister geworden ist und mit der FDP regiert, die höchstens fünf Prozent der Personen in diesem Land vertritt, aber die Politik, niedrig angesetzt, zu 50 Prozent bestimmt.

Zu den Affenpocken liefern wir heute keine neue Darstellung, weil keine Erfassung tagesaktuelle Erneuerunger der vom RKI gelieferten Zahlen vorliegt. Die Neuinfektionszahlen sind konstant niedrig und bisher kam es in Deutschland nicht zu Todesfällen (weltweit wurden gestern bisher 7 Todesfälle registriert).

TH

Report 166/22 vom 11.08.2022 (hier zu 165/22 vom 09.08.)

Finden Sie es nicht auch merkwürdig? Dass wir Sie heute, am Donnerstag, erst zum zweiten Mal in der laufenden Woche mit einem Corona-Affenpocken-Report erfreuen? Nun ja, es hat sich nicht allzu viel getan, in den letzten Tagen, das ist der Grund. Deswegen werden wir im Anschluss an die Standardzahlen dieses Mal aber einen Blick auf die gesamt Pandemie seit März 2020 werfen und deshalb eine andere Inzidenzgrafik als üblich  zeigen.

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

354,5 (11.08.) / 366,5 (10.08. / (381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.9 / 516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 752,7 (16.07. = Höchststand während der Sommerwelle 2022)

Die Bundesländer mit Inzidenzwerten von unter 300:

  • Thüringen (207), Hamburg (227), Berlin (290), Sachsen-Anhalt (291), Sachsen (296). Berlin behauptet noch knapp den dritten Platz, obwohl die Inzidenz hier seit Tagen kaum sinkt.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt immer noch über 400 in:

  • Hessen (433) und Mecklenburg-Vorpommern (402).

 Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 59.888 (vor einer Woche: 74.645).

153 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt weiterhin bei 119 Fällen, unverändert zu den Vortagen.

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summierte sich am 11.08 auf 3.063 (Vortag: 3.029).

Um ein wenig zurückblicken zu können, haben wir heute nicht unsere eigene Grafik für Sie im Angebot, sondern „frieren“ diejenige des RKI zu den Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie „ein“. Es ist wichtig, sich zu erinnern und nicht nur auf die letzten Tage zu blicken. Sicher sind wir ungeduldig, weil die Inzidenz so mäßig sinkt, aber gibt es Grund dazu, wenn man den gesamten Verlauf der Corona-Wellen betrachtet? Hier das Ergebnis vom RKI selbst, dessen Daten wir ebenfalls für unsere Darstellungen verwenden:

Bereits im Juni haben wir Ihnen diesen Gesamtblick gezeigt, aber die Zeit bleibt ja nicht stehen, jetzt ist auch die Sommerwelle sozusagen „durch“ oder klingt wenigstens ab. Unsere eigene Grafik zeigt, weil wir erst ab Ende Dezember 2021 täglich erfassen, nur die Wellen 5, 6 und 7 (Omikron BA.1, BA.2 und BA.5). Aber wie war es damals? Im März 2020 zum Beispiel? Wegen maximal ca 4.000 Infektionsfällen pro Tag wurde der bisher größte Lockdown der deutschen Geschichte verhängt. Mit so viel Engagement ist man damals der Pandemie begegnet. Dann kam der Sommer: Frei, endlich frei, es ist vorbei. Tage fast ohne neue Fälle wurden vermeldet. Der Herbstschreck mit Welle 2 folgte auf dem Fuß: Es ist wieder da! Bis zu 15.000 Neuinfektionen täglich, hohe Todesfallzahlen, aber die Corona-Leugner:innen waren schon auf der Straße. Sogar schon im Sommer 2020, als kaum etwas los war in Sachen Pandemie haben sie sich als Widerständler:innen selbst gehypt. In der dritten Welle, der Frühjahrswelle 2021 zeigte sich dann erstmals sehr deutlich, dass die Politik nach vielen Fehlern, die sie ohnehin schon begangenen hatte, nicht mehr willens war und nicht mehr die Kraft besaß, sich diesem Kesseltreiben noch ernsthaft entgegenzustellen und fast aus jedem Bundesland kamen mehr oder weniger originelle eigenständige Meldungen zur Sache, die Zeit des Ausfaserns und des totalen Regelungschaos war angebrochen. Ein wenig wurde das dadurch kaschiert, dass nun die Impfstoffe zur Verfügung standen und man gebannt auf den Fortschritt der Impfquote blicken durfte. Heute wissen wir, auch dies hätte besser laufen können.

Die Politik konnte sich noch gerade in den zweiten Corona-Sommer retten und hoffen, dass es endlich Ruhe geben würde, und zwar längerfristig. Doch die Zahlen blieben stets höher als im Vorjahr und dann kam Delta. Etwas zu spät vermutlich, um die Bundestagswahlen noch wesentlich zu beeinflussen, aber die neue Regierung war gleich mit der bisher höchsten und tödlichsten Welle konfrontiert, auf unserer üblichen Grafik, die am 24.12.2021 beginnt, ist ihr Abklingen noch gerade zu sehen. Über 60.000 Neuinfektionen täglich und über 1.000 Todesfälle an Spitzentagen waren der neue Standard und Deutschland fand sich plötzlich bei den Ländern mit besonders schlechtem Corona-Management wieder. Okay, so plötzlich auch wieder nicht, weil schon zuvor klar war, dass die Politik den neuen Anforderungen nicht würde standhalten können, denn die Impfstory war auch schon weitgehend erschöpft, zumindest für die Dosen Nr. 1 und Nr. 2. Im November haben wir dann den Booster bekommen, mitten auf dem Höhepunkt der Welle. Wir erinnern uns noch gut daran, wie klaustrophobisch und stressig die Winterfahrt in ein weit entferntes Testzentrum mit S- und U-Bahn war, in dem es gerade einen freien Termin gab. Niemals wieder, hofften wir danach.

Doch es kam anders. Mit knapp 250.000 Neuinfektionen (BA.1) und über 300.000 Neuinfektionen täglich legte Omikron die Messlatte noch einmal erheblich höher. Die Politik so: Aber es ist ja nicht so tödlich. Lasst uns in Ruhe mit konsequenten Maßnahmen. Die Querdenker:innen: Wie, es gibt überhaupt noch Maßnahmen? Obwohl es sich hier um eine endemische Lage im Sinne einer Grippewelle handelt? Über 300 Tote am Tag? Kein Problem, der Spin geht weiter.

Und was ist mit Long Covid? Darauf gibt es bisher gar keine Antwort und selbstverständlich sorgen hohe Infektionszahlen auch für hohe Long-Covid-Zahlen. Das ist das Gefährliche daran: Dass man diesen Aspekt einfach verdrängt, auch die Politik tut das in weiten Teilen. Die sozialen Folgekosten werden aber hoch sein und wieder einmal erleben wir, wie hierzulande beim strategischen Denken der Verantwortlichen komplette Fehlanzeige herrscht. Das Entsetzliche: Nicht nur in Sachen Corona, sondern in vielen Angelegenheiten und seit vielen Jahren geht das nun so.

Da die Pandemie-Welle sechs erst vor ein paar Monaten endete, ist der Long-Covid-Output noch nicht in seiner gesamten Dimension sichtbar. Und nun die Sommerwelle. Keine Dynamik, kein Plan, Kräfte in der Regierung, denen die Menschen im Grunde egal sind. Wir können so froh sein, dass diese Welle nicht noch höher gestiegen ist. Der Verdienst eines guten Schutzmanagements war das sicher nicht. Sieben Wellen lang ist das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik weiter erodiert.

Derweil brennt es in Europa, wegen der Hitze oder wegen eines Krieges, aber man kann sich nicht einmal damit beruhigen, dass die Politik auf andern Feldern eine bessere Figur macht als bei der Pandemiebekämpfung. Es gibt keine Entspannung, kein Aufatmen. Was wird uns im Winter am meisten beschäftigen? Die Energiekrise oder doch die nächste Corona-Variante, die so richtig ernst macht? Wenn es blöd läuft, kommt beides zusammen. Stellen Sie sich vor, das Virus hat Sie richtig erwischt, weil die neue Variante auf Ihren bisherigen Impf- oder Genesungsschutz pfeift und außerdem häufig für schwere Verläufe sorgt. Sie müssen nach zwei Wochen Klinik erst einmal zu Hause bleiben, fühlen sich matt und bräuchten vor allem Ruhe und Behaglichkeit. Aber Sie dürfen nicht einmal mehr vernünftig heizen und werden außerdem noch jeden Tag mit Fails aus aller Welt zugeballert. Eigentlich müssten  Sie raus, auf die Straße, protestieren. Aber Sie schaffen es einfach nicht mehr. Sie brauchen dies oder jenes, aber das Personal hat scharenweise das Weite gesucht und vor dem Stress im Job kapituliert. Dann wissen Sie, wie alle diejenigen sich fühlen, die jetzt schon mit den Folgen der gigantischen Politkfehler der letzten Jahre, teilweise Jahrzehnte, zu kämpfen haben. Nur, wer in jeder Hinsicht sehr robust ist, sehr resilient, wird einigermaßen unbeschadet davonkommen. Und wird die Last dennoch spüren, die es bedeutet, den Einsatz für diejenigen mitleisten zu müssen, die es nicht mehr können. Gnade diesem Land bzw. seinen Menschen, wenn es dann zu einer echten Krise kommt, gegen die das, was wir aktuell sehen, nur Vorbeben sind.

Bei den Affenpocken gibt es lediglich 37 neue Fälle zu vermelden, wir sparen wegen des längeren Kommentars zu Corona die zugehörige Grafik im heutigen Report ein.

TH

Report 165/22 vom 06.08.2022 (hier zu 164/22 vom 05.08.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

381,5 (09.08.) / 417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.9 / 516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Die Bundesländer mit den niedrigsten Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (225), Hamburg (271), Berlin (295),
  • die höchsten Inzidenzwerte weisen auf:
    • Hessen (484), das Saarland (447) und Mecklenburg-Vorpommern (423)
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 78.698 (vor einer Woche: 102.698).
  • 170 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 120 Todesfällen, ein weiterer Anstieg von +1 gegenüber gestern.
  • Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summierte sich am 05.08. auf 2.887, heute wurden keine neuen Zahlen gemeldet. 

„Der Rückgang geht zurück, könnte man die heutige Corona-Situation überschreiben“, texteten wir am vergangenen Samstag. Diese Tendenz hält an: Mittlerweile liegt die rote Linie des aktuellen Rückgangs von gestern auf heute wieder über dem blauen 14-Tage-Trend, was auf eine Abschwächung des Rückgangs (oder, im Fall steigender Inzidenz, auf einen aktuell steileren Anstieg gegenüber dem Durchschnitt der letzten 14 Tage) hindeutet. 

Sozusagen zum Ausgleich steigen die Todesfallzahlen pro Tag derzeit nicht mehr, der 14-Tage-Durchschnitt geht sogar erstmals seit Wochen ganz leicht zurück. Wir hatten diese Entwicklung prognostiziert, aber es ist wie beim Inzidenzrückgang: Wir hätten nichts dagegen, wenn’s etwas schneller ginge. Was trendet heute bezüglich Corona?

#Symptom
#MaskensindkeinmildesMittel (doch, sind sie, im Vergleich zu allen anderen Maßnahmen).

Aus sehr vielen Gegenständen, die heute trenden, entfielen auf Corona nur zwei Hashtags, die Aufregung um das neue Impfschutzgesetz, das ab 22. September gelten soll, legt sich also langsam. Es bleibt dabei: Wir halten es für unzureichend bezüglich rechtssicherer Maßnahmen bei stark ansteigenden Infektionen, hoher Hospitalisierung, vielen Intensivpatient:innen wegen Corona.

Wenn Karl Lauterbach sich zu Corona äußert, reicht es normalerweise immer auch für Trend-Hashtags, heute aber nicht. Nach diesem Artikel wird Kritik an Lauterbachs Impfempfehlung (geübt): Er setzt „Stiko über die Medien bewusst unter Druck“ | WEB.DE. Eines ist sicher: Lauterbach hat es mit zu verantworten, dass die Lage unübersichtlich ist und Bürger:innen als Laien in Sachen Epidemiologie und Virologie nicht recht wissen, wie sie sich verhalten sollen.

Hingegen ist die Affenpockenlage weiterhin übersichtlich. Seit den letzten, am Freitag der Vorwoche gemeldeten Zahlen sind gerade mal etwas mehr als 100 Fälle hinzugekommen. Für andere Länder gilt diese Beinahe-Entwarnung nicht. Die USA verzeichnen nun fast 9.000 Fälle. Relativ zur Bevölkerungsgröße sind das immer noch einige weniger als hierzulande, aber der rasche Anstieg wird in den nächsten Tagen höchstwahrscheinlich zu einer Drehung dieses Verhältnisse führen.

Relativ zur Bevölkerungsgröße weisen auch Spanien (weltweit Platz 2), Portugal, die Niederlande und neuerdings die Schweiz ein höheres Infektionsgeschehen auf. Das RKI hat auf die gezielte Ansprache von Risikogruppen hingewiesen, die Wirkung zeige. Trotzdem ist das, was wir hierzulande sehen, wieder einmal einer der höchsten Werte an Infektionen weltweit. Zum Glück kann man durch wenig vorsichtiges Verhalten keine solchen Riesenzahlen an Fällen verursachen wie bei Corona. Nicht auszudenken, wenn beim hiesigen Standing der Bevölkerung in Sachen Fremd- und Selbstschutz die Affenpocken durch die Luft übertragbar wären.

TH

Report 164/22 vom 06.08.2022 (hier zu 163/22 vom 05.08.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

417,2 (06.08.) / 432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.9 / 516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Die Bundesländer mit den niedrigsten Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (247), Hamburg (280), Berlin (318),
  • die höchsten Inzidenzwerte weisen auf:
    • Hessen (525), das Saarland (490) und Bayern (456).
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 49.609 (vor einer Woche: 66.003).
  • 141 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 120 Todesfällen, ein Rückgang von 1 gegenüber dem 06.08.2022.
  • Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich heute auf 2.981 (Freitag der vergangenen Woche: 2.887).

„Der Rückgang geht zurück, könnte man die heutige Corona-Situation überschreiben: Die Inzidenz und die Neuinfektionen nehmen weiter ab, aber nicht mehr so stark wie in den Vortagen. Wir könnten uns aber durchaus vorstellen, dass sich der Rückgang wieder beschleunigt, wenn am kommenden Dienstag wieder vollständige Zahlen vorliegen werden, die anhand der geringeren nachzuerfassenden Fälle einen Rückgang auch am Wochenende reflektieren. 

 

Beide Haupttrends setzen sich mit Abschwächungen fort: Der Rückgang der Inzidenz – und der Anstieg der Todesfallzahlen. Die gegenwärtige Zahl von 120 täglichen Fällen im Durchschnitt der letzten 14 Tage ist die höchste seit Anfang Juni. Eine Grafik zu den Affenpocken gibt es heute mangels neuer deutscher Zahlen nicht, dadurch haben wir noch ein wenig Raum, uns mit dem noch immer nicht abgeschlossenen Nachbeben des neuen Infektionsschutzgesetzes zu befassen und eine Umfrage zum Thema vorzustellen:

Sollte das neue Infektionsschutzgesetz Ihrer Meinung nach bei hohen Corona-Fallzahlen wieder Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum ermöglichen?

Hier der Begleittext von Civey aus dem Newsletter:

Am Mittwoch haben sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) auf einen Entwurf für das neue Corona-Infektionsschutzgesetz geeinigt. Damit haben die Bundesländer u.a. die Möglichkeit, eine Maskenpflicht in Innenräumen oder Testpflichten in Schulen zu verhängen. Die Regelung soll von Oktober bis April gelten und muss noch von Bundestag und Bundesrat abgesegnet werden.

Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg halten die Instrumente für ungenügend. Der baden-württembergische Gesundheitsminister, Manne Lucha (Grüne,) hätte sich für den Extremfall laut dpa etwa 2G- oder 3G-Regelungen oder Kontaktbeschränkungen gewünscht. Derweil kritisiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die fehlenden Grenzwerte zur Beurteilung der Überlastung im Gesundheitswesen.

Buschmann verteidigte die Maßnahmen in der ARD als ausreichend. Die Situation sei durch die Impfquote und Medikamente wie Paxlovid deutlich besser als im Vorjahr. Je nach Infektionslage können die Länder außerdem weitere Beschränkungen verhängen. Während die Kassenärztliche Bundesvereinigung dies ausdrücklich begrüßt, befürchtet Virologe Hendrik Streeck der Welt nach ein „Überbietungswettbewerb“ der Länder beim Coronaschutz.

Klingt nun Buschmann nach Lauterbach oder ist es doch eher umgekehrt? Gegenwärtig gibt es eine knappe Mehrheit für die Möglichkeit, wieder Kontaktbeschränkungen einzuführen, wenn die Situation es erfordern sollte. So haben wir auch abgestimmt. Einen Überbietungswettbewerb der Bundesländer haben wir bisher, anders als der Virologe Hendrik Streeck, noch nie erkennen können. Da die Bundesländern auch wirtschaftlich miteinander und mit anderen Regionen der Welt konkurrieren, standen sie in den ersten beiden Jahren der Pandemie häufig auf der Bremse. Einige weniger, andere so, dass schon das Zugucken genervt hat, selbst, wenn man nicht in einem der  Bremser-Bundesländer wohnte. Und dann gab es noch diejenigen, deren Politiker populistisch die Fahne in den Wind hängten und daher vor allem durch eine erratische und inkonsistente Corona-Politik auffielen. Deswegen wäre es dringend notwendig, dass starke Maßnahmen zumindest durch eine bundesgesetzliche Vorgabe abgesichert wären, sollten sie notwendig werden.

Eine kurze Zusammenfassung zur vierten Impfung, darunter auch eine Meinung, die der u nseren entspricht, finden Sie hier (Q1-220806/05). Geradezu brisant ist die harsche Kritik am neuen Infektionsschutzgesetzt, die hier niedergelegt ist (Q2-220806/04). In dem Interview, das T-Online mit einem Mathematiker geführt hat, der Epidemien modelliert, finden Sie einen Hinweis auf alles, was Sie nach dem neuen Gesetz für den Herbst wissen müssen und warum der Interviewte das neue Gesetz für ein 9:0 für Buschmann gegen Lauterbach hält. Es ist ja nicht neu, dass die Kleinklientelpartei FDP die Bundesregierung von einer Entscheidung zur nächsten treibt, deren langfristige Folgekosten und Nachwirkungen uns nicht weniger auf den Kopf fallen werden als die opportunistische Politik von Angela Merkel, die jetzt ihre Erzeutung von Rissen in der Stabilität des Gemeinwesens offenbart, wo Gesellschaft und Wirtschaft Stresstests bestehen müssen. Das bedeutet nicht, dass wir mit Karl Lauterbach immer konform gehen, aber was sich hier regierungsseitig wieder einmal zu Lasten der Mehrheit abspielt, ist allzu deutlich sichtbar und korrespondiert bezüglich der Tendenz gut mit dem deutschen Chaos in Sachen Ukrainekrieg, das gerade angerührt wird. Nun hat der Gesundheitsminister sich auch noch mit Covid19 infiziert, trotz vierfacher Impfung, und er nimmt Paxlovid, das für Menschen mit schweren Verläufen gedacht ist. Aber wir wollen hier nicht zu viel rumgrübeln, denn Lauterbach ist nur ein einzelner Mensch und alles, was ihn betrifft, somit episodisch. Soll heißen: Was immer passiert, kann trotz gleicher Ausgangslage bei anderen Menschen andere Wirkungen haben. Im Zweifel weniger Wirkung, weil sie keine in diesen Zeiten so wichtige Position bekleiden.

Gibt es passende Hashtags des Tages? Schauen wir nach:

#LauterbachLuegt
#esreicht (bezieht sich auf mehrere Themen, Corona ist aber auch darunter und wir finden auch, es reicht langsam mit der Pandemie)
#Impfung
#Maske
#Immunsystem
#GuteBesserungKarl (sofern das nicht ironisch gemeint und auf seinen Geisteszustand bezogen ist, schließen wir uns an).

Es gibt überschlägig heute mehr Corona-Trends als solche zum Ukrainekrieg, das wollen wir nicht verschweigen. Aber auch #Atombombe ist stark nachgefragt und das sollte uns alle in Erinnerung rufen, was wirklich geschehen kann, wenn die Politik immer nur rumeiert, anstatt auf irgendeinem Gebiet endlich solide Lösungen zu finden. Grund für den Trend ist nicht der Ukrainekrieg, obwohl auch die Weiternutzung der Kernkraft und der Beschuss eines ukrainischen Kernkraftwerks in diesem Themenkreis vorkommen. Vielmehr geht es um den 77. Jahrestag des Abwurfs der ersten Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Bei allen Problemen, die wir haben, gedenken wir heute auch der Opfer dieser Bombe.  

TH 

Report 163/22 vom 05.08.2022 (hier zu 162/22 vom 03.08.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

432,2 (05.08.) / 451,3 (04.08.) 477,9 (03.08.9 / 516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Bundesländer mit den niedrigsten Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (259), Hamburg (288), Berlin (326),
  • die höchsten Inzidenzwerte weisen auf:
    • Hessen (554), das Saarland (514) und Bayern (484).
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 59.506 (vor einer Woche: 84.798).
  • 165 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 119 Todesfällen, ein weiterer Anstieg gegenüber den Zahlen von vorgestern um 11 Fälle.
  • Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 2.887, die Zunahme betrug gestern 56 und vorgestern 50 Fälle.

Gestern gab es keinen CA-Report von uns. Gestern gab es wegen einer wichtigen Veranstaltung, die uns keine Zeit ließ, gar keinen Artikel vom Wahlberliner. Wir hätten aber gestern mit dem Corona-Affenpocken-Report auch pausiert, wenn wir ansonsten neue Beiträge veröffentlicht hätten. Es läuft derzeit recht ruhig aus der Sommerwelle hinaus. Der sehr hohe Inzidenzrückgang, den wir zum Wochenbeginn sahen, hat sich etwas abgeschwächt, liegt aber immer noch oberhalb der 14-Tage-Trendlinie:

Diese Trendlinie hat nun eine Marke von etwa -3,5 Prozent erreicht. Das heißt, an jedem der letzten 14 Tage ging die Inzidenz in Deutschland durchschnittlich um ca. 3,5 Prozent zurück. Wir erwarten zumindest, dass die Herbstwelle, von der alle schon seit dem Frühjahr sprechen, nicht direkt von der Sommerwelle aus startet, sondern dass dazwischen eine ruhigere Phase liegen wird. Falls die Herbstwelle kommt. Zum Ausgleich für die unerwartete Sommerwelle könnte sie ja auch mal ausfallen. 

Die Tatsache, dass wir gestern keinen Report veröffentlicht haben, bringt es leider auch mit sich, dass wir im Zahlenblock eine gegenläufige Tendenz mit relativ starkem Anstieg ausweisen mussten: Die Todesfallzahlen an / mit Corona steigen weiterhin, und zwar beschleunigt. Ein Anstieg des 14-Tage-Durchschnitts um ca. 10 Prozent innerhalb von nur zwei Tagen ist ungewöhnlich, auch wenn die Tendenz zu mehr letalen Ausgängen einer Infektion seit über einem Monat besteht. In dem Zeitraum hat sich der 14-Tage-Durchschnitt von ca. 70 auf jetzt 119 erhöht, dem Infektionsgeschehen der Sommerwelle mit zwei bis drei Wochen Verspätung folgend. Demgemäß müssten die Werte nun bald zurückgehen. Hoffen wir also das Beste und verneinen entschieden, wenn jemand bei aktuellen Werten eine endemische Lage herbeireden will. 

Politisch gibt es nicht soviel zu berichten, seitdem das neue Infektionsschutzgesetz herauskam und lang und breit diskutiert wurde. Unsere Meinung: Vor allem in der Spitze steht da zu wenig drin. Ein Lockdown ist beispielsweise nicht als Möglichkeit enthalten und wäre nach dieser neuen Rahmenordnung gesetzwidrig, wenn eine Hotspot-Region z. B. wegen sehr hoher Hospitalisierungsraten eine solche Maßnahme beschließen würde.

Aus den Trends ist Corona noch nicht verschwunden:

#Infektionsschutzgesetz (ist noch nicht ganz ausdiskutiert),
Karl Lauterbach,
Buschmann (die beiden Ampel-Kontrahenten in Sachen Corona sind weiterhin gefragt),
#ImpfteuchinsKnie (wohin ist egal, finden wir, Hauptsache, es nützt, darauf kommt es an).

Die Affenpockenwelle in Deutschland ist hingegen so flach, dass wohl das Gesundheitssystem nicht darin ertrinken wird. Die Fallzahlen haben sich auf einem überschaubaren Niveau stabilisert, die Neuinfektionen pro Tag liegen kaum noch über 50 und in Deutschland kam es bisher unseres Wissens nicht zu Todesfällen.

Anders sieht es in den USA aus, wo die Fallzahlen auch relativ zur Bevölkerungsgröße schneller ansteigen als hierzulande. CNN berichtete am gestrigen Abend (21:09 MESZ):

News Alert: US declares the monkeypox outbreak a public health emergency The Biden administration on Thursday declared monkeypox a public health emergency, with cases on the rise across the US. The announcement came during a briefing with the Department of Health and Human Services. Read More

In den USA wurden bisher über 7.000 Fälle registriert, es ist absehbar, dass dort auch in Relation zur Bevölkerungsgröße mehr Infektionen zu vermelden sind als hierzulande, obwohl Deutschland sich weiterhin weltweit auf Rang 3 bei den absoluten Fallzahlen befindet.

Nach der Gesamt-Trendlinie müssten wir in Deutschland bereits ca. 3.200 Fälle haben, es sind aber, Stand Meldung heute, 2.881. Diese Trendlinie passt sich automatisch an und wird flacher, aber nicht so schnell, wie derzeit die Neuinfektionen prozentual rückläufig sind. Die Trendelinie ist nicht, wie bei unseren Corona-Darstellungen, auf die jüngsten 14 Tage, sondern auf die gesamte Zeit seit dem Ausbruch am 20. Mai bezogen. Immer mehr vergangene Tage mit stärkeren Anstiegen liegen nun oberhalb dieser Gesamttrendlinie und man kann  die Abflachung der Infektionsrate in den letzten ca. 10 Tagen gut erkennen.

TH

Report 162/22 vom 03.08.2022 (hier zu 161/22 vom 31.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

477,9 (03.08.9 / 516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Bundesländer mit relativ niedrigen Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (279), Hamburg (303), Berlin (334),
  • relativ hohe Inzidenzwerte weisen auf:
    • das Saarland (620), Hessen (615), Bayern (576).
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 86.681 (vor einer Woche: 121.780).
  • 210 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 108 Todesfällen, ein weiterer Anstieg gegenüber den Zahlen von gestern um 4 Fälle.
  • Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 2.781. 

Mit mehr als 7 Prozent innerhalb einer Phase mit insgesamt rückläufigen Werten hat die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland von gestern auf heute den größten Abschwung seit dem Beginn der „Sommerwelle“ (Omikron BA.5) erfahren. Es gab Ende Mai und bis etwa Mitte Juni höhere Werte, denen dann aber noch höhe Anstiege folgten. Das ist jetzt anders, der Trend ist eindeutig abwärts gerichtet.

Auch der 14-Tage-Trend ist nun eindeutig im negativen Bereich angekommen. Man kann also sagen, die Sommerwelle hat ihren Peak überschritten. Neue Varianten, die das ändern könnten, sind bisher nicht in Sicht, nachdem sich BA2.75 noch nicht als der Game Changer hin zum Negativen bzw. hin zu wieder steigenden Fallzahlen erwiesen hat.

Dass wir heute trotzdem einen Report herausgeben, hat gleich mehrere Gründe. Erstens: Wir wollten Ihnen natürlich auch diese überraschend stark ausgeprägte positive Entwicklung nicht verschweigen. Zweitens: Es gibt meistens ein „Aber“, so auch heute: Die gemeldete Zahl von 210 Corona-Todesfällen ist die höchste seit dem 16. Mai, als die Welle 6 noch im Abklingen begriffen war (damals 215 Fälle). Wir gehen weiterhin davon aus, dass die hohe Letalität mit dem Peak von Welle 7 („Sommerwelle“) vor etwa drei Wochen zusammenhängt. Viele damals neu Infizierte überleben die Infektion leider nicht. Auch die wieder hohen Temperaturen dürften dabei eine Rolle spielen: Sie tragen sicher ein wenig mit zum Rückgang der Infektionszahlen bei, führen aber bei ohnehin geschwächten Menschen vermutlich eher zum Tod, weil auch der Kreislauf nicht mehr mitmacht. Morgen erwarten wir möglicherweise den heißesten Tag des Jahrs in Berlin.

Der dritte wichtige Grund für den heutigen Report: Es gibt Neues von der Infektionsschutzfront:

Im Kampf gegen die Pandemie soll es im Herbst zwar keinen weiteren Lockdown geben, ein Kerninstrument soll dafür aber die Maskenpflicht sein. (Q1-2020803Vier neue Impfstoffe stehen in den Startlöchern und weitere Verschrfungen sind möglich, einzelne Bundesländer können diese bei gegebener Situation beschließen. Der Instrumenteknasten ist allerdings begrenzt und wird nach unserer Ansicht einer neuen Variante, die wir noch nicht kennen, nicht gerecht, falls diese ähnliche Kennziffern aufweisen würde wie Delta im Herbst 2021 und bisherige Immunität umgehen und bisherige Impfstoffe im wörtlichen Sinne alt aussehen lassen würde. Daher finden wir die im Artikel abgebildete Kritik aus Baden-Württemberg verständlich, die darauf hinausläuft, dass der „Baukasten“ des neuen Impfschutzgesetzes ziemlich enge Grenzen zieht. Ob Karl Lauterbach selbst davon überzeugt ist, was er gemäß Wiedergabe seiner Worte in dem Artikel gesagt hat, wissen wir niht, aber deutlich ist die neoliberale Handschrift des neuen IFSG, das bestimmte Maßnahmen kategorisch auszuschließen scheint. Vor allem, dass es keine Betriebsschließungen geben soll,  komme was wolle, schien Justizminister Buschmann (FDP) wichtig gewesen zu sein.

Was heute zu Corona trendet:

#Esistvorbei (gemeint ist Corona an sich – die Todesfallzahlen sagen etwas anderes)
#Infektionsschutzgesetz (selbstverständlich)
#Impfabo (nehmen wir gerne, wenn es kommt, falls auch wirklich immer was Neues dargereicht wird, was den Anforderungen der aktuellen Variante des Virus entspricht)
#IchbereuedieImpfungnicht (Gegentrend zu gestern)
#Querdeppen
#LauterbachRuecktrittsofort (Er ist wieder da!)
#Maskenpflicht 
#NieWiederFDP (weil sie durchgedrückt hat, dass im Herbst nicht auf alle möglichen Szenarien adäquat reagiert werden kann)
#Corona (man merkt, es wird wieder sehr grundsätzlich)
ÖPNV.

Damit haben wir den vierten Grund für den heutigen Report: Schon lange nicht mehr war Corona so trendy, da wäre es ganz falsch gewesen, ausgerechnet an diesem Tag gar nichts zum Thema zu veröffentlichen.  

Die Affenpckenzahlen in Deutschland entwickeln sich im erwartbaren Rahmen weiter, was auf eine überschaubare Lage hinweist. Weltweit wurden außerhalb der endemischen Gebiete nun ca. 24.000 Fälle registriert, in den letzten Tagen kam es allerdings vermehrt zu Todesfällen, insgesamt sind bisher fünf letale Verläufe bekannt. Heut haben wir die Entwicklung der weltweiten Zahlen für Sie aus der Wikipedia kopiert, bevor wir zur eigenen Datenreihe mit hiesigen Werten kommen:

Deutschland stellt ca. 11,5 Prozent aller weltweiten Fälle außerhalb der endemischen Gebiete. Das ist, wie bei Corona, eine weit überproportionale Zahl und weiterhin die dritthöchste nach den USA und Spanien. Der relativ geringe Anstieg in den letzten Tagen lässt allerdings darauf hoffen, dass sich bewahrheit, was das RKI zur Sache geäußert hat:

Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut bezeichnete den Ausbruch als eine Epidemie, die nicht lange andauern wird: „Die Fälle lassen sich per Contact Tracing gut isolieren und es gibt auch Medikamente und wirksame Impfstoffe, die bei Bedarf eingesetzt werden können.“ [144]

Mit der nicht so dramatischen Affenpocken-Lage beschließen wir einen Report, der widersprüchliche Entwicklungen darstellen musste und hoffen vor allem, dass alsbald die Todesfallzahlen an / mit Corona endlich zurückgehen werden.

TH

Report 161/22 vom 02.08.2022 (hier zu 160/22 vom 30.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

516,1 (02.08.) / 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Bundesländer mit niedrigen Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (308), Hamburg (330), Berlin (361),
  • hohe Inzidenzwerte weisen auf:
    • das Saarland (677), Hessen (669), Bayern (645).
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 102,698 (vor einer Woche: 145.472).
  • 171 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 104 Todesfällen, ein weiterer Anstieg gegenüber den Zahlen vom letzten Report am 30.07. um + 3.
  • Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland summiert sich auf 2.724.

Die Sommerwelle zieht sich zurück, das dürfte mittlerweile außer Frage stehen, die Inzidenz liegt um mehr als ein Dritel niedriger als auf dem Peak der 7. Welle. Der Rückgang an Neuinfektionen gegenüber der Vorwoche ist ebenfalls deutlich. Lediglich die Zahl der Todesfälle ist immer noch kaum im Abklingen begriffen. Wir gehen davon aus, dass mangels anderer neuer Faktoren dafür der Zeitversatz zwischen Infektion und schwerem Verlauf mit evtl. Todesfolge der Grund ist. Auch bei den Affenpocken zeigt sich ein ruhiges Bild, die Zahl der neuen Fälle pro Tag liegt, über das erfassungslose Wochenende und die aktuelle Zahl von heute hinweg gerechnet, nur noch bei ca. 32 pro Tag. Allerdings kam es Ende letzter Woche hier zu Aufregung, weil die ersten Todesfälle in Europa gemeldet wurden (Q1-220802/0730). Diese Fälle trugen sich in Spanien zu und müssen näher untersucht werdne, hieß es. Spanien hat weltweit die zweithöchsten Infektionszahlen, nach den USA und vor Deutschland. Gemessen an der Zahl der Einwohner weisen auch Portugal und die Niederlande höhere Infektionszahlen aus als Deutschland.

Heute hat Civey eine Umfrage erstellt, deren Kurztitel als Mailüberschrift nur lautete: „Lauterbach als Gesundheitsminister?“ Ist denn schon wieder Herbst 2021, als ganz viele Menschen ihn für diesen Posten wollten? Im Langtext wird klargestellt:

Wie bewerten Sie die aktuelle Kommunikation von Gesundheitsminister Karl Lauterbach bezüglich der Corona-Pandemie?

Der Begleittext aus dem Newsletter:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rief letzte Woche zur vierten Corona-Impfung auf. Besonders Risikogruppen würden sich so vor schweren Verläufen schützen. Zudem warnte er davor, Corona-Infektionen diesen Sommer nicht zu unterschätzen. Die ursprünglich Annahme, dass man sich infiziere und dann für immer immun sei, habe sich nicht be­stätigt, sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Indes gibt es Kritik an Lauterbach aus dem Gesundheitswesen. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen sagte letzte Woche in der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass er für den zweiten Booster keine Notwendigkeit sehe, solange es nicht neue und deutlich gefährlichere Varianten gebe. Die Omikron-Variante bezeichnete er laut Ärzteblatt „fast als Friedensangebot des Virus“. Zudem ist er für die Abschaffung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht und der Quarantänepflicht.

Lauterbach warnt indes vor einer Verharmlosung. Trotz vieler milder Verläufe führe Omikron zu Todesfällen und Risiken wie Long Covid. Derzeit arbeitet die Bundesregierung an Maßnahmen für den Winter. Während der Gesundheitsminister laut ARD Lockdowns und Schulschließungen ausschließt, hält er an der Impfpflicht für Pflegepersonal und der Quarantäne fest. Im September soll es zudem an die neuen Corona-Varianten angepasste Impfstoffe geben.

Zur einrichtungsbegzogenen Impfpflicht gab es ebenfalls eine Umfrage, fällt uns bei der Gelegenheit ein:

Wie bewerten Sie die Forderung von Teilen der Opposition, die einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht für Pflegekräfte abzuschaffen?

Auch hier die Hinweise aus dem Newsletter:

Teile der Opposition fordern, die einrichtungsbezogene Impfpflicht abzuschaffen. Der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge sagte der Welt, dass weder Nutzen noch Nachteile, wie die Abwanderung des Personals, bekannt seien. Statt einer Pflicht sollte man vulnerable Gruppen in den Einrichtungen mit gezielten Impf- und Testkonzepten schützen. Ates Gürpinar (Linke) hält die Pflicht als Maßnahme zur Pandemiebekämpfung für sinnlos.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) plädiert ebenfalls für die Aufhebung der Corona-Impfpflicht in der Pflege. Deren Vize-Vorstandsvorsitzende Henriette Neumeyer sagte dem RND, dass die Pflicht angesichts der milden Verläufe der Omikron-Variante nicht mehr vertretbar sei. Als sie im Dezember beschlossen wurde, wollte man v.a. vulnerable Gruppen vor gravierenden Verläufen der Delta-Variante schützen.

Beschäftigte in Einrichtungen wie Kliniken oder Pflegeheimen mussten bis Mitte März 2022 nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind. Andernfalls drohen Tätigkeitsverbote. Diese Regel ist bislang nur bis Jahresende vorgesehen und würde wegfallen, sollte das Infektionsschutzgesetz nicht erneut geändert werden. Die Regierung wolle die Frage laut Welt „zu gegebener Zeit in der Koalition diskutieren.“

Was meinen Sie? Machen Sie mit bei den Umfragen? Wir haben uns so gestellt. Die Kommunikation von Karl Lauterbach bewertenwir eher negativ. Komplett negativ nicht, zumal wir erwartet hatten, dass er nicht die Persönlichkeit wechselt wie seine Fliegen verschwundne sind, seite er vom Mahner zum Manager wurde. Mit seinen zuweilen seltsamen und manchmal übertrieben wirkenden Einlassungen werden wir leben und das herausfischen, was evident ist. Bezüglich seiner allgemeinen Empfehung für die vierte Impfung haben sich unsere Wege vorerst getrennt, weil wir unter aktuellen Umständen den Sinn darin nicht sehen, uns weiterhin mit Impfstoffen spritzen zu lassen, die nicht an aktuell umgehende Varianten angepasst sind.

Es gibt an einer Stelle einen Kipppunkt bei der Nutzen-Risiko-Abwägung, und der ist bei uns vorerst überschritten. Die Mehrheit sieht bei Lauterbach gegenwärtig eher eine schlechte oder eine ganz schlechte Kommunikation als gegeben. Ebenso ist die Mehrheit aber weiter für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Hier haben wir auch eher dafür, nicht unter allen Umständen dafür gestimmt. Es ist eben wichtig, wo man tätig ist, und z. B. in Pflegeheimen mit überwiegend hochbetagten Bewohner:innen finden wir es nach wie vor richtig, dass die Mitarbeitenden erhöhten Sicherheitsanforderungen genügen bzw. alles Erdenkliche tun, um nicht als Virusüberträger:innen in Frage zu kommen. Wir haben nicht mehr Delta und die Horror-Ausbrüche in Pflegeheimen in den ersten Corona-Monaten sind längst Geschichte. Zumindest sind sie keine Nachrichten mehr, aber die Todesfallzahlen sind immer noch hoch genug, um vulnerable Gruppen besonders zu schützen. Sie sind übrigens u. E. auch zu hoch, um eine endemische Lage auszurufen. 

Die heutigen Twittertrends zu Corona sind:

Impfschäden
#IchbereuedieImpfung
#QuerdenkersindTerroristen (mittlerweile ein Dauerbrenner).

Vor einign Tagen erreichte uns der folgende Tweet, bezogen auf Report 160/22:

Wir hatten bezüglich der Helios-Kliniken schon während der zweiten Welle eine Diskussion mit einer Person, die viele Kontakte in diese Kliniken unterhält, besonders zum Klinikum Buch in Berlin, daraufhin haben wir uns die Helios-Veröffentlichungen angeschaut. Die Helios-Kliniken sind keine Hotspots für die Behandlung schwerer Corona-Fälle, diese werden in Berlin z. B. vermehrt in der Charité versorgt. Die Charité verkündete seinerzeit eine Überbelastung dahinghend, dass geplante Operationen wegen anderer Erkrankungen, die man noch geade irgendwie verschieben konnte, wegen der hohen Zahl an Corona-Zugängen mit schweren Verläufen tatsächlich verschoben wurden. Das Wort Triage ging um, denn es ist klar, dass jede Verschiebung einer geplanten Operation eine Erhöhung des Risikos für den betr. Patienten / die betr. Patientin mit sich bringt. Das heißt nicht, dass wir aktuell in der Nähe einer solchen Überlastung sind. 

Und damit zu unseren üblichen Grafiken:

Das Verhalten der Menschen passt sich sozusagen vorauseilend der Lage an, vielerorts nehmen wir z. B. beim Einkaufen eine Maskentragequote von weniger als 50 Prozent wahr. Den ÖPNV haben wir nicht mehr gecheckt, seit unsere Unfallverletzung von Anfang Mai so weit verheilt ist, dass wir unsere Alltagswege wieder mit dem Fahrrad zurücklegen können. Bei den Affenpocken erwarten wir die nächste wichtige Grenze von 3.000 Infektionen nun erst Ende der Woche oder Anfang nächster Woche, bisher sind wir vom Monatswechsel ausgegangen. Die Zuwächse verliefen zuletzt stets unterhalb der langfristigen Trendlinie:

Nicht zum ersten Mal verkünden wir, dass wir bei weiterer Beruhigung der Lage die Frequenz der Reporte senken werden, zumal wir mit dem Klima-Energie-Report gerade eine Beitragsreihe ausbauen, die hoffentlich auf  Interesse stoßen wird und deren Inhalte uns noch lange begleiten werden. Wenn es wichtige Neuigkeiten gibt, wie kürzlich die unvermuteten Affenpocken-Todesfälle, melden wir uns selbstverständlich.

TH

Report 160/22 vom 30.07.2022 (hier zu 159/22 vom 29.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 664,9 (25.07.) / 709,7 (23.07.)  / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Die 7-Tage-Inzidenz sinkt um etwa 4,7 Prozent von 607,0  auf 578,1. Der Wert vor einer Woche betrug 709,7. 
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 66.003 (vor einer Woche: 92.009).
  • 117 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt weiterhin bei 101 Todesfällen.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hatte sich von vorgestern auf gestern von 2.540 auf 2.595 erhöht, für heute liegen keine neuen Zahlen vor.

Report 161/22 vom 02.08.2022 (hier zu 160/22 vom 30.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

516,1 (02.08.) 578,1 (30.07.) / 607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 752,7 (16.07., Höchststand während der Sommerwelle 2022)

  • Bundesländer mit niedrigen Inzidenzwerten sind:
    • Thüringen (308), Hamburg (330), Berlin (361)
  • hohe Inzidenzwerte weisen auf:
    •  
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 66.003 (vor einer Woche: 92.009).
  • 117 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt weiterhin bei 101 Todesfällen.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hatte sich von vorgestern auf gestern von 2.540 auf 2.595 erhöht, für heute liegen keine neuen Zahlen vor.

Wir hatten bereits gestern über die hohe Zahl von Krankenhauseinweisungen wegen der Corona-Sommerwelle geschrieben und ergänzen diese Information mit einer Statistik vom 25.07. über die Anzahl der mit Corona-Patient:innen belegten Intensivbetten:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Die Zahl der Covid19-Intensiv-Patient:innen ist aktuell viermal so hoch wie vor einem Jahr. Und die Zahlen steigen stetig weiter. Das DIVI-Intensivregister meldete am Sonntag, den 24. Juli, 1.414 erwachsene Corona-Patient:innen (+170 ggü. dem Vor-Sonntag) in intensivmedizinischer Behandlung – davon mussten rund 31 Prozent invasiv beatmet werden. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der letzten Welle waren im Dezember fast 5.000 Intensivbetten mit Covid19-Fällen belegt, von denen 56 Prozent invasiv beatmet wurden. Über die ganze Pandemie hinweg hat das das DIVI knapp über 201.000 Intensiv-Fälle registriert. Der Rekord wurde während der zweiten Welle mit mehr als 5.700 gleichzeitig belegten Betten erreicht.

Das DIVI-Intensivregister wurde im Frühjahr 2020 gemeinsam mit dem RKI aufgebaut, um die Verfügbarkeiten von Beatmungsbetten und von erweiterten Therapiemaßnahmen bei akutem Lungenversagen in Deutschland während der Corona-Pandemie sichtbar zu machen. Zur Interpretation der in der Grafik gezeigten Kurve im März/April 2020 ist zu beachten, dass noch nicht alle Meldebereiche im Register angemeldet waren. Die tatsächliche Anzahl der Menschen auf Intensivstationen könnte also noch über den in der Grafik gezeigten Fällen liegen. Alle wichtigen Fragen zur Datenbank werden im FAQ des DIVI beantwortet.

Auf der Grafik kann man vor allem sehr schön die Wellen 1 bis 4 erkennen, die letzte der ganz großen Herausforderungen für die Intensivmedizin war die Delta-Welle im vergangenen Winter. Ob man hingegen aus der höheren Zahl gegenüber Juli 2020 und Juli 2021, die wir aktuell sehen, etwas für den Herbst ableiten kann? In der zu Ende gehenden Woche kam es zu den höchsten Todesfallzahlen seit dem Beginn der Sommerwelle, wir rechnen aber in den folgenden Wochen aufgrund des sich jetzt deutlicher abflachenden Infektionsgeschehens mit zurückgehenden Fallzahlen. Ebenso dürfte der Peak bei den Intensivfällen nun erreicht sein. Es gab nun einmal 2020 und 2021 keine Sommerwelle.

Das heißt aber u. E. nicht, dass es in zwei, drei Monaten wieder zu 5.000 mit Corona-Patient:innen belegten Intensivbetten kommen muss. Auch während der Omikron-Wellen 5 und 6 (BA.1 und BA.2) stieg trotz der mit Abstand bisher höchsten Neuinfektionszahlen die Intensivbettenbelegung nicht auf den Stand um die Jahreswende oder gar auf den Stand der zweiten Welle im Herbst 2020. Es wird also davon abhängen, wie viele schwere Fälle eine neue Variante verursachen wird. Bisher ist als Nachfolger von BA.5 nur BA 2.75 in Sicht, auch „Centaurus“ genannt, und diese Variante setzt sich weder so schnell durch, wie man vor ein paar Wochen befürchtete, noch zeigt sie bisher dort, wo sie sich stärker verbreiten konnte, v. a. in Indien, einen signifikanten Trend zu schwereren Verläufen.

Corona ist auch heute auf Twitter ein Thema, und zwar mit folgenden Hashtags:

Ungeimpfte
#IchHabeMitgemacht
Maskenträger
#BuschmannsTote
#querdenkentoetet

Herr Lauterbach ist hingegen seit mehreren Tagen aus den Trends verschwunden, als habe ihn der Erdboden verschluckt. Was ist passiert? Es kann sich nur um seinen verdienten Jahresurlaub handeln.

Neue Affenpockenzahlen wurden heute noch nicht vermdeldet, daher schließen wir mit unser Inzidengrafik den 160. Report ab:

Zuletzt gab es am 19.06.2022 einen stärkeren Inzidenzrückgang als heute, allerdings im Rahmen eines ziemlich erratischen Geschehens mit umgehend stärkeren Anstiegen in Folge. Für die nächsten Tage hingegen erwarten wir tendenziell eine weiter sinkende Inzidenz.

TH

Report 159/22 vom 28.07.2022 (hier zu 158/22 vom 27.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

607,0 (29.07.) 630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 664,9 (25.07.) / 709,7 (23.07.) / 729,3 (22.07.) / 752,7 (16.07)

  • Die 7-Tage-Inzidenz sinkt um etwa 3,7 Prozent von 630,4 auf 607,0. Der Wert vor einer Woche betrug 729,3.
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 87.498 (vor einer Woche: 107.819).
  • 153 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 101 Todesfällen.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken gestern von 2.540 auf 2.595 erhöht. 

Bis auf eine Ausnahme am 25.07. mit einem leichten Anstieg geht die Inzidenz nunmehr seit dem 22.07. permanent zurück. Ein Ende der Sommerwelle ist das nicht, dazu müsste die Inzidenz u. E. unter 200 fallen, und das kann bei gegenwärtigem Tempo dauern, bis die Herbstwelle beginnt. Falls sie denn so kommt, wie vor allem von der zuständigen Politik prognostiziert.

Die Bundesländer mit der niedrigsten Inzidenz sind Hamburg (340), Thüringen (364) und Berlin (409), die höchsten Fallzahlen pro Einwohner weisen das Saarland (832) und Hessen (814) aus.

Weiterhin auffallend hoch ist die Zahl der Todesfälle an / mit Corona. Hierbei spielt der Zeitversatz von zwei bis drei Wochen von den höchsten Infektionszahlen während der Sommerwelle eine Rolle. Wir hoffen, dass wir auch in diesem Bereich ab der kommenden Woche rückläufige Zahlen sehen werden.

Anders sieht es in den Krankenhäusern allgemein und auf den Intensivstationen aus, was wiederum mit der hohen Zahl von Todesfällen korrespondiert:

In den Krankenhäusern kommen trotz des aktuellen Rückgangs in der Inzidenz weiterhin viele Patienten wegen oder mit Corona an. Am Freitag lag die Zahl dieser Hospitalisierungen bei 1397, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter Berufung auf das RKI meldete. Das ist auf Wochensicht zwar ein kleiner Rückgang aber immer noch mehr als auf dem Höhepunkt der Delta-Welle im November und Dezember vergangenen Jahres.

Auf den Intensivstationen sind die Zahlen der behandelten Corona-Patienten laut dem bundesweitem Intensivregister zuletzt kräftig gestiegen, liegen aber immer noch weit unter den Werten aus der Delta-Welle. Die Lage auf den Stationen ist dennoch angespannt: Stand Donnerstag meldeten 81 Intensivstationen eingeschränkten Betrieb, 47 teilweise eingeschränkten Betrieb und nur 47 regulären Betrieb. (Q1-220729)

Obwohl die Zahlen rückläufig sind, trenden heute auf Twitter wieder mehrere Hashtags, bei denen es  um Corona geht.

#QuerdenkerSindTerroristen
Ungeimpfte
Impfung oder Ansteckung
Impfpflicht
#IchHabeMitgemacht

Der erste und der letzte Begriff sind jene, mit denen sich die „Diskussionsgegner:innen“ gegenseitig überziehen, Letzterer ist schon seit Längerem immer wieder im Trend. Vermutlich ist „QuerdenkersindTerroristen“ auch eine Antwort darauf. Daraus könnte man nun wunderbar eine sprachlich-soziologische Ableitung fertigen, aber im Moment geht es um gar nichts, weil keine neue Maßnahmen in Rede stehen, sondern um die Aufarbeitung von Dingen, die so oder so nicht mehr zu ändern sind. Daran werden wir uns solange nicht beteiligen, wie dadurch nicht neue politische Fehler provoziert werden, weil die Politik zu durchsetzungsschwach ist. Mitgemacht haben wir aber, soweit es um die ersten drei Impfungen geht. Und mittlerweile mit mehreren Menschen sprechen können, die trotz drei- oder gar viermaliger Impfung infiziert waren.

Möglicherweise lässt die Aufmerksamkeitsökonomie es aktuell zu, dass man sich dem Thema wieder etwas mehr widmet.

Bei den Affenpocken setzt sich der geringere Anstieg der Fallzahlen fort, den wir seit der vergangenen Woche beobachten. Heute kam es lediglich zu 55 neuen Fällen, das aktuelle Geschehen liegt deutlich unter dem bisherigen Gesamttrend.

Nach unserer Prognose, die auf dem bisherigen Gesamttrend basiert, wäre eine Zahl von 3.500 Fällen frühestens am 07.08. erreicht, doch die neuesten Daten weisen darauf hin, dass es länger dauern wird, bis so viele Menschen in Deutschland sich mit dem Affenpocken-Virus infiziert haben werden. Schneller geht es derzeit vor allem in den USA, wo gestern fast 300 neue Fälle gemeldet wurden. Das ist auch in Relation zur Bevölkerungsgröße eine höhere Zahl als hierzulande. Weltweit steht Deutschland bezgülich der Infektionszahlen nach wie vor auf Platz 3 hinter den USA und Spanien und etwa gleichauf mit Großbritannien. Ca. 60 Länder außerhalb der Regionen in Afrika, in denen die Affenpocken endemisch sind, haben mittlerweile Fälle zu verzeichnen.

TH

Report 158/22 vom 28.07.2022 (hier zu 157/22 vom 27.07.)

630,4 (28.07.) / 652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 664,9 (25.07.) / 709,7 (23.07.) / 729,3 (22.07.) / 740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 752,7 (16.07)

  • Die 7-Tage-Inzidenz sinkt um mehr als 3 Prozent von 652,9 auf 630,4. Der Wert vor einer Woche betrug 740,3.
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 104.126 (vor einer Woche: 136.624).
  • 157 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 100 Todesfällen.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich von gestern auf heute von 2.452 auf 2.540 erhöht.

Zum zweiten Mal hintereinander sinkt mitten in der Woche die Inzidenz relativ deutlich, auch die Zahl der Neuinfektionen liegt deutlich unter jenen vor einer Woche. Nun sind die aktuellen Werte nicht etwa gering und schon wieder stieg die Zahl der durchschnittlichen Todesfälle (14-Tage-Trend) an, sodass nun eine dreistellige Zahl pro Tag erreicht wurde. Das ist eine Folge der höheren Zahl von Neuinfektionen von vor zwei, drei Wochen, wir erwarten nun aber auch bei dieser Kennziffer wieder einen langsamen Rückgang.

Politische News von Relevanz sind nicht zu vermelden. Das liegt an der Krisen-Matrioschka. Wenn man eine Krise anhebt und drunter guckt, zeigt sich immer eine neue Krise. Kein Wunder, dass die Russen diese eigentlich sehr reizvolle Idee hatten. Sie sorgt im Moment dafür, dass auch eine im Grunde katastrophale Entwicklung wie die von Covid19 mehr oder weniger in die Ecke gestellt wird, weil darunter u. a. die Inflations- und die Energiekrise sichtbar wurden. Ein wenig Wissenschaftliches auf gut konsumierbrem Niveau vielleicht: Immer mehr Krankheitssymptome werden als mögliche Anzeichen für Long Covid gedeutet. Gut, dass unser Haarausfall schon vor Corona begann, sonst müssten wir vermuten, dass es uns (bisher) unerkannterweise möglicherweise doch erwischt hat und gerade anlässlich dieses Symptoms wären wir ziemlich sauer auf das Virus gewesen. Die Mattigkeit, die uns manchmal schon überkommt, wenn wir nur die neuesten Corona-Daten auf dem Bildschirm betrachten, hatten wir bisher dem viralen Murmeltiereffekt zugeschrieben. Es könnte sich aber auch auch um eine direkte Folge von Covid19 im Sinne eines Langfrist-Symptoms handeln. In diesem Sinne: Long live the Pandemic!

Bei den Affenpocken kam es gestern zu 81 Neuinfektionen. Das ist durchaus ein deutlicher Anstieg gegenüber den Tagen zuvor, aber wie unsere Grafik zeigt, nimmt seit einer Woche die Zahl der Neuinfektionen deutlich ab und damit natürlich auch der prozentuale Zuwachs an Fällen, den unsere langfristige blaue Trendlinie zeigt. Sie zeigt auch, dass sie noch nicht ganz an diese Beruhigung glaubt. Sie wird es aber müssen, wenn weiterhin nur noch wenige neue Fälle hinzukommen. Weltweit steht Deutschland derzeit auf Platz 3 hinter den USA, die Spanien (Platz 2) nun überholt haben und in denen die Ausbreitungsgeschwindigkeit von allen stark betroffenen Ländern derzeit am höchsten ist. Wie wir brereits vor einigen Tagen schrieben: Dass die WHO die Affenpocken zum Notfall erklärt, dürfte vor allem an der raschen Zunahme von Infektionen in den USA liegen.

Wir werden in den nächsten Tagen vermutlich die Frequenz der Reporte absenken, wenn sich nicht etwas grundlegend Neues ergibt, etwa eine Kehrtwende bei Corona, wesentlich mehr Affenpocken-Fälle oder ein plötzlicherer stärkerer Abfall der Corona-Inzidenz. Wichtige politische Aspekte der Pandemie werden wir Ihnen ebenfalls nicht vorenthalten.

Die Corona-Reporte zählen mittlerweile zu den am meisten nachgefragten Beiträgen des Wahlberliners. Das macht es etwas schwierig, die Häufigkeit ihrer Veröffentlichung zu vermindern. Umso mehr bedanken wir uns bei unseren Leser:innen zur Abwechslung einmal für ihre Aufmerskamkeit und dafür, dass sie die Konstanz, mit der wir am Thema dranleiben, zu schätzen wissen.

TH

Report 157/22 vom 27.07.2022 (hier zu 156/22 vom 26.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

652,9 (27.07.) / 678,7 (26.07.) / 664,9 (25.07.) / 709,7 (23.07.) / 729,3 (22.07.) / 740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) 

  • Die 7-Tage-Inzidenz sinkt um knapp 4 Prozent on 678,7 auf 652,9. Der Wert vor einer Woche betrug 740,1.
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 121.780 (vor einer Woche: 140.999).
  • 181 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 99 Todesfällen (+5).
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich von gestern auf heute von 2.410 auf 2.452 erhöht.

Der heutige Rückgang der 7-Tage-Inzidenz (Anzahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb von 7 Tagen, bezogen auf 100.000 Angehörige der Bevölkerung) ist der höchste seit dem 03.07.2022 (damals -4,5 Prozent). Vor gut drei Wochen war dieser Rückgang kein sicheres Indiz für ein Überschreiten des Sommerwelle-Höhepunkts, dieses Mal gehen wir aber davon aus, dass es zu weiter rückläufigen Zahlen kommen wird. Seinerzeit handelte es sich nämlich um einen „Sonntagswert“, der darauf zurückzuführen war, dass das RKI zuvor seine Erfassungtätigkeit von Neufällen an Wochenenden bzw. deren Publikation eingestellt hatte. Auch der letzte stärkere Rückgang von ca. 3,9 Prozent am 10.07. war ein „Wochenendwert“. Dieses Mal sehen wir einen deutlichen Rückgang mitten in der Woche und in diesem Sinne ist es der stärkste während der Sommerwelle.

Auch der Anstieg der weltweiten Corona-Infektionszahlen scheint gebremst zu sein, zuletzt kam es nicht mehr zu Zahlen von mehr als einer Millionen Fällen täglich. Die deutschen Zahlen, die weiterhin zu den höchsten weltweit zählen, spielen dabei eine wichtige Rolle. Einige der letzten Tage erbrachten auch deshalb „nur“ sechsstellige Neuinfektionszahlen, weil die deutschen Werte nun etwas sinken, ansonsten hätten sie möglicherweise knapp über einer Million gelegen. Der letzte siebenstellige Wert wurde am 21.07. ausgewiesen. Die gestrigen 0,970 Millionen könnten allerdings durch Nachkorrektur noch etwas steigen.

Die im Weltvergleich weiterhin enorm hohen Zahlen zeigen sich daran, dass Deutschland gestern hinter Japan an zweiter Stelle bei den Neuinfektionen stand – und an vierter Stelle bei den Todesfallzahlen. Und damit zu den unerfreulichen Nachrichten.

Wenn sich die Zahlen in den kommenden Tagen nicht deutlich ermäßigen, werden wir erstmals seit Anfang Juni wieder eine tägliche Todesfall-Durchschnittszahl von mehr als 100 Fällen sehen (14-Tage-Trend). Die gestrige Zahl von 187 Todesfällen war die höchste seit dem 16.05.2022 (damals 215), heut sind es nur 6 Tote weniger als gestern, die wir zu beklagen haben. Die lezten beiden Tage mit mehr Corona-Toten als in den beiden vorangegangenen (368) gabe es am 16. und 17. Mai (389).

Bei den Affenpocken wiederum zeigte sich seit in den letzten Tagen eine deutliche Beruhigung des Geschehens, die sich heute fortgesetzt hat. Nur noch 49 neue Fälle wurden verzeichnet, der Höchststand von 105 Fällen wurde am 08.07. erzielt. In unserer Grafik sieht diese Entwicklung so aus, dass sich das aktuelle Geschehen von der Gesamttrendlinie weiter entfernt. Wir gehen davon aus, dass es nun mindestens 10 Tage dauern wird, bis die Zahl von 3.000 Fällen erreicht sein wird, obwohl die Trendlinie bis dahin ca. 3.500 Fälle ausweist.

Die Corona-Zahlen sind alles andere als ein Ausweis guten Krisenmanagements, wieder einmal oder weiterhin, auch wenn es zuletzt zu einem mäßigen Rückgang der Neuinfektionen kam. Sowohl die Politik als auch die Bevölkerung sind in Deutschland allerdings so beschäftigt mit dem Ukrainekrieg und der daraus folgenden Gaskrise, dass die viel zu hohen Corona-Zahlen kaum noch Gegenstand der Diskussion sind. Das liegt aber nicht daran, dass sie indiskutabel sind, sondern an der begrenzten Aufnahmekapazität der Menschen. Auch deswegen haben wir heute, um einen freundlicheren Trend zu zeigen als z. B. den der Corona-Todesfälle, die Affenpocken-Grafik für als Titelbild verwendet.

TH

Report 156/22 vom 26.07.2022 (hier zu 155/22 vom 22.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

678,7 (26.07.) / 664,9 (25.07.) / 709,7 (23.07.) / 729,3 (22.07.) / 740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.)  

  • Die 7-Tage-Inzidenz steigt leicht an von 664,9 auf 678,7. Der Wert vor einer Woche betrug 744,2.
  •  Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 145.472 (vor einer Woche: 160.691).
  • 187 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 94 Todesfällen. 
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich von gestern auf heute von 2.352 auf 2.410 erhöht.

Wir starten in die neue Report-Woche mit einer sinkenden Inzidenz im Wochenvergleich, auch wenn sie von gestern auf heute leicht angestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen liegt aber mit 145.472 immer noch auf Sommerwelle-Niveau und vor allem ist die Zahl der Todesfälle, die heute gemeldet wurde, die höchste seit dem 16.05.2022 (damals 215). Aus dem politischen Raum gibt es zur Pandemie nicht viel Neues, der Stand entspricht in etwa dem vom 22.07., als wir zuletzt darüber berichtet haben (Q1-220726/22).

Die Inzidenzgrafik zeigt heute erstmals seit einer Woche wieder einen Inzidenzanstieg, dieser könnte aber auch auf Fälle zurückzuführen sein, die am vergangenen Wochenende nicht sofort erfasst wurden. Dies wurde jetzt nachgeholt. Die Untererfassung ist aber nicht nur temporär, sondern es gibt auch den permanenten Aspekt, der darauf beruht, dass zu wenig getestet wird, um alle Infektionen ermitteln zu können. Im Moment sieht es aber so aus, als ob der Peak der Sommerwelle erst einmal überschritten sei. 

Bei den Affenpocken zeichnet sich noch wesentlich deutlichere Beruhigung ab. Sie drückt sich auf unserer Grafik unter anderem darin aus, dass die blaue Trendlinie noch nicht die ganz aktuelle Situation reflektiert, die ein wesentlich geringeres Neuinfektionsgeschehen zeigt. Gut möglich, dass wir in zehn Tagen erst eine Zahl von ca. 3.000 Affenpocken-Infektionen in Deutschland erreicht haben, nicht, wie bisher prognostiziert, dann bei ca. 3.500 stehen werden. 

Dieses plötzliche Abflachen der Infektionskurve war nicht vorhersehbar, die Trendlinie wird sich erst daran anpassen müssen. Der prozentuale Anstieg an Fällen ist aber seit dem Beginn des Ausbruchs fast permanant rückläufig, was auf eine weiterhin übersichtliche Lage hinweist. Warum die WHO gerade jezt bzw. vor ein paar Tagen den Auffenpocken-Ausbruch zur Notlage erklärt hat, kann man aus den deutschen Zahlen jedenfalls nicht ableiten, obwohl sie zu den höchsten weltweit zählen.

TH

Report 155/22 vom 23.07. (154/22 unterhalb)

Alle Augen schauen heute nach Odessa, aber wir haben überraschenderweise Grund für ein Update des eher ruhigen Corona-Affenpocken-Reports von heute Morgen:

„Bislang hatte die WHO noch keinen Anlass gesehen, wegen der Affenpocken den Gesundheitsnotstand auszurufen. Doch angesichts der weiteren Ausbreitung kam nun die Kehrtwende: WHO-Generaldirektor Tedros erklärte die „Notlage von internationaler Tragweite“.“ (Q2-220723). Dieser Artikel wurde gerade erst von der ARD veröffentlicht. Wir haben uns deshalb die Zahlen des Tages noch einmal angeschaut. Es gibt keine wesentlichen Aktualisierungen.

Vermutlich hat die Änderung der WHO-Einschätzung mit dem vergleichsweise steilen Anstieg der Fallzahlen in den USA in den letzten Tagen zu tun. Wir hatten berichtet, dass die USA Deutschland überholt haben und weltweit auf Platz 2 vorgerückt sind, hinter Spanien, das immer noch die Spitzenposition hält, aber eine flachere Ansteckungskurve zeigt. Wir wollen nicht so weit gehen, die Änderung der WHO-Position auf ihr spezielles Verhältnis zu den USA zurückzuführen, das unter Präsident Trump sehr gelitten hatte, aber wir sehen keine so plötzliche Änderung der Gesamtlage, dass ein Schritt wie der heutige sich problemlos aus den aktuellen Daten erklären ließe. ddd

Diese Breaking News gibt uns zudem die Gelegenheit, in Sachen Corona noch einmal nachzulegen, nachdem bisher überhaupt nicht abzusehen ist, wie mit einer eventuellen Herbstwelle umgegangen werden wird, heute kam dazu, ebenfalls nach unserem Morgenreport, eine Umfrage von Civey in unsere Mailbox:

Sollten Großveranstaltungen Ihrer Meinung nach nur noch für Personen mit negativem Corona-Schnelltest-Nachweis zugänglich sein?

Der Begleittext aus dem Civey-Newsletter:

Laut Medienberichten könnte es bald wieder eine Coronatest-Pflicht für Großveranstaltungen geben. Der Bild zufolge erwägt die Regierung die Einführung einer 1G-Regel. Demnach könnte ein negativer Corona-Schnelltest-Nachweis sowohl für Ungeimpfte als auch für Geimpfte verpflichtend werden, wenn man große Events besuchen möchte.

Hintergrund sind einerseits die stetig steigenden Coronazahlen, aber auch Schwierigkeiten, die bei der Impfkampagne im Herbst erwartet werden. Der Bund rechnet dem Bericht zufolge mit Problemen bei der Verfügbarkeit der Impfstoffe, die an die neue Omikron-Variante BA.5 angepasst werden. Die Zugangsregelungen wurden auf einer Schaltkonferenz zwischen Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) und den Chefs der Staatskanzleien der Länder besprochen.

Anfang Juli machte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) diesbezüglich noch keine klare Ansage. Im Sommerinterview mit der ARD sagte er: „Es muss darüber diskutiert werden, ob die Tests wieder genutzt werden.“ Justizminister Marco Buschmann (FDP) zeigte sich skeptisch gegenüber 2G- und 3G-Regeln. In der Welt kündigte er aber jüngst ein „lageangepasstes Verhalten” an: „Steigt die Gefahr, dann muss man ihr angemessen begegnen.”

Die FDP will dazu bereitfinden, dass man sich der Lage anpasst? Was ist passiert? Wir haben, wie gegenwärtig die Mehrheit der Abstimmen, bei der Frage mit „ja“ votiert. Allerdings gibt es sogar eine absolute Mehrheit für „auf jeden Fall“, wir haben es bei „eher ja“ belassen. Der Grund ist allerdings, dass wir meinen, wenn eine wirklich heftige Herbstwelle kommt, müssen Großveranstaltungen nicht betestet, sondern abgesagt werden. Wir sehen nicht, was sich seit den letzten Lockdowns dann groß geändert hätte.

Das hat nichts mit „Verstecken“ zu tun, ein Begriff, den der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung heute verwendet hat, wenn es um striktere Maßnahmen geht, sondern folgt der Logik, dass man Superspreader-Events vermeiden muss, wenn eine Welle im Gange ist, bei der es zu hohen Todesfallzahlen kommt. Dass diejenigen, die auf solche Ereignisse gehen, nicht diejenigen sein werden, die es im Anschluss am härtesten trifft, wenn sie von dort das Virus mitschleppen z. B. in Einrichtungen, in denen alte Menschen leben, ist evident und ein Grund mehr, wieder etwas mehr solidarisch zu  handeln.

TH

Report 154/22 vom 23.07.2022 (hier zu 153/22 vom 22.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

709,7 (23.07.) / 729,3 (22.07.) / 740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) 

  • Die 7-Tage-Inzidenz sinkt um 2,7 Prozent auf 709,7 Punkte.
  • Das einzige Bundesland, das weiterhin eine Inzidenz von mehr als 1.000 Punkten aufweist, ist das Saarland (1.063), am günstigsten liegen Thüringen (421) und Berlin (430).
  • Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 92.009 (vor einer Woche: 123.046).
  • 116 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 92 Todesfällen, unverändert zu gestern und vorgestern.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich von vorgestern auf gestern von 2.191 auf 2.268 erhöht, heute sind noch keine neuen Zahlen gemeldet worden.

Vor sieben Tagen wurde der bisherige Höchstwert der 7-Tage-Inzidenz in Deutschland während der Sommerwelle registriert (752,7), seitdem ist ein Rückgang von ca. 6 Prozent zu verzeichnen. Das sollte ausreichen, um von einem Überschreiten des Peaks sprechen zu können. Gestern war das für uns noch nicht auszumachen, weil am Samstag vor einer Woche ebenjener neue Höchstwert nach einem vorherigen Rückgang gezeigt wurde.

Am Wochenende sinkt der I-Wert sowieso, auch wenn sich uns nicht recht erschließt, wie ein Austausch von „0“ gegen „0“ dazu führen kann, dass eine Bewegung stattfindet (seit vielen Wochen erfasst das RKI am WE schon keine Zahlen mehr, ein Tag mit „0“ fällt an den Wochenenden weg, ein neuer Tag mit „0“ kommt hinzu). Der relativ sichere 14-Tage-Trend, durch den wir den 7-Tage-Trend mittlerweile ersetzt haben, ist aber von gestern auf heute ziemlich exakt ebenfalls auf Null gefallen: In den letzten 14 Tagen hat per Saldo kein Inzidenzanstieg mehr stattgefunden. Das lässt darauf schließen, dass die Sommerwelle nun abebben könnte, wenn nicht neue Umstände hinzutreten, mit denen nicht zu rechnen war.

Wir hatten zuletzt heiße und kühlere Tage, überall sind Sommerferien, das Verhalten der Menschen ändert sich auch nicht sehr stark, was das Masken tragen angeht. In den nächsten Wochen sollte sich demnach nichts Aufregendes in Sachen Corona tun. Sollte nun die Inzidenz weiter fallen, dann wohl eher maßvoll, nicht ruckartig. Wenn es so kommt und auch die Affenpockeninfektionen weiterhin auf überschaubarem Niveau bleiben, werden wir die Frequenz unserer Reporte wieder absenken. Morgen und übermorgen ist ohnehin Pause – der RKI-Anzeigepause neuer Fälle wegen.

Eine Grafik zu den Affenpocken zeigen wir heute nicht, ebenfalls in Ermangelung neuer Zahlen.

Dafür haben wir Neues von Karl Lauterbach:

„“Wenn wir so wie jetzt in den Herbst hineingingen, also ohne weitere Schutzmaßnahmen, ohne Masken, ohne alles, dann würde das bedeuten, dass die Fallzahlen stark steigen würden, aber auch die Intensivstationen überlastet würden“, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in Washington der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er warnte, dass dann auch Personal in den Kliniken ausfallen würde. „Das ist wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt“, sagte Lauterbach. Unten brenne das Personal weg und oben die Patienten.“ (Q1-220723)

Lauterbachs Ausdrucksweise ist nach wie vor jedes Zitat wert, finden wir. Deswegen sind auch Forderungen wie #LauterbachRausschmissSofort (Lauterbach-must-go-Variante des Tages auf Twitter) unangemessen. Neuerdings gibt es allerdings sogar #Habeckmussweg. Niemand ist in diesen Zeiten sicher vor der Rache des Pöbels der Bürger:innen.

In dem zitierten Artikel wird weiterhin erwähnt, dass das Problem der Untererfassung nach wie vor besteht, deswegen weisen wir heute wieder einmal darauf hin. Nicht alle Diskussionsteilnehmer in Sachen Corona sind Lauterbachs Meinung, so heißt es z. B. von fachlicher Seite auch, für eine „Killermutante“ gebe es keine Anzeichen.

Nun ja, Delta kam auch ziemlich unvermittelt auf und eine Kombination aus der Ansteckungsfähigkeit von Omikron mit der Neigung, schwere Fälle zu produzieren, wie Delta sie mit sich brachte, wäre in der Tat ein Rückfall in schlimmste Zeiten, falls nicht rechtzeitig ein „Baukasten“ von Maßnahmen zur Verfügung steht, wenn die gegenwärtige Regelung des Infektionsschutzes in zwei Monaten (am 22. September) ausläuft.

Wir werden sehen, wie lange sich die FDP und Karl Lauterbach noch zanken werden, bis wir wenigstens einen Mini-Baukasten für Anfänger haben. Wir sind zwar alle keine Corona-Anfänger:innen mehr, aber bei der Politik hat man durchaus den Eindruck, es würde alle paar Monate bei Erkenntnisstand null begonnen. Besonders die Liberalen haben ein kurzes Gedächtnis, weil sie darin geübt sind, die Folgen ihrer Politikvorstellungen für die Gesellschaft auszublenden. Zur Erinnerung: Es kommt immer noch zu durchschnittlich fast 100 Todesfällen täglich mit / an Corona.

TH

22.07.2022 (hier zu 152/22 vom 20.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

729,3 (22.07.) / 740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) 

  • Die Inzidenz sinkt leicht, liegt aber um 10,1 Punkte über dem Wert vom Freitag der Vorwoche. 
  • Das Bundesland mit der niedrigsten Inzidenz ist Thüringen (419), auf Rang 2 folgt Berlin (445). Hessen und das Saarland weisen Inzidenzwerte von mehr als 1.000 auf.
  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 107.819 (vor einer Woche: 109.694.
  • 113 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 92 Todesfällen, unverändert zu gestern.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich seit gestern von 2.191 auf 2.268 erhöht.

Wir hatten bereits mehrmals gehofft, dass der Gipfel der Sommerwelle überschritten ist, der Rückgang der Inzidenz von gestern auf heute könnte ein erneutes Anzeichen dafür sein. Allerdings sprang die Inzdenz in der vorausgegangenen Woche von 719,2 (Freitag) auf den bisher höchsten Sommerwelle-Wert am Samstag (752,7). Insofern: Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Tagen nicht zu einem deutlichen Anstieg über diesen Rekord vom letzten Samstag hinausgehen wird, mehr wagen wir aber nicht zu prognostizieren. Auch die Zahl der Neuinfektionen zeigt kein deutliches Bild, sie liegt knapp unter derjenigen, die am Freitag der Vorwoche gemeldet wurde. Weiterhin auf hohem Niveau liegt die Todesfallrate, sie hat sich heute aber nicht weiter erhöht. Hier zunächst die Inzidenzgrafik:

Uns sind diese Zahlen eindeutig zu hoch, um die Situation als locker und entspannt anzusehen, deswegen greifen wir eine  Umfrage auf, die Civey gestern gestellt hat:

Sollte die Maskenpflicht im Einzelhandel Ihrer Meinung nach wieder eingeführt werden?

Angesichts steigender Coronazahlen plädiert Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) für eine Rückkehr der Maskenpflicht im Einzelhandel. Und auch der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert vom Bund eine neue Rechtsgrundlage mit weitreichenden Handlungsspielräumen für den Herbst. Seit April gilt bundesweit nur noch ein Corona-Basisschutz.

Die Bundesregierung lehnte eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes vor dessen Auslaufen im September bisher ab. Woidke verlangt indes einheitliche und klare Regelungen, die über die Landkreise hinausgehen. Da man derzeit nicht weiß, welche Virusvariante im Winter vorherrsche, müsse man praktikable Instrumente bereithalten. Andernfalls könnte das Gesundheitssystem wieder an die Belastungsgrenze geraten, sagte er der dpa.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält eine Maskenpflicht in Innenräumen für sinnvoll. Der Welt zufolge lehnt der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, eine Pflicht ab. Er spricht sich stattdessen für eine „gezielte Maskenempfehlung“ aus. Justizminister Marco Buschmann (FDP) zeigte sich laut SZ offener für Verschärfungen. Ihm nach plane die Regierung für den Herbst „eine Form der Maskenpflicht“.

„Die Bundesregierung lehnte ab“ heißt, die FDP hat es bisher verhindert, deswegen trendet immer häufiger #FDPunter5Prozent und dergleichen, allerdings auch aus Gründen der Wirtschaftspolitik in Sachen Ukraine-Krieg. Die FDP setzt am stärksten von allen Parteien darauf, die Menschen mit den Folgen dieser selbstverschuldeten Krise alleine zu lassen. Ähnlich ist es bei ihr auch mit Corona: Wer sich angesteckt hat, soll selber schauen, wie er klarkommt, auch wenn die Ansteckung dadurch erfolgt, dass andere unvorsichtig waren. Deshalb haben wir mit „eindeutig ja“ abgestimmt. Was liegt schon daran, für ein paar Minuten oder auch mal eine halbe Stunde eine FFP2-Maske zu tragen? Beim gestrigen Abendeinkauf hatten wir eine Tragequote von etwa 70 Prozent beobachtet, das entspricht auch der Zahl derer, die partout keine Wiedereinführung der Maskenpflicht wollen, sie beläuft sich gegenwärtig unter den Abstimmenden auf 30 Prozent. Einige davon werden wohl widerwillig trotzdem einen MNS tragen, aber ohne Pflicht funktioniert es nicht, das zeigt sich immer wieder.

Da wir heute wenig über Karl Lauterbach lesen, dachten wir, wir lassen ihn selbst zu Wort und Bild kommen, u. a. mit einem Selfie vor dem Weißen Haus von Washington. Es regnet, wie auch im Tweet des Gesundheitsministers zu lesen ist:

Über Paxlovid wurde schon länger nichts mehr geschrieben, es ist „die Pille nach der Infektion“, die schwere Folgen verhindern soll, der wissenschaftliche Name ist Nirmatrelvir (Q1-220722). Über seine Anwendung hierzulande wird so wenig berichtet, dass man meinen könnte, es liefe ausnahmsweise alles glatt.

Einigermaßen glatt oder auch ruhig läuft es indes bei den Affenpocken: Die Zahl der Infektionen in Deutschland erhöht sich relativ gleichmäßig, was einen weiteren Rückgang des prozentualen Anstiegs bedeutet:

Außerhalb der endemischen Zone liegt Deutschland aktuell auf Platz 3 weitweit, die Fallzahlen betreffend, hinter Spanien und den USA, die Deutschland mittlerweile erwartungsgemäß überholt haben. Deutschland ist allerdings das einzige Land, das zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes schon Daten vom 22.07. gemeldet hat. Die britischen Daten stammen vom 18.07. und sehen so aus, dass wir dort aktuell wohl weiterhin höhere Zahlen als in Deutschland haben.

TH

21.07.2022 (hier zu 151/22 vom 20.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

740,3 (21.07.) / 740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.) / 699,5 (08.07.) 

  • Die Inzidenz verharrt gegenüber dem Vortag zum zweiten Mal in Folge auf nahezu gleichem Niveau.
  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 136.624 (vor einer Woche: 152.149. , 
  • 177 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 92 Todesfällen (+4, die höchste Zahl seit der letzten Maiwoche 2022).
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich seit gestern von 2.110 auf 2.191 erhöht.

Wenn wir den Spin von gestern ein wenig fortspinnen möchten: Nachdem die Inzidenz vorgestern aus Gründen der Sommerhitze vernünftigerweise wenig Bewegung gezeigt hat, wurde sie gestern doch vom Hitzschlag erwischt. Als sie gerade um 0,2 Punkte vorangekommen war, kippte sie um und was wir heute besichtigen, ist der finale Wert von 740,3. Gestern kam es in einigen Deutschlands und z. B. in Großbritannien zu neuen Allzeit-Rekordtemperaturen. Unsere Beobachtung in unserem Berliner Kiez bei 36 bis 37 Grad Celsius war, dass deutlich weniger Menschen draußen die Cafés bevölkerten als üblich, das setzte sich am Abend bei ca. 30 Grad fort.

Trotzdem ist die Inzidenz nicht gesunken, das ist wohl die Essenz aus dem gestrigen Tag, die nicht gerade fröhlich stimmt. Ob bei den Todesfällen auch Menschen waren, die von einer Corona-Infektion und der Hitze in die Zange genommen wurden und es nicht überlebten, können wir freilich nicht einschätzen, jedenfalls sind die aktuellen Todesfallzahlen erschreckend hoch. Zuletzt kam es am 20.06. zu einer höheren Zahl von Sterbefällen, die zur Übersterblichkeit beitragen können (182). Auch das höchste Geburtendefizit in Deutschland seit Kriegsende hat mit Corona zu tun. Nicht die Geburtenzahlen waren zuletzt besonders stark gesunken, sondern erstmals seit langer Zeit gab es in Deutschland wieder mehr als eine Million Sterbefälle. so dass ein Defizit von knapp 230.000 Personen entstand. Gleichwohl sagt man der Corona-Pandemie sogar nach, dass sie partiell zu einem Mini-Babyboom geführt hat, und zwar exakt während der Lockdowns. Falls wir die Zahlen verifizieren können, werden wir sie hier zeigen. Die Sterbefallgrafik haben wir heute unseren Standard-Diagrammen vorangestellt:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

In Deutschland ist die Geburtenbilanz seit vielen Jahren negativ. Das zeigt die Infografik von Statista auf Basis von Daten des Bundesintituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Den letzten Geburtenüberschuss gab es demzufolge im Jahr 1971 − seitdem übersteigt die jährliche Zahl der Todesfälle die der Geburten. Im letzten Jahr standen den 795.517 Neugeborenen 1.023.723 Todesfälle gegenüber – dadurch ergibt sich ein Geburtendefizit von -228.206. Dies ist das höchste Defizit seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

1975 lag das Defizit schon bei -207.000, bevor es sich bis 1988 wieder erholte (-8.000). Anschließend hat sich der Wert tendenziell erneut vergrößert. Eine wesentliche Ursache für den momentanen Anstieg ist laut BiB die zunehmende Alterung der Bevölkerung: Die gestiegene Lebenserwartung und das Nachrücken stark besetzter Jahrgänge in ein höheres Lebensalter habe die Zahl alter Menschen ansteigen lassen. Auch eine konstante oder wachsende Kinderzahl führe dann zu einem steigenden Geburtendefizit. Dieser langfristige demografische Trend habe sich schon seit Jahren abgezeichnet. Der Einfluss der Corona-Sterblichkeit auf diese Entwicklung verstärkte den Effekt, war aber nicht maßgeblich.

Die Anzahl der Länder, in denen innerhalb eines Jahres mehr Menschen sterben als geboren werden, nimmt stetig zu. Das zeigt diese Weltkarte, die ebenfalls auf Daten des BiB basiert. Deutschland war dabei weltweit das erste Land, in dem es solch einen Sterbeüberschuss gab: seit dem Jahr 1972 werden hier Jahr für Jahr weniger Menschen geboren als dass Menschen sterben.

Da kann man sehen, dass doch Themen gibt, bei denen Deutschland eine Vorreiterrolle einnimmt. Mittlerweile hat sie allerdings auch damit zu tun, dass in vielen europäischen Ländern die Menschen älter werden als in Deutschland. Auf diese Weise entsteht auch mehr Platz für Geflüchtete und andere, welche die Bevölkerungslücke hierzulande wieder auffüllen müssen, damit unsere Renten einigermaßen sicher bleiben. Auf grottenniedrigem Niveau, selbstverständlich. Doch ein wenig sind wir daran ja auch selbst schuld, siehe Sterbeüberschuss bei gleichzeitig gegebener  Tatsache, dass die Renten immer noch im Generationen-Umlagesystem gemanagt werden. Es wurde zu einem Zeitpunkt erstellt, als Konrad Adenauer sagte „Kinder kriegen die Leute immer“, doch damals war die Pille noch nicht im Umlauf. Für 2020/2021 muss man diese Grafik allerdings in Kombination mit der nachfolgenden lesen:

Man kann sowohl die Grippewelle im Februar/März 2018 wie die Corona-bedingte Übersterblichkeit recht deutlich herauslesen, die 2021 erstmals seit 1946 zu mehr als einer Million Todesfälle geführt hat. Und hier zu unserer täglichen Inzidenzgrafik, die heute nicht viel Neues bietet:

Gleiches gilt für die Entwicklung der Affenpocken-Infektionszahlen in Deutschland, gestern kam es zu 81 neuen registrierten Fällen:

Der aktuelle, fast lineare Anstieg bedeutet nach wie vor, dass die prozentuale Zunahme an Fällen rückläufig ist, man also von einer überschaubaren Lage sprechen kann. 

Was gibt es Neues von der Twittergewitterfront? #LauterbachRausschmisssofort ist die neue Anti-Lauterbach-Variante, vermutlich wegen seiner etwas überschießenden Impfempfehlung, dieses Mal, und natürlich, damit im Zusammenhang, mehr oder weniger jedenfalls: #Impfnebenwirkungen. Darauf können wir aber im Rahmen eines Kurzreports mit dem Schwerpunkt „Corona und die Bevölkerungsentwicklung“ nicht auch (schon wieder) eingehen. Eines ist nämlich sicher: Durch die Impfnebenwirkungen wurde diese Entwicklung, wenn überhaupt, nur minimal beeinflusst.

TH

20.07.2022 (hier zu 150/22 vom 19.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

740,1 (20.07.) / 744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.) / 699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.)  

  • Die Inzidenz verharrt gegenüber dem Vortag auf nahezu gleichem Niveau.
  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 140.999 (vor einer Woche: 127.611), ein Plus von 13.388 Fällen.
  • 136 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 88 Todesfällen.
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken hat sich seit gestern von 2.033 auf 2.110 erhöht.

Was tut man am besten bei enormen Hitzetemperaturen? Man bewegt sich weniger als sonst. Dachte sich auch die Inzidenz und veränderte sich von gestern auf heute nur um vier Punkte, und zwar abwärts. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen gegenüber der Vorwoche nicht unerheblich anstieg. Wir weisen deshalb darauf hin, dass wir die ersten Werte zu einem jeden Tag veröffentlichen, die das RKI zeigt, nicht Nachkorrekturen, die zu einer etwas höheren Inzidenz führen können. Die Zahl der Todesfälle durch / mit Corona ist weiterhin hoch. Nachdem es gestern etwas weniger waren als in der Vorwoche, wurde das heute etwas mehr als zur Hälfte wieder ausgeglichen. Langsam, aber unaufhaltsam steigt die Durchschnittszahl der Toten pro Tag (14-Tage-Trendd) weiter an und liegt jetzt bei 88.

Wir hatten gestern über Karl Lauterbachs Eempfehlung für Booster Nr. 2 bzw. Impfung Nr. 4 auch für Menschen unter 60 Jahren berichtet und uns skeptisch hinsichtlich dieser Empfehlung gezeigt. Wir sind keine Virologen, sondern basieren unsere Ansichten nur auf allgemein zugänglichen Aussagen, die wir von Zeit zu Zeit auf Kohärenz oder Widersprüchlickeit abgleichen. Deswegen heute eine Aussage von berufener Stelle:

Andreas Radbruch: Nein, Herr Lauterbach hat leider nicht recht. Für jüngere Menschen – also unter 60 bis 70 Jahre – und solche, die keiner Risikogruppe angehören, bietet die vierte Impfung kaum Vorteile. Schon nach drei Impfungen liegt der individuelle Immunschutz bei 94 Prozent. Schwere Krankheitsverläufe werden so also bestmöglich verhindert.

Aber erhöht die vierte Impfung vielleicht den Schutz vor der Infektion? Denn das ist ja der Knackpunkt der bisher zugelassenen Impfstoffe, dass sie die Infektion zumindest mit den Omikron-Varianten nicht wirklich verhindern …

Nein, auch hier bringt der zweite Booster kaum Vorteile. Nur sehr kurzfristig steigt der Antikörpertiter (Anm. d. Red.: die Anzahl der Antikörper im Blut), doch der Schutz vor der Infektion beträgt auch dann nur zwischen 10 und 30 Prozent. Er wird also durch die vierte Impfung nicht wesentlich erhöht. Man wird sich also ungefähr genauso häufig anstecken, als wenn man nur zwei- oder dreimal geimpft wäre.

Die Passage stammt aus einem Interview von T-Online (Q1-220720) mit dem Virologen Andreas Radbruch, der zur Expertenkommission gehört, welche die Bundesregierung berät. Bisher fiel er nicht durch querdenkerische Ansätze auf. Gestern hatten wir auch berichtete, dass die FDP schon jetzt Lockdowns im Herbst und Winter ausschließt, als wenn ihre Nicht-Fachpolitiker wüssten, dass das auf keinen Fall und unabhängig von neuen Varianten nicht notwendig sein wird. 

Das Infektionsschutzgesetz sollte nach Ansicht des Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, wieder weitreichende Maßnahmen zum Schutz vor Corona ermöglichen. „Wer von vornherein Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Lockdowns kategorisch ausschließt, hat weder den Sinn des Gesetzes verstanden noch den Ernst der Lage begriffen“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wir halten fest, der Jusitzminister Buschmann (FDP) versteht den Sinn von juristischen Normen nicht, das drückt Montgomery aus, ohne ihn beim Namen zu nennen. Doch wen sollte der Ärztebundchef nach Buschmanns kürzlichen Einlassungen sonst gemeint haben? (Q2-220720)

Deswegen werden wir heute auch mal die Hashtags #FDPausderRegierung und #FDPunterfünfProzent auf Twitter setzen. Nicht erst seit Corona wissen wir, wie diese Partei tickt, nämlich menschenfeindlich, aber mittlerweile ist sie Teil der Bundesregierung und versucht, überall, nicht nur bei diesem Thema, die Bremse reinzuhauen, wo es um soziale Aspekte geht. Das ist ein absolut vorgestriges Politik- und auch Wirtschaftsverständnis und es macht uns gar nichts aus, das nun in fast jedem Artikel zu betonen. Selbst, wenn man nicht den Einfloss von Lobbys, der hinter diesem Verhalten zu vermuten ist, in Betracht ziehen würde: Die FDP versucht, die Gesellschaft weiter zu spalten und gefährdet damit die Demokratie.

Und damit zu etwas vollkommen anderem als den subjektiven Einlassungen von Buschmann, Kubicki & Co., den Grafiken von heute:

Die Inzidenz ist derzeit beinahe „eingefroren“, trotz der Hitzewelle, ihre Veränderung im 14-Tage-Trend verharrt seit mehr als einer Woche knapp oberhalb der Nulllinie. Deswegen wird es besonders wichtig, die nächsten Tage zu bewerten. Werden wir, wie in der letzten Woche, wieder einen Sommerwelle-Höchststand sehen? Wenn das selbst bei den aktuellen Hochtemperaturen der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass diese Welle nicht so schnell abflauen wird. Ohnehin ist ihr Verharren auf einer Art Hochplateau bereits untypisch. 

Bei den Affenpocken sehen wir derzeit eine nominal gleichmäßige Entwicklung, während der prozentuale Anstieg der Fälle weiterhin rückläufig ist.  Das wirkt sich auch auf die Prognose aus, sodass wir das Erreichen von etwa 3.000 Fällen etwa am 30. Juli erwarten, eher später als früher, vorausgesetzt, die gegenwärtige Ausbreitungsgeschwindigkeit bleibt nominal etwa gleich.

TH

19.07.2022 (hier zu 149/22 vom 16.07.2022)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

744,2 (19.07.) / 752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.) / 699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.)  

  • Zwei Bundesländer weisen Inzidenzen von mehr als 1.000 auf: Das Saarland (1.145) und Hessen (1.070).
  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 160.691 (vor einer Woche: 154.729). Die heute veröffentlichte Zahl ist die höchste seit dem 21.04.2022.
  • 102 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 86 Todesfällen (-1 gegenüber dem 16.07.). 
  • Die Zahl der registrierten Fälle von Affenpocken haben sich in den letzten drei Tagen von 1.859 auf 2.033 erhöht.

Was ist für die Sommerwelle 2022 typisch? Dass sie untypisch ist, man könnte sie auch: „die ewige Welle“ bzw. „der ewige Wellenkamm“ nennen. Egal, wie viele Bundesländer Ferien haben oder wie die Temperaturen draußen sind, die Infektionszahlen bleiben hoch. Hoch bleibt auch der Diskussionsbedarf bezüglich der vierten Impfung:

Das Expertengremium Ständige Impfkommission (kurz Stiko), das beim Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, empfiehlt „gesundheitlich besonders gefährdeten bzw. exponierten Personengruppen“, Menschen ab 70 Jahren, Bewohnern und Betreuern in Pflegeeinrichtungen sowie Ärzten, Krankenschwestern und allen anderen, die in direktem Kontakt zu Patienten stehen, eine zweite Auffrischungsimpfung. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatten die Mitgliedsstaaten in der vergangenen Woche aufgefordert, alle Menschen ab 60 Jahre viermal zu impfen.

Diese Empfehlungen gehen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht weit genug. Er rät auch Menschen unter 60 Jahren zur vierten Corona-Impfung: „Wenn jemand den Sommer genießen und kein Risiko eingehen“ wolle, würde er in Absprache mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen, sagte Lauterbach dem „Spiegel“.

Mit einer Viertimpfung „hat man einfach eine ganz andere Sicherheit“, erklärte Lauterbach. Das Long-Covid-Risiko sei „deutlich reduziert für ein paar Monate“, ebenso das Infektionsrisiko. Einen an Omikron angepassten Impfstoff könnten die Menschen auch nach der vierten Impfung nehmen. (Q1-220719)

Mag schon sein, dass Lauterbachs Aussage bezüglich Long Covid zutrifft. Aber das Infektionsrisiko kann bei Impfstoffen, die für eine längst historische Variante entwickelt wurden und angesichts der Tatsache, dass Omikron BA.5 bisherige Immunität umgehen kann, nicht so viel niedriger sein. Deswegen finden wir es richtig, dass sich vor allem ältere Menschen jetzt schon die vierte Impfung verabreichen lassen, bei denen das Risiko eines schweren Infektionsverlaufs höher ist als bei Jüngeren und wir hoffen, dass wenigstens nicht auch noch widerlegt wird, dass ein veralteter Impfstoff vor schweren Omikron-BA.5-Verläufen schützt. Die Glaubwürdigkeit der Politik in Sachen Corona ist sowieso viel zu niedrig, als dass sie mit Warnungen und Aufforderungen die Bevölkerung noch mitnehmen könnte. Ob man die Untergrenze für die vierte Impfung bei 60 oder 70 Jahren zieht, ist Ansichtssache, da würden wir uns nicht festlegen wollen. 

Und was gibt es sonst noch, um sich zu schützen? Die Maskenpflicht zum Beispiel. In der Ampelkoalition zeichne sich ein Kompromiss für den Herbst und den Winter ab, der auch eine Maskenpflicht in Innenräumen beinhaltet. Sogar die FDP will mitmachen. Aber es soll keine Lockdowns und Schulschließungen geben. (Q2-220719) Auch dann nicht, wenn sich eine wesentlich gefährlichere Corona-Variante zeigt und durchsetzt? Was uns immer so verblüfft, ist, wie sicher die Politik im Voraus ist, was kommt und was nicht. Doch meistens kommt es anders, als man denkt. Die Pandemie hat das mehr als deutlich bewiesen.

Unser Inzidenzgrafik belegt die „Seitwärtsbewegung“ der Sommerwelle auf (zu) hohem Niveau:

Die Zahl der Affenpocken-Infektionen ist innerhalb der letzten drei Tage um 174 gestiegen, das bedeutet aber weiteres leichtes Abflachen der bisherigen Kurve:

Nach dem bisherigen Verlauf wird angesichts einer aktuellen Infektionszahl von 2.033 vermutlich in zehn Tagen ein Wert von ca. 2.900 bis 3.000 Fälle erreicht sein. Sie sehen aber anhand der neuesten Balken, die sich aufgrund der heute eingetragenen Zahlen zeigen, dass die Tendenz zu einer flacheren Neuinfektionsrate (Affenpocken-R-Wert) bestehen bleibt. Solange aktuelle Zahlen unterhalb der blauen Gesamttrendlinie bleiben, kann man von einer Beruhigung des Geschehens sprechen, auch wenn die absoluten Fallzahlen noch etwas ansteigen. Trotzdem haben wir heute die Affenpocken-Fallzahlengrafik als Titelbild gewählt, weil wir auch auf diesen Teil des Reports wieder einmal aufmerksam machen wollen.

TH

16.07.2022 (hier zu 148/22 vom 15.07.2022)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

752,7 (16.07) / 7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.) / 699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 123.046 (vor einer Woche: 95.919).
  • 134 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 87 Todesfällen.
  • Zu den Affenpocken gibt es heute keine neuen Zahlen, gestern waren 1.859 Fälle gemeldet.

Wir hätten gerne heute einen Report eingespart, aber der neue Sommerwelle-Rekord verhindert es.

Morgen und übermorgen werden wir, unsere häufigeren Leser:innen wissen es, pausieren, weil die Erfassung von Neufällen am Wochenende seitens der Behörden mehr oder weniger ausgesetzt bzw. nicht ans RKI weitergemeldet wird. 

Es ist mehr als betrüblich, dass mitten in der Ferienzeit, für die eine Entspannung vorhergesagt wurde, die Inzidenz recht überraschend auf einen neuen Höchststand im Rahmen der Sommerwelle klettert, und das recht deutlich. Ist es die kühlere Witterung, oder weil die Menschen immer unvorsichtiger werden? Mindestens einer von beiden Faktoren muss eine Rolle spielen, denn eine neue, noch ansteckendere Corona-Variante hat sich bei uns bisher nicht durchgesetzt. Es soll sie zwar geben, sie nennt sich BA.2.75, aber ihr Anteil in Deutschland scheint noch recht gering zu sein. Dominant ist weiterhin BA.5. Allerdings ist diese Variante ein Fluchttyp. Sie hat kein Problem damit, bereits mit anderen Varianten Infizierte / Genesene noch einmal anzustecken:

Die Omikron-Subvariante führt derzeit zu vielen Zweit- und Drittinfektionen. Der Immunisierungsgrad reiche für die aktuell lockeren Regeln nicht aus, sagt der Infektiologe Julian Schulze zur Wiesch – und macht klare Handlungsempfehlungen.

Die Handlungsempfehlungen lesen Sie bitte hier nach: Q1-220716. Was leider auch in dem Interview steht: Menschen mit drei Impfungen und bisher ohne Infektion (wie wir) sind gegen BA.5 möglicherweise überhaupt nicht geschützt. Im Text wird auch näher auf dieses Phänomen eingegangen, dass BA.5 die Immunität gegen frühere Varianten umgehen kann. Was wir aber die ganze Zeit schon schreiben und weshalb es diese beinahe täglichen Reporte gibt: Diese Variante ist vollkommen unterschätzt worden, die Maßnahmen wurden viel zu früh und zu sehr gelockert. Zwar sei die Rate schwerer Erkrankungen nicht höher als bei BA.2 oder BA.1, heißt es, aber die absolut sehr hohen Infektionszahlen sorgten trotzdem für viele Krankenhauseinweisungen. 

Wir sehen es leider auch an den Todesfallzahlen, die wir gestern herausgehoben thematisiert hatten: Von einer Beruhigung des Geschehens kann keine Rede sein, der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt so hoch wie seit Anfang Juni nicht mehr. Damals hatten überdies Feiertage für einen raschen Rückgang gesorgt, der interessanterweise nicht durch Nachmeldungen „ausgeglichen“ wurde: Wir brauchen mehr Feiertage. Leider gibt es im Juli keine. Dafür gibt es hier unsere 7-Tage-Inzidenz-Grafik:

Wir müssen gestehen, wir sind ratlos, angesichts des erneuten Politik-Fails und des dümmlichen Verhaltens vieler Zeitgenoss:innen. Beides trägt dazu bei, dass die Sommerwelle nicht abflaut. Ob es jetzt gerade populär wäre, wieder mehr Maßnahmen gegen Corona in Kraft zu setzen, interessiert uns erst in zweiter Linie. Vorne steht für uns der Gesundheitsschutz. Nicht akzeptabel sind die weiterhin hohen Todesfallzahlen an / mit Corona. Uns ist schon klar, dass vor allem Jüngere damit kalkulieren, dass sie eine Ansteckung locker überstehen werden, aber was, wenn sie wiederum ältere / vulnerable Menschen infizieren? Und das geht schnell, mit Omikron BA.5.

Das Thema mangelhafter Solidarität ist so alt wie die Pandemie, und die hat schon einen langen Bart. Allerdings verfügt sie trotz ihres Alters über eine herausragende Konstitution. Da, wo man gegen einen Exitus nichts einzuwenden hätte, passiert er einfach nicht. 

Zu den Affenpocken veröffentlichen wir heute nichts, siehe betr. Eingangsbemerkung. Wir melden uns mit dem Report 150/22 am kommenden Dienstag wieder. Das gilt auch, falls die Inzidenz rückläufig sein sollte. Eine mögliche Wende, lang ersehnt, heiß erfleht, wäre ebenfalls ein wichtiges Ereignis.

TH

15.07.2022 (hier zu 147/22 vom 14.07.2022)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt

7192,2 (15.07.) / 720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) /
700,3 (09.07.) / 699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.      ) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 109.694 (vor einer Woche: 117.732).
  • 115 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 85 Todesfällen.
  • Gegenüber dem 14.07. steigt die Zahl der Affenpocken-Infektionen von 1.790 auf 1.859.

Die Inzidenz verharrt quasi auf gestrigem Niveau (-1,2 Punkte), die Sommerwelle ist also immer noch nicht gebrochen. Vielmehr wandert sie gemütlich übers Meer der Unvorichtigen und denkt sich: Ist mir doch egal, wenn pro Tag fast 100 Menschen sterben, es gibt genug Wirt:innen, die mich weitertragen. Falls die Verstorbenen es nicht schon vor dem Tod ebenfalls gemacht haben. In der Tat ist der 14-Tage-Durchschnitt mit 85 Toten so hoch wie seit Anfang Juni nicht mehr. Deswegen und weil das vollkommen aus dem Blick der Medien geraten ist, gibt es von uns heute keine Inzidengrafik, sondern die aktuellen Werte bezüglich der Todesfälle:

Man spürt geradezu, wie gewisse Mitspieler in der deutschen Politik, die auch an der aktuellen Bundesregierung beteiligt sind, sich folgende Rechnung aufmachen: Es versterben vor allem ältere Menschen an Corona. Ältere Menschen erwirtschaften nichts mehr, sondern kosten nur noch. Ergo: Ältere Menschen können weg.

Allerdings konsumieren ältere Menschen auch und sind insofern für die Wirtschaft ebenfalls wichtig, aber von B nach C zu denken, ist entweder bereits schwierig, oder die Rechnung geht so: Älter Menschen kosten, vor allem, wenn sie schwer oder chronisch erkranken, mehr, als sie an Konsum der Wirtschaft zuführen und sich als Anleger an der Spekulation beteiligen und sind diesbezüglich auch konservativer als jüngere Menschen, außerdem gibt es ja bei den Bessergestellten die Erben, die dann sozusagen für die Vorfahren mitkonsumieren, wenn sie deren Geld zusätzlich zur Verfügung haben. Die nächste Generation, die zu leistungslosem Reichtum kommt, neigt auch eher dazu, ihn zu verjuxen und damit wiederum den Kapitalmärkten und den Profiteuren des Systems zuzuführen. Irgendwer muss ja in diesem Spiel auch verlieren, sonst funktioniert es nicht.

Manchmal infizieren sich aber auch die Vertreter dieser Denkweise, wie sich gerade wieder zeigt (Q1-220715). Selbsverständlich wünschen wir auch ihnen, dass sie gut durch Corona durchkommen, wir sind ja mehr humanistisch orientiert.

Die Sommerwelle könnte auch über eine Inzidenz von 1.000 steigen, Konsequenzen im Sinne von mehr und besser durchgesetzten Maßnahmen würde es nicht geben. Wir sind ziemlich genervt davon, wie viele sich in den vollbesetzten öffentlichen Verkehrsmitteln von Berlin schon nicht mehr an die Maskenpflicht halten, obwohl sogar auf den Anzeigetafeln der Bahnsteige dringend um die Beherzigung der Maskenpflicht gebeten wird.

Deswegen freuen wir uns umso mehr über eine Nachricht von vorgestern: Die unseren Handwurzelknochenbruch behandelnde Ärztin hat uns offiziell erlaubt, dass wir wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren dürfen. Eine potenzielle Infektionsquelle weniger.

In unserem Team hingegen, das eine Teilmenge aller Teams Vorsicht darstellt, gab es bis heute noch keinen einzigen Corona-Fall. Zumindest wurde keiner enteckt, so muss man es ja formulieren. Da war natürlich viel Glück dabei, aber wir haben’s uns auch ein wenig verdient. Wenn wir vom Arbeitsplatz aufstehen und uns anderen im Team physisch auf weniger als 2 Meter annähern, setzen wir immer noch die FFP2-Masken auf, ebenso in den Gängen. Es ist lästig und wir mussten uns vor allem anfangs, bis alles eingeübt war, häufig umdrehen und ein paar Schritte mehr gehen, weil wir vergessen hatten, vor dem Aufstehen nach der Maske zu greifen, aber es funktioniert bisher. Wir beneideten diejenigen nicht, die mehr in der Öffentlichkeit arbeiten und stundenlang dichtsitzende FFP2-Masken tragen mussten, als es noch Pflicht war. Irgendwann stellt sich eben doch ein Beengungsgefühl ein, das Atmen fällt zunehmend schwerer. Zumindest ist das bei uns so und wir gehen davon aus, dass wir diesbezüglich kein Sonderfall sind.

Es gibt sogar Neues von Karl Lauterbach. Man muss nur lange genug am Bildschirm sitzen und schreiben, dann finden sich die Nachrichten schon ein:

Karl Lauterbach empfiehlt wieder: Jetzt geht es um die vierte Impfung auch für Menschen, die noch nicht 60 Jahre alt sind. Die Stiko sieht dies anders, die hat bis dato eine derart allgemeine Empfehlung nicht ausgesprochen. Lauterbach beruhigt Zweifler: die vierte Impfung verhindere nicht, dann später auch einen an Omikron angepassten Impfstoff noch zu nehmen, also die fünfte Impfung.

Ja, lieber Karl, wir vernehmen die Botschaft. Wäre ja auch schlimm, wenn die vierte Impfung mit der fünften kontraindiziert wäre, schließlich müssen die bestellten Impfdosen alle unters Volk gebrach werden, auch wenn sie gegen Omikron BA.5 kaum etwas nützen. Sie sehen, wir differenzieren sehr wohl zwischen sinnvollen und nach aller Abwägung nicht so sinvollen Maßnahmen, unsere fünfte Impfung wird also die vierte sein, falls wir nicht zuvor zur vierten gezwungen oder, sagen wir mal, durch freundlichen sozialen Druck dazu animiert werden. In dem Fall ist die Fünfte die Fünfte. Einen aktiven Widerstand ist uns die Vermeidung einer vierten Impfung mit nun nicht mehr aktuellen Vakzinen dann doch nicht wert. Wir vertrauen einfach darauf, dass die Nebenwirkungen so gering sein werden wie bisher. Man spürt es, und zwar deutlich, so soll es ja auch sein, aber nach ein paar Tagen ist es gut.

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland, die bisher registriert wurden, hat sich maßvoll erhöht. Ein rascheres Umsichgreifen ist derzeit nicht zu beobachten, es bewahrheitet sich also, was wir von Beginn an geschrieben haben: epidemische Ausmaße sind nicht zu befürchten:

Die Trendlinie zeigt im Moment an, dass wir in zehn Tagen bei 2.600 bis 2.700 Fällen liegen werden. Damit ist Deutschland zwar wieder einmal bei den Ländern, in denen eine Infektion sich besonders stark ausbreitet, aber angesichts der noch im Rahmen liegenden Gesamtzahlen hat das nicht die gesellschaftlichen Auswirkungen wie bei Corona. Es zeigt sich lediglich wieder einmal das Muster, dass wir hierzulande zu unvorsichtig sind, wenn es um Hygienebelange, um Selbst- und Fremdschutz im Gesundheitsbereich geht. Derzeit steht Deutschland weiterhin auf Platz 2 unter allen Ländern, die nicht im endemischen Gebiet des Affenpockenvirus liegen. Ein relativ starkter Zuwachs an Infektionen ist in den USA zu verzeichnen (am 14.07. waren es 1.470 Fälle), die Gesamtzahl wird dort vermutlich bald höher liegen als in Deutschland. Bei einer viermal größeren Bevölkerung freilich.

TH

14.06.2022 (hier zu 146/22 vom 13.07.)

    • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt 

    720,4 (14.07.) / 691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.)
    699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

    • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 152.149 (vor einer Woche: 135.402).
    • 145 weitere Todesfälle an / mit Corona wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 83 Todesfällen.
    • Gegenüber dem 13.07. steigt die Zahl der Affenpocken-Infektionen von 1.694 auf 1.790.

Wir dachten heute, vielleicht können wir auf einen Corona-Report verzichten und haben uns erst einmal in etwas schärferer Form als bisher über die aktuelle politische Lage, besonders über die Inflation, geäußert (Briefing 22, Leitkommentar). Doch es hilft nichts, wir sehen gegenüber gestern einen Anstieg der Inzidenz um fast 30 Punkte und damit einen neuen Sommerwelle-Höchststand von 720 (bisheriger Höhststand, ohne Nacherfassungen: 704,5). Solche negativen Veränderungen dokumentieren wir nicht nur, sondern geben sie auch am selben Tag, an dem sie veröffentlicht werden, an unsere Leser:innen weiter:

 

Gegenwärtig geht Corona als Thema ein wenig unter, denn es ist eine Folgewirkung des Ukrainekriegs, die uns am stärksten beschäftigt und die von unserer Politik geradezu absichtlich herbeigeführt wurde – zulasten der Bevölkerung. Nicht, dass es in den letzten Jahren so viel zu lachen gegeben hätte, aber jetzt wird es kriminell und die Wut auf ebenjene grausame Politik steigt auch bei Nicht-Querdenker:innen wie uns auf ein gefährliches Maß.

Heute gibt es zu Corona auch keine wichtigen neuen Nachrichten außer eben jener, dass sich auch hier die Lage nicht beruhigt und es ein Witz ist, dass diese Pandemie nicht endlich in den Griff kommt. Irgendwer schwadroniert immer noch davon, Deutschland sei da gut durchgekommen, aber die aktuellen Zahlen zeigen ein ganz anderes Bild. Sie dokumentieren das Versagen der Politik eines Landes, das mehr Probleme mit der Pandemie hat als jedes andere. Zumindest, wenn man die letzten Monate seit der Welle mit Omikron BA.2 im Frühjahr betrachtet ist das sehr augenfällig, weil es stets bei den Staaten mit den höchsten Fallzahlen weit vorne steht. Das gilt auch für die Affenpocken in nicht endemischen Gebieten. Mit den heute gemeldeten Fällen findet sich Deutschland auf Rang 2 weltweit, in Wirklichkeit wohl auf Rang 3, weil die Meldedaten aus dem UK vom 11.07. sind. Alles, was es an Kalamitäten gibt, wird hierzulande besonders gerne mitgenommen, den Eindruck kann man wirklich gewinnen. Kein Wunder, dass die Politik ebenfalls machen kann, was sie will …

… ohne, dass ernsthafter Widerstand aufkommt. Den gab es nur bezüglich der Corona-Maßnahmen und da war er am falschen Platz. Es ist zum Haare raufen, aber was bewirkt es schon, außer, dass man danach weniger, in unserem Fall noch weniger Haare hat? Immerhin ist die Lage bei den Affenpocken anders als bei den Preisen, die geradezu explodieren, vielmehr bewegt sich der Antstieg der nominale Fallzahlen auf überschaubarem Niveau und der prozentuale Zuwachs sinkt weiterhin. Das ist in diesen Zeitn, in denen alle negativen Zahlen drohen, gigantische Dimensionen anzunehmen, geradezu ein Erfolg. Die gestern gemeldeten 96 neuen Fälle sind auch kein neuer Tages-Höchstand, dieser liegt bei 104 Neuinfektionsmeldungen.

TH

13.06.2022 (hier zu 145/22 vom 12.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt 

691,8 (13.07.) / 704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.)
699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 127.611 (vor einer Woche: 130.728).
  • 104 weitere Todesfälle wurden registriert, der Tagesdurchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 80 Todesfällen.
  • Gegenüber dem 11.07. steigt die Zahl der Affenpocken-Infektionen von 1.566 auf 1.694.

Ist der Peak der Corona-Sommerwelle nun überschritten? Die Inzidenz ist heute wieder unter den Wert von 700 gefallen, der „Kampf“ um diese Marke hält nun schon seit fast einer Woche an. Man kann auch sagen, diese Sommerwelle ist sehr zäh, es geht hin und her und es ist schwer zu prognostizieren, ob es in nächster Zeit endlich wieder deutlich abwärts geht.

Sollte sich allerdings die heutige Tendenz fortsetzen, werden wir die Corona-Affenpocken-Reporte wieder in längeren Abständen veröffentlichen. Mittlerweile müssen wir schreiben: Sofern sich nicht bei ebenjenen Affenpocken, die wir zusätzlich referieren, eine exorbitante Entwicklung ergibt. Das ist heute nicht der Fall, die durchschnittliche Steigerung der bisher erfassten Fallzahlen geht weiter zurück, die Ansteckungskurve verläuft flacher. 

Zunächst die neuste Entwicklung der Corona-Inzidenz grafisch:

 

Und hier die aktuellen Zahlen zu den Affenpocken:

Mitten in der Woche verläuft hier die Entwicklung der Fallzahlen erstmals seit Mitte Mai unterhalb der Gesamt-Trendkurve, die außerdem schon durch die Verlangsamung der Ansteckungsquote in den letzten Tagen deutlich beeinflusst, also flacher geworden ist. Wir erwarten nun das Erreichen der Marke von 2.500 registrierten Fällen am 24.07. oder etwas später.

Obwohl Corona heute eine unspektakuläre Entwicklung zeigt, trendet gerade #MaskenpflichtJetzt auf Twitter. #LauterbachRuecktrittJetzt ist ebenfalls wieder im Programm der häufig verwendeten Schlagwörter. Wir finden auch, Lauterbach sollte zurücktreten, wenn er es nicht schafft, endlich wieder umfassendere Maskenpflichten durchzusetzen. Irgendwann muss dieses Corona-Phänomen doch mal ernsthaft angegangen werden.

TH

 

12.07.2022 (hier zu 144/22 vom 09.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt 

704,5 (12.07.) / 661,4 (11.07.) / 672,9 (10.07.) / 700,3 (09.07.)
699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 154.729 (vor einer Woche: 147.489).
  • 165 weitere Todesfälle wurden registriert, 63 mehr als vor einer Woche. 
  • Gegenüber Freitag steigt die Zahl der Affenpocken-Infektionen von 1.490 auf 1.566

Nun haben wir trotz Ferienzeit heute wieder einen neuen Inzidenz-Höchstwert erreicht, gleich am ersten „Normalerfassungstag“ nach dem Wochenende. Das hat uns etwas überrascht, zumal auch die kühlere Witterung der letzten Tage nach gängiger Lesart eine Abschwächung der Infektionstendenz hätte mit sich bringen sollen. Außerdem liegt die Zahl der gemeldeten Todesfälle erheblich höher als vor einer Woche. Am Durchschnittswert der letzten 14 Tage hat sich dadurch noch nicht viel geändert, er stieg von ca. 81 auf ca. 83 Fälle.

Am Wochenende wird das RKI-Dashboard, von dem wir unsere Daten beziehen, nicht mehr aktualsiert, darauf haben wir mehrfach hingewiesen. Zusätzlich bitten wir zu berücksichtigen, dass wir die Inzidenzzahlen bei den ursprünglichen Meldewerten belassen und nicht die nachträglichen Anhebungen abbilden, die das RKI regelmäßig vollzieht. Das fiel uns heute wieder beim Durchsehen der Trendtabellen des RKI aus: Der Unterschied kann bis zu 6 Prozent ausmachen. Aus gegebenem Anlass verlinken wir noch einmal einen Artikel über angelich hohe Zahlen von schweren Nebenwirkungen der Corona-Impfungen.

Ansonsten gibt es heute wenig zu berichten, deswegen halten wir diesen Report auch besonders kurz. Corona ist aktuell trotz der höchsten Infektionszahl seit dem Beginn der Sommerwelle kein Schlagzeilenthema. Der drohende Gasnotstand im nächsten Winter hält die Menschen derzeit in Atem. Lieber frieren, als sich mit Corona anstecken? Blöd, falls beides gleichzeitig stattfindet.

Wir können nur weiterhin dazu aufrufen, es mit den wenigen noch bestehenden Maskenplichten genauer zu nehmen und auch freiwillig Masken zu tragen, wenn man sich in einer Menschenmenge in der Öffentlichkeit befindet. In diesem Sinne und damit dieser Report nicht der kürzeste aller bisherigen Zeiten wird, haben wir noch eine Umfrage für Sie gefunden, bei der Sie mitmachen können, sie wurde vor 8 Tagen gestartet und läuft noch.

Sollten Corona-Schnelltests (Bürgertests) Ihrer Meinung nach weiterhin in allen Fällen kostenlos sein? (Civey)

Der Begleittext dazu:

Seit Juli sind Corona-Schnelltests nicht mehr für alle gratis. Ab jetzt gilt für die sogenannten „Bürgertests” eine Kostenbeteiligung in Höhe von drei Euro, für vulnerable Gruppen bleiben die Tests kostenlos. Dazu zählen Kinder bis fünf Jahren, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft sowie Besucherinnen und Besucher von Kliniken und Pflegeheimen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bedauert das Ende der Bürgertests.

In der angespannten Haushaltslage könnte man sich die Gratistests nicht mehr leisten. Das Testkonzept habe die Regierung durchschnittlich eine Milliarde Euro im Monat gekostet. Zudem wurde damit viel Missbrauch betrieben, bei dem der Staat dem rbb zufolge mutmaßlich ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden ist. Lauterbach soll laut ARD derzeit mit Finanzminister Christian Lindner (FDP) darüber verhandeln, die kostenlosen Tests für Menschen beizubehalten, bei denen der Verdacht auf eine Infektion besteht.

Die Stiftung Patientenschutz plädiert angesichts der steigenden Infektionszahlen für eine Fortführung der Gratistests. Der Vorsitzende Eugen Brysch fordert in der Rheinischen Post von Lauterbach, seine Pläne an die Lebenswirklichkeit der Hilfsbedürftigen anzupassen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, ist indes gegen eine Fortführung. Die Tests brächten sehr wenig und seien mit sehr viel Kosten verbunden.

Warum die Tests wenig bringen sollen, wird leider nicht erklärt. Eines ist jedenfalls sicher: Je weniger gestestet wird, desto weniger Infektionen werden aufgedeckt. Wir haben für „auf jeden Fall“ votiert, das haben insgesamt 39 Prozent der bisher Abstimmenden getan, weitere ca. 14 Prozent sind immerhin noch „eher dafür und 9 Prozent geben sich unentschieden.

Die Zahl der heute gemeldeten Affenpockenfälle ist hingegen erfreulich niedrig ausgefallen. Sie hat sich von Freitag (1.490) auf 1.566 erhöht, das ist prozentual der geringste Anstieg, den wir bisher seit dem Ausbruch in Deutschland verzeichnet haben. In zehn Tagen dürften bei Fortsetzung des gegenwärtigen Trends knapp 2.500 Fälle registriert sein:

Setzt sich das bisherige Muster fort, erwarten wir allerdings in den nächsten Tagen wieder stärkere Steigerungen. Wichtig wird dann, ob sie auch stärker als in der Vorwoche sind, möglicherweise mit neuen Tages-Höchstzahlen. Ist dies nicht der Fall, gibt der dann geringere Prozentwert der Steigerungen einen weiteren Hinweis auf ein sich beruhigendes Geschehen. Wenn man es auf die Corona-Terminologie übertragen will, sinkt der R-Wert weiter ab, ein Mensch steckt weniger andere Menschen an als zu Beginn des Ausbruchs.

Trotzdem steht Deutschland weltweit auf Platz 2 hinter Spanien, die Gesamtfallzahl betreffend. Bedingt allerdings auch dadurch, dass die letzten Zahlen aus dem UK bereits vier Tage alt sind, dort wurden am 07.07. mit 1.552 Fällen nur vier weniger registriert als hierzulande gestern erfasst wurden. In Relation zur Bevölkerungszahl haben auch die Niederlande und Portugal noch immer höhere Affenpocken-Werte als Deutschland. Eine Pandemiesituation wird bezüglich der Affenpocken nicht entstehen, allerdings ist es schon auffällig, dass Deutschland bei beiden neuen Infektionskrankheiten der letzten Jahre bezüglich der Fallzahlen vorne dabei ist. Der Verdacht liegt nah, dass die Menschen hierzulande sowohl beim Selbst- als auch beim Fremdschutz nicht so recht auf dem Posten sind. Politikseitige Äußerungen, wir seien gut durch die Pandemie gekommen, werfen vor allem die Frage auf: Im Vergleich zu wem, angesichts von fast 140.000 Todefällen wegen / mit Corona.

TH

09.07.2022 (hier zu 143/22 vom 08.07.)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt 

700,3 (09.07.)
699,5 (08.07.) /  690,6 (07.07.) / 678,6 (06.07.) / 687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen: 95.919 (vor einer Woche: 98.669).
  • 104 weitere Todesfälle wurden registriert (gestern 131, vor einer Woche 103). Der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt weiterhin bei 81 Fällen.
  • Zu den Affenpocken gibt es heute keine neuen Zahlen.

Wenn es nicht die vielen Todesfälle an / mit Corona geben würde, wäre es schon beinahe kurios, die Inzidenzzahlen in der Form von Leistungstabellen oder Börsendiagrammen darzsutellen und wichtige „Zielmarken“ besonders zu besprechen. Aber seit Tagen sehen wir nun einmal eine 7-Tage-Inzidenz in Deutschland von knapp unter 700 und heute gab es tatsächlich noch einmal einen Zuwachs von 0,8 Punkten, sodass nun diese Marke sehr knapp überschritten ist:

Man kann aktuell davon ausgehen, dass die Sommerwelle etwa halb so hoch ansteigen wird wie die Welle 5 (Omikron BA.1) und etwa 40 Prozent des Höchstwertes der 6. Welle (Omikron BA.2) erreichen wird. Das war’s vorerst? Wie schnell werden die Infektionszahlen jetzt zurückgehen, wird bereits eine weitere Variante wie BA.2.75 relevant werden? Das ist wichtig dafür, wie wir in den Herbst starten werden, denn, anders als bezüglich der Sommerwelle, die weitgehend nicht vorausgesehen wurde, gehen Politik und Experten davon aus, dass wir im Herbste wieder steigende Zahlen haben werden. Positiv ist im Moment auf jeden Fall, dass trotz zuletzt moderater Außentemperaturen die Sommerwelle auf ihrem Höhepunkt angekommen zu sein scheint. Die Neuinfektionszahl von heute liegt erstmals seit längerer Zeit unter derjenigen der Vorwoche, wenn auch nur knapp.

Es gibt neue Zahlen vom RKI bezüglich der  Variantenverteilung bei Neuinfektionen:

Den RKI-Daten zufolge ist BA.5 immer noch für den Großteil der Corona-Infektionen in Deutschland verantwortlich. In der aktuellsten untersuchten Stichprobe von vorletzter Woche machte sie bereits einen Anteil von 77 Prozent aus, nach 65 Prozent in der Woche zuvor. Mittlerweile dürfte der Anteil bereits noch höher liegen. Bei der weiteren Omikron-Sublinie BA.4, die zuletzt ebenfalls von Woche zu Woche zugelegt hatte, zeigt sich nun ein leicht rückläufiger Trend: Der Anteil sank von 7,5 auf nun 6,7 Prozent. Die restlichen Fälle entfallen noch auf die zuvor dominierende Sublinie BA.2. (Q1-220709)

Wir haben bereits bei früherer Gelegenheit angemerkt, dass die Analyse der Varianten nicht tagesaktuell veröffentlicht wird, sondern etwa zwei Wochen später kommt. Demgemäß drüften wir mittlerweile fast ausschließlich BA.5-Fälle haben. 

Neu aufgeflammt ist die Diskussion um die Impfnebenwirkungen, weil die AfD-Fraktion im Bundestag offenbar eine Fehlinterpretation von Meldungen zu den Impfnebenwirkungen vorgenommen und in den Mittelpunkt einer Anfrage gestellt hat.

Faktencheck: Mehr schwere Nebenwirkungen? Ärzte melden auch leichte Impfreaktionen. 

Damit Sie so vollständig wie in dieser Angelegenheit notwendig informiert sind, müssten wir den gesamten Artikel dazu abbilden, auf den wir uns beziehen, daher hier nur ein Verweis zu Q2-220709.

Zu den Affenpocken gibt es heute keine neuen Fallzahlen, auch daran haben wir uns mittlerweile an Wochenenden schon gewöhnt, daher auch keine aktuelle Grafik. Corona betreffend, liefern wir ihnen dafür ein weiteres Diagramm. Vorgestern wurde erstmals seit Mitte März die Zahl von einer Million gemeldeten Neuinfektionen weltweit wieder überschritten, das ist uns auf jeden Fall eine Nachricht wert. Während nämlich in Deutschland BA.5 für immer neue Höchstzahlen sorgte, gingen im Frühjahr die weltweiten Zahlen zurück. Jetzt sieht es etwas anders aus, wobei Deutschland mit etwa 10 Prozent der aktuellen Neuinfektionen immer noch einen viel zu hohen Anteil daran aufweist.

 

Wir betonen an dieser Stelle noch einmal, dass auch eine Änderung unserer Erfassungstechnik dabei eine Rolle spielt: Wir bilden die Veränderungen bzw. zusätzlichen Fälle nach, die noch zwei Tage später bei unserer Quelle eingepflegt werden, sonst wäre die Million vorgestern nicht überschritten worden. Der Zuwachs durch die Nacherfassung beträgt in der Regel zwischen 2 und 4 Prozent. Trotzdem ist der Unterschied zur ruhigsten Phase des Jahres Anfang Mai offensichtlich, die Neuinfektionen sind demgegenüber um 50 Prozent angestiegen. Wenig im Vergleich zum bisherigen Höhepunkt der Pandemie am Jahresbeginn. 

Für uns war das ein Grund, etwas genauer hinzuschauen. Vor allem Frankreich (aktuell Platz 1) und Italien (aktuell Platz 3) sind für die steigenden Zahlen verantwortlich, dort findet die BA.5-Welle offenbar mit Zeitverzögerung gegenüber Deutschland statt, der Zuwachs betrug in diesen beiden Ländern in den vergangenen sieben Tagen gegenüber den sieben Tagen zuvor 30 bzw. 34 Prozent, während in den USA, die eine Zeitlang das Panel anführten und Deutschland die Zahlen als jeweils um 11 Prozent rückläufig ausgewiesen werden. U. E. muss man dabei vorsichtig sein, denn die Inzidenz in Deutschland weist ja immer noch ein leicht ansteigendes Geschehen aus. Auch die Todesfallzahlen in Deutschland wären demnach in diesem Vergleichszeitraum um 11 Prozent gefallen, die RKI-Zahlen, die wir für die Darstellungen der hiesigen Situation verwenden, weisen aber bestenfalls einen Gleichstand aus. Wenn jedoch die Zahlen so exorbitant ansteigen wie z. B. in Frankreich (+61 Prozent im benannten Vergleichszeitraum, auf niedrigerer Ausgangsbasis als in Deutschland), dann ist das auf jeden Fall nicht irrelevant. Die meisten Corona-Toten werden derzeit in den USA verzeichnet (1.750 in den letzten sieben Tagen), Brasilien folgt mit 1.636 Todesfällen.

Insgesamt kam es in den letzten 7 Tagen zu weltweit 10.300 Todesfällen durch / mit Corona, das ist ein Rückgang von 2 Prozent gegenüber der Woche. Erinnern Sie sich daran, dass es während der Delta-Welle und nach einigen Monaten im Jahr 2020 Tage mit annähernd oder sogar mehr als 10.000 Todesfällen gab? Das ist zum Glück Geschichte, aber es ist auch ein Teil der bedrücktenden Geschichte dieser Pandemie, der größten in der Menschheitsgeschichte, was die Dauer und die weltweiten Infektionszahlen angeht. Seit zweieinhalb Jahren sind wir nun mit Corona befasst und ein Ende ist nicht abzusehen. Von einer endemischen Lage ist nach unserer Ansicht in Deutschland keine Rede und man kann Fakten nicht einfach dadurch beseitigen, dass man sie ignoriert, ebenso wie die damit verbundenen Auflagen. Wer das tut, sorgt aktuell dafür, dass die Zahlen nicht stärker zurückgehen.

TH

08.07.2022 (hier zu 142/22 vom 07.07.2022)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt 

699,5 (08.07.)
690,6 (07.07.)
678,6 (06.07.)
687,7 (05.07.)

  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 117.232 (vor einer Woche 113.099)
  • 131 weitere Todesfälle werden vermeldet (gestern 108). Der Durchschnitt der letzten 14 Tage liegt bei 81 Fällen.
  • 105 neue Affenpocken-Fälle werden gemeldet. Das ist die höchste Zahl seit dem ersten gemeldeten Fall am 20.05.2022. Die Gesamtzahl der Infizierten in Deutschland beträgt nun 1.490.

„Der Kampf um die 700“, die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen, geht in der Tat weiter. Heute blieb sie ganz knapp darunter, trotzdem handelt es sich um einen neuen Höchststand seit dem Einsetzen der Sommerwelle Anfang Juni (bisher 696,6). Was man an diesem „harten Ringen“ um eine bestimmte Marke allerdings auch sehen kann: Die Zeiten des steilen Anstieg sind vorerst vorbei, das weist auch unsere Grafik aus:

Denn eine andere Marke ist mittlerweile fast erreicht: Die Nullmarke bei der täglichen Inzidenzentwicklung innerhalb der letzten vierzehn Tage. Der Anstieg beträgt mittlerweile unter 1 Prozent, vor zwei Wochen lag er noch bei ca. 5 Prozent. Die Balken zeigen es deutlich: Das Geschehen hat sich beruhigt, wenn auch auf einem für Sommerverhältnisse viel zu hohen Niveau.

Dass die Gewöhnung an dieses Niveau für sehr unvorsichtiges Verhalten vieler Menschen in der Öffentlichkeit sorgt, ist nicht zu rechtfertigen. Wir sind gespannt, ob dieser Effekt auch bei möglichen Inzidenzen von mehr als 1.000 im Herbst dazu führen wird, dass getan wird, als gebe es kein Corona mehr. Dadurch werden die Neuinfektionszahlen unweigerlich steigen und es wird, ob verschuldet oder nicht, auch zu mehr schweren Fällen und Todesfällen kommen als notwendig. Schon jetzt kann man von Fällen sprechen, die hätten vermieden werden und Leid, das man sich hätte ersparen können:

„Das Robert-Koch-Institut (RKI) sieht weiter keine wachsende Krankheitsschwere durch die derzeit besonders verbreitete Corona-Variante in Deutschland. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die nun dominierende Omikron-Sublinie BA.5 an sich schwerere Verläufe verursache oder tödlicher sei als vorherige Varianten, schreibt das RKI im COVID-19-Wochenbericht von Donnerstagabend.

Dennoch sei „allein durch die starke Zunahme der Infektionsfälle“ auch eine entsprechend höhere Zahl schwerer Verläufe zu beobachten, die zu mehr Krankenhauseinweisungen führe. „Die Sterbefallzahlen steigen im Zusammenhang mit den hohen Infektionszahlen bzw. Nachmeldungen an, allerdings bisher nur leicht.““ (Q1-220708)

„Nur leicht“ bedeutet, dass wir bei der täglichen Todesfallzahl mittlerweile wieder den eingangs erwähnten Durchschnitt von 81 erreicht haben (letzte 14 Tage), während wir vor etwa drei Wochen schon die 70 von unten gesehen haben. Um die aktuelle Lage zu illustrieren, haben wir heute nach längerer Zeit auch die Todesfallgrafik wieder für Sie im Angebot:

Der Affenpockenausbruch in Deutschland entwickelt sich ebenfalls weiter. Mit 105 neuen Fällen, die gestern gemeldet und heute in die Zahlen eingearbeitet wurden, haben wir den höchsten Anstieg bisher gesehen:

An der roten Linie, welche die Entwicklung des täglichen Anstiegs in Prozent innerhalb der letzten 14 Tage anzeigt, sehen wir allerdings auch, dass trotz der mittlerweile im Sinne eines sinnvollen Selbstschutzes nicht mehr ganz verständlichen weiteren Ausbreitung der Affenpocken die Lage nicht auf Katastrophenniveau hochgeschrieben werden sollte. 

Der prozentuale Anstieg sinkt weiter und wenn diese Tendenz anhält, wird das Infektionsgeschehen zum Erliegen kommen, bevor man von einer Pandemie sprechen kann. Aufgrund des engen Übertragungswegs bei dieser Infektion spielt die mangelnde Vorsicht Einzelner keine so fatale Rolle wie bei unsachgemäßem Verhalten in der Corona-Pandemie, die Gesundheitsgefährdung der Allgemeinheit ist nicht annähernd vergleichbar hoch. Wir erwarten bei Fortsetzung des aktuellen Trends etwa 70 neue Fälle pro Tag im Durchschnitt der nächsten 10 Tage und bis dahin das Erreichen einer Zahl von 2.200 Affenpocken-Infektionen in Deutschland.

TH

07.07.2022 (hier zu 141/22 vom 06.07.2022)

  • Die 7-Tage-Corona-Inzidenz in Deutschland beträgt heute 690,6 nach 678,8gestern  und 687,7 vorgestern.
  • Die Zahl der heute gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 135.402 (vor einer Woche 132.671).
  • 108 weitere Todesfälle werden vermeldet. Der tägliche Durchschnitt der letzten 14 Tage beträgt 80 Fälle.

Die höchste Inzidenz wärend der aktuellen Sommerwelle lag bei 696, diese ist heute fast wieder erreicht. Man registriert aber auch ein deutliches Abflachen der Zunahme in den letzten Tagen, wie unsere Grafik belegt:

In den letzten 14 Tagen lag die durchschnittliche Zunahme der Inzidenz nur noch bei ca. 1 Prozent, bei weiter warmen Temperaturen und in der Ferienzeit hätten wir vermutlich ein Drehen hin zur Abnahme, also das Überschreiten des Peaks, zu erwarten gehabt. Welchen Einfluss die niedrigeren Temperaturen der letzten Tage aber genau haben, werden wir sehen. In Berlin steigt die Inzidenz hingegen deutlicher an, sie liegt jetzt bei 537 und nähert sich dem Bundesdurchschnitt von unten an. Das überrascht uns, offen geschrieben, kein bisschen, angesichts des unvernünftigen und teilweise vorschriftswidrigen Verhaltens vieler Personen in der Öffentlichkeit. Wir wundern uns eher, dass Berlin nicht wieder ein Hotspot geworden ist.

Weltweit steigen die Neuinfektionszahlen wieder. Die Meldezahlen lagen in den letzten beiden Tagen jeweils über 950.000, der Wert von gestern wird sicher noch etwas nach oben korrigiert werden. Möglicherweise werden wir bald wieder Tage mit über einer Million Neuinfektionen mit Corona weltweit haben. Das könnte dann auch mit der Variante BA.2.75 zusammenhängen. Vermutlich gibt es sie auch schon in Deutschland, aber die Analyse der Varianten dauert ja immer etwa 14 Tage bzw. wird in der Regel für die Vorvorwoche veröffentlicht. 

Angesichts einer möglichen neuen Corona-Welle im Herbst fordert der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, einen wirksamen gesetzlichen Rahmen zur Bekämpfung des Virus. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen natürlich stimmen“, sagte Wieler mit Blick auf das Infektionsschutzgesetz am Samstag im Bayerischen Rundfunk. Die rot-grün-gelbe Bundesregierung ringt derzeit um Corona-Schutzvorgaben für den Herbst. Die derzeit geltende Fassung des Infektionsschutzgesetzes läuft bis zum 23. September. (Q1-220707-V220528)

Diese Information stammt nicht von heute, sondern vom 28.05.2022. Damals war die Sommerwelle noch gar nicht gestartet und man hatte auch nicht mit einer solchen gerechnet. Haben Sie den Eindruck, dass die Politik seitdem wesentlich vorangekommen ist, außer mit dem Abbau von Maßnahmen? Wir nicht. Das wird im Hberst erneut chaotisch werden, zumal, falls die Varianten immer ansteckender werden, ohne dass sich auf der anderen Seite regelmäßig mildere Verläufe ergeben.

Bei den Affenpocken setzt sich der Anstieg im bisherigen Tempo in etwa fort, wir werden gemäß unserer Prognose die Zahl von 2.000 in etwa 10 Tagen erreichen, bis heute sind 1.385 Fälle bekannt:

Vorgestern hatten wir die bisher höchste Neuinfektionszahl an einem Tag gemeldet (101 Fälle), seitdem ist dieser Wert nicht wieder erreicht worden. Die durchschnittliche Zahl an Neuinfektionen sinkt prozentual weiter ab (rote Linie) und liegt gegenwärtig bei etwa 6 Prozent.

Vor allem Corona wird uns noch länger begleiten und für manche Überraschung sorgen. Mit der Zwischendurch-Welle, die wir gerade erleben, hatten auch Experten nicht gerechnet. Die Tatsache, dass die neue Variante BA.2.75 sich erheblich rascher ausbreiten soll als alle bisherigen, dürfte dafür sorgen, dass auch viele Menschen, die es bisher noch nicht „erwischt“ hat, sich auf eine Corona-Infektion werden einstellen müssen. Für Ungeimpfte gilt das ohnehin, aber auch Geimpfte und Genesene sind vor dieser Variante nicht sicher, da es sich um einen „Flüchtling“ handelt, der dem Schutz gegen bisherige Varianten entkommen kann.

BA.2.75 wurde Anfang Juni erstmals in Indien entdeckt. Inzwischen scheint sich die Omikron-Subvariante zu verbreiten. Bestätigte Fälle in anderen Ländern, darunter auch Deutschland, lassen zumindest darauf schließen. Wie gefährlich die Subvariante ist, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. BA.2.75 habe zwar eine Reihe von relevanten Mutationen, sei aber bislang sehr selten und hauptsächlich in Indien beobachtet worden, sagt Virus-Experte Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. Er gibt aber auch zu bedenken, dass es durchaus möglich sei, dass BA.2.75 eine global erfolgreiche Variante werde. Um das mit Sicherheit zu sagen, sei es aber zu früh. 

Weltweit gebe es nach Angaben von Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien im ZDF etwa 70 Fälle. Die Dunkelziffer sei aber „mit Sicherheit wesentlich höher“, so Elling weiter. Ihm zufolge soll es sich bei BA.2.75 um eine Variante zweiter Generation handeln. In diesem Fall um einen Abkömmling der Variante BA.2. (Q2-220707)

Nach den ersten Berichten über diese Variante dachten wir, z. B. in den USA sei BA.2.75 schon wesentlich weiter verbreitet. Das wäre ja auch kaum anders möglch gewesen, wenn diese bereits entdeckt war und sich tatsächlich um ein Mehrfaches schneller ausbreitet als BA.5. Warten wir also ab, was die nächsten Tage bringen werden.

TH

06.07.2022 (hier zu 140/22 vom 05.07.2022)

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz beträgt heute 678,8 nach 687,7 gestern. Zum ersten Mal seit mehreren Wochen sinkt die Inzidenz mitten während der „Normalerfassun“ an Werktagen leicht. Auch die Zahl der Neuinfektionen liegt mit 130.728 etwas unter dem Wert vor einer Woche (133.950).

Beides bestätigt die Tendenz, dass wir in den letzten Tagen dem Peak der Sommerwelle zumindest nähergekommen sind. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich das bestätigen würde. 

Der Vierzehn-Tage-Trend zeigt zwar weiterhin eine ansteigende Tendenz, aber mit rückläufiger Stärke und die Säulen weisen eine deutliche Abflachung des Anstiegs gegenüber der Startphase der Sommerwelle vor etwa einem Monat aus. 

Wir erinnern uns an eine Situation, die erst 20 Tage her ist, an einen Artikel, der sich damit befasst, ob es zu neuen, einschneidenden Maßnahmen kommen könnte, wenn die Sommerwelle weiter ansteigt (Q1-220706). Das Gegenteil war der Fall, erst am 30. Juni, ohne dass man zu dem Zeitpunkt hätte voraussagen können, ob die Welle nicht doch rasant weiter ansteigt, sind wieder Maßnamen wie die freie Testung für alle abgeschafft worden. Das Geschehen selbst entbindet die Politik möglicherweise davon, sich mutig und konsequent zeigen zu müssen. Jetzt müssen wir abwarten, wie die Feriensituation und die derzeit moderarteren Temperaturen sich auf das Infektionsgeschehen auswirken werden.

Wir haben heute mit einer persönlichen Sonderlage zu kämpfen, die uns emotional belastet und die Arbeitsfähigkeit ein wenig begrenzt, daher keine weiteren Ausführungen zu Corona. Es gibt heute auch kaum Neues von Relevanz, außer dem Twitter-Trend „Corona-Impfnebenwirkungen“. Damit werden wir uns zu gegebener Zeit auch wieder befassen. Zu den Affenpocken.

Hier sehen wir den bisher höchsten nominalen Anstieg innerhalb von ca. 24 Stunden, die aktuelle Zahl beträgt 1.242 Fälle in Deutschland, nach 1.141 gestern. Prozentual verringert sich der Anstieg weiter, wie Sie an der roten Linie sehen können:

Unsere Prognose zeigt, dass wir bei Fortsetzung der gegenwärtigen Tendenz in zwölf Tagen knapp die Zahl von 2.000 Infektionen erreicht haben werden. Das ist misslich und weitgehend unnötig, aber nach wie vor nicht mit der Corona-Pandemie zu vergleichen. 

TH

05.07.2022 (hier zu 139/22 vom 02.07.2022)

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz beträgt heute 687,7, nach gestern 650,7. Die Neuinfektionszahl liegt bei 147489, nach 142239 vor einer Woche.

Pünktlich, wenn es wieder verwertbare Daten gibt, melden wir uns zurück und halten fest, die Zahlen steigen weiterhin leicht an, aber heute gab es, anders als an den Dienstagen der letzten Wochen, noch keine neue höchste Inzidenz während der Sommerwelle 2022, diese liegt weiterhin bei 696,5 und wurde am 02. Juli erreicht:

Im 14-Tage-Trend steigt die Inzidenz weiterhin an, aktuell um ca. 2,5 Prozent pro Tag. Die Ausschläge sind zwar im Vergleich zu den vorherigen Wellen aufgrund der Erfassungslücken an Wochenenden immer noch groß, nehmen jetzt aber sichtbar ab. Auf für die Sommerzeit sehr hohem Niveau beruhigen sich die Zahlen jetzt, sodass wir vielleicht schon in dieser Woche mit dem Wellengipfel rechnen können. Die Schulferien spielen dabei sicher eine Rolle, die weitere Entwicklung wird aber auch von den Außentemperaturen abhängen. Geben diese in den nächsten Tagen nach, wie es gegenwärtig prognostiziert wird, wird das den Ferieneffekt, der auch weniger Begegnungen am Arbeitsplatz mit sich bringt, möglicherweise kontern.

Politisch ist derzeit nicht so viel los mit Corona, abgesehen davon, dass Karl Lauterbach täglich zum Rücktritt aufgefordert wird, vielleicht ist es aktuell aber auch wegen der Pflege oder anderer Dinge, bei denen es im Gesundheitssystem hakt. Deswegen mal eine Meldung aus der zweiten Reihe:

Angesichts der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hat [die] Gesundheitsministerin [von Mecklenburg-Vorpommern], Stefanie Drese (SPD), ältere und vorerkrankte Menschen mit einer mehrere Monate zurückliegenden Impfung zu einer Auffrischungsimpfung aufgerufen. Eine erste oder zweite Auffrischungsimpfung schütze vor schweren Krankheitsverläufen. Drese riet am Donnerstag den Risikopatienten auch ab, auf den für diesen Herbst angekündigten angepassten Impfstoff zu warten. (Q1-220705)

Wir werden auf ebenjenen Impfstoff warten, das haben wir bereits angekündigt, verstehen aber auch, dass die noch vorhandenen oder bestellten Dosen der gegen weit, weit  zurückliegende Corona-Varianten entwickelten Vakzine irgendwo untergebracht werden müssen. Dass wir diese einigermaßen vertragen, wissen wir, aber in diesen Zeiten ist doch besonders wichtig: no Risk, no Fun. Mehr Sorge muss uns diese Entwicklung machen:

Der zunehmende Ausfall von Klinikpersonal durch die Corona-Sommerwelle lässt bei Krankenhäusern und Medizinern die Besorgnis wachsen. „Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen“, sagte der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Zeitweise würden auch Notaufnahmen bei den Rettungsleitstellen abgemeldet. „Diese Situation besorgt uns erheblich mit Blick auf den bevorstehenden Herbst.“ (Q2-220705)

Was in einem ohnehin devastierten Bildungssystem ebenfalls eine Rolle spielen könnte:

Zum Start der Sommerferien gibt es keine Gewissheit, dass es im kommenden Schuljahr nicht doch wieder zu Schulschließungen kommt. Diese Unsicherheit hätten Bund und Länder mit einem wirksamen Corona-Management verhindern können. Keinesfalls dürfen noch einmal Kinder und Jugendliche die Fehlentscheidungen in der Corona-Politik ausbaden müssen, kommentiert Eva Quadbeck. (Q3-220705)

Zugegeben, Lauterbach trendet heute ausnahmsweise (noch) nicht, aber dafür haben #BuschmannsTote entdeckt. 102 Corona-Todesfälle wurden für heute gemeldet. Die FDP blockiert in der Tat als Regierungspartei eine vernünftige Corona-Politik und immer mehr Menschen fangen notabene an, sich unvernünftig zu verhalten, die bisher noch einigermaßen auf der vorsichtigen Seite waren. Besonders beim Einkaufen sind Maskenträger trotz einer Inzidenz von fast 500 in Berlin mittlerweile in der Minderheit. 

Die beste Nachricht, die man sich im Zusammenhang mit Corona denken kann, haben wir uns für den Schluss aufgehoben: Es gibt eine neue Variante, die sich u. a. in den USA bereits auszubreiten scheint. Sie hat neuen Veränderungen gegenüber BA.5 auf dem Spike-Protein und verbreitet sich 9mal schneller als alles, was es bisher gab. Vielleicht ist es ja auch neun Mal weniger geeignet, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle hervorzurufen. Dies alles noch unter Vorbehalt, deswegen haben wir es nicht zur Hauptschlagzeile gemacht. 

„Es lohnt sich, BA.2.75 genau im Auge zu behalten – viele Spike-Mutationen, wahrscheinlich Variante der zweiten Generation, scheinbar schnelles Wachstum und weite geografische Verbreitung…“, twittert der Londoner Top-Virologe Tom Peacock. Der britische Forscher vom Imperial Collage London hatte damals als einer der Ersten bei Omikron angesichts der ungewöhnlichen Anzahl der Spike-Mutationen mahnend den Finger gehoben und warnt nun vor BA.2.75. Doch er ist längst nicht der Einzige.  

„Noch bevor wir mit der BA.5-Welle durch sind, müssen wir uns vielleicht schon auf die nächste vorbereiten“, twittert der Molekularbiologe Ulrich Elling, der sich auf die Sequenzierung von Corona-Proben spezialisiert hat. „Ist BA.2.75 eine Variante, die uns Sorgen machen sollte? Die beobachteten Mutationen gefallen mir gar nicht“, so der Wiener Forscher. (Q4-220705)

Uns gefällt ja dieses ganze Corona-Ding nicht wirklich, aber was soll man tun, wenn schon die Politiker, echte Profis alleweil, sich verhalten, also ob sie nicht bis 3 und auch nicht bis 2.75 zählen könnten. BA.2.75 heißt die neue Omikron-Variante, weil sie offenbar auf BA.2 basiert, das die bisher größte Infektionswelle im März hervorgerufen hatte.

Zu den Affenpocken gibt es heute noch keine neuen Fallzahlen, weil wir diesen Report relativ früh am Tag verfasst und veröffentlicht haben, daher keine Grafik. Morgen liefern wir Ihnen auch die orangenen und grauen Säulen wieder.

TH

02.07.2022 (hier zu 138/22 vom Vortag)

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz steht heute bei 696,5 (Vortage: 682,7 / 668,6 / 646,3). Es geht also in moderatem Tempo weiter nach oben und wir verabschieden uns mit dem heutigen Report ins Wochenende. Sie wissen schon: Mangels faktentreuer Erfassung ergibt es erst am nächsten Dienstag wieder Sinn, einen Report zu erstellen. Bei den Affenpocken weist das RKI derzeit noch die Zahlen von gestern aus (1.054 Fälle in Deutschland).

Die Neuinfektionszahlen lagen auch gemäß Meldung heute wieder sehr hoch (98.669 und damit ca. 9.000 über dem Wert am Samstag der Vorwoche).

Was sagen die Ärzte zur aktuellen Lage?

„Wir merken in der Praxis, was los ist. Vor allem heute ist es dramatisch“, sagt Wolfgang Kreischer, Hausarzt mit Praxis in Zehlendorf und Berliner Vorsitzender des Hausärzteverbandes, am Montagvormittag in einem Gespräch mit der Berliner Zeitung. Von vielen Kollegen aus Berlin habe er ähnliche Nachrichten erhalten. 

Kurzfristig kennt auch Kreischer keinen Ausweg aus der Pandemie. Er plädiert für strengere Regeln und für eine anhaltende Maskenpflicht. „Masken sind essenziell“, sagt Kreischer. „Sie sind der geringste Aufwand für den verhältnismäßig größten Effekt.“ Es sei dringend notwendig, zum Beispiel in vollbesetzten Innenräumen wie etwa Geschäften wieder Maske zu tragen. Doch selbst bei Veranstaltungen im Freien, bei denen nicht sicher genügend Abstand eingehalten werden könne, sollten Masken wieder Pflicht werden. (Q1 vom 28.06.2022)

Der Ärztefunktionär rechnet mit einer Beruhigung des Geschehens ab Beginn der Sommerferien, in Berlin ist das der 07.07.2022, dafür aber mit einer erheblichen Steigerung der Fallzahlen ab deren Ende am 22. August. Die Inzidenz in Berlin liegt mit 473 zwar um mehr als zweihundert Punkte und mehr als ein Drittel niedriger als im Bundesdurchschnitt, aber der Ärzteschaft ist sie trotzdem zu hoch, um es einfach so weiterlaufen zu lassen. Die Todesfallzahlen weisen mit einem Durchschnitt von mehr ca. 81 Fällen täglich innerhalb der letzten vierzehn Tage den höchsten Wert seit über einem Monat aus. Man registriert bei diesen Zahlen die Sommerwelle zwar nicht im Maßstab 1:1, aber sie spielt eine Rolle dabei, dass es bei der Absenkung der Todesfallzahlen nicht vorangeht.

Wir haben in den letzten Tagen mehrfach darauf hingewiesen, dass nicht nur die wesentlich entschärften Regeln als solche ein Problem sind, sondern auch deren Befolgung, Kontrolle und Durchsetzung erhebliche Mängel zeigt.

Da es zu den Affenpocken keine tagesaktuellen Daten gibt, zeigen wir die betreffende Grafik nicht, widmen uns aber noch kurz der Tatsache, dass es weltweit wieder einen Anstieg der Corona-Zahlen zu verzeichnen gibt. Das, was bei uns als BA.2-Welle vor etwa drei Monaten für die bisher höchsten Infektionszahlen in Deutschland gesorgt hat, hat sich auf die Weltzahlen gar nicht so stark ausgewirkt, obwohl Deutschland erheblich zum Weltgeschehen beiträgt, aufgrund seiner weit über dem Bevölkerungsanteil liegenden Infektionszahlen. Aber während BA.2 durch Deutschland tourte, lief es in anderen Ländern gerade recht günstig (die Ausnahme der „Nordkorea-Welle“ außer Betracht gelassen, sie zeigt sich vor allem in der ersten Maiwoche). Derzeit sieht es etwas anders aus, wie die folgende Grafik der Weltinfektionszahlen belegt:

Auch hier gilt: Die Infektionszahlen in Deutschland steigen schneller als weltweit, aber der Anstieg auf den höchsten 14-Tage-Durchschnittswert seit Ende März ist auffällig. Eine Anmerkung darf auch deshalb nicht fehlen: Wir weisen seit einigen Tagen die Daten mit Korrektur des vorausgehenden Tages aus, die Zahlen steigen dadurch nachträglich um etwa 2 bis 4 Prozent an. Die täglich gemeldeten Neuinfektionen betreffend, liegt derzeit Frankreich weltweit auf Platz 1, gefolgt von den USA und Deutschland. Seit Monaten, im Grunde spätestens seit BA.1, schafft es Deutschland in einer Disziplin stets auf einen der vorderen Plätze, die niemand gewinnen will oder niemand gewinnen wollen sollte.

Was gibt es noch? LauterbachRuecktrittSofort trendet. Zum hundertsten Mal seit seinem Amtsantritt und damit innerhalb eines halben Jahres? Wir haben nicht nachgeschaut, warum heute schon wieder. Wir finden Corona nach wie vor nicht langweilig, aber diese ewigen Wiederholungen schon.

TH

01.07.2022 (hier zu 137/22 vom Vortag)

Die Corona-7-Tage-Inzidenz hat wieder einen neuen Sommerwelle-2022-Rekord erreicht und liegt jetzt bei 682,7 (gestern 668,6, vorgestern 646,3). Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen beträgt 113.099 und es gibt 84 weitere Corona-Todesfälle zu beklagen. Weltweit steigen die Infektionen mit Covid19 wieder an und liegen regelmäßig über 800.000 pro Tag. Bei den Affenpocken kam es vorgestern zur bisher höchsten Zahl an neuen Fällen.

Letzteres aufgrund einer Korrektur (969 anstatt 956 Fälle). Damit wurden gestern 95 neue Fälle gemeldet, heute sind es bisher 85. 

In Sachen Corona verlangsamt sich der Anstieg der Inzidenz weiterhin, auch wenn unsere Grafik einen kleinen Sprung nach oben ausweist, den 14-Tage-Trend betreffend. Aufgrund des sehr erratischen Meldegeschehens liegt dieser scheinbar gegenläufige Trend in der Tatsache begründet, dass ein „Tag ohne Erfassung“ und damit zwangsläufig sinkender Inzidenz aus dem 14er-Schema herausfiel. Wegen der von uns gestern mit einer gewissen Ironie dargestellten Neuregelung der Bürgertests hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach wieder einmal (voraussehbaren) Ärger, dieses Mal mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die dafür sorgen soll, dass die nicht übrerprüfbaren Neuregelungen überprüft werden, von „Boykott“ ist die Rede (Q1).

Im Streit um die neue Corona-Testverordnung geht die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf Konfrontation mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) würden die Bürgertestungen „zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“, heißt es in einem Brief an den Minister, der dem WDR vorliegt.

Die neue Verordnung knüpfe die Bürgertestung an eine Vielzahl von bislang nicht bestehenden Anspruchsvoraussetzungen, deren Überprüfung den KV nicht möglich sei: „Im Ergebnis können die Kassenärztlichen Vereinigungen nicht verantworten, sehenden Auges Auszahlungen auf Abrechnungen zu leisten, deren Richtigkeit sie nicht ansatzweise prüfen können.“

Bereits in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die durch das Ministerium „vorgesehene und von den Kassenärztlichen Vereinigungen durchgeführte Abrechnungsprüfung Betrugsfälle nicht verhindern kann.“ Mit den neuen Anforderungen könne das erst nicht mehr gewährleistet werden. (Q2)

Ob eine Reaktion wie diese zu erwarten war? Wir meinen, das ist so. Wir kommentieren nicht weiter sondern liefern brav unsere Grafiken ab:

Bis vor einer Woche war durchaus denkbar, dass die Sommerwelle trotz der hohen Temperaturen auf ähnliche Inzidenzwerte steigen wird wie die BA.2-Frühjahrswelle (Welle 6), aber mittlerweile kann man davon ausgehen, dass es etwa günstiger laufen wird, denn neue Aspekte sind nicht hinzugekommen, die für eine weitere Beschleunigung sorgen könnten. BA.5 dürfte bereits die überwiegende Variante bei den Neuinfektionen sein, vor mehr als zwei Wochen lag sie schon bei knapp 50 Prozent. Noch unvorsichtiger, als sie sich derzeit verhalten, können die Menschen auch kaum noch werden, eine neue Covid19-Mutation, die sich durchsetzen könnte, sehen wir noch nicht. Allenfalls könnte ein Winter mitten im Sommer das Lagebild verschlechtern, aber danach sieht es icht aus, denn wir haben Klimawandel (der Juni 2022 war in Deutschland der sechstwärmste, der je gemessen wurde).

Nach der gestern erreichten Zahl von 1.054 Infektionen erwarten wir eine Überschreitung der Marke von 1.500 Affenpockenfällen am 08.07., also in einer Woche. An unserer Grafik haben wir Änderungen vorgenommen. Für die prozentualen Veränderungen wurde eine zweite Achse eingerichtet (rechter Rand), um die Steigerungen besser darstellen zu können, auch wenn sie geringer ausfallen. Dass dies der Fall ist, dokumentiert die zweite Neuerung: Die rote 14-Tage-Trendlinie, die wir nach 41 Tagen mit dem Affenpockenvirus nun sinnvoll einrichten konnten. Desweiten haben wir den Forecast von 8 auf 10 Tage erweitert.

TH

 

30.06.2022 (hier zu 136/22 und 135/22 vom Vortag)

Die Corona-7-Tage-Inzidenz steigt weiter, von 646,3 auf 668,6 und damit um 3,45 Prozent. Die Zahl der Neuinfektionen, die heute vom RKI ausgewiesen werden, liegt bei 132.671, das sind ca. 13.000 mehr als vor einer Woche, und es gibt 83 neue Todesfälle an / mit Corona zu vermelden.

Die Zahl der Affenpocken-Infektionen steigt von 874 gestern auf 956 heute, das ist in Fällen der zweithöchste Anstieg bisher und eine Steigerung der Gesamtfallzahl von 9,38 Prozent.

Was sich gestern abzeichnete, setzt sich heute fort: Die Corona-Inzidenz steigt weiter, aber nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Wochen. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Peak der Sommerwelle bald erreicht haben werden. Das ist eine erfreuliche Nachricht, dennoch sagt das nichts darüber aus, wie es im Herbst laufen wird und die Zahl der Neuinfektionen, die wir aktuell sehen, hätte mit etwas mehr Vorsicht geringer gehalten werden können. Stattdessen werden noch vor dem vermutlichen Peak der Sommerwelle weiterhin Maßnahmen gelockert, wie hier z. B. in Bayern, wo im ÖPNV plötzlich eine OP-Maske ausreicht (bisher war FFP2 Vorschrift). Außerdem ist tatsächlich Schluss mit den allgemeinen kostenfreien Bürgertests, die man zur eigenen und zur Sicherheit anderer einmal pro Woche durchführen lassen konnte. Ausnahmen gibt es noch:

Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Das sind zum Beispiel Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Auch Haushaltsangehörige von Infizierten, Kinder bis fünf Jahre und Bewohner und Besucher von Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Kliniken sollen sich weiterhin kostenlos testen lassen können. Das gilt dem Entwurf zufolge ebenso für Menschen, die nach einer Corona-Infektion einen Beleg dafür brauchen, dass sie wieder negativ sind, damit sie etwa zurück zur Arbeit können.

Einige Gruppen müssen ab jetzt drei Euro pro Test zuzahlen:

Die Drei-Euro-Tests sind für Besucher von Familienfeiern, Konzerten oder einer anderen „Veranstaltung in einem Innenraum“ am selben Tag gedacht. Das soll dabei helfen, sogenannte Super-Spreader-Events zu verhindern, bei denen sich viele Menschen auf einmal anstecken. Einen Drei-Euro-Test soll auch bekommen, wer eine rote Corona-Warnapp hat oder wer vorhat, andere Menschen ab 60 oder mit Vorerkrankung zu treffen.

Dass wir zum Grillen mit der ganzen Blase oder auf eines jener berüchtigten Berliner Events fahren, die in Berlin 50.000 Zuschauer und 1,5 Millionen Lärmgeschädigte hervorbringen, ist künftig Ehrensache, wenn wir uns testen lassen wollen. Wir hatten zusätzliche Tests schon bisher an der roten Anzeige auf der Warn-App festgemacht. Wen kennen wir noch alles, den wir im Pflegeheim besuchen bzw. besucht haben könnten? Sie merken schon, wir mal wieder skeptisch bezüglich der Umsetzbarkeit im Sinne der Überprüfbarkeit der neuen Regelungen und fassen uns an den Kopf ob des bürokratischen Aufwands dafür.

Nun ja, wir sind in Deutschland und es hat sich längst erwiesen, dass das Ausmaß an Bürokratie kein Beleg für den Stand der Zivilisation ist. Das war ursprünglich nicht so: Es gab angesichts der Tatsache, dass es hier einmal mit die beste Administration und die höchsten Sozialstandards, eine sehr hohe Ausformung von Gleichbehandlung im Alltag (alles in Relation zu anderen Ländern in jener Zeit) gab, und dass es zu einem der am weitesten entwickelten Rechtssysteme weltweit gekommen war, durchaus gute Gründe dafür, dass auch die Bürokratie stärker ausgeprägt war als anderswo. Dies wurde schon damals zuweilen als kurios angesehen und ging mit wenig Servicefreundlichkeit einher, war jedoch eher verständlich war als das heutige Chaos, das mit einem riesigen, aber ineffizienten Verwaltungsapparat verursacht wird. Ja, lange, lange ist es her, dass hier Standards gesetzt wurden, die man in vielen Ländern der Welt versucht hat nachzubilden. Wenn man in Berlin lebt, empfindet man dieses Ungleichewicht zwischen Qualität und Quantität der Bürokratie besonders deutlich, das wollen wir zugunsten anderer Bundesländer nicht vergessen.

Und damit zu den beiden „Grundgrafiken“, die wir in jedem Report zeigen:

Man sieht deutlich den Rückgang der täglichen Steigerung der Inzidenz (blaue Linie) in den letzten Tagen, gleichwohl gibt es ebenjene Steigerung weiterhin, das wäre erst anders, wenn die blaue Linie die grau eingezeichnete Nulllinie unterschreiten würde, wie es zwischen Anfang April und der ersten Juniwoche der Fall war.

In acht Tagen werden wir bei ähnlicher Ausbreitungsgeschwindigkeit wie bisher ca. 1.400 Fälle zu verzeichnen haben. Deutschland liegt gegenwärtig auf Rang drei der nicht-endemischen Länder hinter Großbritannien und Spanien, holt aber zusehends auf. Wir vermuten, dass es sich bald auf Platz 1 der Liste finden wird und damit wieder einmal einen Negativrekord aufstellt. Die Affenpocken sind keine Pandemie, aber mehr Infizierte können natürich mehr weitere Menschen infizieren als weniger bereits Inifzierte – und das wird solange der Fall sein, wie nicht etwas mehr Vorsicht geübt wird oder bis eine weitgehende gruppenspezifische Durchseuchung erreicht ist. Dass Berlin innerhalb Deutschland der absolute Affenpocken-Hotspot ist, überrascht uns insofern nicht sehr.

Es geht, das möchten wir betonen, nicht darum, Communities zu diskriminieren, sondern darum, dass in unserer Stadt die Sorgfalt in fast allen Dingen des Lebens und über viele Gruppen hinweg vergleichsweise gering ausgeprägt ist. Wenn dann spezifische gesundheitliche Probleme wie die Affenpocken auftreten, hat das andere Folgen als in Gegenden, in denen es nicht diesen dicht an dicht ausgelebten Hedonismus gibt, der bei einigen Mitbürger:innen jeden anderen Bestandteil der persönlichen Identität in den Hintergrund drängt.  

Weil sich auf diesem Gebiet heute mehr getan hat als bei Corona, haben wir die Affenpocken-Grafik zu den bisherigen Fällen als Titelfoto verwendet.

TH

29.06.2022 (hier zu 135/22 vom Mittag und zu 134/22 vom Vortag)

Erst nach der Veröffentlichung unseres heutigen Reports 135/22 haben wir gesehen, dass Statista eine Grafik zur in Rede stehenden Rückkehr der Maskenpflicht anbietet, und das schon seit gestern:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz  Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Sollte die Maskenpflicht in Innenräumen kommenden Herbst wieder eingeführt werden? Ja, sagen rund 63 Prozent der im Rahmen des ARD-DeutschlandTREND befragten Personen. Der Umfrage zufolge sind es vor allem die älteren Generationen, die sich den Mund- und Nasenschutz innerhalb von Geschäften, Gastronomien und Co. zurückwünschen, um steigenden Infektionszahlen entgegenzuwirken.

In den Altersgruppen 50 bis 64 und älter befürworten jeweils mindestens 70 Prozent der Befragten eine Rückkehr der Maßnahmen. Weniger Zustimmung erhält die Maskenpflicht bei den 35- bis 49-jährigen – hier sind es allerdings dennoch mehr als die Hälfte der Befragten. In der Kohorte zwischen 18 und 34 Jahren sind Für- und Gegenstimmen in etwa ausgeglichen.

Auf politischer Ebene zählen vor allem die Anhänger:innen von SPD (78 Prozent) und Grünen (82 Prozent) zu den Befürwortern des Masken-Comebacks. Aber auch in den Reihen der Union (69 Prozent) überwiegen die Pro-Stimmen. Ablehnung gegenüber der Wiedereinführung herrscht hingegen bei den Wähler:innen der FDP (55 Prozent) und AfD (69 Prozent).

Die Anhänger:innen der Linken sind mehr gesondert ausgewiesen, es gibt mittlerweile zu wenige. Vielleicht besser so, wir wollen uns ja nicht schon wieder ärgern.

Wieso eigentlich erst im Herbst? Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, falls er nicht schon überschritten ist, denn bisher gab es niemals eine Inzidenz von 650 ohne Maskenpflicht, auch nicht während der Omikron-Wellen 5 und 6 (BA.1 und BA.2). Zwar ist Omikron weniger letal als Delta (Welle 4), aber BA.5 nicht weniger als BA.1 und BA.2, wie die immer noch viel zu hohe Zahl an  Todesfällen zeigt (heutiger Stand: 78 im Durchschnitt der letzten 14 Tage). Wie in 135/22 beschrieben, halten selbst bei Maskenpflicht sich viele Menschen nicht mehr an die Vorgaben. Es wird jedoch nicht dadurch besser, dass der Bevölkerung durch die mittlerweile sehr eingeschränkten Schutzmaßnahmen signalisiert wird, dass die Politik diese selbst nicht mehr ernstnimmt (und natürlich auch die Einhaltung der noch bestehenden Maßnahmen nicht kontrollieren lässt). Vor allem ältere Menschen sorgen sich sehr wohl um ihre Gesundheit, wie der überdurchschnittlich hohe Anteil von Befwürworter:innen in der höchsten ausgewiesenen Altersgruppe über 65 Jahre belegt. Sie sind ja auch am meisten gefährdet. Das waren Zeiten, als im Zusammenhang mit Corona noch über jene Solidarität diskutiert wurde, die durchaus auch von Jüngeren gezeigt werden darf.

TH

29.06.2022 (hier zu 134/22 vom Vortag)

Die Corona-7-Tage-Inzidenz (Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist gegenüber gestern weiter gestiegen, von 635,8 auf 646,3. Die Zahl der Neuinfektionen, die gestern gemeldet wurden, beträgt 133.950.

Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten? Zum Beispiel könnte es gut sein, dass die Inzidenz gegenüber gestern nur noch leicht zugelegt hat, der Anstieg ist der geringste an einem Werktag seit zwölf Tagen. Die Zahl der Neuinfektionen, die estern gemeldet wurden, ist gegenüber dem Vortag um ca. 10.000 gesunken, allerdings werden Dienstags auch Zahlen vom Wochenende nachgemeldet. Wichtiger ist daher das Verhältnis zur Zahl vor einer Woche und hier sehen wir eine Zunahme von ca. 14.000 Fällen. Möglich, dass die Sommerwelle ihrem Peak entgegenstrebt. Allerdings war es z. B. gestern auch so heiß, dass sich wohl auch das sehr mobile Omikron-BA.5 schwertut mit der Verbreitung. Eines wiederholen wir seit einigen Tagen in jedem Report: Die Inzidenz ist zu hoch, um den aktuellen Schlendrian so weiterlaufen zu lassen. Auch die heute gemeldeten 175 Todesfälle bestätigten, dass es dafür keinen Grund gibt. Besonders erschreckende Beobachtung von gestern: Dass wir in der Berliner U-Bahn von Menschenumgeben waren, von denen nur noch etwa die Hälfte einen MNS trug. Im hiesigen ÖPNV ist dieser nach wie vor nicht freiwillig, sondern Vorschrift, es wird in U-Bahnhöfen auch alle paar Minuten darauf hingewiesen.

Eine Entwicklung, die man auf unserer Inzidenzgrafik beobachten kann, ist durchaus positiv, unabhängig von allen anderen Daten: Die 14-Tage-Veränderung hat sich von einem starken auf einen leichten Anstieg zurückentwickelt. Innerhalb weniger Tage verminderte sich der durchschnittliche Inzidenzanstieg pro Tag von ca. 5 auf ca. 1 Prozent. Die Frage, ob der Scheitelpunkt der Sommerwelle bald erreicht sein wird, können wir heute noch nicht beantworten, aber die Möglichkeit rückt in den Vordergrund.

„Weil die aktuelle Virusvariante sehr leicht übertragbar ist und weil fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen sind, verpufft in diesem Jahr der Sommereffekt in der Pandemie“, erklärte Lauterbach weiter. Als Gegenmittel hatte er bereits am Dienstag dazu aufgerufen, in Innenräumen wieder Schutzmasken zu tragen. Karl Lauterbach, Q1

Diese Aussage stammt vom 16. Juni, 13 Tage später sind immer noch keine Maßnahmen in Sicht, obwohl es ganz offensichtlich ist, dass viele sich nicht pandemiegemäß verhalten.

Weiter zu den Affenpocken: Wir erwarten bei Fortsetzung des bisherigen Ausbreitungstempos eine Überschreitung der Marke von 1.200 Fällen am 05. Juli, gegenwärtig werden 874 Infektionen verzeichnet, nach 838 gestern:

Wenn man sich das aktuelle Verhalten der Bevölkerung in Sachen Corona anschaut, wundert man sich nicht, dass auch die Affenpockenfälle zunehmen, obwohl das leicht zu verhindern wäre und niemand sich aufgrund des leichtsinnigen Verhaltens anderer auf dem Luftweg anstecken kann. 

TH

28.06.2022 (hier zu 133/22 vom 25.06.2022)

Pünktlich bzw. wie in 133/22 versprochen sind wir wieder zurück und haben die höchste Corona-Inzidenz seit dem Beginn der Sommerwelle in der ersten Juniwoche zu vermelden: 635,8 gibt das RKI heute an, vor einer Woche lag der Wert bei 452.

Der Vergleich mit dem Wert vor 7 Tagen ist deshalb wichtig, weil wocheninterne Schwankungen unter anderem durch die Nichtbekanntgabe von Zahlen des Wochenendes entstehen, sie werden erst ab Dienstag dargestellt. Verglichen mit dem wenig aussagkräftigen gestrigen Wert stieg die Inzidenz hingegen um 44 Punkte, gegenüber dem vergangenen Freitag (Meldetag: Samstag) um lediglich 3 Punkte. Auch in unserer Grafik kommt es zu einem deutlichen Rückgang, und zwar bei der 14-Tage-Steigerungsrate, die wir ausweisen, sie sinkt von ca. 5 Prozent auf etwa die Hälfte. Der Grund ist, dass ein Tag mit besonders hoher Steigerung nun aus der Betrachtung fällt. Wir werden erst in den nächsten Tagen beurteilen können, ob die Welle tatsächlich abflacht. Jedenfalls liegt die Zahl der gemeldeten Fälle von Neuinfektionen mit 143.000 wieder deutlich über der Zahl von vor einer Woche (123.000) und ist die höchste seit dem 21.04.2022, also seit über 2 Monaten (damals 163.000).

Die gemeldeten Todesfälle belaufen sich auf 113 (Dienstag der Vorwoche: 182). Das sieht auf den ersten Blick nach einem deutlichen Rückgang aus, die durchschnittliche Zahl der Menschen, die an / mit Corona verstorben sind, liegt aber schon seit einigen Tagen recht konstant bei etwa 70 (14-Tage-Durchschnitt). Bezüglich der Omikron-BA.5-Welle hier eine kurze Darstellung, die vor einer Woche publiziert wurde, grundsätzlich hat sich daran nichts geändert. Aus Zeitgründen suchen wir heute nicht nach politischen Meldungen zum Thema:

(…) Diese Entwicklung ist im Vergleich zum Infektionsgeschehen in den vergangenen beiden Jahren untypisch. Denn mit den höheren Temperaturen waren die Infektionszahlen sonst gesunken und die Viren hatten sich in den letzten beiden Sommern in Europa weniger verbreitet. Diese Saison ist das anders, dennoch ist die Lage momentan nicht dramatisch, da die neueren Virusvarianten in den meisten Fällen auch weiterhin zu milden Krankheitsverläufen führen. Allerdings können auch viele leichte Infektionen für das ganze System eine Belastung darstellen, beispielsweise wenn es durch viele Infektionen zu Ausfällen im beruflichen Umfeld kommt. (Q1)

Gerade wurden die neuesten Affenpockenzahlen für Deutschland publiziert, wir haben dafür die bereits erstellte Grafik, die bis zum 27.06. reichte, geändert und sehen jetzt wieder einen steileren Anstieg gegenüber den letzten Tagen. Möglicherweise kommt es auch hier zu Nachmeldungen, denn sonst ließe sich nicht erklären, warum an Montagen zu beobachten ist, dass die Zahlen innerhalb von drei Tagen nicht stärker ansteigen als sonst an einem Tag (die Wochenndzahlen interpolieren wir, weil das RKI auch bei den Affenpocken, dann keine Aktualisierung liefert, wir brauchen diese Zahlen aber, um die Prognose erstellen zu können. Sie deutet aktuell auf einen Anstieg von 838 (gestern 765) Fällen auf ca. 1.200 Fälle innerhalb der nächsten 7 Tage.

Der heutige Anstieg von 14 Prozent gegenüber gestern liegt auf der Höhe dessen, was wir am letzten Freitag / Samstag gesehen haben. Weiterhin belegen die Zahlen keinen Anstieg, der zu einer Pandemie führen könnte, aber mehr Vorsicht und Problembewusstsein im Rahmen der für diese Infektion üblichen Übertragungswese kann man aus ihnen auch nicht ableiten.

Mehr besorgt uns allerdings, was wir im öffentlichen Raum bezüglich Corona beobachten. Offenbr haben viele Menschen die Pandemie für sich persönlich als beendet erklärt. Gestern war das für uns besonders unangenehm, weil es wieder einmal Probleme im EDEKA mit dem schlechtesten Kassenmanagement aller Zeiten und Standorte gab, mit einer Viertelstunde Wartezeit trotz ganz normalen Aufkommens an einem Nachmittag. Die Kund:innen, die keine Maske trugen, waren erstmals nach unserer Wahrnehmung deutlich in der Mehrzahl, ebenso die Mitarbeiter:innen, bei den Kund:innen waren deutlich mehr Männer als Frauen nach dem Motto Gesicht zeigen mit Geichtsverlust unterwegs und natürlich hält bei diesen Kassenschlangen auch niemand mehr den Mindestabstand ein. Unsere Warnapp zeigte heute trotzdem „grün“ an, das heißt aber gar nichts, denn gerade diejenigen, die es nicht so mit der Rücksicht und Vorsicht haben, verwenden auch die Corona-App eher selten.

Diese Beobachtung war episodisch, das versteht sich bei unseren Einlassungen aus dem Berliner Alltag sowieso, aber sie entspricht dem, was allgemein vermeldet wird. Sicher, bei den sehr hohen Temperaturen der letzten Zeit (gestern draußen 34 Grad, während des Einkaufs in einem Laden ohne Klimaanlage), ist das Tragen von FFP2-Masken schwitzig, aber man könnte als Zeichen des guten Willens wenigstens die „medizinische“ Version, den OP-MNS, verwenden. Grundsätzlich darf das eigene Verfahren nicht vom Wetter abhängen, denn, wie wir oben gelesen haben, das aktuelle Geschehen ist für eine Sommersituation untypisch.

TH

25.06.2022 (hier zu 132/22 vom Vortag, Update und zu 131/22)

Wir verabschieden uns mit dem heutigen Report von Corona. Für zwei Tage. Denn die Nichterfassung bzw. Nichtweiterleitung von Daten an das RKI an Samstagen und Sonntagen verzerrt die Zahlen so, dass erst am Dienstag wieder realistische Werte vorliegen werden.

Heute gibt es sie aber noch, die realistische(re)n Werte, bei denen man immer die Untererfassung aufgrund zu wenig Testung mitlesen muss. Die Inzidenz steigt von gestern 618 auf heute 632. Das ist ein relativ geringer Anstieg von 2,34 Prozent, aber in den letzten Tagen waren Zuwächse zwischen 9 und 16 Prozent zu vermelden und nun darf auch der Sommerwelle-Express mal ein wenig verschnaufen.

Fakt ist, noch nie war im Sommer die Inzidenz so hoch wie im Moment, der Anstieg zeigt in Punkten etwa das gleiche Bild wie (damals auf höherem Ausgangsniveau) während der 6. Welle (Omikron BA.2), was wiederum zu höheren prozentualen Zuwächsen führt als damals, heute gibt es den fünften in Folge zu melden. Der 14-Tage-Trend bleibt mit einem Plus von ca. 5 Prozent pro Tag auf dem gleichen hohen Niveau wie bisher.

Neues gibt es wieder von wem? Richtig geraten, von Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Es klingt konstruktiv, wird aber nicht die Untererfassung beseitigen. Schon gar nicht, wenn die Bürgertests demnächst nicht mehr kostenfrei sein werden. Die Inzidenz ist sowieso unter  Vorbehalt zu lesen, darauf weisen wir immer wieder hin. Die Hospitalisierungsrate ist sicher ein gutes Indiz für die tatsächliche Gefahr, die von Corona ausgeht, obwohl der Untererfassung bei den Fällen möglicherweise auch eine zu geringe Einweistungsquote in Krankenhäuser, auf jeden Fall aber eine zu geringe Verifizierung durch ärztliche Konsultation folgt. Die Überlegung dabei: Menschen, die Symptome zeigen, würden sich vielleicht anders verhalten, wenn sie wüssten, dass es dabei um eine Corona-Infektion handelt, sprich, (mehr und schneller) ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, in der Folge käme es auch zu Hospitalisierung bei Menschen, die sich jetzt so durchschleppen und glauben bzw. glauben möchten, sie hätten eine heftige Sommergrippe.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit einem neuen „Pandemie-Radar“ bessere Vorhersagen über neue Coronavirus-Wellen ermöglichen. Krankenhäuser sollen zum Beispiel mehr aktuelle Angaben zu Bettenbelegungen machen. „Bislang wissen wir nur, wie viele Betten in den Kliniken frei sind – und das mit Verspätung. Das ist zu wenig“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).  Außerdem sollten „stärker als bisher Infektions- und Durchimpfungsraten in Gesundheitseinrichtungen“ erhoben werden, berichtet das RND unter Berufung auf einen Formulierungsvorschlag des Ministeriums für eine Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes. Auch die Abwasserüberwachung solle dort ausgebaut werden. „Daraus lassen sich Rückschlüsse aufs Infektionsgeschehen ziehen“, sagte Lauterbach. Im Abwasser lassen sich Virenkonzentrationen nachweisen. In allen Pflegeheimen soll es zudem künftig einen Impf- und Medikamenten-Beauftragten geben.

Wenn die Testquoten nichts mehr aussagen, muss man das Abwasser befragen. Als letzte Instanz sozusagen. Viel Spaß wünschen wir bei den Ermittlungen. 

Eine zweite Grafik zu den Affenpocken gibt es heute nicht, denn das RKI zeigt immer noch den gestrigen Wert von 676 Fällen.

Nur aus dem persönlichen Bereich gibt es Positives zu vermelden. Seit heute ist unser Erfassungsstatus bei der Corona-App wieder „grün“, obwohl wir gestern Abend eine gute Gelegenheit wahrnahmen, um uns anzustecken. So ist es eben beim Eintauchen in größere Menschenmengen, die Gefahr der Corona-Infizierung besteht grundsätzlich. War trotzdem geil und wir hoffen sehr, ohne schlechtes Bauchgefühl bald häufiger an Live-Events teilnehmen zu können. Immerhin wurde nach Omikron BA.5 noch nichts Neues entdeckt und die BA.5-Welle läuft schon, quasi vorfristig. Wäre ja ein Ding, wenn wir ausgerechnet im Herbst Ruhe vor Corona hätten.

TH

24.06.2022 (hier zu 131/22 vom selben Tag)

Nachdem wir uns vor einigen Stunden schon zu den Grunddaten des Tages geäußert haben, setzen wir jetzt mit zusätzlichen Infos nach. Auch wir müssen uns daran gewöhnen, dass es im Laufe des Tages zu weiteren Nachrichten kommt, weil Corona wieder vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit steht, seit die Sommerwelle immer schneller ansteigt.

Soeben hat Statista eine Grafik veröffentlicht, die sich mit dem Anstieg der Omikrion-BA.5-Variante befasst und die bestätigt, dass die Sommerwelle unter anderem oder sogar hauptsächlich auf diese Zunahme von Neuinfektionen mit einer Variante zurückzuführen ist, die sich nicht viel darum schert, ob jemand sich schon mit älteren Typen des Covid19-Virus angesteckt hat. Auch der Impfschutz, dessen Aufbau bei den meisten jetzt ohnehin schon länger her ist, kann in der gegebenen Lage eher als Vermeidung schwerer Verläufe denn als Verhütung vor Ansteckung mit BA.5 klassifiziert werden.

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

 

Die Omikron-Variante BA.5 des Coronavirus ist auf dem Wege, das Infektionsgeschehen in Deutschland zu beherrschen. Das zeigt die Infografik von Statista auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts (RKI). Diese Daten beziehen sich allerdings auf die Kalenderwoche 23, also auf die vorvergangene Woche. Aktuell ist von höheren Werten auszugehen. Die Variante BA.5 und ihre Sublinien weisen laut RKI eine höhere Übertragbarkeit auf als andere Varianten. Die zuvor verbreitete Variante BA.2 ist dagegen auf dem Rückzug.

Virologe Christian Drosten rechnet einem Medienbericht zufolge nicht damit, dass es durch die Verbreitung der Variante BA.5 zu einer Überfüllung der Intensivstationen kommen werde. Gleichwohl rechnet er bereits ab dem Monat September mit hohen Fallzahlen und einem Anstieg der Hospitalisierungen und Todeszahlen, wenn die Politik keine vorbeugenden Maßnahmen erlassen würde. Zudem würde es laut Drosten sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle am Arbeitsplatz geben.

Um die einzelnen Varianten nachzuweisen, wird das Ergbut des Virus mit Hilfe einer so genannten Genomsequenzierung untersucht. In der Pandemie versuchen Forscher mit dieser Sequenzierung die Weiterentwicklung des Coronavirus zu überwachen. Diese permanente Beobachtung, vergleichbar mit einem Frühwarnsystem, wird auch „Sentinel Screening“ genannt. So können etwa neue Virusvarianten identifiziert werden.

Die Daten stammen aus der Vorvorwoche, mittlerweile dürfte BA.5 noch mehr dominieren. Das ist die aktuellste Meldung dazu, die erhältlich ist, es dauert immer etwa zwei Wochen, bis Analysedaten, die Varianten-Anteile ausweisen, zur Verfügung stehen. Interessant auch die bisher wenig besprochene Variante BA.4, die vor zwei Wochen bereits einen Anteil von 5,8 Prozent an den Infektionen erreicht hatte. Nach bisherigen Informationen scheint BA.4 der im Zentrum der aktuellen Betrachtungen stehenden Variante BA.5 recht ähnlich zu sein. Das gilt auch für die neuen Impfstoffvarianten, die es nun endlich gibt:

„Im August will Moderna seinen neuen Omikron-Impfstoff ausliefern. Das Vakzin ist laut jüngster Studien auch gegen die Untervarianten BA.4 und BA.5 wirksam. Das Unternehmen verspricht einen „Wendepunkt“ im Kampf gegen Sars-CoV-2.

Der an die hochansteckende Omikron-Variante angepasste Covid-19-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna hat Studien zufolge auch gegen Untervarianten von Omikron gut abgeschnitten. Das Vakzin habe auch gegen die sich schnell ausbreitenden Untervarianten BA.4 und BA.5 eine starke Immunreaktion gezeigt, teilte das Unternehmen mit.“ (Q1)

Aber nicht so stark wie gegen Variante BA.1, gegen die das Vakzin entwickelt wurde, die aber schon kaum noch eine Rolle spielen wird, wenn es ab August (in den USA) eingesetzt werden kann. Wie heißt es quasi alternativlos, wenn die Lage beschissen ist? Der Kampf geht weiter. Mit den üblichen Verlusten. Mehr als 140.000 Menschen in Deutschland haben den Kampf gegen das Covid19-Virus innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren verloren.

TH

24.06.2022 (hier zu 130/22 vom Vortag, Update)

Gestern haben wir zwei Reporte geschrieben, um den Ernst der Lage abzubilden, heute steigen die Corona-Zahlen noch schneller. Auch die Affenpockeninfektionszahlen beschleunigen sich.

Die Inzidenz steigt von gestern 532,9 auf heute 618,4, das ist ein Zuwachs von 16,01 Prozent und von 85,5 Punkten, in Punkten der dritthöchste Anstieg bisher, in Prozent der vierthöchste des Jahres, wobei die jeweils höchste Zunahme nicht mitten in der Woche stattfand, sondern das Resultat einer überdurchschnittlich langen Erfassungs- / Übermittlungslücke war (Wochenende + ein Feiertag im Anschluss). Weil noch höhere Anstiege auf Sonderfaktoren zurückzuführen waren, die heute nicht vorliegen, kann man von einem besonders dramatischen Tag während der ansteigenden Sommerwelle sprechen:

Wir müssen auch morgen mit weiter steigender Inzidenz rechnen, bevor das Wochenende wieder für eine Beruhigung bei der Entwicklung der Fallzahlen sorgen wird.  

Die Neuinfektionen liegen nun am vierten Tag hintereinander bei über 100.000. Nach gestern 119.232 wurden heute vom RKI 108.190 neue Infektionen mit Covid19 ausgewiesen. Das ist eine Steigerung gegenüber der Vorwoche um 16,79 Prozent, fast parallel zur Inzidenzsteigerung. Ein Blick auf die Bundesländer zeigt, dass diejenigen, die schon während der Omikrion BA.2-Welle (Welle 6) besonders stark betroffen waren, auch nun wieder an der Spitze der Inzidenzwerte stehen: Schleswig-Holstein mit 883 und Niedersachsen mit 863, Thüringen weist den niedrigsten Wert auf (214,4), Berlin liegt unter dem Durchschnitt (434,6), auch die heutige Steigerungsrate betreffend, kommt aber von 144, die am Tiefpunkt zwischen den Wellen 6 und 7 bereits erreicht waren. Heute wurden auch wieder 90 neue Todesfälle gemeldet und damit eine Zahl über dem 7-Tage-Durchschnitt von ca. 70 Fällen. Dieser Durchschnitt ist, wie auch bei der Inzidenz, davon geprägt, dass an Wochenenden keine Zahlen gemeldet werden, sie liegen während der Werktage daher regelmäßig über dem 7-Tage-Schnitt. 

Nach unserer Auffassung ist die Politik zum dringenden Handeln aufgefordert. Die (Nach-) Lässigkeit in Sachen Corona darf so nicht weitergehen. 

Wir sind hochgradig erstaunt darüber, wie die stetigen Mahner von einst als Regierungsmitglieder zu Bettvorlegern einer Partei namens FDP geworden sind, der Menschenleben weitgehend egal sind, solange die Kapitalströme im Sinne ihrer kleinen Klientel fließen. Ob alle Maßnahmen, die seit März 2020 eingerichtet wurden, in allen Details richtig waren, steht im Moment nicht zur Debatte, unabhängig von der Evaluierung, die wir demnächst sehen werden. Es ist klar, dass erst Erfahrungen mit Covid19 gesammelt werden mussten, um das richtige Maß zwischen zu großer Vorsicht und Ignoranz zu finden. Wir sind nach wie vor der Ansicht, man hätte zu Beginn und während der todesfallträchtigen Delta-Welle noch konsequenter auf Gesundheitsschutz setzen müssen.

Umso mehr ist es angezeigt, wieder einen Mindestschutz einzurichten, der auf jeden Fall eine positive Wirkung im Sinne einer Abschwächung auf das Infektionsgeschehen haben wird, ohne dass deswegen gleich die Wirtschaft stillstehen muss (was  ohnehin nie der Fall war, auch nicht während der „Lockdowns“). Wir sind auch der Meinung, dass man angesichts der zusätzlichen wirtschaftlichen Probleme, die durch den Ukrainekrieg verursacht werden, vorsichtig mit der Vorsicht sein muss, unabhängig davon, wie was wir über diese hausgemachten Zusatzprobleme  denken, aber gar nichts zu tun, sondern auch noch die kostenfreien Bürgertests in einer Woche einzustellen, ist das falsche Zeichen. Maske tragen z. B. kostet nicht viel, schon gar nicht, wenn man es nur für relativ kurze Zeit bei Einkäufen oder im ÖPNV tun muss und die Hygienevorschriften, die derzeit weitgehend auf freiwilliger Basis eingehalten werden oder eben nicht, sollten verpflichtend werden.

Weil wir keinen Tag ohne Karl Lauterbach verbringen möchten und fast sicher sind, dass es Ihnen genauso geht, haben wir heute etwas für Sie „off Topic“, nämlich ein Statement von ihm zur Privatisierung von Pflegeeinrichtungen. „Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagt in einem aktuellen Interview, die Privatisierung von Pflegeeinrichtungen sei ein Fehler gewesen. Eine Möglichkeit, das wieder rückgängig zu machen, sehe er aber nicht“. (Q1)

Pflegeheime sind ja auch ein neuralgischer Punkt, Corona betreffend und die Finanzialisierung für den Kapitalmarkt hat den Schutz der Betreuten sicher nicht verbessert. Das weist auf die allgemeine Tendenz im Gesundheitswesen hin und erinnert uns daran, dass Lauterbach diese grundfalsche Tendenz unterstützt hat und auch ein Fan von Klinikschließungen war. Das widerspricht seiner Haltung zu Corona, als er noch kein Minister war und es wäre eine schöne Aufgabe für investigative Journalist:innen, zu untersuchen, durch was Karl Lauterbach bezüglich seiner schwungvoll wechselnden Meinungen geprägt wurde. Bezüglich des Hände-in-die-Hosentasche-Steckens in der gegenwärtigen Lage ist es die FDP, besonders vor dem Justizminister Buschmann hat Lauterbach offenbar Angst. 

Weiterhin erinnert uns die Entwicklung im Gesundheitsweisen an einen typischen SPD-Fail in Berlin, nämlich das Verscherbeln von unzähligen Wohnungen zu Spottpreisen an Private, was jetzt in starkem Ausmaß die Wohnungskrise in der Stadt mitverursacht.

Sie lernen es einfach nicht, unsere Politiker:innen, wie man den Büger:innen dient, schon gar nicht, wenn sie von Lobbys gepampert werden ohne Ende. Irgendwann wird sich etwas ändern müssen und dann wird es viel härter, als man es einem Karl Lauterbach zumuten kann. Insofern haben wir heute auch so ein #LauterbachRuecktritt-Gefühl, aber nicht aus denselben Gründen wie die Querdenker:innen. Erklärung: Eine von mehreren Wortkombinationen, die den Rücktritt des Gesundheitsministers fordern, trendet beinahe jeden Tag auf Twitter, wird aber zumeist von den Totalgegner:innen jedweder Corona-Schutzmaßnahme verwendet. Zum Ausgleich trendet heute auch #QuerdenkerSindTerroristen.

Fast in gleichem Maße wie die Corona-Inzidenz sind heut die bisher bekannten Affenpockenfälle in Deutschland angestiegen, um mehr als 14 Prozent. Wir haben den Forecast nun auf 8 Tage erweitert und werden in 8 Tagen vermutlich bei etwa 1.000 Fällen in Deutschland angelangt sein, heute sind es 596, nach gestern 521. Die Beschleunigung kann man daran erkennen, dass die Balken der letzten beiden Tage oberhalb der Trendlinie enden, obwohl diese sich automatisch an die Situation anpasst, indem sie neueste Entwicklungen mit abbildet. Insgesamt sind mittlerweile 55 Länder betroffen, in denen Affenpocken nicht endemisch sind, also nicht langfristig zu den ortsüblichen Infektionenskrankheiten zählen. Deutschland steht dabei aktuell an dritter Stelle hinter Spanien und Großbritannien, die Fallzahlen (sowohl bestätigte wie vermutete) betreffend. Die Zahl der bestätigten Fälle hat außerhalb der endemischen Gebiete die 4.000er-Marke überschritten (4.079). Deutschland ist, wie bei Corona, in einem weit über dem Welt-Bevölkerungsanteil von 1,05 Prozent liegenden Maße von den Infektionen (aktuell 14,61 Prozent) betroffen.

TH

23.06.2022 II (hier zu 129/22 vom selben Tagg, hier auch zu den aktuellen Zahlen)

Die Sommerwelle steigt, die Politik diskutiert und nix passiert, so kann man die aktuelle Situation zusammenfassen, wir haben das früher am Tag im Report 129/22 getan. Im Verlauf des Tages hat Civey eine Umfrage aufgesetzt, wir haben mitgemacht und laden Sie ein, ebenfalls Ihre Meinung abzugeben:

Sollten die aktuellen Corona-Maßnahmen Ihrer Meinung nach aufgrund der steigenden Infektionszahlen umgehend verschärft werden?

Hier der Erklärungstext von Civey dazu:

Der deutsche Städtetag (DST) fordert von der Regierung Sofortmaßnahmen gegen die steigenden Coronainfektionszahlen. Der DST-Präsident Markus Lewe schlägt etwa vor, eine Maskenpflicht in Innenräumen und 3G- oder 2G-Regeln für bestimmte Orte wieder einzuführen. Zudem verlangt er laut Funke Mediengruppe, kostenlose Bürgertests auch nach Juni anzubieten, um den Infektionsverlauf beobachten zu können.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und NRW rufen den Bund ebenfalls zu raschem Handeln auf. Sie fordern das Corona-Infektionsschutzgesetz noch vor der parlamentarischen Sommerpause zu ändern, um entsprechend auf eine mögliche Herbst-Welle zu reagieren. „Dazu zählen insbesondere Maskenpflicht in Innenräumen, 3G/2G-Zugangsregeln, Testpflichten, Personenobergrenzen und Kontaktbeschränkungen“, heißt es in dem Vorschlag der vier Bundesländer laut dpa.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hält eine vorzeitige Reform des Infektionsschutzgesetzes für unnötig. Dem Handelsblatt zufolge werde man diese rechtzeitig vor dem Auslaufen der aktuellen Maßnahmen am 23. September beschließen. Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt sich diesbezüglich optimistisch. Der ARD sagt er vorgestern: „Wir werden also für den Winter viel besser gerüstet sein, als es der ein oder andere jetzt vermutet.“

Dass Karl Lauterbach so krytpisch ist, passt gar nicht zu ihm, finden wir. Überhaupt geht in der Regierung Seltsames vor, das man nur so interpretieren kann, dass die FDP wieder einmal die übrigen Koalitionsparteien mehr oder weniger am Nasenring durch die Manage zieht. Allerdings ist auch reiner Opportunismus im Spiel, der durchaus populär zu sein scheint. Das Meinungsbild zeigt sich gemäß der Umfrage gespalten, keine absolute Mehrheit für eine Position, aber eine relative für „auf keinen Fall“ die Maßnahmen verschärfen. Die Maskenpflicht scheint ein nationaler Alptraum geworden zu sein, ein Symbol für die Diktatur, die, wenn sie kommt, sicher nicht auf diese Weise installiert werden wird.

Okay, wir waren auch froh, am Morgen keine Maske tragen zu müssen, als es zu einer Kennenlern-Gesprächssituation kam. Vor einiger Zeit wäre das im gleichen Setting noch Pflicht gewesen, obwohl nur zwei Personen im Raum waren, aber wenigstens dort, wo es unproblematisch ist und nicht die Kontaktaufnahme oder die Einschätzung anderer erschwert, wie im Einzelhandel, wäre eine Rückkehr zur Maskenpflicht dringend geboten. Wir schrieben es schon im vorherigen Report: Trotz stark steigender Inzidenz nimmt die Zahl der Maskenträger:innen in diesem Bereich stetig ab, die Mitarbeitenden in den Läden inbegriffen. Diese Lässigkeit wirkt sich auch auf die Tragequote dort aus, wo die Pflicht noch besteht, wie etwa im Berliner ÖPNV. Klar, warum hier, wenn nicht dort? 

Ein weiteres Thema hat Statista heute aufbereitet. Erinnern Sie sich noch an den Streit um die PCR-Tests, in dem wir klassistische Elemente ausgemacht und uns ziemlich geärgert hatten, im Rahmen der Langreporte, die wir auf dem Höhepunkt der Delta-Welle verfasst hatten? Die Zeiten ändern sich immer, mittlerweile werden die Kapazitäten nicht einmal genutzt, die für den „Goldstandard“ unter den Tests zur Verfügung stehen, der hilft, Antigen-Testergebnisse abzusichern, wenn man im öffentlichen Testzentrum einen positiven Bescheid erhalten hat. Wie Sie unter der Grafik nachlesen können, hängén die Aufgabe fast sämtlicher Schutzmaßnahmen und die geringe Auslastung der Testkapazitäten miteinander zusammen:

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0 erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar 

Obwohl Corona-Tests laut einer Erhebung des Instituts für Weltwirtschaft Kiel das drittwirksamste Mittel zur Verringerung der Ausbreitung des Virus darstellen, laufen die kostenlosen Testangebote in Deutschland am 30. Juni aus. Einem Bericht des Spiegel zufolge sollen im Rahmen der „Corona-Herbststrategie“ auch in Zukunft nur bestimmte Personen Anspruch auf Gratis-Tests haben, darunter Menschen mit Symptomen, Kleinkinder oder Schwangere. Kapazitäten für die besonders aussagekräftigen PCR-Tests gäbe es in den Laboren allerdings momentan genug.

Wie unsere Grafik auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts zeigt, betrug die Auslastung der rund 200 an einer freiwilligen Befragung teilnehmenden Labore hinsichtlich der PCR-Testkapazitäten in der 22. Kalenderwoche nur etwa 20 Prozent, während es Anfang April noch rund 50 Prozent waren. Auch aufgrund des Wegfalls aller bis auf die grundlegendsten Corona-Maßnahmen Ende März hat die Anzahl der durchgeführten PCR-Tests seitdem rapide abgenommen. In der sechsten Kalenderwoche, während welcher die Sieben-Tages-Inzidenz auf über 1.500 anstieg, wurden beispielsweise 2,5 Millionen Tests bei einer Kapazität von 3,1 Millionen durchgeführt.

Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aufgrund der Verbreitung der ansteckenderen Omikron-Subvariante BA.5 vor einer neuen Sommerwelle mit steigenden Inzidenzen gewarnt und zum Tragen von Masken in Innenräumen geraten. Eine rechtliche Grundlage für eine Maskenpflicht gibt es derzeit nicht. Lauterbach hatte ebenfalls Pläne für eine neue Impfkampagne skizziert, die ab September allen Impfwilligen drei auf Omikron angepasste Impfstoffe zur Verfügung stellen soll.

Gestern hatten wir ein Enddatum 29. Juli genannt und uns dazu auf den bisher angenommenen 30.06. bezogen, offenbar gilt dieser aber weiterhin als Schlusspunkt für die kostenfreien Bürgertests. Die PCR-Tests betreffend, wird wohl vor allem die Kostenfrage eine Rolle spielen, sie sind nun einmal um ein Mehrfaches teurer als Schnelltests. Wir fänden es auch okay, wenn sie erst dann zum Einsatz kämen, wenn ein positiver Schnelltest vorliegt, aber die Möglichkeit, rasch, unkompliziert und kostenfrei einen solchen durchführen zu dürfen, müsste unbedingt erhalten bleiben. Wir haben am Arbeitsplatz eine Möglichkeit, aber optimal ist das nicht, weil wir dann trotz roter Warnapp schon unterwegs waren, weil wir gegenwärtig den ÖPNV benutzen, und mit anderen Kontakt hatten, wenn wir dort eintreffen. Das kleine Testzentrum an der nächsten Straßenecke in unserem Kiez hingegen wird unter den gegebenen Umständen wohl in den nächsten Tagen schließen, denn so viele „bestimmte Personen“, sprich, Angehörige kleinerer Risikogruppen, werden hier nicht wohnen, dass sich die Aufrechterhaltung des Angebots lohnt.

Der Dilettantismus der hiesigen Corona-Politik ist wirklich schwer auszuhalten. Ja, dass die Leute so desorientiert sind, hat auch mit der unsäglich miserablen Kommunikation zu tun, ganz klar. Dass nicht strategisch operiert wird, welche Strategie es auch immer sei, vom Zero-Covid-Versuch, wie in China, bis zum Durchseuchungsmodell, wie z. B. in Dänemerk, sie würde von der Mehrheit kaum noch akzeptiert werden, weil man zu deutlich merkt, dass hier nichts zusammenpasst.

Es handelt sich um eine Vertrauenskrise, die sich nahtlos von der alten auf die neue Regierung übertragen hat und die wir zu beklagen haben. Dass auch anlässlich des gegenwärtigen Kriegs in Europa Deutschlands Politik kommunikativ Fehler über Fehler macht, die aus (allerdings nachvollziehbar) mangelnder Überzeugung bezüglich des eigenen Vorgehens resultiert, passt leider in dieses Bild. Dass viele, wie aktuelle Umfragen vermuten lassen, schon vergessen haben, dass die alte Regierung es in Sachen Corona und auch bezüglich der strategischen Energiepolitik nicht besser gemacht hat, obwohl deren Ablösung erst einige Monate her ist, passt wiederum in Bild von der begrenzten Aufnahmefähigkeit der Bürger:innen eines Landes, die schlicht durch die aktuelle Krisenhäufung überlastet sind.

TH

23.06.2022 (hier zu 128/22 von gestern

„Wir steuern blind in eine neue Corona-Welle“, sagte heute der CDU/CS-Fraktionsvizechef im Bundestag, Sepp Müller, dem Vornamen nach der CSU angehörend. (Q1)

Schon das ist falsch: Er kommt von der CDU und aus Sachsen-Anhalt. Auch falsch ist das Bild mit der Blindheit: Man kann alles sehen, man kann Zahlen lesen und sie interpretieren. Man muss aber auch danach handeln. Es geht noch weiter: „Der Bundesgesundheitsminister erreicht die Menschen nicht mehr, und dadurch verhallen seine Aufrufe.“ Es war Jens Spahn von der CDU, der die Grundlage dafür gelegt hat, dass die Menschen der Corona-Politik der Bundesregierung zu wenig vertrauen. Dass Lauterbach jetzt ein Problem in der eigenen Koalition und mit dem Wechsel zwischen Mahner und Managerposition hat, ist evident und die Querdenker:innen merken, dass sie ihn gut angreifen können, weil er diesen Spagat nicht besonders gut hinbekommt. Beinahe erwartungsgemäß „trendet“ er heute wieder, und zwar mit #Lauterbachmussweg. Gegenüber den bisher üblichen Varianten #LauterbachRuecktrittJetzt und #LauterbachRuecktrittSofort eine beachtliche Mutation, erinnert ein wenig daran, wie das Corona-Virus sich entwickelt.

Die Zahlen sprechen aber für oder gegen sich: Die Inzidenz sprang von gestern auf heute erneut um ca. 9 Prozent auf 532,9 Punkte, die Zahl der Neuinfektionen ist fast identisch mit der gestern gemeldeten und beläuft sich auf 119.232. In den Geschäften hingegen: So viele Menschen wie seit dem Beginn der Pandemie nicht, die ohne Maske herumrennen, als ob die Inzidenz in Berlin nicht innerhalb von wenigen Wochen um 150 Prozent gestiegen wäre. Wenn das Blindheit ist und nicht Hineinrennen sehenden Auges, dann fragen wir uns, was die Blinden dazu sagen, dass sie von der Politik, die das alles zu verantworten hat, mit solchen Sprüchen wie oben diskriminiert werden.

Manchmal sehen die Sehbehinderten sowieso besser, auch wenn wir leider keine barrierefreien Grafiken herstellen können, was wir sehr bedauern. Das Wichtigste vermelden wir auch textlich, sodass man es sich maschinell vorlesen lassen kann.

Der durchschnittliche Anstieg der Inzidenz innerhalb der letzten 14 Tage ist heute sogar gefallen, was aber kein Grund zur erheblichen Freude ist, denn der Anstieg nach dem Pfingst-Erfassungsloch war an manchen Tagen extrem hoch und nun werden Tage mit solcherlei Entwicklung „ausgebucht“ aus der 14-Tage-Tendenz. Uns reicht es schon, um alarmiert zu sein, dass die Inzidenz so locker die 500er-Marke genommen hat. Das hätten wir für diesen Zeitpunk im Frühsommer nicht erwartet. Damit es nicht wirkt, als sei dies wie eine Grippe zu behandeln: Heute wurden wieder 98 Todesfälle gemeldet (gestern 104, vorgestern 182), der Durchschnitt liegt bei über 70 pro Tag innerhalb der letzten 14 Tage. Was sagt die Politik dazu? Wir zitieren wieder den Herrn Müller:

Ich sehe für eine allgemeine Impfpflicht im Bundestag keine Mehrheit. Solange keine tödliche Variante auf uns zurollt, ist sie wahrscheinlich nicht verhältnismäßig. (Q1)

Wir lernen wieder einmal, es muss zu hunderten, wenn nicht tausenden von Toten pro Tag an / mit Corona kommen, damit die Politik eine Verhältnismäßigkeit als gegeben ansieht. Auch das fehlende Impfregister hat Müller angesprochen, das hätte die Union aber längst auf den Weg bringen können, als sie die Bundesregierung angeführt hat. Wenn Sie mögen, lesen Sie gerne das gesamte Interview mit Herrn Müller, der für uns bisher ein unbeschriebenes Blatt war, um sich ein Bild davon zu machen, was in der CDU als eher links gelten dürfte. Darin geht es um weitere Themen. Wir glauben nicht, dass die Union die Quadratur des Kreise hinbekommen wird, schon gar nicht in Zeiten, auf welche die Politik erkennbar nicht vorbereitet ist.

Die Affenpocken-Fallzahl in Deutschland ist von gestern auf heute ebenfalls erheblich gestiegen, um mehr als 13 Prozent, von 521 auf 592. Das Tempo zieht an und vermutlich werden wir nicht erst in 6 Tagen, sondern in 5 Tagen die Fallzahl von 800 erreicht haben. Gleichwohl gilt das gestern Geschriebene: Eine Pandemie oder Epidemie ist das noch lange nicht. 

Wir haben jetzt die Zahlen für den 20. bis 28. Mai nacherfasst, sodass wir ein Bild von dem Tag ab haben, an dem in Deutschland der erste Affenpockenfall bekannt wurde. Man kann daran gut ersehen, dass es einige Tage nach den ersten Fällen eine ruhige Phase gab, aber seitdem steigt die Fallkurve fast stetig an, derzeit steiler als in den Tagen zuvor. Wir erwarten aber nicht, dass die gegenwärtige, hohe prozentuale Zunahme anhalten, sondern, dass sie sich wieder abschwächen wird. Spätestens am Wochenende, wenn Meldepause herrscht.

TH

22.06.2022 (hier z u 127/22 von gestern)

Die 7-Tage-Corona-Inzidenz (Neuinfektionsfälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) steigt mit 488,7 auf den höchsten Wert seit dem 12.05.2022 (505), nach 458 gestern. Am zweiten Tag hintereinander liegt die Zahl der Neuinfektionen über 100.000 (119.232), nach gestern mehr als 123.000. Auch die Todesfallzahlen bleiben dreistellig, gestern wurden 104 neue Fälle  gemeldet, nach vorgestern 182.

Die starken Anstiege, die das RKI dienstags und mittwochs ausweist, sind auch dadurch begründet, dass am Wochenende nicht mehr tagesaktuell ausgewiesen wird. Nur noch wenige Ämter melden an diesen Tagen, daher verzichtet das RKI teilweise auf eine Darstellung. Das gilt allerdings nicht für die Inzidenz, was dazu führt, dass diese, wie die Neuinfektionszahlen, sich mittlerweile sehr ruckartig bewegt, mit sehr starken Anstiegen zur Wochenmitte hin, wenn alle Nacherfassungen abgearbeitet werden (speziell eben dienstags und mittwochs). Wir haben daher unseren Inzidenztrend von 7-tätig auf 14-tägig umgestellt, um ein aussagekräftigeres Bild zu erhalten. Dieser 14-Tage-Trend zeigt gegenwärtig einen enorm hohen Anstieg von ca. 6 Prozent täglich, so viel, wie seit der steilsten Anstiegsphase der Welle 5 (Omikron BA.1) im Januar nicht mehr. 

Weltweit wurden gestern erstmals seit dem 20.05.2022 wieder mehr als 700.000 Neuinfektionen vermeldet (731.000), einen Rückgang gibt es schon länger nicht mehr, obwohl die Omikron BA.5-Variante die stärker betroffenen Länder der Nordhalbkugel bei hohen Temperaturen erwischt hat. „Sommerwelle“ stimmt mittlerweile auch kalendarisch, gestern war Sommeranfang.

Falls Sie sich wegen der Sommerwelle zum vierten Mal impfen lassen wollen, hier noch einmal nähere Informationen dazu, für wen dies im Moment als sinnvoll erachtet wird.

Und was ist mit der Herbstwelle, die von vielen als ein unausweichlicher Tatbestand angesehen wird? Dafür, dass man mit ihr rechnet, gibt es erstaunlich wenig Konkretes aus der Politik.

Laut Gesundheitsminister Lauterbach befindet sich Deutschland in der „Sommerwelle“ – dennoch laufen die Regeln für Gratis-Tests in wenigen Tagen aus.

Welchen Kurs die Regierung nun genau einschlagen will, ist noch offen – doch Lauterbach sieht keinen Grund für Aufregung. (Q1)

Bei Karl Lauterbach muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass er nicht am lautesten von allen warnt. Unser Eindruck: dieser Veränderung liegt nicht etwa ein Mentalitätswandel zugrunde, sondern er wurde von anderen Kabinettsmitgliedern der Bundesregierung, besonders von gewissen FDP-Ministern, „ruhiggestellt“. Möglicherweise gab es auch Gegenwind aus der eigenen Partei, deren Umfragewerte im Sinkflug begriffen sind. Eine Ausrichtung von Lauterbachs Einlassungen nach innen, auf den Frieden in der Ampelkoalition hin, lässt auch der zweite Satz schließen, den wir folgend zitiert haben:

Dennoch mahnte der Bundesgesundheitsminister, nicht in Panik zu verfallen. Wie er in der ARD erklärte, erwarte er derzeit nicht, dass der weitere Corona-Kurs innerhalb der Ampel-Koalition für Streit sorgen wird.

Der Ukraine-Krieg mit seinen wirtschaftlichen Folgen ist schwierig genug, da muss nicht auch noch Panik wegen der nächsten oder übernächsten Corona-Welle geschürt werden, könnte das Motto sein – abgesehen davon, dass die FDP generell das Verhalten eines bockigen Kindes zeigt, wenn es darum geht, Gemeinschaftsaufgaben zu organisieren.   

Noch bis einschließlich 29. Juli sind die kostenlosen Corona-Bürgertests geregelt. Wie es danach weitergeht? Das ist bislang noch genauso unklar, wie der Corona-Kurs der Bundesregierung für den Herbst und Winter dieses Jahres. Denn auch die Regelungen im Infektionsschutzgesetz laufen nur noch bis zum 23. September.

Aus den Ländern werden deshalb Stimmen laut, die den Bund zur Eile antreiben. Denn die Zeit drängt. Der Bundestag geht laut Sitzungskalender am 8. Juli in die Sommerpause und kommt dann erst in der Woche ab 5. September wieder zusammen.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen fordern deshalb vom Bund, schnell die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen.

Die Ampel müsse noch vor der Sommerpause eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorlegen, heißt es in einem Beschlussentwurf der vier Länder für die am Mittwoch beginnende Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern. (Q1)

Mit etwas Pech läuft es wie mit der Impfpflicht: Die schärferen Maßnahmen liegen nicht einmal abrufbereit in der Schublade, wenn es wieder zu einer bundesweiten Inzidenz von 1.000 und mehr kommen sollte. Unser Eindruck ist nicht, dass sich mit dem Wechsel von Jens Spahn zu Karl Lauterbach als Gesundheitsminister viel am Corona-Management verbessert hat. Vor Kurzem gingen wir allerdings noch davon aus, dass es die kostenlosen Bürgertests nur noch bis zum 30. Juni geben soll. Letzte Woche haben wir aufgrund „doppelt“ roter Anzeige der Corona-Warn-App (zwei „Begegnungen“ innerhalb weniger Tage) wieder einmal einen solchen Test in Anspruch genommen.

Eines der vier Bundesländer (welches?), die sich gegen die  zögerliche Haltung der Bundesregierung wenden, wird von Winfried Kretschmann regiert. Sein Name trendet ebenso wie „Ausgangssperre“. Hören Sie rein.

Die Zahl der registrierten Affenpocken-Fälle in Deutschland ist von gestern auf heute wieder zweistellig gewachsen (von 469 auf 521, + 11,1 Prozent). In einer Woche dürfte gemäß unserer Projektion eine Zahl von 800 Fällen überschritten werden, falls das Tempo der Ausbreitung etwa gleich bleibt. Dennoch kann nicht genug betont werden: Wenn der Weg, auf der die Corona-Varianten ihrer Ausbreitung entgegenrollen, eine Autobahn ist, dann ist sie bei den Affenpocken ein schmaler Pfad, begründet durch die viel höheren Voraussetzungen für eine Ansteckung. 

Außerhalb der endemischen Zone der Affenpocken liegt Deutschland weltweit derzeit auf Rang 3 nach Spanien und Großbritannien, Portugal hat ebenfalls eine höhere Infektionszahl, wenn man sie auf die Bevölkerungsgröße bezieht, ebenso die Niederlande.

TH

21.06.2022 (hier zu 126/22 vom 18.06.)

Heute ist der längste Tag des Jahres und Sommerbeginn. Etwas sagt uns, dass wir heute nicht die höchste Infektionszahl des restlichen Jahres gesehen haben und die Sommerwelle erst beginnt. Warum sie in Deutschland, verglichen mit anderen Ländern, so extrem hoch ansteigt, werden wir in diesem Kurzreport nicht enträtseln, recherchieren aber weiter.

Mit 123.097 neuen Fällen liegt die Zahl der Infektionen heute so hoch wie seit dem 27.04.2022, also seit fast 2 Monaten nicht mehr (damals ca. 130.000). Die Inzidenz ist von gestern auf heute um knapp 9 Prozent, von 416 auf 458,5, gestiegen. Damit liegt sie um knapp 12 Punkte höher als vor einer Woche und wir gehen daon aus, dass sie in den nächsten Tagen noch etwas höher liegen wird. Das ist angesichts der sehr hohen Temperaturen an zwei der letzten Tage, die grundsätzlich die Verbreitung von Covid19 stark erschweren, keine gute Nachricht. Wenn man die Weltzahlen ernst nimmt, wurde in Deutschland gestern ein Drittel aller global erfassten Fälle gemeldet. 

Was uns besonders betroffen macht: Die Zahl der Todesfälle ist mit 182 ebenfalls stark angestiegen, die höchste Zahl seit dem 16.05 (damals 215). Dadurch ist die durchschnittliche Todesfallzahl an / mit Corona für die letzten 7 Tage von ca. 60 auf ca. 78 angestiegen.

Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob die Sommerwelle in den letzten Tagen ins Stocken geraten wäre, aber der 14-Tage-Trend zeigt klar eine Aufwärtsrichtung in Form eines durchschnittlichen Inzidenzanstiegs von ca. 7,5 Prozent. Das ist der höchste 14-Tage-Anstieg seit dem Beginn unserer täglichen Erfassung Ende 2021. Solange die blaue Linie nicht deutlich abfällt, ist von weiteren Steigerungen der Neuinfektionszahlen auszugehen.

Derzeit tagen in Indonesien die Gesundheitsminister der G20-Staaten, von dort wird das Folgende vermeldet:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der Bedrohung durch neue Corona-Varianten eindringlich davor gewarnt, im Kampf gegen das Virus nachzulassen. „Die Wahrnehmung, dass die Pandemie vorbei ist, ist fehl am Platz“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag bei einem Treffen der Gesundheitsminister der G20-Staaten in der indonesischen Stadt Yogyakarta. Die Zahl der Neuinfektionen und der Todesfälle ist in den meisten Ländern mittlerweile stark zurückgegangen, was zur Aufhebung zahlreicher Einschränkungen geführt hat.

Seine Behörde sei nach wie vor sehr besorgt, dass „ein Mangel an Corona-Tests und Sequenzierung uns für die Entwicklung des Virus blind macht“, erklärte der Äthiopier. Auch befürchte die WHO, dass die Lektionen aus der Pandemie wieder verlernt würden und sich der „Kreislauf aus Panik und Nachlässigkeit“ wiederhole.

In Deutschland wird sich dieser Kreislauf ganz sicher wiederholen, auch wenn eindeutig ein Abstumpfungseffekt zu beobachten ist., der das Geschehen zusätzlich anheizt: Obwohl die Inzidenz in Berlin sich beispielsweise innerhalb der letzten zwei Wochen wieder verdoppelt hat (niedrigster Wert 143, jetzt 313) tragen so wenige Menschen wie nie zuvor seit dem Ausbruch von Corona beim Einkaufen Masken und auch die Maskenpflicht im ÖPNV wird immer häufiger missachtet. Offenbar spielt dabei auch eine Rolle, dass man davon ausgeht, wegen des 9-Euro-Tickets weniger häufig als bisher Kontrolleure zu sehen, die auch zum MNS etwas sagen könnten und das Fahrgästetprofil hat sich etwas verändert. Wie man an der Nachlässigkeit beim Einkaufen sieht, ist aber nicht nur dieser Sondereffekt relevant. Vielmehr beschleicht uns das Gefühl, es ist den Menschen zunehmend egal, ob sie sich oder andere infizieren. Das sind schlechte Voraussetzungen für eine Herbstwelle, falls sie kommt. Es wäre dann Nummer 8. Da wir aufgrund einer Verletzung derzeit hauptsächlich mit der U-Bahn fahren, bemühen wir uns so gut wie möglich, in einer Ecke unterzukommen, in der die Menschen nicht zu dicht stehen und setzen uns prinzipiell nicht mehr, sondern sind froh, wenn wir die einzigen sind, die sich etwas abseits halten.

Bei den Affenpocken tat sich ebenfalls etwas, seit unserem letzten Report von vor drei Tagen ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten Fälle um knapp 30 Prozent angestiegen (von 362 [durch Interpolierung ermittelt] auf 469). Das klingt ebenfalls viel, ist es in absoluten Zahlen freilich noch nicht. Der Anstieg erfolgt etwas schneller als linear, heute erstmals seit mehreren Tagen wieder mit einer zweistelligen Rate (um knapp 14 Prozent gegenüber gestern). Mit der Situation zu Beginn der Corona-Pandemie ist die Entwicklung nach wie vor nicht zu vergleichen. Außerhalb des endemischen Gebietes der Krankheit weist Deutschland allerdings auch bei dieser Virusinfektion auffallend hohe Zahlen auf und liegt nach Spanien und dem Vereinigten Königreich an dritter Stelle. In Relation zur Bevölkerungsgröße gibt es auch in Portugal (deutlich) und in den Niederlanden (etwas) mehr registrierte Fälle.

TH

18.06.2022 (hier zu 125/22 von gestern)

Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen ist von 427 auf 445 gestiegen, ein Zuwachs von 4 Prozent. Die Sommerwelle ist nicht wegzudiskutieren, aber die hohen Temperaturen bremsen offenbar doch das Geschehen.

Der wirklich heiße Sommer kommt ja erst und Omikron BA.5 wird gegen ihn zu kämpfen haben, auch wenn die Variante ansteckender ist als alle vorherigen. Mit über 80.000 Neuinfektionen, die gestern gemeldet wurden, ist eine deutliche Zunahme innerhalb der letzten Wochen zu verzeichnen, aber wir sind noch weit entfernt von Zahlen über 300.000 pro Tag, wie sie kurzfristig in der „6. Welle“ (Omikron BA.2) zu verzeichnen waren. Die Todesfallzahlen an / mit Corona sind mit einem 14-Tage-Durchschnitt von 60 wieder auf das bisher niedrigste Niveau des Jahres 2022 gesunken. 

Wir haben an unserer Inzidenzgrafik einige kleine Veränderungen vorgenommen: Ab heute weisen wir die „7. Welle“ aus (BA.5) und wir haben bei allen Grafiken die Trenddarstellung von 7 auf 14 Tage geändert, um die sehr großen Schwankungen bei der Erfassung aufgrund von Feiertagen etc., die sich in den letzten Wochen eingestellt haben, etwas mehr zu glätten. Dabei zeigt sich, dass wir vor wenigen Tagen den höchsten Inzidenzanstieg des Jahres zu verzeichnen hatten, gegenwärtig liegt er immer noch auf dem Niveau der Welle 5 (Omikron BA.1) im Januar 2022.

Über die Konsequenzen der einsetzenden Sommerwelle haben wir uns gestern geäußert, aber ganz ohne News wollen wir Sie auch heute nicht lassen. Die vierte Impfung steht gegenwärtig im Mittelpunkt der Betrachtungen, daher hier eine Übersicht über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko):

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine zweite Booster-Impfung bislang vier Personengruppen:

  • Allen ab 70 Jahren
  • Menschen, die von einer Immunschwäche betroffen sind
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen
  • Personal in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen

Gilt die Empfehlung, weil man gesundheitlich gefährdet ist, sollte man die vierte Impfung frühestens drei Monate nach der dritten bekommen. Bei medizinischem Personal sollten laut Stiko mindestens sechs Monate verstrichen sein. (Q)

Bei allen übrigen Menschen gibt es keine klare Antwort, auch wenn Gesundheitminister Karl Lauterbach „das Nachdenken über eine vierte Impfung“ empfiehlt. Ob deshalb heute wieder #LauterbachRuecktrittSofort (Achtung, Variante, üblich war bisher „jetzt“) trendet? Die dritte Impfung jedenfalls soll vor Ansteckung mit BA.5 nur zu 20 Prozent schützen, die vierte aber schwere Verläufe weiterhin stark einschränken.

Und wann kommt der an BA.5 angepasste Impfstoff? Das würde uns stark interessieren. Selbst, wenn es jetzt zu einer 7. Welle käme, die so hoch steigt wie die bisher höchste, die Welle 6 im Frühjahr, würde es vermutlich nicht mehr zu angemessenen Schutzmaßnahmen reichen. Das liegt u. a. daran, dass das FDP-geführte Justizministerium mittlerweile mehr über Gesundheitsmaßnahmen bestimmt als das Gesundheitsministerium von Karl Lauterbach. Dass sich diese Verschiebung in erheblichem Maße negativ auf die Möglichkeit auswirkt, bei Bedarf wieder stärkere Schutzvorkehrungen einzurichten, ist evident.

Zu den Affenpocken haben wir noch keine neuen Zahlen, weil unser Corona-Affenpocken-Report heute früher kommt als in den letzten Tagen, wir verweisen deshalb auf die gestrige Darstellung mit 338 registrierten Fällen in Deutschland.

TH

17.06.2022 (hier zu 124/22 von vorgestern)

Gestern hatten wir auf einen Corona-Report verzichtet, weil wir ein etwas längeres Briefing geschrieben haben und weil die bundesweite Inzidenz sich nur wenig verändert hatte (Anstieg von 472,4 auf 480,0 gegenüber vorgestern). 

Aber heute ein Rückgang um fast 11 Prozent, mitten in der Woche, auf 427,8? Dann fiel uns ein, dass gestern verschiedene überwiegend katholische Bundesländer einen gesetzlichen Feiertag namens Fronleichnam hatten – z. B. unser Heimatbundesland. In Berlin ist dies nicht der Fall.

So schnell vergisst man die alten Zeiten. Die neuen sehen so aus, dass wir an gleich zwei Tagen dieser Woche eine rote Anzeige der Corona-Warn-App hatten und uns wieder testen ließen. Bisher ist offiziell alles okay. Zum Glück können wir uns beim Arbeitgeber weiter kostenlos testen lassen, wenn demnächt der Umsonst-Bürgertest ausläuft. Nach unserer Ansicht in der Sommerweille wieder einmal ein falsches Signal seitens der Politik. Damit es etwas komplizierter wird, ist nun eine Weiterführung mit Einschränkungen angedacht.

Nachdem die Bundesregierung eigentlich ein Ende der kostenlosen Bürgertests für Ende Juni geplant hatte, ist nun offenbar doch eine Weiterfinanzierung geplant. Dies geht aus aus einer gemeinsamen Recherche von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung hervor. Ab ersten Juli sind demnach allerdings neue Einschränkungen sowie Änderungen hinsichtlich der Finanzierung der Corona-Schnelltests geplant. (Q)

Wir melden uns, wenn es eine endgültige Lösung gibt, sind ja noch ewig lange 13 Tage, bis die Politik sich entschieden haben muss. Dass man Regelungen, die so bald gelten sollen, recherchieren muss, spricht sowieso Bände. Wenigstens haben die Journalist:innen zu tun.

Die erratische Entwicklung der Inzidenz setzt sich also fort. Von Juli bis August gibt es keinen gesetzlichen Feiertag, Besserung ist in Sicht. Allerdings sind die Schulferien zu bedenken, die wohl ebenfalls für ein abflachendes Geschehen bei der Erfassung von Neuinfektionen sorgen werden. Die heutige Grafik weist also zur Abwechslung wieder einen blauen Balken für „Rückgang der Inzidenz“ aus:

Derweil häufen sich die Nachrichten zu Corona wieder. Selbst nach dem heutigen Rückgang liegt die Inzidenz immer noch doppelt so hoch wie am Ende der „6. Welle“ (Omikron BA.2).

Der Deutsche Städtetag ist besorgt über die steigenden Corona-Infektionszahlen und fordert rasche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

„Wir brauchen schnelle Entscheidungen und ein neues Bundesinfektionsschutzgesetz noch vor der Sommerpause“, sagte Verbandspräsident Markus Lewe den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es zeige sich, dass die zur Verfügung stehenden Instrumente nicht ausreichten. (…) „Die Corona-Pandemie darf uns nicht immer wieder überraschen.“ 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht bereits von einer Sommerwelle. Am Freitag will sich der SPD-Politiker mit dem Vizepräsidenten des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, in Berlin zur Lage äußern. Die jetzigen Regelungen im Infektionsschutzgesetz laufen am 23. September aus. Kostenlose Bürgertests sind vorerst bis einschließlich 29. Juni geregelt.

Bis zum 30. Juni wird das Gutachten eines Sachverständigenausschusses erwartet, das die bisherigen Schutzmaßnahmen bewertet. Der Bundestag geht laut Sitzungskalender am 8. Juli in die Sommerpause und kommt dann erst in der Woche ab 5. September wieder zusammen. (Q)

Es wird uns aber immer wieder überraschen, wenn die Politik sich nicht gegen populistische Elemente in der Bevölkerung durchsetzt. Umso gespannter sind wir darauf, was der Sachverständigenausschuss uns demnächst mitteilen wird.

Bei den Affenpocken gibt es einen Anstieg ziemlich exakt in Höhe des Corona-Inzidenz-Rückgangs von gestern auf heute, nämlich von 305 auf 338 und damit um knapp 11 Prozent. Unsere Grafik haben wir ein wenig erweitert: Sie zeigt nun auch eine Prognose für die kommenden sieben Tage auf Basis der bisherigen Entwicklung:

Und was trendet heute in den sozialen Medien? #LauterbachRuecktrittjetzt schon wieder. Dabei klingt es doch recht normal, was der Gesundheitsminister sich gemäß aktueller Pressekonferenz bisher für den Herbst ausgedacht hat. Winterreifen statt Sommerreifen. (Q)

Auch im Trend: #Maskenpflicht. Wir hatten am Dienstag im Rahmen einer Teambesprechung geäußert, dass es, wenn es nach uns ginge, angesichts der steigenden Infektionszahlen umgehend zu einer Wiedereinführung der Maskenpflicht beim Einkaufen im Einzelhandel käme. Am Arbeitsplatz gilt sie bei uns dann, wenn man aufsteht und sich einer anderen Person auf weniger als 2 Meter annähert oder mit anderem jemandem zusammen an einem Tisch sitzt.

TH

15.06.2022 (hier zu 123/22 von gestern)

  • Nach einem Riesensprung von fast 35 Prozent gestern ist die Corona-Inzidenz heute wieder um 5,6 Prozent angestiegen. Das heißt, wir sind mitten in Sommerwelle. Zwei Bundesländer haben schon wieder eine Inzidenz von mehr als 700.
  • Erstmals stellen wir heute auch die Entwicklung bei den Affenpocken in einer Grafik dar.

Bundesweit beträgt die Corona-Inzidenz heute 472, nach 441 gestern, die Todesfallzahl ist seit zwei Tagen wieder dreistellig (112 wurden heute gemeldet, gestern 107). Das bedeutet auch, dass Omikron BA.5 offensichtlich ansteckender ist als die bisherigen Varianten, weil es sich trotz hoher Temperaturen rasch verbreitet (siehe Report von gestern). Die wieder steigenden Todesfallzahlen geben nun erste Hinweise darauf, dass es nicht zum Ausgleich noch harmloser geworden ist, sondern in etwa die Letalität der Varianten BA.1 und BA.2 haben dürfte. Das kann im Grunde nur eine Konsequenz nach sich ziehen: Die Corona-Regeln müssen dringend wieder verschärft werden, zumal BA.5 offensichtlich den bisherigen Impfschutz umgeht und auch bereits Genesene sich mit BA.5 erneut anstecken können. „Im Grunde“ oder „eigentlich“ deshalb, weil die richtige Reaktion kaum noch durchsetzbar sein dürfte. Selbst an die Maskenpflicht im ÖPNV halten sich nach unseren aktuellen Eindrücken noch etwa 85-90 Prozent, auffällig hoch ist die Zahl der Maskenverweiger:innen unter jüngeren Menschen.  

Die Inzidenz ist zwischen den Bundesländern wieder weit gespreizt: Mit 154 weist Thüringen die niedrigste Ansteckungsrate auf, Schleswig-Holstein mit 733 die höchste. Berlin liegt mit 278 in der besseren Hälfte, die Inzidenz ist sogar seit gestern leicht gesunken (von 292).

Betroffen macht uns vor allem die Zahl der wieder ansteigenden Todesfälle an / mit Corona. Der Tagesdurchschnitt liegt jetzt bei ca. 73, nachdem kürzlich bereits ein Wert von 61 erreicht war. Deutschland hat damit weltweit die vierthöchsten Todesfallzahlen innerhalb der letzten 7 Tage zu verzeichnen, mit einem Anstieg von 27 Prozent gegenüber den 7 Tagen zuvor. Die Fallzahlen stiegen hierzulande sogar um 49 Prozent, während sie weltweit um 3 Prozent zurückgingen. Wir weisen mittlerweile regelmäßig darauf hin, dass die Zahlen verschiedener Länder gerade bei den Neuinfektionen nur bedingt vergleichbar sind, daher geben wir derzeit nur unter Vorbehalt das Gesamtbild wieder und benennen vorerst keine einzelnen Länder außer Deutschland.

Jedoch können Sie heute erstmals bei uns die Affenpocken-Zahlen in Deutschland grafisch dargestellt sehen. Aktuell sind 263 Fälle erfasst, 26 Tage nach dem ersten gemelden Fall in Deutschland:

Damit steht Deutschland aktuell auf Platz 3 der Länder, in denen der „Ausbruch 2022“ registriert wurde und in denen die Affenpocken nicht endemisch sind, nur Spanien (489) und Großbritannien (470) weisen höhere Zahlen aus. Eine mit Corona vergleichbare Entwicklung haben wir nach einhelliger Meinung nicht zu erwarten. Die EU hat nun 110.000 Dosen Impfstoff gegen Affenpocken bestellt. (Q)

TH

14.06.2022 (hier zu 122/22 von vorgestern)

Okay. Wir hatten mit einem Inzidenzanstieg gerechnet. Schon deswegen, weil zwei Tage, an denen das RKI keine Zahlen mehr ausweist, fast zwangsläufig zu einem solchen am ersten Tag danach führen müssen. Aber ein Anstieg der Inzidenz von 331 auf 447 hat uns dann doch schockiert. Das ist eine prozentuale Steigerung von 34,87 Prozent.

Und damit der bei weitem höchste prozentuale Anstieg der Inzidenz innerhalb eines Tages, den wir bisher beobachtet haben. Selbst der Anstieg in Punkten ist einer der höchsten während der gesamten Pandemie. Demgemäß nicht verwunderlich: der steile Anstieg der heute vom RKI gezeigten Neuinfektionen: 105.840. Der Wert von vor einer Woche kann zum Vergleich nicht herangezogen werden, denn es handelte sich bei dem Erfassungstag, auf dem die Dienstagszahlen der letzten Woche aufbauten, um einen Feiertag. Die Sommerwelle ist also da, auch wenn sie nicht wieder eine bundesweite Inzidenz von 1.500 oder mehr nach sich zieht, wie während der Wellen 5 und 6 (Omikron BA.1 und BA.2). Und dieses Mal mussten wir unser Grafikdarstellung anpassen. Die Bewegungen während der erwähnten Wellen wirken dadurch mit einem Mal recht klein.

In Berlin stieg die Inzidenz in ähnlichem Maße wie im Bundesdurchschnitt, von 214 auf 292. Das schmeißt im Grunde alle unser Homeoffice-Beendigungsplanungen über den Haufen, zumal wir wegen mittlerweile zwei relevanten Verletzungen nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren können, sondern derzeit den gut besuchten ÖPNV nutzen. Der Plan war, bei einer Inzidenz von weniger als 150 in Berlin vollständig zurückzukehren, die gab es auch einmal, und zwar am letzten Dienstag. Dann sagten wir: Gut, diese Regelung wurde unter Delta-Bedingungen getroffen, Omikrion BA.5 ist damit nicht vergleichbar, was die möglichen schweren Folgen betrifft. Aber auch voll Geimpfte sind vor BA.5 nicht geschützt, das ist leider die andere Seite der Medialle. Die Tagesschau erläutert dazu:

Die trotz milder Temperaturen zunehmenden Zahlen – die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz machte heute einen Sprung auf 447,3 im Vergleich zu 331,8 am Vortag – haben laut Experten mehrere Gründe. Zum einen ist da der Omikron-Subtyp BA.5, der zuletzt in Deutschland stetig zulegt. „Die Untervariante BA.5 ist noch ansteckungsfähiger als alle Varianten zuvor, kann sich also auch unter den für das Virus widrigen Bedingungen im Sommer verbreiten“, erklärt Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin.

Zudem könne BA.5 nach derzeitigem Kenntnisstand dem Immunsystem entwischen, selbst wenn es schon Kontakt zu Omikron-Varianten hatte, sagt Ulrichs. Auch vollständig Geimpfte seien nicht vor einer Infektion gefeit. „Das bedeutet, es kommt eine große Anzahl von Wirten für die Verbreitung in Frage.“

Nicht zu vergessen die Nicht-mehr-Meldung seitens des RKI am Wochenende. Die Zahlen von diesen Tagen müssen nachträglich ausgewiesen werden, das steigert die Sprunghaftigkeit der Inzidenz. Es ist und bleibt ein Geduldsspiel, im dritten Sommer der Pandemie. Wer hatte sich in den ersten Monaten, das war 2020, aus dem Fenster gelehnt und geäußert, eine Pandemie dauert nie länger als 18 Monate? Wird schon ein renommierter Experte gewesen sein.

Affenpocken: Die Fallzahlen steigen weiter moderat an, in Deutschland nähern sie sich dem Wert von 200. Auch die bereits genesenen Personen sind in der Tabelle enthalten.

13.06.2022   189
12.06.2022    
11.06.2022    
10.06.2022   165
09.06.2022   131
08.06.2022   113
07.06.2022   80
06.06.2022    
05.06.2022    
04.06.2022    
03.06.2022   66
02.06.2022   48
01.06.2022   44
31.05.2022   33
30.05.2022   21
29.05.2022   12

TH

12.06.2022 (hier zu 121/22 von vorgestern)

Heute geben wir mal gleich ans RKI weiter, damit die folgenden Ausführungen verständlich werden:

Da am Wochenende nur noch wenige Gesundheitsämter und Landesbehörden Daten an das RKI übermitteln, werden keine Daten am RKI eingelesen, sodass es bei den absoluten Fallzahlen keine Veränderung zum Vortag gibt. Die Änderung der 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag beruht lediglich auf einer Änderung des Bezugszeitraums (jeweils 7 Tage vor dem Tag der Berichterstattung).

Die 7-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist unter diesen Umständen erwartungsgemäß etwas gefallen (von gestern 348,9 auf heute 333,7). 

Was wir schon häufiger erwähnt haben, die  Untererfassung an Wochenenden, führt also jetzt dazu, dass das RKI lediglich die Inzidenz aktualisiert, nicht mehr die Fallzahlen. Wir finden diese Vorgehensweise problematisch, denn was herausfällt, sind nicht die Zahlen vom letzten Sonntag, also von einem Tag, an dem nicht gemeldet wurde, sondern jene vom letzten Samstag (7 Tage werden berücksichtigt), und die liegen ja nicht bei Null, weil sie sich auf den Freitag beziehen, an dem noch reguläre Meldetätigkeit herrschte.

Das heißt, es wird ein Inzidenzrückgang suggeriert, der lediglich auf einer Erfassungslücke basiert. Nicht, dass das bisher nicht so gewesen wäre, aber wenigstens hat das RKI noch die paar Fälle ans Publikum weitergereicht, die ihm gemeldet wurden, sodass sich eine leichte Gegenbewegung hin zu höherer Inzidenz ergab. Wir würden es für besser halten, auch die Inzidenz an Wochenenden nicht zu aktualisieren, damit der Anschlusswert am kommenden Dienstag realistisch ist und nicht solche extremen Veränderungssprünge (von +20 bis -20 Prozent) zwischen einzelnen Tagen zu verzeichnen sind, wie wir sie zuletzt gesehen haben.

Es ist für uns im Grunde obsolet geworden, sonntags und montags einen Report zu veröffentlichen, ebenso nach Feiertagen, zuletzt Pfingsten betreffend. Deswegen gibt es heute auch keine aktualisierte Inzidenzgrafik. Wir führen diese Grafik aber fort und bilden auch die Wochenendtage ab. Damit die Zeitleiste komplett erhalten bleibt, würden wir an Wochenenden die vorherigen Zahlen beibehalten oder interpolieren, wenn das RKI an Wochenenden auch keine Inzidenzzahlen mehr melden würde.

Die 7-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen) ist unter diesen Umständen erwartungsgemäß etwas gefallen (von gestern 348,9 auf heute 333,7).

Die Zahl der Affenpockenfälle in Deutschland liegt weiterhin bei 165 und stammt vom 10.06., gestern und heute wurde auch hier noch kein neuer Stand veröffentlicht.  

TH

11.06.2022 (hier zu 120/22 von vorgestern)

Zu melden hätte es gestern einiges gegeben, aber wir haben mit dem Report aus Zeitgründen aussetzen müssen. Was gab es und gibt es heute? Zum Beispiel einen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz um scharfe 26,3 Prozent innerhalb von nur 2 Tagen (heute 348,9, gestern 318,7, vorgestern 276,1). Nach einem Anstieg von 15,43 Prozent gestern gab es heute noch einmal 9,48 Prozent obenauf.

Ihr werdet mich nicht so einfach los ist also eindeutig das Motto des Corona-Virus. Vielleicht dachte Christian Drosten daran, als er gestern einen vielbachteten Tweet absetzte (auch wir haben ein Like gegeben) und darauf verwies, dass er doch wieder einen Podcast für uns gemacht hat, der die aktuelle Lage erklärt. Interessanterweise trendet Drosten damit heute gar nicht, wohl aber wieder Karl Lauterbach. Sie werden das Hashtag erraten haben: #LauterbachRuecktrittjetzt.

Eines scheint nun jedenfalls sicher: Die Sommerwelle kommt. Die steigende Zahl von Infektionsmeldungen trotz z. B. hoher Außentemperaturen scheint nun einen eindeutigen Trend auszuweisen. Gestern in der prallvollen Ringbahn: Mehrere Gruppen von Jugendlichen / jungen Erwachsenen und jungen Paaren ohne MNS. 

Wie tröstlich daher, dass Christian Drosten die Sommerwelle bezüglich ihrer Folgen für nicht so bedenklich hält wie die Herbstwelle, die sich wohl anschließen wird:

Das RKI warnt vor einem erhöhten Infektionsdruck im Sommer wegen der Verbreitung der Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5. Drosten aber sagte, er habe mit Blick auf den Sommer „im Moment keine allzu großen Bedenken“. Vom frühen Herbst an müsse man aber mit vielen Arbeitsausfällen rechnen. „Wir haben vielleicht nicht mehr so stark das Problem auf der Intensivstation, sondern einfach bei allen Arbeitgebern“, sagte Drosten: „Die werden das merken, und die werden das über quälend lange Zeit merken in dem kommenden Winter.“ (Q)

 

Die gemeldeten Neuinfektionen lagen heute denn auch folgerichtig mit 65.337 um mehr als 50 Prozent höher als vor einer Woche (41.087), auch der zuletzt zu beobachtende Abwärtstrend bei den Todesfallzahlen ist vorerst gestoppt: die gestern gemeldete Zahl beläuft sich auf 77, der Tagesdurchschnitt liegt derzeit bei 61. Weltweit hingegen kaum eine Entwicklung in die eine oder andere Richtung, die Fallzahlen liegen an Werktagen zwischen 500.000 und 600.000, sinken aber, wie am Wochenende, um etwa die Hälfte ab. Dazu trägt Deutschland maßgeblich bei, wo an Wochenenden fast gar nicht gemeldet wird, dessen Anteil an den Neuinfektionen aber heute wieder bei 7,8 Prozent lag.

Es waren schon einmal deutlich mehr Prozente, aber in Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen um 14 Prozent gegenüber den vorausgegangenen 7 Tagen gestiegen, weltweit um 7 Prozent gefallen. Wichtig in dem Zusammenhang: Manche Länder melden derzeit ihre Zahlen mit einiger Verzögerung. Wir verwenden die Daten, wie sie erstmals für einen Tag sichtbar werden, nicht nachträglich angehobene Werte. 

Die Affenpockenfallzahlen in Deutschland nehmen sich aktuell so aus:

10.06.2022   165
09.06.2022   131
08.06.2022   113
07.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
06.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
05.06.2022*   *Pfingst- und WE-Meldepause?
04.06.2022   80
03.06.2022   66
02.06.2022   48
01.06.2022   44
31.05.2022   33
30.05.2022   21
29.05.2022   12

TH

09.06.2022 (hier zu 119/22 von gestern)

Gestern schrieben wir „Die 7-Tage-Inzidenz pumpste ins Erfassungsloch und fand selbstständig wieder heraus. Das kann man heute als gesichert ansehen, denn sie steht mit 276,1 (gestern 238) so hoch wie seit dem 25. Mai nicht mehr. Die Ferien-Feiertage-Nacherfassung scheint sich dem Ende zu nähern und wir sehen Zahlen, die auf eine Kehrtwende hindeuten könnten.

Gestern war bei Sandra Maischberger zur Abwechslung auch wieder ein Virologe zu Gast, der allseits bekannte Hendrik Streeck und gab das Folgende zu Protokoll:

Für den Virologen ist es „schwer zu sagen“, ob wir uns schon in einer Sommerwelle befinden, da die wirkliche Höhe der Inzidenzen aufgrund der geringen durchgeführten Tests unklar sei. Unabhängig von der Entwicklung der Fallzahlen sagte Streeck: „Ich würde keinen Lockdown empfehlen.“ Der Grund: Die Schäden durch den Lockdown sind in seinen Augen größer als die durch die Pandemie. Außerdem gebe es in Deutschland nun „weit über 95 Prozent Immunität“, so Streeck, der vorsichtig Kritik an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach übte. „Vielleicht verstehe ich als Virologe unter Killer-Variante was anderes“, sagte er über Warnungen Lauterbachs vor gefährlichen Mutationen des Virus. (Q)

Für 95 Prozent angenommene Immunität sind die aktuell gemeldeten Fallzahlen ziemlich hoch. Vielleicht bezieht sich die Immunität nicht auf die Variante Omikron BA.5, dann wäre der Prozentsatz der Immunisierten gemäß der aktuellen Entwicklung niedriger, denn BA.5 hatte am 30.05. bereits einen Anteil an den Neuinfektionen von mehr als 15 Prozent, mittlerweile dürften es mehr als 20 Prozent sein. Tatsache ist jedenfalls, dass wir vorerst weiterhin mit Corona leben müssen. Daraus folgt, dass wir nicht die allerletzten Schutzmaßnahmen, etwa die Maskenpflicht im ÖPNV, kippen sollten:

Gestern hatte die Inzidenz den Großteil des „Pfingst-Abfalls“ wettgemacht,  durch die den abermaligen Anstieg um fast 16 Prozent am heutigen Tag nun den höchsten Wert seit 16 Tagen erreicht. Ob damit endgültig die befürchtete Sommerwelle eingeleitet wurde, die vor der Herbstwelle kommt, lässt sich in der Tat noch nicht sicher sagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering.

Heute trendet ausnahmsweise nicht #LauterbachRuecktrittJetzt sondern #LongLauterbach. Wir finden auch, man muss sich ab und zu etwas Neues einfallen lassen.

Und damit zu den Affenpocken. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Fälle ist auf 131 gestiegen (vorgestern 80 bis 88, je nach Quelle), ein erster Patient wurde als genesen entlassen. Deutschland steht damit außerhalb des üblichen (endemischen) Verbreitungsgebiets des Affenpockenvirus hinter Großbritannien, Spanien und Portugal weltweit auf Rang 4 der betroffenen Länder. Allerdings sind die deutschen Zahlen ganz aktuell, die der anderen Länder von gestern oder älter.

TH

08.06.2022 (hier zu 118/22 vom 04.06.)

Die 7-Tage-Inzidenz plumpste ins Erfassungsloch und fand selbstständig wieder heraus.

Hatten wir nicht über Pfingsten schön stillgehalten? Aus gutem Grund, denn die Inzidenz sank wieder, nach mehrtägigem Anstieg, und das gestern mit einer zuvor nie gesehenen Rate von über 20 Prozent. Heute stieg sie hingegen im Rekordtempo wieder an. Wir haben solche Schwankungen bereits mehrfach theamtisiert, hier aber in den Worten des RKI, die seit gestern zu lesen sind, bevor man das Dashboard freiklicken darf:

Bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen ist zu beachten, dass es aufgrund der Feiertage und Ferien und der damit verbundenen geringeren Test- und Meldeaktivität zu einer erhöhten Untererfassung der Fälle und einem erhöhten Verzug im Meldesystem kommen kann.

Deswegen ist die für aktuelle Verhältnisse enorm hohe Neuinfektionszahl von 84.655 (die höchste seit dem 12.05.) auch kein Drama. Das gilt auch für die heute wieder hohen Todesfallzahl von 145. Vor drei Tagen und vorgestern wurden gar keine Toten an / mit Corona gemeldet, gestern 2. Todesfälle aufgrund Virusinfektion sind immer dramatisch, aber die Zahl hält sich im bisherigen Rahmen, derzeit ist sogar ein weiteres Absinken des Tagesdurchschnitts zu beobachten.

Vorgestern war eben ein Feiertag, also ein zusätzlicher Tag, an dem kaum erfasst wurde. Dass die Ferien eine erwähnenswerte Rolle spielen, überrascht uns jedoch etwas. Werden Schüler:innen als Erfassungshelfer:innen eingesetzt, weil die Gesundheitsämter unter chronischem Personalmangel leiden und stehen in den Ferien nicht zur Verfügung? Dies bei ohnehin schon vorhandenen Corona-Rückständen, dies in Berlin bei einem ohnehin maroden Schulsystem? Jedenfalls gehen nun auch die Pfingstferien zu Ende, sie werden mit einer kleinen Pause von den Sommerferien abgelöst. Vielleicht haben wir deshalb im Sommer immer niedrigere Zahlen und sind vom Ansteigen im August oder September stets überrumpelt, weil: Ferien! Ferienende! Rätselhaftes Corona, nach wie vor.

Und damit zu unserer Standardgrafik, welche über die Inzidenz informiert. Wir haben aus reinem Protest gegen dieses erratische Geschehen keine Erweiterung der rechten Achse vorgenommen, obwohl gestern ein Minus von mehr als 21 Prozent zu verzeichnen war:

Nach einem Abfall der Inzidenz von 253 auf 199 gestern heute wieder ein Anstieg auf 238. Den gestrigen starken Rückgang sieht man auf der Grafik nicht so recht, weil er von der Tageslinie verdeckt wird, der nichts anderes übrig blieb, als ebenfalls einen Kopfstürz in die Tiefe zu machen. Wie ein Korken aus dem Wasser schoss sie aber heute wieder nach oben. Das waren Zeiten, als man sich darauf verlassen konnte, dass die Inzidenz sich von einem auf den anderen Tag in einem +/- 10-Prozent-Korridor bewegte. Wir können uns nicht helfen, irgendwie ist nicht nur das Corona-Management noch indolenter geworden als während der Wellen-Höhepunkte, sondern auch die Erfassung neuer Fälle scheint nicht mehr recht ernstgenommen zu werden. 

Zumindest ist der obige Text des RKI missverständlich: An Feiertagen geht es um die Erfassung, bei den Schulferien natürlich darum, dass keine Infektionen im Schulbereich vorkommen. Dieser Umstand trägt tatsächlich, nicht nur erfassungstechnisch, zu den niedrigeren Sommerzahlen bei.

Auch die Weltzahlen, die im Moment stagnieren (gestern 545.000) Fälle sind schwierig zu bewerten, weil nicht mehr alle Länder jeden Tag melden, gerade wichtige Hochinzidenzländer wie Portugal hängen oft mehrere Tage zurück. Wir können bei dem möglichen Aufwand für die Kurzreporte aber nicht die Nacherfassungen bei den Weltzahlen abbilden. Deswegen unter Vorbehalt: Die deutschen Neuinfektionszahlen sind in den letzten 7 Tagen gegenüber den vorausgegangenen 7 Tagen um 13 Prozent gestiegen, die weltweiten Zahlen um 10 Prozent gefallen. 

Auch bei den Affenpocken tut sich etwas:

Die Zahl der registrierten Affenpocken-Fälle in Berlin ist weiter gestiegen. Mit Stand Dienstagnachmittag waren in der Hauptstadt 72 Infektionen registriert worden, 13 Patienten seien im Krankenhaus (…). Vor dem Pfingstwochenende am Freitagnachmittag waren es (…) 48 bestätigte Fälle gewesen. (…)

Bundesweit wies das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag 80 Nachweise von Affenpocken aus – allerdings vor den gemeldeten Zahlen aus Berlin, wo es besonders viele Fälle gibt. Neun Bundesländer meldeten demnach Fälle der eigentlich seltenen Virus-Erkrankung: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. (Q)

Wir bleiben selbstverständlich am Ball und hoffen, dass wir für Corona demnächst wieder eine realistische Inzidenz ausweisen können. Den starken Move von heute haben wir einigermaßen vorausgesehen und deswegen über Pfingensten keine Reporte geschrieben, aber bekommen wir nun die BA.5-Sommerwelle? Das ist nicht ausgemacht, aber nicht unwahrscheinlich. Wir gehen davon aus, dass sich nach etwas mehr als 15 Prozent Anteil an den Neuinfektionen am 30.05. der BA.5-Anteil mittlerweile auf etwa 20 Prozent erhöht haben dürfte. 

TH

 

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