Heiß und kalt und höchst bedrohlich – Verdrängungsversuche in der Habersaathstraße 40-48 in Berlin Mitte // @HeimatNeue @DasselVon #BMV @BMieterverein @SusanneHoppe2 @Mieterproteste @BGemeinwohl @KLompscher @SenSW @KiezinAktion @22Marion_Noiram #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Mitte #Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #IGHAB #Habersaathstraße #DanielDiekmann #Arcadia #DWenteignen #Ersatzvornahme

2018-06-24 Unsere Stadt, unsere Welt

Serie und Dossier „Mieter, kämpft um diese Stadt!“

Heute lohnt es sich, die B. Z., Berlins Pendant zur BILD, zu kaufen. 

Denn nun erschien ein Bericht über die Habersaathstraße und die Ereignisse vom September 2018 nebst Grunddaten zum Fall, über den wir bereits mehrfach berichtet haben, etwa hier und hier.

Der Beitrag „Ausziehen oder ihr werdet brennen“ über das Ereignise, dem auch der B. Z.-Artikel im Wesentlichen zugrundeliegt, brachte uns den Kontakt mit Daniel Diekmann von der IG Hab, seitdem stammen die Informationen zum Verdrängungsvorgang Habersaathstraße, welhe wir in unseren Beiträgen verarbeiten,  im Wesentlichen von ihm als betroffenem Mieter.

2019-06-11 habersaathstraße brandsnaschlag bz foto berichtWir nutzen aber auch die Gelegenheit dieses B. Z.-Beitrags, daran zu erinnern, dass jemand der die Mieter_innen unbedingt aus dem Haus haben möchte, ein ausgesprochener Spezialist für das Arbeiten mit unangenehmen Temperaturen ist.

Von der Brandhitze bis zu den immer noch geöffneten Fenstern im Winter hat dieser findige Entmieter einiges drauf, wogegen sich die Mieter zwar tapfer wehren, was aber darauf hindeutet, dass hier allgemein eine hohe kriminelle Energie vorliegt – weit über das hinaus, was in der Immobilienbranche ohnehin üblich ist.

Man schreckt nicht davor zurück, Mieter_innen zu bedrohen oder ihre körperliche Unversehrtheit zu beeinträchtigen. Von wem auch immer der Brandanschlag auf Diekmanns Pkw im September ausgelöst wurde, dass man jetzt vermutlich mit Kältemobbing arbeitet, bezeugt, dass in Berlin die Immobilienhaie komplett unverfroren sind, während unzählige Mieter_innen um ihre Bleibe zittern müssen.

Im Fall der Habersaathstraße muss der Bezirk Berlin Mitte dringend einschreiten, um die Häuser und die darin verbliebenen Menschen vor dem Auskühlen zu schützen!

Die vorausgehenden Beiträge zur Sache „offene Fenster“ haben wir für unsere Leser im Folgenden noch einmal abgebildet.

TH

Update 2 unseres Beitrags „Böse Weihnahtsbescherung“ vom 03.01.2019

Wir wurden heute gefragt, wie es mit den Fenstern in der Habersaathstraße nun aussieht. Eine sehr berechtigte Frage, die von Daniel Diekmann, dem Sprecher der IG HAB, der Mieterinitiative der Habersaathstraße 40-48 mit „leider unverändert“ beantwortet wurde. Es wurde zwischenzeitlich kälter, wie wir wissen. Wann und wie wird gehandelt, um diesen Zustand zu beenden? Werden die verbliebenen Mieter_innen durchhalten? Wir bleiben dran.

Update 1 vom 30.12.2018:

Wir schreiben sechs Tage nach dem Beitrag über die offenen Fenster in der Haabersathstraße 40-48 weiter an diesem Fall.

Inzwischen hat uns Kilian Wegner via Twitter geantwortet und auf das Wohnungsaufsichtsgesetz aufmerksam gemacht: Learning by Writng und kluge Hinweise bekommen ist nicht die schlechteste Vertiefungsmethode.

Es liegt nah, dass es eine Norm geben muss, welche die Behörden ermächtigt, die Beseitigung von Missständen in Wohnungen gegenüber Eigentümern anzuordnen oder bei Verweigerung der Mitarbeit seitens der Verfügungsberechtigten selbst beseitigen lassen kann. In Berlin nennt sie sich Wohnungsaufsichtsgesetz (Gesetz zur Beseitigung von Wohnungsmissst#nden in Berlin (Wohnungsaufsichtsgesetz ñ WoAufG Bln).

Wir wollen hier nicht spekulieren, welche der enthaltenen Regelungen zur Anwendung kommen könnte, denn der Fall, dass ein Vermieter ein Haus absichtlich auskühlen lässt und nicht technische Mängel die Grundlage des Behördeneingriffs bilden, ist nicht direkt erwähnt, aber Sinn und Zweck des Gesetzes sollten diesen Fall  umschließen.

Wir wünschend den Mieter_innen in der Haabersathstraße weiterhin alles Liebe und Gute und hoffen, dass im neuen Jahr schnell Abhilfe geschaffen werden kann!

Der ursprüngliche Beitrag vom 24.12.2018:

Heute, an Heiligabend, in den Mietenwahnsinn einzusteigen, war nicht geplant. Zumindest nicht mit einem Bericht, der möglicherweise neue, schockierende Nachrichten enthält.

Aber da wir die Vorgänge beim Verdrängungsfall Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte seit Ende September eng verfolgen und zuletzt froh vermeldeten, das Abrissvorhaben seitens des „Investors“ namens „Arcadia“ sei gestoppt, müssen wir nun eine traurige oder Wut erzeugende Mitteilung machen.

Wir wissen von dem Umstand seit einigen Tagen, aber wir haben wegen der Brisanz von Daniel Diekmann, dem Sprecher der Mieterinitiative IG HAB, der uns darauf aufmerksam gemacht hat, um aktuelle Fotos vom Haus gebeten. Die hat er uns gestern geschickt. Hier zunächst die Bilder.

2019-05-17 HAB 40-48 2 Fenster erstes Foto gemischter Zustand
Habersaathstraße, Haus im Block 40-48, ca. 22. Dezember 2018

Dieses Foto, das wir schon etwas früher erhielten, wirkt auf den ersten Blick nicht besonders. Es zeigt einen Ausschnitt der typischen, glatten Fassade des Blocks  Habersaathstraße 40 bis 48. Doch Daniel Diekmann berichtete, dass in den unbewohnten Wohnungen fast überall nun Fenster gekippt oder gar ganz geöffnet seien.

Der Verdacht, so Diekmann, liege nah, dass die „Arcadia“ bzw. die zuständige Hausverwaltung die Häuser auskühlen lassen will, um den Mieterinnen von 20 noch bewohnten Einheiten, die bis jetzt durchgehalten haben, das Leben so weit wie möglich weiter zu erschweren.

Wir erinnern uns, dass es im Dezember bereits kältere Tage gab als die letzten und im  Januar mit Sicherheit eisige Tage und vor allem Nächte kommen werden. Diekmann äußerste uns gegenüber die Befürchtung, dass im Ernstfall sogar Leitungen einfrieren könnten und dadurch Schäden am Haus zu befürchten seien.

Wir antworteten, in solchen Fällen sei der Bezirk vermutlich zur Ersatzvornahme berechtigt, kann also Arbeiten auf Rechnung des Eigentümers der Gebäude ausführen lassen, weil in diesem Fall eine bewusst organisierte Verwahrlosung oder Schadenserzeugung vorliegt. Diekmann bestätigte, dass sich Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), den er auf diesen Vorgang angesprochen hatte, ebenfalls in diese Richtung geäußert habe.

Wir wollen aus bautechnischer Sicht klarstellen, dass man Fenster nicht sperrangelweit geöffnet halten muss, um Räume auszukühlen, dauerhaftes Kippen reicht aus, wenn die Heizungen abgeschaltet sind – was bei den leeren Wohnungen hier der Fall sein wird. Zudem sind die Häuser Habersaathstraße 40 bis 48 zwar von außen gedämmt worden, aber die dünnen Innenwände bei dieser Betonbauweise sorgen dafür, dass sich Kälte von einem Raum auf den anderen und damit von den unbewohnten auf die bewohnten Wohnungen sehr schnell ausbreitet.

2019-05-17 HAB 40-48 Fenster Ende Dezember offen + gekippt
Foto vom 23.12.2018

Weitere Fotos, die uns gestern gesendet wurden, zeigen detailliert, wie die meist geschlossenen Fenster der noch bewohnten Einheiten in der Nähe von gekippten oder gar ganz geöffneten Fenstern liegen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Wohnungsfenster, nicht um solche im Treppenhaus, die man auf einem Bild aus dem September während der Aktion „Laken raus“ sehen kann. Diese Laken wurden dann von einem „Security-Mitarbeiter“, der offensichtlich vom Vermieter dazu beauftragt war, entfernt.

2019-05-17 HAB 40-48 Fenster Ende Dezember gekippt + geschlossen in bewohnter Wohnung
Fenster geschlossen in bewohnter Einheit, daneben und darüber Fenster gekippt.

Die verbliebenen Mieter_innen in der Habersaathstraße stehen vor einem großen Dilemma. Entweder öffnen sie die Türen zu den Wohnungen, die auskühlen, gewaltsam, schließen die Fenster und machen sich dadurch strafbar oder sie müssen massiv heizen, um dem einigermaßen entgegenzuwirken – wobei wir aus unserer Erfahrung mit einer Eckwohnung wissen, dass das bei Minusgraden und Kälte von allen Seiten nicht so einfach ist. Heizungen sind darauf ausgelegt, Räume bei üblicher Belegung der anderen Wohnungen angenehm warm halten zu können.

Liegt der Fall einer nur teilweisen Belegung wie in der Habersaathstraße vor, müssten um diese Jahreszeit die Fenster der unbewohnten Wohnungen geschlossen und die leeren Räume auf ca. 10 bis 15 Grad geheizt werden, damit Leitungen nicht einfrieren können und damit Menschen in den angrenzenden Wohnungen nicht eiskalte Zwischenwände und ebensolche Böden und Decken zu beklagen haben.

2019-05-17 HAB 40-48 2 Fenster mit Treppenhaus Laken raus
Schwierige, aber noch sonnig-warme Zeiten: Laken raus Anfang September 2018. Hier sieht man die Treppenhausfenster, aus denen die Laken gehängt wurden.

Es ist schwierig, einen solchen Beitrag sachlich zu halten, aber da wir in diesem Fall nicht den Vorzug haben, uns auf andere berufen zu können, deren Beiträge wir kommentieren, bleiben wir im Ton gemäßigt.

Andererseits freut uns das Vertrauen besonders, das uns die IG HAB und ihr Sprecher Daniel Diekmann mittlerweile entgegenbringen und gerne weisen wir auf solche Umstände wie den hier vorliegenden so hin, wie sie uns berichtet werden.

Dennoch muss am Ende eine Bewertung stehen. Sollte das, was wir auf den Fotos sehen, eine weitere gezielte Maßnahme der Eigentümer der Habersaathstraße sein, um Verdrängung zu erreichen, meinen wir:

Es ist an der Zeit, dass mit Wohnhäusern kein Schindluder mehr getrieben werden kann und Menschen sogar über die Weihnachtsfeiertage massiv in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden – nur, weil sie es geschafft haben, Widerstand gegen die Gentrifizierung zu leisten bis zum  heutigen Tag.

Mit der Abrissversagung, die in der vergangenen Woche beschlossen wurde, haben Die  Mietrebellen in der Habersaathstraße einen wichtigen Teilerfolg errungen und nun soll ihnen und den  Häusern dieser Erfolg möglicherweise heimgezahlt werden. Der Bezirk Mitte sollte in diesem vermutlichen Fall von Eigentumsmissbrauch doch bitte prüfen, ob er nicht eingreifen kann, um die Mieter_innen zu schützen.

Noch zu Beginn der 2010er Jahre hatten wir in Berlin oftmals mehrere Winterwochen mit Temperaturen von minus 10 bis minus 20 Grad – man kann sich vorstellen, wie bei solchen Verhältnissen das Leben in der Habersaathstraße sich mit überwiegend geöffneten und gekippten Fenstern gestalten würde. Jeder Fall wie dieser muss zur großen Akte genommen werden, wenn es darum geht zu bewerten, ob nicht endlich enteignet werden darf, um Menschen in ihrem existenziellen Recht auf Wohnen zu schützen.

Daher heute wieder unsere Solidarität mit den Mieter_innen in der Habersaathstraße 40-48 in Berlin Mitte! 

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke / Fotos und Infos: Daniel Diekmann, IG HAB Habersaathstraße 40-48

SMH 173 / SMH 175 / Medienspiegel 195 / VF 19/6

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