UPDATE: Lungenentzündung! Bewegt sich nun endlich etwas für die Mieter_innen der Habersaathstraße? // @HeimatNeue @DasselVon #BMV @BMieterverein @SusanneHoppe2 @Mieterproteste @BGemeinwohl @KLompscher @SenSW @KiezinAktion @22Marion_Noiram #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Mitte #Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #IGHAB #Habersaathstraße #DanielDiekmann #Arcadia #DWenteignen #Ersatzvornahme

2019-01-05 kommentar aktuelles format

Serie und Dossier „Mieter, kämpft um diese Stadt!“ / 29. Januar 2019

Wir müssen schon wieder ein Update schreiben, weil in der Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte immer noch die Fenster offen sind!

Vor etwa zwei Stunden hat uns Daniel Diekmann, der Sprecher der Initiaitive für die Erhaltung des Hauses, eines erst 1983 gebauten, ehemaligen Wohnheims der Charité, mitgeteilt, dass nun einer seiner Mitmieter wegen des fortgesetzten Kältemobbings seitens der Hausverwaltung und des Eigentümers an einer Lungenentzündung erkrankt sei. Dies aufgrund der permanente Öffnung von Fenstern in leerstehenden Wohnungen seit mehr als einem Monat.

Abrissversagung, erwirkt im Dezember 2018, ist gut. Dass die Mieter_innen trotzdem von einem entfesselten Miethai rausgedrükt werden sollen aus ihrer Bleibe, ist untragbar!

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Hier wieder das berüchtigte ganz geöffnete Fenster im 6. Stock neben einer bewohnten Wohnung. Alle Fotos von der Habersaathstraße in diesem Beitrag enstanden am 29. Januar 2019 – © Daniel Diekmann

Vielleicht gibt es Hoffnung, bevor es ganz zu spät für die tapferen Frauen und Männer ist, die noch im Haus verharren:

Heute morgen, so Daniel Diekmann, sei Kilian Wegner von der SPD Mitte wieder vor Ort gewesen und habe das geringe mediale Interesse am Fall beklagt.

Wegner ist einer der drei Autoren des derzeit medial sehr gefragten Vorschlags zum „Berliner Mietendeckel“ (hier unser Artikel dazu).

Es habe nun auch einen Anwaltstermin gegeben. Mit Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) sei man schriftlich in Kontakt, so Diekmann. Ein_e Mitarbeiter_in vom Ordnungsamt sei ebenfalls dagewesen, habe jedoch den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt oder anerkennen wollen, da im Treppenhaus (!) alle Fenster geschlossen sind und die Heizung in Funktion ist.

Es war von Gefahr im Verzug und „vorweggenommener Ersatzvornahme“ die Rede, der Bezirk habe da mehrere verschiedene Eingriffsmöglichkeiten, so Diekmann. Aber man sei nicht mehr bereit, sich auf Amtshilfe gegen die Machenschaften des Investors „Arcadia“ zu verlassen, so klang es für uns aus dem Gespräch heraus. Wir fassen das aber nicht so auf, als sei man kurz davor, in Not und Gefahr eigenmächtig Abhilfe zu schaffen sondern nur auf die Hilfe seitens eines Rechtsbeistands bezogen.

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Größerer Ausschnitt mit offenen Fenstern im 4. bis 6. Stock.

Möglicherweiset ist genau dies das Problem: Wir haben es hier mit freundlichen, gesetzestreuen  Mieter_innen zu tun, die sich auf die offiziellen Wege verlassen, so gut es irgend geht.

Woanders in Berlin, wo richtig Rabatz gemacht wird, da setzen sich die durch, die am lautesten und am aggressivsten sind; jene, die illegalem Handeln ihrerseits illegales Handeln entgegensetzen. Darf das wirklich so sein, muss es immer so weit kommen?

Wir verstehen, wenn der Berliner Mieterverein beklagt, dass die vielen Einzellösungen oft diejenigen privilegieren, die sich am besten bemerkbar machen können. Jene aber, die am meisten schutzbedürftig sind, weil sie die Inszenierung eines Rummels nicht (gut genug) drauf haben, wenn sie verdrängt werden sollen, verlieren den Zugang zur Sozialen Stadt, der doch gerade für sie so wichtig ist. Das ist sehr traurig. Und es ist eine fatales Botschaft an all jene, die ihr Gefühl für Gerechtigkeit noch nicht ganz verloren haben.

In Berlin muss gegen Verdrängung so viel getan werden. Im Großen – ja, natürlich, am liebsten mit einem Mietendeckel oder / und enteignungsweise. Im „Mittleren“ zum Beispiel mit der Ausübung von bezirklichen Vorkaufsrechten.

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Aus dieser Perspektive sieht man die Kippstellung vieler Fenster besonders gut.

Aber auch im Kleinen, wenn es darum geht, einzelne Mieter_innen und Häuser gegen die unübersehbare kriminelle Energie der sogenannten Investoren zu schützen, die selbst dann nicht kooperieren, wenn sie bereits rechtlich in die Schranken gewiesen wurden.

Es geht darum, dass die Politik nicht nur demonstriert, dass sie viel Geld für die Kommunalisierung ausgeben kann,  sondern sie muss vor Ort zeigen, dass sie in jedem einzelnen Fall, der aus dem Ruder läuft, in der Lage ist, sich zugunsten der von Verdrängung Bedrohten durchzusetzen. So, wie jetzt bei der Habersaathstraße 40-48.

Es ist glücklicherweise ein paar Grad wärmer geworden, aber wir haben erst Ende Januar. Kann es angehen, die Mieter_innen warten zu lassen, bis der Frühling das Problem hoffentlich von allein verschwinden lässt? Nein, so darf es nicht laufen oder laufen gelassen werden. Jeder Tag zählt. Jede Mieterin und jeder Mieter ist wichtig.

Also, packt’s bitte an und lasst die Menschen nicht weiter zittern!

Auch heute haben wir uns neue Fotos von der Habersaathstraße schicken lassen, um die Aktualität des Tatbestands zu verifizieren.

TH / Kommentar 170

Was bisher geschah, lesen Sie bitte in den untenstehenden Beiträgen und den dort verlinkten früheren Artikeln zur Habersaathstraße.

Unser vorheriges Update vom Donnerstag, dem 24. Januar 2019:

„Es hat sich nichts geändert in der Habersaathstraße.“

Das war die Überschrift unseres letzten Updates vom 10. Januar. Diesen Satz können wir einfach mal so stehen lassen

Es hat sich nämlich immer noch nichts geändert. Draußen wird es kälter und kälter. Das war zu befürchten und zu erwarten. Aber die Fenster in den Häusern Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte stehen immer noch offen. Weil eine gut instruierte Hausverwaltung die um ihre Existenz kämpfenden Mieter_innen auskühlen lassen will, trotz gegenteiliger Versprechungen.

In den letzten Tagen haben wir geschwiegen, weil Daniel Diekmann von der IG HAB sich per Twitter darum bemüht hat, von der Politik etwas Aufmerksamkeit zu bekommen, aber die hat ja im Moment ganz andere Sachen im

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Aktuelles Foto vom Abend des 24.01.2019, das wir heller gezogen haben, damit man die offenen Fenster besser erkennt – und eine bewohnte Wohnung mittendrin. Minus 4 Grad. Foto © Daniel DIekmann.

Kopf, wie wir wissen und worüber wir auch schreiben, nett, wie wir sind.

Aber es kann nicht angehen, dass deshalb die drängenden Aufgaben vor Ort einfach liegen bleiben.

Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer, das gilt auch für die gewählten Volksvertreter_innen und diejenigen, die in den Ämtern sitzen. Was nützt die Abrissversagung einem  Haus und seinen Bewohner_innen, wenn sie dafür per Kälte rausgemobbt werden sollen? Wir haben, wenn es sein muss, auch Fotos, die belegen, dass es in den bewohnten, voll beheizten Räumen nicht mehr über 15 Grad warm wird.

Den Brandanschlag gab es ja auch schon (natürlich bis heute nicht ausermittelt). Und was kommt, wenn es wärmer wird und die Mieter_innen immer noch aushalten? Den künstlich erzeugten Wasserschaden hatten wir noch nicht. Das hätten wir jetzt vielleicht besser nicht geschrieben, aber es kam gerade so raus.

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Panorama-Ansicht Habersaathstraße 40-48, Hofseite, 22. Januar 2018 – Foto © Daniel Diekmann. Nicht vom sonnigen Gepräge täuschen lassen. Man sieht es schon hier …

Was tun die Mieter_innen, z. B. in der Habersaathstraße trotzdem? Sie erklären sich solidarisch mit jeder Politik, die in irgendeiner Form Besserung verspricht. Wir jedoch fragen uns: Wenn schon Zustände wie in der Habersaathstraße nicht endlich zu klären und zu beseitigen sind, wie sollen dann die großen Aufgaben funktionieren, von denen jetzt so viel die Rede ist?

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… und hier noch besser: Habersaathstraße 40-48, 20./21.Januar 2018, Foto © Daniel Diekmann – Gekippte Fenster und ein ganz geöffnetes im obersten Stock direkt neben einer bewohnten Wohnung.

Die Mieter_innen können es nicht allein richten, weil sie sich mit dem Handeln auf eigene Faust strafbar machen würden,  die Politik hat jedoch offenbar keine Ressourcen, freundlich ausgedrückt, weil sie dort im Einsatz ist, wo es Super-Schlagzeilen zu holen gilt, die Milliarden wert sind.

Da fällt so ein Haus mit 80 leeren Wohnungen und ca. 20 standhaften, verbleibenden Mietparteien mal gerne hinten runter. Ist das opportun oder opportunistisch?

Trotz der Fotos, die wir uns vor jedem Update schicken  lassen, müssen wir folgenden Disclaimer anbringen: Diese und die Angaben zur Sache stammen von der Mietergemeinschaft IG HAB in Person von Daniel Diekmann – die von langsam entstehender Ungeduld zeugende Einschätzung der Lage jedoch, die aufgrund dieser Informationen entsteht, verantworten wir allein.

Hier noch die heutigen Tweets direkt aus der Habersaathstraße. Heute hat wohl die BVV Mitte getagt, sogar mit Livestream. Aber in Zeiten, wo viele schon ihren persönlichen Livestream haben, überrascht das nicht mehr. Und was ist mit den Menschen, für die Politik gemacht werden soll? Wir stellen uns gerade vor, ein paar von ihnen platzen mal in den schönen Sitzungssaal, während der Stream läuft, weil sie es auch bisschen warm haben wollen, und bringen dort zitternd und zum x-ten Mal ihre Anliegen vor. Dann wäre im hippen Livestream wenigstens echtes Life zu sehen.

TH

Update vom 10. Januar 2019:

Es hat sich nichts geändert in der Habersaathstraße. 

„Von der Brandhitze in die Eiseskälte: trotz Anzeigen Wohnungaufsicht, Versprechungen der Hausverwaltung, stehen die Fenster immer noch auf! Neben der Schikane pure Energieverschwendung!!!“ twitterte vorhin die Initiative Habersaathstraße mit herauslesbarer Verzweiflung. Wir haben auch neue Originalfotos von Daniel Diekmann, dem Sprecher der IG HAB zugesendet bekommen, auf denen der heute morgen in Berlin überwiegend blaue Himmel sich in den Scheiben spiegelt (wärmer ist es dadurch nicht geworden):

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Habersaathstraße 40-48, 10. Januar 2019, Foto © Daniel Diekmann

Auf dem oberen Foto sieht man auch wieder das völlig offene Fenster im obersten Stock, das wir bereits auf einer älteren Aufnahme identifizieren konnten.

Vielleicht ist es ein schwacher Trost, aber die Mieter, die diesen Winter in der Habersaathstraße überstehen, sind gerüstet für weitere Versuche, sie rauszuekeln. Wirklich? So etwas geht an die Substanz, das wissen die Profis im Vermietungsgeschäft auch. Wann handelt der Bezirk bzw. dessen

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Habersaathtraß 40-48, 10. Januar 2019, Foto © Daniel Diekmann

Wohnungsaufsichtsamt und lässt die Fenster in den leerstehenden Wohnungen schließen?

Wir müssen das wiederholen: Was hier vergleichsweise unspektakulär aussieht, ist, als wenn Sie zuhause Tag und Nacht im Winter die Fenster offen lassen, ohne zu heizen. Würden Sie so leben bzw. vom Nachbarraum aus für Wärmeausgleich sorgen wollen, wenn drumherum nur ausgekühlte Baubestandteile liegen?

Vorheriger Beitrag vom 6. Januar 2019:

Heute lohnt es sich, die B. Z., Berlins Pendant zur BILD, zu kaufen. 

Denn nun erschien ein Bericht über die Habersaathstraße und die Ereignisse vom September 2018 nebst Grunddaten zum Fall, über den wir bereits mehrfach berichtet haben, etwa hier und hier.

Der Beitrag „Ausziehen oder ihr werdet brennen“ über das Ereignise, dem auch der B. Z.-Artikel im Wesentlichen zugrundeliegt, brachte uns den Kontakt mit Daniel Diekmann von der IG Hab, seitdem stammen die Informationen zum Verdrängungsvorgang Habersaathstraße, welhe wir in unseren Beiträgen verarbeiten,  im Wesentlichen von ihm als betroffenem Mieter.

2019-06-11 habersaathstraße brandsnaschlag bz foto berichtWir nutzen aber auch die Gelegenheit dieses B. Z.-Beitrags, daran zu erinnern, dass jemand der die Mieter_innen unbedingt aus dem Haus haben möchte, ein ausgesprochener Spezialist für das Arbeiten mit unangenehmen Temperaturen ist.

Von der Brandhitze bis zu den immer noch geöffneten Fenstern im Winter hat dieser findige Entmieter einiges drauf, wogegen sich die Mieter zwar tapfer wehren, was aber darauf hindeutet, dass hier allgemein eine hohe kriminelle Energie vorliegt – weit über das hinaus, was in der Immobilienbranche ohnehin üblich ist.

Man schreckt nicht davor zurück, Mieter_innen zu bedrohen oder ihre körperliche Unversehrtheit zu beeinträchtigen. Von wem auch immer der Brandanschlag auf Diekmanns Pkw im September ausgelöst wurde, dass man jetzt vermutlich mit Kältemobbing arbeitet, bezeugt, dass in Berlin die Immobilienhaie komplett unverfroren sind, während unzählige Mieter_innen um ihre Bleibe zittern müssen.

Im Fall der Habersaathstraße muss der Bezirk Berlin Mitte dringend einschreiten, um die Häuser und die darin verbliebenen Menschen vor dem Auskühlen zu schützen!

Die vorausgehenden Beiträge zur Sache „offene Fenster“ haben wir für unsere Leser im Folgenden noch einmal abgebildet.

TH

Update 2 unseres Beitrags „Böse Weihnahtsbescherung“ vom 03.01.2019

Wir wurden heute gefragt, wie es mit den Fenstern in der Habersaathstraße nun aussieht. Eine sehr berechtigte Frage, die von Daniel Diekmann, dem Sprecher der IG HAB, der Mieterinitiative der Habersaathstraße 40-48 mit „leider unverändert“ beantwortet wurde. Es wurde zwischenzeitlich kälter, wie wir wissen. Wann und wie wird gehandelt, um diesen Zustand zu beenden? Werden die verbliebenen Mieter_innen durchhalten? Wir bleiben dran.

Update 1 vom 30.12.2018:

Wir schreiben sechs Tage nach dem Beitrag über die offenen Fenster in der Haabersathstraße 40-48 weiter an diesem Fall.

Inzwischen hat uns Kilian Wegner via Twitter geantwortet und auf das Wohnungsaufsichtsgesetz aufmerksam gemacht: Learning by Writng und kluge Hinweise bekommen ist nicht die schlechteste Vertiefungsmethode.

Es liegt nah, dass es eine Norm geben muss, welche die Behörden ermächtigt, die Beseitigung von Missständen in Wohnungen gegenüber Eigentümern anzuordnen oder bei Verweigerung der Mitarbeit seitens der Verfügungsberechtigten selbst beseitigen lassen kann. In Berlin nennt sie sich Wohnungsaufsichtsgesetz (Gesetz zur Beseitigung von Wohnungsmissst#nden in Berlin (Wohnungsaufsichtsgesetz ñ WoAufG Bln).

Wir wollen hier nicht spekulieren, welche der enthaltenen Regelungen zur Anwendung kommen könnte, denn der Fall, dass ein Vermieter ein Haus absichtlich auskühlen lässt und nicht technische Mängel die Grundlage des Behördeneingriffs bilden, ist nicht direkt erwähnt, aber Sinn und Zweck des Gesetzes sollten diesen Fall  umschließen.

Wir wünschend den Mieter_innen in der Haabersathstraße weiterhin alles Liebe und Gute und hoffen, dass im neuen Jahr schnell Abhilfe geschaffen werden kann!

Der ursprüngliche Beitrag vom 24.12.2018:

Heute, an Heiligabend, in den Mietenwahnsinn einzusteigen, war nicht geplant. Zumindest nicht mit einem Bericht, der möglicherweise neue, schockierende Nachrichten enthält.

Aber da wir die Vorgänge beim Verdrängungsfall Habersaathstraße 40-48 in Berlin-Mitte seit Ende September eng verfolgen und zuletzt froh vermeldeten, das Abrissvorhaben seitens des „Investors“ namens „Arcadia“ sei gestoppt, müssen wir nun eine traurige oder Wut erzeugende Mitteilung machen.

Wir wissen von dem Umstand seit einigen Tagen, aber wir haben wegen der Brisanz von Daniel Diekmann, dem Sprecher der Mieterinitiative IG HAB, der uns darauf aufmerksam gemacht hat, um aktuelle Fotos vom Haus gebeten. Die hat er uns gestern geschickt. Hier zunächst die Bilder.

2019-05-17 HAB 40-48 2 Fenster erstes Foto gemischter Zustand
Habersaathstraße, Haus im Block 40-48, ca. 22. Dezember 2018

Dieses Foto, das wir schon etwas früher erhielten, wirkt auf den ersten Blick nicht besonders. Es zeigt einen Ausschnitt der typischen, glatten Fassade des Blocks  Habersaathstraße 40 bis 48. Doch Daniel Diekmann berichtete, dass in den unbewohnten Wohnungen fast überall nun Fenster gekippt oder gar ganz geöffnet seien.

Der Verdacht, so Diekmann, liege nah, dass die „Arcadia“ bzw. die zuständige Hausverwaltung die Häuser auskühlen lassen will, um den Mieterinnen von 20 noch bewohnten Einheiten, die bis jetzt durchgehalten haben, das Leben so weit wie möglich weiter zu erschweren.

Wir erinnern uns, dass es im Dezember bereits kältere Tage gab als die letzten und im  Januar mit Sicherheit eisige Tage und vor allem Nächte kommen werden. Diekmann äußerste uns gegenüber die Befürchtung, dass im Ernstfall sogar Leitungen einfrieren könnten und dadurch Schäden am Haus zu befürchten seien.

Wir antworteten, in solchen Fällen sei der Bezirk vermutlich zur Ersatzvornahme berechtigt, kann also Arbeiten auf Rechnung des Eigentümers der Gebäude ausführen lassen, weil in diesem Fall eine bewusst organisierte Verwahrlosung oder Schadenserzeugung vorliegt. Diekmann bestätigte, dass sich Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), den er auf diesen Vorgang angesprochen hatte, ebenfalls in diese Richtung geäußert habe.

Wir wollen aus bautechnischer Sicht klarstellen, dass man Fenster nicht sperrangelweit geöffnet halten muss, um Räume auszukühlen, dauerhaftes Kippen reicht aus, wenn die Heizungen abgeschaltet sind – was bei den leeren Wohnungen hier der Fall sein wird. Zudem sind die Häuser Habersaathstraße 40 bis 48 zwar von außen gedämmt worden, aber die dünnen Innenwände bei dieser Betonbauweise sorgen dafür, dass sich Kälte von einem Raum auf den anderen und damit von den unbewohnten auf die bewohnten Wohnungen sehr schnell ausbreitet.

2019-05-17 HAB 40-48 Fenster Ende Dezember offen + gekippt
Foto vom 23.12.2018

Weitere Fotos, die uns gestern gesendet wurden, zeigen detailliert, wie die meist geschlossenen Fenster der noch bewohnten Einheiten in der Nähe von gekippten oder gar ganz geöffneten Fenstern liegen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Wohnungsfenster, nicht um solche im Treppenhaus, die man auf einem Bild aus dem September während der Aktion „Laken raus“ sehen kann. Diese Laken wurden dann von einem „Security-Mitarbeiter“, der offensichtlich vom Vermieter dazu beauftragt war, entfernt.

2019-05-17 HAB 40-48 Fenster Ende Dezember gekippt + geschlossen in bewohnter Wohnung
Fenster geschlossen in bewohnter Einheit, daneben und darüber Fenster gekippt.

Die verbliebenen Mieter_innen in der Habersaathstraße stehen vor einem großen Dilemma. Entweder öffnen sie die Türen zu den Wohnungen, die auskühlen, gewaltsam, schließen die Fenster und machen sich dadurch strafbar oder sie müssen massiv heizen, um dem einigermaßen entgegenzuwirken – wobei wir aus unserer Erfahrung mit einer Eckwohnung wissen, dass das bei Minusgraden und Kälte von allen Seiten nicht so einfach ist. Heizungen sind darauf ausgelegt, Räume bei üblicher Belegung der anderen Wohnungen angenehm warm halten zu können.

Liegt der Fall einer nur teilweisen Belegung wie in der Habersaathstraße vor, müssten um diese Jahreszeit die Fenster der unbewohnten Wohnungen geschlossen und die leeren Räume auf ca. 10 bis 15 Grad geheizt werden, damit Leitungen nicht einfrieren können und damit Menschen in den angrenzenden Wohnungen nicht eiskalte Zwischenwände und ebensolche Böden und Decken zu beklagen haben.

2019-05-17 HAB 40-48 2 Fenster mit Treppenhaus Laken raus
Schwierige, aber noch sonnig-warme Zeiten: Laken raus Anfang September 2018. Hier sieht man die Treppenhausfenster, aus denen die Laken gehängt wurden.

Es ist schwierig, einen solchen Beitrag sachlich zu halten, aber da wir in diesem Fall nicht den Vorzug haben, uns auf andere berufen zu können, deren Beiträge wir kommentieren, bleiben wir im Ton gemäßigt.

Andererseits freut uns das Vertrauen besonders, das uns die IG HAB und ihr Sprecher Daniel Diekmann mittlerweile entgegenbringen und gerne weisen wir auf solche Umstände wie den hier vorliegenden so hin, wie sie uns berichtet werden.

Dennoch muss am Ende eine Bewertung stehen. Sollte das, was wir auf den Fotos sehen, eine weitere gezielte Maßnahme der Eigentümer der Habersaathstraße sein, um Verdrängung zu erreichen, meinen wir:

Es ist an der Zeit, dass mit Wohnhäusern kein Schindluder mehr getrieben werden kann und Menschen sogar über die Weihnachtsfeiertage massiv in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden – nur, weil sie es geschafft haben, Widerstand gegen die Gentrifizierung zu leisten bis zum  heutigen Tag.

Mit der Abrissversagung, die in der vergangenen Woche beschlossen wurde, haben Die  Mietrebellen in der Habersaathstraße einen wichtigen Teilerfolg errungen und nun soll ihnen und den  Häusern dieser Erfolg möglicherweise heimgezahlt werden. Der Bezirk Mitte sollte in diesem vermutlichen Fall von Eigentumsmissbrauch doch bitte prüfen, ob er nicht eingreifen kann, um die Mieter_innen zu schützen.

Noch zu Beginn der 2010er Jahre hatten wir in Berlin oftmals mehrere Winterwochen mit Temperaturen von minus 10 bis minus 20 Grad – man kann sich vorstellen, wie bei solchen Verhältnissen das Leben in der Habersaathstraße sich mit überwiegend geöffneten und gekippten Fenstern gestalten würde. Jeder Fall wie dieser muss zur großen Akte genommen werden, wenn es darum geht zu bewerten, ob nicht endlich enteignet werden darf, um Menschen in ihrem existenziellen Recht auf Wohnen zu schützen.

Daher heute wieder unsere Solidarität mit den Mieter_innen in der Habersaathstraße 40-48 in Berlin Mitte! 

© 2018 Der Wahlberliner, Thomas Hocke / Fotos und Infos: Daniel Diekmann, IG HAB Habersaathstraße 40-48

SMH 173 / SMH 175 / Medienspiegel 195 / VF 19/6

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