Fridays for Hubraum gegen Fridays for Future? #ClimateChange #Klima #Umwelt #Pilze #Pilzsammler #Klimaleugner #FfF #FfH #XR #ExtinctionRebellion #Parklet #Xberg #Bergmannstraße #Berlin #SUV #LmaA #Stonelet

Die Leitlinie für unsere Herbst-Winter-Offensive zum Thema Umwelt / Klima bildet zwar ein Themen-Special von „Rubikon“, aber wir streuen immer wieder die Besprechungen aktueller Artikel oder Vorkommnisse ein, weil es hierbei oft ums Konkrete, ums Plastische, manchmal direkt aus dem Bauch von Berlin Gefischte geht. So auch bei diesem Beitrag in der Berliner Zeitung von heute: „Autofahren in Berlin: Über die Weltfremdheit der Umweltaktivisten.

Warum dieser Artikel aus der Berliner Zeitung im Rahmen unserer umweltpolitischen „Herbst-Winter-Offensive?“

Zunächst, uns tut es zwar leid, dass offenbar gesundheitliche Gründe den Ausschlag für den Autoverzicht der Autorin gaben, aber – muss es erst so weit kommen, damit Einsicht einzieht? Und herrscht diese überhaupt? Wir meinen – eher nicht. Wir finden es begrüßenswert, so viel wie möglich ÖPNV zu fahren und genau deswegen zählt auch dieses Argument gegen das Radfahren im Winter nicht. In Berlin braucht niemand ein Auto, das ist einfach so. Es sei denn, er hat etwas Größeres zu transportieren oder will ins Umland oder weiter weg, dafür gibt es prima Mietangebote. Aber für das Fahren in Berlin selbst, besonders innerhalb des inneren Rings, ist alles andere stressfreier und vor allem, wenn man durch Mitte muss, auch schneller als Auto fahren.

Der Baustadtrat wird nicht genannt, als sei er der Teufel oder eine Unperson. Florian Schmidts Kreuzberger Bergmannstraßen-Parklets werden als Beleg für unsinnige, ideologische Hasspolitik gegen Autofahrer*innen herangezogen.

Die Kreuzberger Tradition ist eben offensiv, das fing nicht erst mit den Parklets an. In unserem Bezirk wird es die in nächster Zeit sicher nicht geben. Dafür kümmert man sich endlich darum, wenigstens die Hauptstraße ab und zu von Falschparkern zu befreien, die dort Auto an Auto in langen Reihen stehen, wenn man nicht massiv dagegen vorgeht. Aber es heißt: Ja, Busfahren ist mühsam. Klar, wenn die Busse alle paar Meter auf die sehr frequentierten Autospuren der B 1 wechseln müssen, weil ihre eigene Spur zugestellt ist. Radwege – wir reden lieber gar nicht davon, wo einige ihre Blechkisten da parken und je dicker das Auto, desto rücksichtsloser. Dieselbe Haltung, die auch zu immer höheren SUV-Anteilen bei Neuwagenkäufen führt.

Da hat „Fridays for Hubraum“ noch eine Bedeutung.

Die Autorin beruft sich allen Ernstes auf eine „Bewegung“, die von einer Tuningfirma gegründet wurde. Wer sich anschaut, wer in Berlin diese gepimpten rollenden Ich-bin-asozial-Bekundungen fährt, der weiß, dass sich hier jemand die falschen Verbündeten sucht.

Sie sagt, „FfH“ sei eine „Gegenbewegung“ zu „FfF“ oder „XR“ (Extinction Rebellion) und das bedingungslose Verhalten vieler Umweltschützer sei die Ursache dafür.

„Fridays for Hubraum“ drückt etwas ganz anderes aus. Ich will leben wie ich will, egal, welche Folgen es hat. „Hubraum“ ist ein Fetisch für Autofetischisten. Es geht nicht um die Abwehr von Stonelets oder Parklets, sondern um die Abwehr jedweder Anpassung an ökologische Notwendigkeiten.

Eines hat die Autoindustrie nämlich doch nun begriffen: Mit hoher Verdichtung, geringeren Hubräumen, weniger Zylindern, dafür aber mehr Technik wie Aufladung etc. lassen sich die Verbräuche doch reduzieren. Die Tuningmobile aber stehen für die alte Philosophie, Hubraum ist nur durch mehr Hubraum (und höheren Verbrauch, natürlich) zu ersetzen. Und der Sound, der den Tuningfreaks so wichtig ist und der durch die Straßen auch von geplagten Kreuzberger Kiezen hallt, wenn just for Show geprotzt wird und die aufgemotzten Motoren mit 500 oder mehr PS heulen. Wir kennen das z. B. aus der Oranienstraße. Man kommt sich, wenn man da draußen einfach nur sitzen und einen Sommerabend bei einem Imbiss genießen will, vor wie in einem halbdystopsichen Film, in dem fast nur noch zu Urzeitmenschen rückdegenerierte Zeitgenoss*innen unterwegs sind, deren einziges Mittel, sich auszudrücken, vierrädrige Fetische darstellen.

Diese Haltung steht auch dahinter, wenn eine Initiative den Hubraum so auffällig betont. Wer etwas anderes behauptet, will die Menschen bisschen verarschen, welche die Codes der Szene und um was es in ihr geht, nicht kennen. Solange es noch ums Cruising geht, ist es wenigstens nicht für Dritte hochgefährlich, wenn es in illegale Raserei ausartet, kann das anders sein und Fälle mit tödlichem Ausgang gibt es, wie wir alle wissen.

Die Autorin ist also naiv?

Mindestens in dieser Hinsicht. Sie versteht nicht, dass es nicht einfach um Autos geht, sondern, dass die immer mehr zunehmenden Straßenpanzer namens SUV nichts anders als Ausdruck einer LmaA-Haltung sind und vielleicht jetzt auch schon etwas mit Endzeitstimmung zu tun haben: Nochmal richtig dekadent, nochmal richtig die Sau rauslassen, bevor die Party vorbei ist. Und das wird bald so sein, versprochen. Da hilft es auch nicht, Benzin saufende Panzer durch Strom  in riesigen Mengen ziehende Panzer zu ersetzen. Das sind Ausweichmanöver und klägliche Nahrungsanpassungsversuche von Dinosauriern, deren Tage bald gezählt sein werden.

Sich an den paar Parklets zu stören, unabhängig davon, ob sie perfekt angenommen werden oder nicht, aber an all diesen Auswüchsen nicht, ist wieder ein klassischer Fall selektiver Wahrnehmung. Klar, wir finden manche Radfahrer aggressiv, aber die Autorfahrer wollen ja auch nicht in Sippenhaft genommen werden für rüde Kolleg*innen. Und von denen gibt es weitaus mehr und ihr Verhalten ist viel gefährlicher.

Wird das Verständnis zwischen den sozialen Gruppen nicht doch geringer?

Ist das ein Wunder, wenn gewisse soziale Gruppen immer mehr zeigen, dass sie rein gar nicht bereit sind, auf andere Rücksicht zu nehmen? Wie es auf Autobahnen zugeht, wollen wir gar nicht erst erörtern, aber wir könnten das stundenlang tun. Eine Gesellschaft, die sich mit sich selbst nicht wohlfühlt, wird immer aggressiver. Uns sind dann diejenigen lieber, die ihre Aggressionen doch lieber in progressiven Vortrieb umsetzen wollen als in Beharren auf Gestrigem mit allen Mitteln, noch etwas verständlicher. Wir weisen auch auf die Sprache hin.

„Druck macht Gegendruck. Um „Fridays for Future“ zu übertrumpfen, gründete sich „Fridays for Hubraum“. Innerhalb weniger Tage folgten Hunderttausende auf Facebook der Forderung: „Wir wollen unsere Autos weiter fahren. So wie wir das möchten. Ohne CO2 Steuer, Fahrverbote, Umweltzonen oder sonstige kopflose Entscheidungen.“ Das Forum wurde vorerst deaktiviert, weil Hetzer von rechts die Richtung bestimmen wollten.“ Ist dieser direkt zitierte Absatz gemeint?

Übertrumpfen ist hier schon der verräterische Begriff im ersten Satz. Und der Rest spiegelt genau die oben geschilderte reaktionäre Haltung wieder, ohne dass die Autorin das bedenklich findet. Die Umweltzonen gab übrigens es lange vor FfF. Aber einigen kommt FfF gerade recht und dient als Alibi. „Gegendruck“ als vorgeschobenes Argument für das, was man immer schon dachte: Scheiß auf die Umwelt. Scheiß auf die anderen. Das wird man doch noch sagen dürfen und das tut man jetzt.

Und das Pilze sammeln am Wochenende?

Wenn man innerlich nicht vom Auto loskommt, kann man alles so sehen. Wir haben es oben gesagt, auch wenn wir es nur zum Pilze sammeln als etwas luxuriös empfinden würden: Gibt prima kleine Mietautos zu günstigen Preisen, in denen man manches Pilzkörbchen unterbringen kann. Und vielleicht noch ein paar Freunde mitnehmen, damit der Personenkilometer günstiger wird. Schon mal darüber nachgedacht, warum in den meisten Autos, die unbedingt durch die Stadt rollen müssen, nur eine Person sitzt?

Jaja. Blöde neoliberale Indoktrinierung mit dem Ich als Mittelpunkt von allem. Das ist nicht so schnell abzulegen. Aber: Wer fremd ist in einer Welt, der wir dringend mehr Achtsamkeit und mehr Achtung schenken müssen, das bestimmt sich eben genau daraus. Wer das Universum aus der Pilzsammlerperspektive betrachtet, sieht die immer häufiger absterbenden Baumwipfel vermutlich nicht als Zeichen der Zeit und findet es auch super, dass nicht mehr so viel Gekräuch und Gefläuch unterwegs ist, das doch alles irgendwie lästig erscheint, wenn man sich ganz auf die Pilze am Boden konzentrieren und sie schnell wie möglich nach Hause transportieren will.

TH

Bisherige Beiträge der Herbst-Winter-Offensive „Klima, Umwelt, Systemwandel“

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