Der Schläfer – Tatort 152 #50JahreTatort 3 – Teamflimmern in den 1980ern #Crimetime Vorschau #Hamburg #Delius #NDR #Schläfer #TheBigSleep #Teams #AlleSender #ARD

Crimetime Vorschau - Titelfoto © NDR, Janssen

Was war zwischen Trimmel und Stoever? Und überhaupt?

Die großen Teams oder Kommissar*innen folgten in 50 Tatortjahren nicht immer aufeinander, manchmal hatten Sender auch Experimentierphasen, versuchten etwas Neues – oder schlicht kein stimmiges Konzept. Eine solche Phase gab es gleich bei mehreren Sendern, als die erste Generation „abdankte“, das war etwa nach zehn Jahren. Damals gingen viele der vertrauten Gesichter in den Ruhestand, die man ersetzen musste. In Bayern gelang das sehr flüssig, mit dem Wechsel von Melchior Veigl zu seinem vorherigen Assistenten Lenz, das Publikum hatte also schon ein vertrautes Gesicht auf dem Bildschirm, zudem war Darsteller Helmut Fischer inzwischen als Monaco Franze bekannt geworden. Der BR hatte seine Krise nach dessen Abgang 1987 und bis zum Start der noch immer tätigen Batic und Leitmayr, die heute Abend beim großen 50-Jahre-Tatort-Fall dabei sind.

Als beim Hessischen Rundfunk der beliebte Kommissar Konrad 1979 seinen Abschied nahm, ging es ziemlich chaotisch zu: Ein Kommissar gleichen Namens wurde von zwei verschiedenen Darstellern gespielt, ein weiterer Schauspieler gab hingegen zwei verschiedene Polizisten. Ruhe kam 1985 rein, als Edgar Brinkmann den Frankfurt-Tatort konservativ weiterführte.

Der NDR hat aufgrund seiner vielen Tatortschienen zwangsläufig auch viele Ermittler*innen gesehen, aber ganz so wild hätte es nicht zugehen müssen. Schon während Trimmel und Finke noch aktiv waren, war man auf Expansionskurs, danach wurde es richtig unübersichtlich. Die meisten der damaligen Kommissare enthält man uns, anders als Trimmel und Finke, in der Mediathek vor, damit wir als Zuschauer nicht zu sehr in Verwirrung kommen. Sie hießen Brammer, Nagel, Piper, Beck, Greve, Schnoor, Ronke und hinterließen nur wenige Spuren in der Tatortgeschichte. Lediglich den Nagel-Fall „Alles umsonst“ hat man kürzlich wiederholt. Die Lage klärte sich mit Stoevers erstem Einsatz 1984. Es war klar, das würde ein Knaller werden. Damals reduzierte der NDR sein Engagement sogar auf eine einzige Schiene und sparte viel Geld. Das wurde nach dem Aus für Stoever und Brockmöller dann ausgegeben, um die sehr teure Charlotte Lindholm für Hannover einzukaufen, in Hamburg übernahm Castorff. Ja, und dann gab es zu Beginn der 1980er noch den eigentlich pensionierten MAD-Mann Delius, er löste drei Fälle und einer davon ist „Der Schläfer“. Die anderen waren „Baranskis Geschäft“ und „Freund Gregor„, die wir bereits rezensiert haben. Somit wird nun also wieder ein Ermittler „vollständig“.

Wenn wir aber schon dabei sind, machen wir auch noch ein wenig mit den wilden 1980ern weiter, die für viele Sender eine Übergangszeit darstellten.

Tu, felix Austria, sei dauerhaft! So könnte man den glücklichen Umstand beschreiben, dass der sympathische Viktor Marek von 1971 bis 1987 dabei war, er blieb der Ermittler mit der längsten Dienstzeit, bis ihn Stoever 2001 überholte – sein Kumpel Brockmöller nicht, er war 1986 dazugekommen. Danach ging es ein paar Jahre aber ebenso hin und her wie bei anderen Sändern, bis ein gewisser Michael Fichtl übernahm (1989 bis 1996), es gab noch ein paar Nebenbei-Ermittler, dies begann schon während Mareks Zeit. „Ein gewisser“ ist nicht despektierlich, ich kenne den Fichtl und die anderen alle einfach nicht – denn man ist äußerst sparsam damit,  uns die „Zwischentatorte“ vom ORF in Deutschland zu zeigen, man kann auch sagen, solche Ausstrahlungen finden in Deutschland nicht statt. Richtig Zug kam jedoch erst 1999, als Moritz Eisner übernahm, der immer noch dabei ist. Er hat seit Inga Lürsens Bremer Ruhestand nach Lena Odenwald, den Münchnern und den Kölnern die viertlängste Dienstzeit erreicht. Bald 22 Jahre. Daran, dass es drei Teams gibt, die noch länger dabei sind, sieht man aber auch, welch beeindruckende Kontinuität man mit einigen neuen Ermittler*innen der 1990er erzielt hat.

In Berlin ist es hingegen ausnahmsweise übersichtlich. Es gibt nur zwei Teams vom RBB. Allerdings deshalb, weil der Sender vorher SFB (Sender Freies Berlin) hieß, und bei dem ging es mit am wildesten zu – weniger die Teamwechsel als die Filme und deren Qualität betreffend. Bis zur Wende gab es zwar nur fünf Kommissare, aber um sich von der eigenen schrecklichen Tatortarbeit zu erholen, legte man immer mal wieder ein paar Jahre Pause ein und steuerte gar nichts bei – oder aus Trotz, weil die Berlin-Tatorte nicht so gut ankamen. Aber so nehme ich es auch wahr: Die hier Geborenen kennen ihre eigenen Abweichungen zum Rest der Welt, z. B. schneller reden als denken, gar nicht so gut und auch Dienstleistungen aller Art hängen immer noch hinter den üblichen Standards zurück. Blame it on History. Mit Markowitz kam allerdings 1991 ein wunderbarer Kommissar, den wir unbedingt hätten länger behalten müssen. Er hat das Mitnehmende an der Stadt, wie sie damals war, gespiegelt und die Unsicherheit der Zeitenwende.

Es geht nach Süddeutschland zurück. Wie nicht anders zu erwarten, schwäbische Kontinuität, auch dadurch bedingt, dass der SDR mittlerweile mit dem SWF zum SWR verschmolzen ist. So kommt man eigentlich nur auf zwei Kommissare, den Kochfreund Lutz, der von 1971 bis 1986 dabei war und damit die zweitlängste Dienstzeit der Ermittler der ersten Stunde erreichte – und dann kam schon Bienzle. Okay, ein Jahr lang war ein Mann namens Streitle dazwischen, aber der hatte sich fürs schwäbische Gemüt wohl zu häftisch … heftig gestritten. Auch der Übergang nach Bienzle lief perfekt, die noch aktiven Lannert und Bootz gelten als eines der besten von 21 Teams. So sieht strategische, vorausschauende und intuitiv den Zeitgeist erfassende Planung eines wichtigen Formats aus, auch wenn Bienzle und Lutz nicht jedermanns Fall waren.

Wir ziehen jetzt den SWF Baden-Baden vor, weil er heute – siehe Absatz zuvor. Dort gab es zu Beginn einen Fehlschlag, dann für ein paar Jahre einen Kommissar namens Gerber, von dem tatsächlich vor kurzem ein Fall gezeigt wurde, und dann wurde es progressiver als irgendwo sonst. Mit Marianne Buchmüller ging die erste westdeutsche Kriminalerin in Serie und man ließ sich nicht davon abschrecken, dass für sie nach drei Filmen schon wieder das Aus gekommen war, sondern schob mit Hanne Wiegand eine Frau nach, die immerhin sieben Jahre lang dabei war. Von da ab gab es kein zurück mehr. Der Rest ist Tatort-Geschichte, und die nennt sich Lena Odenthal. Aber beide Süd-Südwestsender haben eine wirklich professionell wirkende Art, ihre Teamübergänge zu gestalten. Diejenigen, bei denen es ziemlich bunt zuging, werden sagen: Naja, nie was versucht, immer auf Nummer sicher gegangen. Zumindest bei den weiblichen Ermittlern stimmt das aber nicht.

Wieder ins Ausland, zum Schweizer Fernsehen. Vier Ermittler bis heute, das klingt nach der Verlässlichkeit, die man den Schweizern zurechnet. Stimmt aber so nicht. Erstens kam der SRF erst 1990 dazu und dann gab es zwei längere Pausen, bis 2011 Reto Flückiger übernahm, der zwar immer ein wenig ins Abseits geschrieben wurde, aber das Verdienst, Bestand reingebracht zu  haben, das wird ihm bleiben und sehr sympathisch wirkt er auch. Wirkte, muss man sagen, mit „Züri brännt“ fand nun der Teamwechsel statt. Von Luzern nach …? Drei Mal dürfen Sie raten.

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, mein Heimatsender, genannt Saarländischer Rundfunk (SR). Der SR war früh dabei, zeigt aber pro Jahr nur einen neuen Film, daher ist er nicht so präsent, wie auch das Land, in dem er angesiedelt ist. Aber schon der zweite Tatort kam aus der Landeshauptstadt, trug sie ebenso im Namen wie dieses Züri, das aber nicht die Hauptstadt der Schweiz ist: „Saarbrücken, an einem Montag“. Als ich den Film vor ein paar Jahren erstmals sah, hat er mich sehr berührt, weil da vieles aus meiner frühen Kindheit wiederzuerkennen war. Mal nicht auf Familienfotos, sondern in bewegten Bildern aus der Stadt. Allerdings gab es auch beim SR Lücken, nicht erst in den 1980ern ließ man sich Zeit. Dafür gab es immer nur einen Ermittler bzw. ein Team. Liersdahl (1970-1973), Schäfermann (1977-1984) – und ab 1988 Max Palü. Siebzehn Jahre im Saarland, in dem eh kaum etwas passiert, sind eine lange, lange Zeit. Als er ging, war er ebenso lang im Einsatz gewesen wie der bisherige Rekordhalter Stoever aus Hamburg, wenn auch mit weniger gelösten Fällen.

Das allerbeste kommt aber trotzdem noch. Bremen. Ein Herr Böck im Jahr 1973, ein Versuchsballon, offensichtlich. Dann 25 Jahre Pause und dann kam Inga Lürsen. Wenigstens haben wir dadurch nicht so viel zu referieren.

Nun aber zu Delius und dem 152. Tatort aus dem Jahr 1983. Ich muss immer wieder grinsen, wenn ich an den Titel denke, aber das ist ein Insider-Gag, ebenfalls aus meiner Jugend, die ich hier anhand von Tatortkommissar*innen Revue passieren ließ. Allerdings war Tatort damals noch gar nicht mein Ding.

Die erste Hauptrolle in der Tatort-Folge 152 „Der Schläfer“ spielt kein Mensch, sondern eine Mine. Das Besondere: Sie ist intelligent. Ihr Entwickler Dr. Spitzner hat sie so programmiert, dass sie durch einen Sonarimpuls gegnerische Schiffe von den eigenen unterscheiden kann. Das schlaue Gerät soll nun endlich der NATO – für die es konstruiert wurde – vorgestellt werden. Die Versuchsreihe der Marineerprobungsstelle in Eckernförde ist so gut wie abgeschlossen. Der Präsentationstermin in Hamburg steht schon. Oberstleutnant Delius und seine Kollegen sind ebenso gespannt wie alle anderen Beteiligten.

Denn klar: Das Interesse an dieser militärischen Neuentwicklung ist extrem hoch: So fiebert nicht nur der Auftraggeber, Ministerialrat Hohleben vom Verteidigungsministerium, der Präsentation entgegen. Auch die Gegenseite, sprich der gegnerische Geheimdienst, ist außerordentlich neugierig. In ihrem Auftrag soll der Agent Heinz Schäfer die Konstruktionspläne stehlen. Doch wie soll er das anstellen? Kann er MAD-Oberstleutnant Delius überlisten?

So leitet die Redaktion von Tatort Fans ihre Beschreibung ein und macht uns neugierig. Ich werde morgen Abend aufzeichnen, denn in der Mediathek wird sich der Film vermutlich nicht einfinden. Man merkt auch, dass der Kalte Krieg noch einmal richtig im Gange war. Der Spion „des gegnerischen Geheimdienstes“ dürfte wohl ein solcher aus der DDR sein, vielleicht auch der SU, aber so richtig zu benennen traut sich die ARD das in der Handlungsbeschreibung nicht.

Handlung

Eigentlich war die Versuchsreihe bei der Marineeprobungsstelle in Eckernförde fast abgeschlossen. Der Termin für die NATO-Präsentation des neuen Minenzünders – er kann durch einen Sonarimpuls gegnerische Schiff vom eigenen unterscheiden – ist schon festgesetzt. Doch für die „denkende Mine“ interessieren sich nicht nur ihr Konstrukteur Dr. Spitzner und sein Auftraggeber, Ministerialrat Hohleben vom Verteidigungsministerium, sondern auch Heinz Schäfer, Agent des gegnerischen Geheimdienstes.

Wie soll Schäfer an die Konstruktionsunterlagen herankommen? Er versucht es über Kutschner, den Referenten von Hohleben. Kutschner ist das, was die Geheimdienstler als „Schläfer“ bezeichnen, also jemand, der vor Jahren verpflichtet wurde, bisher aber nicht „geweckt“ – also eingesetzt – worden ist. Kutschner entzieht sich Schäfers Zugriff.

Dessen Plan scheint nicht aufzugehen. Doch beim letzten Test der Mine kommt es zu einer Detonation. Hat der Konstrukteur Dr. Spitznerversagt, was Hohleben behauptet? Oder hatte Schäfer seine Hände im Spiel? Ist MAD-Oberstleutnant Delius selbst nur eine Figur auf Schäfers Schachbrett? Fragen, auf die Delius keine Antwort weiß, denn eine detonierte Mine hinterläßt keine Spuren. Nur eines weiß er ganz genau: er darf Schäfer nicht unterschätzen.

MAD-Oberstleutnant a.D. Delius Horst Bollmann
Schäfer Günther Ungeheuer
Kutschner Klaus Höhne
Dr. Spitzner Klaus Löwitsch
Regie: Jürgen Roland
Buch: Joachim Wedegärtner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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