@uberlauferin befragt den Wahlberliner: #Klassenkampf, Tadel der #Parteien und Lob der #Zivilgesellschaft, #Metasprache und #Wokeness, #Spaltung statt #Einheit | #Frontpage Interview Teil 3 | #Gesellschaft #Politik #Wokeness #Gender #Identitätspolitik #Unterschicht #Proletarier #Ausbeuter

Wir haben gestern der herausgebenden Person des Blogs „Überläufer“ ein Interview gegeben, dessen erste drei Teile (von sieben) dort bereits am selben Nachmittag erschienen sind (Teil 1, Teil 2 und Teil 3), unter dem Titel „Kopfschmerzen durch Aspirin“.

An dieser Stelle eine wichtige Information. Das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ sammelt noch bis zum 25.06.2021 Stimmen, nicht bis zum 17.06., wie ich bisher annahm.

Der erste Teil des Interviews findet sich bei uns hinter diesem Link. Und der zweite Teil von gestern hier.

Was es mit den Kopfschmerzen auf sich hat, erfahren Sie im ersten Teil des Interviews bei uns, in dem es um den Berliner Mietendeckel und das Enteignungsvolksbegehren geht und warum der Begriff „freier Markt“ irreführend ist. und heute geht es weiter mit diesen Themen: Wie geht es weiter, denn in drei Tagen entdet die Abgabefrist für Unterschriften von Menschen, die sich für die Vergesellschaftung großer Wohnkonzerne in Berlin aussprechen.

Der gestrige zweite Teil befasste sich mit dem Problem, dass die Wirtschaftskrise von 2008 noch nicht überwunden ist und was dies für die Akkumulation von Kapital am Immobilienmarkt bedeutet, über unsinnige Spins der Liberalkonservativen wie das alte DDR-Lied und die angebliche Enteignung von Genossenschatfen, winden uns etwas um Marx und die konkrete Ausgestaltung der Vergesellschaftung herum und am Ende fällt erstmals der Begriff Klassenkampf, der im dritten Teil des Interviews eine wichtige Rolle spielen wird.  

Der dritte und letzte Teil zieht die Schleife vom notwendigen Klassenkampf zur linken Identitätspolitik und versucht zu klären, warum Solidarität Mangelware und verbiesterte Ideologie, warum Diskriminierung und nicht aufeinander zugehen en Vogue sind, tadelt die „linken“ Parteien und lobt das zivilgesellschaftliche Engagement. Der dritte Teil ist der persönlichste und hat u. a. deshalb einen etwas abweichenden Ton, weil auch die interviewende Person mehr erzählt, ausgelöst u. a. durch eine Rückfrage von mir. 

*** Das Interview, Teil 3 ***

Die letzte gestellte Frage aus Teil 2 beantworten wir nachfolgend. Überläufer: Soviel wie ich weiß, ist diese Rhetorik eher Engels zuzuschreiben, aber ich möchte jetzt auch nicht zu sehr in die Theorie gehen. Nennen wir dieses gemeinsame Wehren doch ruhig Klassenkampf, wie auch der Milliadär Buffet es tut. Was war deiner Meinung nach der letzte Erfolg im Klassenkampf? 

Thomas: Sorry, natürlich nennen wir es Klassenkampf. Ich wollte das gute Wort nicht unter den Tisch fallen lassen. Es ist nämlich ein Klassenkampf von oben, der uns regelrecht oder regelwidrig aufgezwungen wird, seit der Neoliberalismus die gängige Wirtschafts- und auch Staatsdoktrin vieler wichtiger Länder ist. ​​​​​​​

Einer der letzten Erfolge in diesem Kampf war, dass der benannte Warren Buffett seine Aussage relativiert hat. Selbst den arrogantesten Großkapitalisten fällt ab und zu auf, dass zu krasses Streuen von Überheblichkeit nach hinten losgehen könnte. Der letzte Erfolg in Berlin war, bezogen auf den Mietenwahnsinn, dass die Stadt angefangen hat, Häuser zu rekommunalisieren, viel zu teuer, aber immerhin. Das hilft natürlich nur wenigen Mietenden, aber es ist ein Zeichen von Umdenken und als solches anerkennenswert.

Überläufer: Gibt es abgesehen von dem Land Berlin auch andere Erungenschaften, auf die wir zurückschauen können? 

Thomas: Ganz ehrlich, bis auf ein paar Beruhigungspillen sehe ich da wenig Substanzielles. Ich könnte mich gerade schon wieder über die Rente mit  68 aufregen. Es ist unfassbar, was wir uns gefallen lassen.

Überläufer: Ja, davor hatten wir auch die Rente mit 67 und das Absenken des Rentenniveaus. Warum lassen wir uns denn so viel gefallen?

Thomas: Ich möchte es mal an den Symptomen festmachen, die wir aktuell in der Corona-Pandemie sehen. Es ist ja nicht so, dass die Menschen sich nicht echauffieren können, aber sie sind nicht in der Lage, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Anstatt über den Klassenkampf nachzudenken, streuen viele auch noch Sand ins Getriebe desselben, indem sie dem Staat die Argumente liefern, damit dieser noch rigider werden kann und sie belegen, dass man manchen Menschen gar keine Selbstbestimmung geben darf, sonst schaden sie allen anderen zu sehr. Wir haben keine solidarische Gesellschaft, deswegen ist es für das Kapital so einfach.

Überläufer: Woran liegt das?

Thomas: 50 Jahre neoliberale Indoktrinierung. Als ich meinen VWL-Schein schrieb, stellte der Professor die Angebotstheorie so dar, als sei sie keine Theorie oder Ansicht, sondern ein Gesetz. Wenn ich schon „Das Gesetz des Marktes“ höre. Blödsinn! Der Markt kann keine Gesetze erlassen, wir Menschen schaffen als soziale und bestenfalls humanistisch orientiere Wesen die Bedingungen, die ein Markt als Rahmen zu akzeptieren hat. Soziale Marktwirtschaft! Das ist übrigens der Grund, warum viele Juristen so konservativ-neoliberal ticken: Die Vertiefung fehlt, sie kriegen das so rudimentär beigebracht wie wir damals. Und so überaus einseitig.

Überläufer: 50 Jahre neoliberale Indoktrinierung klingt schon sehr mächtig. Als ich Lehrerin war, musste ich immer aufpassen, dass ich gegen das Mäßigungsgebot nicht verstoße. Welche Chance haben wir überhaupt voranzukommen, wenn uns eine Ideologie indoktriniert wird, die vorgibt, keine zu sein?

Thomas: Wenn man Dinge als naturgegeben ansieht, die in Wirklichkeit Kontrukte, Modelle sind, die wir uns zur Erklärung und Steuerung ausgedacht haben und uns damit einerseits größer, andererseits kleiner machen, als wir sind, wird’s schwierig. Siehe oben: Jeden Tag Werbung für mehr Nachdenken und mehr Solidarität machen und uns anschauen, wer wirklich progressive Ansätze verfolgt und darüber schreiben, beispielsweise. In der Hinsicht, nicht nur zu meckern, sondern die  Zukunft auch als etwas Schönes und Spannendes darzustellen, wenn wieder mehr Gemeinschaftgeist herrscht, muss ich mich steigern, ich weiß das.

Überläufer: Ich merke selbst, wo ich wieder 40 Stunden pro Woche arbeiten muss, dass es schwer ist sich noch politisch einzubringen oder selbst nur das aktuelle Nachrichtengeschehen zu beobachten und zu reflektieren. Gerade Corona wirkte als Indikator und als Katalysator für die soziale Ungerechtigkeit. Wieso können linke Parteien davon nicht wirklich profitieren?

Thomas: Die linken Themen liegen wirklich auf der Straße, durch Corona noch einmal deutlicher sichtbar, denn die soziale Ungleichheit wächst derzeit in Rekordtempo. Aber ich könnte auch fragen: welche linken Parteien? Ist die SPD links? Sind die Grünen links? Und ist die Linke noch links?

Überläufer: Ich dachte, ich stelle die Fragen. Aber die SPD und die Grünen würde ich ganz klar als nicht links bezeichnen. Sie sitzen in vielen Länderparlamenten und haben in der letzten Bundesregierung [Anm.: die Grünen in der Regierung Schröder] auch die deutsche Sozialpolitik dem Markt zu Fraß vorgeworfen. Und auch die Linke hat in Ostdeutschland in Regierungen gesessen und gezeigt, dass sie nur eine rot-angemalte SPD ist. Letztendlich spaltet sich das Spektrum immer weiter auf. Warum folgen wir nicht mehr dem alten sozialdemokratischen Grundsatz, dass nur Einigkeit stark macht?

Thomas: Entschuldigung für den Übergriff der Rückfage, aber wenigstens wissen wir jetzt, was die drei angeblich linken Parteien nicht sind, das sehe ich nämlich leider auch im Wesentlichen so. Einigkeit und Solidarität gehören zusammen, und die Entsolidarisierung der letzten Jahrzehnte macht es enorm diffizil. Das sieht man auch an der immer schwächeren Position der Gewerkschaften, die sich der neuen Wirtschaft nicht angepasst haben. Viele in der SPD und in der Linken sind übrigens Gewerkschafter:innen, die an Dingen laborieren, die im Moment mehr oder weniger eklektisch sind. Und dass Linke zum kleinteiligen Separatismus tendieren, ist eine Tatsache, von der mir angesichts gegenwärtiger Ausprägung jeden Tag übel werden könnte. Manchmal wird mir auch übel, aber manchmal schafffe ich die Distanzierung. Wenn ich mal einen Tag gar nicht politisch schreibe und keine Nachrichten lese, zum Beispiel. Die Linke ist ein Desaster, um es klar auszudrücken.

Überläufer: Aber woran liegt es, dass Linke sich immer weiter spalten, während die Konservativen eher stabil sind?

Thomas: Konservative verbindet ein Ziel: Profit. Linke sind sich selten einig, was sie eigentlich wollen und wohin sie wollen.

Überläufer: Ich dachte die Linken eint das Ziel Gerechtigkeit, oder etwa nicht?

Thomas: Ich wäre froh, es gäbe eine so klare Definition für Gerechtigkeit, wie es klare Definitionen für kaufmännische Begriffe gibt. Aber da liegt eben ein Problem: Das eine ist oder wirkt simpel und klar, aber die Vision für die Zukunft kann viele Formen von Gerechtigkeit kennen. Soziale Gerechtigkeit ist mir persönlich am wichtigsten, aber es geht auch um Generationengerechtigkeit, um Gender- und „Rassen“gerechtigkeit etc. Und leider löst sich nicht alles dies durch die Bekämpfung des Hauptwiderspruch automatisch auf. Es muss in diesem Angehen des Hauptwiderspruch, dem der Klassen, jedoch mitgedacht werden. Das kriegt die Linke im Moment sowas von überhaupt nicht hin.

Überläufer: Halte mich für naiv und töricht, aber ich denke, dass diese Formen der Gerechtigkeit alle den gleichen Kern treffen, nämlich, dass jeder unabhängig seiner Rasse, Klasse, Religion, seines Geschlechts oder der Zeit seiner Geburt nicht diskriminiert werden sollte. Wo ist also das Problem?

Thomas: Menschen sind von Grund auf auch mit spaltenden Eigenschaften ausgestattet. Schon Kinder mobben einander, wenn eines von ihnen irgendwie abweichend erscheint. Das zu dämpfen, ist eine anhaltende zivilisatorische Herausforderung. Wir frönen dem Exzeptionalismus lieber als der Suche nach Gemeinsamkeiten, so wurden die meisten von uns eben auch erzogen, siehe oben. Auch die Familien indoktrinieren mit „wir sind was Besseres“, sei es finanziell, moralisch, leistungsmäßig. Ubuntu ist in unserer Kultur kein Gegenstand, dem besondere Bedeutung beigemessen wird. Deswegen müssen diese Probleme eben immer wieder benannt und angegangen werden. Aller Separatimusgefahren zum Trotz. Wir müssen alle mitnehmen können, sonst wird das nichts, mit einer friedlicheren Gesellschaft.

Überläufer: Aber warum funktioniert dieser Grundkonsens bei den Linken nicht?

Thomas: Sie sind eben auch Kinder dieser Welt. Voller Ressentiments und Verknotungen im Hirn. Deswegen schätze ich auch das zivilgesellschaftliche Engagment: Da sind Grüne, SPDler, Linke, auch Kommunist:innen zusammen, ohne dass einer den anderen wegen festgefahrener ideologischer Positionen angiftet. Naja, meistens nicht. Das müsste man endlich in größere Dimensionen bekommen und eine größere Kontinuität des Aktivistischen erreichen.

Überläufer: Aber sie sind eben auch Kinder dieser Kultur.

Thomas: Ja, genau. Und die ist ein belastetes und belastendes Erbe.

Überläufer: Als ich tatsächlich mal bei den Grünen war, wurde sich tatsächlich darüber gestritten, ob wir die Kapitalisten, Ausbeuter, Reiche oder Menschen mit Wohlstandshintergrund nennen sollten oder ob wir nicht besser gendern sollten. Wie können solche Ablenkungen von dem wahrem Problem, dem Klassenkampf, umgangen werden, um tatsächlich sich gemeinsam zu wehren?

Thomas: Solange sich zu viele an Begrifflichkeiten delektieren – die Menschen mit Wohlstandshintergrund muss ich mir unbemerkt merken, damit ich in melancholischen Stunden was zum Lachen habe –, anstatt wirklich Politik für die Mehrheit zu machen, wird das nichts. Ich misstraue derzeit jeder Partei, was ihren Kampf für die Benachteiligten und gegen den Druck seitens des Kapitals angeht. Aber viele Linke haben wenigstens noch die Fundierung, um es besser zu wissen, die fehlt den meisten Grünen bereits. In Berlin sind die Grünen mehr links als im Bundesdurchschnitt, daher wirkt das hier ein wenig anders.

Überläufer: Meinst du, dass die Sprache das Bewusstsein schafft?

Thomas: Oder umgekehrt? Huhn oder Ei? Ich glaube schon, dass eine gute, gewaltfreie und nicht diskriminierende, eine auf Augenhöhe bedachte Sprache wichtig ist, deswegen gendern wir beim Wahlberliner zum Beispiel, meinen es symoblisch und führen es mit einer gewissen Überzeugung aus, wenn auch mit Grenzen dort, wo die Lesbarkeit Mäßigung einfordert. Aber wenn Sprache dazu führt, dass Probleme nicht mehr angegagnen, sondern in wohlgefälliger wirkenden Begriffen aufgelöst werden sollen wie eine Aspirintablette im Wasserglas, dann ist das Kopfweh nach ein paar Stunden doch wieder da, wennn man nicht an dessen Ursachen herangeht. Ein sprachlicher Fingerschnipp verzaubert nicht eine Welt voller Missstände und bringt das Paradies nicht zurück.

Sprache hilft beim Aufbau von Empathie, aber sie darf nicht dazu dienen, Dinge zu kaschieren und kleinzureden – und vor allem darf sie eines nicht, was ich zuletzt verstärkt beobachte: Ihrerseits dadurch diskriminieren, dass immer mehr Menschen nicht mehr auf dem aktuellen Stand der sprachlich korrekten Codes sein können. Da spielen sich ein paar Möchtegern-Intellektuelle nach Regeln, die sie selbst erstellt haben, Bälle oder Wort-Matrioschkas zu und finden es mangels anderer Ideen, wie zum Beispiel echtem, kreativem Engagement für bessere Verhältnisse, schick, den ganzen Tag andere damit zu bashen.

Überläufer: Ja, das habe ich auch beobachtet. Wenn Männern vorgeworfen wird, wenn sie nicht gendern, dass sie sich nicht mit Geschlechtergerechtigkeit auskennen, weil sie eben Männer sind, dann ist das eben schon sexistisch. Wenn Menschen aus der Unterschicht gesagt wird, dass sie nicht mehr Unterschicht sagen sollen, weil es diskriminierend ist, dann diskriminiert man eben diese, wegen ihrer einfachen Sprache, ein ganz klarer Fall von Klassismus. Und dann wird es haarig und wir bekommen noch Kopfschmerzen als Nebenwirkung von der Kopfschmerztablette. Und am Ende bleibt nichts mehr übrig, als das wir über das Sprechen sprechen und die wahren Probleme nicht angehen. Doch was wäre eine Lösung?

Thomas: Metasprachlich nicht nur zu denken, sondern gelegentlich in die Anwendung zu gehen, habe ich mir erst in Berlin angewöhnen müssen, dank Kontakt zu Menschen, die das professionell betrieben haben und auch privat andere gerne damit hochnehmen, dass sie nicht mehr über das zur Debatte stehende Thema, sondern über ihrer Meinung nach nicht dem Code entsprechende Elemente der Ausdrucksweise des Gesprächspartners ganz offen und zuweilen nicht ganz ohne Diskriminierungsabsichten reflektieren. Mich hat das aber auch bereichert, denn Codes nicht nur zu erkennen, sondern darüber nachzudenken, zu welchen Zwecken sie erstellt werden, ist eine Voraussetzung dafür, sie trittsicher adaptieren oder bespielen zu können. Ich habe das Wort „bespielen“ mit Bedacht gewählt, denn das tun nach meiner Ansicht viele Politiker:innen und Social-Media-Gewächse, um Gegner:innen besser in Schach halten zu können. Une eben nicht, um jenen zu helfen, die durch bessere Sprache geschützt werden sollen.

Wenn ich einige identätspolitische Elemente so  sehr als Kampf von oben gegen unten sehe wie die apokalyptischen Reitenden der Wokeness, die missbräuchlich handelnden Verfechter:innen derselben, die im Grunde übergriffig im Sinne kultureller Aneignung sind, die mit diesem scharfen Rhetorikschwert ihre Aggressivität besser glauben ausfechten zu können und dafür Ethik-Lorbeerkränze aufgesetzt zu bekommen, dann dürfte ich im Grunde nicht gendern, als Mann. Ich kenne mich ja mit dem verbal inkludierten oder sprachlich geradezu okkupierten weiblichen Geschlecht als Nichtangehöriger nicht aus. Ich darf auch kein Lied summen, das von einer Frau geschrieben oder interpretiert wurde und kein Gedicht übersetzen, das von einer Frau geschrieben wurde, schon gar nicht von einer Woman of Color, den Streit um derlei gibt es ja wirklich. Die Reihe der Beispiele lässt sich endlos fortsetzen.

Wir sind leider zudem Epigonen, keine Kreativen, in Deutschland, weil ja alles erstmal in Englisch vorgekaut werden muss – und unfassbar verbiestert. Alles, was aus den USA kommt, wird hier bis zum Exzess getrieben und natürlich auch dann noch, wenn sie drüben längst gemerkt haben, dass man es gute Gründe dafür gibt, die Balance wiederzufinden.

Die Impulse ehrlicher Kämpe gegen Rassismus aufnehmen, ohne daraus wieder eine andere ausgrenzende Ideologie zu formen: Das ist der richtige Weg. Offen bleiben auch für jene, die nicht jeden dieser Trends mitmachen wollen oder können. Das ist Teil der Lösung.

Das Wort „Unterschicht“ kann man auch als Kampfbegriff gegen die Unterdrücker verwenden, wie es LGBTI*-People mit „schwul“ und Afroamerikaner:innen mit dem N-Wort machen. 90 Prozent von uns sind in dem Sinne Proletarier:innen und je offener, sogar offensiver wir damit umgehen, gleich ob mit dem neuen „akdemisch-prekärem Hintegrund“ oder tätig in Berufen, in denen noch anfassbare Dinge hergestellt werden, desto besser für den Klassenkampf. Das wäre eine Lösung auf der sprachlichen Ebene, ein Rebound-Effekt, wenn man so will, und ein Signal dafür, dass sich die Benachteiligten auch nicht sprachlich ausbeuten lassen.

Komischerweise wurde ausgerechnet dieser Trend aus den USA nicht übernommen und auch das belegt die politische Begrenztheit hierzulande.

Überläufer: Stimmt. Mein oberstes Ziel ist eine einfache Sprache und ich nehme da nicht so viel Rücksicht auf die Empfindlichkeiten der Anderen. Und ich lehne das Gendern eben ab, weil es die Menschen eben wieder auf das Geschlecht reduziert. Andere Diskriminierungsformen aufgrund der Klasse und der Rasse werden eben übersehen. Zum Schluss möchte ich dir noch die Möglichkeit geben für deinen eigenen Blog und deine linken Aktionen zu werben.

Thomas: Sehr nett, vielen Dank. Ich beschränke mich auf den Wahlberliner: Hier wird man fündig, wenn man politische Bildung auffassen möchte. Etwas Selbstironie muss manchmal auch sein. Ich mag diese Publikation, sie ist mir ans Herz gewachsen und ich glaube, der Wahlberliner und ich, wir stehen auf der richtigen Seite.

https://derwahlberliner.com/ Wir schreiben über Politik, Wirtschaft, geben Infos und äußern unsere Meinung, außerdem noch etwas Kultur, vor allem in Form von Film und Fernsehen. Dort findet man auch etwas über Aktivitäten von Initiativen und Organisationen, die wir supporten.

Ach ja, dieses Gespräch wird natürlich auch als Artikel bzw. als Miniserie bei uns erscheinen.

Überläufer: Vielen Dank für das sehr ausführliche Gespräch. Das waren Überläufer, die ungestimmte Seite auf deiner Gitarre und Thomas, der Taschenkrebs gegen den Mietenwahnsinn. 

*** Ende Teil 3 und des Interviews ***

© 2021 „Überläufer“ und Thomas Hocke für „Der Wahlberliner“

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