Trump bringt die europäisch-chinesischen Beziehungen voran

2018-06-24 KommentarKommentar 29

 Wir haben bereits in vorausgehenden Beiträgen unserer China-Serie (1)  beschrieben, wie sich die Machtkonstellationen auf der Welt derzeit verändern – ob mit oder ohne Trump, China kann nicht überschätzt werden. Und wir haben der Ansicht Ausdruck verliehen, dass Europa inklusive Russland und die USA zusammenarbeiten müssten, um gegenüber China auf Augenhöhe zu bleiben. Nun aber treibt Trump die Europäer in Chinas Arme, schreibt RT Deutsch in diesem Beitrag.

Und in einem weiteren Artikel, der als Gastbeitrag gekennzeichnet ist, den ich aber nicht verlinke, weil er mir zu einseitig ist, wird Trump als möglicher Friedensengel bezeichnet, der Russland zurückholt in die Mitte des diplomatischen Geschehens. Eines ist jedenfalls sicher: In der aktuellen Diskussion spielen Staatsformen und Menschenrechte keine Rolle mehr. Im Grunde eine logische Konsequenz allseitigen neoliberalen Denkens und eines immer mehr geschäftsmäßigen Umgangs miteinander, bei dem sich außerdem die Machtverhältnisse verschoben haben, sodass der Westen keine einseitigen Vorschriften mehr machen kann – oder sollte. Manchmal gibt es noch kleine Erfolge, aber die sind eher symbolischer Natur.

Trump bei Putin, die EU bei Xi Jinping – eine neue Weltordnung?

Wenn China tatsächlich die von den Europäern lange verlangte Reziprozität in den Handelsbeziehungen gewährt, also, dass die Investitionsbedingungen in beiden Richtungen gleich sind prinzipiell zumindest, hätten beide Seiten eine Menge erreicht. Und ich würde diese Treffen nicht zu symbolisch aufladen wollen, die EU-China-Konsultationen finden ohnehin jährlich statt und waren sozusagen an der Reihe. Dass sie unter gegenwärtigen Umständen mehr Bewegung bringen können als die vorherigen Treffen und sogar zu einer gemeinsamen Erklärung geführt haben, im Gegensatz zu 2016 und 2017, zeigt aber, dass hier zwei wichtige Welthandelsblöcke den Ernst der Lage erkannt haben.

Werden jetzt wirklich, wie RT Deutsch es suggeriert, innerhalb kurzer Zeit alle Hemmnisse beseitigt?

China trat bereits 2002 der WTO bei und nach damaligen Festlegungen wären die Konvergenzkriterien längst zu erfüllen gewesen, aber die chinesische Führung war erfolgreich darin, diese Erfüllung so lange wie möglich zu dehnen, in dem Bewusstsein, dass das Interesse Europas an China so groß ist, dass diese Verzögerungen letztlich hingenommen werden. Ob sich das nun so schnell ändert, wie es RT darstellt, wird auch davon abhängen, wie die USA sich verhalten. Je größer der Druck auf die anderen, desto eher werden diese zusammenrücken. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass China sich sozusagen ins Bockshorn jagen lassen und vor lauter Angst vor dem Handelskrieg auf einen Schlag alle Kritikpunkte der Europäer an seinen Wirtschaftspraktiken tatsächlich ausräumen wird.

Und die Europäer sollten tatsächlich verstärkt prüfen, wie viel Hochtechnologie nach China verkauft werden darf. Der Fall Kuka darf sich nach meiner Ansicht nicht in ähnlicher Weise wiederholen, solange nicht vollkommene Gleichheit herrscht, als auch europäische Unternehmen in China problemlos und als Mehrheitseigner von Unternehmen tätig werden dürfen. Allerdings ist das nicht einmal in der EU vollständig verwirklicht. Frankreich schottet wichtige Marktbereiche beispielsweise konsequent ab, dringt aber selbst in Deutschland vor. Die Börsen-Zeitung sieht die gegenwärtige EU-China-Annäherung auch ein wenig distanzierter. Der RT-Beitrag ist deshalb ein guter Einstieg, weil er eben kaum Zwischentöne aufweist, die sofort auf die Komplexität der Sachlage hinweisen würden, sondern eine Art Maximalkonsequenz aufzeigt – nämlich, dass die EU und China wegen Trumps Verhalten beste Handelsfreunde werden mit weit überwiegend gleichen Ansichten.  China spielt längst eine überragende Rolle beim den europäischen Außenhandel, aber die Interessen sind durchaus weiterhin verschieden.

TH

(1) Unsere bisherigen Beiträge zu China:

Startcamp für nachhaltigen Konsum mit China als Team „Rot“
China: Höher, weiter, schneller (DIE ZEIT) – Grunddaten zu China
Cina: Das Ziel ist die Welt (DIE ZEIT)
So abhängig sind die Autohersteller von China (FAZ)
China bekommt Handelsstreit zu spüren (OnVista)
USA haben größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte eingeleitet (mm)
Hongkong protestiert (ARD) – Einstieg ins Thema „China als neues Imperium“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

AutismusJournal

Perspektiven und Reflexionen

Carolin Schnelle

Jungjournalistin

thomas post

Alternativen

Telepolis

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

ScienceFiles

Kritische Sozialwissenschaften

Zusammen gegen #Mietenwahnsinn

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

KuBra Consult

Acta, non verba

Nachrichten: ZEIT ONLINE Newsfeed

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

Meike K.-Fehrmann (Autorin)

Frieda - Ein Demenz-Krimi / Warum Herr Hagebeck sterben muss / Kakerlaken-Schach / Die Rache stirbt zuletzt

SPIEGEL ONLINE - Politik

Das Netzmagazin von Thomas Hocke

Testkammer

Testen macht süchtig: Filme, Spiele, Bücher etc. im Fokus

Film plus Kritik - Online-Magazin für Film & Kino

„Film is a disease. When it infects your bloodstream, it takes over as the number one hormone. As with heroin, the antidote to film is more film.“

SPD erneuern

Unfrisierte Gedanken zur Wiedergewinnung von Relevanz

Ein Parteibuch

Noch ein Parteibuch

Jan Josef Liefers

Die offizielle Fanseite

Wortwechsel 15

Das Schreibblog von Anja, Armena, Elke und Thomas

The Blog Cinematic

Film als emotionalisierende Kunstform

%d Bloggern gefällt das: