„Unternehmen werden zu Sparbüchsen der Aktionäre“ (Norbert Häring, Geld und mehr) / #Allokation #Gewinne #Aktionäre #Aktien #Investitionen #Mietenwahnsinn

2018-09-27 WirtschaftDer Volkswirt und Wirtschaftsjournalist Norber Häring denkt wieder einmal quer. Niedrige Zinsen = hohe Investitionen in Produktionsgüter? Mitnichten. Weg mit den Lehrbuchweisheiten und weg mit der Ratlosigkeit

Trotz hoher Gewinne und stark gesunkener Zinsen wird in allen großen Industrieländern weniger investiert. Neue ökonomische Studien legen nahe: Die Zinsen und die Löhne sind zu niedrig, die Gewinne zu hoch.

So steigt Häring in seinen Beitrag ein und stellt Gewissheiten infrage, die ja ohnehin heute nicht mehr gelten: Denn ist es nicht in der Tat so, dass die EZB mit ihrer hochgradig problematischen Niedrigzinspolitik, die den Immobilienmarkt befeuert und die Vermögen der kleinen Leute vernichtet, so gar nicht dazu führt, dass Europa zu einem dynamischen industriellen Wachstum zurückgefunden hat? Das angeblich so kontinuierliche Wirtschaftswachstum der letzten Jahre hat sich vor allem im Bereich der Finanzanlagen abgespielt, nicht bei Zukunftsindustrien. Im Gegenteil, die Innovation dort, wo sie am notwendigsten wäre, bei der ökologischen Transformation der Wirtschaft, kommt nicht voran.  Und: Nein – das X-te Kaufplattform-Startup fällt für uns nicht unter den Begriff Innovation.

In Deutschland seien die Investitionen in die Industrie während der (nunmehr zehn Jahre andauernden Niedrigzinsphase) besonders schwach gewesen, notiert Häring unter anderem. Wir wollen nochmal auf eine ebenso gängige wie hochgradig gefährliche Meinung hinweisen, die Häring erwähnt:

„Für den Harvard-Professor ist schwache Konsumnachfrage in Verbindung mit der Nullzinsuntergrenze für den Leitzins die Hauptursache.  Könnten die Notenbanken die Zinsen weit genug unter null senken, wäre das Problem für ihn gelöst.“

Sprich: Würde sich ein Dreh finden lassen, die Menschen zur Aufgabe jedweder Geldvermögensposition zu bewegen, weil sie beim Geld liegen lassen horrende Verluste machen, würde der Laden schon wieder ins Laufen kommen. Blöd nur, dass eine solche Politik, die Zinsen noch weiter abzusenken, die Flucht des Kapitals in die Immobilien weiter verstärken, Kauf- und Mietpreise noch mehr anheizen und damit die Konsummöglichkeiten der Normalbevölkerung weiter einschränken würde.

TH

Medienspiegel 329

Kritisch schauen und immer wieder Beiträge außerhalb des Mainstreams lesen, das ist eine Aufgabe, die der Wahlberliner sich gestellt hat.

Wir empfehlen. Manchmal kommentieren wir die Empfehlungen auch oder versuchen, die darin geäußerten Gedanken weiterzuführen. Unsere bisherigen Beiträge der Serie „Jeden Tag ein Blick nach draußen“:

2 Kommentare

  1. Lieber Thomas,
    du zeigst wieder einen interessanten Zusammenhang hin. Die Niedrigzinsen führen zu mehr Investitionen in die Immobilien. Gleichzeitig können sich dadruch immer weniger Menschen etwas von ihrem Geld leisten, weil sie so viel Miete zahlen müssen. Das sollte auf absehbare Zeit die Schere zwischen Reich und Arm auseinander brechen lassen. Dieses Bild ist schon häufig zitiert worden, aber auf Dauer führt diese soziale Ungerechtigkeit irgendwann zur Bedrohung für die Innere Sicherheit. Wer scheinbar mehr zu verlieren hat, braucht sich auch nicht mehr an die Regeln zu halten. Gleichezeitig versprechen Rechtspopulisten ihr Heil, obwohl sie mit ihrem neoliberalen Kurs das Problem noch verstärken sollten.

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    1. Liebe Bärbel,
      herzlichen Dank für deinen Komnmentar. Auf den Zusammenhang zwischen Währungspolitik und Immobilienpreisentwicklung weise ich häufig hin, deswegen reicht auch „bauen, bauen, bauen“ nicht, das ich mittlerweile zu einem ironischen „baubaubau“ als Meme für eine banale, gefährlich verkürzte Billigargumentation verkürzt habe.

      Ich werde gleich die Sparte „Empfehlung von Beiträgen anderer Autoren“ bestücken, da geht es um genau das Thema, das du ansprichst, viele Fakten werden im nächsten Beitrag, der hier veröffentlicht bzw. empfohlen wird, ganz gut zusammengefasst. Ja, immer mehr Menschen haben nichts mehr zu verlieren. Ob man sie durch verschiedene Ideen des Kapitals zur Auflösung des sozialen Zusammenhalts dauerhaft wird niederdrücken können, werden wir sehen.

      Für mich ist es selbst erstaunlich, dass die Rechten sich nicht sozial geben, um mehr Wähler einzufangen, dass alle mitgenommen werden, die „dazugehören“, war bei den Nazis doch ein Trick, der gut funktioniert hat – aber daran sieht man auch, wie trostlos dieser „Rechtspopulismus“ ist. Nicht mal gute Propaganda. Andererseits machen sie den Leuten auch nichts vor: Das Programm ist genauso empathielos wie diejenigen, die es verfasst haben und diejenigen, die zum Kern der rechten Wählerschaft zählen.

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