Warum hab‘ ich ja gesagt? (Designing Woman, USA 1957) #Filmfest 440

Filmfest 440 Cinema

Where are you going, Oscar?

Warum hab’ ich ja gesagt? (Originaltitel: Designing Woman) ist eine US-amerikanische Screwball-Komödie von Vincente Minnelli aus dem Jahr 1957 mit Gregory Peck und Lauren Bacall in den Hauptrollen.

Die Idee zum Film lieferte die Designerin Helen Rose, die auch die Kostüme für den Film entwarf. Drehbuchautor George Wells orientierte sich bei seiner Arbeit an den Screwball-Komödien der 1930er Jahre, aber vor allem an der Katharine-Hepburn-und-Spencer-Tracy-Komödie Die Frau, von der man spricht (1942).

Wir hatten schon bezüglich „Woman of the Year“ / „Die Frau, von der man spricht“ (1942) nicht nur Positives zu vermelden, aber natürlich sind Katherine Hepburn und Spencer Tracy in diesem ersten gemeinsamen Film ein klasse Paar – schauspielerisch und die Chemie betreffend stimmt beinahe alles.

In den 1950ern lebte MGM, das sowohl „Woman of the Year“ als auch „Designing Woman“, wie „Warum hab ich ja gesagt?“ im Original heißt, produzierte, in hohem Maß vom Recyceln alter Stoffe, die gut funktioniert hatten und bediente sich manchmal sehr zielgenau (wie bei „Ben Hur“ aus 1959, wo das Recyceln gut funktionierte), manchmal auch mehr abwandelnd bei den eigenen Filmen aus der großen Zeit des Studios. Und wie hat es dieses Mal mit der Revivaltaktik geklappt? Es steht in der -> Rezension.

Handlung

An einem feuchtfröhlichen Abend lernt Sportreporter Mike Hagen die Modedesignerin Marilla Brown kennen. Nachdem Marilla dem betrunkenen Mike dabei geholfen hat, für seine Zeitung einen Bericht kurz vor Redaktionsschluss zu schreiben, lädt er sie als Dank für ihre Mühen auf einen gemeinsamen Urlaub in Kalifornien ein. Sie verlieben sich, heiraten und kehren schließlich nach New York zurück. Als Mike aus seinem kleinen Apartment in Marillas noble Residenz an der East Side umzieht, findet Marilla in seinen Sachen das Foto einer Frau in verführerischer Pose. Um einem ersten Ehestreit aus dem Weg zu gehen, spricht Marilla das Thema jedoch nicht an.

Unterdessen erhält Mike Morddrohungen des zwielichtigen Boxpromoters Martin J. Daylor, über dessen Schützling Mike negative Sportberichte schreibt. Daraufhin trifft sich Mike mit seiner Ex-Freundin Lori Shannon in einem Restaurant. Als er ihr von seiner Heirat mit Marilla erzählt, kippt ihm Lori verärgert einen Teller Ravioli über den Schoß und stürmt davon. Genau in diesem Moment erscheint auch Marilla, die prompt misstrauisch wird. In ihrem Apartment veranstalten Marillas illustre Freunde daraufhin eine Überraschungsfeier für die beiden Eheleute. Mike fühlt sich unter den Schauspielern, Künstlern und Modeschöpfern äußerst unwohl, zumal sie ihn völlig ignorieren. Als Marilla einen Boxkampf besucht, über den Mike einen Bericht schreiben soll, ist sie über die Brutalität des Sports entsetzt. Beide werden sich zunehmend bewusst, dass sie in vollkommen verschiedenen Welten leben.

Als Mike seine Pokerfreunde einlädt und Marilla in einem Nebenraum ihres Apartments eine Kostümprobe für ein Musical stattfinden lässt, kommen ihnen ernste Zweifel, ob sie überhaupt zueinander passen. Mikes Freund Maxie Stultz, ein Ex-Boxer, der zu viele Schläge auf den Kopf bekommen hat, macht Marilla mit seinem Verhalten Angst, während Choreograf Randy Owen wild durch die Wohnung tanzt und auch den Pokertisch als Tanzfläche nutzt. Ein paar Tage später besucht Mike eine von Marillas Modenschauen. Lori, der Star des Musicals, für das Marilla die Kostüme entwerfen soll, ist auch anwesend. Mike und Lori tun schließlich so, als würden sie sich nicht kennen. Als Marilla jedoch feststellt, dass es sich bei Lori um die Frau auf Mikes Foto handelt, ist sie sich sicher, dass die beiden eine Affäre haben. (…)

Rezension

Natürlich ist die Regie von Vincente Minelli flüssig und sein Sinn für Farben und Formen ist exorbitant und bringt jede Pracht und Fülle der opulenten 1950er in Cinemascope zu uns. Dass er einen Film macht, in dem eine Modedesignerin eine wichtige Rolle spielt, lag geradezu auf der Hand, wenn Musicals schon nicht mehr so funktionieren. Aber dass der Film ist auf eine tückische Weise ebenso konservativ wie das Vorbild, das gar nicht so wenig versteckt andeutet, dass Frauen an den Herd gehören. Es erschließt sich beim Teil-Remake nicht aus dem Szenario Frau und Beruf oder nicht, denn Marilla behält ihren einträglichen Job als Designerin, während Katherine Hepburn als Society-Kolumnistin und Gesellschaftslöwin ausgerechnet in einer  Zeit, in der immer mehr starke Frauen die Leinwand bevölkerten, am Ende zurückstecken musste für den ziemlich chauvinistischen und im Ganzen beschränkter wirkenden Kollegen aus der Sportredaktion. In „Woman of the Year“ versteht Hepburn nichts vom Baseball, was man ihr nicht verdenken kann. Dieser in den USA so beliebte Zeitvertreib ist in der Tat eine der kuriosesten Erscheinungen der Sportwelt. In „Designing Woman“ nimmt Mike Hagen seine Marilla mit zu einem Boxkampf, dessen Brutalität sie nicht aushält. Das wirkt nicht unbedingt moderner aber den Gefühlen von Frauen gegenüber aufgeschlossener.

Aber die Änderunge im Plot gehen teilweise in die andere Richtung. So wird die Eifersüchtelei weg vom Mann auf die Frau verlagert, und das auf eine Weise, die auch für 1957 schon ziemlich antiquiert wirkt, wenn man Weltstadtverhältnisse zugrunde legt. Marilla ist auf die Vergangenheit ihres Mannes eifersüchtig, eine Affäre während der Ehe kann sie erst gegen Ende annehmen, als Mike sich tatsächlich in der Wohnung eines Broadway-Stars namens Lori Shannon (Dolores Gray) versteckt – wenn auch aus sehr edlen Motiven. Wir finden, dieses Nachspionieren passt nicht zu einer solchermaßen erfolgreichen Frau, zumal es nur durch ein altes Foto motiviert ist, das zufällig in Mikes Wohnung herumsteht.

Beigefügt hat man eine Kriminalhandlung, die es im Original nicht gibt und die für zusätzliche komische Akzente sorgen soll. Wie aber schon in „Woman of the Year“ gibt es eine Schräglage. War es dort Hepburns Engagement für Flüchtlingskinder, das als lässliche Marotte dargestellt wird, so ist es hier die Art, wie ein Ex-Boxer, der im letzten Kampf offenbar eine schwere Hirnverletzung erfuhr, als komisches Element missbraucht wird. Tatsächlich gibt es da ein paar witzige Momente, aber dazu hätte man auch jemanden heranziehen können, bei dem die Witze nicht auf Kosten eines tragischen Handicaps gehen. Sicher, wir sind in 1957, aber gerade Vincente Minelli mit seiner oftmals sehr feinfühligen Art der Regie trägt hier grob auf – und dass das Drehbuch, das er umsetzte, auch noch den Oscar erhielt, obwohl es eine nicht weiterführende Abwandlung eines viel älteren und schwungvolleren Werks darstellt, gehört zu den bleibenden Rätseln der AMPAS, welche die Oscars vergibt.

Hinzu kommt, dass wir natürlich Hepburn und Tracy vor Augen haben. Nachträglich haben wir gelesen, dass für die Besetzung von „Desgning Woman“ ursprünglich Grace Kelly und James Stewart vorgesehen waren und das tut ein Übriges, denn wir stellen uns jetzt auch noch diese beiden Schauspieler anstatt Lauren Bacall und Gregory Peck vor. Diese Besetzung platzte, weil Kelly zuvor Fürstin von Monaco geworden war und nicht mehr filmen wollte oder sollte. Da hatte auch James Stewart keine Lust mehr. Offenbar führte der Abgang von Grace Kelly bei allen, die sie kannten, zu Trauer. Alfred Hitchcock, der zwei wunderbare Filme mit Kelly gemacht hat, einen an der Seite von James Stewart, den anderen mit Cary Grant, zählt eindeutig zu dieser Gruppe. Grant hingegen drehte im selben Jahr „Die große Liebe meines Lebens“, die Besprechung werden wir demnächst auf dem Filmfest zeigen. Wer diesen Film gesehen hat und weiß, wie erfolgreich er war, kann nicht umhin, festzustellen, 1957 war nicht das Jahr für Screwball-Komödien, sondern für herzzereißende Melodramen.

Das heißt, wir haben nicht die erste Wahl vor uns. Gregory Peck hat viele sehr gute Rollen gespielt, Lauren Bacall mögen wir auch als Typ, aber nach unserer Ansicht sind beide hier nicht die Optimalbesetzung. Bacall kann die erfolgreiche Frau sehr gut, aber dieses Zurückfallen in eine kindliche Form von Eifersucht gelingt ihr nur mit Mühe, und das ist gut nachvollziehbar. Zudem wäre Kelly als Typ gerade für eine Modedesignerin top geeignet gewesen, weil sie genau dem Typ der Zeit entsprach – von den aufpoppenden Busenwundern abgesehen, ein solches war sie genausowenig wie Bacall. Letztere war wirklich ein Model, trotzdem wäre sie zum Beispiel als Reporterin, wie Hepburn, nach unserer Ansicht besser aufgestellt gewesen. Auch in „Wie angelt man sich einen Millionär“ (1953), an der Seite von Marylin Monroe und Betty Grable als Model-Trio kann sie nicht gegen die Monroe an und gewinnt nach unserer Ansicht auch nicht gegen Grable. Sie etwas pointierter spielen zu lassen, wie an der Seite von Humphrey Bogart, wäre jedenfalls besser gewesen.

Mehr Probleme aber haben wir mit Gregory Peck. Bei all seinen Meriten, die Vielseitigkeit betreffend kommt er nicht an James Stewart heran, der garantiert einen kauzigen und mit seiner gedehnten Spreche urkomischen Gegenpart zu Kelly gegeben hätte oder auch zu Bacall. Gregory Peck aber muss sich zu sehr anstrengen, um in dieser leichten Komödie authentisch zu wirken. Anders als in dem sehr gelungenen „Ein Herz und eine Krone“ (1953) an der Seite von Audrey Hepburn soll er hier nämlich keine romantische Auslandsliebe erleben, sondern eine Screwball-Comedy beleben, und das sind zwei paar Schuhe. Es wird einen Grund haben, dass Peck nie zuvor in diesem Genre besetzt worden war. Die Idealbesetzung wäre aber auch in diesem Film für uns nicht James Stewart gewesen, sondern der erwähnte Cary Grant. Was er zum Beispiel aus der Restaurant-Szene mit den Ravioli auf dem Schoß gemacht hätte, wäre großes Kino gewesen. Peck hingegen wirkt nicht vorrangig cool, sondern ein wenig steif – er spielt eben auch im Rest des Films nicht so ironisch-distanziert, wie es Stewart oder Grant in unterschiedlicher Ausprägung gekonnt hätten. Screwball lebt unbedingt von furiosen Dialogen, am besten unterstützt von versatiler Mimik, Gestik und Haltung. In „Des Königs Admiral“ (1950) hatte Peck eine speziell komödiantische Aura, weil die Regie erkannt hat, dass die Übersteigerung des Steifen genau sein Ding war – so aber ist die Figur Mike Hagen nicht konzipiert. Im Ganzen gefällt uns Peck ohnehin in ernsten Rollen besser und wenn es richtig ernst wird, wie in „Cape Fear“ (1962) oder „To Kill a Mockingbird“ (1961), ist er hervorragend.

Lauren Bacall hatte während des Drehs ein persönliches Problem – Humphrey Bogart, ihr geliebter  Mann, war im Endstadium seiner Krebserkrankung, und unter diesen Umständen eine Komödie zu drehen, ist eben gerade kein Spaß.

Die Idee zu dem Film soll u. a. von der Ausstatterin desselben gekommen sein, und die Modenschau mit Marillas Kreationen gehört zu den besonders schönen unter den zahlreichen Catwalks, die wir im Verlauf der Hollywoodgeschichte bewundern durfte. Grandios war z. B. die Modenschau-Farbsequenz im ansonsten schwarz-weißen „Die Frauen“ von 1939 und auf solche Ausstattungspracht verstand sich kein Studio besser als MGM. Von diesem Studio stammt auch „Warum hab‘ ich ja gesagt?“ und kann damit ebenfalls etwas wie eine Patenschaft in Anspruch nehmen kann. Außerdem stammte er aus der großen Zeit der Screwball-Comedies.

Zweifellos ist die Eleganz der Dekorationen und der Kleidungsstücke eines der großen Benefits von „Designing Woman“, aber dieses kann die Schwächen eines zu ziellosen, zu wenig auf ein bestimmtes Thema akzentuierten Plots, die vielen zitathaften Stellen, die nicht optimale Besetzung nicht ausgleichen. Wie man solche Komödien besser macht und sie wieder auf den Trend der Zeit einstellt, bewiesen wenig später u. a. Doris Day und Rock Hudson in „Bettgeflüster“ (1959), der aber schon einen Tick offensiver ist, Doris Day mit ihrer cleanen Ausstrahlung zum Trotz oder vielleicht genau deswegen. Hudson als ihr Gegenpart spielt einen Hallodri, nicht einen im Grunde kreuzbraven Typ wie Mike Hagen, der zu Unrecht des Ehebruchs verdächtigt wird, wo er doch viel lieber mit ein paar alten Kumpels pokert, als sich des Nächtens auf Abwege zu begeben.

Zu allem kommt, dass „Designing Woman“ zwar Vieles andeutet, aber doch sehr, sehr sittsam ist. MGM war eben besonders konservativ, das merkt man an allen Enden und Ecken. Sich auf neue Wege zu trauen, war Ende der 1950er nicht das Hauptanliegen eines Studios, das in zu vielen seiner Produktionen den falschen Weg ging, seine einstige Vormachtstellung rückwärtsgewandt verteidigen und dabei garantiert immer auf der sicheren Seite bleiben zu wollen. Progressive Werke wie „Blackboard Jungle“ hätte man häufiger drehen sollen.

Kritiken

Für das Lexikon des internationalen Films war Warum hab’ ich ja gesagt? eine „[l]eichthändig und sicher inszenierte Ehe- und Gesellschaftskomödie“. Regisseur Vincente Minnelli habe den Film „im US-Komödienstil teils intelligent-vergnüglich, teils auf Situationskomik hin angelegt“.[3] Cinema sprach von „[i]ronische[m] Ehe-Gekrisel von Meisterhand“.[4] Prisma zufolge habe „Musical-Meister Vincente Minnelli“ mit dem Film „eine hervorragend gespielte, überaus unterhaltsame Gesellschaftskomödie“ inszeniert.[5]

Bei der kirchlichen Filmkritik jener Zeit kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass große Zustimmung vor allem heißt, es ist nichts passiert. Die neueren Äußerungen von Cinema und Prisma gehen in dieselbe Richtung, aber so richtig anschließen können wir uns nicht.

Finale

Selten sind Aufgüsse besser als Originale, das trifft auch auf „Designing Woman“ im Vergleich zu „Woman of the Year“ zu. Der Film ist nett, aber aber da, wo er komisch sein will,  zum Beispiel beim Zeigen der überspannten Freunde von Marilla, zielt er haarscharf am richtigen Ton vorbei, zudem ist Vincente Minelli ein Top-Regisseur für Musicals gewesen und auch Dramen konnte er, aber Screwball beherrschten in den 1950ern nur ganz wenige Filmemacher, zu denen wir ihn nicht zählen. Sicher war ihm das auch bewusst, deshalb ist das Quirlige gegenüber dem fünfzehn Jahre älteren Vorbildfilm auch zurückgenommen zugunsten der einen oder anderen Situationskomik – was aber gegenüber dem Hepburn / Tracy-Film kein wesentliches Plus darstellt, denn die gab es in ihm auch.

„Designin Woman“ kostete 2 Millionen Dollar, für Mitte der 1950er eine anständige Summe für einen nicht epischen und nicht dem Genre Historisches zuzuordnenden Film und spielte in den USA 2,25 Millionen ein. So ging es damals vielen MGM-Filmen: Das konservative Layout ging zwar meist nicht vollkommen daneben, aber der knappe Gewinn deutet an, dass man so einigermaßen durchkommen, aber nicht viel gewinnen kann, wenn man nichts wagt. Den Gewinn des Drehbuch-Oscars lassen wir bei der Betrachtung außen vor, weil wir ihn angesichts anderer Werke dieses Jahres für nicht begründbar halten.

66/100

© 2021 (Entwurf 2014) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Vincente Minnelli
Drehbuch George Wells
Produktion Dore Schary
Musik André Previn
Kamera John Alton
Schnitt Adrienne Fazan
Besetzung

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s