Barfuß im Park (Barefoot in the Park, USA 1967) #Filmfest 649

Filmfest 649 Cinema

Nicht im Februar!

Barfuß im Park ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Gene Saks aus dem Jahr 1967 mit Robert Redford und Jane Fonda in den Hauptrollen. Es ist die Filmversion der erfolgreichen gleichnamigen BroadwayKomödie von Neil Simon.

Gene Saks wäre beinahe einer der großen Komödienregisseure in der Nachfolge von Billy Wilder oder Blake Edwards geworden, zumindest weisen drei Filme aus den späten 1960ern darauf hin: „Barfuß im Park“, „Ein seltsames Paar“ (1968) und „Die Kaktusblüte“ (1969), mit letzteren beiden etablierte er Walter Matthau endgültig als Komödienstar und befand sich damit in der Tat auf der Spur von Billy Wilder, von dem er schon die Leistungen Jack Lemmons in diesem Fach übernehmen konnte, als er „Ein seltsames Paar“ inszenierte. Aber Robert Redford in einer Komödie? Aber ja, erinnern wir uns an den im Jahr darauf erschienenen „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ oder an „The Sting“ (1973). Jane Fonda hatte ihren Durchbruch im Genre bereits 1965 in „Cat Ballou„.

Handlung (1)

Robert Redford spielt den überaus korrekten und soliden Paul Bratter, der als Anwalt in New York arbeitet. Durch seine Heirat mit Corie ist es aber aus mit dem geordneten Leben, denn Corie hat Spaß und Vergnügen als Lebensprinzip. Nach den stürmischen Flitterwochen im Hotelzimmer beginnt aber das richtige Eheleben. Das frischgebackene Ehepaar Bratter zieht in seine erste gemeinsame Wohnung im Greenwich Village.

Eigentlich stünde ihrem Eheglück nichts mehr im Wege, wenn da nicht gewisse Probleme wären wie: das Haus ohne Aufzug, die plötzlich wieder jung gewordene Mutter von Corie und seltsame Nachbarn.

Beide durchleben in ihrer ersten Wohnung die ersten Unwegsamkeiten des Verheiratetseins und reagieren mit ihren unterschiedlichen Charakteren ganz verschieden auf die chaotischen Verhältnisse. Doch auch diese romantische Komödie endet mit einem Versöhnungskuss.

Rezension

Immer und immer wieder während des Films gab es ein Echo, und das kam von der eigenen Vergangenheit. Fünf Stockwerke zu Fuß, wenn der Aufzug kaputt ist, der negative Überraschungseffekt steigert das Ganze gegenüber dem Wissen von Beginn an, es gibt keinen. Und gerade beim Einzug lässt sich nicht alles im Aufzug transportieren. Aber doch das meiste.

Nur eines ist wirklich albern: Dass ein junger, gesunder Mann wie Robert Redford nach fünf Stockwerken und einer Außentreppe wirkt, als sei er kurz vor dem Exitus. Dieser Gag wird anhand beinahe jeder Person, die Pauls und Cories Appartement betreten oder vielmehr erklimmen, durchexerziert. Der Subtext ist, dass die Amerikaner es wirklich nicht mit dem zu Fuß gehen haben und schon für fast 50 Jahren nicht hatten, sonst könnten sie über diesen weniger als mittelmäßigen running Gag nicht lachen. Und das Lachen war immerhin erprobt, weil der Film nicht auf einem Originaldrehbuch, sondern auf einem erfolgreichen Broadway-Stück basiert. Sicher liegt in der Pointierung die Veranschaulichung, aber man kann es übertreiben.

Komödien wandeln auf schmalem Grat, das Drama auf ausgetretenem Pfad. Und hier wird die Komödie beinahe zum Drama. Wir hatten die Befürchtung, dass Redford sich im Park letztlich, ohnehin bereits stark erkältet, eine Lungenentzündung holt. Aber es funktioniert nicht alles so schlecht wie der Treppenwitz und die etwas peinliche Schlusszene, bei der das Wort „barfuß“ im Park so einen unromantischen Anstrich bekommt. Die Dachsequenz ist wieder besser. So geht das den ganzen Film durch, gute Momente wechseln sich mit solchen ab, die nicht nur unglaubwürdig, sondern auch mäßig getimt sind. Auch die Hauptdarsteller wirkten auf uns unterschiedlich inspiriert.

Jane Fonda hat es sichtlich Spaß gemacht, das hippe Girlie zu spielen. Sie ist die Tochter des hoch geachteten Henry Fonda, aber ihre ersten filmischen Gehversuche hat sie sozusagen als Nachfolgerin der Bardot bei Roger Vadim gemacht, und der setzte nun einmal auf knallige Inszenierungen und auf den Sexappeal seiner Darstellerinnen. Der Höhepunkt des Fonda-Sexbooms war sicher „Barbarella“, der zwei Jahre vor „Barfuß im Park entstand“ und auf dem Weg zu Fondas Entwicklung zur ernsthaften Schauspielerin liegt. Dass sie hier eine Unmenge mädchenhaften Charme versprüht, ist unübersehbar und nun wird es subjektiv: Solche exaltierten Menschen wie sie mag man oder nicht. Die zeitgenössische Kritik mochte sie nicht so, heute, so viele Jahre nach den sozialen Umwälzungen, die auch eine neue Sich auf bunte, unangepasste Typen mit sich brachte (leider geht die Tendenz aufgrund zunehmender ökonomischer Zwänge schleichend wieder in die andere Richtung). Diejenigen, die heute über den Film schreiben, sind überwiegend positiv gestimmt. Wir differenzieren zwischen Fondas lebhafter Darstellung und den anderen Mitwirkenden. Mildred Natwick, die Fondas Mutter spielt und dies auch im Broadway-Stück tat, ebenso wie Redford dort bereits seinen Paul gab, erhielt eine Oscar-Nominierung für diese Nebenrolle. Das finden wir ein wenig übertrieben, auch wenn sie eine schöne Mischung aus robuster Art und Erschöpfung abliefert, die sich sehen lassen kann.

Aber Redford wirkt tatsächlich dermaßen spießig, das hat uns geradezu schockiert. Die Generation Mann um 30-40, die den Film zur Zeit seiner Entstehung gesehen hat, wird wohl eher auf seiner Seite gewesen sein, angesichts immer aktiver eigene Räume besetzenden Frauen, aber wir können Corie-Jane verstehen, wenn sie plötzlich denkt, alles ist aus. Klar ist die junge Dame überspannt, aber eben auf eine sehr reizvolle, nicht zu neurotische Art. Am Ende kriegt sie es seitens der Regie, des Buchs, des zugrunde liegenden Stückes auch dicke: Es ist der Zuverlässige, den man zu schätzen hat, also Paul. Ja, das ist ein hoher Wert, auch heute, gerade in der Großstadt, und nicht nur, wenn sie New York heißt. Aber kann man die beiden Charaktere wirklich gegeneinander stellen?

Wie kamen sie überhaupt zueinander? Gegensätze ziehen sich an, wird der Treibstoff der Romanze gewesen sein, die  zur Heirat führte. Jeder ist fasziniert von dem, was ihm selbst abgeht. Daraus kann ein symbiotisches Verhältnis entstehen. Meistens tut es das aber nicht. Gleich und gleich gesellt sich gern, das ist das konträre Sprichwort, und unsere Beobachtungen in der Realität gehen eindeutig dahin, dass es mehr Wahrheit enthält als das andere. Tut es das wirklich?

Jetzt sind wir pingelig und bleiben doch eng beim Film. Paul und Corie gerieten in ein Anziehungskraftfeld. Das ist schön und in der Phase der Verliebtheit himmlisch. Man entdeckt so viel mehr, wovon man bezaubert sein kann, als bei jemandem, der einem selbst gleicht wie ein glattschaliges Ei dem anderen, immerhin kann es ja unterschiedlich groß sein und auch die Farben varieeren. Das Fremde ist jedoch ein Thrill und in Phasen, in denen man abenteuerlustig oder in allgemein progressiven Zeiten, in denen viel geht ein berechtigtes Mindset, es auszuprobieren. Doch dann der Alltag. An dem scheitern Paul und Corie dermaßen schnell, wie es nur in einem Film passieren kann, der auf einem Theaterstück basiert und man die zusammengeschnurrte Zeitschiene genau so belässt, wie sie auf der Bühne inszeniert wurde. Ein Typ wie Corie ist auch schnell bereit, hinzuschmeißen, das ist ihre unangenehme Seite. Kennt man das nicht allgemein von Frauen, die sich selbst viel Esprit zurechnen?

Sei’s drum, die Basis kann ja auch Spaß für eine Zeit sein, nicht Ehe als Ziel. Aber wir sind im Jahr 1967. Damals war die Ehe im Mainstream-Kino das Ziel. Selbst in New York. Man durfte freizügiger sein und in „Barfuß im Park“ merkt man das an einem sexuellen Touch, den man wenige  Jahre zuvor nicht hätte zugeben dürfen. Naiv und voller Elan haben die Filmer die neuen Freiheiten genutzt. Doch das ändert nichts daran, dass „Barfuß im Park“ in der Grundhaltung konservativ ist. Entweder nimmt Corie sich zurück, oder sie verliert Paul, der sich in betrunkenem Zustand stark verändert, um gerade zu demonstrieren, wie albern und unsinnig diese Veränderung ist. Nein, im Normalzustand ist er der ideale Ehemann. Und das ist er wirklich. Typen wie er bringen die haltbarsten Verbindungen zustande. Er sieht gut aus und ist doch seriös, arbeitet hart und ehrlich und tut viel für seine Familie. Ein Schwiegersohn-Typ eben.

Man kann darüber spekulieren, ob diese im Himmel geschlossene und auf dem Boden der Tatsachen gelandete Ehe zwischen Corie und Paul wirklich dauerhaft laufen wird, aber das Hollywood-Ende haben sie hingekriegt. Der Versöhnungskuss in einer leichten Komödie fragt so gar nicht nach den tieferen Problemen, die immer wieder für Zoff sorgen, bis sie bei so ungleichen Menschen wie diesen beiden vielleicht doch durch große Liebe und viel gegenseitiges Verständnis gelöst werden können.

Finale

Der Film ist eindeutig Kritik an der Playgirl-Generation, die nicht in den USA, sondern in England („Darling“, 1965, mit Julie Christie) erfunden wurde und deren Mode ebenso kühn war wie ihre libertine Lebensweise und ihre Selbstverliebtheit so stark wie ihre Ausstrahlung. Davor hatten die Männer durchaus Angst, die sich nicht so rasch wandeln konnten, weil sie’s zuvor ja auch nicht nötig hatten. Also mussten es die Frauen sein, die ihre Rollen neu definieren. Dabei kam es und kommt es immer noch zu Reibungspunkten.

Jane Fondas Haltung ist als politische Aktivistin für Frauenrechte bekannt; richtig ernst darf man ihre Figur Corie freilich nicht nehmen. Denn sie ist nicht vollkommen anders gestrickt als zum Bespiel Figuren der klassichen Screwball-Comedy wie Katherine Hepburns Susie in „Bringing up Baby-„, und der Film stammt immerhin aus dem Jahr 1938, als nur wenige Frauen es sich leisten konnten, so exaltiert zu sein wie dieses Society-Girl. 

Die Machart von „Barefoot in the Park“ ist ebenso flapsig wie manche der Dialoge, der Slapstick variiert bekannte Nummern, Charles Boyer spielt einen lebelustigen Mitbewohner im Haus, der gut zu Corie passt, aber auf ihre Mutter abfährt. Stilistisch ist das Werk konventionell, auch für die Verhältnisse von 1967 nicht deshalb Avantgarde, weil mehr sexuelle Anspielungen drin sind als damals gewohnt, der Weg nach New Hollywood führte nicht an „Barfuß im Park“ vorbei. Die wirklichen Durchbruchfilme des Jahres 1967 haben wir hier schon vorgestellt. „Die Reifeprüfung“ und „Rat mal, wer zum Essen kommt„, „In der Hitze der Nacht“ als weiterer Meilenstein wird folgen. Unser Wertung beinhaltet ein Plus für Jane Fondas Darstellung, daher 

70/100.

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke,
basierend auf einem Entwurf aus dem Jahr 2015

(1), kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Gene Saks
Drehbuch Neil Simon
Produktion Hal B. Wallis bei
Paramount Pictures
Musik Neal Hefti
Kamera Joseph LaShelle
Schnitt William A. Lyon
Besetzung

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