Für Irrlichter sich ausbrennen lassen (Bärbel Weisshaupt, Blog Haimart) / @realHeimart #Burnout #Psychologie #Vermögen #Einkommen #Ungleichland #oben #unten #Irrlicht #Klassenkampf #Medianvermögen #Arbeitszeit

Der Titel „Für Irrlichter sich ausbrennen lassen“ ist schön kryptisch und erschließt sich erst im Verlauf bzw. am Ende des zweiten heutigen Empfehlungsbeitrages.

Es geht in der zweiten Darstellung von Bärbel Weisshaupt, die wir hier empfehlen, zusammengefasst darum, wie die Mehrheit sich immer mehr abstrampelt, um wenigen Reichen das immer reicher werden zu ermöglichen – falls das überhaupt stimmt, in Zeiten, in denen die Finanzwirtschaft dreimal größer ist als die Warenwirtschaft, Geld also vor allem mit Geld, mit Kapitalanlagen, verdient wird. Theoretisch sind überhaupt keine Menschen notwendig, um diese Art der Wirtschaft intakt zu halten. Zumindest keine arbeitenden Menschen, ohne Konsumenten wird es wohl nicht gehen, denn irgendeinen Bezug zur Realität braucht auch der Finanzkapitalismus

Damit uns die Überlastung nicht passiert, die im Artikel von Bärbel Weisshaupt plastisch und im Verlauf, da, wo es beispielsweise um Schule geht, erlebnisorientiert berichtet wird, vor allem, wo es um die Schule geht, haben wir heute das Gegenteil getan. Der Plan war: Richtig powern, weil wir aus Zeitgründen zuletzt am unteren Rand der eigenen Vorgaben für den Wahlberliner lagen, das Ergebnis: Wir werden heute nur Fremdbeiträge empfehlen, da sind wir nämlich besonders im Rückstand. Eigentlich ein Witz, denn andere lesen und kurz darüber reflektieren, sollte einfacher sein, als zu recherchieren und eigene Inhalte zu erstellen. Wenn aber wegen Letzterem nicht mehr zu Ersterem kommt, ist das kein gutes Zeichen und deshalb sind wir anders herum verfahren.

Der Mietenwahnsinn läuft uns heute nicht weg, denn sowohl die Politik als auch die großen Medien, die Gerichte und die Miethaie, die können heute alle nicht handeln. Es ist ein Tag, an dem wir, die Stadtgesellschaft, uns einen Vorsprung ihnen gegenüber erarbeiten können, aber es ist auch ein Feiertag. In den Sozialen Netzwerken merkt man davon nicht so viel, aber die sind ja auch ein Teil des Problems, mit ihrer Dauerberieselung.

Selbstverständlich tragen wir durch unsere heutigen Empfehlungen dazu auch bei.

Nicht die Aufmerksamkeitskapazität der Menschen insgesamt sei gesunken, sondern die Aufmerksamkeitsspanne für eine einzelne Nachricht, haben wir kürzlich gelesen. Also beklagen wir uns nicht über das Phänomen, dass bestimmte Beiträge auf bestimmten Plattformen mehr gelikt werden, als von dort im selben Zeitraum Lesezugriffe kommen. Bei Facebook ist es ja krass umgekehrt. Aufmerksamkeit oder Beachtung ist die einzige Währung für ein nichtkommerzielles Projekt und was sich  hinter dieser Wahrheit wieder alles an Fragestellungen verbirgt. Und was haben wir ein Glück, dass der Wahlberliner seine Existenz einer überwiegend intrinsischen Motivation verdankt.

Warum arbeiten wir, wie wir arbeiten und wie viel und was wäre sinnvoll? Darüber reflektiert „Für Irrlichter sich ausbrennen lassen“ und geht über zur Klassenfrage. Selten haben wir den Unterschied zwischen Durchschnittsvermögen und Medianvermögen so gut erklärt gesehen wir hier, daher erlauben wir uns an der Stelle ein Zitat:

Durchschnittlich besitzt jeder Deutsche nach Abzug der Schulden 232.800 €. Falls du dich jetzt fragst, wo dein Geld ist, dann ist die Antwort ernüchternd: Wird die deutsche Bevölkerung in die arme und reiche Hälfte geteilt, so ist jemand mit einem Vermögen 70 800 in der Mitte, ist also quasi Mittelschicht. Die eine Hälfte hat eben mehr und die andere Hälfte weniger. Mit dem besagten Durchschnittsvermögen würdest du zu den reichsten 20% gehören.“

Verstanden? Wir haben auch manchmal Schwierigkeiten, den Unterschied in eine bildliche Vorstellung zu bringen, aber so kann es funktionieren. Am Ende des Beitrags wird dann beides mal doch kurz verwechselt, aber das Prinzip ist klar. Wir haben einige der vielen angegebenen Quellen gecheckt, das muss ja dann doch wenigstens stichprobenartig sein: Das DIW spricht von einem Zuwachs der durchschnittlichen Realeinkommen zwischen 1991 und 2014 um 12 Prozent. Und auch hier darf man sich wieder denken: Durchschnittseinkommen, nicht Medianeinkommen! Für die untere Hälfte gab es gar keine Zuwächse.

Immer mehr Menschen in Arbeit, das sogenannte Jobwunder.

Es spiegelt sich nicht nur nicht in der Arbeitsstundenzahl, die geleistet wird, die steigt erst in den letzten Jahren durch die massive  Zunahme an benötigtem Arbeitseinsatz im sozialen Bereich wieder etwas an und der Arbeitsmarkt ist hier komplett leergefegt, das gilt zumindest für Berlin.

Es bedeutet auch, immer mehr Menschen arbeiten, ohne in irgendeiner Form Vermögen aufbauen zu können. Altersarmut voraus, bei einer Rentenquote, deren Vorerst-Erhalt von 48 Prozent von der verlotterten SPD als Erfolg gefeiert wird. Man muss sich vorstellen, es war ein Absenken auf bis zu 43 Prozent angedacht. Warum nicht gleich 30, 20 Prozent? Ethisch bedeutet das kaum noch einen Unterschied.

Deutschland hat ohnehin die niedrigste Rentenquote unter den entwickelten Ländern. Allein die Vorstellung, dass man im Alter trotz lebenslanger Arbeit zum Sozialamt gehen und um Zuschuss bitten muss wie ein Almosenempfänger, also keine Ansprüche geltend machen kann, sondern auf die gnädige Wohltat eines Staates angewiesen ist, der die gesetzlich versicherten Menschen gnadenlos abzockt, damit dieses niedrige Rentenniveau überhaupt möglich ist und eine reiche Minderheit freidrehen darf, kann psychische Probleme auslösen. Ohnmacht dem System gegenüber ist kein Chimäre, sondern so empfinden viele Menschen ihre tägliche Realität. Wir schlagen jetzt keine Bogen zum Mietenwahnsinn, obwohl es naheliegend ist.

Am Ende des Artikels dann die logische Auflösung des Titels. Das kann ja nett werden, wenn der wirtschaftliche Abschwung kommt, wo doch vom Aufschwung die meisten schon kaum etwas (anderes) verspürt haben (als steigende Mietpreise).  Aber nicht nur die Politiker sind Irrlichter, sondern auch die meisten von uns. Alle, die zum Beispiel Jobs haben, welche aufwendige Zweitprojekte verlangen, damit das mit der Sinnstiftung klappt, aber sich nicht zu dem Ort begeben, an dem der neue Klassenkampf ausgetragen wird. Sie sind vielleicht nicht schuld im moralischen Sinn, es kann ja auch sein, dass ihnen die Kraft dafür schon geraubt wurde , die Hoffnung. Doch sie alle tragen dazu bei, dass das System immer weiter vor sich hinstolpert, aber nicht fällt, indem sie das Gleiche tun. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der wegen psychischer Probleme ausgefallenen Arbeitsstunden verdoppelt, hatten wir kürzlich gelesen.

TH

Medienspiegel 350, EBA 14

Kritisch schauen und immer wieder Beiträge außerhalb des Mainstreams lesen, das ist eine Aufgabe, die der Wahlberliner sich gestellt hat. 

Wir empfehlen. Manchmal kommentieren wir die Empfehlungen auch oder versuchen, die darin geäußerten Gedanken weiterzuführen. Unsere bisherigen Beiträge der Serie „Jeden Tag ein Blick nach draußen“:

Bisher empfohlene Beiträge

 

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