Der schwarze Abt (D 1963) #Filmfest 88 #EdgarWallace

Filmfest 88 A "Special Edgar Wallace" (13)

Wer will was von wem woraus, ist die schwierige Frage – und wieviele Äbte gibt es? 

Die Handlung in einem Satz, ohne Auflösung: Smooth hat das Jagdhaus auf dem Besitz der Chelfords gekauft und ist kurz darauf tot. Man sieht deutlich, dass ein Typ in Mönchskutte ihn ermordet hat. Was hat der Lord damit zu tun, was sein Verwalter, der in Wirklichkeit sein Vetter ist, wieso war Smooth nur ein Strohmann, warum hat jahrhundertlang niemand den Schatz der Chelfords entdeckt und wie kommt die Polizei an all ihre Informationen und wieso fahren Autos von innen beleuchtet durch den wallenden Nebel? Diese und viele weitere Fragen beantwortet uns „Der schwarze Abt“.

Zur besonderen Gestaltung der Edgar Wallace-Rezensionen innerhalb der FilmAnthologie des Wahlberliners siehe die Kritik zu „Der Frosch mit der Maske“.

Der schwarze Abt  ist ein deutsch-französischer Kriminalfilm und der 15. deutschsprachige Edgar-Wallace-Film der Nachkriegszeit. Regie führte Franz Josef Gottlieb. Die Hauptrollen sind mit Joachim Fuchsberger, Grit Boettcher, Dieter Borsche und Charles Regnier besetzt. Der Film ist die neunte Rezension eines Films der Reihe innerhalb der FilmAnthologie des Wahlberliners (1). Beim Special Edgar Wallace zeigen wir die Rezensionen nicht in der Reihenfolge, wie sie entstanden sind, sondern gemäß der Chronologie der Filmproduktionen.

Produktionsdaten, Trivia (Wikipedia)

  • Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Edgar Wallace (Originaltitel: The Black Abbot) wurde von der deutschen Rialto Film unter finanzieller Beteiligung der französischen Les Films Jacques Leitienne Es war das dritte Mal, dass sich eine französische Filmfirma an den Produktionskosten eines Wallace-Krimis mit der Rialto Film beteiligte.
  • Das Drehbuch wurde von Hans Wiedmann bereits im Sommer 1962 unter seinem Pseudonym Johannes Kai verfasst. Gottlieb hatte im Winter 1962/1963 bereits den von der CCC-Film produzierten Edgar-Wallace-Film Der Fluch der gelben Schlange Neben einigen in der Wallace-Serie bereits etablierten Darstellern spielten erstmals Grit Boettcher, Friedrich Schoenfelder und Kurd Pieritz in einem Film der Reihe. Dieter Borsche und Charles Regnier wirkten zum zweiten und letzten Mal in einem Edgar-Wallace-Film mit.
  • Der Film wurde vom 17. April bis 28. Mai 1963 gedreht. Die Innenaufnahmen entstanden in den Studios der CCC-Film im Berliner Bezirk Spandau. Die Außenaufnahmen fanden im Schloss Herdringen im Sauerland sowie in West-Berlin Als erster deutschsprachiger Edgar-Wallace-Film enthält dieser Film keine London-Aufnahmen. Nach einigen Kürzungen gab die FSK den Film ab 12 Jahren frei. Der zweite Edgar-Wallace-Film in Ultrascope wurde am 5. Juli 1963 im Universum (Kino) in München uraufgeführt. Im Fernsehen wurde der Film in einer noch kürzeren Fassung im falschen Format und zeitweise zum Teil sogar seitenverkehrt ausgestrahlt.
  • Der im Original farbige Vorspann wurde durch einen Schwarzweiß-Vorspann ersetzt. Inzwischen wurde der Film in der ungekürzten Originalfassung veröffentlicht, die ab 16 Jahren freigegeben ist.
  • Die von uns gesehene Version hat wieder den farbigen Originalvorspann und dürfte insgesamt wieder weitgehend dem ursprünglichen Zustand entsprechen.

Ausführlichere Handlungsbeschreibung (mit Auflösung)

 Nachdem in den Ruinen der Abtei von Fossaway ein gewisser Mr. Smooth, der Besitzer eines nahegelegenen Jagdhauses, ermordet worden ist, nehmen Inspektor Puddler von Scotland Yard und sein Assistent Horatio die Ermittlungen auf.

Sie beziehen im nahegelegenen Schloss des undurchsichtigen Lord Chelford Quartier. Dessen Behauptung, dass es sich bei dem Mörder um ein altes Gespenst, den sogenannten „Schwarzen Abt“, handele, teilen die Beamten allerdings nicht. Vielmehr vermuten sie das Interesse an einem sagenumwobenen Goldschatz, den man in der Abtei vermutet, als Motiv für den Mord.

Der Rechtsanwalt Arthur Gine hat Geldsorgen, da er große Summen bei Pferdewetten verloren hat. Er arrangiert deshalb die Verlobung seiner Schwester Leslie mit Lord Chelford. Diese fühlt sich jedoch mehr zu Lord Chelfords Cousin Dick Alford hingezogen, der die Geschäfte des Lords führt. Auch Gines Bürovorsteher Fabian Gilder ist hinter Leslie her. Als Buchmacher hat er Arthur Gine viel Geld abgenommen und besitzt von Gine gefälschte Wechsel, mit denen er diesen erpresst. Gilder tut sich mit Mary Wenner zusammen, die als Sekretärin im Schloss beschäftigt war, und behauptet zu wissen, wo der Schatz liege.

Als die drei einen geheimen Zugang zur Abtei entdecken, werden sie vom „Schwarzen Abt“ beobachtet. Sowohl Mary Wenner, Arthur Gine und Fabian Gilder als auch der Abt selbst, der sich als verkleideter Diener von Lord Chelford entpuppt, werden erschossen. Als Leslie Gine sich daraufhin entschließt, die Verlobung mit Lord Chelford zu lösen, wird sie von diesem in die unterirdischen Gänge der Abtei verschleppt. Bei einem Schusswechsel bricht ein Teil des unterirdischen Ganges ein, wobei Lord Chelford verschüttet und der Schatz letztlich doch noch entdeckt wird. 

Rezension

Nachdem wir zuletzt mit „Die Tür mit den sieben Schlössern“ (1964) ein Highlight der Reihe beschrieben haben, kommen wir mit „Der schwarze Abt“ vor allem zu einem Film, der besonders viele typische Elemente enthält. Die Besetzung mit Joachim Fuchsberger, Eddi Arent, Klaus Kinski zeigt die Darsteller vereint, die entweder am häufigsten mitgespielt haben, oder die man am meisten mit diesen Genrekrimis verbindet. Manche wurden durch sie auch bekannt, das trifft sowohl auf Arent wie auf Kinski zu.

Man sollte meinen, 1963 sei der Höhepunkt der Wallace-Euphorie in Deutschand noch nicht erreicht gewesen, immerhin sind viele wichtige Filme erst nach „Der schwarze Abt“ entstanden. Tatsächlich jedoch gingen die Zuschauerzahlen bereits zurück. „Der schwarze Abt“ zählt mit 2,7 Millionen Kinokartenkäufern zwar zu den stärkeren Publikumsmagneten, aber bereits im Jahr vorher war der Höhepunkt erreicht – mit 3,6 Millionen Kinokarten für „Das Gasthaus an der Themse“. Nach „Der schwarze Abt“ kam kein Film mehr, der sich mehr zahlende Zuschauer sichern konnte als dieser – obwohl etwa „Der Hexer“ aus dem Folgejahr und einige weitere Filme insgesamt stärker zu bewerten sind.

Doch ein Abnutzungseffekt ist nun einmal nicht zu vermeiden, wenn jedes Jahr mehrere Filme zu Werken eines einzigen Schriftstellers erscheinen, der zudem sehr mit Genre-Versatzstücken arbeitet. In „Der Schwarze Abt“ wird das besonders deutlich, wenn man entweder einige der Bücher kennt oder bereits über mehrere Wallace-Filme reflektiert hat. Es ist nichts Falsches an diesem Werk, wenn man es mit den übrigen Krimis der Reihe vergleicht und nicht unzulässige Kunstfilm-Maßstäbe anlegt.

Allerdings gibt es auch für Unterhaltungskrimis Kriterien, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Eines der wichtigsten ist eine gut gebaute Handlung. Vielleiht ist das Buch von Edgar Wallace ähnlich chaotisch wie der Film, aber dann hätte man im Wege der kinematografischen Verdichtung auch entflechten müssen. Bis man die Relationen der Personen zusammengesetzt hat, ihre Motive, ihre Hintergründe, das dauert viel zu lang. Sicher wird dadurch, dass alle irgendetwas gegeneinander – in der Hand – haben, eine gewisse Spannung erzeugt, aber dadurch, dass dies so gewollt wirkt, gleich wieder aufgehoben.

Obwohl zum Beispiel Dick Alford Lord Chelford duzt, erfahren wir erst sehr spät, dass Alford nicht nur Gutsverwalter, sondern auch mit Chelford verwandt ist. Warum eigentlich? Damit alles maximal verrätselt wirkt? Kein Wunder, dass Inspektor Puddler geradezu seherische Fähigkeiten entwickeln muss, um der Lösung des Falles näherzukommen – denn wirklich ermitteln kann er in diesem Gestrüpp nicht, das sich im Schloss und um das Schloss herum befindet. Kriminaltechnik gab es, das wissen wir aus anderen Wallace-Filmen, in den 1960ern auch noch nicht, aber hier wäre im Grunde die Möglichkeit zur DNA-Analyse vonnöten gewesen, um Mörder und Ermordete, die sich im Lauf der Zeit ansammeln – Angeschossene mitgerechnet – zuzuordnen.

Sicher macht es Spaß, eine Handlung zu entwickeln, in der jeder jedem anderen an den Karren fahren kann, wenn er will, wodurch das Verdächtigentableau höchst unübersichtlich gerät, aber es gibt einen Punkt, an dem das Konstruierte zu konstruiert wirkt. Meistens wird das so gelöst, dass alle potenziellen Täterfiguren ins Schloss geladen werden und dort übernachten müssen, der Strom ausfällt und alles Land unter ist oder ähnliche Katastrophen. Während der Katastrophenlage lichten sich die Reihen und die leeren Stühle in der großen Halle werden stündlich mehr. Das ist zwar auch an den Haaren herbeigezogen, aber als Zuschauer hat man eine klarere Struktur an der Hand bzw. vor Augen.

In „Der schwarze Abt“ hingegen herrscht ein nächtlicher Betrieb in und bei der Gruft, der vielleicht komisch sein soll, aber wenn nicht, dann ist er’s auf unfreiwillige Weise. Doch, es ist witzig, weil es so verschroben wirkt. Und weil das so ist, wird man immer wieder daran erinnert, dass die deutschen Edgar Wallace-Filme in vieler Hinsicht Sonderfälle des Kinos darstellen.

Was hingegen fehlt, ist die Komik bei den wichtigen Figuren, die bei den Vohrer-Filmen in ein Gesamtkonzept gesteigerter Skurrilität eingebunden sind. Hier muss es Eddi Arent als subalterner Kriminaler alleine richten, und das ist eine ganz schöne Last, zumal, wenn wieder Joachim Fuchsberger, dieses Mal nicht als Inspektor Higgins, sondern als Dick Alford, die Hauptrolle spielt. Aber: So schlecht schaut seine Leistung dabei nicht aus. Wenn man gerade „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ rezensiert hat, der ja aus derselben Zeit stammt und damit ähnliche zeittypische Schauspielerführung aufweist, merkt man den Unterschied aber deutlich. Wie wäre ein Peter van Eyck in der Rolle gewesen? Dominanter, so viel steht fest. Einen Besetzungslink zum letzten Fritz Lang-Film gibt es aber auch: Werner Peters spielt in beiden Kinostücken mit – wobei Lang ihn entgegen den meisten anderen Regisseuren als zwielichtig, letztlich aber als positive Figur besetzt. F. J. Gottlieb hingegen verlässt sich darauf, dass Peters absolut geeignet ist, einen fiesen Erpresser zu geben, der hinter Frauen her ist, die „außerhalb seiner Reichweite“ sind.

Frauen funktionieren nach dem üblichen Schema, endweder hilflos und als Rettungsobjekt für starke Männer, oder sie sind auf der dunklen Seite und dort eine treibende Kraft. Manchmal müssen die Frauen auch eine Doppelrolle erfüllen. So soll Grit Boettcher als Leslie Gine ihren bankrotten Bruder retten, indem sie Lord Chelford heiratet, während dieser seinerseits nichts von der Schieflage im Haus Gine weiß und denkt, Leslie sei vermögend. Diese liebt aber Dick Alford und so ist der Schluss programmiert. Schön, dass die schönen Mädchen in den Wallace-Film zwar immer in Gefahr geraten, sodass man mitfiebern darf, aber natürlich überleben sie das alles, um mit ihrem Helden zum Traualter schreiten zu können. Es gibt ein paar Ausnahmen, in denen Frauen aktive, manchmal sogar überraschend angelegte Rollen übernehmen, wie im Frühwerk „Der rote Kreis„, den Film haben wir aber erst anlässlich der Wallace-Werkschau 2019/2020 gesichtet.

Typische Merkmale von Edgar Wallace-Filmen gemäß Wikipedia (kursiv) und unsere Anmerkungen zum jeweiligen Film:

  • Regie: Kein Regisseur hat den Stil der Edgar-Wallace-Filme mehr beeinflusst als Alfred Vohrer. Der erfahrene Synchronregisseur inszenierte 14 Filme der Serie, darunter Klassiker wie Die toten Augen von London, Das Gasthaus an der Themse und Der Hexer. Die leicht übertriebene Schauspielführung und die pointierte Schnitt- und Zoomtechnik sind für praktisch alle Film- und Fernseharbeiten Vohrers typisch.
    • Dort heißt es weiter: Die eher routinemäßig arbeitenden Regisseure Franz Josef Gottlieb (drei Filme) und Harald Philipp (ein Film) hatten mit ihren Wallace-Adaptionen eher die Funktion, Vohrers und Reinls Stile zu kopieren.
    • Welchen Stil hat Gottlieb nun aber kopiert? Den eher dramatischen und etwas ruhigeren Reinl-Stil wohl eher nicht, aber auch Vohrers teilweise exzentrische Art ist nicht unbedingt auszumachen.
    • Hinreichend Spannung ist gewährleistet – vor allem aber, und das ist ein ziemlich fieser Handlungstrick, weil es zwei schwarze Äbte gibt. Dass einer davon Dick Alford ist, wirkt schon deshalb kurios, weil er einfach nicht den Typ darstellt, der in eine Kutte schlüpft, um unangenehme Besucher vom Schloss fernzuhalten, damit Vetter Harry in aller Ruhe weiter nach dem Schatz forschen kann. Dass dieser Schatz dann aus der Decke kippt, nachdem ihn jahrhundertelang niemand finden konnte, weil sich ein Stein löst und nach ihm alle anderen, und dass der Schatz Harry unter sich begräbt, ist makaber, aber so geht’s, wenn man zu sehr hinter dem Geld her ist.
  • Darsteller: Die Besetzung mit bewährten Schauspielern in ähnlichen Rollen war typisch für die Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zu den meist reifen und besonnenen Ermittlern zählten Joachim Fuchsberger (13 Filme), Heinz Drache (acht Filme), Siegfried Lowitz (vier Filme), Harald Leipnitz (drei Filme) oder Klausjürgen Wussow (zwei Filme). In den weiblichen Hauptrollen waren meist attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme) (…) zu sehen. (…) Komische Rollen übernahmen Eddi Arent (23 Filme), Siegfried Schürenberg (16 Filme) und Hubert von Meyerinck (vier Filme) (…).
    • Wir schrieben bereits, dass dieser Film besonders mit typischen Wallace-Darstellern gspickt ist. Beim Addieren, haben wir festgestellt, kommen wir auf Schauspieler, die insgesamt 50 Einsätze in Wallace-Filmen vorweisen: Joachim Fuchsberger, Eddi Arendt, Klaus Kinski. Dieter Borsche als Harry kommt nur auf zwei Wallace-Filme, auch Grit Boettcher ist kein typisches Wallace-Girl, im Gegensatz etwa zu Karin Dor, Brigitte Grothum oder Karin Baal (fünf bzw. jeweils drei Filme).
  • Titel: Die Filmtitel, die meist den Romantiteln entsprachen, sollten beim Publikum eindeutige Assoziationen mit dem Genre des Edgar-Wallace-Films hervorrufen. So verbarg sich hinter vielen Titeln ein eindeutiger Hinweis auf den Hauptverbrecher des Films (Der grüne Bogenschütze, Der Zinker, Der Mönch mit der Peitschea.).
    • „Der schwarze Abt“ entspricht prototypisch, wie so vieles an diesem Film, dem obigen Schema. Man könnte einmal, unabhängig von der Qualität der einzelnen Filme, untersuchen, ob die eher auf Sachen bezogenen Titel weniger Zuschauer anzogen als diejenigen, die auf gruselige Verbrechertypen hindeuten – die allererfolgreichsten Filme aber, „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ und „Das Gasthaus an der Themse“ führen keine Person oder Personenmehrheit im Titel. Aber so ein Gasthaus an der Themse ruft ja auch neblig-dunkle Gefühle wach und ist sicher ein Hort des Verbrechens. Dadurch wird die Erwartung vielleicht sogar übertroffen, die man einem einzelnen, maskierten Rächer oder Verbrecher entgegenbringt.
  • Handlung: Die Handlungselemente der Edgar-Wallace-Filme waren ähnlich angelegt. So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel.
    • Der Kuttenmönch ist genau jener Typ, der oben beschrieben wird. Der Whodunit wird dadurch übertrieben, dass es zwei auf die gleiche Weise maskierte Personen gibt. Dass Habgier das Motiv darstellt, ist so deutlich, dass man’s auch als übertrieben bezeichnen kann – in kaum einem anderen Wallace-Film ist so viel von konkreten oder weniger spezifizierten Geldsummen die Rede wie hier (die gefälschten Wechsel von Gine, die gewonnen Wettsummen von Gilder, das verwettete Vermögen von Gine, der Wert des Schatzes der Chelfords usw.). Da geraten selbst nette Menschen in den Verdacht, alles nur des Geldes wegen zu tun.
  • Handlungsorte: Der (hauptsächliche, A. d. Verf.) Handlungsort war, wie in den Romanvorlagen, fast immer London und Umgebung, wobei sich die Akteure vorwiegend in alten Schlössern, Herrenhäusern oder Villen bewegten. Auch verruchte Nachtlokale, düstere Blindenheime, Irrenanstalten und finstere Kellergewölbe waren beliebte Haupt- und Nebenschauplätze der Handlung. In späteren Filmen kamen Mädchenheime und -pensionate hinzu. Die tatsächlichen Drehorte befanden sich aufgrund geringerer Produktionskosten jedoch selten in Großbritannien sondern in Deutschland. So dienten vor allem Straßen in Berlin und Hamburg. (…) Als Kulisse für London-Szenen. Für die nötige Authentizität in den Filmen sorgten oft allein Archivaufnahmen Londons, die man in die Filme einfügte.
    • Ein typisches Element der Wallace-Filme fehlt: Es gibt überhaupt keine Londoner Szenen, was dem Film aber nicht wesentlich schadet. Im Gegenteil, die Archivaufnahmen wirken teilweise ganz schön künstlich, auch, weil die Materialqualität nicht der des restlichen Films entspricht. Nur wenige Filme zeigen echter Londoner Szenen – das waren sozusagen die Wallace-Luxusausgaben, mit denen man dem Publikum mehr Authentizität bieten wollte. Aber auch in diesen Fällen spielten so wenige Szenen in London, dass das Filmteam wohl mit einer Übernachtung auskam, nur wenige Darsteller mitnehmen musste und die Produktionskosten durch Filming on Location nicht zu sehr ins Kraut schossen. Dominierend ist natürlich das Schloss mit der Abtei von Fossaway, was sich von selbst versteht, wenn irgendwo im Gewölbe ein Schatz verborgen sein soll. Der Brunnen mit dem vergitterten Fenster könnte direkt einem spannenden Fünf—Freunde-Buch entnommen sein, wie im Grunde die gesamt Schatzsuche. Die Frage nach dem Huhn und dem Ei erübrigt sich, so genau wollen wir’s nun auch nicht nehmen, zumal die Verbindung ohnehin eine Spekulation unsererseits darstellt.
  • Vorspann: Die meisten Edgar-Wallace-Filme begannen mit einem spektakulär in Szene gesetzten Mord. Dann folgte der Vorspann des Films, der ab 1961 (bis auf zwei Ausnahmen) farbig gestaltet war (der Rest des Films war Schwarzweiß). Schon die Gestaltung der Namensnennung mit blutroten oder giftgrünen Buchstaben sollte einen spannenden Film ankündigen. Um der Serie einen noch höheren Wiedererkennungswert zu verleihen, wurde der Vorspann der Wallace-Filme ab 1962 mit aus dem Off erklingenden Schüssen und dem Satz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ eröffnet. Dieser Satz wurde in einigen Fällen von Regisseur Alfred Vohrer
    • Der Abt ermordet den Strohmann Smoother in der Tat vor dem Vorspann, der bereits farbig ist – es gibt die Stimme aus dem Off, es gibt die Blutkleckse, aber noch nicht die darin „eingravierten“ Initialen von Edgar Wallace.
  • Musik: Besonders prägnant gerieten auch die Soundtracks der Filme, vor allem die oft reißerische und eingängige Titelmusik. Die Musik von insgesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, der mit seinen phantasiereichen Arrangements und modernen Aufnahmetechniken der markanteste und dominanteste Komponist der Serie war. Während die Soundtracks von Martin Böttcher (fünf Filme), Willy Mattes (zwei Filme) oder Peter Sandloff (ein Film) eher aus zeitlosem Orchestersound mit Easy-Listening-Charakter bestanden, griffen Heinz Funk (drei Filme) und Oskar Sala (ein Film) auch auf neue Techniken der elektronischen Musik und experimentelle Kompositionen zurück.
    • Der Begriff „Easy Listening“ ist übertrieben, Martin Böttcher, der quasi gleichzeitig die berühmte Winnetou-Musik schrieb, hat sich sehr wohl bemüht, angemessen Gruseliges zu komponieren. Lediglich erreicht er dabei nicht die situationsbezogene Kreativität von Peter Thomas – wird zum Beispiel bei Letzterem ein Eulenschrei ganz pointiert eingesetzt, ist er in Boettchers Score sozusagen dauerpräsent, was seine Wirkung verständlicherweise mindert. Wenn Eddi Arent alleine auftritt, erhält er auch eine eigene Musik, die nicht spannend, sondern gemütlicher klingt und für die klangliche Untermalung des Fünf-Uhr-Tees geeignet ist.

Fazit

Dass wir zu diesem Film weniger schreiben als zu den bisher gesichteten, liegt nicht nur daran, dass er etwas weniger an Besonderheiten aufweist, sondern leider auch daran, dass wir im Moment erheblich unter Zeitdruck stehen und sich wieder stapelweise neue Filme ansammeln, die rezensiert werden wollen, so dass der Gesamtbestand an „noch zu schreiben über“ neue Höhen erreicht. Vermutlich umfasst das Gesamtarchiv auf VHS, DVD und zwei Festplattenrekordern nun mehr als 300 Filme, desweiteren gibt es ca. 250 unveröffentlichte und geschriebene Rezensionen. Auch diese müssen für die Veröffentlichung aufbereitet werden, was zwischen 30 und 60 Minuten dauert.

Vielleicht nehmen wir diese Anmerkung in eigener Sache später wieder raus, aber jetzt musste sie mal sein. Nachtrag 2020: Haben wir nicht getan. Die Routine läuft derzeit wesentlich flüssiger, aber der Bestand an nichtveröffentlichten Artikeln ist auf über 2.000 angewachsen, davon über 80 Prozent für die Rubriken Crimetime und Filmfest. Unabhängig davon, wie viel Zeit wir investieren können und wie die persönliche Situation ist, wir versuchen das weitgehend aus den Bewertungen rauszuhalten. Was Kritiker normalerweise niemals schreiben: Selbstverständlich wirkt sich auch deren Stimmung darauf aus, wie sie Filme wahrnehmen und rezensieren, denn Medien, zumal das „Alle-Sinne-Medium“ Film, sprechen nun einmal auch die Emotionen stark an und was an einem Tag passen kann, nervt vielleicht an einem anderen.

„Der schwarze Abt“ ist ansehnlich, daran besteht kein Zweifel, aber seltsamerweise ist gerade das besonders Typische an ihm eher eine Schwäche – es gibt keine herausragenden Elemente, wenig Ecken und Kanten. Hinzu kommt ein Plot, der offenbar von der Regie nicht jederzeit im Griff zu behalten war – und da wir häufig Kriminalfilme rezensieren, meinen wir, die Tatsache, dass wir anfangs nicht folgen konnten, beruht auf einer recht konfusen Handlungsführung. Mithin, sie ist nicht nur subjektives, möglicherweise gar der oben erwähnten derzeitigen Disposition entspringendes Empfinden.

66/100 

© 2020 (Entwurf 2014) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

  1. Das „Special Edgar Wallace“ im Wahlberliner:

Begleitartikel „Special Edgar Wallace“ (Update)
FFA 61 Der Frosch mit der Maske
FFA 63 Der Rächer
FFA 65 Der grüne Bogenschütze
FFA 67 Die toten Augen von London
FFA 70 Der rote Kreis
FFA 72 Das Geheimnis der gelben Narzissen
FFA 74 Die seltsame Gräfin
FFA 76 Das Rätsel der roten Orchidee
FFA 78 Die Tür mit den sieben Schlössern
FFA 80 Das Gasthaus an der Themse
FFA 83 Die Bande des Schreckens
FFA 85 Der Zinker
FFA 88 Der schwarze Abt (dieser Beitrag)

Regie Franz Josef Gottlieb
Drehbuch Johannes Kai,
Franz Josef Gottlieb
Produktion Rialto Film
(Horst Wendlandt, Preben Philipsen),
Les Films Jacques Leitienne
Musik Martin Böttcher
Kamera Richard Angst
Schnitt Hermann Haller
Besetzung

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