Der unheimliche Mönch (D 1965) #Filmfest 107 #EdgarWallace

Crimetime 107 A "Special Edgar Wallace" (19)

Der Schock am Ende – die Enttarnung

Die Handlung in einem Satz, ohne Auflösung: Auf dem Schloss mit dem programmatischen Namen Darkwood stirbt der Schlossherr, es entspinnt sich ein Erbstreit zwischen den Nachkommen, desweiteren treibt ein unheimlicher Mönch sein Wesen und ein zweiter Handlungszirkel um ein im Schloss ansässiges Mädchenpensionat und dessen Schülerinnen kommt ins Rotieren, Mädchen verschwinden, der Mönch mordet mit einer Peitsche, an deren Ende eine Bleikugel festigt ist, welche bei den Opfern einen Genickbruch verursacht.

Bei den Edgar Wallace-Filmen wird es uns nicht gelingen, wie bei den nur vier Miss Marple-Produktionen, die etwa zur selben Zeit in Großbritannien entstanden, chronologisch zu rezensieren. So schreiben wir im ersten Beitrag zur Serie über den bereits 24. Film der deutschen Edgar Wallace-Nachkriegs-Produktionen, die von 1959 bis 1972 realisiert wurden und unsere 19. Rezension im Rahmen des „Special Edgar Wallace“. (2)

Zweifellos gehört „Der unheimliche Mönch“ aber zu den prägnanten Filmen der Reihe und ist

  • der letzte Wallace-Film, der in Schwarz-Weiß gedreht wurde,
  • der letzte Wallace-Film, der in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte (2,6 Millionen), den Rekord hält „Das Gasthaus an der Themse“ aus dem Jahr 1962 mit 3,6 Millionen Kinobesuchern vor „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ gedreht 1961, mit 3,5 Millionen,
  • die Uraufführung von „Der unheimliche Mönch“ fand am 17. November 1965 im Passage-Kino in Saarbrücken statt, gedreht wurde in Westberlin, Hamburg, Niedersachsen und London,
  • die effektvolle Auflösung ist auch einer besonderen Rollenbesetzung zu verdanken, darüber mehr in der Rezension,
  • der Film ist, wie die meisten der Serie, eine deutsch-dänische Coproduktion der Rialto Film mit dem Investor Preben Philipsen (die Rialto hatte allerdings schon ab dem dritten Film eine deutsche Niederlassung gegründet, sodass die Filme produktionsseitig als deutsch gelten).

Handlung mit Auflösung (Wikipedia)

Im Sterben liegend, unterzeichnet der alte Schlossherr von Darkwood sein Testament. Es benennt seine Tochter Patricia als Erbin des Anwesens, auf dem sie ein Mädchenpensionat führt, und die Enkelin Gwendolin, die das restliche Vermögen erben soll. Doch Richard, der älteste Sohn des Schlossherrn, testamentarisch enterbt, bringt das Testament in seinen Besitz und fordert, da beim Fehlen eines Testaments die Kinder des Schlossherren zu gleichen Teilen erben würden, von seinem Bruder William, seiner Schwester Patricia sowie deren Sohn Ronny eine Generalvollmacht, die ihm das gesamte Vermögen zuschreibt, mit Ausnahme von 10 % für jeden der Geschwister. Andernfalls würde er das Testament veröffentlichen und keiner der anderen erhielte einen Anteil.

Patricia lädt, um den Schutz Gwendolins besorgt, diese zu sich ins Schloss ein. Sie fordert zudem Schutz von Scotland Yard, da bei Schloss Darkwood eine vermummte Erscheinung in Mönchskutte ihr Unwesen treibt. Erst nach der Ermordung eines Inspektors in der Nähe des Schlosses sieht Sir John die Ermittlungen als notwendig an, aber es bedarf noch eines Mordes an einem Mädchen, bevor Sir John und Inspektor Bratt die Vernehmung vor Ort durchführen und zusätzliche Polizeibeamte postieren. Die Ereignisse überschlagen sich – wiederholt verschwinden Mädchen, und auch weitere Morde fordern einen schnellen Ermittlungserfolg von Scotland Yard.

Inspektor Bratt gelingt es im Zuge seiner Ermittlungen, den unheimlichen Mönch zu stellen. In einem dunklen Keller gelingt es dem unheimlichen Mönch in allerletzter Sekunde, vor Inspektor Bratt zu fliehen – jedoch nicht, ohne von Inspektor Bratt angeschossen zu werden. Der Mönch flieht in seinem Auto und lässt Inspektor Bratt eingesperrt zurück. Bratt schafft es, sich zu befreien und nimmt die Verfolgung in einem Polizei-Auto auf. Gwendolin wurde derweil entführt und in eine vornehme Villa gebracht, wo sie warten soll. Der Mönch hatte ihr Beweise für die Unschuld ihres Vaters, der wegen Mordes im Zuchthaus sitzt, versprochen. Doch auch Richard kommt in dieses Haus und versucht, Gwendolin zu erpressen.

Der unheimliche Mönch kommt endlich nach Hause und spielt ihr ein Tonband mit dem Eingeständnis Richards, dass Gwendolins Vater von den Brüdern ins Gefängnis gebracht wurde. Dann gelingt es dem unheimlichen Mönch, Richard zu ermorden, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon schwer verwundet ist. Inspektor Bratt stürmt in das Haus, und der unheimliche Mönch bricht tot zusammen. Bei der Lüftung der Maske kommt es für alle zu einer großen Überraschung, denn jeder hatte einen anderen als den Mörder vermutet. Kein anderer als der so unscheinbare Smith verbarg sich unter der Mönchskutte!

Rezension

Der eingangs angesprochene Effekt liegt also darin, dass man Eddie Arent, der in nicht weniger als 23 Edgar Wallace-Filmen spielte, gegen seine sonstige, ausschließlich humorvollen Rollen besetzte, andererseits in einer klassischen Diener- oder Butler-Rolle. Es fällt auf, dass er verhaltener agiert als sonst üblich, man rechnet dennoch nicht ohne Weiteres damit, dass er der unheimliche Mönch ist, der Chef einer Mädchenhändlerbande, der sich aber in die Erbin Gewendolin verliebt und dadurch in einen Zielkonflikt gerät. Das ist eine interessante Konstellation, die am Ende beinahe anrührend wirkt.

Auch Siegfried Lowitz („Der Alte“) ist, anders als bei den meisten seiner Auftritte in der Reihe, als trickreicher Anwalt und Erbe, der sich Vorteile verschaffen will, besetzt, und nicht als Polizist.

Der Film ist spannend, aktionsreich für damalige Verhältnisse, hat eine gute Portion Humor, wobei dieses Mal der Part, solchen zu produzieren, vor allem beim Polizeichef Sir John liegt, von Siegfried Schürenberg routiniert und sympathisch gespielt.

Sehr britisch wirkt der Film nicht, aber das hat er mit den anderen Edgar Wallace-Filmen deutscher Provenienz gemeinsam, aber trotzdem hat er eine gute Atmosphäre mit alten Schlossmauern, geheimnisvollen Figuren, schönen Außenaufnahmen in nebeligen Wäldern und hübsche Darstellerinnen wie die Frau des Regisseurs, Karin Dor und Uschi Glas, die in diesem frühen Film eine Pensionats-Schülerin spielt und noch mit ihrem richtigen Namen Ursula im Vorspann genannt ist.

Karin Dor spielte wenig später als Bond-Girl und unter Alfred Hitchock in „Topaz“, damit wäre ihr beinahe eine Weltkarriere gelungen; Uschi Glas erzielte ihren deutschen Durchbruch zwei Jahre später mit dem Light-Werk innerhalb des „Jungen deutschen Films“, der den Namen „Zur Sache, Schätzchen“ trägt.

Wir haben uns entschlossen, die Besprechungen der Edgar Wallace-Filme in gewisser Weise zu standardisieren, indem wir sie anhand typischer Merkmale kritisieren, wie sie im Wikipedia-Artikel zur Serie genannt sind.

  • Regie: (…) Nicht viel weniger Einfluss auf die Serie (als Alfred Vohrer mit seinem eher ekstatischen und effektvollen Stil, A. d. Verf.) hatte Harald Reinl, zu dessen fünf Edgar-Wallace-Filmen das erste Werk zur Reihe Der Frosch mit der Maske sowie die Höhepunkte Die Bande des Schreckens und Der unheimliche Mönch zählen. Typische Merkmale der Filme des einstigen Heimat- und Bergfilm-Regisseurs sind stimmungsvolle Außenaufnahmen mit langen Kamerafahrten und -schwenks. Stilmittel, die Reinl vor allem auch in den durch ihn geprägten Karl-May-Filmen angewendet hat. (…)
    • In „Der unheimliche Mönch“ inszeniert Reinl vor allem den Schlosspark und einen naheliegenden Wald sehr atmosphärisch, hat aber auch ein Gespür für die Innendekors. Die Figuren wirken ein Quäntchen natürlicher als in den Vohrer-Filmen der Serie und natürlich setzt Reinl seine Frau, Karin Dor, so in Szene bzw. in Nahaufnahmen oder Super-Nahaufnahmen, dass ihre bekanntermaßen wunderschönen Augen gut zur Geltung kommen. Eine deutliche Aufmerksamkeit liegt auf dem juristischen Tatbestand eines Testaments und wie man versucht, es verschwinden zu lassen und wie eine Kopie davon von einem der Erben eingesetzt wird, um die anderen zu erpressen (1).
  • Darsteller: Die Besetzung mit bewährten Schauspielern in ähnlichen Rollen war typisch für die Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zu den meist reifen und besonnenen Ermittlern zählten Joachim Fuchsberger (13 Filme), Heinz Drache (acht Filme), Siegfried Lowitz (vier Filme), Harald Leipnitz (drei Filme) oder Klausjürgen Wussow (zwei Filme). In den weiblichen Hauptrollen waren meist attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme) (…) zu sehen. (…) Komische Rollen übernahmen Eddi Arent (23 Filme), Siegfried Schürenberg (16 Filme) und Hubert von Meyerinck (vier Filme) (…).
    • Der Trick in „Der unheimliche Mönch“ ist, dass Leipnitz, Dor, Schürenberg so eingesetzt werden, wie oben beschrieben – Eddie Arent jedoch ist entgegen den Erwartungen der geheimnisvolle Verbrecher, dessen Vorgehen darin besteht, sich als Diener in Mädchenpensionaten einzurichten, um von dort aus seinen Mädchenhändler-Ring zu bestücken. Kritisch in dem Zusammenhang: Den lange auf dem Schloss ansässigen Erben, besonders der Pensionatsbetreiberin Lady Patricia (Ilse Steppat) hätte auffallen müssen, dass der Mönch genau in dem Moment anfängt, sein Unwesen zu treiben, in dem das neue Personal seinen Dienst antritt.
  • Titel: Die Filmtitel, die meist den Romantiteln entsprachen, sollten beim Publikum eindeutige Assoziationen mit dem Genre des Edgar-Wallace-Films hervorrufen. So verbarg sich hinter vielen Titeln ein eindeutiger Hinweis auf den Hauptverbrecher des Films (Der grüne Bogenschütze, Der Zinker, Der Mönch mit der Peitschea.).
    • Dieses Muster hat man auch im 24. Wallace-Film der deutschen Serie angewendet.
  • Handlung: Die Handlungselemente der Edgar-Wallace-Filme waren ähnlich angelegt. So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel.
    • In „Der unheimliche Mönch“ sind alle diese Elemente prototypisch zu sehen, weshalb der Film geradezu ein Lehrstück für das Verständnis der Serie darstellt. Es gibt die Erben, die gegenseitig versuchen, sich ums Geld zu bringen und den Mann in der Kutte, sowie dessen Funktion als Mädchenhändler, der Pensionatsschülerinnen nach Übersee verkauft.
  • Handlungsorte: Der (hauptsächliche, A. d. Verf.) Handlungsort war, wie in den Romanvorlagen, fast immer London und Umgebung, wobei sich die Akteure vorwiegend in alten Schlössern, Herrenhäusern oder Villen bewegten. Auch verruchte Nachtlokale, düstere Blindenheime, Irrenanstalten und finstere Kellergewölbe waren beliebte Haupt- und Nebenschauplätze der Handlung. In späteren Filmen kamen Mädchenheime und -pensionate hinzu. Die tatsächlichen Drehorte befanden sich aufgrund geringerer Produktionskosten jedoch selten in Großbritannien sondern in Deutschland. So dienten vor allem Straßen in Berlin und Hamburg. (…) Als Kulisse für London-Szenen. Für die nötige Authentizität in den Filmen sorgten oft allein Archivaufnahmen Londons, die man in die Filme einfügte.
    • Auch hier fasst „Der unheimliche Mönch“ wichtige Elemente zusammen. Er spielt in erster Linie auf Schloss Darkmoor, in dem Lady Patrica auch ein Mädchenpensionat eingerichtet hat bzw. zwölf ihrer Schülerinnen hat sie dort urlaubsmäßig einquartiert. Gemäß den Angaben zum Film wurden aber wirklich Szenen in London gedreht und die Bushaltestelle an der Themse wirkt nicht wie mit Reproduktion hinter echten Personen gefilmt. Erstaunlich ist diese Tatsache schon, denn es gibt nur wenige Szenen in der englischen Hauptstadt. Möglich, dass Uschi Glas und Dunja Raiter, die darin zu sehen sind, ins Flugzeug gesetzt wurden und ein britisches Filmteam die wenigen Momente vor Ort aufnahm und nach Deutschland schickte oder nur ein Kamerateam und / oder der Regisseur dabei war, denn dass für ein oder zwei Minuten der gesamte Produktionsstab nach London flog oder fuhr, wäre angesichts der Vorgabe, die Wallace-Filme budgetseitig nicht ausufern zu lassen, zumindest unökonomisch gewesen, trotz der gesteigerten Authentizität, die Originalaufnahmen zweifelsfrei vermitteln.
  • Vorspann: Die meisten Edgar-Wallace-Filme begannen mit einem spektakulär in Szene gesetzten Mord. Dann folgte der Vorspann des Films, der ab 1961 (bis auf zwei Ausnahmen) farbig gestaltet war (der Rest des Films war Schwarzweiß). Schon die Gestaltung der Namensnennung mit blutroten oder giftgrünen Buchstaben sollte einen spannenden Film ankündigen. Um der Serie einen noch höheren Wiedererkennungswert zu verleihen, wurde der Vorspann der Wallace-Filme ab 1962 mit aus dem Off erklingenden Schüssen und dem Satz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ eröffnet. (…)
    • Den Mord sehen wir auch hier, er stellt allerdings nicht die erste Szene dar. Das bedeutet, dass wie in vielen modernen Filmen erst die Handlung mit einem „Aufhänger“ einsetzt und dann der Vorspann kommt – allerdings meist, während eine Szene weiterläuft, das war in den Wallace-Filmen noch nicht der Fall. Der Mord ist hier der provozierte Unfall des Notars, der das Originaltestament bei sich führt, dessen Jaguar während des Vorspanns in Farbe in Flammen aufgeht, eine halbe Sekunde zu spät wechselt der Film dann wieder ins traditionelle Schwarz-Weiß (die Folgeszene ist noch für diese halbe Sekunde in blaugrün gehalten). Auch den gesprochenen Satz gibt es hier (wenn wir uns richtig erinnern, allerdings ohne das oben erwähnte „Hallo“).
  • Musik: Besonders prägnant gerieten auch die Soundtracks der Filme, vor allem die oft reißerische und eingängige Titelmusik. Die Musik von insgesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, der mit seinen phantasiereichen Arrangements und modernen Aufnahmetechniken der markanteste und dominanteste Komponist der Serie war.
    • Ohne die exzessiv eingesetzten Klangelemente von Peter Thomas würde diesem Film etwas Wichtiges fehlen. Der Mönch hat ein eigenes, sehr eingängiges Thema, das in einer Szene mit Diener Smith auf ganz dezente Weise anklingt. Dieser Hinweis hat zumindest bei uns nicht dazu geführt, dass wir ihn vorzeitig als Verbrecher enttarnen konnten. Auch die Vielzahl der Melodien beeindruckt, und wie für heutige Verhältnisse unbekümmert und kräftig sie jeweilige Szenen stimmungsseitig unterstreichen, in vielen Fällen sogar steuern. Man merkt dem Film aber an, dass er neueren Datums ist als einige andere Wallace-Klassiker, denn es gibt auch modernere Arrangements, in denen sich die Popmusik der Zeit schon spiegelt. In einer Szene mit den Mädchen, wie sie vor dem Schloss tanzen, ist eine Beatles-Platte neben einem Grammophon zu sehen – so weit geht man hier allerdings nicht, ein Originalstück der Beatles abzuspielen oder gar in ein dem Film entsprechendes Arrangement umzusetzen.

Fazit

Mit „Der unheimliche Mönch“ nehmen nicht nur Harald Reinl als Regisseur sowie seine Frau Karin Dor als Darstellerin Abschied von der Serie, er ist auch der letzte der „Klassiker“ in Schwarz-Weiß. Wenn man so will, fasst er alles, was man bis dahin in der Serie gezeigt hatte, noch einmal zusammen und weist daher eine reiche Anzahl an Handlungselementen und viele typische Figuren auf. Der Inszenierungsstil entspricht, bis auf kleine Modernisierungen u. a. bei einigen Musikpassagen, dem seit 1959 erprobten und bewährten Konzept.

Ein Meilenstein der Reihe ist „Der unheimliche Mönch“ nicht, aber er hat die Atmosphäre und den Thrill vieler früherer Produktionen und ist vergnüglich anzuschauen. Dass wir heute nicht mehr vor Spannung platzen oder uns Schauer über den Rücken laufen, hat nicht nur damit zu tun, dass zuhause fernsehen eben doch anders ist als im Kino sitzen, sondern mit den veränderten Sehgewohnheiten unserer Zeit. Mitte der 1960er waren die Edgar Wallace-Filme beinahe als Reißer anzusehen, nach Jahrzehnten Action-Kino und immer blutigerer Gewalt im Film stellt sich fast ein nostalgisches, gemütliches Gefühl ein.

Trotzdem ist der Schluss hier überraschend, und das unterscheidet den „Mönch“ positiv nicht zuletzt von vielen heutigen Serien-Krimis.

Wir gehen mit der Serie und dieser Produktion weniger hart um als die zeitgenössische Kritik, die vor allem von den Zeitschriften-Rezensenten der Fachpresse geäußert wurde – auch, weil wir die Filme als das nehmen, was sie sind: gut gemachte Unterhaltung mit einer Art von Schmunzel-Humor, wie sie damals im deutschen Film selten war, aber kein Kino mit großer Botschaft und / oder künstlerischem Anspruch. Heute vermischt sich dies alles oft und wirkt bedeutsamer, als es ist, insofern sind die Wallace-Filme vor allem auch eines: ehrlich und eindeutig. Sie geben nicht vor, mehr zu sein, als sie sind, und das kommt bei uns an, die wir in einer Welt voller Zweideutigkeiten, Systemfragen, schwer zu fassenden Begrifflichkeiten und überdehnter Sinnsucherei leben. Ergänzung 2020: Angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre und der Umstände, unter denen wir gegenwärtig leben, war dieses anlässlich der Verfassung des Entwurfs im Jahr 2014 geschriebene Schlusswart geradezu prophetisch

69/100

© 2020 (Entwurf 2014) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

  1. Harald Reinl, von Beruf Jurist, kam als junger Mann mit einigen der größten deutschen Filmer der Vorkriegszeit zusammen und lernte von ihnen. Arnold Fanck, der Bergfilmer, war sein Entdecker, er arbeitete aber auch mit Leni Riefenstahl zusammen und man darf davon ausgehen, dass er auch politisch von Riefenstahl etc. geprägt wurde. 1955 verherrlichte er in „Solange du lebst“ den Einsatz der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg. Dass die zeitgenössische, in der Regel linksorientierte Kritik der seriösen Presse die Edgar Wallace-Filme sehr negativ sah, lag sicher auch daran, dass Männer mit rechter Gesinnung wie Reinl führend daran mitarbeiteten. Da Reinl schon beim ersten deutschen Wallace-Film „Der Frosch mit der Maske“ Regie führte und dieser nur vier Jahre nach „Solange du lebst“ entstand, war eine gewisse Grundhaltung der Kritik wohl von Anfang an vorgegeben. Ideologisch sind die Filme aber aus heutiger Sicht, mit einem Abstand von etwa 50 Jahren zur Entstehungszeit betrachtet, weitgehend als neutral einzuschätzen. Es gibt viele Krimi-Stereotypen und Wallace-Besonderheiten, die sogar eine Identifikation mit dem Verbrecher erlauben, aber weniger weltanschaulich-ethische Auffälligkeiten und Fragwürdigkeiten als in gewissen Tatorten neuen Datums (dazu u. a. hier und hier).
  2. Die übrigen Rezensionen innerhalb des „Special Edgar Wallace“, die bisher veröffentlicht wurden:

Begleitartikel „Special Edgar Wallace“ (Update)
Filmfest News 1 (beinhaltet das 2. Update zum „Special Edgar Wallace“ – vorliegender Artikel)
FFA 61 Der Frosch mit der Maske
FFA 63 Der Rächer
FFA 65 Der grüne Bogenschütze
FFA 67 Die toten Augen von London
FFA 70 Der rote Kreis
FFA 72 Das Geheimnis der gelben Narzissen
FFA 74 Die seltsame Gräfin
FFA 76 Das Rätsel der roten Orchidee
FFA 78 Die Tür mit den sieben Schlössern
FFA 80 Das Gasthaus an der Themse
FFA 83 Die Bande des Schreckens
FFA 85 Der Zinker
FFA 88 Der schwarze Abt
FFA 91 Das indische Tuch
FFA 94 Der Hexer
FFA 97 Neues vom Hexer
FFA 102 Der Fälscher von London
FFA 107 Der unheimliche Mönch (dieser Beitrag)

Regie Harald Reinl
Drehbuch J. Joachim Bartsch,
Fred Denger
Produktion Horst Wendlandt,
Preben Philipsen
Musik Peter Thomas
Kamera Ernst W. Kalinke
Schnitt Jutta Hering
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s