Babylon Berlin – die Serie | Staffel 3, Folge 1 (Gesamtfolge 17) | #Crimetime 822 #BabylonBerlin #Babylon #Berlin #ARD #Sky #DGR „Die große Rezension“

Crimetime 822 - Titelfoto und weitere Bilder © ARD Degeto / X-Filme / Beta Film / Sky Deutschland / Frédéric Batier | "Die große Rezension"

Überblick über die Situation in den Folgen 17 bis 19 (Staffel 3 Folgen 1 bis 3)

Berlin im September 1929: eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der immer noch jungen Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zum Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor überbordenden kreativen Energie der Stadt. „Babylon Berlin“ erzählt in der neuen, dritten Staffel die Geschichte des jungen Kommissars Gereon Rath weiter, der sich in den Illusionswelten des 20er-Jahre-Stummfilmkinos zu verirren scheint, während um ihn herum der Wahnsinn herrscht: Menschen verschulden sich, die Hochfinanz spekuliert auf den Untergang, und die rechtsnationale Partei versucht, Polizei und Verwaltung sukzessive mit kaltblütigen Mitteln zu unterwandern. Doch es gibt Hoffnung: Trotz Mord und Verzweiflung findet Rath Liebe und Solidarität, und die „Roaring Twenties“ spiegeln in all ihren Facetten Lebenshunger und Leidenschaft.

Kurzfassung der Handlung von Folge 17

Gereon Rath wird zu einem Tatort in das Filmstudio Babelsberg gerufen: Schauspielerin Betty Winter ist bei Dreharbeiten ums Leben gekommen. Indessen tritt Charlotte Ritter die langersehnte Prüfung zur Kriminalassistentin an.

Lang ersehnt, heiß erfleht, fast normal

Mich hat es auch gepackt, das Babylon-Fieber. Die ersten beiden Staffeln habe ich erst anlässlich einer Wiederholung in „das Erste“ für den Wahlberliner rezensiert, nun sind wir schneller und stellen die erste Folge der dritten Staffel noch vor der Fernsehausstrahlung vor – möglich ist das dadurch, dass die ARD-Mediathek sie zwei Tage vor der offziellen TV-Premiere anbietet,

die am 11.10.2020 um 20:15 für die ersten drei Folgen stattfinden wird.

Damit ersetzt „Babylon Berln“, anders als bei den ersten beiden Staffeln, auch die an Sonntagabenden übliche Tatort- oder Polizeiruf-Premiere. Möglicherweise hat man das so eingerichtet, weil die Corona-Krise den Ablauf der Dreharbeiten einiger Sonntagskrimis verzögert hat. Vielleicht geht es aber auch nur darum, „Babylon Berlin“ hervorzuheben und der Serie den bestmöglichen Sendeplatz zu verschaffen. Das entspräche dem nie zuvor gekannten medialen Aufwand im Vorfeld einer Serie, den die ARD und den die Produzenten für diese dritte Staffel betrieben haben: Ganz klar, mit Zuschauerzahlen von 3,5 bis 5 Millionen bei der ersten Vorstellung im Free TV will man sich dieses Mal nicht zufriedengeben. Als Erfolg dürfte es gelten, wenn die Erstausstrahlungen etwa so viele Menschen erreichen wie neue Tatorte oder Polizeirufe (in der Regel zwischen 8 und 10 Millionen Zuschauer*innen).

Anlässlich der dritten Staffel haben wir etwas geändert – wir geben jeder Rezension eine eigene Crimetime-Nummer, denn es hat sich herausgestellt, dass der Aufwand für jeden unserer nahezu szenengetreuen Berichte zuzüglich üblcher wertender Anmerkungen eher den einer unserer üblichen Tatortrezension übersteigt, als dass er niedriger liegt. Letzteres hatten wir vor dem Beginn mit Staffel 1 angenommen, weil eine Folge nur ca. 45 Minuten dauert. Wir binden in die Babylon-Berlin-Rezensionen stets mehrere Fotos ein und setzen Themenschwerpunkte wie den Börsencrash von 1929, zu dem wir aus gegebenem Anlass einige Zusatzinfos bereitstellen. Das vielleicht spektakulärste Foto vom Phantom der Babelsberger Filmstudios haben wir für die Folge 17 (die erste Folge der dritten Staffel) als Titelbild gewählt.

Was bisher geschah

Mit diesem klassischen Satz wird die Folge 17 eingeleitet. Danach folgt ein Abriss über die Staffeln 1 und 2. Weise beschränkt man sich dabei auf das, was in einer Form in Staffel 3 fortwirkt: Auf die persönliche Geschichte des Kommissars Gereon Rath (Volker Bruch). Sein Trauma wird thematisiert, das sich aus dem Ersten Weltkrieg herleitet und ihn drogenabhängig gemacht hat, denn er ist ein „Zitterer“, einer von jenen Soldaten, die in jahrelangen Grabenkämpfen die Nerven verloren und für immer gezeichnet waren, selbst, wenn sie keine Glieder, nicht das Augenlicht verloren. Auch die Geschichte des Dienstmädchens Greta, (Leonie Benesch) der als Kommunisten verkleideten Nazis wird sich fortsetzen und wurde daher in der Zusammenfassung angerissen.

Was ebenfalls aufgegriffen wird, ist der sogenannte Verrat, nämlich das Charlotte mitbekommt, dass gereon Rath medikamentenabhängig ist, und das im Verlauf der Handlung seinem dessen Feindfreund, Kommissar Wolter, beibiegt. Auf die Greta-Story spielt der Mord an Staatssekreträ Benda an, der auf dem Framing dieses Dienstmädchen beruht. Sie gibt einem sich als Kommunist ausgehenden Nazi die Möglichkeit, ein Attentat auf ihren Arbeitgeber zu verüben. Um sie zu überzeugen, fingieren die Nazis sogar den Mord an ihrem neuen Freund. Zu Beginn der Staffel 3 sitzt sie im Frauengefängnis Friedrichshain in U-Haft.

Auch Raths Bruder Anno alias Dr. Schmidt (Jens Harzer) begegnet uns wieder. Insgesamt ist das Personaltableau aber zunächst einmal kleiner geworden. Zwar werden mit Walther Weintraub (Ronald Zehrfeld) und Esther Kabasian (Meret Becker) zwei neue wichtige Figuren eingeführt, aber wir mussten uns in den Folgen 14 und 15 bereits von Staatssekretär Benda (Matthias Brandt) verabschieden, der einem Attentat zum Opfer fiel und von Raths oben erwähntem Freundfeind, dem Kommissar Wolter (Peter Kurth in einer Glanzrolle), von einem jungen Kollegen Raths, der ebenfalls umkam und von  exzentrischen Charakteren, die für den Handlungsstrang „Porno-Fetischfilm“ von Bedeutung waren, in dem es um die (fiktive) Erpressung des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer ging. Wegen dieser Sache wechselte Gereon Rath nach Berlin. Die markanten Figuren um den Goldzug aus Russland, die den ersten Staffeln viel von ihrem flirrenden Glanz vermittelt hatten, werden wir ebenfalls nicht wiedersehen, denn auch dieser Handlungsabschnitt ist zu Ende. Übrig bleibt aus diesem Cluster oder, wenn man so will, das Auch-Mitglied als Teilmenge der Industriellenspross Alfred Nyssen, wieder hervorragend gespielt von Lars Eidinger.

Was in Folge 17 geschieht, Rezension, Infos (Spoiler: Wir zeichnen die Handlung nach)

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 7Gereon Rath wird wieder mit jenem Dr. Schmidt konfrontiert, von dem er inzwischen weiß, dass sich hinter der Maske eines vom Krieg in Mitleidenschaft Gezogenen sein Bruder verbirgt, den er einst auf dem Schlachtfeld im Stich ließ. Aus Feigheit? Weil er die Nerven verlor? Oder spielte seine heimliche Liebe zu Annos Frau Helga unterschwellig eine Rolle? Mit dieser Frau ist Rath jetzt zusammen, nachdem Anno viele Jahre nach dem Ende der Kämpfe an der Westfront für tot erkärt wurde. Sie kam in Staffel 2 nach Berlin.

Und damit ins Hier und Jetzt, also in den Herbst des Jahres 1929 (die Staffeln 1 und 2 spielten im Frühjahr 1929, unter Einbeziehung des historischen „Blutmai“, der Demos zum 1. Mai, die 33 Todesopfer in Berlin forderten). Die Krimihandlung, die wir sehen werden, ist komplett unabhängig von dem, was bisher geschah, aber einiges davon mitzunehmen, ist wichtig, um Figuren wie Gereon Rath und Charlotte Ritter weiterzuentwickeln, die Großstadtgöre aus ärmlichen Verhältnissen, die unbedint zur Polizei will und damit einen damals für Frauen sehr ungewöhnlichen Berufsweg einschlägt.

Die erste Szene gilt jedoch einem anderen Sujet. Warum Rath so angefasst wirkt, schwitzt und bebt, erschließt sich hier noch nicht, aber es könnte sein, dass er wieder eine Ampulle oder Spritze braucht. Wir befinden uns in einem Saal mit Nebenräumen, in unwirklich hellem Licht, der Hintergrund ist weichgezeichnet, aber man sieht unzählige Zettel in unterschiedlichen Farben durch die Luft fliegen. Auf einer Balustrade im ersten OG begegnet Rath einem Mann, der sich gerade, an eine Säule gelehnt, erschießt, ein zweiter geht an ihm vorbei, mit einem Strick in der Hand. Weitere verzweifelte Menschen sieht man auf der Treppe, die Rath langsam, wie in Trance oder wie ein Roboter, hinabsteigt, nebst viel Papier auf dem Boden, in der Luft, ein Raunen im Hintergrund, Verzweiflungsgeräusche: Ich begreife. Der Schwarze Freitag 1929 ist gekommen (1).

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 9Die Ereignisse, die sich in Wahrheit nicht an einem Tag abspielten, sondern eher ein „Staffelcrash“ waren und die Weltwirtschaftskrise auslösten, werden also hier als einschneidendes Ereignis herausgehoben und klammern entweder die Staffel 3 oder die Folgen 1 bis 3. Ersteres würde bedeuten, dass sich die komplette Staffel zwischen Anfang September und Ende Oktober 1929 abspielt und ist die wahrscheinlichere Variante. Zusätzlich wird die Startszene von Folge 17 durch ihre Stilisierung hervorgehoben, durch das Filmen in Zeitlupe bei gleichzeitiger Raffung und optischer Verdichtung des Börsenkrachs. Bevor Rath die Szenerie verlässt, baumeln vor ihm zwei Beine herunter, der Mann mit dem Seil hat sich nun erhängt. Wir werden im weiteren Verlauf der Staffel vielleicht noch sehen, wie die in Deutschland besonders scharf augeprägte Wirtschaftkrise sich begünstigend auf den Aufstieg der Nazis auswirkte. Erste Einlassungen zu „dem, was kommt“, gibt es  in der ersten Folge bereits – von berufener Seite.

Denn kurz eingeblendet wird in der Börsenszene ein Mann, den wir gut kennen. Es ist Alfred Nüssen – und er blickt lächelnd auf das Chaos. Diesen Moment sollten Sie sich merken, denn er wird noch von Bedeutung sein. In den ersten 16 Folgen fiel jenes skrupellos Weichei weniger mit Wirtschaftsaktivitäten als durch die Protektion der „Schwarzen Reichswehr“ auf und symbolisiert damit den Schulterschluss des Kapitals mit den Rechtsextremen. Aber warum steht Helga Rath neben diesem Mann?

Eine Hoffnung musste ich bereits ziemlich früh begraben: Dass man vielleicht, parallel zum Zeitablauf zwischen den Drehs der ersten und zweiten, der dritten und dann der vierten Staffel, die bereits produziert ist, nun ins Jahr 1930 oder 1931 gesprungen wäre. Die veränderte politische Landschaft hätte man gut einflechten können, kleine Veränderungen in der Mode und vielleicht ein paar Gebäude per CGI einfügen, die in der Realität gerade vollendet wurden, wie das Karstadt-Haus am Herrmannplatz, dessen geplanter Wiedergänger derzeit in Berlin für Diskussionen sorgt. „Der stumme Tod“, das Buch von Volker Kutscher, das der dritten Staffel zugrundeliegt (Staffeln 1 und 2: „Der nasse Fisch“) spielt in der Tat im Jahr 1930. Aber vielleicht wäre das doch des Aufwandes etwas zu viel gewesen, wegen der vielen kleinen, aber notwendigen Anpassungen, welche die Authentizität der Dekorationen und Kleidungsstücke sichern müssten.

Rath will den Börsensaal verlassen und als er die Tür öffnet, stürmt eine Menschenmenge hinein. Die Regisseure sind wieder dieselben wie bei den ersten 16 Folgen und der expressive Stil wird zumindest dzu diesem Zeitpunkt nahtlos fortgeführt. Einblendung: 20. September, fünf Wochen bis zum Tag X. Mir fällt ein weiteres historisches Datum ein: Der „Blutmai“, der 1. Mai 1929, an dem es bei Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Arbeiter*innen und der Polizei zu 33 Todesfällen kam. Eine der eindrucksvollsten Sequenzen der ersten Staffel befasst sich mit diesem Ereignis.

 in erster Erfolg  hingegen morgens im Bad. Der Kommissar unserer Wahl schaut auf seine Ampulle, doch seine Hand bleibt ruhig. Er klappt die Dose mit den Flaschen wieder zu. Ist es geschafft? Haben die Auflösung der Vergangenheit und die Lösung der Fälle aus den Staffeln 1 und 2 Rath stabilisiert?  Derweil fährt Charlotte zur Frauen-Vollzugsanstalt in Friedrichshain und besucht Greta – oder will es. Denn Greta, die Getäuschte, nicht mehr ganz so Naive, die in der Stadt schmerzlich erfahren musste, was es heißt, schamlos ausgenutzt und moralisch korrumpiert zu werden, will niemanden sehen, schon gar nicht Charlotte, die mit dafür gesorgt hat, dass sie in jene schreckliche Lage kam. Als „Frau Direktor“ fungiert in dieser Anstalt Jenny Schily. Bezüglich der Geschlechtergleichstellung ist „Babylon Berlin“ überragend progressiv, das war schon in den beiden ersten Teilen festzustellen. Ich glaube nicht an eine weibliche Dienststellenleiterin im Justizvollzug des Jahres 1929, auch wenn es hier Frauen sind, die einsitzen und bewacht werden.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 6Endlich wird ein neuer Fall eingeleitet, mit neuen Charakteren. Ein gewisser Walter Weintraub wird aus der Haft entlassen und dabei noch einmal erkennungsdienstlich behandelt. Sehr interessant, dass man eben nicht nur Fingerabdrücke sondern auch eine Haartolle nimmt. Für eine DNA-Analyse kann dieses Haar wohl nicht vorgesehen sein, allerdings konnte man Haarstrukturen damals unter dem Mikroskop schon vergleichen. Dieser Weintraub trifft eine junge Frau namens Vera, verbindet ihr die Augen und fährt mit ihr zu den Filmateliers in Potsdam-Neubabelsberg.

Stellenweise verspricht die ARD-Übersicht über die drei Folgen etwas viel, aber hier zu wenig. Den nes wird bereits mit Ton gedreht. Das entspricht der Realität, denn im Jahr 1929 kamen tatsächlich die ersten deutschen Tonfilme nach dem Tobis-Klangfrilmsystem heraus, das in Kontinentaleuropa bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges führend war (2). Es handelt sich ja auch um einen Musikfilm, der jetzt entsteht und „Dämonen der Leidenschaft“ heißt. In der Tanzszene, die gerade gedreht wird, kommt auch das neue Lied für diese Staffel erstmals zum Einsatz. Zeit, auf den Score für die dritte Staffel hinzuweisen:

Ein solchermaßen stylisches und gothisch angehauchtes Musical wurde damals in Deutschland allerdings nicht gedreht, es handelt sich um ein ähnliches Epochen-Crossover wie in den beiden ersten Staffeln „Zu Asche, zu Staub“, das die Zeit von 1929 covert und doch eindeutig eine moderne Komposition ist. Allerdings ist die Stilisierung dieses Musicals in einer Zeit, in der „Die drei von der Tankstelle“ gerade gedreht wurde, wesentlich deutlicher, weil sie an modernes Tanztheater, aber auch ein wenig an Hollywoodmusicals erinnert, deren phänomenale Choreografie (mit mehr Statist*innen als in „Babylon Berlin“) meist von Busby Berkley stammte. Aber auch diese Musicals waren nicht so avantgardistisch, wie „Dämonen der Leidenschaft“ in Relation zu seinem (fiktiven) Entstehungsjahr wirkt, sondern auf den Massengeschmack ausgerichtet.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 10Aber das Set leitet schon gut auf die Figur hin, die wir nun sehen, wie sie durch die Lichttechnik unterhalb der Decke streift. Später ist von einem 10-KW-Scheinwerfer die Rede, das kommt mir für damalige Verhältnisse etwas übertrieben vor; motorbetriebene Flakscheinwerfer als stärkste Leuchteinheiten ihrer Zeit hatten im Zweiten Weltkrieg 12 bis 15 KW. Aber da der Film, der hier entsteht, in gewisser Weise auch eine Übertreibung darstellt, wollen wir diese Technik nicht genauer – beleuchten. Diese sehr stylische Figur jedoch wird gleich für den ersten Mord in der neuen Staffel sorgen und ist eine Art Kreuzung aus dem Phantom der Oper, Darth Vader und Figuren aus „V wie Vendetta“ oder auch der aktuellen Berliner Kabarettfigur „Der Tod“, die wirklich gut ist.

Ist es Weintraub, der zu der jungen Frau im Auto gesagt hat, „er habe noch was zu erledigen?“ Immerhin ist er finanziell zusammen mit dem Armenier (noch eine Figur, die wir schon kennen, gespielt von Misel Maticevic) an der Produktion des Films beteilig, hier wird also Geld aus der Unterwelt ins Filmbusiness gesteckt. In den USA hat die Mafia tatsächlich versucht, auf Hollywoodstudios Einfluss zu nehmen, für die wenigen großen deutschen Produktionsgesellschaften der späten 1920er (UfA, Tobis etc.) ist derlei nicht bekannt.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 2Und wie geschieht der Mord? Ebenjenes 10-KW-Scheinwerfer-Monstrum fällt direkt auf Betty Winter. Soll ich mal nach der fünfstufigen Methode Gennath (Erläuterung später) ermitteln? Es wird versucht, es wie einen Unfall aussehen zu lassen. Aber dann hätte man doch keine intakte Verschraubung des Scheinwerfers präsentieren dürfen, sondern eine Version, die vielleicht aus Materialermüdung zu Bruch gegangen war. Die echte Verschraubung kündet davon, dass sie angesägt wurde, erwähne ich vorwegnehmend, da wir generell angekündigt haben, dass wir spoilern.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 4Cut, Charlotte begegnet Professor Rath im Paternoster des Polizeipräsidiums, viele Bücher tragend: Sie macht eine Prüfung, mit der sie die „Tatortberechtigung“ als Kriminalassistentin erhalten soll. Jetzt eine nette Parallelmontage: Während Gereon Rath den Tatort, das Filmset, nach der Methode Gennath untersucht, die im Prinzip noch heute angewendet wird, macht Charlotte gleichzeitig den praktischen Teil ihrer Prüfung und muss dabei nach demselben Muster arbeiten.

Trotzdem sie wieder gut gefilmt ist (Eingangsszene, angesprochene Parallelmontage) habe ich bereits einen abweichenden Eindruck von der dritten Staffel. Zumindest deren Auftakt ist weniger spektakulär als die vielschichtig angelegten Staffeln 1 und 2. Es handelt sich um einen Kriminalfall, wie er fürs Fernsehen und fürs Kino x-mal konstruiert wurde, nur in schönen Dekors der späten 1920er und mit Figuren, die mein Interesse schon in den ersten beiden Staffeln geweckt hatten. Man erlaubt sich sogar Standards wie „Betty Winter ist unsere größte Hoffnung“ – „Sie war – sie ist tot“. Solche Fülldialoge sind selbst für übliche Fernsehkrimis ziemlich Old School. Diese dritte Staffel wirkt langsamer und viel intimer als die furiosen ersten beiden, die durch ihre exorbitanten Verbrechen und Szenarien (Zug mit Giftgas, Pornofilm-Erpressung eines Politikers, Schwarze Reichswehr) eine nicht ganz realistisch wirkende, aber die gemäß der Babylon-Darstellung ziemlich irren Spätzwanziger sehr gut einfangende Sogwirkung hatten. Ein paar Ungenauigkeiten habe ich auch entdeckt, wie zu  modern aussehende Fragebögen bei der Polizeiprüfung, midnestens ein Auto auf dem Parkplatz des Filmstudios, das es  1929 noch nicht gab.

Apropos Prüfung: Im Hörsaal, im Mündlich-Theoretischen, verhaspelt sich Charlotte, weil ein Kriminaltechniker nach Minutien, nicht nach Minuten fragt – da kommt sie aus dem Takt, obwohl sie es bisher gut gemacht hat. Später heißt es, sie war so gut wie alle anderen, sogar besser, aber als Frau … ja, ja. Es ist ein Kreuz. Man muss als weibliche Person stets mehr können als alte weiße Männer, um an deren Jobs zu gelangen.

Weintraub und der Armenier fahren ins Moka Efti, den coolsten Ort der ersten beiden Staffeln, dann wurde es wohl zum Drehen des Musikfilms verwendet – aber jetzt steht es unter Wasser, Sabotage! Aber irgendwo muss das erspekulierte oder mit illegalen Geschäften erwirtschaftete Geld doch hin! Heutzutage: Immobilien. Damals: Film als junges, vielversprechendes Medium. Die Börse funktioniert zu dem Zeitpunkt also noch. Währenddessen wird auch im Hause Nüssen über für damalige Verhältnisse riesige Investmen nachgedacht (45 Millionen US-Dollar; nicht Reichsmark). Und dann kommt eine zumindest für mich Sternstunde, nämlich wie Nüssen junior, den seine Mutter ja entmachtet hat, der nur noch der Stiftung vorsitzt und daher viel Zeit zum Nachdenken über die Märkte hat, im Auto dem Zivil tragenden Major Wendt Unterricht in Börsenspekulation gibt.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 8Nüssen, so erfahren wir, ist manisch-depressiv (heute als bipolare Störung bezeichnet) und das heißt, manchmal geht bei ihm gar nix, dann wieder möchte er aus dem Stand alles auf einmal, auch ohne die Kompetenz, die dafür vorhanden sein sollte. Die Welt erobern oder nur noch sterben wollen, das war ja auch der Grundzusand der Deutschen während der NS-Zeit, wie sich hier leicht erkennen lässt. Nur sind Kapitalisten wie Nüssen davongekommen und durch die massiven Rüstungsinvestitionen noch reicher geworden, die Mitgerissenen haben häufig nicht überlebt. Ich halte es allerdings nicht für denkbar, dass es damals schon Psychopharmaka gab, die vorauseilend die Stimmungsextreme verhindern können, verschrieben von einem Therapeuten, der auch so etwas wie eine Glaskugel hat.

Unsere Stimmung ist oft wechselhaft wie das Wetter. Hat es gestern noch geregnet, scheint heute vielleicht schon wieder die Sonne. Derartige Schwankungen sind normal. Die Gemütslage von Menschen mit einer manisch-depressiven Erkrankung gleicht jedoch Naturgewalten: Mal lässt eine eisige Kälte alles Leben für Wochen erstarren – dann bricht plötzlich ein Wirbelsturm herein und stellt die Welt komplett auf den Kopf  (Infos von der Techniker-Krankenkasse)

Nüssen erläutert, in den magsich-manischen Momenten können Menschen mit dieser psyhischen Störung Zusammenhänge erkennen, die andere nicht sehen. Dass Depressive einen guten Blick fürs Große Ganze haben und dieser Blick wiederum depressionsfördern ist, glaube ich durchaus.

Der verhinderte Junginudstrielle mit der rechten Gesinnung scheint diese seine Fähigkeit an der Börse einsetzen zu wollen und vergleich die Wertpapiermärkte selbst mit einem „Gestörten“, der sich gerade in der manischen Phase befindet, alles sei aufgebläht, die Hausse, der Hype sei eine Manie. Dass die Filmemacher Tykwer, Handloegten und von Borries damit auch auf die aktuellen Spekulationsblasen und den grundkranken Zustand des Finanzkapitlismus, der nur noch zwischen extremen Haussen und Krisen schlingert, die von einfachen Menschen bezahlt werden müssen, die nicht an der Börse oder mit Häusern spekulieren, hinweisen wollen, ist offensichtlich. Trotzdem ist es Unsinn, dass Nüssen von Wendt möchte, dass dieser die Transferbewegungen von Kleinaktionären („Dienstmädchenhausse“) kontrolliert, das allgemeine Börsengeschehen reicht für die Interpretation der Lage vollkommen aus. „Wir werden illegal!“, sagt er dazu und feixt – als ob seine Unterstützung der geheimen Reichswehr nicht illegal wäre. Außerdem kann Nüssen darüber instruiert sein, als Erbe von Kapitalisten, dass die Kleinanleger nicht ein Wissen haben können wie er und die Berater seiner Familie. Ein Volk von erfolgreichen Kleinaktionären werden die Deutschen nie werden, Friedrich Merz, du Schlemihl!

Allerdings ist der Unterschied zwischen heute und damals, dass der aktuelle Hype noch unwirklicher daherkommt, weil er nur dadurch generiert wird, dass die Notenbanken unendlich viel Geld in die Märkte pumpen und riesige Fehlallokationen verursachen. Damals machten sie übrigens teilweise das Gegenteil und genau daraus wird hergeleitet, dass die Weltwirtschaftskrise mit mehr Notenbankgeld vielleicht hätte vermieden werden können. Verschiedene Epochen, unterschiedliche Lösungen, falls es sie wirklich gibt. Was Nüssen eigentlich will, ist Insiderwissen oder das, was er dafür hält. Was fällt uns dazu im Zusammenhang mit der Börse ein? Genau. Aber das Großkapital macht eh, was es will. Jedenfalls zeichnet sich ab, was Nüssen vorhat. Etwas womit einige besonders Gewitzte auch mit jüngeren Crashs (1987, Finanzkrise) noch reicher geworden sind. Flirting with Disaster als Geschäftsmethode, ohne Rücksicht auf Millionen von Menschen, die dadurch in der Realwirtschaft ihre Jobs verlieren. Damit ist nun auch geklärt, warum der Nüssen in der Eingangs-Börsenszene so gelächelt hat. Was auffällt: Nüssen wird viel strategischer und in gewisser Weise doch versierter gezeigt, als in den beiden ersten Staffeln.

Rath und Charlotte in der Kantine. Sie ist wirklich durchgefallen. Und der große Kriminalit Gennath und der Kriminaltechniker Ulrich streiten sich darüber, wie das mit dem Durchfallen passieren konnte. Korinthenkackerei gegen das große Ganze im Blick behalten mal wieder. Dann schaut sich das Ermittlungsteam die Filmszene an, in der die Schauspielerin Betty Winter ums Leben gekommen ist.

Die Beteiligten: Der Armenier sagt, an dieser Produktion sei von Anfang an etwas voll gewesen und er habe Beweise so manipuliert, damit es nicht um Mord geht. Außerdem hat er, während Weintraub in Haft saß, für die beiden eine Million Reichsmark in die Produktion investiert und nochmal eine Million sei von der Bank gekommen. Hoffentlch wird die Bank nicht pleitegehen, in der kommenden Krise.Wie Filme finanziert werden, das ähnelt irgendwie mehr den heutigen Zuständen als der Art, wie die Filmkonzerne in der Weimarer Zeit operiert haben, ist mein Gefühl, aber es wirkt auch sehr anschaulich.

Helga Rath sucht eine Ärztin auf.  So richtig verstehe ich nicht, was sie vorhat. Etwas für den vorzeitigen Eisprung einnehmen? Von wegen der Labormäuse., sie sich da in einem Hamsterkasten befinden. Hinter dem Kasten Plastikjalousie oder lackierte aus Aluminium. Aber so ist das, wenn man sich mit Details befasst und daher noch nicht weiß, das die Frau Rath vorhat. Es läuft wohl nicht mehr so recht in der Beziehung, die auf einer großen Lüge aufgebaut ist. Ob das Lied, das Charlotte und ihre Schwester in einem neuen Teilzeitmieter-Leben singen, wahrhaftig ist? Es geht um Emanzipation und Amazonen. Etwas mehr zur Musik der 1920er hier und hier (3), die Quelle sieht den Versuch, die 1920er-Musik ins heute zu transformieren ähnlich wie ich weiter oben und in Rezensionen zu den ersten beiden Staffeln. Allerdings gab es auch Schlager mit sehr offensiven Texten – manchmal waren sie auch ziemlich hart und diskrimierend und stilbildendem Einfluss der Couplets von Otto Reutter („Der Überzieher“ ist bei Weitem nicht sein sarkastischstes Lied). Doch wir müssen auch in den folgenden Folgen noch ein paar Infos anbieten können und ich verzichte daher auf vertiefende Einblicke und eine soziokulturelle Interpretation der damaligen Musik.

 Wir verabschieden uns vorerst ohne Aufklärung von Helga, wie sie dasteht und gedankenvoll eine Zigarette raucht, ihr aktueller Mann, Gereon Rath, steigt derweil in eine Litfaßsäule und diese hat ein Innenleben, das zu einem Keller-Radiostudio führt. Es ist nicht so, dass man sich nicht für die aktuelle Staffel hat etwas einfallen lassen, aber es wirkt eben etwas kleinräumiger als in Staffel eins und zwei – exaktes Gegenspiel: Raths Flugzeugtour nach Russland in Staffel 2, zum geheimen Übungsplatz der Schwarzen Reichswehr.

Dafür wird es nun psychologisch-experimentell: Gibt es eine singuläre Wahrheit und ist der Bezug auf die subjektive Wahrnehmung eine Methode, sich Lügen und Selbsttäuschungen hinzugeben und somit bereits eine Selbsttäuschung? Wird das Unverständliche, das Zufällige, das Chaos durch hemmungslose Interpretatorik und Ausblendung seiner Vielgestaltigkeit in eine simplifizierte Verständlichkeit hineingezwungen? Schöner Gruß an die V-Theoretiker?

Offenbar handelt es sich um eine Livesendung – Aufzeichnungen auf Band gab es damals ja auch noch nicht. Gereon Rath wird als Kandidat Siegfried vorgestellt – und wer ist der Moderator bzw. der Leiter des Experiments? Dr. Schmidt! Wie hintergründig, Jung-Siegfried. Dieser bekommt Fragen gestellt und soll schnell antworten, damit jene Antwort keine Zeit gewinnen, um sich nach der Frage zu platzieren, dadurch soll mehr Wahrhaftigkeit entstehen. Es ist ja auch ein gängiges Muster bei assoziativen Tests, dass man nicht lange üerlegen soll oder darf, bevor man antwortet.

2020-10-10 Babylon Berlin Folge 17 Staffel 3 Folge 1 Foto 7
Zwei Brüder, der Verrat, die Befragung. Unser Lieblingsbild, hier noch einmal in größer, stammt aus der letzten wichtigen Szene der Folge.

Bei den ersten Fragen funktioniert noch alles. Ich liebe das Meer, die Berge nicht, Zigaretten ja, ich habe getötet, im Krieg, auch im Polizeidienst (Staffeln 1 und 2). Liebst du deinen Vater, Siegfried-Gereon? Ja! Der Moderator klebt ihm eine an die Wange. So lange, bis er den Schmerz der Lüge fühlt, denn es gibt nur dann kein Weinen aus jenem Schmerz heraus, der die Lüge in Schmerz umleitet, wenn man wahr spricht. Diese Argumentation mus sich mir unbedingt für die nächste tränenreiche häusliche Auseinandersetzung merken, natürlich nur in dem Sinne, dass sie als Stilmittel für die häuslichen Auseinandersetzungen Dritter exportfähig ist. Nun gibt Gereon-Siegfried zu, dass er seinen Vater hasst. Jenen Mann, der sagte, der falsche Sohn sei aus dem Krieg heimgekehrt, wir erinnern uns. Wer würde einen solchen Vater auch schick finden? Aber damit ist Rath, der Kriminalist, noch nicht raus aus dem Verhör. Denn Dr. Schmidt, sein Bruder, führt ihn in das aktuelle Dilemma hinein: Immerhin ist Gereon nur mit Helga zusammen, weil er ihr nicht sagt, dass Anno noch lebt. Ob Gereon Angst hat, diese Frau zu verlieren? Ja. Zack, wieder eine Ohrfeige für ihn: Man kann nichts verlieren, was einem nicht gehört.

Das sollten wir uns mal für den Klassenkampf wieder mehr ins Gedächtnis rufen, damit wir nicht so ängstlich gegenüber dem Kapital und seinen poltishen Handlangern sind. Lasst uns also endlich an der Vorbereitung einer revolutionären Situation arbeiten, anstatt uns zu verzetteln und uns gegenseitig anzupinkeln. Von „Zu Asche, zu Staub“ zur Wahrheit, ins Licht! Ein Rückblick auf eine Szene im Institut des Dr. Schmidt (oder Mabuse?) – die Insassen werden dorthin kommen, ins Licht. Na, warten wir’s ab, immerhin sah die Realität so aus, dass bald eine besonders düstere Zeit hereinbrechen sollte.

Auch wenn der Fieberwahn von „Babylon Berlin“ in der dritten Staffel noch bei weitem nicht so ausgeprägt ist wie im Verlauf der ersten 16 Folgen, auch, wenn einzelne Handlungselemente nicht so fulimant vermengt, verwoben, durcheinandergewirbelt werden, es kann noch recht wild werden. Mein Eindruck ist allerdings nach dem Ende von Folge eins erst einmal, dass man sich zurückgenommen hat. Ob aus finanziellen Gründen oder, weil vielleicht doch einige Zuschauer und Kritiker die Komplexität und der Bilderflut der ersten und zweiten Staffel nicht so gut fanden und die dritte Staffel daher primetimegerechter gestaltet werden sollte, weiß ich noch nicht, denn sie wurde m. E. bereits gedreht oder geplant, als die Reaktionen zu eins und zwei noch nicht vorlagen – ich werde noch einiges an zusätzlichem Material zur Produktion lesen müssen.

Einstweilen hat es aber für die bisher längste Crimetime-Kritik gereicht, die deshalb erstmals die eigentlich nur für das Feature „Filmfest“ vorgesehene Bezeichnung „DGR“ („Die große Rezension“) erhält. Ziel: Die kommenden Rezensionen auf etwa der Hälfte an Zeichen unterzubringen, wie die Texte zu den ersten 16 Folgen. Weiter unten verweisen wir noch auf die Rezensionen zu den ersten beiden Staffeln.

TH

(1) Für ihre „schwarzen“ Tage und ihren Schwarzen Freitag vom 25. Oktober ist heute noch besonders der Zusammenbruch der New Yorker Börse (NYSE) 1929 bekannt, der die Weltwirtschaftskrise auslöste. Im Unterschied zu den vorhergehenden und nachfolgenden Tagen war der 25. Oktober 1929 allerdings kein Tag besonderer Kursverluste: Am Mittwoch, dem 23. Oktober, war der Dow Jones Industrial Average von 326,51 vom Vortag auf 305,85 gefallen, und am „Schwarzen Donnerstag“ (Black Thursday), dem 24. Oktober 1929, fiel er nochmals um 6,38 Punkte auf 299,47. In Europa kennt man den Tag wegen der Zeitverschiebung als „Schwarzen Freitag“, da es hier bereits nach Mitternacht war. Am Freitag legte der DJI um 1,75 Punkte zu. Seine größten Verluste erlitt er dann am Montag (von 298,97 auf 260,64); am „Schwarzen Dienstag“ (Black Tuesday) oder „Tragic Tuesday“ fiel er dann weiter auf 230,07. 

(2) In der am 8.10.1928 gegründeten Klangfilm GmbH führten die Allgemeine Elektrizitäts‑Gesellschaft (AEG) und die Siemens & Halske AG ihre Arbeiten und Erfahrungen in der Tonfilmtechnik zusammen (beide waren mit je 45% an der Firma beteiligt; die restlichen 10% wurden von der Schallplattenfirma Polyphonwerke AG eingebracht). Zu den Schwerpunkten zählten Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Kino‑ und Tonfilmapparaturen (Abspieleinrichtungen, Verstärker, Lautsprecher und Röhren). Es wurden vor allem Kinoverstärker (ca. 30 verschieden Typent) und ca. 90 eigene Röhrentypen (meist Äquivalenztypen gängiger Röhren) produziert. Durch ein Abkommen mit der Tobis (13.3.1929 – „Tobis-Klangfilm-Interessengemeinschafts-Vertrag“) war Klangfilm von nun an für die Herstellung der Aufnahme‑ und Wiedergabeapparaturen sowie den Vertrieb der Wiedergabeapparaturen zuständig, während Tobis die Filmproduktion, das Lizenzgeschäft und der Vertrieb der Aufnahmeapparaturen zufiel. Am 8.4.1929 kam es zudem zu einem Vertrag mit der Ufa, deren 99 Kinos mit Klangfilm-Apparaturen ausgestattet wurden. Im Verlauf der nächsten Monate wurden die internationalen Verflechtungen weiter ausgebaut, so dass nur ein Jahr später ein ganzes Netz von Firmen in verschiedenen Ländern Europas die Rechte der Tobis‑Klangfilm‑Gruppe wahrnahm, darunter Lignose Hörfilm, British Phototone, French Phototone, Klangfilm Ltd. (Great Britain), British Talking Pictures, Asfi, S.A. Films Sonori in Rom, die Compagnie Française Tobis und die Société des Films Sonores Tobis in Paris‑Âpinay. Im Rahmen der sogenannten „Telefunken‑Transaktion“ übernahm die Siemens & Halske AG 1941 die bisherigen Anteile von Telefunken und AEG; die Klangfilm führte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ihre Produktion und die Arbeiten im eigenen Tonfilmlaboratorium weiter. (Lexikon der Filmbegriffe)

Mit der US-Gesellschaft Western Electric wurde Anfang der 1930er Jahre ein Abkommen getroffen, das die Welt des Tonfilms in ein Duopol bezüglich der Aufnahme- und Wiedergabetechnik verwandelte. Kontinentaleuropa wurde in diesem Abkommen zum Einflussgebiet der Klangfilm GmbH erklärt.

(3) Der Stil der Zwanziger Jahre ist heutzutage gar nicht mehr so einfach zu treffen – vor allem, wenn man eine Brücke in die Gegenwart schlagen will. Die Macher der Serie „Babylon Berlin“ haben das versucht: Die Musik darin klingt wie in den 1920ern – aber irgendwie auch nicht. Für die On-Screen-Musik der Serie „Babylon Berlin“ sind Mario Kamien und Nikko Weidemann zuständig. Wichtig war ihnen gemeinsam mit Regisseur Tom Tykwer vor allem die Instrumentierung und die Klangästhetik der 1920er Jahre. In der Serie gibt es einen eigens komponierten Blues-Song, eine Transvestiten-Nummer und einen Song im Berliner Erfolgs-Tanzlokal „Moka Efti“: Charleston mit einem Hang zur Gegenwart. Für einen „echten“ Charleston aus dem Jahre 1929 ist er zu rhythmisch und zu schnell, doch tanzbar ist er allemal. (BR-Klassik)

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Unsere bisherigen Rezensionen von Babylon Berlin

Folge 16 (Staffel 2)
Folge 15 (Staffel 2)
Folge 14 (Staffel 2)
Folge 13 (Staffel 2)
Folge 12 (Staffel 2)
Folge 11 (Staffel 2)
Folge 10 (Staffel 2)
Folge 09 (Staffel 2)

Folge 8 (Staffel 1)
Folge 7 (Staffel 1)
Folge 6 (Staffel 1)
Folge 5 (Staffel 1)
Folge 4 (Staffel 1)
Folge 3 (Staffel 1)
Folge 2 (Staffel 1)
Folge 1 (Staffel 1)

Rolle Darsteller
Gereon Rath Volker Bruch
Charlotte Ritter Liv Lisa Fries
Greta Overbeck Leonie Benesch
Alfred Nyssen Lars Eidinger
Günter Wendt Benno Fürmann
Helga Rath Hannah Herzsprung
Armenier Misel Maticevic
Walter Weintraub Ronald Zehrfeld
Esther Kasabian Meret Becker
Dr. Schmidt „Anno“ Jens Harzer
Elisabeth Behnke Fritzi Haberlandt
Dr. Völcker Jördis Triebel
Katelbach Karl Markovics
Ernst Gennat Udo Samel
Reinhold Gräf Christian Friedel
Zörgiebel Thomas Thieme
Ullrich Luc Feit
Litten Trystan W. Pütter
Henning Thorsten Merten
Wilhelm Böhm Godehard Giese
Czerwinski Rüdiger Klink
Malu Seegers Saskia Rosendahl
Tristan Rot Sabin Tambrea
Fritz Jacob Matschenz
Otto Julius Feldmeier
Musik: Johnny Klimek
  Tom Tykwer
Kamera: Bernd Fischer
  Christian Almesberger
  Philipp Haberlandt
Buch: Tom Tykwer
  Hendrik Handloegten
  Achim von Borries
Regie: Tom Tykwer
  Achim von Borries
  Hendrik Handloegten

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