Babylon Berlin – die Serie | Staffel 3, Folge 3 (Gesamtfolge 19) | #Crimetime 826 #BabylonBerlin #Babylon #Berlin #ARD #Sky

Crimetime 826 - Titelfoto und weitere Bilder © ARD Degeto / X-Filme / Beta Film / Sky Deutschland / Frédéric Batier

Überblick über die Situation in den Folgen 17 bis 19 (Staffel 3 Folgen 1 bis 3)

Berlin im September 1929: eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der immer noch jungen Weimarer Republik. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zum Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor überbordenden kreativen Energie der Stadt. „Babylon Berlin“ erzählt in der neuen, dritten Staffel die Geschichte des jungen Kommissars Gereon Rath weiter, der sich in den Illusionswelten des 20er-Jahre-Stummfilmkinos zu verirren scheint, während um ihn herum der Wahnsinn herrscht: Menschen verschulden sich, die Hochfinanz spekuliert auf den Untergang, und die rechtsnationale Partei versucht, Polizei und Verwaltung sukzessive mit kaltblütigen Mitteln zu unterwandern. Doch es gibt Hoffnung: Trotz Mord und Verzweiflung findet Rath Liebe und Solidarität, und die „Roaring Twenties“ spiegeln in all ihren Facetten Lebenshunger und Leidenschaft.

Kurzfassung der Handlung von Folge 19

Wendt setzt alles daran, dass Greta ihre Aussage zum Attentat auf Benda ändert. Trotz Betty Winters Tod sollen die Dreharbeiten fortgesetzt werden. Helga Rath trifft eine schwere Entscheidung.

Alle bisherigen Rezensionen zu „Babylon Berlin“ (1)

Money, Money, Money

Die seit Folge 18 sehr kurzen Wiederholungen dessen, was bisher geschah, sind von einer simplen und bestechenden Logik: In 18 war es der Fall „Greta und der Mord an Regierungsrat Benda“, in 19 wird nun der „Scheinwerfermord“ an der Schauspielerin Betty Winter schlaglichtartig repetiert. Es sind aber noch ein paar Sekunden übrig für das Privatleben von Kommissar Gereon Rath. Nämlich dafür, dass zwischen ihm und seiner Helga wieder der Bruder steht. Das hatte ich in 18 falsch verstanden: Sie sagte „Er steht wieder zwischen uns!“, nicht „Wer steht (nun denn) wieder zwischen uns?“. Es geht nach wie vor nichts über deutliches Sprechen, aber Helga (Hannah Herzsprung) ist nun mal ein eher leiser Typ und nicht so leicht auszudeuten, insofern war das akustische Missverständnis geradezu sinnbildlich.

2020-10-14 Babylon Berlin Folge 20 Staffel 3 Folge 3 Foto 01

Helga und Gereon: Krise oder Ende einer unmöglichen Beziehung? Manchmal reicht Hände halten nicht aus.

Konsequent leitet der Film die Handlung von Folge 19 auch mit diesem Paarverhältnis ein. Gereon war nachts unterwegs, aus ermittlungstechnischen Gründen, wie wir wissen, aber Helga findet ihn morgens geschafft auf dem Sofa und er kann nicht sagen, wo er war. Er könnte schon, aber er bringt nichts mehr heraus, weil er sowieso weiß, dass sie ihn auf Abwegen vermutet und er ist zu sehr paralysiert von den abermaligen, ziemlich schrägen Begegnungen mit seinem Bruder Anno, der ihn in die Vergangenheit zurückführt, obwohl der therapeutische Effekt, falls es je einen gab, dadurch futsch ist, dass Gereon nun weiß, wer sich hinter der Maske des Dr. Schmidt verbirgt.

Beziehungskrise und Boulevardjournalismus

Helga sagt auf sein Schweigen hin, sie wird durch diese Tür gehen (des Wohnzimmers) und nicht mehr wiederkommen, wenn er den Mund nicht aufmacht. Sie kommt doch noch einmal rein, mit Koffern in den Händen und ihrem Sohn Moritz hinterdrein. Das war dann wohl erst einmal nix mit nach Berlin kommen und hier glücklich werden. An eine bestimmte Leserin gerichtet: Jede Situation und Person steht für sich!

Jetzt werden wir in eine Zeitungsredaktion geführt. Es geht darum, ob der erste Große Preis von Monaco aus dem Jahr 1929 auf die Titelseite rückt (1) oder der Mord an der Betty Winter, zumal nun auch der Beleuchter umgebracht wurde – und was ist mit dem Thema des österreichischen Journalisten, der ausgeforscht hat, dass die Lufthansa der schwarzen Reichswehr bei ihren illegalen Tätigkeiten hilft? Was ist politische Investigation schon gegen Mordsensation? Der zuständige Redakteur hat sogar das Phantombild organisiert, welches nach den Angaben von Miss Brooks gezeichnet wurde. Sie wissen schon, das Phantombild von dem Phantom in der Kutte.

Damit auch wirklich klar ist, woher der Wind im Journalismus weht, wird der Österreicher nicht nur dazu verdonnert, Beweise zu besorgen, was ja verständlich ist, sondern auch Bildmaterial zu beschaffen, denn ohne Bilder kein Leserinteresse, was den Journalisten zu dem Satz veranlasst: Früher hatten wir Leser, heute haben wir Gucker. Es versteht sich von selbst, dass das eher auf die Situation von 2019 als auf die von 1929 bezogen ist. Noch nach dem Krieg waren große investigative Beiträge in Tageszeitungen nicht immer bebildert, vor allem nicht, wenn es eher um Hintergründe als um spektakuläre Ereignisse ging. Die Frage ist allerdings, ob sie dann auf die Seite eins finden konnten.

Meanwhile bei der Polizei: Der Typ der Tatwaffe im Mordfall des Oberbeleuchters ist ermittelt, nun muss das konkrete Gerät noch gefunden werden.  Dass man das anhand von Bildern der Schusskanäle versucht, verwundert etwas. Man wird doch nicht von jeder registrierten Waffe ein solches Bild besitzen; nee, man müsste sich schon die Mühe machen, bei diesem eher seltenen Modell nachzuforschen, wer die Besitzer so sind.

Ein Kleinkind als Druckmittel

Regierungsrat Wendt indes interessiert sich für das im Februar 1929 geborene Kind von Greta Overbeck. Es soll nicht an die vorgesehene Pflegefamilie übergeben werden, das hat er so anweisen lassen, aber die Szene wechselt relativ schnell zum Filmbusiness.

2020-10-14 Babylon Berlin Folge 20 Staffel 3 Folge 3 Foto 03

Esther und den Produzenten Jo Bellmann verbindet offenbar eine gemeinsame und sehr fruchtbare künstlerische Vergangenheit.

Sie will nun das gesamt Filmmaterial sehen, das von „Dämonen der Leidenschaft“ schon existiert, der Produktion, die wegen des Todes der Hauptdarstellerin gestoppt wurde. Weil sie die Rolle übernehmen will? Hm. Spoiler: Am Ende von Folge 19 zeichnet sich das noch nicht ab.

Rath berichtet nun dem berühmten Kriminalrat Gennath („Buddha“) von seinen Ermittlungsergebnissen im Fall Betty Winter und ihm wird … ohhh! … Schwarzwälder Kirsch angeboten. Sonntagskaffeetraum meiner Kindheit (nebst Buttercremetorte)! Oma Schmidt, ick grüße dir wolkenwärts! Später hält Gennath einen Vortrag, dem auch Charlotte und Gereon lauschen und die häufigsten Mordmotive werden vorgestellt, Statistik 1928, wie man vermuten darf. Gennath hatte die Ermittlungsarbeit in der Tat revolutioniert und ihm ist durchaus zuzutrauen, dass er persönlich ein statistisches Jahrbuch des Verbrechens herausgegeben hat.

Alle meine Mordmotive

Was nun folgt, hat mich allerdings etwas geärgert. Das häufigste Mordmotiv ist seit dem letzten Jahr die Habgier – vor der Rache. Die Habgier hat diesen Spitzenplatz allerdings erst im Abgelaufenen erreicht (Anspielung auf die allgemeine Geldgier, den Börsenhype etc.). An dritter Stelle die Eifersucht. So weit, so gut, dies alles sind anerkannte subjektive Mordmotive nach § 211 StGB, die die besondere Verwerflichkeit des Mordes gegenüber dem Totschlag gem. § 212 begründen, es gibt auch objektive Begehungsmerkmale, die das tun, wie etwa die besondere Grausamkeit der Ausführung der Tötungshandlung. Aber Gennath hebt auf die sieben Sünden ab und erläutert, die Wollust folgt auf Rang 4, aber nur in Berlin. Sexualdelikte nehmen wieder zu, haben aber nicht den Stand erreicht, den sie in den ersten fünf Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hatten. Faulheit und – was? Folgen. Die sieben Todsünden werden ohnehin nicht richtig wiedergegeben, aber das Ganze ist doch etwas zu sehr auf „Se7en“ gedreht. Der Gag kommt am Schluss: Völlerei ist die einzige der sieben Todsünden, die als Mordmotiv keine Rolle spielt, sagt Gennath und fasst sich an den Bauch. Okay, nett.

Helga bezieht tatsächlich mit ihrem Sohn jenes Apartment, in dem wir sie bereits in der letzten Folge gesehen haben und das gemäß dem Kuvert, in dem der Schlüsse dafür drin war, auf Nr. 12 lauten dürfte. Und wer zahlt?, fragt Moritz. Ein Freund, gibt die Mutter – nicht – Bescheid. Damit wird ein neuer Handlungsstrang eröffnet, in dem Rath vermutlich von hinten angegangen werden wird.

Dienstmädchenhausse oder Industriekollaps?

Der Anwalt des Industriellensohns Nüssen fragt sich bei den Kleinanlegern durch, was sie wo und zu welchen Konditionen erworben haben. Wir erinnern uns, dass Nüssen das ausforschen lassen wollte. Zu jenen befragten Anlegern gehört auch der Kollege Böhm, der dem Rath schon in den ersten Staffel nicht besonders wohlgesonnen war. Recht geschickt gemacht, dass er auf diese Weise eingeflochten wird. Es stellt sich heraus dass die Kleinanleger wirklich alle auf Pump Aktien gekauft haben. Rückzahlung der Kredite aus künftigen Erlösen, was bleibt, ist der Gewinn abzüglich Zinsen und Kapitalrückgabe an die Banken Deswegen sehen wir auch in der nächsten Szene Nüssen und den Anwalt, der sich als Meinungsforscher ausgegeben hat. Letzterer referiert, es geht durch alle Schichten und viele haben mehr investiert, als sie die in ihrem Leben verdienen werden. Da müssen die Banken allerdings auch verdammt freizügig gewesen sein und mich erinnert das eher an die Bankenkrise 2008, die mehr aus geplatzten Immobilienkrediten als auf Aktienkäufen auf Pump resultierte. Vor allem spiegelt diese Dienstmädchenhausse, die hier illustriert wird, wohl mehr die Situation in den USA als in Deutschland wieder. Hierzulande hatte die Wirtschaftskrise vornehmlich ihre Ursache darin, dass die Banken kein frisches Notenbankgeld bekamen und in Schwierigkeiten geratene Unternehmen nicht stützen konnten.

Zurück zum Herrn Böhm. Bei einem Polizeibeamten liegt generell eine hohe Bonität in Relation zum Einkommen vor. Beamte haben allerdings auch eine Art von Verpflichtung zur genügsamen Lebensführung. Nüssen prophezeit, dass die Kurse fallen werden. Die Steigerungen seien schon jetzt disproportional. Erinnert uns das wieder an etwas? Z. B. daran, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis mittlerweile bei Aktien überhaupt keine Rolle mehr spielt? Wie schon einmal bei der Dotcom-Blase, als die Analysten sagten, bei der New Economy müssen auch die fantastischen Zukunftsentwicklungsschancen der jungen Unternehmen eine Rolle spielen („Hoffnungswerte“, haben kluge Menschen das richtigerweise genannt). Einige Anleger haben auch wirklich viel Geld mit diesen Aktien des Neuen Marktes verdient, aber man musste trotzdem ein gutes Händchen dafür haben, wann man ein- und wann an wieder aussteigt. Und heute? Die Renditen aller Anlageklassen sinken ständig, aber es wird weiter Geld ohne Ende in die Märkte gepumpt. Alternativlos!, würde die Bundeskanzlerin sagen, die bekanntlich keine Systemkritikerin ist.

Ein Kleinkind als Druckmittel, Teil 2

Greta wird nun dem Kriminalrat Wendt vorgeführt. Sie will ihre Aussage nicht ändern: Die Nazis haben sie gegen den jüdischen Regierungsrat Benda aufgehetzt. Auf dem Gefängnishof, auf den sie hinaussehen soll (Sonne tanken!) stehen zwei Personen mit ihrem Kleinkind. Die Symbolik ist klar: Entweder, sie gibt nach und die Fakten werden dem politischen Willen des rechtsextremen Wendt angepasst, oder Gretas Kind … ja, was? Es wird nicht ausgesprochen, aber alles Schlimme ist denkbar.

Der Kriminaltechniker, der von Hark Bohm gespielt wird, hat die konkrete Tatwaffe in Sachen Mord an Betty Winter ermittelt, rennt zu Gennath, der ist jedoch a.) in einer Sitzung und weist b.) den Techniker auch deswegen schroff zurück, weil jener den Dienstweg nicht einhält: Sein Vorgesetzter in diesem Fall ist Gereon Rath. Nun geht aber der Mann nicht zu Rath, sondern packt sein Wissen im wörtlichen Sinne ein, nämlich in seine Ledertasche. Wir kennen diesen Mann, der sich leicht zurückgefühlt setzt, recht gut, ihm eignet die narzisstische Kränkung.

Im Romanischen Kaffee von Charlottenburg nimmt Katelbach, der Wiener Journalist in Berlin, geheime Konstruktionspläne in Empfang, sie sind zwischen die Seiten einer Zeitung gesteckt. Kein sehr kluger Übergabeweg, nebenbei bemerkt, aber eine hübsche Szene. Charlotte und Rath zusammen im Auto, sie fragt, woher der Kollege die Brooks kennt. Der Name ist übrigens eine Anspielung auf Louise Brooks, die auch diese Bubikopf-Frisur mit Bob trug, welche auch 1929 nicht mainstreamig, sondern eher mondän war (2). Rath antwortet süffisant, eine Schauspielerin muss man ja nicht zwangsläufig am Set kennenlernen (oder im Theater).

Das Phantom des Filmstudios und wie man eine Rolle ohne Firlefanz neu besetzt

2020-10-14 Babylon Berlin Folge 20 Staffel 3 Folge 3 Foto 02

Haben Sie dieses Gesicht schon einmal gesehen? Welches Gesicht? Rath befragt Hauptdarsteller Tristan Roth, aber wieso muss der Ausstatter erst klarstellen, dass es sich um ein für Roth angefertigtes Kostüm handelt?

Das Ziel der Fahrt sind die Studios der Universum Film in Babelsberg, nun kommt auch Tristan Roth ans Set, der Partner der verblichenen Betty Winter, ihn sehen wir erstmals. Er glaubt nicht, dass eine der Frauen, die jetzt eilends gecastet werden, die Winter ersetzen kann. Rath unterhält sich natürlich mit Roth. Charlotte trifft unter den Aspirantinnen auf die Winter-Rolle eine Bekannte aus ihrer früheren WG und ihrer Zeit als leichten Mädchens – also, bevor sie Gereon Rath kennenlernte und sich entschloss, schwere Jungs zu jagen. Psssst! Schweigen ist Gold.

2020-10-14 Babylon Berlin Folge 20 Staffel 3 Folge 3 Foto 07

Walter Weintraub, die am meisten geheimnisumwitterte Figur der dritten Staffel von „Babylon Berlin“.

Die Geldgeber des Films, der Armenier und Weintraub, sitzen mit dem Mann von der Allianz zusammen und der erläutert, dass bei Mordverdacht keine Produktionsausfallgelder gezahlt werden. Da werden die Herren ein wenig Brutal, der anwesende vermittelnde Banker ist schockiert, der Versicherungsmann sagt gar nichts und verlässt so rasch wie möglich den Ort seiner körperlichen Niederlage. Aber in Wirklichkeit haben die beiden Herren aus der Halbwelt das Problem. Sie erfahren auch, dass Kommissar Rath gerade im Studio ist und Tristan Roth befragt. Immerhin kannte dieser den Oberbeleuchter Krempin, der erschossen wurde, nachdem Rath ihm ein Foto von dem Mann gezeigt hat. Charlotte wandert durch die Studiogänge und hat eine Begegnung der dunklen Art: Der Mönch in der Kutte ist unterwegs! Dieser glänzende schwarze Mantel, so cool. Möglich war solch ein Effekt damals übrigens schon. Aber als sie um die Ecke hastet, ist die Figur bereits wieder verschwunden, das Licht geht aus und Charlotte angstvoll, aber beherzt im Dunkeln weiter.

Es stellt sich heraus, dass dieser Mantel ein Kostüm ist – angefertigt für den Herrn Roth. Es gibt ein zweites für sein „Lichtdouble“. Das müsste eine Person sein, auf die man das Licht genau einstellen kann wie bei Roth, die also etwa die gleiche Hautfarbe hat. Diese Kutte! Irgendwie lässt der eine oder andere Edgar-Wallace-Film grüßen. Nun sieht Charlotte aber die Figur noch einmal, die sich an einer Regenrinne herablässt und durch den Garten endgültig abgeht.

Endgültig? Nein. Denn nun sehen wir die Brooks, die tatsächlich die Winter-Rolle ergattert hat, in ihrer Garderobe. Sie wird von der oben erwähnten Ex-Kollegin von Charlotte eingesperrt, weil diese schnell die Rolle haben möchte. Nun ja. Dummerweise hat dieses Verhalten zur Folge, dass nun das Phantom hinter der Brooks steht und sie  umbringt. Klar, den Job als Betty Winters Nachfolgern wird sie nicht mehr bekommen.  „Steht ein Phantom auf dem Balkon“, das wäre natürlich für 1929 ein Hit gewesen, obwohl das Phantom der Oper u. a. 1925 bereits verfilmt wurde und es frühe Kriminalserien mit Figuren wie Fantomas gab. Während der Sequenz musste ich lachen, weil sie so frech und trashig inszeniert ist.

Aber das Kostüm für das Lichtdouble fehlt tatsächlich, wie sich dem Durchsehen des Fundus herausstellt. Krepin, der Beleuchter, wurde von jemandem dafür geschmiert, dass er die Produktion stört, das wissen wir schon, aber kurz vor seinem Tod hat er telefoniert und etwas gesagt wie „Da mach ich nicht (mehr) mit!“ und den Hörer aufgeknallt. Dafür darf Roth in einer Szene, die gedreht wird, den Dämon würden, kann ihn jedoch nicht umbringen, weil er von vampartigen Darsteller*innen abtransportiert wird.

Der geheimnisvolle Mentor

2020-10-14 Babylon Berlin Folge 20 Staffel 3 Folge 3 Foto 06

Raths alter Freundfeind, Kommissar Wolter, ist in Folge 15 verstorben, aber ist der Armenier eine weitere Figur, zu der Rath keine klare Position einnehmen kann? Wie bisher auch zu den aufkommenden Nazis? Es ist schwierig, in diesem Geflecht …

Rath und der Armenier, der mit Weintraub zum Set gefahren ist, sprechen einander unter vier Augen und Rath bekommt einen Faustschlag ab. Er will seine Ermittlungsergebnisse nicht preisgeben (welche Ergebnisse?), doch der Mob-Boss fordert von ihm Kooperation – unter Hinweis auf einen „gemeinsamen Mentor“, der sie beide von drogenabhängigen Krüppeln zu tatkräftigen Menschen entwickelt habe. Wer dabei im Fall von Rath gemeint ist, erschließt sich mir nicht, aber aus den ersten beiden Staffeln wissen wir, dass der Armenier Rath aus einer brenzligen Situation gerettet hat. Geht es um den toten Kommissar Wolter, den Freundfeind? Um Gennath? Darüber dürfen wir ein wenig nachdenken, denn die Folge ist zu Ende und dieses Mal gibt es keinen Gesang im Abspann, nur Instrumentalmusik.

Die Folge 19 ist sicher, etwa auf gleichem Niveau wie die vorausgehende, recht einfach aufgebaut. Man ist von den beiden ersten Staffeln mehr Action und eine komplexere Gemengelage gewöhnt und muss sich erst einmal darauf einstellen, dass nun ein normaler Krimi in den Dekors von 1929 gezeigt wird, expressionistisch ist lediglich noch der Film „Dämonen der Leidenschaft“, der in Stil und Musik  ein Epochen-Crossover darstellt.

  1. Der erste GP von Monaco fand wirklich im Jahr 1929 statt und zumindest die Reihenfolge des Zieleinlaufs der drei besten Fahrer ist richtig wiedergegeben – allerdings war das Rennen bereits im April, während die Folge 19 von „Babylon Berlin“ im September 1929 spielt.
  2. Louise Brooks war eine US-amerikanische Schauspielerin, die in Deutschland vor allem durch zwei Filme des Regisseurs Georg Wilhelm Pabst berühmt wurde – in der Tat im Jahr 1929: „Die Büchse der Pandora“ und „Tagebuch einer Verlorenen“.

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Unsere bisherigen Rezensionen zu „Babylon Berlin“

Folge 18 (Staffel 3)
Folge 17 (Staffel 3)

Folge 16 (Staffel 2)
Folge 15 (Staffel 2)
Folge 14 (Staffel 2)
Folge 13 (Staffel 2)
Folge 12 (Staffel 2)
Folge 11 (Staffel 2)
Folge 10 (Staffel 2)
Folge 09 (Staffel 2)

Folge 8 (Staffel 1)
Folge 7 (Staffel 1)
Folge 6 (Staffel 1)
Folge 5 (Staffel 1)
Folge 4 (Staffel 1)
Folge 3 (Staffel 1)
Folge 2 (Staffel 1)
Folge 1 (Staffel 1)

Rolle Darsteller
Gereon Rath Volker Bruch
Charlotte Ritter Liv Lisa Fries
Greta Overbeck Leonie Benesch
Alfred Nyssen Lars Eidinger
Günter Wendt Benno Fürmann
Helga Rath Hannah Herzsprung
Armenier Misel Maticevic
Walter Weintraub Ronald Zehrfeld
Esther Kasabian Meret Becker
Dr. Schmidt „Anno“ Jens Harzer
Elisabeth Behnke Fritzi Haberlandt
Dr. Völcker Jördis Triebel
Katelbach Karl Markovics
Ernst Gennat Udo Samel
Reinhold Gräf Christian Friedel
Zörgiebel Thomas Thieme
Ullrich Luc Feit
Litten Trystan W. Pütter
Henning Thorsten Merten
Wilhelm Böhm Godehard Giese
Czerwinski Rüdiger Klink
Malu Seegers Saskia Rosendahl
Tristan Rot Sabin Tambrea
Fritz Jacob Matschenz
Otto Julius Feldmeier
Musik: Johnny Klimek
  Tom Tykwer
Kamera: Bernd Fischer
  Christian Almesberger
  Philipp Haberlandt
Buch: Tom Tykwer
  Hendrik Handloegten
  Achim von Borries
Regie: Tom Tykwer
  Achim von Borries
  Hendrik Handloegten

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