Der Hund von Blackwood Castle (DE 1968) #Filmfest 157 #EdgarWallace

Filmfest 157 A "Special Edgar Wallace" (29)

2020-08-14 Filmfest ANicht nur in Baskerville

Die Handlung in einem Satz, ohne Auflösung: Auf Blackwood Castle stirbt dessen Besitzer, ein früherer Seekapitän und dessen Tochter trifft ein, um festzustellen, dass sie das Schloss trotz erstaunlich guter Angebote für den alten Kasten gerne übernehmen möchte, was einigen Herren, die in einer benachbarten Herberge abgestiegen sind, nicht sehr gefällt – sie werden allerdings reihenweise umgebracht und immer heult ein Hund dazu.

Erstmalig standardisieren wir Rezensionen optisch und inhaltlich – alle Edgar Wallace-Filme, die wir uns für den Wahlberliner angeschaut haben, werden wir nach dem nachfolgenden Schema rezensieren. Die Rezensionsfolge entspricht nicht der Drehfolge der Filme, aber da wir die Veröffentlichung nicht sofort vornehmen werden, können wir nach Abschluss der Wallace-Rezensionen die Chronologie nachträglich wiederherstellen. Anmerkung anlässlich der Veröffentlichung 2020: Das haben wir insbesondere für die Farbfilme nicht vollständig getan, weil wir uns entschlossen haben, die Reihe doch möglichst komplett zu rezensieren und nicht warten wollten, bis wir alle Filme anschauen konnten (es ist uns mittlerweile gelungen, 37 von 38 Filmen zu sichern).

„Der Hund von Blackwood Castle“ ist der 30. Nachkriegsfilm nach einem Buch oder Motiven von Edgar Wallace deutscher Herstellung, der 25. der Rialto-Film innerhalb der Reihe und der erste, der komplett in Farbe gedreht wurde. Obwohl zum Beispiel der bewährte Heinz Drache gegen seine bisherigen Rollenklischees innerhalb der Reihe besetzt wurde und dadurch für etwas Überraschung sorgt, trotz der Farbe und weiterer bekannter Gesichter der Reihe waren die Edgar-Wallace-Filme auf dem absteigenden Ast: „Der Hund von Blackwood Castle“ lockte lediglich 1,2 Millionen Zuschauer in die Kinos.  Spitzenfilme der Reihe erzielten bis zu 3,6 Millionen Kartenverkäufe („Das Gasthaus an der Themse“, 1961).

Produktionsnotizen (1)

  • Der Film basiert nur auf Motiven von Edgar Wallace, knüpft jedoch an den bekannten Sherlock-Holmes-Roman Der Hund von Baskerville an.
  • Herbert Reinecker schrieb das Drehbuch unter seinem Pseudonym Alex Berg. Den Erstentwurf, der noch Der schwarze Hund von Blackwood Castle hieß, verfasste Franz Seitz.
  • Die Außenaufnahmen entstanden, wie bei mehreren Filmen der Reihe, zu einem großen Teil auf der Pfaueninsel in Berlin. Die Innenaufnahmen fanden in den Ateliers der CCC-Film im Berliner Bezirk Spandau statt.
  • Der Film enthält ausschließlich Aufnahmen aus dem damaligen West-Berlin.
  • Bei diesem Film löst nicht, wie sonst üblich, ein Inspektor den Fall, sondern Scotland-Yard-Chef Sir John (Siegfried Schürenberg) persönlich.
  • Erstmals wirkte Horst Tappert in einem Film der Serie mit. Heinz Drache, der hier erstmals einen Schurkenpart in dieser Filmreihe erhielt, beendete mit seinem neunten Edgar-Wallace-Film seine Kinokarriere in Deutschland und drehte lediglich noch einen Tierfilm in England. Er widmete sich danach dem Theater und übernahm gelegentlich Fernsehrollen.
  • Alexander Engel, der hier den Doc Adams spielte, verstarb 1968. Der Hund von Blackwood Castle war einer seiner letzten Filme.
  • Regisseur Alfred Vohrer und seine Assistentin Eva Ebner sind in einer kurzen Szene vor dem Nachtclub zu sehen.
  • Da es sich um den 25. Edgar-Wallace-Film der Rialto Film handelte, fand nach Abschluss der Dreharbeiten eine Jubiläumsfeier statt. Bei der Premierenfeier erhielt Horst Wendlandt eine Goldene Leinwand für seine Edgar-Wallace-Produktionen.
  • Der Film wurde von der FSK ohne Kürzungsauflagen ab 12 Jahren freigegeben.

Handlung (1)

Als Kapitän Wilson, der alte Herr von Blackwood Castle, stirbt, hinterlässt er seiner 22-jährigen Tochter Jane das verfallene Schloss Blackwood, welches Robert Jackson, der Anwalt der Familie, sofort für 10.000 £ veräußern möchte, doch Jane weigert sich, die Verkaufsvollmacht zu unterschreiben.

Seltsamerweise interessieren sich mehrere Gäste der nahegelegenen Kneipe Old Inn ebenfalls für das Anwesen. Einer davon ist der mysteriöse Humphrey Connery, der im Moor den Tod Tuckers, eines anderen Gastes, beobachtet. Jane bekommt mit, dass Edward Baldwin das Schloss für 20.000 £ kaufen möchte, doch fällt dieser kurz darauf einem mordlüsternen, schwarzen Hund zum Opfer. Die Leiche wird von Connery abtransportiert und taucht später bei Anwalt Jackson auf. In ihrer Not ruft Jane Sir John von Scotland Yard zur Hilfe. Sir John ist ein alter Bekannter von Agathy Beverton, der Besitzerin der Kneipe.

Zusammen mit Jane macht er grausige Entdeckungen. Im Keller des Schlosses, das von dem Hausdiener Grimsby verwaltet wird, befindet sich ein Terrarium mit giftigen Schlangen. Deren tödliches Gift wird von Grimsby benutzt, um die Zähne der im Zwinger gehaltenen Hunde zu präparieren. Anwalt Jackson wird tot in einem brennenden Personenwagen gefunden. Der neu in der Kneipe angekommene Douglas Fairbanks wird ebenfalls von einem Hund verfolgt, aber von Connery gerettet.

Inzwischen ist Catherine Wilson, die frühere Ehefrau des letzten Schlossbesitzers, im Schloss eingetroffen. Sir John findet heraus, dass Fairbanks, Nelson und die inzwischen umgekommenen Baldwin und Tucker auf der Personalliste von Kapitän Wilsons Schiff standen. Auf diesem Schiff, der „Präsident Monroe“, war vor einigen Jahren eine wertvolle Juwelensammlung verschwunden. Kurz darauf stirbt auch Nelson. Alle suchen nun im Schloss nach den Juwelen. Catherine Wilson wird erschossen, Tom Heyes kommt im Moor um. 

Rezension

„Der Hund von Blackwood Castle“ hat alles, was ein guter Edgar-Wallace-Gruselkrimi braucht: Ein verwunschenes Schloss, das allerdings selbst bei Nacht recht niedlich wirkt, und es steht ja auch auf der Pfaueninsel in Berlin, nicht in nebeligen englischen Gefilden. Praktischerweise gibt es dieses Mal keine London-Szenen, sodass man sich die in Mode gekommenen, aber teuren On-Location-Trips sparen konnte. Und die Wälder hierzulande und auf der Insel sind offenbar nicht so unterschiedlich, dass man nicht auch ein nordostdeutsches Exemplar hernehmen könnte.

Regie hat Alfred Vohrer geführt, die Musik hat Peter Thomas geschrieben, und die waren sind Garanten für das echte Wallce-Feeling wie kein anderes Team der Reihe.

Mit bekannten Schauspielern wie Heinz Drache und Siegfried Schürenberg hat man außerdem die Kontinuität zu den letzten Erfolgsfilmen wie „Der Hexer“ (1965) gewahrt. Mangels eines ausführenden Inspektors aber muss Sir John (Schürenberg) von Scotland Yard den Fall dieses Mal selbst lösen, und das macht er besser, als man es nach seinen früheren Auftritten vermuten durfte, in denen er hauptsächlich launige Bemerkungen zur Arbeit seiner Untergebenen beisteuerte.

Dass mit dem angeblichen Versicherungsagenten, den Heinz Drache dieses Mal spielt, etwas nicht stimmt, bemerkt man allerdings, bevor man weiß, dass er sich als solcher ausgibt: Sein Interesse daran, die Morde zu beobachten und Leichen verschwinden zu lassen, bevor es andere tun, ist zwar nicht logisch, aber weist darauf hin, dass wir es dieses Mal nicht mit der Lichtgestalt oder einer der Lichtgestalten zu tun haben. Erstmalig spielt Drache hier einen der Bösen und hat dazu noch eine Frau als Co-Workerin, welche die ahnungslose Schlosserbin einsperrt.

Unsere Lieblingsfiguren in dem Film, dessen Titel auf den Sherlock-Holmes-Krimi „Der Hund von Baskerville“ von Arthur Conan Doyle anspielt, sind aber Sir John und Lady Beverton, wundervoll wie immer verkörpert von Agnes Windeck, die im Jahr darauf in „Die Herren mit der weißen Weste“ eine noch prägnantere Rolle spielte.

Es stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen Hund handelt, sondern um ein ganzes Rudel, obwohl sich auch dessen Notwendigkeit nicht erschließt – im Gegenteil, es wäre immerhin möglich gewesen, dass mehrere der Tiere freilaufend den Eindruck erweckt hätten, es handele sich eben nicht um einen einzigen Hund. Ob pro Hund nur einmal einer dieser schaurigen Giftzähne aufgesetzt werden kann, die im Dunkeln leuchten wie die Eckhauer eines Säbelzahntigers? Wir wissen es nicht.

Hingegen wissen wir, dass Horst Tappert den etwas zeitklassigen Schurken, der witzigerweise Douglas Fairbanks heißt, auf eine schauspielerisch nicht sehr elaborierte, aber gerade dadurch seltsam glaubwürdige Art spielen kann, sodass man sich fragt, wie es ihm gelungen ist, wenig später als „Derrick“ nicht nur die Seite zu wechseln, sondern mit dieser auf ihn zugeschnittenen Reihe einen der größten Erfolge in der beinahe 65jährigen Geschichte des deutschen Fernsehens zu erzielen. In „Der Hund von Blackwood Castle“ deutet darauf nicht viel hin.

Alfred Vohrers Regie enttäuscht nicht, gewisse Seltsamkeiten sind drehbuchbedingt und man darf bei den Wallace-Filmen, zumal bei denen, die nur „nach Motiven“ und nicht aufgrund eines einzelnen Krimis gedreht sind, keine zu hohen Ansprüche an die Handlungslogik oder an die Genauigkeit der Figurenzeichnung stellen. Vohrers routinierte Hand behält jedoch alles im Griff und führt den Zuschauer souverän durch einen recht spannenden Plot, der sich überdies durch den Einbau vieler Gags auszeichnet und mit einigem schrägen Humor ein weiteres Merkmal der Vohrer-Filme beinhaltet – wobei der Humor sich aus einigen Situationen, hauptsächlich aber daraus ergibt, dass der Regisseur die Schauspieler zu sehr dezidiertem Spiel anhält. Das wirkt einerseits trashig und übers Ziel hinaus schießend, andererseits ist der Kult der Reihe gerade darin begründet, dass etwas viel auf den Putz gehauen wird. Über zu gewöhnliche Charaktere kann man sich während des Anschauens von „Der Hund von Blackwood Castle“ jedenfalls nicht beschweren, auch nicht darüber, dass man sich wegen zu viel Differenzierung ernsthaft den Kopf über sie zerbrechen müsste.

Im Vergleich zu anderen Filmen der Reihe, die viel mehr Außenaufnahmen mit weiten Landschaftspanoramen beinhalten, wie sie etwa Harald Reinl in seinen Wallace-Filmen verwendet hat, wirkt „Der Hund von Blackwood Castle“ recht „stagy“. Man kann sich dieses Werk gut als Theaterstück vorstellen, das mit wenigen Bühnenbildern auskommt, denn er ist überwiegend in wenigen Innenräumen verortet. Das erzeugt eine leicht klaustrophobische Atmosphäre, auch wenn die Räume, in denen gedreht wird, teilweise erhebliche Ausmaße haben, wie die Halle oder Janes Schlafzimmer in Blackwood Castle.

Beim Anschauen ist es ein wenig wie mit der Reihe an sich: Es gibt irgendwann Ermüdungserscheinungen. Es gibt weltweit nur eine einzige Reihe, die seit mehr als 50 Jahren bestehen konnte, und auch sie hatte Schwankungen und musste sich immer wieder selbst neu erfinden, um diesen überragenden Erfolg aufzuweisen: die James Bond-Filme. Sie haben auch den Vorteil, dass sie international „gangbar“ sind und den weltweiten Geschmack in hohem Maß zu treffen verstehen.

Alle anderen Serien, Reihen, auch die Werke einzelner Regisseure, sind typischerweise einer Kurve unterworfen, die von bemerkenswerten Anfängen, einem Aufstieg zu großer Popularität und einem allmählichen Verblassen dieser Popularität geprägt sind. Die kreative Kraft der Anfangszeit verdichtet sich auf dem Höhepunkt zu einem gesicherten Bestand an Handlungs- oder Stilelementen, die bestenfalls zu einer Marke werden, wie bei den Edgar Wallace-Filmen. Dann aber sind die Pfade ausgetreten und die Ideen, die neuen Schwung bringen sollen, wie bei den späten Edgar Wallace-Filmen die Anlehnung an den italienischen Gallo, fruchten nicht, weil sie in die falsche Richtung zielen und gleichzeitig die vom Publikum geschätzten Merkmale vernachlässigen.

Typische Merkmale von Edgar Wallace-Filmen gemäß Wikipedia (kursiv) und unsere Anmerkungen zum jeweiligen Film:

  • Regie: Kein Regisseur hat den Stil der Edgar-Wallace-Filme mehr beeinflusst als Alfred Vohrer. Der erfahrene Synchronregisseur inszenierte 14 Filme der Serie, darunter Klassiker wie Die toten Augen von London, Das Gasthaus an der Themse und Der Hexer. Die leicht übertriebene Schauspielführung und die pointierte Schnitt- und Zoomtechnik sind für praktisch alle Film- und Fernseharbeiten Vohrers typisch. (…)
    • Stilistisch ist „Der Hund von Blackwood Castle“ nicht ganz so prägnant wie einige der vorausgehenden Schwarz-Weiß-Filme, doch die ins Satirische gehende Art, wie die Figuren dargestellt werden, ist hier schon besonders gut entwickelt und setzt sich dadurch auch von den Werken anderer für die Reihe tätiger Regisseure ab, die den ironischen und leicht surrealistischen Ton nicht so gut beherrschten – auch wenn der Vohrer-Stil erkennbar von anderen nachgebildet wurde.
  • Darsteller: Die Besetzung mit bewährten Schauspielern in ähnlichen Rollen war typisch für die Edgar-Wallace-Verfilmungen. Zu den meist reifen und besonnenen Ermittlern zählten Joachim Fuchsberger (13 Filme), Heinz Drache (acht Filme), Siegfried Lowitz (vier Filme), Harald Leipnitz (drei Filme) oder Klausjürgen Wussow (zwei Filme). In den weiblichen Hauptrollen waren meist attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme), Brigitte Grothum (drei Filme) oder Karin Baal (drei Filme) zu sehen. (…) Komische Rollen übernahmen Eddi Arent (23 Filme), Siegfried Schürenberg (16 Filme) und Hubert von Meyerinck (vier Filme) (…).
    • Die wichtigen Rollen von Heinz Drache und Siegfried Schürenberg sowie die Anwesenheit von Agnes Windeck täuschen nicht darüber hinweg, dass dem Film mit Addi Arent und Klaus Kinski zwei wichtige Gegenpole fehlen – vor allem wirken die Gangster recht normal und banal, eine irre Type, wie Kinski sie unnachahmlich darzustellen wusste, hätte dem Film sicher noch einmal einen Dreh gegeben – sowohl Arent als auch Kinski passten in ihrer Art, Darstellungen ins Extrem zu treben, trefflich zum Regiestil von Alfred Vohrer und sind mit für den besonderen Touch der besten Wallace-Filme verantwortlich gewesen.
  • Titel: Die Filmtitel, die meist den Romantiteln entsprachen, sollten beim Publikum eindeutige Assoziationen mit dem Genre des Edgar-Wallace-Films hervorrufen. So verbarg sich hinter vielen Titeln ein eindeutiger Hinweis auf den Hauptverbrecher des Films (Der grüne Bogenschütze, Der Zinker, Der Mönch mit der Peitschea.).
    • Der Hund oder die Hunde sind nicht Täter, sondern Werkzeuge, doch immerhin verbirgt sich das Böse sehr wohl hinter ihnen.
  • Handlung: Die Handlungselemente der Edgar-Wallace-Filme waren ähnlich angelegt. So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel.
    • Es ist uns nicht so richtig klargeworden, was den Kapitän antreibt, der in einer Kapitänsmaske auftritt, aber seine Widersacher oder Möchtegern-Schlosskäufer oder –räuber suchen nach einem Juwelenschatz, den sie auf seinem früheren Schiff entwendet hatten: Habgier.
  • Handlungsorte: Der (hauptsächliche, A. d. Verf.) Handlungsort war, wie in den Romanvorlagen, fast immer London und Umgebung, wobei sich die Akteure vorwiegend in alten Schlössern, Herrenhäusern oder Villen bewegten. Auch verruchte Nachtlokale, düstere Blindenheime, Irrenanstalten und finstere Kellergewölbe waren beliebte Haupt- und Nebenschauplätze der Handlung. In späteren Filmen kamen Mädchenheime und -pensionate hinzu. Die tatsächlichen Drehorte befanden sich aufgrund geringerer Produktionskosten jedoch selten in Großbritannien sondern in Deutschland. So dienten vor allem Straßen in Berlin und Hamburg. (…) Als Kulisse für London-Szenen. Für die nötige Authentizität in den Filmen sorgten oft allein Archivaufnahmen Londons, die man in die Filme einfügte.
    • Im Wesentlichen konzentriert sich das Geschehen auf Blackwood Castle und die Taverne, in der alle Juwelenhäscher nacheinander absteigen – sowie auf die Umgebung zwischen den beiden Orten bzw. den Schlosspark, dort finden einige Männer den Tod. Das Düstere der Schwarzweiß-Filme versucht man einigermaßen zu erhalten, indem sowohl das Schlossinnere als auch die Räume der Gaststätte mächtige Holzbalken und –verkleidungen in dunklen Färbungen aufweisen.
  • Vorspann: Die meisten Edgar-Wallace-Filme begannen mit einem spektakulär in Szene gesetzten Mord. Dann folgte der Vorspann des Films, der ab 1961 (bis auf zwei Ausnahmen) farbig gestaltet war (der Rest des Films war Schwarzweiß). Schon die Gestaltung der Namensnennung mit blutroten oder giftgrünen Buchstaben sollte einen spannenden Film ankündigen. Um der Serie einen noch höheren Wiedererkennungswert zu verleihen, wurde der Vorspann der Wallace-Filme ab 1962 mit aus dem Off erklingenden Schüssen und dem Satz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ eröffnet. (…)
    • Der farbige Vorspann und die Stimme fügen sich jetzt recht harmonisch ein, da der Film insgesamt in Farbe ist – und der übliche Anfangsspruch wird von einer Titelmusik umrahmt, die ebenfalls mit  einem besonderen Hall gesprochene und verfremdete Worte enthält.
  • Musik: Besonders prägnant gerieten auch die Soundtracks der Filme, vor allem die oft reißerische und eingängige Titelmusik. Die Musik von insegesamt 18 Filmen der Serie stammt von Peter Thomas, der mit seinen phantasiereichen Arrangements und modernen Aufnahmetechniken der markanteste und dominanteste Komponist der Serie war. Während die Soundtracks von Martin Böttcher (fünf Filme), Willy Mattes (zwei Filme) oder Peter Sandloff (ein Film) eher aus zeitlosem Orchestersound mit Easy-Listening-Charakter bestanden, griffen Heinz Funk (drei Filme) und Oskar Sala (ein Film) auch auf neue Techniken der elektronischen Musik und experimentelle Kompositionen zurück.
    • Die Hervorhebung einzelner Worte wie „Blackwood Castle!“ in einem fetzigen Vorspann-Song ist eine typische Peter-Thomas-Idee, die Musik während des Films ist aber für seine Verhältnisse nicht übermäßig prägnant und geht ein wenig ins Jazzige.

Finale

Die Wende vom Schwarzweiß- zum Farbfilm markiert auch den Niedergang der Wallace-Reihe – zumindest das Zuschauerinteresse betreffend. Aber auch die Tendenz, sich selbst zu zitieren und zu variieren, war verführerisch, das merkt man „Der Hund von Blackwood Castle“ deutlich an. Nichtsdestotrotz ist „Der Hund von Blackwood Castle“ im Rahmen der Wallace-Filme kein schwaches Werk.

Wenn  man sich mit den Wallace-Filmen befassen will, empfiehlt es sich allerdings sehr, chronologisch vorzugehen, soweit möglich. Bei uns hat das nicht ganz funktioniert, weil wir um Weihnachten 2013 herum mit einem Bündel von Filmen begannen, die von einem privaten Fernsehsender in einem Tag und einer Nacht als Werkshow mit einigen der wichtigsten Wallace-Filme begann – es folgten mehrere Ausstrahlungsperioden auf verschiedenen Kanälen derselben Sendergruppe, dabei waren auch einige der selten zu sehenden späten Wallace-Verfilmungen zu sehen. Nur „Das Gasthaus an der Themse“ und „Der Gorilla von Soho“ haben wir verpasst. Diese beiden Filme und weitere Lücken werden wir per Video-Download und am Ende durch Ausleihung in einer gut bestückten Präsenzvideothek schließen. Der Spaß spiegelt bereits die Kurve, die auch die Reihe nahm: Die große Spannung ist raus, wir wissen, dass bis auf „Das Gasthaus“ die noch offenen Filme, die meist in der Abbau-Periode der Reihe gedreht wurden, nicht zu den Höhepunkten zählen und wir gehen eher mit der Maßgabe heran, Vollständigkeit herzustellen, als dass wir verborgenen, nie im Fernsehen gezeigten Schätzen entgegenfiebern würden.

64/100 

© 2020 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Begleitartikel „Special Edgar Wallace“ (Update)
Filmfest News 1 (beinhaltet das 2. Update zum „Special Edgar Wallace“ – vorliegender Artikel)
Filmfest News 2 (aktueller Stand des „Special Edgar Wallace“ und weiterer Vortellungsrhythmus)
Filmfest News 3 (aktueller Stand des „Special Edgar Wallace“ und weitere Neuigkeiten)
FFA 61 Der Frosch mit der Maske
FFA 63 Der Rächer
FFA 65 Der grüne Bogenschütze
FFA 67 Die toten Augen von London
FFA 70 Der rote Kreis
FFA 72 Das Geheimnis der gelben Narzissen
FFA 74 Die seltsame Gräfin
FFA 76 Das Rätsel der roten Orchidee
FFA 78 Die Tür mit den sieben Schlössern
FFA 80 Das Gasthaus an der Themse
FFA 83 Die Bande des Schreckens
FFA 85 Der Zinker
FFA 88 Der schwarze Abt
FFA 91 Das indische Tuch
FFA 94 Der Hexer
FFA 97 Neues vom Hexer
FFA 102 Der Fälscher von London
FFA 107 Der unheimliche Mönch
FFA 112 Zimmer 13
FFA 117 Die Gruft mit dem Rätselschloss
FFA 122 Das Verrätertor
FFA 127 Der Fluch der gelben Schlange
FFA 132 Todestrommeln am großen Fluss
FFA 137 Sanders und das Schiff des Todes
FFA 142 Der Bucklige von Soho
FFA 147 Das Geheimnis der weißen Nonne
FFA 152 Im Banne des Unheimlichen
FFA 157 Der Hund von Blackwood Castle (dieser Beitrag)

Regie Alfred Vohrer
Drehbuch Alex Berg
Produktion Rialto Film
(Horst Wendlandt, Preben Philipsen)
Musik Peter Thomas
Kamera Karl Löb
Schnitt Jutta Hering
Besetzung

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