Der Gorilla von Soho (DE 1968) #Filmfest 182 #EdgarWallace

Filmfest 182 A "Special Edgar Wallace" (34)

2020-08-14 Filmfest ADer Gorilla ohne Villa im Zoo

Der Gorilla von Soho ist ein deutscher Kriminalfilm, der 1968 unter der Regie von Alfred Vohrer gedreht wurde. Dieser 32. Beitrag der deutschen Edgar-Wallace-Filmreihe ist eine Neuverfilmung des Films Die toten Augen von London (1961), der auf dem gleichnamigen Roman (Originaltitel: The Dark Eyes of London) von Edgar Wallace basiert. Der Gorilla von Soho startete am 27. September 1968 in den bundesdeutschen Kinos. (1)

Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass in „Die toten Augen von London“ ein Gorilla vorkam, aber wenn die Wikipedia es schreibt, muss es stimmen. Aber diese Waschkesselszene war entweder so prägnant, dass sie mir für immer in Erinnerung bleiben wird – oder es gab sie tatsächlich zwei Mal. Wie auch immer, Mehr Beobachtungen zu „Der Gorilla“, der nicht in einer Villa, sondern in Soho wohnt, habe ich in der -> Rezension aufgeschrieben.

Notizen (1)

Während die 1967 uraufgeführten Edgar-Wallace-Filme abermals für ein gutes Geschäft sorgten, liefen bei Horst Wendlandts Rialto Film bereits die Vorplanungen für das Jahr 1968. Da man inzwischen freie Stoffe nach Motiven von Edgar Wallace verfilmte, standen zu Beginn der Planungen meist nur der Filmtitel, ein Thema, der beauftragte Drehbuchautor und ein geeigneter Regisseur fest. So schloss Rialto Film mit dem Verleih Constantin Film einen Vertrag über die Herstellung von drei Edgar-Wallace-Filmen im Jahr 1968. Geplant waren:

  1. Der Gorilla von Soho (Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Harald Philipp)
  2. Der Unheimliche (Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Alfred Vohrer)
  3. Der Mann mit dem Glasauge (Drehbuch: Ladislas Fodor, Regie: Alfred Vohrer)

Noch im November 1967, während der Dreharbeiten zu Der Hund von Blackwood Castle, ging man bei Rialto Film fest davon aus, nach dessen Uraufführung den Film Der Gorilla von Soho zu drehen. Um innerhalb der Filmreihe für Abwechslung zu sorgen, wollte man nach drei Filmen von Alfred Vohrer nunmehr Harald Philipp als neuen Regisseur verpflichten. Das Projekt war zu diesem Zeitpunkt bereits soweit gediehen, dass Rialto Film eine detaillierte Besetzungsliste erstellte:[2]

Dann äußerte Constantin Film Bedenken zu dem Vorhaben, da man nicht zwei Edgar-Wallace-Filme mit einem Tier im Titel (Hund und Gorilla) aufeinander folgen lassen wollte. Rialto Film beschloss, zunächst den Film Der Unheimliche (späterer Titel Im Banne des Unheimlichen) unter der Regie von Alfred Vohrer und nach einem alternativen Drehbuch von Ladislas Fodor zu realisieren. Dabei griff man auf einen großen Teil der ursprünglich für Der Gorilla von Soho vorgesehenen Schauspieler zurück.

Wie wir wissen, wurde auch ein Großteil der Rollen anders besetzt, mit einer besonders wichtigen Änderungen: Horst Tappert sollte als neuer Chefinspektor etabliert werden.

Handlung (1)

Der Australier Richard Ellis wird in London tot aus der Themse gefischt. Bei der Leiche findet man eine Puppe mit einer rätselhaften Aufschrift. Da es sich bereits um den dritten angeblich ertrunkenen Millionär aus Übersee handelt, glaubt Inspektor Perkins nicht an einen Unfall. Scotland-Yard-Chef Sir Arthur stellt dem Ermittler die attraktive Susan McPherson, eine Expertin für afrikanische Sprachen, an die Seite. Diese kann auf der Puppe die Wörter „Verbrechen“, „Mord“ und „das Ungeheuer und der Gorilla“ entziffern. Der Inspektor vermutet, dass die einst gefürchtete „Gorillabande“ hinter den Morden steckt. Diese Organisation übte ihre Verbrechen stets im Kostüm eines Gorillas aus. Inzwischen hat Perkins‘ Assistent Sergeant Pepper erfahren, dass Ellis sein gesamtes Vermögen der karitativen Organisation „Love and Peace for People“, kurz „LPFP“, vermachte. Perkins stattet deren Chef, Henry Parker, einen Besuch ab und trifft in dessen Büro auf den Ganoven Sugar. Der Inspektor wird beinahe Zeuge, wie Mr. Sugar Parker erpresst. Der schmierige Unterweltler half Parker einst bei der Beseitigung seines Bruders Donald, an den Sugar seine damalige Freundin verlor. Anschließend besucht der Inspektor einen Nachtclub, in dem neben Mr. Sugar auch Donald Parkers frühere Geliebte Cora Watson verkehrt.

Am nächsten Tag fahren Inspektor Perkins, Sergeant Pepper und Susan McPherson zu dem Mädchenheim St. Maria, das der Gorillabande früher als Unterschlupf diente. Die Insassinnen stellen hier jene Puppen her, von denen man eine bei Ellis’ Leiche fand. Die strenge Schwester Elisabeth kann sich gut an Jack Corner, den früheren Chef der Gorillabande, erinnern. Er arbeitete in der Anstalt als Heizer und verschwand nach einem schweren Unfall, durch den sein Gesicht entstellt wurde. Erst danach übernahm die heutige Oberin das Haus. Kurz nach dem Besuch entdeckt Susan, dass man ihr eine Puppe zugesteckt hat. „Der Gorilla kommt manchmal nachts, die Oberin weiß nichts davon“ ist darauf zu lesen. Henry Parkers Sekretär Edgar Bird teilt Cora Watson indessen einige pikante Details aus dem Büro der LPFP mit. Parker selbst wird unterdessen von Gordon Stuart und dessen Notar Dr. Jeckyl empfangen. Nachdem Stuart erst kürzlich erfahren hat, dass seine uneheliche Tochter, Susan Ward, am Leben ist, lässt er sein Testament ändern. Diese soll, anstelle der „Love and Peace for People“, das gesamte Vermögen Stuarts erben. Am Abend lauert Cora Watson Henry Parker auf und versucht vergeblich, ihn zu erpressen. Zur gleichen Zeit wird Susan McPherson, die sich als Helferin der Staatlichen Fürsorge ausgibt, in das St.-Maria-Heim eingeschleust. Während Susan dort einige Insassinnen zur Unterbringung befragt, wird im Keller der vom Gorilla entführte Gordon Stuart in einem Waschkessel ertränkt. Schwester Elisabeth zwingt die taubstumme und farbige Dorothy Smith zur Mithilfe. Das Mädchen steckt eine mit Warnungen beschriebene Puppe in den Hausmantel des ermordeten Stuart, bevor er in der Themse landet.

Morgens erfahren die Ermittler von der Ermordung Stuarts. Wenig später entdeckt Edgar Bird die erdrosselte Cora Watson. Inspektor Perkins, der dies beobachtet, lässt den auf Bewährung freigelassenen Bird zu dessen eigener Überraschung laufen. Dr. Jeckyl informiert Perkins und Pepper über Stuarts Testamentsänderung. Abends sind die Beamten mit dem Hauschauffeur des Hotels, in dem Stuart übernachtet hat, unterwegs. Perkins hofft, dadurch eine Spur zu Stuarts verschollener Tochter Susan Ward zu finden. Perkins und Pepper staunen nicht schlecht, als der Fahrer sie zu einem Haus bringt und Susan McPherson ihnen die Tür öffnet. Susan erzählt aufgeregt, dass man ihre Mutter entführt habe. Perkins veranlasst sofort eine Suchmeldung. Der Ganove Sugar ist in der Zwischenzeit dahintergekommen, dass Henry Parker den Schlüssel zu Coras Wohnung besitzt. Als er das Büro der LPFP aufsucht, um Parker erneut zu erpressen, wird er von Edgar Bird ermordet. Susan McPherson wird indessen fast vom Gorilla entführt, kann jedoch im letzten Moment von Sergeant Pepper gerettet werden.

Sir Arthur genehmigt tags darauf endlich eine Durchsuchung des Mädchenheims. Die Oberin behauptet, dass die taubstumme Dorothy Smith verschwunden sei. Aber telefonisch kann der Polizeiarzt den Verdacht des Inspektors bestätigen, dass das Mädchen längst in der Themse beseitigt wurde. Susan, die über Nacht im St.-Maria-Heim bleibt, kann im Keller das Versteck des Gorillas ausfindig machen. Der herbeigerufene Pepper nimmt die Verfolgung des unheimlichen Verbrechers auf, der inzwischen auch Susans Mutter auf dem Gewissen hat. Währenddessen dringt Perkins heimlich in Parkers Büro ein, wo er von Edgar Bird überrascht wird. Dem Beamten gelingt es zwar, den zwielichtigen Sekretär zu überlisten, doch ein Unbekannter schlägt Perkins k. o. und befördert Bird ins Jenseits. Als Sir Arthur und Sergeant Pepper wenig später das Büro durchsuchen, fehlt vom Inspektor jede Spur. Man findet allerdings Beweise, dass die geerbten Gelder von der „Love and Peace for People“ direkt an das Mädchenheim übertragen wurden. Dort befinden sich Susan und Perkins bereits in der Gewalt der wahren Haupttäter, der Oberin und Henry Parkers. Das Paar, dass sich vor fünf Jahren in Südamerika kennengelernt hatte, will nun auch Susan McPherson, bei der es sich im Wahrheit um Susan Ward handelt, im Waschkessel und in der Themse beseitigen. Stuarts Erbe wollen die beiden anschließend durch ein Mädchen aus dem Heim kassieren, dass sich als Susan ausgibt. Perkins gelingt es, sich zu befreien und die Oberin zu überlisten. Aber Parker erschießt kaltblütig seine Partnerin und zielt mit seiner Waffe auf den Inspektor. Im letzten Moment gelingt es Sergeant Pepper, sowohl den Gorilla als auch Parker zu überwältigen und Susan aus dem fast gefüllten Waschkessel zu retten.

Rezension

Da es allgemein heißt, dass die Wallace-Reihe von Regisseur Alfred Vohrer geprägt wurde, muss man hinzufügen: Im Grunde geschah das erst nach ihrem Höhepunkt. In der „klassischen Zeit“, die wir mit dem Jahr 1965 enden lassen, hatte Vohrer zwar seinen Anteil an der Prägung des Stils, aber es gab durchaus Konkurrenz, z. B. von Harald Reinl, der einige der erfolgreichsten Wallace-Krimis inszeniert hat. „Der Gorilla von Soho“ aber stammt von Alfred Vohrer und ich meine, das merkt man dem Film auch an. Er ist einer der bis dahin skurrilsten und selbstironischsten der Reihe.

Authentisch wirkt durch die Anwesenheit von Alfred Vohrer als Regisseur auch der Vorspann: Maschinenpistole, Einschüsse in Form von Blutflecken, der Name Edgar Wallace erscheint in diesen Flecken und zudem spricht dieser auch noch: mit der Stimme von Alfred Vohrer.

Offenbar scheint der Rolls-Royce Cloud ein Synonym für den Wagen des Bösen zu sein, den man in insgesamt drei Filmen der späten 1960er zu sehen bekommt. Meine Vermutung geht dahin, dass es der Privatwagen des Filmproduzenten Artur Brauner ist, in dessen CCC-Studios die damaligen Edgar-Wallace-Krimis überwiegend gedreht wurden. Produzentin ist aber auch dieses Mal die Rialto von Preben Philipsen, die fest die Hand auf die Originalstoffe von Edgar Wallace hatte und auch manches Derviat produzierte, das sich nur noch aus „Motiven“ und – sic! – Versatzstücken zusammensetzte.

Der Fahrer des Rolls Royce wird zur Battle Bridge bestellt, und zwar um 23 Uhr. Und schon guckt aus dem Gebüsch der Gorilla (in der Siri-Sprache meines Handys: Lego Villa, vermutlich ein Verwandter von Pancho Villa oder doch ein Hinweis auf die aktuelle Behausung des spuckenden Zoo-Gorillas, der von Hans Albers 1932 so wunderbar besungen wurde). Beim Anschauen fand ich den Gorilla süß, so jedenfalls ist es in meinen Aufzeichnungen dokumentiert. Leider bringt er den Mann um, den ich zuvor erwähnt hatte. Vermutlich hat er seine Gründe. Man soll nie zu schnell den Stab über einem Gorilla brechen, den man gerade noch als knuffig wahrgenommen hat. Der Gorilla schleppt den Mann dann zu einem Boot. Während der Aktion läuft der Vorspann mit dem oben erwähnten, über Jahre entwickelten speziellen Wallace-Gepräge.

„Der Gorilla von Soho“ ist der erste Film, in dem Horst Tappert mitspielt, Uschi Glas (gemäß Siri: Sushi Glas) hingegen kennen wir schon aus „Der Mönch mit der Peitsche“ und sehen sie nun in ihrem zweiten Auftritt im Wallace-Universum.

Auffällig ist, dass man versucht, vom Stil doch mit der Zeit zu gehen, ohne die Wurzeln, den Gruselkrimi, zu verleugnen – deswegen auch oben die Bezeichnung Übergangsfilm. Deutlich wird die Anpassung nicht nur durch das Umschwenken auf Farbe ab 1966, sondern im „Gorilla“ auch daran, dass Peter Thomas seine Musik nun auch mit Beat-Rhythmen versehen hat. Der Wechsel zum heute aufgrund seiner Lebensrolle als „Derrick“ als Profi-Polizist verorteten Horst Tappert macht den Stil der Filme noch etwas kantiger, weniger gelungen ist, dass man Sir John (Siegfried Schürenberg) durch Sir Arthur (Hubert von Meyerinck) ersetzt hat. Bei den weiblichen Rollen, auch wenn es nicht sehr PC klingt, ist es mehr oder weniger gleich, wer mitmacht, solange es nicht Karin Dor ist, die in einem ihrer Filme, unter der Regie ihres Mannes Harald Reinl, sogar die Mörderin geben durfte. Dass die Täterperson weiblich war, kam seitdem etwas häufiger vor, aber keine Darstellerin hat sich nach dem Ausstieg von Karin Dor aus der Reihe als eines „der“ Gesichter der Reihe etabliert, wie bei den Männern Klaus Kinski, Eddi Arent, Joachim Fuchsberger.

Die Sekretärin des Scotland-Yard-Chefs ist aber schon seit drei oder vier Filmen dieselbe, flirtet gerne mit ihm, gleich ob er Sir John oder Sir Arthur heißt und wird von Ilse Pagé dargestellt.

In der Gerichtsmedizin findet man bei dem Toten eine Puppe, mit einer Inschrift, die man aber nicht entziffern kann, weil sie in einer afrikanischen Sprache verfasst ist. Aber da kommt Uschi Glas ins Spiel – als Sprachexpertin. Der Tote hatte eine Stiftung gegründet, deren Vorstand ist Albert Lieven. Von dem wissen wir seit dem ziemlich stilechten „Das Verrätertor“, dass er zwielichtige Figuren darstellen kann. Irgendwer erpresst ihn aber hier offensichtlich und man sieht sodann eine Verbrecher-Visage im NS-Stil im weißen Sakko und roten Hemd, eine Klinik, eine Stiftungspatronin und einen Club, in dem nackte Mädchen Amateurmalern oder -fotografen Modell stehen. Wir sind im Jahr 1968! Vor den Schamhaaren aber doch Feigenblätter. Aber hier dürfen auch mal Kellnerinnen mit Bommeln stramen Bodybuildern den Allerwertesten klapsen, außerdem sind einige Szenen wirklich in London gefilmt, obwohl „Der Gorilla von Soho“, anders als der oben erwähnte „Das Verrätertor“ keine britisch-deutsche Coproduktion ist.

Der Erpresser wird an einem Pier des Themse-Hafens gestellt, kann aber ins Wasser entspringen. Und es kommt schon wieder zu einem Mädchenheim, was in „Der unheimliche Mönch“ erstmals gezeigt wurde (als Internat bzw. Pensionat) und sich offenbar bei den Zuschauern großer Beliebheit erfreute – dieses Mal heißt die Anstalt St. Maria. In diesem Heim gab es einmal einen Heizer, der nach einem Brandunfall spurlos verschwand. Nun raten Sie mal mit, wer das Gorilla-Kostüm trägt. Aber stimmt das wirklich? Wir werden es sehen. Denn man weiß bei Edgar Wallace nie, ob nicht am Schluss noch eine Täterperson aus dem Hut gezogen wird (Siri: „einen Scheiterhaufen gut gezogen“), die man über fast den gesamten Film hinweg gut vor dem geneigten und zum Mitraten bereiten Publikum versteckt hat.

Ein Mann ändert sein Testament zulasten der Stiftung, weil er gerade erfahren hat, dass seine Tochter noch irgendwo lebt (die einen verschwinden spurlos, die anderen tauchen plötzlich wieder auf). Wir sehen wieder eine Puppe, dieses Mal in der Tasche von Uschi Glas – bisher ist aber niemand darauf gekommen, dass diese Puppen von einem stummen afrikanischen Mädchen platziert werden, das in dem Heim lebt und der Außenwelt etwas mitteilen möchte. Respektive dem Inspektor, dazu verwendet sie ein gläsernes Medium. Im Marienheim wird nun Miss McPherson undercover, als Angestellte der staatlichen Fürsorge, auf Erkundung geschickt und der Gorilla von einem Krankenwagen am Pier abgeholt. Der Testament-Änderer wird wohl dran glauben müssen – oder ist die Testamentsänderung noch nicht unterzeichnet? Da hat man doch schnell einen Zeugen zur Hand. Zur gleichen Zeit kommt ein Boot an, hupt und es steigt ein Mensch im weißen Mantel aus und der Gorilla bringt den Millionär mit, der etwas ändern wollte.

Nun die Waschmaschine. Ich weiß, dass ich sie in einem Film schon einmal gesehen habe, war es gar dieser? Oder derjenige, auf dem „Der Gorilla von Soho“ aufbaut? Wahrscheinlich wird die Maschine durch eine böse Heimschwester bedient. Richtig, und gewaschen wird darin der Millionär. Es handelt sich also nicht nur um eine Hirn-, sondern um eine Ganzkörperwäsche inklusive Bekleidung. Daneben steht das dunkelhäutige taubstumme Mädchen. Eine andere Bewohnerin sagt zu Susan McPherson, um die müsse sie sich mal kümmern, die sei schon viel zu lange hier. Und da wird die Informantin schon umgebracht, obwohl sie so viel noch gar nicht gesagt hatte. Jedoch: Wehret den Anfängen! Sie war übrigens rothaarig und hatte eine rot eingefärbte Platte auf dem Plattenspieler liegen – sie war es auch, die den Stiftungsvorstand ein wenig erpressen wollte, womit auch immer, nicht etwa der Gorilla.

„Bist du Nadja Parka was wohl nicht dann hätte sie ja nicht angezeigt. Tortys missverstehst abwesende oder ist dass das dumme Mädchen. Der Parka war es wohl nicht, sonst hätte er sie ja nicht angezeigt. Und bei der letzten testamentsänderung, zulasten der Stiftung, hat er ja nichts davon den Mann der das Testament schon geändert hat, umzubringen.“ Konfrontationstherapie bei Menschen mit einer Phobie gegen Dadaismus ist ein neues Hobby von mir, daher (in Anführungszeichen) wieder ein Originalsegment der Siri-Aufzeichnung während des Films.

Aber hat man je eine Haltestange in einem Fahrstuhlschacht gesehen? Wie soll das gehen? Das geht beinahe böse aus, aber sie müssen es sich bitte selbst anschauen. Endlich darf nun einmal des Mädchenheim durchsucht werden. Es gibt einen anderen Wallace-Film, in dem eine Einrichtung nicht gleich gefilzt werden darf, obwohl dort offenbar Umtriebe herrschen, weil sie entweder von der Kirche betrieben wird oder die Betreiber oder Unterstützer eine hohe gesellschaftliche Stellung genießen. Und immer ist bei den Aktionen ein Krankenwagen im Spiel. Prinzipiell eine gute Idee, denn ein Krankenwagen mit Blaulicht hat immer Vorfahrt und darf rote Ampeln passieren. Im Film wird das allerdings nie so ausgespielt, dass sich dadurch ein Zeitvorteil ergibt, den die Polizei nicht nachvollziehen kann („So schnell kommt man niemals von diesem A nach jenem B, also kann C es nicht gewesen sein“, wobei C für „Crankenwagenfahrer“ steht). Ich merke mir diese Idee für mein erstes Tatort-Skript.

Wir erfahren nun kurz hintereinander, dass die Schriftzeichen auf den Puppen „tunesisch“, m. a. W. arabisch? Sind, dass man einen Krankenwagen auch zum Überfahren von Menschen einsetzen kann und das der Gorilla wirklich der Mann mit den vielen Brandwunden ist. Wieso denke ich immer, ich kenne diesen Film schon? Der junge Assistent des Inspektors schafft es, an dem weißen Boot, das wir schon kennen und das die originelle Aufschrift „X 1“ trägt, einen Peilsender anzubringen. Was das bringen soll, wenn derjenige, der das Boot steuert, merkt, dass die Wasserpolizei hinter ihm her ist, bleibt fraglich. Der Gorilla indes wechselt auf ein größeres Boot. Auf dem Boot sitzt die arme alte Mutter von Miss McPherson. Was will man von ihr? Auf jeden Fall: So kann man jemanden auch auf eine Weise erschrecken, dass er ohnmächtig wird. Indem man die Maske abnimmt und sein Gesicht zeigt. In unseren Zeiten eine besonders wirkungsvolle Methode, anderen Menschen Schaden beizufügen. Die Polizei versucht, den Gorilla festzunehmen, doch der springt ins Wasser und rauscht mit so einem Ding davon, das wir aus „Man lebt nur zweimal“ kennen, eine Art Motor, an den man sich dranhängt, um sich ziehen zu lassen. Hat die arme Oma nun einen Herzinfarkt erlitten? Sie bewegt jedenfalls noch ihre Lippen, nachdem ein Polizist ihr das Pflaster des erzwungenen Schweigens vom Mund genommen hat. Wenn man bedenkt, dass der Gorilla ohne Tauchermaske und Sauerstoffflasche da unten unterwegs ist … Aber sie haben eine große Lunge, die größten Primaten dieser Welt. Ich zitiere wieder aus der Originalbeschreibung des weiteren Geschehens:

„Inspector geht jetzt auf eigene Faust schnüffelt im komischsten Tiere Türgriff habe ich doch im letzten Film schon mal gesehen. Tschüss. Aber jetzt ist das der Dings zu Love and Peace Foundation. Ach ja genau da muss ja noch eine zweite Person mit Bademantel und. Und Handschuhen und Dings gewesen sein also der bird kriegt den schon mal nicht indem die Selbstschussanlage durch den kugelsichere Weste aufgehalten wurde.“ Auf jeden Fall ist die Handlung recht originell, oder nicht?

Aber eine bescheuerte Idee, die arme Miss McPherson allein in diesem Heim herumfuhrwerken zu lassen, wo doch jeder weiß, dass der Gorilla irgendwo da sein muss. Und die böse Schwester, die kommt wie auf Bestellung.

Finale

Dass das Finale in jenem Heim stattfindet, war schon lange klar. Die böse Schwester, der Gorilla, Miss McPherson, Erstere will Letztere erschießen, Parker hingegen will zu Geld kommen und hat in der Klinik eine Kontaktperson. Aber warum hindert diese die Schwester daran, Susan zu erschießen? „Wir trinken Salsa Quatsch Dingsbums der Verbrecher selbst spielt den Talking Heads.“

Haben wir geahnt, dass in Wirklichkeit Miss McPherson die Erbin Susan Ward ist? Nur, weil sie von Uschi Glas von den Glas-Werken gespielt wird? Angeblich hat ihr Vater dort aber nur gearbeitet und war nicht mit den Besitzern der Automobilschmiede verwandt, die von BMW gekauft wurde, womit zu beweisen ist, dass nicht Volkswagen irgendwo im Osten, sondern BMW schon lange vor der Wende die erste gläserne Manufaktur besaß.

Es naht Rettung in Form des jungen Inspektors, der sich einen Taucheranzug angezogen hat und in den Kanal abtauchte, der in der Klinik endet. Der Mann wird vom Gorilla erwischt, in diese doch sehr zweckmäßige Waschturbine gesteckt, kann sich befreien und benutzt seinerseits die Mitarbeiterin von Mr. Parker als Schutzschild. Parker jedoch erschießt die Frau einfach – hilft aber komischerweise Susan Ward aus dem Waschautomaten. Oder ist es doch der junge Polizist? Wie hat der nun den Gorilla überwältigt? Jetzt hat eine junge Frau das Wort, die gerne Theater spielen möchte und sehr lispelt und Sir Arthur erscheint. Alle fahren mit einem Lift und wo der Pfeil der Anzeige stehen bleibt, das ist nicht Station „Null“, sondern „Ende“.

Die Kritik war eher nicht so begeistert von diesem Film und ich bin sauer, dass der Gorilla weder motivisch erläutert wird, noch Absolution erhält. Es muss nicht immer Kaviar sein, aber, wie eine Kritik schrieb: „Die Schwarz-Weiß-Version ist gruseliger“. Das gilt für alle Wallace-Filme, die noch ohne Farbe gedreht wurden, wenn man sie mit „Der Gorilla von Soho“ vergleicht.

58/100

© 2020 (Entwurf 2016) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv = Wikipedia bzw. zitiert nach der Wikipedia

Begleitartikel „Special Edgar Wallace“ (Update)
Filmfest News 1 (beinhaltet das 2. Update zum „Special Edgar Wallace“ – vorliegender Artikel)
Filmfest News 2 (aktueller Stand des „Special Edgar Wallace“ und weiterer Vortellungsrhythmus)
Filmfest News 3 (aktueller Stand des „Special Edgar Wallace“ und weitere Neuigkeiten)
FFA 61 Der Frosch mit der Maske
FFA 63 Der Rächer
FFA 65 Der grüne Bogenschütze
FFA 67 Die toten Augen von London
FFA 70 Der rote Kreis
FFA 72 Das Geheimnis der gelben Narzissen
FFA 74 Die seltsame Gräfin
FFA 76 Das Rätsel der roten Orchidee
FFA 78 Die Tür mit den sieben Schlössern
FFA 80 Das Gasthaus an der Themse
FFA 83 Die Bande des Schreckens
FFA 85 Der Zinker
FFA 88 Der schwarze Abt
FFA 91 Das indische Tuch
FFA 94 Der Hexer
FFA 97 Neues vom Hexer
FFA 102 Der Fälscher von London
FFA 107 Der unheimliche Mönch
FFA 112 Zimmer 13
FFA 117 Die Gruft mit dem Rätselschloss
FFA 122 Das Verrätertor
FFA 127 Der Fluch der gelben Schlange
FFA 132 Todestrommeln am großen Fluss
FFA 137 Sanders und das Schiff des Todes
FFA 142 Der Bucklige von Soho
FFA 147 Das Geheimnis der weißen Nonne
FFA 152 Im Banne des Unheimlichen
FFA 157 Der Hund von Blackwood Castle 
FFA 162 Die blaue Hand
FFA 167 Der Mönch mit der Peitsche
FFA 172 Der Mann mit dem Glasauge
FFA 177 Die Tote aus der Themse
FFA 182 Der Gorilla von Soho (dieser Beitrag)

Produktion Rialto Film
(Horst Wendlandt, Preben Philipsen)
Musik Peter Thomas
Kamera Karl Löb
Schnitt Jutta Hering
Besetzung

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